Hassverbrechen als Eigentor

Gewalt gegen Homosexuelle soll  in Berlin drastisch zugenommen haben, u. a. der RBB berichtete darüber. Warum sitzt die Faust jetzt plötzlich so locker, wenn ein schwules Pärchen des Weges kommt? Schlimm, wenn er nicht mit ihr, sondern mit ihm Händchen hält? Warum eigentlich? Allerdings – dass es in dem Artikel auch um „Transfeindlichkeit“ geht, machte mich dann doch gleich wieder ein wenig misstrauisch. Offiziel bin nämlich auch ich „transphob“. „Transfeindlich“ kann man, meiner Erfahrung nach, schon durch seine bloße Existenz sein.

Außerdem geht es dabei zu sehr um psychische Störungen – u. a. auch darum, dass Menschen Aufmerksamkeit und Zuneigung um jeden Preis für sich wollen und zugleich hoffen, dass andere – RivalInnen im Buhlen um die Gunst der Menschheit! – wie Dreck behandelt werden. Da ist dann jedes nette Wort, das einem anderen Menschen zuteil wird, schon diskriminierend, eine Mikroaggression gegen den queeren Menschen, der diese Zuwendung seiner Meinung nach viel eher verdient hätte. Im ärgsten Fall greift mensch sogar selbst an, denunziert aber das Opfer und delektiert sich dann in einem perversen Vergnügen daran, dass letzteres für die eigenen Missetaten bestraft wird.

Nasty people!

„You have the right to be nasty!“ forderte die französische Queeraktivistin Céline Robinet einst (Video auf Youtube mittlerweile gelöscht oder nicht mehr auffindbar, ich habe aber schon mal darüber geschrieben, da war es noch online). Wirklich? Aber andere müssen nett sein und sich umherschubsen lassen?

Selbst hatte ich in einer der Kneipen der Berliner Subkultur unangenehme Erfahrungen mit Céline Robinet (so war die Frau seinerzeit vorgestellt worden) – gemacht. Ich erinnere mich noch, dass ich gerade einen Schluck Bier nehmen wollte, als Robinet sich an mich heranpirschte, wie ein Hund an mir schnüffelte und laut ausrief „Ouaah! Elle pue!“ („Boah, die stinkt!“) – Gackern! Eine der vielen „Neckereien“, die ich mir gefallen lassen musste! So wollte man es zumindest in der queeren Szene verstanden wissen. Vielleicht hatte Robinet Glück, dass ich so perplex war, dass ich erst einmal gar nicht wusste, was ich sagen oder tun sollte. Jemand anderes hätte vielleicht ausgeholt und zugeschlagen – mitten in die selbstgefällige Fresse des kleinen „Frechdachses“.

Was bilden die Leute sich eigentlich ein? Andere demütigen, zu glauben, dass gehöre auch noch zu ihren Menschenrechten und sich dann wundern, wenn andere ihnen keine positiven Gefühle entgegenbringen? Ist das dann „Hasskriminalität“?

Der Kampf um „Sichtbarkeit“: Nicht dass jemand den Blick verstellt!

Der zweite Punkt – und da schneiden die Leute sich ins eigene Fleisch -, ist die freie Wählbarkeit. Zwar gibt es ein sexuelles Selbstbestimmungsrecht, um Trans- und Bisexualität (alles, was man sich leicht andichten kann) wird in der Szene allerdings so sehr mit Zähnen und Klauen gekämpft, dass es einen aufhorchen lässt. Eigentlich geht es ja um Diskriminierung und da sollte man meinen, dass die Leute sich eher zurückhalten und froh sind, wenn nicht jeder sofort darauf kommt – (nebenbei bemerkt, war Diskriminierung auch der Grund, warum Lesben, Schwule und Bisexuelle bis weit in die 1990er Jahre damit zögerten, sich öffentlich zu outen. Unvergessen noch Ellen DeGeneres, die der Welt auf dem Cover der „Vanity Fair“ selbstbewusst ins gesicht sagte „Yep, I’m gay!“ („Yeah, ich bin homosexuell!“) – und danach aus ihrer Sitcom flog und – wie es für ein paar Jahre aussah – vollkommen verbrannt für das Filmbusiness war).

Nun, in Berlin ist es umgekehrt: „Sichtbarkeit!“ ist alles, wer sich irgendwie nicht normal fühlt, trägt es mit stolz geschwellter Brust vor sich her. Schließlich gibt es Minderheitenförderung dafür. Geisteswissenschaftler ohne feste Berufsidee, mittelprächtige Literaten, Künstler, Journalisten oder Filmemacher können sich plötzlich darauf berufen, dass man doch ihre Sicht der Dinge jetzt einmal hören will. Aus dem Weg also mit der „Mehrheitsgesellschaft“, die nicht alles dominieren soll. Selbstverständlich trifft das nicht auf jedeN queeren KünstlerIn (SchrifstellerIn, …) zu. Einige sind wirklich einfach gut und hätten ihr Publikum auch als „Normalos“ begeistert, wären die Karriereleiter dann vielleicht sogar noch höher geklettert. Aber in ihrem Kielwasser schwimmen all jene, die irgendwie was mit Kultur und Medien machen wollen und nach denen ohne „Empowerment“ und „positive Diskriminierung“ kein Hahn gekräht hätte.

Die oben erwähnte Robinet entdeckte in ihren Mittdreißigerin (Sie/Er ist in etwa in meinem Alter), dass sie eigentlich ein Mann ist und nannte sich fortan Jayrôme. „Er“ – u. a. ein Darling und Förderkind Carolin Emckes – lebt offenbar immer noch in Berlin und produziert als französisch-deutscheR SchriftstellerIn Texte, die für eine Nicht-MuttersprachlerIn in der Tat beachtlich sind, an denen mensch aber wohl v. a. Freude hat, wenn mensch sehr feminine, auf eine eher altmodisch-poetische Art verfasste Literatur mag, die quasi als Stream of Consciousness in erster Linie das innere Erleben des/der AutorIn ausführlich schildert. Speziell der sehr weibliche Touch ist offenbar nicht nur mir aufgefallen. Kein „Männergehirn“ also, sorry, nicht „im falschen Körper geboren“.

Eigentlich nicht schlimm – wen stört’s, könnte man sich sagen, aber wenn man im Hinterkopf hat, dass die Leute sich darum prügeln, wie eine Meute Hunde um einen saftigen Knochen und sich ihre „Andersartigkeit“ auch entsprechend vergüten lassen und man quasi als Tüpfelchen auf dem i außerdem noch angehalten ist, sich ihnen gegenüber zu verhalten, als ob die Mutter gerade mit dem neugeborenen kleinen Geschwisterchen aus dem Krankenhaus gekommen sei, das jetzt ihre volle Aufmerksamkeit braucht, weshalb man selbst ruhig und pflegeleicht sein soll, keinen Ärger machen, sich das Pausenbrot gefälligst schmieren soll und – selbst wenn man das alles auch brav macht – andauernd angeherrscht wird, weil die Mutti so gestresst ist, weil der kleine Sonnenschein – „Kutschikutschi“ hier, „Kutschikutschi“ da – der ganze Stolz der Eltern! -, nicht durchschläft – Dann ist das zuviel. Wir reden hier ja über Erwachsene. Und man muss sich nicht wundern, wenn das Aggressionen provoziert.

Opfer oder Täter oder beides? Rechte Tendenzen im queeren Lager

In seinem Buch „Unter Weißen“ schreibt der Journalist Mohamed Amjahid, dass es Rassismus, Ausländer- und Islamfeindlichkeit auch in der LGBT-Szene gebe. Als er allerdings dazu recherchieren wollte, habe der LSVD (Lesben- und Schwulenverband) empfindlich reagiert (vgl.: Amjahid, Mohamed: „Unter Weißen“, Berlin 2017, S. 113 ff.). Zu emsig ist offenbar an dem Bild der Freundschaft aller Minderheiten gebastelt worden, die fest zusammenhalten gegen die böse, böse Mehrheitsgesellschaft, als dass man sich das jetzt durch ein paar unschöne Details zerstören lassen wollte. Der wesentliche Affront scheint dabei zu sein, dass „sexuell Abweichende“ keine Heiligen sind – ebenso wenig wie MigrantInnen (oder natürlich „Mehrheitsmenschen“).

Das wirkt nicht nur autoritär und gebieterisch – es hätte sich auch niemand einen Zacken aus der Krone gebrochen, einfach mal Tacheles zu sprechen: Ja, es gibt MigrantInnen, die wirklich homophob (und auch transfeindlich) sind. Natürlich versteht man, dass Schwule sich nicht gern zusammenschlagen lassen, nur weil irgendjemandem ihr Anblick nicht schmeckt. Aber hier und da fragt man sich auch, was man eigentlich noch für bare Münze nehmen kann. Amjahid berichtet von Transsexuellen, die sich darüber beklagen, fast tagtäglich von Männern mit Migrationshintergrund angepöbelt, ja sogar angespuckt zu werden. Sicherlich gibt es solche traurigen Zwischenfälle und mensch hat, wie gesagt, auch alles Recht, sich darüber zu empören.

Aber auch ich gelte, wie eingangs erwähnt, als „transphob“, wäre wegen „transphober Hetze“ beinahe auch verklagt worden (zumindest ist es mir mehrfach angedroht worden). Nur dass ich den Leuten nichts getan habe, eigentlich nichts gegen sie habe. Ich mag es einfach nicht, wenn sie mich (zusammen mit den Adipositasfrauen) stalken (ich habe die Leute eben auch so ziemlich tagtäglich am Hals und das seit Jahren! Dabei habe ich im Übrigen nie beobachten önnen, dass jemand sie „angepöbelt“ hätte. So oft kommt das wohl doch nicht vor.), ich mag es nicht, wenn sie mich anstarren, und immer noch ein Bunch queerfeministischer Frauen in der Nähe ist, der beobachtet, wie ich mich verhalte (natürlich immer falsch! Offenbar soll ich ja auch der Transphobie „überführt“ werden). Was ist also hier wirklich transphob und wo geht es darum, dass die Leute einfach bloß ihre eigenen Ressentiments ungehemmt ausleben wollen? Und – sorry, aber die Frage muss leider wirklich erlaubt sein – wird nicht manchmal auch so lange provoziert und gestichelt, bis die Leute ärgerlich reagieren, DAMIT man einen „transphoben Übergriff“ denunzieren kann?

„Beißreflexe“ – noch nicht ausdiskutiert!

Die Empfindlichkeit der Menschen, die überall Diskriminierung und „Mikroaggressionen“ wittern, sich selbst aber oft brutal und demütigend verhalten, ist in den Diskussionen um das Buch „Beißreflexe“ beschrieben worden – in der „Zeit“ (wo die Debatte aktuell weitergeht), in der „Emma“ und anderswo. Unter dem Twitter-Hashtag #beissreflexe findet sich aber auch ein Foto, dass Menschen in pinken Niqabs zeigt, die Bajonette oder Schlagstöcke vor sich aufgepflanzt haben – kämpferische (Waffen!) Solidarität zwischen queeren Menschen (Pink!) und Muslims (Niqab!)! soll hier zum Ausdruck gebracht werden werden, der Post gehört zu den schärfsten auf Twitter geäußerten Kritiken an dem Buch „Beißreflexe“ (dessen AutorInnen sich übrigens selbst ebenfalls als „queer“ und „trans“ definieren).

