„Beißhemmungen“ & Borderline-Wahrnehmungen: Die queere Szene & die Querfront

Links à la roumaine: Terror, Hunger & goldene Wasserhähne

Sprech- und Denkverbote, das großzügige Verteilen von Maulkörben, ist so alt wie die dogmatische Linke selbst. Dass das in Mord und Totschlag enden kann, hat der Stalinismus gezeigt. Dass es – jenseits aller Kalten-Kriegs-Rhetorik vom „roten Faschismus“ – auch tatsächlich faschistoide Züge tragen kann, führte der rumänische „Realsozialismus“ eindrucksvoll vor Augen. Getrieben von einem immer absurder werdenden Personenkult, ließ sich der zweite und letzte sozialistische Diktator Rumäniens Nicolae Ceausescu u. a. „Conducator“ nennen – „Führer“, wie Ion Antonescu, der in Rumänien in den 1940er Jahren mit Hilfe der faschistische „Eisernen Garde“ eine Militärdiktatur errichtet hatte. Ceausescu glänzte seinerseits mit einer Familienpolitik, bei der unter dem Verbot von Abtreibung und Verhütungsmitteln jede Familie mindestens 5 Kinder haben sollte. Ziel war die bevölkerungspolitische Errichtung „Großrumäniens“ („Romania Mare“. Interessanterweise wurde nach dem Sturz Ceausescus eine gleichnamige Partei gegründet, die im Westen als rechtsextrem eingestuft wurde, u. a. weil sie nationalistische und minderheitenfeindliche, insbesondere antisemitische Einstellungen vertrat, in Rumänien selbst aber als linksextrem galt, wie man auf Wikipedia nachlesen kann.). Wenn man bedenkt, dass Ceausescu in seinem Palast goldene Wasserhähne hatte, während die Mehrheit der Rumänen in einer selbst im Vergleich zu vielen anderen Warschauer Pakt Staaten extremen Armut lebte, lässt sich die ungeheure Wut nachvollziehen, die dazu führte, dass die Rumänische Revolution von 1989 sehr viel gewaltsamer verlief als anderswo und etwa 1000 Menschen den Tod fanden, wie auf Wikipedia nachzulesen ist. Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena wurden 1989 schließlich standrechtlich erschossen. Ein pikantes Detail ist vielleicht, dass ausgerechnet Ceausescu, der vielleicht blutigste „realsozialistisch“ Diktator, im Westen in den 1970er Jahren noch als Reformer galt …

Patsy L’Amours „Beißhemmungen“ – Sprechverbote in der queeren Szene

Fast 30 Jahre später sind Sprechverbote, um mit einem thematisch radikalen Wechsel auf das eingangs erwähnte Stichwort zurückzukommen, offenbar auch in der Berliner queeren Szene ein Thema. Dreh- und Angelpunkt ist offenbar der Begriff „Queer“.

„Queer transportiert eine Geschichte emanzipatorischen Kämpfens, es ist ein reizvoller Begriff, der zum Hinterfragen der  heterosexuellen Normalität ebenso aufruft wie zur selbstbewussten Entgegnung der Perversen und Anderen.“ (Patsy L’Amour LaLove, Art.: „Sprechverbote in der Queer-Szene“, in: Tagesspiegel vom 01. April 2017)

schreibt die Berliner Queer-Aktivistin Patsy L’Amour LaLove, die mit „Beißhemmungen“ einen Sammelband zum Thema herausgegeben hat, im Berliner „Tagesspiegel“. Und:

„Queer gilt hier als identitätskritischer Begriff. Das geht so weit, dass Menschen, die sich als Schwule und Lesben sehen, als reaktionär abgelehnt werden: Ihre Identitäten seien zu einengend, und sie seien zu etabliert, heißt es dann.“ (Patsy L’Amour LaLove, Art.: „Sprechverbote in der Queer-Szene“, in: Tagesspiegel vom 01. April 2017)

Ist das Private politisch?

Weiter geht es um Antirassismus, „Critical Whiteness“ und „Political Correctness“ – alles Topoi, die derzeit auch in der Linken verhandelt werden. Spätestens hier sollte man aufmerken, wenn einem nicht schon aufgestoßen ist, dass „Schwule und Lesben“ plötzlich als „reaktionär“ gelten, obwohl es doch angeblich um Homosexualität bzw. um den Kampf gegen Homophobie geht. Was genau ist also mit „Queer“ gemeint? Eine politische Haltung oder eine sexuelle Orientierung? Der Schlachtruf des Second-Wave-Feminismus der 1970er Jahre, dass Private sei Politisch greift hier nicht. Damals war gemeint, dass Frauen gemeinsam gegen alltägliche Diskriminierungen ankämpfen sollten. Der gönnerhafte Klaps auf den Po, kein eigenes Konto eröffnen zu können, den Beruf spätestens dann aufgeben zu müssen, wenn Kinder da sind, und auch dann in einer Ehe verharren zu müssen, wenn der eigene Ehemann gewalttätig war oder sich längst mit einer Jüngeren vergnügte, weil die Ehe als Versorgungseinrichtung die eigene Existenz sicherte – all das waren Erfahrungen, die viele Frauen teilten.

Identifikation als Identitätsstifter

Bei „Queer“ ist es genau umgekehrt: Die Diskriminierungserfahrungen anderer Menschen (Schwarzer oder der sog. „People of Color“, der auch im rechten Milieu derzeit hart umkämpften sog. „kleinen Leute“, Erfahrungen von Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, Erfahrungen Behinderter, Muslimer, Juden, z. T. auch Homosexueller, weil die sexuelle Orientierung und Identität als frei wählbar gelten. Einige Aktivistinnen wollten die freie Wählbarkeit sogar auf die Hautfarbe ausdehnen, wie man u. a. auf Twitter unter dem hashtag #wrongskin nachlesen kann) – all das wird gebündelt und zum Stifter der eigenen Identität überhöht. „Queer“ soll, mit anderen Worten, als Quintessenz des „Anderen“, Randständigen gelesen werden. Es ist kein Zufall, dass die zunehmende Relevanz der Frauen- und Genderforschung, der Queer und Black Studies in den Geisteswissenschaften zusammenfällt mit dem Aufstieg des Queerfeminismus. Damit einhergehend haben die meisten Menschen, die sich für „Queer“ engagieren, einen akademischen, meist kultur- oder sprachwissenschaftlichen Hintergrund.

Der Geist von 1968

Das kann man, gerade auch aus einer linken Perspektive, kritisieren. Die undogmatische westdeutsche Linke der Nachkriegszeit verfolgte ja ursprünglich einen emanzipatorischen Ansatz, der Menschen befähigen sollte, für ihre eigenen Interessen einzutreten – „Hilfe zur Selbsthilfe“ sozusagen. In der Realität wurde dieser Ansatz auch in der mittlerweile historisch gewordenen Linken von 1968 nicht konsequent durchgehalten. Tatsächlich waren es auch damals schon v. a. junge AkademikerInnen, die sich für andere einsetzten. Und es ist ja auch im Grunde nicht verwerflich, wenn sich Weiße mit Rassismus befassen, Männer über Sexismus in der Gesellschaft reflektieren und Menschen aus dem gehobenen Bildungsbürgertum sich ihre eigenen Privilegien bewusst machen – ganz im Gegenteil.

Konkurrenzkampf unter Geisteswissenschaftlern – ein unterschätzter Motor?

Allerdings unterscheidet sich das heutige Engagement in zweierlei Hinsicht fundamental von dem der Alt-68er:

  1. Damals konnten nur Privilegierte studieren. Das bedeutet auch, dass diese Leute kaum Konkurrenz hatten. Auch mit einem zeitlich extrem weit ausgedehnten, wirklich mit Muße betriebenen Studium, dafür ohne den heute üblichen Parcours an Auslandsaufenthalten, Praktika und „Netzwerken“ konnten die 68er problemlos in Führungspositionen rutschen, während junge Akademiker, insbesondere Geisteswissenschaftler heute damit rechnen müssen, sich mit unbezahlten Langzeitpraktika und „Kontakte knüpfen“, also der Anbiederung an einflussreiche Leute, auf einem vielleicht nützlich sein könnten, nach dem Studium erst einen Platz in dieser Gesellschaft erkämpfen zu müssen, zumindest, sofern sie sich nicht schon im Studium die Gunst der Professoren errungen haben und entsprechend „nach oben empfohlen“ worden sind.
  2. Da liegt es – tut mir leid, das so offen sagen zu müssen – nahe, sich auf die Minderheitenpolitik zu stürzen. Ursprünglich dazu gedacht, all jene ein bisschen zu pushen, die aufgrund von Vorurteilen sehr viel schneller, oft noch in der Schule, an eine „gläserne Decke“ stoßen, als andere, ersetzte die Förderung von Minderheiten im Laufe der 00er Jahre zunehmend die herkömmliche Sozialpolitik. Die Finanzkrise, die von 2007 bis etwa 2011 zusammen mit EU-Osterweiterung den Zugang junger Geisteswissenschaftler zum Arbeitsmarkt erschwerte und den Konkurrenzdruck erhöhte, war sicherlich ein weiterer Katalysator. Selbst in der Position der diskriminierten Minderheit zu sein, den Unterdrückten stellvertretend eine Stimme zu geben, konnte daher gerade in prekären Berufszweigen, wie z. B. in der Kultur- und Medienbranche ein wertvoller Rettungsanker sein. Daher entbehrt es auch nicht einer gewissen Konsequenz, dass der Minderheitenstatus, insbesondere, was die sexuelle Orientierung und Identität betrifft, einerseits frei wählbar sein soll (Jede und jeder darf sich damit identifizieren. Begründet wurde dies, zu recht, mit dem Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung), andererseits aber vehement nach außen verteidigt wird (Es wird erbittert darum gekämpft, wer die „queere Identität“ nun hat und wer nicht, was von außen betrachtet oft lächerlich wirkt, da nur wenige Queer-Aktivisten wirklich homosexuell sind, kaum jemand wirklich „trans“ ist, und z. B. Bisexualität (die eigentlich auch sehr selten ist), nicht zwangsläufig sichtbar und damit als genuin „andersartig“ festzumachen ist.). Es geht also nicht so sehr um die selbst gemacht Erfahrung, anders und randständig zu sein, sondern in um die Identifikation damit, die sich am eigenen Körper manifestieren soll. Der weiderum wird dadurch zum Träger des Minderheitenstatus umfunktioniert: Übergewicht, Essstörungen, Die Zurichtung des weiblichen Körpers auf die Schönheitsideale der Modeindustrie, der sich im Übrigen überraschend viele Queerfeministinnen selbst unterwerfen – sind in der queeren Szene zentrale Themen, obwohl sie gar nichts mit Homosexualität im eigentlichen Sinne zu tun haben.

Borderline-Wahrnehmungen: Schwarz-Weiß-Denken als Politikum*

Auch Borderline, bzw. „sich ritzen“, ist ein Thema im Queerfeminismus. Das hat u. a. die taz- und Spiegel-Online-Kolumnistin Margarete Stokowski immer wieder zum Thema ihrer Kolumnen gemacht. Aber geht es wirklich nur um Feminismus? Oder ist es nicht vielmehr die Borderline-Wahrnehmung die wichtig ist?

