Über

Laila Phunk klingt nur wie Punk – oder wie „phat Vibes“, je nachdem wie man es ausspricht. In Wirklichkeit ist es ein kleiner, privater Blog mit Texten zu Politik, Geschichte, Kultur und Gesellschaft (und manchmal auch ein ganz bisschen Wirtschaft). „Laila“ ist übrigens Finnisch und bedeutet „die Weise“. Da das aber vielleicht doch ein bisschen hochgegriffen ist, bin ich ganz froh, dass es den Namen auch im Arabischen und Hebräischen gibt, denn da heißt es schlicht „Nacht“. Das passt doch ganz gut zu meinem Layout – dachte ich mir. Nein, im Ernst, ich bin Historikerin und schreibe ganz gern über die düsteren Seiten des Lebens. Weniger Dark Wave und Industrial, dafür Faschismus, totalitäre Denkweisen, soziale Gegensätze, Armut, Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung im Allgemeinen. Klingt ein bisschen düster, ich weiß.

Aber wir leben in einer Zeit des Umbruchs: Die Globalisierung hat z. T. extreme Konkurrenzkämpfe nach sich gezogen. Die berühmt-berüchtigte soziale Ader ist heutzutage nicht selten nur noch ein modisches Accessoire, etwas, womit man seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen kann oder ein Eintrag im Lebenslauf, mit dem sich vielleicht Punkte machen lassen. Die Idee, dass man Missstände anprangern und Menschen in Not helfen sollte, Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit, Mitgefühl und Fairness scheinen alte Hüte zu sein oder vermeintlich abgegolten mit einer überzogenen, manchmal geradezu hysterischen Minderheitenpolitik, die meistens dann doch nur hippen, jungen Leuten aus den höheren Gesellschaftsschichten zu Gute kommt.

Gerade das aber versuchen sich die Rechtspopulisten zu Nutze zu machen – nicht nur hier in Deutschland, sondern fast überall in Europa. Ein Herz für die „kleinen Leute“ haben sie angeblich, Politik gegen „die da oben“ wollen sie machen, behaupten sie. Wer näher hinschaut, sieht jedoch sehr schnell, dass dahinter ein abstruser Elitenkult à la Sarrazin oder schlimmer noch, angelehnt an den italienischen Faschisten Julius Evola, steckt. Es geht um eine Rückkehr zu einer erstickenden, erzkonservativen Enge und viele derer, die sich als liberal-konservative Wutbürger präsentieren, die, wie sie sagen, nur aussprechen, was angeblich sowieso jeder denkt, scheuen in Wirklichkeit keinen Zoll davor zurück, sich mit Neonazis und Faschisten alter Schule gemein zu machen oder sind sogar selbst welche.

Die Alternative zur „Alternative für Deutschland“ (und zur europaweit vernetzten“Identitären Bewegung“) ist die vielbeschworene Alternativlosigkeit Angela Merkels, also Austeritätspolitik und ein erfreulich generöser Umgang mit Flüchtlingen und Einwanderern, der jedoch – so sehr es migrationspolitisch ohne Zweifel ein wichtiges und richtiges Signal ist – die bestehenden sozialen Probleme in den letzten Jahren leider erheblich verschärft hat. Sicher, uns geht es vergleichsweise gut in Deutschland, die Wirtschaft boomt sogar, aber dennoch lebt ein Fünftel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Statt dass dringend benötigte Wohnungen gebaut werden, wurde und wird in erster Linie ein neues Deutschland gefeiert, das jetzt – so möchte man es zumindest gern verstanden wissen – endlich einen „Schlussstrich“ unter die nationalsozialistische Vergangenheit und den Holocaust ziehen kann. Angesichts des Rechtsrucks, der sich in unserem Land vollzogen hat, kommt einem das manchmal wie der blanke Hohn vor.