Da fragt man sich wirklich, wann und wo der Realitätsbezug vollständig verloren gegangen ist. Vielleicht war auch das Attentat von Orlando (für das man sich im Übrigen vor einigen Wochen an mir „rächen“ wollte) ein „Versehen“ – eigentlich hat der Mann die „Mehrheitsgesellschaft“ treffen wollen, eben weil die Minderheiten sich untereinander so gut verstehen. Tut mir leid, aber das ist Humbug! Leider mag der IS, mögen rechtskonservative Muslime (das sind die, deren Frauen Burka und Niqab tragen) LGBT-Menschen wirklich nicht so. Der IS tötet sie sogar. Ausnahmen mögen die Regeln bestätigen und für die rechten, islamfeindlichen Queers ist es außerdem wichtig, zu wissen, dass LIBERALE Muslime NICHT der Feind sind. Sie dürften homo- und transphobe Aggressionen über den Daumen gepeilt ebenso häufig von sich geben, wie der – eher tolerante – Durchschnittsdeutsche: gibt’s sicher, gibt’s auch, dass jemand keine Homosexuellen mag, sich aber zurückhält, aber manche haben eben einfach nichts dagegen oder finden es sogar gut, dass sich auch LGBT-Menschen offen und selbstbewusst zeigen. Die können dann auch nichts dafür, wenn man ihnen das trotzdem unterstellt, dass sie homo-/transphob seien.

Empowerment oder Kampf gegen Diskriminierung?

Relativieren tut Not. Wer „nasty“ mit anderen sein will, darf auch nicht lamentieren, wenn die das dann umgekehrt auch ok finden, wenn man selbst mal ein paar Gemeinheiten abkriegt. Wer Aggressionen schürt, ist selbst Schuld. Man kann ja Leute, die man nicht leiden kann, auch einfach in Ruhe lassen.

Und dann sind da noch die Hipster und einige ältliche Uni-Frauen, die ihren Hintern zu lange auf Post-Doc-Stellen geparkt hatten, ohne dass eine reelle Karriere im akademischen Bereich drin gewesen wäre. Diesen leuten geht es doch eigentlich v. a. darum, sich bei Leuten, die im Kultur- und Medienbereich etwas zu sagen haben, – z. B. die bereits erwähnte Carolin Emcke, Ines Pohl (Deutsche Welle, Ex-Chefredakteurin, taz), Silvia Fehrmann (Haus der Kulturen der Welt, Freundin von Carolin Emcke), Miriam Meckel, Anne Will, Dunja Hayali, …. – lieb Kind zu machen und „Empowerment“ und „Affirmative Action“ für sich in Anspruch nehmen zu können.

(„Affirmative Action“ = „positive Diskriminierung“, die Leute sollen erst einmal eine Art Kredit kriegen, dass man voraussetzt, dass sie gut, begabt und kompetent sind und in guter Absicht handeln, auch wenn es erst einmal nicht so scheint. Ursprünglich war das dazu gedacht, böswilligen Unterstellungen – echter Diskriminierung! – etwas entgegenzusetzen – etwa der Annahme, Schwarze seien weniger intelligent (auch wenn sie offensichtlich intellektuelle Begabung erkennen lassen), dafür häufiger kriminell und gewalttätig, …. Da das im Umkehrschluss bedeutete, vorauszusetzen, dass Weiße intelligenter sind (und gesetzestreuer, friedfertiger, sozial kompetenter, auch wenn es keine konkreten Anhaltspunkte dafür gibt), hielt man es für gerecht, den Spieß einfach umzudrehen. Vor diesem Hintergrund kann man sich vorstellen, warum viele Leute so erpicht auf die Minderheitenrechte sind …) – bloß diskriminiert man die nicht, wenn man sie „nur“ wie alle anderen behandelt. Immerhin sind es zumeist junge, hellhäutige Menschen aus den höheren Gesellschaftsschichten, die sozial ohnehin immer im Vorteil waren – sich häufig auch erst zu ihrer „Queerness“ bekannt haben, als es plötzlich hip war – und „Affermative Action“ ist so gesehen nichts anderes als das gute alte Privileg, grundsätzlich vorgezogen zu werden und zuerst dran zu kommen, das einem möglichst kein anderer streitig machen soll.

Gewalt und Hass sind immer schlimm, egal, wen sie treffen und von wem sie ausgehen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, das so zu sehen. Dennoch ist dies in den letzten Jahren immer wieder in Frage gestellt worden. Nicht nur, dass Aggressionen offiziell nie von Menschen ausgingen, die sich mit Queer identifizieren – Homophobie wurde, sofern sie jemandem entgegenschlug, den diese Leute nicht als „queer“ akzeptierten oder auch nur einfach nicht mochten, auch nicht als diskriminierend gewertet. In einigen Fällen kann man es tatsächlich so sehen, dass diese Menschen homophobe Reaktionen anderen gegenüber sogar bewusst provoziert haben, um sich dann ins Fäustchen lachen zu können – da macht es doch nichts!

All das hat dazu beigetragen, Homo- und Transphobie zu schüren oder zumidnest die Hemmschwelle zu senken. Eben weil vielen Leuten bewusst war, dass die Dinge in einigen Fällen bei Tageslicht betrachtet ganz anders liegen, als die „Opfer“ Glauben machen wollten. Will die queere Community ernst genommen werden, muss sie auch kritikfähig werden. Nur anprangern reicht nicht. Das hat der Bericht des RBB (siehe oben) ja recht eindrucksvoll gezeigt.

Punkte machen mit dem A-Wort? Wie Antidiskriminierungspolitik zum Eigentor wird

A wie Antisemitismus. Wer dagegen ist – „anti“ – könne es aber auch wiederum übertreiben, meint Jakob Augstein. Der Anti-Antisemitismus könne schnell zur Obsession werden, schreibt er in seiner  Spiegel-Kolumne unter dem Titel „Das A-Wort“ (Print, Spiegel 2017/25). Aufhänger ist die umstrittene Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“, die WDR und Arte zunächst nicht zeigen wollten. Dann zeigte Bild-Online sie und schließlich lief sie dann, versehen mit einigen Korrekturen, doch noch regulär im Fernsehen.

Warum so viel Aufregung um einen Film? Sicher, der Film ging das Thema parteiisch an, sehr fokussiert auf den Nahostkonflikt, vor allem wohl aus der Perspektive der israelischen Regierung. Das wurde nicht nur im Pro-Palästina-Lager kritisiert. Auch die Journalistin Sylke Tempel merkte im NDR an, dass der Film diskussionswürdig sei. Aber kann man Filme eigentlich nicht mehr mit einer kritischen Distanz sehen? Man muss sich doch nicht mit allem, was man sich so medial zu Gemüte führt, voll und ganz identifizieren.

Oder ist es das Thema? Antisemitismus. Ist es nicht merkwürdig, dass sich heutzutage, so viele Jahrzehnte nach dem Holocaust, die Geister mehr denn je daran scheiden? Gerade in dem Moment, wo das Land eine Nation in Europa wie alle anderen sein will, wo von „Verfassungspatriotismus“ und einem „gesunden Nationalstolz“ die Rede ist, reiben sich die Leute wieder ganz besonders daran. Dabei könnte man sich sagen, dass der Nahe Osten weit weg ist. Juden sind in Deutschland wirklich eine Minderheit und so viele Palästinenser leben hier auch nicht. Rein zahlenmäßig sind es in den letzten Jahren vielleicht etwas mehr Araber geworden. Gut, die Flüchtlinge – ist es das?

Aber was haben damit zum Beispiel die „Protokolle der Weisen von Zion“ zu tun? Jedes Kind hat vor 20 Jahren noch in der Schule gelernt, dass es sich dabei um eine antisemitische Fälschung handelt. Deshalb glaubt man auch zuerst, man habe sich verhört, als in der Doku „Auserwählt und ausgegrenzt“ ein junger Mann in einem buntgewebten Pulli freundlich sagt, wenn die „Protokolle von Zion“ eine Fälschung seien, dann habe sich da aber doch jemand ein paar wirklich gute Gedanken gemacht – Wie bitte?

Leider gibt es solche Leute. Die Frage ist nur, warum schenkt man dem Gehör? Oder sind solche Ansichten etwa weiter verbreitet und tiefer verankert in unserer Gesellschaft als man gemeinhin so annehmen sollte?

Es erschüttert schon, zu hören, dass in Berlin ein jüdischer Junge die Schule verlassen hat, weil er offenbar antisemitisch gemobbt wurde. Die Schule soll die Auszeichnung „Schule gegen Rassismus“ getragen haben, wie u. a. im Berliner „Tagesspiegel“ steht. Das gibt zu denken. Sind die Leute jetzt so erpicht darauf, die „Araberfreunde“ zu geben, dass man einem jüdischen Schüler gegen Mobbing nicht mehr beistehen kann? Als in der taz (Print) dann irgendwo (leider weiß ich nicht mehr wo) auch noch treuherzig versichert wurde, es schlösse sich ja nicht aus, gegen Rassismus UND gegen Antisemitismus zu sein, geriet ich ins schlingern. Natürlich schließt es sich nicht aus. Wäre ich Lehrerin, würde ich auch einem christlichen, blonden, bio-deutschen, heterosexuellen Jungen aus gutem Hause helfen, wenn er zum Mobbing-Opfer würde. Es geht doch darum, Mobbing zu unterbinden. Oder etwa nicht?

Das heißt, mittlerweile würde irgendetwas in mir kurz zögern, die heimlich lauernde Angst, die Eltern des Jungen würden mich, sobald ihr Kind wieder gut in die Klasse integriert ist, bei der nächstbesten Gelegenheit wegen irgendeiner Lappalie zur „Rassistin“ abstempeln. Irgendwie klingt das paradox und leicht plemplem, aber ich habe derlei leider oft genug erlebt – dass die Menschen sich abstrampeln, um ja nicht selbst irgendwie in den Verdacht zu geraten, irgendwie NICHT mit den Refugees klarzukommen, dass man dafür dann lieber andere umso kräftiger in die Pfanne haut. In was für einem Land leben wir eigentlich?

Allerdings handelt es sich, anders als man meinen könnte, nicht unbedingt um ein typisch deutsches Phänomen. Kein „Schuldkult“ also, wie der rechte Rand ja gern höhnt. Da ist zum Beispiel der Fall Kamel Daoud: Der algerische Schriftsteller hatte das Frauenbild im Islam kritisiert, auch im Hinblick auf die sexuellen Übergriffe in der Silversternacht in Köln 2015/16. Daraufhin wurde er von französischen Intellektuellen harsch angegriffen. Weiße Franzosen warfen dem in seiner immer wieder von islamistischen Wellen erschütterten Heimat nicht ganz problemlos arbeitenden arabischen Intellektuellen plötzlich „Orientalismus“ und „Islamophobie“ vor. In Deutschland wurde Daoud gar nicht erst beachtet. Man kann den Vorfall aber u. a. in der „Welt“ nachlesen, auch mit einem Link zu einem Artikel von Fawzia Zouari in der „Libération“ (kostenpflichtig!), in dem sie Daoud verteidigt und den neokolonialen Einschlag kritisiert, der ihrer Ansicht nach aus einigen Statements linker europäischer Intellektueller herauszuhören sei.

„Orientalismus“, „Neokolonialismus“, „Islamophobie“ – und eben das berühmt-berüchtigte „A-Wort“. Da schwirrt einem doch wirklich der Kopf. Sicher, es gibt Araber, Migranten mit muslimischem Hintergrund, die sich auf die Seite der europäischen Rechtspopulisten gestellt haben – Necla Kelek und Aayan Hirsi Ali sind vielleicht die hierzulande bekanntesten Namen. Genauso werden gerade in letzter Zeit auch gern Juden von der neuen Rechten umworben und vereinnahmt. Wenn man liest, dass sogar die rechtsextremen „Identitären“ sich gegen Antisemitismus stark machen, zögert man. Damit will man nichts zu tun haben. Auch nicht mit den „Breitbart“-Typen, dem AfD-Milieu, das – obschon selbst mehrfach mit kruden antisemitischen Ausfällen aufgefallen – sich gern auf jeden stürzt, der andeutet, dass die Palästinenser im Nahen Osten vielleicht wirklich kein leichtes Leben haben, dass die Aggression bis zu einem gewissen Grad vielleicht nachvollziehbar sei, auch wenn man damit keinen Hass auf Juden oder auf Israel unterstützen möchte.