Die Psychologin Dunja Voos schreibt auf ihrer Homepage in einem durchaus wohlwollenden Artikel über Borderline:

„Typisch ist auch das Schwarz-Weiß-Denken, das so genannte Spalten. Die Betroffenen sehen andere oder sich selbst einmal als nur „böse“, ein anderes Mal als nur gut. Sie nehmen sich immer wieder anders wahr und haben ein sich schnell änderndes Selbstbild, was Psychologen als Identitätsdiffusion bezeichnen.“ (Dunja Voos, „Die Borderline-Störung – besser als ihr Ruf“, auf: „Medizin im Kontext“, 7. Juli 2016, aufgerufen am 15. Mai 2017.)

Ohne eine ganzen Subkultur unter den Generalverdacht einer psychischen Krankheit stellen zu wollen – Es wäre ganz sicher falsch, behaupten zu wollen, dass jedeR, der/die sich mit „Queer“ identifiziert, an Borderline leidet – Die Identitätsproblemtik und das Beharren auf „fluiden“ Identitätskonzepten, ebenso wie die oft plakative Einteilung der Welt in „gut“ und „böse“ legen es aber schon nahe, dass hier ein „Borderline-Lebensgefühl“ Pate steht. Erinnern wir uns an die Schwierigkeiten, die die queerfeministische, wie auch die linke Szene etwa mit der lesbisch lebenden AfD-Politikerin Alice Weidel hatte. Kann jemand mit einem so „progressiven Lebensstil“, wie es in den sozialen Netzwerken hieß, wirklich rechts sein? „Queer“ also = Minderheit = jedwede Art von Andersartigkeit = Symbol des „unterdrückt Werdens“ = links = gut? Eine Rechnung, die nicht nur nicht aufgeht, sondern so hahnebüchend naiv und simplizistisch ist, dass man sich fragt, wie ausgerechnet Frauen (und Männer), die „was mit Uni“ machen, auf einen solchen Schwachsinn kommen.

Queer- und Querfronten: Unheilvolle Allianzen

In politischer Hinsicht sollte man „Queer“ oder Queerfeminismus durchaus ernst nehmen. Einerseits sind Queerfeministinnen heutzutage von der Linkspartei über die Grünen bis hin zur SPD im gesamten linken und linksliberalen Spektrum vertreten. Das – berechtigte – Engagement für die Gleichstellung Homosexueller mischt sich mit „Queer“ als politisch aufgeladenem Lebensgefühl, Queerfeministinnen werden intensiv von den Grünen und der Linkspartei nahe stehenden Stiftungen wie dem Gunda-Werner-Institut (Heinrich-Böll-Stiftung) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Letztere setzt sich ausdrücklich auch für „Transfeminismus“ ein, also für Frauen, die sich aus feministischen Gründen als Transmänner oder Transgender definieren. Das kann man u. a. auf „Linksnet“ nachlesen, allerdings ist der Site nicht grundsätzlich frei zugänglich.

Zumindest für Berlin lässt sich leicht nachweisen, dass der Queerfeminismus neben seinem Einfluss auf das linke bürgerliche Parteienspektrum auch mit der Querfront eng verbandelt ist. Es gibt z. B. personelle Überschneidungen zwischen der queeren Szene und dem Umfeld der Zeitschrift „Junge Welt“, das wiederum einen Draht zu Russia Today Deutsch und zu den umstrittenen Friedensmahnwachen hat. Über die Mahnwachen gibt es auf Wikipedia einen ausführlichen Artikel. Sie wurden aus queerfeministischer Sicht u. a. auch auf einschlägigen Blogs wie den „Störenfridas“ diskutiert. Was die queere Szene selbst betrifft, bestehen außerdem in mehrfacher Hinsicht Kontakte zu Kreisen, in denen sowohl Thilo Sarrazin als auch Ken Jebsen geschätzt werden.

Jebsen, der auf Youtube den Vlog KenFM betreibt, vertritt relativ erfolgreich politische Nischenansichten oder – je nach Perspektive – auch „alternative Meinungen“, die z. T. eigentlich sowohl in der radikalen Linken als auch in feministischen Kreisen auf Widerspruch stoßen müssten. U. a. soll er behauptet haben, der jüdische ungarisch-amerikanische Börsenspekulant und Philantrop George Soros stecke hinter dem „Womens March“, einer feministischen Protestbewegung gegen Donald Trump. Soros wolle Frauen zum Abtreiben animieren und mit dem Embryonenmaterial Geld verdienen. Das zumindest berichtete der Berliner „Tagesspiegel“.

Es klingt wie direkt abgekupfert von christlich-evangelikalen Abtreibungsgegner in den USA. Der Ruf des Linksalternativen haftet denen bekanntlich kaum an. Allerdings sind sie nicht ganz einflusslos und traten zuletzt mit dem Mord an dem us-amerikanischen Abtreibungsarzt George Tiller „the Baby Killer“ und der Diffamierungskampagne um „Planned Parenthood“ politisch in Erscheinung. Darüber hat u. a. Tom Gogola auf „Salon.com“ geschrieben.

Personenkult & Antisemitismus – präpsychotische Wahrnehmungen?

Den Zusammenhang zu George Soros scheint Jebsen selbst hergestellt zu haben. Die fast wahnhafte Fixierung auf Soros und die jüdische Bankiersfamilie Rothschild scheint für das Querfrontmilieu, das sich übrigens selbst der Linken oder auch der radikalen Linken zuordnet, zentrale Bedeutung zu haben. Sicherlich wird niemand in Abrede stellen, dass Soros und die Rothschilds durchaus auch kritikwürdig sind. Allerdings geht es bei Jebsen und anderen Akteuren der Querfront darum, sich auf Sündenböcke einzuschießen. Eine generelle Kritik am Kapitalismus oder zumindest an dessen aggressivsten Auswüchsen würde nämlich auch andere Menschen und Institutionen – auch Nicht-Juden und nicht-jüdische Institutionen! – einbeziehen. AusbeuterInnen und gewissenlose Raubtiere gibt es schließlich überall auf der Welt und mit so ziemlich jedem religiösen Hintergrund.

Gerade weil die Verschwörungstheorien, die Jebsen und andere spinnen, oft einen klar antisemitischen Einschlag haben, wundert man sich ein bisschen um den Personenkult, den linke Blogs, wie die „NachDenkSeiten“, „scharf links“, der „Neuen Rheinischen Zeitung“ oder der „Roten Fahne“ („rotefahne.eu“. Dieses Webportal soll, wie Robin Avram in dem Artikel „Wie die Neu-Rechte die Friedensbewegung unterwandert“ auf den Seiten des RBB erläutert, trotz des „marxistisch“ klingenden Namens sogar einen ziemlichen Rechtsdrall haben.) um Ken Jebsen treiben. Einiges, was sonst v. a. auf den beiden letzteren Portalen zu lesen ist, spricht auch dafür, dass es sich bei den Antisemitismusvorwürfen, die dem Milieu gemacht werden, keineswegs um „Missverständnisse“ handelt. Zum Teil dreht sich einem ehrlich gesagt einfach der Magen um!

Alles macht sich am Körper fest. Auch die Widersprüche

Der grelle Philosemitismus, wie ihn einige Leute aus der queerfeministischen und der Transgenderszene vertreten, steht bizarrerweise in einem scharfen Kontrast dazu. Allerdings muss man dieses Milieu auch politisch als „fluid“ betrachten. Wie in jeder „Szene“ oder Subkultur setzen die Leute natürlich in ihren politischen Einstellungen unterschiedliche Akzente. Typisch sowohl für das queere Milieu als auch für die Querfront ist jedoch eine ideologische Inkonsequenz, die fast einem Yin-und-Yang-Prinzip gleicht. Man kann durchaus verbalradikal linksextrem und entschieden Kapitalismus kritisch auftreten und jedeN als VerräterIn geißeln, der oder die auch nur minimal vom eigenen Kurs abweicht, sich zugleich aber auch für den als knallharten Geschäftsmann bekannten amtierenden US-Präsidenten Donald Trump stark machen, wie es etwa Rainer Rupp getan hat. Mehr über den ehemaligen Stasi-Top-Spion erfährt man auf Wikipedia (Zugriff am 15. Mai 2017).

Vielleicht entspricht das dem Querfrontprinzip. Da zumindest einige der Queerfeministinnen aber ursprünglich aus einem gutbürgerlichen, apolitischen oder sogar eher konservativen Milieu stammen, könnte die politische Beliebigkeit, die sich offenbar hinter dem Label „linksalternativ“ versteckt, aber auch ein Reflex auf die seit den 00er Jahren zunehmend globalisierten, von harten Konkurrenzkämpfen geprägten Arbeitswelt sein. Dort sind Flexibilität und Angepasstheit immerhin Trumpf, was sich möglichst auch in einem stromlinienförmigen, auf Erfolg getrimmten Lebenslauf ausdrücken sollte.

Zudem macht sich bei „Queer“ fast alles am Körper fest, der einerseits als von der Norm „abweichender“ Körper aufgefasst wird – der dicke oder magere, bedenklich ausgemergelte Körper mit der berühmt-berüchtigten „Lücke zwischen den Schenkeln“, durch Hungerkuren, Fressanfälle und Kotzen malträtiert, ungewöhnlich groß oder klein oder gar behindert – andererseits aber der die Norm übererfüllende Körper sein soll, also der jugendliche, gesunde und belastbare, schöne, sexuell und auch sonst beneidenswert attraktive Körper. Marxistisch könnte man diese Widersprüchlichkeit auch damit auf den Punkt bringen, dass „queere“ Menschen die These und die Antithese zugleich sind – also die Synthese.

Ein interessantes Detail ist übrigens, dass auch Thilo Sarrazin sich in seinem 2010 erschienen Buch „Deutschland schafft sich ab“ an der Biologie festbiss: Dort sollten es die Gene sein, die die gesellschaftliche Stellung eines Menschen festlegen.

Diese Parallele zeigt freilich eher einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel in unserer Gesellschaft auf, alsdass beide Geisteshaltungen nachweislich inhaltlich miteinander verzahnt wären: Was ein Individuum ausmacht, ist nicht mehr sein Denken und Handeln, gemachte Erfahrungen, Wünsche, Träume, Hoffnungen, Talente und Interessen, der soziale Kontext oder – neoliberal gesprochen – auch die eigene Leistungsbereitschaft, sondern alles ist schon im Körper eines Menschen angelegt. Will sich der Mensch verändern, muss sich zu allererst der Körper verändern. Leider steckt darin nicht nur eine Verweigerung gegenüber dem monstruösen Leistungsdruck, den der entfesselte Neoliberalismus globaler Märkte aufgebaut hat, sondern auch eine Absage an die soziale Durchlässigkeit der sog. „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“, die einst als Idealbild der sozialen Marktwirtschaft gefeiert wurde.

Sputnik, die AfD & die „Reichsbürger“

Nicht ganz zufällig trifft man auf den oben erwähnten linken Blogs, die die Debatten im Querfrontmilieu widerspiegeln, einige alte „Bekannte“ wieder – die Alt-68er. Manchmal kann man sogar Artikel lesen, die aus der Feder renommierter taz-Journalisten wie Mathias Bröckers und Helmut Höge stammen.

Da auch der Name Uli Gellermann im Umfeld der queeren Szene einmal fiel, ging ich dem nach und stieß auf das deutschsprachige russische Nachrichtenportal „Sputnik“. „Sputnik“ ist, genau wie „Russia Today“, bekannt dafür, Gerüchte zu streuen und mit gezielten Desinformationskampagnen politisch, auch auf höherer Ebene, einzugreifen. Zuletzt traf es den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, wie u. a. die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtete.