Hinzu kommt, dass es kein Korrektiv und keinen Gegenpol mehr von links gibt. Das linke Lager, die Friedensbewegung und andere soziale Basis- und Bürgerinitiativen haben sich längst von der politischen Bühne zurückgezogen und dümpeln heute mehr schlecht als recht vor sich hin in einem Mix aus Verschwörungstheorien, „Alternativmedien“, linkem Lifestyle und der erklärten Liebe zu Russland, womit in erster Linie eine vorbehaltlose Unterstützung Wladimir Putins gemeint ist. Davon abgesehen bestimmen Kuriositäten wie Chemtrails und Aluhüte die Diskurse. Die für das Milieu – sofern es sich nicht gerade um die daneben bestehende ebenso schrille und widersprüchliche, antideutsche, neokonservative, gleichwohl aber genauso in der linken Subkultur verhaftete „Bahamas“-Fraktion handelt – mittlerweile geradezu typischen antisemitischen Ausfälle scheinen offenbar bei kaum noch jemandem auf Widerspruch zu stoßen oder auch nur die leiseste Kritik auszulösen. Die Extreme fusionieren miteinander. Die Berührungsängste mit rechts und rechtsaußen sind verschwunden. Am äußersten Rand hat sich sogar eine bizarre „Querfront“ formiert: Ausgerechnet der Immobilien-Mogul und amtierende, rechtskonservative US-Präsident Donald Trump, der auch von der rechtsextremen „Alt-Right“-Bewegung unterstützt wird, kann z. B. mittlerweile auch Alt-68er, überzeugte DKPler und andere linke Aktivisten und Aktivistinnen zu seinen Fans zählen, die AfD ist hier und da plötzlich ein adäquater Bündnispartner und einige gehen ohne mit der Wimper zu zucken gemeinsam mit bekannten Neonazis demonstrieren.

Ähnlich drastisch hat sich die Frauenbewegung verändert. An ihre Stelle ist der Queerfeminismus getreten, der es sich zum Ziel gemacht hat, die sozialen Probleme der Gegenwart – Rivalitäten, erbitterte, globale Konkurrenzkämpfe und die Angst, unterzugehen in einer Welt, in der nur restlos selbst-optimierte, attraktive und physisch fitte, junge Menschen bestehen können – auf ein Ringen um den eigenen Körper und die eigene Geschlechtlichkeit zuzuspitzen. Trotz des neuen „Liebeskommunismus“, der fast wie ein Schutzschild an Unis und im linken Kultur- und Medienbetrieb hochgehalten wird, ergibt sich hier politisch eine sehr weite Klammer von der Querfront am linken (und rechten) Rand bis hin zu einem angesichts des propagierten, linksradikalen Selbstverständnisses überraschend elitebewussten, bildungsbürgerlichen und wertkonservativen schwarz-grünen Milieu, das Angela Merkel als Kanzlerin sehr zugetan ist. Sowohl politische Positionierungen als auch Kritik sind damit schwer bis unmöglich.

Das alles ist mir in den letzten Jahren ganz schön auf den Magen geschlagen. Ständig muss man sich abgrenzen, nur wer alles auf knappe, klare Formeln und Losungen herunterbricht und das richtige, „coole“ Lebensgefühl rüberbringt, wird nicht „missverstanden“. Unsere Gesellschaft ist seltsam stumm geworden, intellektuell oberflächlich und fade, irgendwie geduckt. Man könnte fast meinen, die Leute hätten Angst vor engagierten Debatten, Kontroversen, konstruktiver Kritik und Kompromissen – all das, was eine lebendige Demokratie letztendlich ausmacht. Utopien und Gegenvorschläge – und seien sie auch noch so unausgegoren – findet man eigentlich nirgends mehr. Alles prallt an glatten Oberflächen ab oder wird in quälenden, fruchtlosen Identitätskonflikten, die jeder mit und für sich selbst austrägt, niedergerungen. Ich jedenfalls fühle mich auch in intellektueller Hinsicht ein bisschen mutlos und abgehängt. Deshalb mache ich diesen Blog.

Allerdings will ich hier auch nicht die Oberschlaue geben, die glaubt, alles besser zu wissen und für jedes Problem die richtige Lösung zu haben, wenn man sie nur einmal machen ließe. Von meiner Seite gibt es daher nur Debattenbeiträge. Man könnte sagen, es ist alles „in der Beta-Phase“ oder dass es sich um eine Art digitale Flaschenpost handelt – Statements, Gedankenblasen und hastig in die Tasten Gehauenes, hinausgespuckt ins World Wide Web, in der Hoffnung, dass es jemand liest oder ansonsten einfach so. Schön, wenn es Dir, lieber Leser, liebe Leserin, ähnlich geht. Dann sind wir ja schon einmal zu zweit. Kommentieren kann man „Laila Phunk“ leider trotzdem nicht, denn ich bin nicht oft genug online, als dass ich Zeit hätte, eine Kommentarfunktion zu betreuen und da das Spannende am Kommentieren ja das aufeinander-Reagieren ist, fand ich, dass ich es dann auch gleich lassen könnte. Sorry! Trotzdem viel Spaß beim Lesen! Laila Phunk im Dezember 2017.

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