Aber das wird dann eben geflissentlich überhört. Die Rechtskonservativen können Punkte machen, indem sie sich umso entschiedener hinter „Israel“ stellen oder zumindest hinter das, was sie für „die israelische Meinung“ halten. Glauben sie jedenfalls. Das erinnert an den Vorfall mit dem jüdischen Jungen, der von der Schule „gegen Rassismus“ weggemobbt wurde, nur eben anders herum. Muss so viel Übereifer wirklich sein? Und mehr noch – muss man sich davon drangsalieren lassen?

Moshe Zimmermann merkte in der „Zeit“ an, dass es antisemitisch sei, Israel das Existenzrecht abzusprechen. Ansonsten, wenn man das weiter fasste, seien nämlich auch viele Israelis „antisemitisch“. Nicht jeder ist dafür, Araber wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln. Vielleicht sind es gar nicht mal so viele, die dafür sind. Aber das zu beurteilen, überlasse ich lieber anderen, denn für mich persönlich ist der Nahe Osten wirklich sehr weit weg.

Nur soviel: Auch wenn Antisemitismus in der arabischen Welt verbreitet ist – da muss man sich nichts vormachen – der algerische Raï-Sänger Khaled fand zum Beispiel nichts dabei, in Israel aufzutreten, wo er nämlich auch viele Fans hat. In der arabischen Welt hat sich der Musiker damit Feinde gemacht. Zur Lichtgestalt eignet er sich trotzdem nicht, Khaled ist ziemlich homophob, hat wegen der „Ehe für alle“ sogar Frankreich verlassen. Dafür setzt sich der muslimische Londoner Bürgermeister Sadiq Khan für die „Ehe für alle“ ein – und nimmt dafür in kauf, u. a. von streng gläubigen Muslimen attackiert zu werden.

Vielleicht brauchen wir nicht so sehr die Menschen, die sich als „Freunde der Minderheiten“ und „Musterschüler“ in Sachen Antidiskriminierung aufspielen und versuchen, einander dabei zu übertrumpfen, der/die entschiedenere, „authentischere“, leidenschaftlichere „Verteidiger(in)“ der Araber oder eben auch Juden zu sein. Vielleicht sollten wir lieber auch all jenen eine Chance geben, die anecken, weil sie Zwischentöne zulassen und Widersprüche aushalten. Letztendlich sind sie nämlich diejenigen, die eine offene, pluralistische Gesellschaft am ehesten zusammen halten können und es wäre fatal, gerade in deren Namen jede Brücke, die mühsam aufgebaut worden ist, ohne Rücksicht auf Verluste niederzureißen.

 

 

 

Alice Weidel und die Linken: Eine Frage nach Identifikation oder Prinzipientreue?

Die deutsche Linke arbeitet sich immer noch an Alice Weidel ab. Eva-Maria Tepest fordert auf Missy-Magazine.de Solidarität mit Queers of Color, Transpersonen und wirtschaftlich Abgehängten. Tanja Witte schreibt in ihrer Kolumne auf Zeit.de: „Dr. Alice Weidel: vorzeigeblond, vorzeigedeutsch, vorzeigeerfolgreich, vorzeigelesbisch? Ups. Immerhin zieht sie mit ihrer Lebensgefährtin zwei Kinder groß. Auch angesichts dessen ist Weidels Kampf für eine Partei, aus der heraus Homosexuelle in der Vergangenheit als „degenerierte Spezies“ diffamiert wurden, schwer zu verstehen.“ Dabei sind sowohl Tepest als auch Witte Akademikerinnen, „vorzeigedeutsch“ passt auf sie beide genauso gut wie auf Alice Weidel. Das muss man wissen, z. B. wenn man genauer verstehen will, was „wirtschaftlich abgehängt“ meint. Das drückt sich nicht unbedingt in Zahlen, in dem, was einem an Geld im Monat zur Verfügung steht, aus. Arm ist nicht gleich arm. In der Linken gibt es immer verschwurbeltere Konzepte, wer genau sich als „prekär“ und „abgehängt“ verstehen darf: KünstlerInnen, Bohème-Stars, Vorzeige-Hipster des Berliner „arm-aber-sexy“-Glamour: ja, andere AkademikerInnen: eher nicht – haben sie nicht immer noch ihre Bildung? Immerhin gab es durchaus Forderungen im Queerfeminismus, Frauen müssten zum Wohle anderer Frauen ausgebeutet werden. Ich erinnere mich noch genau an „Sie hat vielleicht die guten Ideen – aber doch nicht die Mittel, um sie umzusetzen.“, dass ich in der U-Bahn betteln gehen sollte – „Ja, andere Menschen müssen das doch auch!“, die ganzen Demütigungen, Homophobie, Frauenhass, der als vermeintliches „lesbisches Selbstbewusstsein“ verkauft wurde – sogar dann, wenn er von Männern kam, das gestohlene Tagebuch, wie mensch mir immer wieder nachweisen wollte, „queer“ sei doch nicht für mich, ganz im Gegenteil: homophob sei ich doch, das Gerede von der „gemeinsamen Wurzel“: Homophobie, Antisemitismus, Rassismus.

Klar, ich selbst kotze, wenn ich das Wort „Queerfeminismus“ auch nur höre. Sorry, tut mir leid, gebranntes Kind. Ich denke aber, das – etwas aufgesetzt wirkende – Gebot der Solidarisierung und das schmallippige Aufrechnen, wer genau denn nun Solidarität verdient hat, sind nur zwei Kehrseiten einer Medaille. Und es erklärt, warum die deutsche Linke sich so schwer mit Alice Weidel tut. Einerseits ist „Queer“ so falsch wie der Smalltalk auf einer Champagnerparty in einem der todschick renovierten Kreuzberger Hinterhöfe: Mal kann mensch sich das aussuchen, auffällig oft „spätberufen“, auffällig oft erst geoutet, als es Karriereoptionen eröffnete: Willkür, das in der Debatte um Alice Weidel vielbeschworene „Lebensgefühl“. Da überrascht es auch nicht groß, als nach dem Medienhype um die falsche Schwarze Rachel Dolezal vereinzelt sogar gefordert wurde, man solle sich auch die Hautfarbe aussuchen können. Das wirkt so kleinkrämerisch und auf den eigenen Vorteil bedacht, wie der ganze Minderheitendiskurs. Immerhin muss man bedenken, dass es WEIßE waren, die sich aussuchen können wollten, auch SCHWARZ sein zu dürfen: ein ziemlich perverser Reflex auf die Minderheitenförderung: Das sollte nicht nur denen zustehen, die wegen ihrer Hautfarbe benachteiligt werden. Wenn es spezielle Chancen für Schwarze gibt, sollten sie auch Weißen zustehen. Ungerecht, wenn mensch sich das nicht „selbstbestimmt“ für sich aussuchen kann. Ungerecht dann vielleicht auch, wenn sich nicht jedeR ebenso „selbstbestimmt“ als „arm“ „definieren“ darf.

Andererseits muss dann eben abgewägt werden, wenn kann man sich gedanklich nicht doch reich rechnen (zumindest in einer kulturellen Pespektive)? Wer ist vielleicht eine Frau, hat aber so wirklich Schutz vor Sexismus nicht verdient? Wen darf man ruhig mal homophob anpöbeln? Wer könnte einem selbst die Butter vom Brot nehmen oder aber ist so lächerlich schwach, schutzlos und vereinzelt, dass Mitgefühl nicht unbedingt nötig ist? Das möchte mensch eher Kollektiven („Queers of Color“, …) entgegenbringen, eher auf der abstrakten Ebene, mit großer Geste.

Dabei werden gerade solche Leute mit ihrem flexibel gehaltenen Schwarz-Weiß-Denken („arm dran“ – „Mitgefühl“, „Solidarität“, „doch nicht so arm dran“ – „kein Mitgefühl“, „keine Solidarität“) schnell an ihre Grenzen stoßen: Es gibt ja sogar Muslime die Front National wählen, zum Teil, weil sie gegen die Ehe für alle sind (homophob, leider!) und konservative Werte vertreten sehen wollen, zum Teil auch aus dem gegenteiligen Grund: weil sie gegen die Burka sind, mehr Laizismus, weniger religiösen Eifer wollen. In Deutschland ist es u. a. der Popsänger Xavier Naidoo, der unverhohlen mit dem rechten Rand kokettiert – obwohl er sichtbar „Man of Color“ ist.

Dass Minderheiten, ebenso wie Hartz-IV-Empfänger, Geringverdiener und Frauen nicht zwangsläufig mit linkem Gedankengut sympathisieren, ändert nichts an der Tatsache, dass Diskriminierung real existiert. Homophobie, Rassismus, Ausländer- und Frauenfeindlichkeit treffen Homosexuelle, People of Color, MigrantInnen (oder auch solche, die dafür gehalten werden) und Frauen – unabhängig von ihrem ideologischen und kulturellen Background. Einzusehen, dass die Antidiskriminierungsdebatte vom linken „Lebensgefühl“ losgelöst werden muss, wäre ein Lerneffekt, den man aus der Affaire um Alice Weidel ziehen könnte. Es geht eben gerade nicht darum, mit was sich, die, die derzeit die Minderheitendiskurse dominieren, gern identifizieren möchten, weil es zum eigenen Lifestyle und zur eigenen Identität, zum eigenen Selbstverständnis passt, sondern schlicht darum, etwas gegen Diskriminierung zu tun. Wer das bespöttelt, obwohl er oder sie vielleicht selbst betroffen ist, dem (oder der) ist eben nicht zu helfen. Gerade das aber, die formale Gleichbehandlung aller Menschen, Anti-Diskriminierungsarbeit als Prinzip, das gesamtgesellschaftlich verankert werden soll, wäre eigentlich ein linkes Heimspiel.

Heimat ist nur ein Ort! Eine Replik auf eine Kolumne von Jakob Augstein

„Unsere Heimat“ hat Jakob Augstein seine aktuelle Spiegel-Online-Kolumne genannt. Nanu? Was ist passiert? Ist der Augstein nicht irgendwie links? Also so richtig links, sodass man an Menschen als Zielgruppe denkt, die in Landkommunen oder im Bauwagen wohnen und sich nicht nur „bio“, sondern sogar vegan ernähren, ein Bildungsbürgertum, das den Ausstieg gewagt hat, zumindest mit einem Bein, und der Gesellschaft als solcher daher eher skeptisch gegenübersteht. Immerhin – Jakob Augstein ist Chefredakteur des linken „Freitag“. Also erwartet man eine Parodie zum Thema „Heimat“, etwas Amüsantes und Kritisches. „Heimatschutz“ ist für die Nazis in MeckPomm. Die essen heutzutage nämlich ebenfalls Hirsebrei („artgerechte Ernährung“) und tragen Hanftasche („Nutzpflanzen, die bei uns wachsen“). Wer sich davon abgrenzen will, aber trotzdem ein Faible für die Kräutchen und Sträuchlein vor der eigenen Haustür hat, engagiert sich eben für Umweltschutz. Der hat ja nichts mit miefiger Deutschtümelei zu tun.

Leider enttäuscht Jakob Augstein einen. Zwar schreibt er „Schutz der Heimat“ (und nicht „Heimatschutz“) und meint auch eher das Soziale, aber der versuchte idelologische Balanceakt zwischen migrations- und minderheitenfreundlichen, aber marktradikalen Globalisierungsbefürwortern einerseits, und der sich sozial gebärdenden, deutschnationalen neuen Rechten andererseits, will nicht so recht gelingen.