Klickt man ein bisschen auf „Sputnik“ herum, fällt außerdem auf, wie viele Kommentatoren der rechtspopulistischen AfD nahe zu stehen scheinen. Irgendwann kommt man auch auf den Blog von dem „Franziskaner“, der sich mit Begriffen wie „BRD GmbH“ selbst in die Nähe der „Reichsbürger“ rückt. Zwar weist Sputnik darauf hin, dass in den Blogs nicht unbedingt die Meinung der Redaktion vertreten werde, aber es wird eben doch einem sehr breiten Meinungsbild Raum gegeben, dass auch „Alternativmeinungen“, Verschwörungstheorien und (potentiell) rechtsextremes Gedankengut umfasst.

Da auch dieses Milieu ideologisch so schwer fassbar ist und von schrägen, aber nicht unbedingt politisch extremen oder gefährlichen Meinungen bis hin zu extremistischen, auch offen faschistischen Einstellungen reicht, sollte sich jedeR selbst eine Meinung bilden. Mehr zu den „Reichsbürgern“ erfährt man auf Wikipedia.

Lockere Netzwerke statt politischer Fronten

Als eine Art Zwischenbilanz könnte man vielleicht festhalten, dass es weniger um politische Fronten geht, die aufeinanderprallen – links gegen rechts, weltoffen und liberal gegen faschistisch – und vermutlich auch keine umfassende Weltverschwörung einer neuen Rechten am Werk ist, die etwa versuchen würde, sich über „Queer“ und die Querfront ein linkes Antlitz zu geben, auch wenn es tatsächlich Versuche gibt, das Milieu von rechts zu infiltrieren. Vielmehr hat man es mit losen Netzwerken zu tun, die sich gleich einer Kette mit vielen Gliedern von links-alternativ bis rechtsextrem erstrecken und oberflächlich über bestimmte Fixpunkte, wie etwa das „Lebensgefühl“, der diffuse populistische Protest gegen die Auswüchse der Globalisierung und die Betonung des Körperhaften, zusammen gehalten werden. Dass das keineswegs konfliktfrei verläuft, machen die oben zitierten Äußerungen Patsy L’Amour LaLove deutlich. Einmal mehr in krassem Widerspruch zueinander stehen allerdings die erbitterten Grabenkämpfe um – von Außen besehen – Lappalien einerseits und die großzügige Toleranz gegenüber Rechten und Vertretern einer durchaus nicht zimperlichen Geschäftswelt, wie etwa Donald Trump, andererseits.

Pervers, psychotisch oder protofaschistisch?

Man mag mehr Selbstbewusstsein für die „Perversen und Anderen“ fordern, wie es Patsy L’Amour LaLove (siehe oben) getan hat. Allerdings drängt sich gerade auch im Hinblick auf den politisch sehr fragwürdigen Hintergrund schon die Frage auf – wie weit darf, muss dieses „Selbstbewusstsein“ gehen?

Selbst habe ich in den letzten Jahren sehr viele unangenehme Erfahrungen mit „queeren“ Menschen gemacht. „Gar nicht erst hochkommen“ lassen wollte man mich und ich sollte „sehen, dass mein schöner Körper und meine guten Noten“ mir „nichts nützen“. Den Lebenslauf wollte man mir „kaputt machen“, mal offenbar auch mich als ganzen Menschen. Ich wurde in den letzten Jahren fast permanent von adipösen und anderen „queeren“ Frauen (gelegentlich auch Männern) belauert und sexuell belästigt, gern auch auf öffentlichen Veranstaltungen oder auf der Straße verhöhnt, gehänselt und vorgeführt. Fast jede psychische Störung und menschliche Schwäche, die man bzw. frau so haben kann, wurde mir angelastet. Zum Teil wurde ich wohl auch deshalb ausgegrenzt. Mal sollte ich „mich richten“ für das, was ich angeblich „getan“ habe, mal sollte ich „meinen 40. Geburtstag nicht erleben“. Eine der Frauen wollte „meine Seele morden“, wie sie es formulierte. Ein paar mal bin ich auch physisch angegriffen und um ein Haar vergewaltigt worden – ein Mann, der endlich mal „der Macho“ sein wollte, es sich letztendlich aber glücklicherweise noch einmal anders überlegt hat. Die Frauen, obwohl angeblich so radikal feministisch, hatten dazu nur zu sagen: „Tja, wir sind halt voll pervers!“.

Auf einer sehr viel abstrakteren Ebene war man durchaus geneigt, sich mit mir gemein zu machen. Mal sollte ich den Linken und den Frauen der queerfeministische Szene, insbesondere offenbar auch den „Transmännern“ als „Inspirationsquelle“ herhalten, mal einfach „Identifikationsfigur“ für andere Frauen und „benachteiligte Menschen“ sein. Nur selbst sollte ich, wie es hieß, nichts davon haben. Natürlich fiel es mir da auf, wie häufig Äußerungen, die ich irgendwo gemacht, Thesen, die ich aufgestellt hatte, und die man mir als „neoliberal“ oder gleich „rechts“ ausgelegt hatte, plötzlich irgendwo anders wieder auftauchten – hochgelobt, natürlich als „links“ oder doch zumindest „progressiv“. Sogar der taz-Journalist, Hanf- und Querfront-Aktivist Mathias Bröckers ließ sich beispielsweise im Interview mit Ken Jebsen über die „Cosher Nostra“ und den jüdischen Mafiosi Meyer Lansky aus – Ich hatte einmal eine Ausstellung dazu im Jüdischen Museum Wien gesehen und im Hanf-Museum davon erzählt, während ich dort einen 1-Euro-50-Job machte.

So schlecht war das, was ich gesagt hatte, also wohl doch nicht. Nur sollten andere Körper offenbar die Träger dieser Gedanken und Erlebnisse sein, nur dann wwar man bereits, sie zu tolerieren, und es sollten andere Kontexte, die ich selbst im Übrigen nie im Leben unterstützt hätte, als ideeller Rahmen herhalten.

Vor ein paar Wochen wurde schließlich gehöhnt, nun solle ich „Identifikationsfigur für die Obdachlosen“ sein. Dass ich am besten „in der U-bahn betteln gehen“ solle, war mir schon zuvor von queeren Frauen an den Kopf geworfen worden. Für die Hipster aus dem Umfeld der taz und der Heinrich-Böll-Stiftung war ich die „Prolltussi“ und das „unwertes Leben“, für die queeren Frauen die „Fickmaus“, der „Samenklau“ und die „frustrierte Emanze“.

Mag sein, dass es immer Leute gibt, die sich darin gefallen, andere, schwächere mit den primitivsten Hänseleien in Grund und Boden zu stampfen. Aber so viele? So hemmungslos? So offenkundig frauenfeindlich, wohlstandschauvinistisch – rechts, zum Teil sogar faschistisch? Obwohl es doch als „links“ wahrgenommen werden soll?
Man fragt sich schon, was dahinter steckt. Geht es um die „Zupsitzung der Verhältnisse“, wie sie die Querfront (u. a. klang es bei Mathias Bröckers in einem Interview mit Ken Jebsen zu Donald Trump an) fordert? Übrigens hofft auch die neue Rechte darauf – Tabula Rasa, eine Stunde Null, um wie Phoenix aus der Asche aus den Annalen der Geschichte wieder aufzuerstehen. Vielleicht zeichnen die Entwicklungen im „Queer“- und Querfrontmilieu aber auch eher Orwells „Animal Farm“ nach – Das Umkippen eines an sich guten, gerechten Gedankens in sein Gegenteil.

„Mikroaggressionen“ & offener Psychoterror – der Ceausescu-Effekt:

Das wäre dann sozusagen der Ceausescu-Effekt: Etwas, das eigentlich mit dem Anspruch angetreten war, die bessere Gesellschaft formen und das Edelste im Menschen hervorbringen zu wollen, ein Reformer, der dialogbereit erschien und versprach, totalitären Auswüchsen entgegenzuwirken, schließlich eine der brutalsten Formen des sog. „Realsozialismus“ überhaupt, ein Beinahe-Faschismus.

Wenn Patsy L’Amour im Berliner „Tagesspiegel“ über Sprechverbote und „Mikroaggression“ berichtet:

„Kürzlich wollte Till Amelung, der in „Beißreflexe“ über den queeren Gewaltbegriff schreibt, das Buch im InterTrans-Referat an der Universität Marburg vorstellen. Ein queerer Aktivist intervenierte mit der Begründung, Till, das Buch und das Referat seien verletzend. Da sollen ziemlich aggressive Mittel angewendet und emotionaler Druck ausgeübt worden sein.“ (Patsy L’Amour LaLove, Art.: „Sprechverbote in der Queer-Szene“, in: Tagesspiegel vom 01. April 2017)

… dann bringt das das Autoritäre, fast Totalitäre und die bizarre Hierarchisierung von „Opfer“ (oben) und „Aggressor“ (unten), denen die Szene offenbar anheim gefallen ist, treffend zum Ausdruck.

Mit zweierlei Maß messen – eine Frage der Fairness?

Nüchtern betrachtet finde ich nicht, dass Menschen, die Nachsicht für ihr Gemobbe und ihre Gehässigkeiten anderen gegenüber verlangen, das Recht haben, zu fordern, man solle auch nur ja vorsichtig sein, dass man ihnen nicht etwa irgendeine „Mikroaggression“ entgegenbringe. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit? Ist es schon eine unverzeihliche, unter gar keinen Umständen hinnehmbare „Verletzung“, wenn man die Leute nicht hoch genug auf ein Podest stellt? Wenn man sie nicht frenetisch genug beklatscht und in jedweder Lebensregung vorbehaltlos bestätigt? Darf man oder frau dann nicht mehr auf einer Welt mit ihnen leben, weil sie sich ansonsten eventuell „traumatisiert“ fühlen könnten?
Ist der Vorwurf der „Mikroaggressionen“, mit denen solche Leute angeblich malträtiert werden, in solchen Fällen nicht eher eine Drohgebärde, ein Mittel, das letztlich der Einschüchterung anderer Menschen dienen soll?

Ob man nun in „Queer“ ein Biotop für kreative Künstlertypen sieht, ein Labor für den Lebensstil der Zukunft oder ein paar schräge Vögel, von denen einige vermutlich ernsthafte Probleme haben – eigentlich ist es nur eine Subkultur, deren Angehörige zumeist sogar aus den höheren Gesellschaftschichten stammen. Das natürliche Lebensumfeld von „Queer“ ist jedenfalls die Uni oder der hippe Club im angentrifizierten Szene-Viertel. Am Hungertuch nagt in der queeren Szene kaum jemand.

Wenn ausgerechnet solche Leute „parteiisch“ bevorzugt werden sollen, dann ist das letztendlich nicht viel mehr als „Empowerment“ für das gehobene Bildungsbürgertum, inhaltlich, vom Anspruch her nicht mehr weit von den Forderungen Thilo Sarrazins entfernt. Und grundsätzlich ist die Frage ja auch, ob man Menschen unbedingt zu kleinen Diktatoren stilisieren muss, die anderen ihren Willen aufzwingen. Ist der Schritt in eine richtige Diktatur dann nicht irgendwann auch naheliegend? Zumindest dürfte es dazu führen, dass die Akzeptanz für autoritäre Verhaltensweisen, für Willkür und soziale Ungerechtigkeit wächst. Die Frage ist, ob es das wert ist.