Angst! Aber nicht vor Ausländern!

Augstein führt Sahra Wagenknecht und Boris Palmer an als Vertreter zweier klar linker, ausländerfreundlicher Parteien. Wenn jemand in der Linkspartei oder bei den Grünen mal sagt, was Sache ist, komme sofort die „AfD-Rassismus“-Keule, schreibt Augstein. Damit hat er im Kern sogar recht. Dass man FÜR Migration und offene Grenzen ist, bedeutet nicht, dass man gleichzeitig auch FÜR Terrorismus und sexuelle Übergriffe ist, wie sie sich massenhaft in der Silvesternacht 2015/16 am Kölner Hauptbahnhof und anderswo ereignet haben. Viele Flüchtlinge sind übrigens auch nicht dafür. Sonst wären sie ja, zumindest was den islamistischen Terror betrifft, nicht aus dem Nahen Osten geflohen. Nur stimmt es, dass Kritik an allem, was direkt oder indirekt mit den Flüchtlingen zu tun hat, seit dem „deutschen Sommermärchen“ von 2015 sehr schnell sehr selbstgefällig mit „fast schon Pegida!“ und „Willst du etwa auf die Leute schießen lassen?!“ abgebügelt wird. Als hätte das eine etwas mit dem anderen zu tun.

Augsteins Vorschlag, in keiner Schulklasse sollte mehr als ein Viertel der Schüler Migrationshintergrund haben, geht, so sehe ich es jedenfalls, ähnlich scharf geschossen am Ziel vorbei. Die meisten deutschen Eltern würden ihre Kinder wahrscheinlich liebend gern auf eine Europaschule, aufs Lycée Français oder auf eine der deutschen Schulen im Ausland schicken, auch wenn da der Ausländeranteil naturgemäß sehr hoch ist. Bei der Debatte um Problemschulen in sozialen Brennpunkten geht es nicht um zuviel Fremdheit. Es geht um Gewalt, Gangs und mangelhafte Deutschkenntnisse, die dazu führen, dass das Klassenziel für alle in weite Ferne rückt. Außerdem – je höher der Aggressionspegel im Allgemeinen ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass, wer in der Minderheit ist, von den anderen eingemacht wird. In Vierteln wie Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh ist „in der Minderheit sein“ oft gleichbedeutend mit „ethnisch deutsch“.

Die „handfesten Maßnahmen“ dagegen, von denen Augstein spricht, gibt es. Damit ist jedoch weniger eine Reduktion des Anteils an MigrantInnen an deutschen Schulen gemeint: Man könnte, ganz im Gegenteil, eine zusätzliche Deutschförderung für alle, die sie nötig haben, anbieten und generell mehr Lehrer einstellen, Konfliktlotsen, Hausaufgabenbetreuung, soziale Unterstützung für Menschen, die prekär leben und ein entschiedeneres Vorgehen gegen Mobbing und Vorurteile, egal, von welcher Seite sie kommen – all das würde sicherlich zu einer Besserung der Lage beitragen. Aber es kostet. Mit „kultureller Differenz“ oder der Angst vor dem Verlust der eigenen kulturellen Identität hat es jedoch nichts zu tun.

In genau die Kerbe aber haut Jakob Augstein, wenn er davon spricht, dass MigrantInnen auch „Konkurrenten im Lebensstil“ seien. Nein. Menschen, die am unteren Rand der Gesellschaft leben leben, haben, was Migration betrifft, vor allem Angst davor, keine Wohnung und keine Arbeit mehr zu finden, weil so viele „Neue“ da sind, die beides erst einmal vorrangig brauchen. Das erwähnt auch Augstein. Vielleicht wirken solche Ängste, die, auch im Zusammenhang mit der Globalisierung, immer mehr Menschen selbst aus den mittleren Einkommensschichten umtreiben, auf den ersten Blick überzogen und panisch. Ganz aus der Luft gegriffen sind sie aber nicht. Immerhin können Arbeitgeber, die hierzulande nicht ihren absoluten Wunschkandidaten für eine offene, zu besetzende Stelle finden, sich heutzutage anders als noch vor 20 Jahren einfach jemanden aus dem Ausland holen. Wer zu alt ist oder krank wird, nicht haargenau die passenden Qualifikationen hat, aufmuckt oder vom Typ her nicht genehm ist, fällt hintenüber.

Existenzen sind in den Zeiten der Globalisierung sehr fragil geworden. Aber dass man sich für sich selbst eine Perspektive wünscht, bedeutet ja nicht, dass man sie anderen nicht auch gönnt. „In der Theorie soll (…) der Ausländer ein Freund sein“ schreibt Jakob Augstein. Was spricht eigentlich dagegen, dass er (oder sie) das nicht auch in der Praxis sein kann?

„Identität“ als Dreh- und Angelpunkt

Viel eher als das meiner Meinung künstlich noch zusätzlich geschürte Gerangel um Arbeit und Wohnraum steht dem vielleicht das zunehmende Auseinanderdriften unserer Gesellschaft entgegen. Sie scheint sich aufzuspalten in Biodeutsche, Bildungsbürger (alle, die das nicht abstreiten können), „Arbeiterkinder“ (alle, die sich irgendwie dem Ruch erwehren können, „Bildungsbürger“ zu sein), queere Menschen, Türken, Araber, Polen (zu denen mittlerweile auch die Nachfahren der (ethnischen) Deutschen gehören, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges aus den damaligen deutschen Ostgebieten und den deutschen Siedlungsgebieten in Mittel- und Osteuropa flüchteten), „Russen“ (meist Russlanddeutsche), „People of Color“ (zu denen bei Bedarf auch Südeuropäer gehören, die man mit der gleichen Leichtigkeit jedoch auch zu Menschen erklären kann, die „ganz weiß“ sind), usw..

Warum es in den letzten Jahren so schwer geworden ist, Menschen als Individuen wahrzunehmen, und wer zuerst auf die Idee kam, alles am Thema „Identität“ festzumachen, weiß ich nicht. Vielleicht hat den Anfang sogar der rechtsextreme „Bloc identitaire“ gemacht, der offiziell 2003 in Frankreich gegründet wurde und sich mit verführerisch linkem Touch „europäische Sozialbewegung“ nennt. Ab etwa 2013 ist er unter dem Namen „Identitäre Bewegung“ (IB) auch im deutschsprachigen Raum aktiv. Vielleicht muss man aber auch noch früher ansetzen, bei der sog. „konservativen Revolution“. Oder ist der neue Hang, sich über die Zugehörigkeit zur eigenen ethnischen Gruppe zu definieren, am Ende eine Kopfgeburt aus dem linken Lager? Das in den 1990er Jahren noch vor allem universitäre Projekt der Gender-, Queer- und Black Studies wollte Identitäten – angelehnt an den französischen Poststrukturalismus – ursprünglich eigentlich sogar dekonstruieren, um aufzuzeigen, dass hinter so mancher Gewissheit soziale, historische und kulturelle Wirkungsmechanismen stecken. Später dann drehte sich dieses Milieu um 180 Grad und verteidigte „Identität“ im Zuge einer bisweilen fast karikaturhaft überzeichneten Minderheitenpolitik umso vehementer. Hat die Globalisierung alles gefressen, was einmal progressiv gemeint war? Oder war der Wendepunkt das von Francis Fukuyama 1992 ausgerufene „Ende der Geschichte“, das durch den Wegfall der Machtblöcke des „Kalten Krieges“ auf der politischen Ebene zu einer Neuorientierung zwang? Ist, damit einhergehend, der erstarkende Nationalismus in den postsozialistischen Transformationsgesellschaften der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten langsam aber sicher nach Westeuropa übergeschwappt? Haben sie sich letztendlich alle gegenseitig hochgeschaukelt?

Klicks & Bots: Polarisierung durch das Internet

Das Internet ist sicherlich auch nicht ganz unschuldig. Wer polarisiert, kriegt Klicks. Online-Journalismus will die Menschen eher auf der emotionalen Ebene ansprechen, sie reizen und kitzeln, Empörung auslösen oder Beifall erheischen. Vorreiter sind dabei ausgerechnet rechte Politiker. Niemand beherrscht die Strategie des „kalkulierten Tabubruchs“ so gut wie die AfD. Jede Provokation, und sei sie auch noch so unverschämt, kann, wie die Rechten in den letzten zwei Jahren mehrfach bewiesen haben, jederzeit mit einem nachgeschobenen „war doch nicht so gemeint“ zurückgenommen werden.

Wer das im linken und linksliberalen Lager kopieren will, muss aufpassen, dass aus den eigenen VordenkerInnen nicht irgendwann „Zombies“ werden, die gleich gekaperten Computern plötzlich Dinge loslassen, die man nie im Leben von ihnen erwartet hätte und die sich eigentlich eher konträr zu dem verhalten, wofür sie eigentlich stehen. Man denke nur an das Geraune im Hintergrund, es würden zunehmend „Bots“, also Computerprogramme, über soziale Netzwerke Einfluss auf politische Entwicklungen nehmen …

Dennoch sollte man sich nicht zu sehr in Verschwörungstheorien hineinsteigern. Nicht hinter allem stecken Wladimir Putin und die russischen Troll-Fabriken. Vielleicht ist unsere Demokratie im Laufe der letzten Jahre einfach wieder verletzbarer geworden. Werte, wie Toleranz, Gleichberechtigung, Mitgefühl und Kompromissbereitschaft dürfen wieder in Frage gestellt werden und das nicht erst seit gestern.

„Die deutsche Seele“ – gibt es sie?

2011 hat die Schrifststellerin Thea Dorn gemeinsam mit Richard Wagner einen opulenten Hardcover-Band mit dem Titel „Die deutsche Seele“ herausgegeben. Dorn, erklärte Feministin („Die neue F-Klasse“, 2006) und keineswegs in dem Verdacht stehend, irgendwie rechts angehaucht zu sein, und Wagner philosophieren, soweit ich mich erinnere, in dem in seiner aufwendigen ästhetischen Aufmachung an den Wiener Jugenstil-Künstler Gustav Klimt erinnernden Werk unter anderem ganz schnöde über das deutsche Abendbrot. Salamistulle mit Gürkchen an Hagebuttentee also als Selbstbehauptungsstrategie der Postmoderne? Dabei ist Heimat einfach nur ein Ort. Nicht besser und nicht schlechter als anderswo auf der Welt. Nur ist man selbst eben da aufgewachsen. Das sollten wir nie vergessen.

Nachsitzen in Sachen Multikulti. Eine Replik auf den Politikwissenschaftler Christian Volk

(Part I): „Volk“ gegen Minderheiten?

„Antidiskriminierungspolitik gegen eine Politik der sozialen Gerechtigkeit ausspielen zu wollen ist (…) – auch mit Blick auf die Geschichte linker Politik und linken Denkens – töricht.“ schreibt der Politikwissenschaftler Christian Volk in der taz. Nein, stimmt. Es war immer beides links: soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit zu fordern und sich gleichsam gegen Diskriminierung und für Vielfalt auszusprechen. Dennoch kommt man bei Volks Essay ins Stolpern. Zwar arbeitet er heraus, dass die Rechtspopulisten, nicht nur hier in Deutschland, auch in Frankreich – Marine Le Pen zum Beispiel – das „echte“, eigentliche Volk, im Sinne von „völkisch“ oder – zahmer formuliert – ethnisch, gegen die Bevölkerung ausspielen, die aus unterschiedlichen Akteuren mit unterschiedlichen Interessen besteht, aber er übernimmt das rechte Deutungsmuster von den – rechten – „Interessensvertretern“ des „kleinen Mannes“ und den – linken – Eliten (=links). Letztere werden zu Verteidigern der liberalen Gesellschaft, die wiederum sich an den Minderheiten festmacht.

Das ist der erste Stolperstein. Nichts ist so typisch links wie Kritik am „Establishment“ zu üben, auch wenn es stimmt, dass die meisten prominenten Linken selbst zumindest aus dem gehobenen Bildungsbürgertum stammen. Das trifft aber auch auf die Rechten zu. Oder möchte jemand ernsthaft behaupten, dass eine Partei wie die AfD, die ursprünglich als „Professorenpartei“ angetreten ist, von „ganz unten“ kommt? Ist es also legitim, anznehmen, dass „die da oben“ eben tolerant sind, für „Multikulti“, während Proleten und Globalisierungsverlierer das Muffensausen kriegen, wenn zu viele Ausländer da sind? Doch wohl eher nicht.

Der zweite Stolperstein sind die Minderheiten. Ist man wirklich immer auf der sicheren Seite, wenn man sich für Syrer und Schlesier, Maroniten, Muslime, Homosexuelle, Transgender und sexuell Unentschlossene stark macht? Es mag ein bisschen bissig klingen, aber gerade das Assad-Regime in Syrien hat gezeigt, dass auch Minderheiten sich sehr gut als Schutzschild verwenden lassen, im schlimmsten Falle gegen mehr als berechtigte Forderungen der „Mehrheitsgesellschaft“. Aber das ist es nicht, was sich mit der historischen Linken der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft sticht. Die Minderheitenpolitik, so wie sie heute betrieben wird, ist ein Kind der späten 1990er Jahre. Sie ist aus dem universitären Elfenbeinturm der Gender-, Black- und Queerstudies in die Gesellschaft eingesickert und eigentlich ein us-amerikanischer Import, nur mit dem Schönheitsfehler, dass es in Deutschland keine schwarze Community gab, deren unverfrorene und zum Teil menschenverachtende Benachteiligung historische Tradition gehabt hätte. Das bedeutet nicht, dass es in Deutschland keinen Rassismus und keine Ausländerfeindlichkeit gegeben hätte – ganz im Gegenteil, gerade Anfang der 1990er Jahre bewiesen die furchtbaren Anschläge von Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln und Solingen wie tief verwurzelt ausländerfeindliche Ressentiments hierzulande, leider auch im Westen waren.

Aber das rechtfertigt nicht das „Community“-Denken. Dass türkische Erdogan-Fans, die als sog. „Gastarbeiter“ kamen, und linke Türken mehr miteinander gemein haben sollen, als linke Türken und linke Deutsche ist eigentlich eher ein „die Stimme des Blutes“-Denken, das Linken im Grunde zutiefst zuwider ist. Da ist die gemeinsame Diskriminierungserfahrung, mag man einwenden. Das stimmt, aber es stößt z. B. auf, wenn an einer deutschen Uni spanische Studenten, die sich ebenfalls als „Nicht-Weiße“ „positionieren“ gemeinsam mit anderen „Nicht-Weißen“ gegen Kolonialismus und den Rassismus ihrer „weißen“ Kommilitonen und Professoren einprügeln, wie es Rudy Novotny, Khuê Pham und Marie Schmidt in dem „Zeit“-Long-Read „Die neuen Radikalen“ beschreiben. Spanien war eine Kolonialmacht. Sorry, aber wer „Critical Whiteness“ von anderen einfordert, muss auch vor der eigenen Haustür kehren.

Zudem: ein schwarzhaariger Spanier mit dunklem Teint ist unter Umständen genauso von Rassismus betroffen wie ein Marokkaner oder ein Türke, aber darf auch ein blonder Spanier sich als „Person of Color“ und damit als Opfer von Rassismus betrachten? Eher als ein dunkel ausgefallener Deutscher? Genau wie ein schwerer slawischer Akzent in Deutschland oft Assoziationen zu „Russenmafia“ und „Autoklau“ weckt, auch wenn der Sprecher oder die Sprecherin blonder und blauäugiger ist als so mancher Deutscher, aber ist deshalb auch einer wie der AfD-Politiker Georg Pazderski von Ausländerfeindlichkeit betroffen? Denn der hat ja auch ein slawisches -ski im Namen …

 (Part II): Nachsitzen in Sachen Multikulti. Oder: Eine ganz normale Schulklasse

Oder nehmen wir eine x-beliebige Schulklasse in einer mittelgroßen westdeutschen Stadt, sagen wir mal, ein konservatives, etwas elitäres Gymnasium: Da ist der sportliche blonde Olaf, der sich zu verkaufen weiß und daher Liebling einiger Lehrer ist, nicht aber der aller Schüler, denn Olaf mobbt jüngere Kinder, schwächere Schüler, alle, die nicht so viel Geld haben wie er mit seinen Markenklamotten oder die ihm wegen ihrer linken Hippie-Attitüden auf die Nerven gehen. Dann Moshen, dessen Eltern beide Ärzte aus dem Iran sind. Mohsen tut sich in der Schule schwer und muss ganz schön büffeln. Obwohl er schon ganz sicher weiß, dass er etwas Naturwissenschaftliches studieren wird, sind eigentlich – wenn dann – eher Deutsch und Fremdsprachen seine starken Fächer. In Mathe ist er sogar das absolute Schlusslicht der Klasse. Ali, der erst in der fünften Klasse aus der Türkei gekommen ist, ist in der Siebten auf die Realschule gewechselt. Obwohl er, ein Klassensprechertyp, der durch seine soziale Ader auffiel, überraschend schnell Deutsch gelernt hat und auch sonst als fleißiger, guter Schüler galt, aber fürs Gymnasium hat es eben doch nicht gereicht. Jennifer aus der Hochhaussiedlung hat in der Achten das Handtuch geschmissen. Janny kommt auch aus der Hochhaussiedlung, ist aber ein Ass in Mathe und Fremdsprachen und daher noch mit von der Partie. Wie in jeder Klasse gibt es einen Klassenstreber, nennen wir ihn hier Marco, das absolute Mathe- und Computer-Ass – Onno – und die Außenseiter Lisa und Leon. Die Rolle des Klassenclowns übernimmt Olaf. Die blonde Lenka ist die Klassenschönheit. Sie hat auch recht gute Noten. Lenkas Vater ist Professor für Mathematik und kommt aus Tschechien, ihre Mutter ist Deutsche. Manchmal kokettiert sie damit, dass sie sicher auch Roma-Vorfahren hat. Friesische und niederländische Namen sind durch die Grenznähe in der Stadt und so auch in unserer Schulklasse das Übliche. Der Rest der Klasse hat Familiennamen, die auf -eit, -ski oder -czyk enden, was daran liegt, dass die Stadt im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört war und die Flüchtlingstrecks aus Ostpreußen und Oberschlesien bevorzugt dorthin geleitet wurden.

Wen müsste man hier fördern? Mohsen erhält von Haus aus die beste Förderung, die man sich denken kann. Er ist eben nur einfach kein guter Schüler. Das traf auch auf Jennifer zu, aber wer weiß, hätte sie zu Hause die gleiche Unterstützung wie Mohsen erhalten, hätte sie das Abi vielleicht geschafft. Lenka ist in keinerlei Hinsicht benachteiligt, weder von ihrem sozialen Hintergrund her, noch äußerlich, da sie nicht „anders“, nicht einmal südländisch aussieht, aber sie hat ja auch gute Noten, das Studium ist für sie selbstverständlich und wenn alle Stricke reißen, könnte sie sogar den Rest ihres Lebens vergammeln. Lenkas Eltern lieben sie über alles und werden schon für sie sorgen. Beneidenswert. Aber den Migrationshintergrund darf sich Lenka, die ja wirklich aus einer binationalen Familie kommt, attestieren, auch wenn sie es manchmal ein bisschen sehr herauskehrt. Lenka ist mit Olaf zusammen und beide sind mit Mohsen befreundet. Olaf vertritt konservatives, bisweilen rechtes Gedankengut und tritt auf der „Streberin“ Janny herum, die er außerdem als „linke Zecke“ verachtet. Lenka und Mohsen verarschen Janny manchmal ein bisschen. Sie haben ja wirklich einen Migrationshintergrund, aber sie fühlen sich nicht diskriminiert. Ihr Problem sind höchstens Menschen wie Janny. Die hat dem ihrerseits wenig entgegenzusetzen.

Dass ihr Großvater aus Südafrika stammt, verschweigt sie lieber. Sie selbst hat ja nichts mit Südafrika zu tun, und überhaupt: Apartheit, Buren, Lutz Bachmann. Janny ist nicht schwarz und sie kann sich denken, was Olaf, Lenka und Mohsen daraus machen werden. Einmal rutscht es ihr doch raus und die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. „Gelogen, weil die Zecke mithalten will mit den anderen.“ sagen die einen, besonders Lenka glaubt ihr nicht. Olaf macht Witze. Mohsen behauptet, dass Janny nur deshalb so gute Noten in Englisch hat. Es klingt, als hätte er sie bei einem Betrug erwischt. Eine Mitschülerin, die ebenfalls von Jannys Revoluzzer-Attitüde genervt ist, stellt die These in den Raum, dass Janny vielleicht politisch nur deshalb so verblendet sei, weil die einen Großeltern Juden umgebracht und die anderen Schwarze schikaniert haben. Mohsen fühlt sich schließlich von Janny rassistisch diskriminiert. Er hat den Eindruck, dass „Fräulein Neunmalklug“, wie er sie nennt, ihn nicht so recht ernst nimmt. Er fühlt sich von ihr wie ein „Nigger“ behandelt, immerhin ist er doch wirklich „Person of Color“. Lenka bestätigt Mohsens Behauptungen. Auch sie hat den Eindruck, dass Janny unter der linken Fassade ganz schön rassistisch ist. Vielleicht hat sie auch etwas gegen Roma. Lenka fühlt sich jedenfalls auch angefeindet. In Wirklichkeit ist Mohsen neidisch. Mit Jannys guten Noten könnte er durchaus etwas anfangen. Dann würde es vielleicht auch mit dem Studienplatz in Pharmazie klappen und sein Vater wäre stolz auf ihn. Lenka mag Janny einfach nicht. Olaf verachtet sie, wie gesagt, regelrecht. Er reißt ein paar ausländerfeindliche Witze, provoziert Janny mit dem Wort „Nigger“. Darüber lacht dann auch Mohsen herzhaft.

Zwei Jahre später, als Janny das Abi schon hinter sich hat, kommt Jannys kleiner Bruder Floris auf die Schule. Anders als die blasse, braunhaarige Janny schlägt bei Floris das indische Erbe der „Coloured“-Vorfahren aus Südafrika voll durch. Allerdings ist Floris ein Typ wie Mohsen, nur etwas besser in der Schule und so hat er keinen Ärger. Als Janny, die längst woanders studiert und noch einmal in der Stadt, in der sie zur Schule gegangen ist, zu Besuch ist, erfährt sie von einem ehemaligen Mitschüler, dass Mohsen in Dresden, wo er einen Studienplatz ergattert hat (Vor- und Frühgeschichte als Parkstudium, aber vielleicht wird er doch eine Ausbildung machen, Fachinformatiker oder so), von zwei Neo-Nazis zusammengeschlagen worden ist. Auch wenn sie Mohsen nie gemocht hat und er sie zu Schulzeiten ganz schön traktiert hat – das tut ihr dann doch leid. Sie hofft, dass es ihm bald besser geht.

(Fazit) Schaffen wir das?