Ein Lackmustest für die demokratische Gesellschaft

Der Lackmustest, mit dem man problemlos jedwede Forderung daraufhin abtesten kann, ob sie legitim ist, ist ja immer, die Verhältnisse einfach umzukehren. Oder, im Klartext, „Was ist, wenn ich es mit dir auch mal so mache?“ Was wäre, wenn man jetzt „queere“ Menschen in der U-Bahn betteln gehen oder schlicht verhungern lassen würde, weil es ja „bei denen ja nichts macht“? Wenn man sie pausenlos anmachen, verhöhnen und vorführen würde? Wenn sie, anstatt dass sie besonders zuvorkommend behandelt würden, überall verscheucht würden, weil man sich „mit ihnen nicht wohlfühlt“? Was wäre, wenn man „queere“ Menschen zu Sündenböcken für jede Laus, die jemand anderem über die Leber läuft, machen würde? Wenn man sie, anstatt dass man sie extra fördert, ausbeuten und gezielt in die Verelendung treiben würde? „Tja, andere haben sich das ja auch nicht so ausgesucht!“. Genau das sagt man ihnen dann eben auch.

Eine Demokratie lebt davon, dass es verbindliche Regeln gibt, an die sich jedeR gleichermaßen halten muss. Dafür sollen im Idealfall auch alle Menschen gleiche Chancen haben. Nicht umgekehrt. Sicherlich lässt sich für eine begrenzte Zeit das Maximum für sich selbst herausholen – ohne Rücksicht auf Verluste. Aber ich glaube nicht, dass nur mit Hass, Terror und Unterdrückung auf Dauer irgendein Staat zu machen ist. Die Lektion hat noch jeder Diktator irgendwann lernen müssen. Für Nicolae Ceausescu kam sie übrigens zu spät.

 

Ausgekotzt! Eine Abrechnung mit dem Feminismus

Wenn Deutschland, nein, die Welt – „Let’s think big!“ – dem Feminismus ein Gesicht geben würde – welches sollte es sein? Alice Schwarzer? Nein, zu alt, zu sehr lila Latzhose, als dass sich junge Frauen damit identifizieren könnten. Alice Weidel? Hm. „Progressiver Lebensstil“, wie im Internet mehr als einmal angemerkt würde – Weidel lebt ja mit einer Frau zusammen -, ist aber eben doch zu unverhohlen rechts. Laurie Penny? Nö, die sieht nicht ganz so gut aus. Da könnten die Hipster lästern. Carolin Emcke? Alice Weidel in links, die Synthese von „progressivem Lebensstil“, Geld, Macht und der richtigen Einstellung – also schon besser. Tucké Royal? Jayrome C. Robinet? Glamstars der Berliner Theaterszene, „Transfeminismus“ at it’s best, das Umfeld von Linkspartei und „Junger Welt“ dürfte jubilieren: Männlichkeit, die aber eigentlich weiblich ist oder umgekehrt, das Verwirrspiel der Geschlechter halt. Oder doch lieber jemand wie Ivanka Trump? Gutaussehend, erfolgreich, intelligent, selbstbewusst. Da ist nur das Problem Papa Trump. Der ist zwar noch mächtiger als Carolin Emcke, als Inbegriff des Turbo-Kapitalismus und amtierender worst-case-US-Präsident allerdings nicht jedermans/-fraus Geschmack. Obwohl mensch das drehen könnte. Immerhin hat sich sogar Ex-Stasi-Topspion Rainer Rupp für Donald Trump stark gemacht, wie man auf Wikipedia nachlesen kann – (Zugriff am 02. Mai 2017) und der – Rupp, nicht Trump – schreibt für die „Junge Welt“ und tritt auch schon mal bei RT Deutsch und KenFM auf. So schließt sich der Kreis. Und so gesehen liegt etwa die Spiegel-Online-Kolumnistin und Queerfeministin Margarete Stokowski vollkommen falsch: Ivanka Trump wäre geradezu die ideale Verkörperung des zeitgenössischen Feminismus! Fast jedenfalls. Und ich gebe zu: das habe ich jetzt auch ein bisschen gedreht.

Feminismus auf die Spitze getrieben

Die ideale Feministin – wenn ich sie am Reißbrett entwerfen könnte – sieht, klar, verdammt gut aus. Sie ist total intelligent, künstlerisch begabt, d. h. sie schreibt, malt, schauspielert, tanzt und performt mit großem Erfolg. Im Grunde ist sie sogar selbst ein einziges großes Gesamtkunstwerk. Sie hat ziemlich viel Kohle, nur dass sie trotzdem „arm-aber-sexy“ lebt. Natürlich ist sie links, aber irgendwie auch rechts. Nur dass man ihr letzteres nicht nachsagen darf. Lieber so Dinge, wie, dass sie Humor und Esprit hat, das gewisse Etwas – Je-ne-sais-quoi – eine lebendige, sinnliche Art, die Männern den Kopf verdreht. Pech! Denn sie steht natürlich auf Frauen, die sie ihrerseits aber eben ganz selbstverständlich – als sei es das Natürlichste der Welt – als „den männlichen Part“ wahrnehmen. Deshalb überlassen sie ihr auch instinktiv die Rolle der Anführerin, machen die Care-Arbeit – gern, ja selbstbestimmt! Dabei ist die ideale Feministin selbst alles andere als perfekt. Sie leidet an einer Essstörung. Vielleicht ritzt sie sich auch.

… nicht nur für privilegierte Frauen

Stimmt schon. Die ideale Feministin ist bloß eine Karikatur des Queerfeminismus, eine scharfe, polemische Überzeichnung. Dabei finde ich eigentlich nicht falsch, was Margarete Stokowski schreibt:

„Für mich bedeutet Feminismus, sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten haben sollen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität und ihrem Körper, und damit es so weit kommt, müssen wir einiges umstürzen. Für andere bedeutet Feminismus etwas anderes, und wenn Ivanka Trump Feministin ist, dann muss man in Zukunft eben noch genauer sagen, ob man einen anarchistischen, evangelischen, veganen oder sonst irgendeinen Feminismus vertritt, oder die maximale Bullshit-Variante, bei der es nur darum geht, privilegierten Frauen das Leben noch einen Tick geiler zu machen.“ (Margarete Stokowski, Art. „Der Bullshit-Feminismus“, Spiegel Online, 02. Mai 2017.)

Ausbeutung 2.0: Jammern auf hohem Niveau?

Es ist aber auch nicht falsch, was Silvia Follmann z. B. über Ausbeutung in der Kreativbranche auf Edition F schreibt:

„Wir reden hier von Arbeitssituationen, in denen jungen Menschen weisgemacht wird, wenn sie einmal im Monat auf eine hippe Party kommen, bei der sie sich drei Gläser Champagner umsonst reinhauen dürfen, dann ist das irgendwie auch Teil der Bezahlung. Super, vielleicht gibt’s ja auch ein paar Gemüse-Sticks, dann knurrt der Magen wenigstens nicht so laut unter den teuren, von den Eltern bezahlten Klamotten.“ (Silvia Follmann, Art. „Ausbeutung im Job. Wenn Selbstverwirklichung zur Selbstverarsche wird“, Edition F, 27. Jan. 2017.)

Es ist nur so: Es hat mit der Lebenswirklichkeit vieler Frauen nicht so sehr viel zu tun. Ebenso wenig wie Ivanka Trump. Und das ist das Falsche daran. Queerfeminismus kommt irgendwie manchmal fast genauso elitär rüber, wie Juristinnenblüßchen in Babyrosa an Perlenkettchen mit Hermès-Täschlein, um hier noch ein weiteres Feindbild zu skizzieren. Obwohl Queerfeminismus ja der Gegenentwurf zu all dem elitärem Denken und der abgehobenen Hochnäsigkeit des Establishments sein soll.

Borderline – eine Gesellschaft an ihren Grenzen

Außerdem geht es zu sehr um Essstörungen, sich Ritzen, Borderline. Und das – gerade das Engagement für psychische Kranke, schwache Menschen – ist paradoxerweise sogar ein Katalysator für das elitäre Denken und das ideologische Larifari, die Beliebigkeit, mit der hin- und hergewechselt werden kann: zwischen links und rechts, zwischen einem konservativen Rollenverständnis (Mann-Frau, „Transmann“ – Frau/“Weibchen“) und dem Anspruch ebendas aufzubrechen, zwischen einem rigorosem, verbalradikalen Neokommunismus oder Anarchismus und dem Selbstverständnis als intellektuelle Führungsschicht, als soziale Avantgarde.

„mit Biss“ oder schlicht antisozial?

Als ich auf Spiegel Online las, dass der FBI-Profiler Joe Navarro Leute, die sich darüber lustig machen, dass andere „sich an die Regeln halten“, als Psychopathen einstuft, stolperte ich darüber erst einmal. Genau das war mir ja als neue, ideale Weiblichkeit vorgeführt worden: freche Frauen, die sich nehmen, was sie wollen – „wie ein Mann“, ohne Rücksicht auf Verluste; Frauen, die „Biss haben“, sich durchsetzen können, obwohl sie eigentlich trotzdem diejenigen sind, die zu kurz kommen und daher von der Gesellschaft den Rücken gestärkt kriegen müssen …

„Prinz“ & „Opfer“ zugleich

Navarro, der allerdings kein Psychologe ist, stuft jedoch nicht nur die dissoziale Persönlichkeit (also „Psychopathen“) als problematisch ein, sondern auch Narzissten, Paranoiker und „emotional-instabile“ Persönlichkeiten (Formenkreis Borderline). Über die „emotional Instabilen“ heißt es in der Checklist, die dem Spiegel-Online-Interview mit Navarro beigefügt ist, dass sie „Prinz“ und „Opfer“ zugleich sein wollen. Und dass man bzw. frau sich in ihrer Gegenwart irgendwie ständig im Unrecht, in der Defensive fühlt. Man bzw. frau verliert selbst drastisch an Selbstsicherheit, das eigene Selbstwertgefühl sinkt in den Keller – und dabei ist es doch das Gegenüber, das so unglücklich ist …

„Nach ein paar Stunden mit ihm fühlen Sie sich, als stünde Ihre Welt Kopf.“ (Checklist von Joe Navarro, „Hinweise auf instabile Persönlichkeiten“, Spon-Interview „Jeder kennt einen Psychopathen“, das Gesa Mayr mit Joe Navarro führte, veröffentlicht am 14. April 2014 auf Spiegel Online.)

emotionale Misshandlung als weibliche Form der Aggression

Navarro stellt klar, dass viele Menschen an sich möglicherweise einzelne Facetten problematischer Persönlichkeitstypen feststellen. Ab 15 Treffern auf der Checklist müsse man (oder frau) sich jedoch ein paar Fragen stellen, ob man (oder frau) nicht vielleicht ein Charakter mit Ecken und Kanten ist, der es anderen nicht immer leicht macht. Allerdings lässt der FBI-Profiler auch durchblicken, dass sehr wahrscheinlich fast jeder schon einmal einem Psychopathen begegnet ist. Frauen neigten eher zu emotionalen Misshandlungen, Männer dagegen würden meist offen aggressiv auftreten und daher auch schnell im Knast landen – ein Indiz, das sie leicht als „antisozial“ oder zumindest im Konflikt mit gesellschaftlichen Regeln erkennbar werden lässt.

Emotionale Misshandlungen scheinen dagegen auf den ersten Blick sozial akzeptabler zu sein: Mobbing, psychische Manipulation, emotionale Erpressung, gezieltes Lügen, das meiner Erfahrung nach gern auch als „Notlüge, weil er oder sie sich doch so klein gefühlt hat und sich einfach ein bisschen interessant machen wollte“ schöngeredet wird. Das zumindest sind einige Kriterien, die Dr. Heinz Golling auf seiner Homepage unter dem Label „emotionaler Missbrauch“ anführt.