Die Moral von der Geschicht? Öhm – also, verschiedene:

  1. Diskriminierung macht sich oft, aber nicht nur an der Hautfarbe fest. Wenn man tolerant sein will, reicht es also nicht, nett zu „Persons of Color“ zu sein.
  2. „Persons of Color“ können ihrerseits konservativ oder sogar rechts sein wie Mohsen oder auch links (oder unpolitisch). Das bedeutet übrigens nicht, dass man sie wegen ihrer Herkunft / Hautfarbe diskriminieren dürfte.
  3. Wenn man Leute wie Mohsen nicht mag, heißt das nicht, dass man es okay findet, wenn sie rassistisch und/oder ausländerfeindlich angegriffen werden.
  4. Die Herkunft eines Menschen oder seiner Vorfahren sagt nichts über seinen Charakter aus. Janny ist z. B. keine „geborene“ Rassistin, weil sie einen südafrikanischen Großvater hat. Moshen ist übrigens auch nicht  automatisch frauenfeindlich und antisemitisch, nur weil seine Eltern aus dem Iran stammen und er konservative Ansichten vertritt.
  5. Man muss zwischen persönlichen Animositäten und Rivalitäten einerseits und wirklicher Diskriminierung andererseits unterscheiden.
  6. Lenka verdient kein Empowerment, auch wenn sie diejenige ist, die sich am meisten mit ihrer „Andersartigkeit“ spreizt. Sie ist einfach nicht benachteiligt. Mohsen braucht im Falle des Falles Unterstützung gegen Rassismus, aber nur dann, wenn er wirklich davon betroffen ist, nicht wenn er jemand anderem die guten Noten neidet oder jemanden einfach nicht mag. Janny braucht Untersützung gegen ihre hochnäsigen, konservativen Mitschüler. Olaf braucht von Zeit zu Zeit jemanden, der ihm eine klare Grenze setzt.
  7. Ali, ja, der Ali, der in der Geschichte ganz untergegangen ist, hätte übrigens wirklich Empowerment gebraucht. Aber weil die Großfamilie von Hartz IV lebt, hat das niemand für nötig gehalten. Auch Jennifer hätte vielleicht ab und zu ein paar Mut machende Worte gebrauchen können.

Die Geschichte ist übrigens frei erfunden. Janny, die Linke ist ein bisschen nach dem Vorbild von Geert Wilders gestaltet, dessen Mutter ebenfalls „Person of Color“ war (oder noch ist, keine Ahnung), nur dass der stramm rechts ist. Ob jemand „anders“ aussieht oder ist, sagt eben wirklich nichts über die Person an sich aus. Das ist der größte Fehler der Minderheitenpolitik, wie sie Christian Volk und andere vertreten. Die erfundene Schulklasse ist nämlich eine Parabel auf die multikulturelle Gesellschaft. Die Frage ist, ob wir auf sie vorbereitet sind …

Was ist Faschismus? Laila Phunk erklärt die 10 wichtigsten Aspekte

faschismus

Faschismus geht auch ohne Rassenhass und Vernichtungslager. Macht es das deshalb aber gleich viel harmloser? Der Nationalsozialismus jedenfalls ist für dumpfe Nazi-Schläger, die provozieren wollen, eine Art Punk von rechts, könnte man denken. Die neue Rechte, die in den intellektuellen Salons Europas und der USA zu Hause ist und sich anschickt, die Parlamente zu erobern, bezieht sich eher auf den italienischen Faschismus. Ist Donald Trump aber ein neuer Benito Mussolini, wie u. a. die russisch-amerikanische Publizistin Masha Gessen nahelegt? Und was hat was zu bedeuten, dass Steve Bannon, der us-amerikanische Chefstratege und Chef des neurechten Online-Magazins „Breitbart“, sich als „Leninist“ bezeichnet? Steht uns ein neues Zeitalter der Totalistarismen ins Haus? Immerhin wird sogar Hannah Arendt herangezogen, um das Phänomen Trump, die neue Rechte und ihre Erfolge zu erklären.

Maßlos übertrieben oder angemessene Warnung zur rechten Zeit? Vielleicht liegt es an der Hysterie des Internets. Immerhin sind mit Panikmache und Katastrophenmeldungen mehr Klicks zu machen als mit nüchternen Analysen. Vielleicht ist es aber auch eine neue Kopflosigkeit, die dazu führt, dass so viele historische Vergleiche gezogen werden. Man weiß, dass Trump kein zweiter Mussolini ist und Bannon ganz sicher kein neuer Lenin. Aber man weiß auch, dass etwas Machtvolles und Gefährliches am Horizont lautert, etwas, das antidemokratisch ist und auf Überlegenheitsgefühlen und Abschottung beruht. Was ist, wenn die Unkenrufe im Internet nun doch nicht so übertrieben sind? Außerdem, dass der faschistische italienische Philosoph Julius Evola, der Esoterik und Metaphysik mit elitärer Dünkelhaftigkeit, Rassismus und Antisemitismus verband, von Russland bis Frankreich, übrigens auch in Deutschland, in der Rechten so eifrig rezipiert wird, sollte zu denken geben. Was stimmt also: Wiederholt sich Geschichte immer oder wiederholt sich Geschichte nie? Stehen wir am Vorabend einer neuen faschistischen Ära oder haben wir es mit einem gänzlich neuen Phänomen zu tun? Oder können am Ende eben doch die Rechten damit auftrumpfen, dass sie „ja gar nicht so schlimm“ sind, eigentlich eher Konservative, denen man brutal Unrecht tut?

1. Alles fascho oder was?

Wenn Marine Le Pen sich um jüdische Wählerstimmen bemüht, dann nimmt man ihr das nicht wirklich ab. Zu gut sind die antisemitischen Ausfälle von Jean-Marie, Le Pen „père“, in Erinnerung. Und doch hat der französische Front National mit Florian Philippot z. B. einen chicen Schwulen in ihren Reihen, der schwarze Komiker Dieudonné hat sich sogar zu früheren Zeiten selbst aktiv gegen Rassismus engagiert. Der Verfasser des „Alt-Right“-Manifests, Milo Yiannopoulos, wiederum hat das Zeug zum Shooting-Star jeder hippen, metrosexuellen Großstadtszene und auch in der deutschen AfD tauchen hier und da Homosexuelle, Menschen mit Migrationshintergrund und Juden auf. Man reibt sich die Augen und fragt sich: Hat man es wirklich mit Rechten zu tun? Oder ist die neue Rechte nicht wirklich eine Rechte, nicht im klassischen Sinne jedenfalls?

Tja, wenn da nur nicht die Schönheitsfehler wären: Dieudonné z. B. ist ein strammer Antisemit, nicht „nur“ entschieden „pro Palästina“, nein, auch mit Verbindung zu Holcaust-Leugnern. 2014 hat er deshalb sogar Einreiseverbot für Großbritannien erhalten. Und Milo Yiannopoulos hält im Manifest der Alt-Right-Bewegung nicht damit hinterm Berg, dass er für Frauenrechte nicht viel übrig hat und für das „natürliche Konservative“, den Drang, den eigenen „Stamm“ vor äußeren Einflüssen zu beschützen, eintritt. Dass er am Ende des Manifests relativiert, es gehe ja eigentlich nur gegen die „Political Correctness“ der Linken, beteuert, sie selbst hätten ganz viele jüdische homosexuelle Freunde, seien ihrerseits „racially mixed“ und hätten mit Allum Bokhari sogar einen „Kebab“ in ihren Reihen, nimmt sich eher schwach aus. Man fragt sich: Ja, was denn nun? Den eigenen „Stamm“ vor äußeren Einflüssen schützen oder Party mit dem internationalen Jet-Set machen? Vielleicht ist Evola die Antwort darauf, der italienische Faschismus, jedenfalls nicht der deutsche Holocaust. Das wäre zu sehr mit dem Vorschlaghammer.

2. Schuld sind die Italiener!

Nein, am Holocaust sicherlich nicht. Aber der Faschismus ist eine italienische Erfindung. Rechts und totalitär, aber – und das dürfte für Deutsche erst einmal merkwürdig klingen – m Kern nicht antisemitisch – Mussolini soll sogar eine jüdische Geliebte gehabt haben, die Kunstkritikerin Margherita Sarfatti. Obwohl es Antisemtismus in Italien gab und gibt. Nur war er eben nicht der Dreh- und Angelpunkt der faschistischen Ideologie. Rassistisch war der italienische Faschismus auch nicht bzw. – an dieser Stelle kommt man um ein entschiedenes „jein“ nicht herum: 1938 traten in Italien unter dem Einfluss des nationalsozialistischen Deutschlands die „faschistischen Rassegesetze“ („Leggi razziali fasciste“) in Kraft. Sie richteten sich, in Anlehnung an die „Nürnberger Gesetze“, tatsächlich gegen die jüdische Bevölkerung und in dem Manifest „La difesa della razza“ („Die Verteidigung der Rasse“, Übersetzung Laila Phunk) wird ausdrücklich gefordert: „Es ist an der Zeit, dass die Italiener sich ohne wenn und aber als rassistisch betrachten!“ („E‘ tempo che gli Italiani si proclamino francamente razzisti!“, zit. nach: Wikipedia, Übersetzung Laila Phunk). Italiener gehörten, so das Manifest, zu den „Ariern“ und würden sich daher grundlegend von der restlichen Mittelmeerbevölkerung, insbesondere den Nordafrikanern, unterscheiden. Also doch Antisemitismus und Rassismus. Allerdings muss man sagen, dass Juden in Italien nicht so eifrig verfolgt wurden wie in Deutschland. Es war eben doch eine Annäherung an das nationalsozialistische Deutschland, auch wenn es in Italien unter den Faschisten auch welche gab, die die Nazi-Linie aus persönlicher Überzeugung befürworteten, z. B. Roberto Farinacci.

3. Law and Order

Eigentlich ging es im italienischen Faschismus, anders als in Deutschland, aber vor allem um Law and Order. Es sollte wieder Ruhe einkehren und eine Regierung mit harter Hand sollte die radikale Kehrtwende von allem, was bisher war, bringen. Die konservativ-liberale „Ära Giolitti“, die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg unter Ministerpräsident Giovanni Giolitti, war durch Krisen, soziale Unruhen und Korruption gekennzeichnet, die nach dem Ersten Weltkrieg in dem sog. „Biennio Rosso“ („den zwei roten Jahren“) in Fabrikbesetzungen und Massenstreiks kulminierte. Der Hintergrund: Italien war (auf Seiten der Alliierten) in den Ersten Weltkrieg eingetreten, obwohl von vornherein klar war, dass es sich den Kriegsbeitritt wirtschaftlich gar nicht leisten konnte. Die fatalen Folgen bekamen vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten zu spüren, was sich in einer rabiaten Wut gegen die Machthaber und in Forderungen nach einem sozialistischen Umsturz entlud.

Allerdings: Es waren die Leute um den ehemaligen Sozialisten Benito Mussolini, die den Kriegseintritt gefordert hatten …

Heute bedeutet Krieg wenn dann eher „Krieg gegen den Terror“. Natürlich hat die Bevölkerung in Europa und in den USA ein Recht darauf, sich vor terroristischen Anschlägen bestmöglich schützen zu wollen. Es ist aber fraglich, ob willkürlich verhängte Einreiseverbote, ein straffes Hochfahren des Sicherheitsapparates und möglichst viel staatliche Überwachung den gewünschten Effekt bringen. Man muss sehr genau hinschauen, welche Maßnahme wirklich zu einem besseren Schutz beiträgt und sich auf Menschen beziehen, die aufgrund tragfähiger Beweise als „Gefährder“ eingestuft werden. Immerhin ist man das dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit schuldig. Dass vor dem Gesetz alle gleich sind, gleiche Rechte und Pflichten haben und den gleichen Schutz genießen ist eine der tragenden Säulen der Demokratie, sprich: ohne Rechtsstaat ist Demokratie nicht machbar. Mal ganz abgesehen davon, dass wer behauptet, Korruption zu bekämpfen, den verkommenen Eliten eine klare Absage zu erteilen und politischer Destabilisierung entgegenwirken zu wollen, wenig glaubwürdig wirkt, wenn dann Willkür die Antwort ist.

4. Immer wichtig: Die soziale Frage

Dass die sog. „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“, wie der Soziologe Helmut Schelsky es nannte, also eine Gesellschaft, in der es keine krassen sozialen Gegensätze gibt und der soziale Aufstieg durchaus machbar ist, weniger anfällig für politische Extreme ist, ist vielleicht kein ehernes Gesetz, aber es ist schon auffällig, dass das politische Klima oft umso rauher wird, je härter, unsicherer und konkurrenzbetonter das Leben für die meisten Menschen im Allgemeinen wird. Sowohl in Italien als auch in Deutschland waren die Folgen des Ersten Weltkrieges für weite Teile der Bevölkerung verheerend. In Deutschland brachte dann der Börsenkrach von 1929 das Fass zum Überlaufen. Da hatte sich der Faschismus in Italien allerdings längst etabliert.

Auch wenn man heutzutage in Europa und in den USA nicht wirklich von einer Verelendung der breiten Masse sprechen kann, ist die Parallele hier unübersehbar. Immer wieder heißt es, die Kinder würden nicht den mehr in dem gleichen Wohlstand wie ihre Eltern leben können, die soziale Absicherung lässt nach, Freelance-Tätigkeiten und Altersarmut nehmen zu, der Globalisierungsdruck, der sich für manche Arbeitgeber als „Auslese der Besten“ darstellt, bedeutet für den Durchschnittsbürger langfristig eine nicht nur gefühlte Bedrohung.

Das heißt übrigens nicht, dass man gegen Migration und für geschlossene Grenzen sein müsste. Vermutlich ist es eher eine Frage der Verhältnismäßigkeit: Wer sich über konkurrenzlos billige illegale Einwanderer aus Lateinamerika freut und in Bürgerkriegsflüchtlingen vor allem robuste, fleißige und dankbare Arbeitskräfte sieht, wer in Europa den Kampf der klügsten, bestausgebildetsten, jüngsten, vitalsten, flexibelsten und genügsamsten Köpfe und Menschen um die heißbegehrten Arbeitsplätze in wohlhabenden Ländern wie Deutschland to the max anheizen will, der muss sich nicht wundern, wenn die Leute dem erstbesten Demagogen, der verspricht, dem ganzen ein Ende zu machen, hinterherlaufen. Vielleicht sollte man Menschen einfach nicht zu sehr gegeneinander ausspielen. Immerhin steckt in dem neoliberalen Globalisierungseifer mit seinem Sozialdarwinismus auch ein prinzipiell faschistoides Element. Wahrscheinlich kann dem nur eine auf Ausgleich, Fairness und Offenheit zugleich bedachte Politik entgegenwirken.

5. Wenn alle an einem Strang ziehen: Korporativwirtschaft

So wenig, wie die AfD eine „Partei der kleinen Leute“ ist, war der italienische Faschismus die Antwort auf die soziale Frage. Ganz im Gegenteil: Mussolini beendete die Arbeitskämpfe, die um 1919/20 ihren Höhepunkt erreicht hatten, mit der sog. „Korporativwirtschaft“: Anstatt dass Gewerkschaften die Rechte der Arbeitnehmer gegenüber den Arbeitgebern vertreten sollten, sollten alle an einem Strang ziehen: Der Chef z. B. der Druckerei ebenso wie die Drucker. Begründet wurde das damit, dass es ja, wenn die Druckerei gut läuft, auch den Beschäftigten besser gehen würde. Es gelte also, die Interessen der Druck- und Papierindustrie gemeinsam zu vertreten.

Das faschistische Element liegt vor allem in einem politischen Angebot, das sich an alle gleichermaßen richtete: Arbeiter, Bauern und Mittelständler ebenso wie Chefs, Adlige, Eliten.

6. Schwarzhemden und rote Faschisten? Totalitarismus

Hier kommt Hannah Arendt (siehe Link oben) ins Spiel. Denn Faschismus ist immer totalitär, totalitär ist aber nicht immer faschistisch. Wie der Sozialismus richtete sich der Faschismus an die breite Masse. Zumindest war das sein Anspruch. Man wollte sich in der Rolle der „Vollstrecker“ des Volkswillens sehen. Das unterscheidet den Faschismus von anderen rechtskonservativen Diktaturen und autoritären Regimes, wo es eher um den Machterhalt eines Diktators und seiner Clique geht, für den das Volk unter dem Deckel gehalten und eventueller Widerstand ausgeschaltet werden muss. Faschismus und Sozialismus dagegen stützen sich auf das Volk. Allerdings halten auch sie es unbarmherzig unter Kontrolle, jedoch so, dass es glauben soll, im eigenen Interesse zu handeln. Sowohl der Nationalsozialmus als auch der real existierende Sozialismus waren bekannt dafür, von der Wiege bis zur Bahre Organisationen geschaffen zu haben, in denen das Volk im Sinne der herrschenden Ideologie erzogen, kontrolliert und bei Verfehlungen bestraft werden sollte. Der Staat drang so tief in den Alltag und in das Privatleben seiner Bürger ein. In Italien war dies weniger ausgeprägt. Dafür wurde hier das Konzept der Korporativwirtschaft, Arbeiter und Chefs an einen Tisch zu bringen ausgearbeitet und so ein gemeinsamen „Volkswillen“ als moderner Gegenentwurf zur Demokratie künstlich hinaufbeschworen. Hier zeigte der Faschismus seine politische Durchschlagkraft als effizientes Bollwerk gegen den Sozialismus, denn der hatte nur den „kleinen Mann“ und dessen Belange im Auge, nicht die Interessen der Eliten. Ganz abgesehen davon natürlich, dass dem Sozialismus, sieht man mal von einigen Varianten, etwa unter dem rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu ab, auch das nationalistische und sozialdarwinistische Element fehlten.

7. Make Italy great again! Nationalchauvinismus

„Make America great again!“ wohl jeder kennt den Wahlkampfslogan von Donald Trump. Auch von Wladimir Putin und Recep Erdogan ist bekannt, dass sie Russland bzw. die Türkei wieder „hochgeholt“ hätten. Wer das marode, politische instabile, von mafiösen Clans und sozialer Verelendung geprägte Russland der Ära Jelzin in den 1990er Jahren vor Augen hat, versteht leicht, warum Putin so erfolgreich ist. „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ wusste schon Bertholt Brecht. Nun kann sich auch der russische Mittelstand Ferien in der Türkei leisten und den Türken selbst geht es auch nicht mehr ganz so schlecht.

Nur kann man Trump, Putin und Erdogan allein deshalb natürlich nicht als „Faschisten“ bezeichnen. Wirtschaftlicher Aufschwung, gemischt mit ein bisschen nationaler Romantik, macht einen ja noch nicht gleich zum Rechtsextremisten. Es kommt darauf an, wie ausgeprägt es ist und welche Elemente noch hinzukommen.

Auch in Deutschland brachte Hitler den Deutschen eine spürbare Besserung ihrer wirtschaftlichen Lage: Es gab wieder Jobs, Radios (der „Volksempfänger“) und Kleinwagen („Volkswagen“) wurden erschwinglich, der „kleine Mann“ und seine Familie konnten in den Urlaub fahren und für Deutsche, die dennoch durch das soziale Netz fielen, gab es ein Winterhilfswerk. Leider müsste man „Deutsche“ präziser mit „Menschen, die als Deutsche anerkannt wurden“ umschreiben. Die Nationalsozialisten selbst sprachen auch eher von „Volksgenossen“. „Untermenschen“, Juden, Roma und Sinti, Schwule, Depressive, Alkoholiker, „Schwachsinnige“, „Erbkranke“, usw., alle, die nicht dem Bild des starken, vitalen „Herrenschmenschen“ entsprachen, kamen nicht in den Genuss sozialer Unterstützung (auch wenn man, sofern es sich um eine angesehene Nazi-Familie handelte, natürlich bereit war, Ausnahmen zu machen, und geflissentlich über einen schwulen Onkel, ein kleines Alkoholproblem oder Angehörige mit gewissen körperlichen oder mentalen Einschränkungen hinwegsah, sofern es nicht an die große Glocke gehängt wurde. Zur Doppelmoral siehe oben: Rechtspopulisten heute). An dieser Stelle sollte man sich fragen, ob das in Europa im christlichen Glauben verankterte Leitprinzip, Menschen zu helfen, die in Not geraten sind, ganz gleich, wer sie sind und woher sie kommen, nicht doch sozialer ist, als eine „Solidarität“, die nur für bestimmte Menschen gilt und jederzeit erlöschen kann, wenn jemand den Ansprüchen der „Volksgemeinschaft“ nicht mehr genügt. Was ist denn besser, die Sicherheit zu haben, auf jeden Fall Hilfe in Notlagen zu erhalten? Oder aber ausdrücklich bevorzugt zu werden, aber eben abhängig von der Willkür anderer, die sich jederzeit auch gegen einen richten kann?

Was in Deutschland die „Dolchstoßlegende“ war, die angebliche „Erniedrigung“ deutscher „Größe“ durch Sozialisten und Juden, das war in Italien die späte Nationwerdung, deren Prozess sich noch viele Jahrzehnte über die Gründung der italienischen Nation hinauszog. Zwar ist Italien knapp zehn Jahre „älter“ als Deutschland, allerdings war das Land im 19. und frühen 20. Jahrhundert sehr viel zerklüfteter durch regionale und soziale Unterschiede. Insbesondere das starke Nord-Süd-Gefälle sorgte dafür, dass das sog. „inner nation building“, die Entwicklung einer Selbstwahrnehmung in der Bevölkerung als zusammengehörige Nation und einheitliches Staatsvolk, sich in die Länge zog.

Viele Italiener fühlten sich einfach nicht als Italiener sondern als Neapolitaner, Piemontesen, Florentiner oder Sizilianer. Dem gegenüber stand ein brachialer Nationalismus, der sich auf das antike Römische Reich als Quelle eines modernen italienischen Nationalgefühls bezog und eine vergleichbare politische und kulturelle Stellung der jungen Nation im Europa des frühen 20. Jahrhunderts forderte.

8. Faschismus kann sehr modern sein

In Deutschland verbindet man rechtes Gedankengut in erster Linie mit röhrenden Hirschen und laut trötender Volksmusik für die Ü80-Generation. Miefig und spießig finden die einen, „traditionsbewusst“ sagen die anderen.

Dynamische Formgebung, eine Ästhetik, die ausdrücklich „technisch“ wirken möchte und auf „Fortschritt“ abzielt, kühle Zweckbauten, streng geometrische Kompositionen und klare, zum Teil fast fluoreszierend grelle Farben – Dass auch das, was als „klassische Moderne“ in die Kunstgeschichte eingegangen ist, rechts, ja sogar faschistisch sein kann, ist aus einer deutschen Perspektive nur schwer vorstellbar, galt hierzulande moderne Kunst doch als Antipode des Nationalsozialismus, nicht zuletzt weil viele moderne Kunstwerke im Nationalsozialismus als „entartete Kunst“ gebrandmarkt wurden.

Im italienischen Faschismus gab es keine einheitliche Kunstpolitik. Futurismus und Rationalismus standen neben Kunstströmungen, die sich ebenfalls als „modern“ verstanden, aber andererseits stark auf das antike römische Erbe abhoben.

Mussolini betrachtete Kunstförderung als PR – das moderne Italien, auf der Höhe der Zeit oder ihr sogar voraus, ließ sich so ebenso fiktional entwerfen, wie die antike imperiale Größe, die es mental wieder zu beleben galt. Die Kunstschaffenden – damals wie heute prekär lebend – warfen sich dem Regime zum größten Teil mit Verve an den Hals und überschlugen sich darin, den neuen Zeitgeist zum Ausdruck zu bringen.