Sicher, genau wie nicht jeder, der mal ein bisschen aufschneidet gleich ein grausamer (und potentiell gefährlicher) Narzisst ist, ist nicht jede gehässige Zicke automatisch eine Psychopathin. Dennoch muss man (oder besser gesagt frau) sich fragen: cool oder voll daneben? Muss so etwas wirklich nicht nur toleriert, sondern am besten auch noch explizit gefördert werden?

Linke, die auch rechts sein können

Nicht jedenfalls, dass man den Leuten etwas Schlechtes nachsagt. Queer ist links, Trans ist links, so das Mantra, das einem in den letzten Jahren immer wieder eingehämmert wurde. Soll man denken. Muss man denken. Nur entspricht es nicht dem, was man tagtäglich erlebt. Dafür berichtet der aus Marokko stammende Journalist Mohamed Amjahid in seinem Buch „Unter Weißen“ von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in der queeren Szene. Das wirkt fast wie ein Exklusiv-Report aus dem Untergrund, einer nur Eingeweihten zugänglichen Welt. Amjahid, der – so der Eindruck, der beim Lesen entsteht – eigentlich der queeren Szene selbst eher wohwollend gegenübersteht, hat offenbar auch Druck erfahren. Der LSDV soll ihm sogar „eine Berichterstattung“ (…) „wie in der ‚Jungen Welt‘ oder der ‚Jungen Freiheit'“ vorgeworfen haben.*

Denkverbote als Eigentor

Darf man also nicht denken. Aber warum eigentlich nicht? Alice Weidel, Milo Yiannopoulos, Jack Donovan und viele mehr laufen unter dem Label „Queer“, sind aber stramm rechts. Man kann keine Gütesiegel für Menschen verhängen! Dass man feststellt, dass es in dieser oder jener sozialen Gruppe Personen gibt, die man beim besten Willen NICHT als links wahrnehmen kann, bedeutet ja nicht, dass man ALLEN unterstellt, sie seien rechts. Und es bedeutet auch nicht, dass man bestimmte Leute als „rechts“ an den Pranger stellt, obwohl sie das in Wirklichkeit gar nicht sind. Genau das machen aber im Übrigen einige Leute aus der queeren Szene sehr gern …

Mut zu Zwischentönen!

… denn sie können es sich ja leisten. Das ist ein schwarz-weißes Borderline-Denken, in dem es nur „gut“ oder nur „schlecht“ gibt, dafür aber ein- und dieselbe Person eben „Prinz“ oder „Prinzessin“ und „Opfer“ zugleich sein kann; Linke, die durchaus auch rechts sein dürfen, sofern sie eben irgendwie „queer“ sind, Reiche, die arm sind oder sich zumindest so fühlen und umgekehrt. Und so weiter.

Da dreht sich einem wirklich der Kopf. Irgendwie muss das nicht sein. Auch Queerfeminismus ist nicht alternativlos. Was, wenn es ihn umso interessanter machen würde, wenn er nur noch EINE Alternative VON VIELEN wäre? Oder, mit anderen Worten, die ideale Feministin gibt es nicht. Und das ist auch ganz gut so.

*Mohamed Amjahid: „Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein“, Hanser-Verlag, Berlin 2017, S. 115 ff.

**Ach übrigens: selbst kam ich auf den Navarro-Checklisten auf: 5, 4, 19, 11 Punkte. Die 19 bei Paranoia habe ich aber denen zu verdanken, die in Punkto Narzissmus, dissozialer Persönlichkeit & emotional-instabiler Persönlichkeit auf deutlich mehr Treffer kommen (irgendwie provoziert das ganze Auflauern („irre machen!“), Anlügen, Angst einjagen, Verarschen & Verwirren das. Merkwürdig nicht?!). Ach so, und die 4 dissozialen Punkte haben mir eingebracht dass ich – na ja Ines Pohl vergewaltigt habe (zumindest haben die Hipster das ja behauptet, wahlweise war auch eine andere, unbekannte Frau mein Opfer.) und wegen des Kinderpornos, mit dem mein Blog verlinkt wurde … Nein, nein – so einfach ist das nicht. Die wilde Jugend ist schuld. Wenn die Leute, die sich chronisch als Opfer fühlen, dennoch zu mir etwas mehr auf Abstand gehen würden, wäre mir das allerdings – nun ja – nicht ganz unrecht. Spaßeshalber habe ich nämlich auch mal andere, mit denen ich zu tun hatte, durchgecheckt: Das Maximalergebnis (also die größten A… geigen): Narzissmus: 58, dissoziale Persönlichkeit 52 Treffer. Ist zwar meine Wahrnehmung, aber zT haben die Leute sich ja sogar damit gebrüstet und das als cooles, selbstbewusstes Verhalten verkauft (siehe Text). Also dann: Cheers! 😉

#Orly. Oder: Unheilige Allianzen

Teil I: #Orly. Oder: Mach die Hunde scharf!

Am Pariser Flughafen Orly ging gestern erst einmal gar nichts mehr. Ein Mann ist erschossen worden, der möglicherweise Unheil anrichten wollte, ein „Gefährder“: Araber, Islamist, eine Vergangenheit als Kleinkrimineller, vielleicht psychisch labil – kurz: Das übliche Profil des modernen Attentäters. „Einsame Wölfe“, Menschen, die viel Ablehnung und Ungerechtigkeit erfahren haben und deren Möglichkeiten in den prosperierenden Gesellschaften des Westens von vornherein begrenzt waren lassen sich offenbar sehr gut für die menschenverachtenden Ziele von Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat einspannen.

Doch wie wird aus einem aggressiven Kleinkriminellen ein potentieller Massenmörder? Was macht aus jemandem, der Halt und Identität suchte, jemanden, der bereit ist, wahllos Menschen umzubringen? Wie kann jemand, der sich über eine demonstrative Religiosität ein positives Selbstbild aufbauen wollte, gegen eine Gesellschaft, die ihn als „Beur“ oder „Kanaken“ verachtete, zu dem Schluss kommen, dass im Namen dieser Religion Hass und Gewalt gesäht werden müsse?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich glaube, dass sich extremistische Gruppierungen gezielt labile Menschen mit geringem Selbstwertgefühl herauspicken, weil sie davon ausgehen, dass sie sich leicht manipulieren und aufhetzen lassen: Menschen, die man scharf machen kann wie eine Handgranate oder einen Pitbullterrier und die man vor den eigenen Karren spannen kann, ohne sich selbst die Hände schmutzig machen zu müssen.

Das geht auch am anderen Rand der Gesellschaft. Rechtsextremismus, so könnte man denken, verträgt sich nicht mit dem Einsatz für schwache, marginalisierte Menschen. Weiß man nicht aus dem Nationalsozialismus, dass die selbsternannten „Herrenmenschen“ nichts als Verachtung z. B. für psychisch Kranke übrig hatten? Und ist nicht allgemein bekannt, dass rechtspopulistische Parteien wie die AfD einen rüden, wirtschaftsliberalen Kurs verfolgen, der kaum vorsieht, z. B. Langzeitarbeitslose auf Rosen zu betten? Gerade sozial schwache Menschen müssten eigentlich ein vitales Interesse daran haben, dass das Recht des Stärkeren nicht gilt.

Dennoch bietet sich auf AfD-Veranstaltungen, soweit man es von außen sehen kann, ein bizarres Bild von Herrschaften in luxuriöser Abendgarderobe und vereinzelten Menschen in abgerissen wirkender Alltagskleidung, die eher nach Jobcenter und miefiger Dauerarmut aussehen als nach gediegen-konservativer Elite und deutschnationalen Altherren-Netzwerken mit Schmiss.

Und unter den Rechstextremen finden sich paradoxerweise sogar überraschend viele psychisch Kranke, man denke nur an die sog. „Reichsbürger“ oder die „Druiden“, rechtsextreme Mittelalterfans, von denen einige auch nicht erst seit gestern mit einem elitären, esoterischen Denken à la Evola sympathisieren.

Teil II: 7 Gesichter des Hasses – Unheilige Allianzen

Aber kommt es wirklich nur von rechts? Selbst habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir insbesondere Menschen zürnen und mit Aggressionen begegnen, die eigentlich doch ähnlich denken müssten wie ich. Nur dass sie meine Feinde lieber mögen. Ja, genau genommen ist es sogar so, dass sogar jeder Nazi sind ihnen immer noch lieber sind als ich. Vermutlich stimmt das.

Nach allem, was ich bislang weiß, haben meine Feinde allerdings ein paar Gemeinsamkeiten:

  1. Adipositas

Fast überall, wo ich Ärger hatte und angefeindet wurde, spielte bislang jemand (nicht nur Frauen, auch Männer) mit Adipositas bzw. sehr starkem Übergewicht eine Rolle. Ist mir nur so aufgefallen …

  1. Linkspartei, Querfront, bürgerlich-rechtes & rechtsextremes Spektrum

Viele meiner Feinde haben einen Bezug zur Linkspartei (ich übrigens selbst nicht), einige auch zu alten Stasi-Seilschaften, andere wiederum sind zu den Grünen gewechselt oder friedenspolitisch aktiv. Es muss auch ein Bezug zum rechtsliberalen und konservativen Milieu geben (AfD, ALFA, rechter Rand der FDP und der CDU, mit ausgeprägter Islamfeindlichkeit und einem Draht nach Frankreich, bei den Linken eher eine Tendenz zum Antisemitismus) sowie zu den rechtsextremen „Identitären“ und zu den „Autonomen Nazionalisten“. Interessanterweise kenne ich übrigens dieses Triezen mit z. B. „Die eigentliche Rassistin/Antisemitin bist aber doch du!“, „Die Homosexuellen/Ausländer/Juden mögen dich aber nicht! (sondern nur mich!)“ eigentlich auch eher von Rechnten und Konservativen. Einige der Menschen, die mir über den Weg gelaufen sind, kann man ideologisch mit an Sicherheit grenzender Wahrhscheinlichkeit dem sog. „Querfrontmilieu“ zuschlagen (Ken Jebsen, Kopp-Verlag). Das trifft sowohl auf Leute aus meiner Vergangenheit zu (auch wenn ich nicht weiß, auf wen genau, nur dass sich in der Stadt, wo ich studiert habe, im linken Milieu ebenfalls ein Rechtsruck vollzogen hat. Ich hoffe, es ist niemand dabei, auf den oder die ich mal große Stücke gehalten habe!) als auch auf Leute, die ich in Berlin kennen gelernt habe.

  1. Frauen- und Genderforschung, Queerfeminismus

Viele meiner Feinde haben oder hatten mit Frauen- und Genderforschung zu tun und engagieren sich für den Queerfeminismus. Die meisten betrachten sich auch selbst als „Queer“. Hier kann ich ziemlich sicher sagen, dass es um Frauen von meiner Uni geht, zumal die auch schon damals versucht hatten, mir dicke Frauen „aus Berlin“, wie es hieß, aufzuhalsen und es zu der Zeit (nach meinem Uni-Abschluss) auch mit den sexuellen Belästigungen durch andere Frauen („Iiih, die Lesbe!“) und der Idee, mir alles Unangenehme aufzuhalsen, anfing. Trotzdem – dass jede Frau, die für Gleichberechtigung eintritt, eine gestörte Existenz ist, die es nur darauf anlegt, andere Frauen zu demütigen, ist nun auch mehr als unwahrscheinlich. Vielleicht geht es eher um eine oder mehrere Frauen aus meiner Vergangenheit, die sich offiziell zwar auch für Feminismus stark gemacht haben (oder es zu einem späteren Zeitpunkt getan haben), evtl. sogar Geld damit verdient haben (oder jetzt Geld damit verdienen), denen aber Äußerlichkeiten, heterosexuelle Weiblichkeit und (überlegene!) Attraktivität für Männer ausgesprochen wichtig war – Stichwort: „Germany’s next Topmodel“ …

  1. „Opfer“, die es besser getroffen haben als ihre „Unterdrücker“

Fast allen meiner Feinde geht es besser als mir (obwohl ich umgekehrt als der „Unterdrücker“ und „Klassenfeind“ erscheinen soll): Fast alle haben irgendwie die Rolle des „kleinen Lieblings“ inne. Man kennt das ja, das Lieblingskind, oft das kleine Nesthäkchen, der Augapfel seiner Eltern, der (oder die) sich alles erlauben kann und es weidlich ausnutzt.