Nicht ganz zufällig und in dieser Hinsicht nicht anders als der Nationalsozialismus legte auch das faschistische Regime selbst Wert auf ästhetische Inszenierung, etwa in Aufmärschen und Propaganda. Auf den Zusammenhang von moderner Kunst und einer Ästhetisierung der Politik, wie sie der Faschismus betrieben hat, hat der Philosoph und Kulturkritiker Walter Benjamin bereits 1936 in seiner Schrift „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ hingewiesen und ist dabei auch explizit auf den italienischen Futurismus eingegangen.

9. „Ich will eine herrische, grausame Jugend …“: Sozialdarwinismus

„Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich.“ forderte Adolf Hitler (Rede „Meine Pädagogik ist hart“, zitiert nach wissensreise.de). In dem futuristischen Manifest „La Riscostruzione futurista dell-Universo“, das Giacomo Balla und Fortunato Deperso 1915 verfasst haben, sprachen die beiden Künstler davon, Spielzeug zu entwerfen, das das Kind zu Kreativität und körperlicher Agilität, aber auch zu Aggression und kriegerischer Kampfbereitschaft erziehen sollte.

Sicherlich ist es ein Stück Weg von der „genetischen Überlegenheit“ und „Gebärprämien“, wie sie 2010 im Umfeld des SPD-Politiers Thilo Sarrazin im Gespräch waren, hin zu einer Erziehung zur Grausamkeit, wie sie Hitler und die Futuristen der zweiten Generation forderten. Nicht von ungefähr stammen die deutschen Anhänger der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ allerdings aus der „Sarrazin-Bewegung“, wie auf Wikipedia nachzulesen ist. Spätestens dann, wenn Jugend- und Vitalitätskult mit Überlegenheitsgefühlen, offen geäußerten Zweifeln an der Gleichwertigkeit aller Menschen und einem nur schlecht kaschierten Sozialdarwinismus zusammentrefffen, sollte man jedenfalls hellhörig werden.

10. Gewalt und politische Morde

Sind Faschisten einmal an der Macht, bedeutet das noch nicht, dass sie auch fest im Sattel sitzen. Dazu ist fast immer eine Konsolidierungsphase nötig. Masha Gessen (siehe Link oben in der Einleitung) hat die schleichende Aushöhlung demokratischer Institutionen am Beispiel Russland mehrfach beschrieben. Sicherlich hat sie recht, dass man auch genau beobachten sollte, was Trump in Amerika veranstaltet. dennoch finde ich den  der Vergleich mit Mussolini nicht ganz so glücklich. Immerhin hatte der sich in politischer Hinsicht seine Sporen als Sozialist verdient, während Trump jahrzehntelang den kapitalistischen Unternehmer schlechthin verkörperte. Außerdem hat Mussolini von Anfang an bedenkenlos rohe Gewalt als politisches Mittel eingesetzt. Die „squadre fasciste“, auch „Schwarzhemden“ („camice nere“) genannt, waren paramilitärische Einheiten, die, ähnlich wie die SA in Deutschland schon lange vor dem „Marsch auf Rom“, mit dem Mussolini 1922 die Macht ergriff, in Italien Gewalt und Terror verbreitetet haben. Der Mord an dem sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti 1924 durch faschistische Schläger machte schließlich auch jenen, die die Augen vor dem wahren Charakter Mussolinis hatten verschließen wollen, endgültig klar, um was es ging. Weniger als zwei Wochen vor seiner Ermordung hatte Matteotti noch, wie auf Wikipedia zu lesen ist, in einer öffentliche Rede eindringlich vor den Gefahren des Faschismus gewarnt. Die Italiener waren auch damals keine dummen Schäfchen, die ihrem „Duce“ brav hinterhergetrottet sind. Es hatte Kritiker gegeben. 1924 war der Punkt erreicht, wo der Faschismus sein wahres Gesicht gezeigt und vorgeführt hatte, wie er mit ihnen zu verfahren gedachte.

Hoffen wir, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Seien wir klüger als unsere Ahnen. Immerhin können wir, im Gegensatz zu ihnen, nicht sagen, wir hätten von nichts gewusst.

Alle Übersetzungen durch Laila Phunk. Ohne Gewähr.

 

PC bis der Arzt kommt! Eine Steilvorlage für die Rechten?

Man kann aus einer Mücke einen Elefanten machen und dann alle Mücken totschlagen, weil man Angst hat vor ein paar durch den Busch tobenden Elefanten. Die Frage ist nur: Bringt es was? Ein bisschen erinnert mich das an die Debatte über Political Correctness. Niemand möchte totgetrampelt werden (Theoretisch besteht die Gefahr bei Elefanten durchaus, auch wenn es an sich keine besonders aggressiven Tiere sind). Ich finde es, um auf das Thema Sprache zu kommen, nicht „mutig“, andere Menschen als „Nigger“, „Schlampen“, „Schwuchteln“, „warme Brüder“ , „kesse Väter“ oder „Muselmänner“ abzutitulieren. Den Holocaust zu leugnen oder zumindest stark zu relativieren, ist kein „Befreiungsschlag“ und ich kann nicht verstehen, warum Menschen sich „eingeengt“ fühlen, weil der Begriff „völkisch“ nicht positiv besetzt ist oder zur Debatte steht, ob Schwule und Lesben nicht doch auch ganz normal heiraten können dürfen sollten.

Aber die „Mücke“ bzw. dass man sie totschlägt, um der Elefanten Herr zu werden, ist eine übertriebene, dogmatische Form der Political Correctness. Ich glaube nicht, dass hysterische Eiferer und Tugendwächter der Welt etwas Gutes tun oder auch nur den Minderheiten, für die sie sich einsetzen, einen Dienst erweisen, wenn jede Kleinigkeit als „Microaggression“ gedeutet wird, die „den anderen“ – Migranten und Migrantinnen, People of Color, Homosexuellen und alle, die sich irgendwie damit identifizieren – angeblich entgegenschlägt. Ganz im Gegenteil.

Es ist ja auch zunächst einmal eine Frage der Gewichtung: Mich griff auf einer feministischen Veranstaltung in Berlin einmal eine (weiße, deutsche, ziemlich übergewichtige) Frau an, weil ich die Personalpronomen „ihr“ und „wir“ verwendet hatte, als ich von der DDR und der BRD, den beiden deutschen Staaten, wie sie vor 1990 existiert hatten, gesprochen hatte. Das sei „Ausgrenzung durch Sprache“ behauptete die Frau. Aber mal ehrlich, was ist denn schlimmer? Wenn ein entfesselter Mob Asylbewerberheime angreift oder Schwarze totprügelt, oder wenn jemand die falschen Pronomen verwendet? Ich denke, da gibt es Unterschiede.

Natürlich stimmt es, dass eine gewisse sprachliche Verwahrlosung dazu führen kann, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem Ausgrenzung und Diskriminierung akzeptabel erscheinen. Aber „wir“ und „ihr“ gehören nicht zu den „bösen Worten“. „Nigger“ und „Samenklau“ schon eher. Ganz abgesehen davon kann man sich auch politisch korrekt ausdrücken und sich trotzdem diskriminierend verhalten. Jemand sagt zwar „Roma und Sinti“, unterstellt aber trotzdem, dass jeder von denen klaut und lässt sich gar nicht davon abbringen. Obwohl es der blonde Hipster war, der ihm oder ihr das Portemonnaie geklaut hatte.

Und was ist, wenn es wirklich ein Roma oder Sinti war? Darf man zwischenmenschliche Konflikte nicht mehr benennen? Hat man nur noch die Option, sich das Portemonnaie klauen zu lassen und lächelnd darüber hinwegzusehen („Die sind nun einmal so“ – Wirklich?) oder sich als „antizigan“ zu outen und mit fliegenden Fahnen zum rechten Lager überzulaufen? Nein, bitte nicht!

Auf einer Veranstaltung in der Heinrich-Böll-Stiftung höhnte einmal eine (wieder eher dickliche) Frau, sie wollten mich „rechts machen“. Ich traute zunächst meinen Ohren nicht. Mittlerweile glaube ich ihnen. Je mehr Leute rechts sind, desto mehr Möglichkeiten stehen jungen, engagierten Linken offen. Dann ist niemand mehr im Weg als unliebsame Konkurrenz um Jobs, oder mehr noch: um das coole linke Image. Es mag Leute geben, die wirklich so dumm, so kurzsichtig und so egozentrisch sind. Folgt man dieser Logik, dann hätten sie dann ja im Nationalsozialismus als Linke optimale Chancen gehabt, denn da war ja die breite Masse rechtsextrem. Vielleicht sollte jemand solchen Leuten mal ein Geschichtsbuch vorhalten: Linke bzw. Menschen, die den Nationalsozialismus als politischen Heilsbringer in Frage stellten, landeten damals im KZ oder wurden gleich ermordet.

Vielleicht hat „rechts machen“ aber auch noch einen anderen Aspekt. Vor vielen Jahren hatte ich im Studentenwohnheim eine arabische Nachbarin. Zunächst kamen wir gut miteinander aus. Ein paar Monate später aber störte sich jede an dem Lärm, der durch die extrem dünnen Wände ins Zimmer der anderen hinüber drang. Ich reagierte trotzig und weigerte mich, weiterhin mit Nadia, wie ich sie hier einmal nennen werde, Französisch zu sprechen. Nadia reagierte mit „Je te casse la gueule!“ („Ich schlage dir die Fresse ein!“). Ich verstand sehr gut. Der Konflikt drohte, zu eskalieren.

Unerwartet nahm mich eine andere Mitbewohnerin, mit der ich nie so richtig warm geworden war, beiseite und raunte mir zu „Ich mag die Negerin auch nicht“. Mir krampfte sich der Magen zusammen. Ich hatte Nadia nicht einmal als „farblich fremd“ wahrgenommen, aber es bestürzte mich, dass überhaupt die Idee im Raum stand, die Herkunft meiner Nachbarin sei das Problem. Ich hätte mich an ihr wohl ebenso gestört, wenn sie eine hellhäutige Deutsche, eine dunkelhaarige Portugiesin, Rumänin oder tatsächlich schwarz gewesen wäre.

Allerdings gab es bei uns auf dem Flur auch ein paar neue „Ausländerfreunde“. Keineswegs waren es, wie man erwarten sollte, übereifrige Linke, Feministinnen und „queere“ Menschen (obwohl die sicher heute in einem vergleichbaren Konflikt sofort zur Stelle wären). Nein, es waren konservative und rechte Studenten, die die Stunde gekommen sahen, mich als Linke zu demütigen und aller Welt vorzuführen, dass die angeblich so engagierte Studentin doch in Wirklichkeit die eigentliche „Rassistin“ sei.

Diese Versuche ließ ich damals jedoch an mir abprallen, denn ich hatte genug arabische Freunde. Bis heute habe ich nie auch nur eine Sekunde daran gezweifelt, dass die Menschen überall auf der Welt die gleichen sind – im Guten wie im Schlechten. Es ist mir auch allzu oft bestätigt worden.

Der Konflikt mit Nadia wurde irgendwann zu einer Art Waffenstillstand, den beide Seiten zähneknirschend einhielten. Allerdings frage ich mich schon, ob heutzutage hysterische VertreterInnen der Political Correctness und Neurechte nicht auf fatale Weise an einem Strang ziehen.

Josef Joffe hat in der neuesten Ausgabe der Zeit (Print) geschrieben, dass die Gefahr für die Demokratie möglicherweise von beiden Lagern ausgeht. Da kann ich mich nur anschließen. Jedenfalls: Dass man sich nicht mit „Microaggressionen“ und falsch verwendeten Personalpronomen gängeln lassen will, bedeutet nicht, dass man dem rechten Rand Beifall klatschen würde. Ich wünschte, viel mehr Leute würden das so in aller Deutlichkeit sagen.