Meine Feinde sind, falls sie studiert haben, an der Uni speziell gefördert worden und haben generell einen guten Draht zur Macht (zu Professoren oder aber z. B. zu Politikern, zu Mitarbeitern im Jobcenter, usw.), aber nicht unbedingt zu ihrer Peer-Group.

  1. Mobbing – nicht zum ersten Mal

Fast alle meiner Feinde sind schon öfters mit Mobbing aufgefallen. Es sind im Großen und Ganzen eher unbeliebte Menschen, die aggressiv und arrogant auftreten und andere, zumindest da, wo Höflichkeit vermeintlich nicht nötig ist, mit Herablassung oder sogar Verachtung behandeln.

  1. Menschen, die Beschützerinstinkte wecken

Zu vielen dieser Leute muss man aber trotzdem nett sein, weil sie in irgendeiner Weise Beschützerinstinkte wecken (z. B. weil sie Adipositas haben, sonstwie psychisch krank sind, sich besonders feminin geben (das „hilflose Weibchen“, dem man dann wieder den Rücken stärken muss), sich als „Transgender“ geoutet haben).

Die meisten sind auch trotz ihrer guten Beziehungen „nach oben“ und ihrer ausgeprägten Ellenbogen nicht besonders erfolgreich (nach oben buckeln und nach unten treten funktioniert also wohl nicht immer), obwohl die wenigsten wirklich arm oder marginalisiert sind oder sich in solchen Fällen auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen verlassen können.

  1. überdimensionierte Egos & wenig Selbstwertgefühl

Fast allen meiner Feinde ist es wichtig, sich überlegen zu fühlen (zumindest mir gegenüber), viele fühlen sich schon angegriffen, wenn ich überhaupt irgendwo auftauche, auch wenn ich den Mund gar nicht erst aufmache und mich auch sonst defensiv verhalte, so nach dem Motto: „Entschuldigung, dass ich geboren worden bin!“. Das zumindest scheint genau das zu sein, was man (bzw. frau) auch glaubt, von mir erwarten zu können. Zwar geht es sehr wohl um die Konkurrenz um Jobs (fast alle meine Feinde suchen auch oder immer mal wieder, möchten sich „verbessern“ oder sich noch einmal neu in einem ganz anderen Bereich, nämlich in meinem, ausprobieren), aber auch um Image oder schlicht ums Unterdrücken. Es scheint, dass diese Leute den Löwenanteil ihres Selbstbewusstseins daraus beziehen, dass andere nichts haben und nichts sein dürfen.

Vielleicht geht es genau darum, dass jemand, der oder die wenig Selbstwertgefühl hat, sich besser fühlen soll, weil es ja immer noch jemanden gibt, der oder die noch weniger wert ist als man selbst. Dadurch schafft man dann wieder Menschen die chronisch gekränkt sind und auf jede Kleinigkeit aggressiv reagieren – ein Teufelskreis! … und leider auch exakt das Angebot, dass der Nationalsozialismus seinerzeit der deutschen Bevölkerung gemacht hat. Sollte man/frau sich also besser noch mal überlegen ….

Ich vermute, dass in meinem Fall jemand alles losgetreten hat, der oder die unter einer Essstörung leidet – Adipositas oder etwas, das man der Person äußerlich vielleicht auf den ersten Blick gar nicht anmerkt – und mit mir zusammen studiert hat oder zu der Zeit promoviert oder zum Lehrkörper der Uni gehört hat (ohne in einer höheren Position gewesen zu sein). Möglicherweise ist es auch jemand, der „es“ für eine adipöse / essgestörte Freundin / Ehefrau oder einen adipösen / essgestörten Freund / Ehemann „getan“ hat. Theoretisch könnte es sogar (für) eine Frau gewesen sein, die nicht zierlich genug war, um in einem ihr gebührenden Job, etwa als Tänzerin oder Modell erfolgreich zu sein. Solche Frauen kannte ich genug. Sie ergreifen oft meinen Studiengang als „zweite Option“. Dort allerdings werden unattraktive Frauen stillschweigend verachtet, weil es eben wirklich sehr stark auf die „äußeren Werte“ ankommt. Queer ist einfach zu sehr auf meine Kommilitoninnen zugeschnitten, passt aber auch auf die eine oder andere Studienfreundin oder Bekannte von mir. In solchen Fällen fände ich es irgendwie schade, wenn Frauen, die eigentlich mehr zu bieten hatten, als einen „perfekten“ Körper (den hatten sie tatsächlich alle nicht, ebenso wenig wie ich), sich selbst genau darauf reduzieren … Aber – vergessen wir nicht – letztendlich läuft Queer unter einem linken Label (Das wurde in meinem Studienfach eher belächelt, obwophl Frauen- und Genderforschung später eine große Rolle spielte).

Meine gesuchte Person X ist vermutlich sehr eitel, tritt vielleicht auch intellektuell hochtrabend auf, obwohl sie genau das wahrscheinlich von mir behaupten wird. Sie kann sich zu Studienzeiten genau wie ich für linke Inhalte begeistert haben (und tut es vielleicht heute noch), sie kann mit mir oder jemandem aus dem hochschulpolitisch linken Spektrum befreundet gewesen sein und war vielleicht selbst unpolitisch, „mittig“ (SPD, Jusos, …) oder sogar konservativ bis rechts, repräsentiert aber den Menschentypen, den Linke heutzutage gern fördern wollen oder hat sich immer „links-leger“ gegeben, ohne aber seine /ihre wahren Ansichten preiszugeben. Schon irgendwie bizarr, dass es sich ständig alles um Körperbilder und Essstörungen drehte, obwohl ich selbst eigentlich damit gar nichts zu tun habe und mich auch nie negativ über Dicke oder Menschen mit Esstörungen geäußert habe. Außerdem war ich als sehr junge Frau bekannt dafür, mich eher weniger um mein Äußeres zu kümmern (obwohl ich manchmal auch ein bisschen eitel bin) und sehe ziemlich durchschnittlich aus, eine Normalo-Woman, keine, auf die man (bzw. frau) neidisch sein müsste, aber auch kein „hässliches Entlein“. Ich glaube aber, dass es neben physischer Attraktivität auch um „überlegene“ Intelligenz geht – kurz: um Menschen, die sich mir gegenüber tatsächlich für etwas Besseres gehalten haben. Daher vielleicht auch der Link zum rechten Rand, selbst wenn es eine „linke“ Idee gewesen sein sollte.

Der eine oder andere wird sich vielleicht fragen, ob das nicht doch etwas schräg ist, was ich hier auf meinem Blog präsentiere, ein bedauerliches Einzelschicksal vielleicht. Aber in Berlin werden ja öfters Hexenjagden veranstaltet. Genau. Die Frage ist nämlich, ob es nicht irgendwie auch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist.

Teil III: Fazit – Neue deutsche Realitäten

Allerdings – der Queerfeminismus dreht sich tatsächlich schwerpunktmäßig um Essstörungen, Körperbilder und sexuelle Attraktivität.

Und auch die sog. Querfront gibt es wirklich. Dass der ehemalige Stasi-Spion Rainer Rupp, der auch für „Russia Today“ schreibt und mit Ken Jebsens Vlog KenFM zusammenarbeitet, sich mittlerweile für den Geschäftsmann und überzeugten Kapitalisten Donald Trump stark macht, wie ihm sein Wikipedia-Eintrag bescheinigt (Zugriff am 20. 03. 2017), sollte einen aufmerken lassen. Auch, dass der Ex-Stahlhelm Jürgen Todenhöfer jetzt Herausgeber des linken „Freitag“ ist und es nicht einmal eine Erklärung wert war, dass Todenhöfer einst als Teil des rechten Randes der CDU dem linken, demokratisch gewählten chilenischen Präsidenten Salvador Allende Entwicklungshilfegelder verweigert hatte, die er dem rechten Diktator Augusto Pinochet, der Allende gestürzt hatte, dann gern bewilligte. Auch das kann man auf Wikipedia nachlesen (Zugriff am 20. 03. 2017)

Glaubt jemand wirklich, dass eine bessere, gerechtere Gesellschaft sich nur durch Mobbing, Hass und Konkurrenzkampf erreichen lässt? Oder sind es nicht vielleicht ganz andere Menschen, die im Hintergrund sitzen und die Strippen ziehen? Menschen, denen daran gelegen ist, die Leute gegeneinander aufzuhetzen und diese Gesellschaft zu zerstören – ob es nun Linke sind, die sich etwas davon versprechen, die Gegensätze zu verschärfen – weil es vielleicht dann doch irgendwann eine richtige Revolution gibt, wie Marx es vorausgesagt hatte – oder Konservative, die darauf bauen, sich Wählerstimmen – und zwar auch die Stimmen linker und linksliberal gesonnener Wähler – damit erpressen zu können, dass die Leute genauso viel Angst vor dem erstarkenden Rechtspopulismus haben wie vor dem islamistischen Terror, ob es die rechten und rechtsextremen Kräfte selbst sind, die von einer Diktatur à la Pinochet auf deutschem Boden oder aber noch unverhohlener von einem „Vierten Reich“ – diesmal aber wirklich „tausendjährig“ – träumen und davon ausgehen, dass die Linken (und sicher auch einige von den Queerfeministinnen) schon willfährig die Drecksarbeit für sie erledigen werden indem sie schön brav sticheln und hetzen und „Diskriminierung“ wittern, wo keine ist, dafür aber großzügig darüber hinwegsehen, wenn sich tatsächlich mal jemand rassistisch, antisemitisch, homophob und/oder frauenfeindlich äußert, indem sie immer neue „Opfergruppen“ (Essgestörte, verhinderte Supermodels, Oberschichstgören, denen das gewisse Etwa zur ganz großen Karriere fehlt, usw..) aufmachen, deren Selbstbewusstsein angeblich mit der Abwertung und Ausgrenzung anderer erkauft werden muss, kurz: indem sie das ursprünglich rechte Projekt, die Menschen gegeneinander aufzuwiegeln und ein Gefühl der Unzufriedenheit zu erzeugen, fortführen. So lange man ihnen nur Jobs, Anerkennung und eine gewisse Macht, wenigstens im Kleinen gibt und ab und zu mal eine Adipositasfrau in KiK-Klamotten an sein in edle Luxusgewänder gehülltes Herz drückt, wird es schon klappen. Oder ob es eben die Islamisten sind, die Europa gern zum Vassallenstaat eines zukünftigen glorreichen „Kalifats“ machen wollen – Das weiß ich nicht. Vielleicht hatten sie einfach alle den gleichen Gedankengang.

Umgekehrt

Nach Liste oder nach Gefühl?

„Ich hatte recht. Sie haben sich geirrt. Also gehen Sie jetzt bitte weg von dem Computer!“ sagte die ältere Frau freundlich, aber bestimmt. Sie hatte sich zur Verstärkung eine der Bibliothekarinnen geholt, bei denen man in eine Liste eintragen lassen konnte, um kostenlos die bibliothekseigenen Computer und Internet nutzen zu können. Ich hatte mich für die halbe Stunde zwischen 14 Uhr und 14 Uhr 30 eintragen lassen und genau diesen Computerplatz zugewiesen bekommen. Es war bereits Viertel nach zwei. Um zwei hatte die ältere Frau, die den Computer die halbe Stunde vorher gehabt hatte, gepampt, dass sie mit ihrer Arbeit noch nicht fertig sei. Ich hatte sie darauf aufmerksam gemacht, dass jeder die Computer für eine halbe Stunde nutzen dürfe, aber jetzt sei eben ich dran. Da hatte die Frau gezetert, dass ich sie in Ruhe lassen sollte. Ich wiederholte, was ich gesagt hatte. Die Frau herrschte mich an, ich solle weggehen, sie wolle weiterarbeiten. Just in dem Moment, wo ich beschlossen hatte, zur Aufswicht zu gehen, um das Problem zu klären, sprang die Frau auf, schnappte ihre Sachen und stapfte davon.

Die Sache war aber, wie ich begriff, noch nicht ausgestanden. Ich bat die Bibliothekarin, die mit der Frau gekommen war, noch einmal in der Liste nachzusehen. Dort habe mich einer ihrer Kollegen gegen Viertel nach eins eingetragen, so dass ich jetzt nicht verstünde, was los sei. Die ältere Frau schnauzte, ich könne doch auch in ein Internetcafé gehen. Da packte mich die Wut. „Das können Sie ja umgekehrt genauso tun.“ schnauzte ich zurück, und beharrte darauf, dass doch wohl jeder die Bibliothekscomputer benutzen dürfe. Die Bibliothekarin die gekommen war, um mich von dem Computer zu verscheuchen, sah ratlos aus. Ich bat noch einmal darum, sie solle in der Liste nachsehen. Die andere Frau habe nicht weggehen wollen. Aber vielleicht handelte es sich auch um ein Missverständnis? Innerlich kochte ich vor Wut. Doch die Bibliothekarin ging. Die ältere Frau, die nicht von ihrer Seite wich, hatte jetzt einen klagenden Tonfall angenommen: „Sie hat sich da einfach hingesetzt!“. Ich hörte, wie sich die beiden entfernten. „Die ist doch verrückt!“ ereiferte sich die Alte. „Sie hat …“, „Solche Leute … “ – das ging noch ungefähr zehn Minuten so, doch die Bibliothekarin kam nicht zurück. Ich hatte mich nicht geirrt. Allerdings war jetzt auch meine Zeit am Computer um. Mit schweißnassen Händen stand ich auf.

Verletzt

Ein paar Wochen später, ich saß wieder am Bibliothekscomputer, die Hand an der Maus, als ein Arm über meinen griff und der Deckel eines dicken Leitz-Ordners an den Bildschirmrahmen knallte. Erschrocken fuhr ich zurück und bat die Frau, die gerade dabei war, sich ihren Arbeitsplatz einzurichten, den Ordner mehr zu ihr zu rücken, denn mit dem an meinen Computer gestützten, aufgeschlagenen Ordner konnte ich nicht gut weiter tippen. „Das geht nicht.“ erwiderte die Frau knapp. „Doch!“ Ich sah, das genug Platz war. „Hier, sehen Sie.“ Ich schob den Ordner zu ihr herüber, bis er vollständig aufgeschlagen auf dem Tisch lag. „Also wirklich!“ empörte sich die Frau und stellte den Ordner wieder auf, sodass der Deckel sich, wie vorher an meinen Bildschirm stützte. In mir brodelte es, aber ein kleiner Mann in meinem Kopf sagte mir, dass es besser wäre, nicht zu insistieren. „Sich wegen einer solchen Kleinigkeit aufzuregen! Vielleicht kannst du auch so weiter arbeiten. versuche es doch wenigstens mal!“

Fünf Minuten später quetschte sich die Deckelkante des Ordners in meine Finger. Schnell zog ich meine schmerzende Hand weg. Die Frau hatte sich offenbar überlegt, dass der Ordner doch anders positioniert werden sollte. Ich hatte genug. Ich nahm den Ordnerdeckel, klappte ihn leicht hoch und schob den Ordner zu ihr. „Es reicht!“ brüllte ich. „Sie nehmen jetzt den Ordner zu sich und zwar sofort!“. „Hören Sie auf, mich zu verletzen!“ quiekte die andere. Ich hätte ihr am liebsten eine geklebt, denn ich sah, dass das nicht der Fall war – ihr Arm lag glatt auf der anderen Seite des Ordners und wurde mit ihm weiter geschoben. Ich selbst brauchte meine Finger leider auch noch. Ich sah allerdings auch die narben auf ihrem Unterarm, die von Schnitten herrühren mussten. „SIE. HABEN. MICH. VERLETZT.“ Es fiel mir schwer, die Fassung zu bewahren „Hier! Meine Finger! Und jetzt nehmen Sie Ihren blöden Ordner! Da ist Platz genug!“. „Hören Sie auf, mich zu verletzen!“ jammerte die andere Frau. Sie wandte sich an ihre Nachbarin auf der anderen Seite: „Sie verletzt mich! Sie verletzt mich!“. „Ich würde mich da gerne raushalten.“ erwiderte die andere knapp.

Die Frau beruhigte sich, zog den Ordner zu sich und erledigte, was sie vorgehabt hatte, zu erledigen. Innerlich zitterte ich vor Wut und beruhigte mich nur langsam. Es war nicht so sehr die Aktion an sich. Die Frau hatte mir sicherlich nicht absichtlich die Finger quetschen wollen. Es war ja alles noch dran. „Sie ist verrückt!“ raunte eine Stimme in meinem Kopf, die nicht zu den netten, liebenswürdigen Anteilen meiner Persönlichkeit gehörte: „Vollkommen gaga! Die hat das nicht gerafft, dass das mit dem Ordner platzmäßig nicht hingehaut, so wie sie sich das vorgestellt hat. Die hat gedacht, du willst ihr was!“

Das Monster

„Sie hat Borderline“ fügte die Stimme hinzu. „Frauen wie sie und die Alte neulich haben dafür gesorgt, dass einige Leute hier denken, du wärst eine augekochte Bestie. Die Frauen haben einfach alles umgedreht. Denen fehlt etwas im Kopf, das ihnen begreiflich machen würde, dass es okay ist und keine bösartige Attacke gegen sie, dass du den Computer benutzen willst, wenn du dich dafür in die Liste hast eintragen lassen. Die schnallen auch nicht, dass du wütend wirst, wenn sie dir weh tun. Und weil die Computerplätze in der Bibliothek oft von psychisch Kranken benutzt werden und du auch noch vor einer Menge Leuten freimütig zugegeben hast, dass du auch mal ’ne Therapie gemacht hast, bist du halt jetzt auch die Verrückte und nicht sie. Die fetten Frauen in Kreuzberg haben das gleiche Spiel mit dir getrieben, weil die nämlich, wie du ja gut erkannt hast, kein Stück lesbisch oder transgender sind, sondern einfach einen an der Waffel haben.“

„Aber du weißt ja auch“ fuhr die diabolische Stimme fort „Dass diese Frauen eine Menge Leute in ihrem Rücken haben. Feministinnen wie Margarete Stokwski z. B. sehen es tatsächlich so, dass sie nicht verrückt sind, sondern einfach an der Frauenfeindlichkeit unserer Gesellschaft leiden. Als ob du keine Frau wärst. Carolin Emcke unterstützt diese Frauenszene und selbst die „Zeit“ hat versucht, ein psychopathisches Teenie-Mädchen, das seine beste Freundin totgeschlagen hat, als leidenschaftlich liebende junge Lesbe und „Leitwölfin“ zu verkaufen.“

„Das ist es doch gerade, was mich so verzweifeln lässt!“ antwortete ich meiner inneren Stimme. „Es ist doch z. B. einfach logisch, dass man in der Computerliste nachschaut, wer dran ist, wenn es Streitigkeiten um Computerplätze gibt.“ Ich schluchzte innerlich „Ich bin doch kein Monster, nur weil ich die gleichen Rechte für mich in Anspruch nehmen will wie andere auch! Und außerdem: Von mir zu verlangen, in ein Internetcafé zu gehen! Und die andere, die sich nicht einmal entschuldigt hat, dafür dass sie mir die Finger gequetscht hat, sondern sich gleich reflexhaft daran gemacht hat, mich anzuschwärzen…“ Ein aggressiver Unterton mischte sich in meinen inneren Monolog. „Die Bibliothekarin hat doch nachgeschaut.“ gab die Stimme zu bedenken. „Ja aber …“ setzte ich an …

Die Bankkarte, die sich nicht fügen wollte

Ich erinnerte mich an die Sache mit meiner Bankkarte. Das ist jetzt schon viele Jahre her. Ich war bei der einer Freundin, die ich hier Katharina* nennen werde, auch wenn sie eigentlich anders heißt. Katharinas Eltern waren zufällig auch gerade da. Ich selbst war erst seit kurzem in Berlin und brauchte Kontoauszüge. Damals hatte ich mein Konto noch bei einer Bank in Süddeutschland, dort, wo ich vorher gewohnt hatte. Leider hatte sich der Automat der Berliner Filiale geweigert, mir Kontoauszüge auszuspucken. „Das müsste aber eigentlich gehen. Bei Katharina geht es auch und die hat ihr Konto auch noch in Hannover* Stimmt’s Katharina?“ Meine Freundin nickte. „Ja, ist gar kein Problem.“ „Aber ich habe es doch ausprobiert. Es hat wirklich nicht geklappt!“ entgegnete ich. „Na, du wirst dich halt etwas dumm angestellt haben …“ ließ sich Katharinas Vater vernehmen. Es lag auf der Hand, dass der Berliner Automat Katharinas hannoveranische Karte akzeptiert hatte, weil Hannover nicht ganz so weit von Berlin entfernt ist. Dass die süddeutsche Stadt, in der ich zuvor gelebt hatte, aber wohl zu weit weg war. Ich hatte Aldi Süd und Aldi Nord im Kopf. In Berlin gab es Aldi Nord. da, wo ich vorher gelebt hatte Aldi Süd. Ich äußerte meine Vermutung und ließ das mit Aldi weg. „Jetzt hör mal. Wir haben dir doch gesagt, dass es bei Katharina problemlos geht! Du wirst halt einen Fehler gemacht haben. Geh einfach nochmal zur Bank.“ polterte Katharinas Vater. „Ganz wie deine Mutter!“ setzte er noch hinzu.

Also ging ich noch mal zur Bank, die um die Ecke lag, und versuchte es erneut. Wieder verweigerte sich der Automat. Schließlich rief ich bei der Bank an. Ich erläuterte das Problem und fügte verzweifelt hinzu: „Aber bei einer Freundin von mir hat es doch auch geklappt! Und die ist bei einer ihrer Filialen in Hannover!“ „Ja, das liegt daran,“ erklärte die Mitarbeiterin meiner Bank freundlich „dass Hannover im Verbund Norddeutschland ist. Genau wie Berlin. Wir hier sind aber im Verbund Süddeutschland. In München oder Stuttgart könnten Sie sich mit Ihrer Karte Kontoauszüge ausdrucken lassen, aber in Berlin geht das leider nicht.“

Triumphierend lief ich zurück und erzählte von dem Telefonat. „Hör zu, bei Katharina geht es ohne Probleme. Glaubst du, sie lügt?“ war die Reaktion. „Ach, dir ist auch nicht zu helfen.“ Damit war die Sache erledigt.

Alle doof oder was?

Eigentlich waren Katharina und ihre Familie ganz nett, wohlhabend, aber immer hilfsbereit, Intellektuelle, die alle in verschiedenen Ländern dieser Erde gelebt hatten, also weltgewandt und lebenserfahren waren. Katharina war ein Jahr älter als ich und immer vernünftiger, erwachsener und reifer gewesen. Von ihr konnte man lernen. Als Kind hatte ich sie um ihre flachsblonden Zöpfe beneidet. Als sie einmal Urlaub in der Heimat meiner Vorfahren gemacht hatten, hatten die Leute dort Katharina an den Haaren gezogen, wie sie Jahre später einmal lachend erzählte. Ich selbst war unter den braunen und schwarzen Haarschöpfen nicht aufgefallen. Niemand hatte sich für meine Haare oder sonst etwas interessiert.

Warum war es, als wir dann erwachsen waren, trotzdem plötzlich so schwer, die logische Erklärung für das Problem mit meiner Bankkarte zu akzeptieren? Zumal ich ja entgegengekommen war, mich hatte belehren lassen und das Ganze auch mehrfach ausprobiert und überprüft hatte …

Ein bisschen sind solche Leute wie die Frauen in der Bibliothek, nur dass sie nicht verrückt sind. Ist vielleicht das der Grund, warum Margarete Stokowski, Carolin Emcke und die „Zeit“ diese Menschen unterstützen?

Avantgarde?

„Nein, sie schicken sie vor!“ meldet sich die boshafte Stimme in meinem Kopf wieder zu Wort. „Katharina und ihre Eltern? Nein, warum sollten sie?“ erwidere ich. „Nein, aber z. B. die Frauen, für die Margarete Stokowski schreibt. Die sind nicht gaga – ganz im Gegenteil, es sind junge Frauen, die an der Spitze unserer Gesellschaft stehen. Aber sie haben Probleme und suchen jemanden wie dich zum Treten, damit sie das Gefühl haben, da ist eine, gegen die sie vielleicht wirklich, also auch innerlich, gefühlt, die „Stars“ sein können, zu denen ihre Eltern sie machen wollten. „Germany’s next Topmodel“, Selbstoptimierung und so …“

„Na ja, ich weiß nicht“ beendete ich den inneren Monolog. Ich weiß es nämlich wirklich nicht.

*Name, Ort geändert.

 

 

Homosexuell und rechts – geht das?

Anmerkung: Meine Geschichte „Terror!“ werde ich wegen des Terroranschlags in Berlin zu einem späteren Zeitpunkt weiter erzählen …

Mittlerweile ist es durchgesickert. Es gibt sie: homosexuelle AfD-Mitglieder, ob Mirko Welsch oder Alexander Tassis, Alice Weidel oder Jana Schneider, queer geht also auch rechtspopulistisch. Warum bloß? … werden sich jetzt viele fragen. Steht Homosexualität, mehr noch Queer, nicht für Liberalismus und eine fortschrittliche Gesinnung, für Weltoffenheit und Toleranz. Na ja. Wenn man denkt, dass alle Schwarzen begnadete Soulsänger sind, mag man sich die Welt so zurechtbiegen. Klar ist: Homosexualität gibt es überall auf der Welt. Sie kommt in allen sozialen Schichten vor und wenn man sie sich nicht gerade im Zuge eines trendy Queer-Chic „aussucht“, ist mit der sexuellen Orientierung auch keine bestimmte Weltsicht verbunden. Alle politischen Überzeugungen, Weltsichten und Lebensstile, die es so in einer Gesellschaft gibt, gibt es also auch unter den Homosexuellen dieser Gesellschaft.

Jan Schnorrenberger formuliert es auf seinem Blog „Spektrallinien“ in dem Blogbeitrag „Der rosarote Dolchstoß“ folgendermaßen: „Schwuler Rechtspopulismus ist eine Ergänzung zu klassischen Argumentations- und Deutungsmustern des westlichen Rechtspopulismus.“ Er hebt hervor, dass die rechtspopulistische AfD für sich reklamiert, den „bürgerlichen“ Teil der LGBT-Community zu vertreten, der als der nicht „linksgrüne“ Teil der Community gedeutet wird. Vielleicht wählt, wer schwul ist und die Grünen und die Linkspartei nicht so prickelnd findet, deshalb nicht unbedingt gleich die AfD – es gibt ja auch noch FDP und CDU und die Möglichkeit, sich gar nicht irgendwie politisch zu positionieren. Aber, und das erwähnt auch Schnorrenberger, Parteien mit klar islamfeindlichen Positionen können natürlich bei Schwulen Punkte machen, die Angst haben, von jungen Türken und Arabern zusammengeschlagen zu werden. Immerhin sind solche Ängste nicht ganz unbegründet und wer allzu scharf darauf beharrt, im Rahmen einer etwas überspitzt aufgefassten Willkommenskultur Partei für junge Muslime zu ergreifen, muss sich vielleicht nicht wundern, wenn andere Minderheiten sich allein gelassen fühlen. Aber vielleicht geht es in solchen Fällen auch eher um eine plumpe und aufgesetzte Parteilichkeit als um echte Toleranz, die eher auf Ausgleich und freie Entfaltungsmöglichkeiten für alle setzen würde. Jan Schnorrenberger zieht jedenfalls für sich den Schluß: „Eines muss uns klar sein: Schwuler Rechtspopulismus instrumentalisiert die Opfer LGBT*-feindlicher Gewalt, um anti-emanzipatorische Positionen in der Szene salonfähig zu machen. Aber unsere Emanzipation kann und wird niemals auf dem Rücken anderer Minderheiten erfolgen können.“

Querfront: Oder Die Linke als Helfershelfer der neuen Rechten (I)

Kaum jemand traut sich wirklich an das Thema LGBT und Rechtspopulismus heran, denn zu hartnäckig halten sich Vorurteile, wie etwa, dass Schwule generell sexuell freizügig seien und sexuelle Libertinage gleichbedeutend mit einem liberalen Denken ist oder dass Schwule als Randgruppe und „Opfer dieser Gesellschaft“ zwangsläufig solidarisch mit anderen seien, die Diskrimierung und Ausgrenzung erleben. Vielleicht besteht auch eine gewisse Furcht, die – ja, das denke ich – tatsächlich mit einem Minderheitendiskurs zu tun hat, der mittlerweile heillos überzogen und oft einfach nur noch hysterisch ist, und man möchte die LGBT-Gemeinde nicht brüskieren. Dabei tut man allerdings niemandem einen Gefallen. Außer vielleicht den Rechten: Denn wer darauf beharrt, dass auch Leute, die eigentlich rechts sind, als „links“ wahrgenommen werden sollen – eben weil es so gut in das eigene Weltbild passt – der provoziert damit nicht nur den Unmut derer, die sich dadurch gegängelt fühlen. Man arbeitet auch der neuen Rechten fleißig in die Hände, die wie ihr Vordenker, der Franzose Alain de Benoist (geb. 1943), auf Querfrontstrategien setzt und – in Anlehnung an den linken (!) italienischen Theoretiker Antonio Gramsci (1891 – 1937) – das Einsickern rechtsextremen Gedankengutes in die Gesellschaft als neue, hippe (Sub-)Kultur vorrantreiben möchte.

Dennoch ist fraglich, ob der Konservative, der zufällig auch schwul ist, wirklich der einzige Fixpunkt eines queeren Rechtspopulismus ist oder ob nicht ganz andere Akteure eine viel größere Rolle spielen, Menschen, die von außen auf den ersten Blick vielleicht gar nicht unbedingt als „konservativ“ im Sinne von „altmodisch“ und „traditionsbewusst“ erkennbar sind.

Da ist zum Beispiel der Brite Milo Yiannopoulos (geb. 1983), ein abgebrochener Literaturstudent, der einen griechischem Vater hat und queer ist – eigentlich ganz der Prototyp des modernen, fluide Identitätskonzepte und sexuelle Offenheit bejahenden jung-dynamischen Kosmopoliten. Yiannopoulos, der als Journalist über Tech-Culture schreibt, fiel das erste Mal im Rahmen des sog. „GamerGate“ auf: Auslöser der frauenfeindlichen Hexenjagd, bei der es angeblich nur darum ging, Korruption im Tech-Journalismus kritisieren, war der Ex-Freund der amerikanischen Spiele-Entwicklerin Zoe Quinn, der Quinn vorwarf, mit einem Tech-Journalisten ins Bett gegangen zu sein, damit dieser ihre Spiele wohlwollender rezensiere. Yiannopoulos mischte kräftig mit.

Masculinism & Tribalism: Eine neue, kernige Männlichkeit

Der hippe Brite, der auch für den designierten US-Präsidenten Donald Trump Wahlkampf gemacht hat und als Protagonist der „Alt-Right“, der „Alternative Right“ gilt, einer neu-rechten Bewegung in den USA, macht aus seiner Verachtung für Frauen keinen Hehl. Damit steht er weder in der neuen Rechten noch in der queeren Szene allein da. Gegen Jack Donovan (geb. 1974) etwa ist die abstrus muskelbepackte Berliner Szene-Größe Rummelsnuff (über dessen politische Ansichten mir nichts bekannt ist) eher ein kleines Licht. Donovan vertritt eine archaische, körperbetonte Männlichkeit, die ohne Frauen auskommt bzw. sie in die Rolle bloßer Statistinnen der Menschheit verweist. Dabei wird das eigene „Mann-sein“ durch Tribal-Symbole aus der Techno-Szene unterstrichen. Ebenso wird die Bildsprache des Death Metal aufgegriffen und hier und da eine stilisierte faschistische Symbolik eingestreut. Donovan selbst umschreibt sein Lebensgefühl mit Begriffen wie „Masculinism“, „Tribalism“ und „Barbarism“. Er wurde auch bereits von der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in Europa und speziell auch im deutschsprachigen Raum rezipiert. Bei soviel testosteronstrotzender homosexueller Männlichkeit im rechten Lager wundert es nicht, dass auch der Publizist Martin Lichtmesz (geb. 1976) (bürgerlich: Martin Semlitsch) , der der österreichischen neuen Rechten zugeordnet wird und lange in Berlin-Kreuzberg gelebt hat, bereits 2010 in dem neu-rechten Online-Magazin „Sezession“ eine neue maskuline Art des Schwulseins beschrieben hat.

Natürlich ist nicht jeder, der eine kernige, muskelbepackte Männlichkeit sexuell anziehend findet, deshalb rechts. Außerdem spiegelt der Gedanke des „Masculinism“ im Grunde nur differenzfeministische Konzepte à la „die Frauen bleiben unter sich und machen es sich miteinander nett“. So gesehen nimmt es sich wie ein bizarrer, ins Homosexuellenmilieu verlegter „Kampf der Geschlechter“ aus, bei dem sich beide Parteien trotzig auf sich selbst zurückziehen. Aber so lange eine konservative, auf strikte Differenz angelegte Wahrnehmung der Geschlechter – anders als bei Yiannopoulos und Donovan – nicht mit einer Abwertung des anderen Geschlechtes einhergeht und keine gesamtgesellschaftlichen politischen Forderungen daraus gezogen werden, kann man solche Sichtweisen vielleicht als „Geschmackssache“ abhaken.

Das Manifest der Alt-Right-Bewegung

Allerdings ist fraglich, ob das neue „Traditionsbewusstsein“ in Punkto Geschlechterrollen so gedacht ist, dass es sich auf ein subkulturelles Milieu beschränken soll. Immerhin hat Milo Yiannopoulos im März diesen Jahres gemeinsam mit dem halb britisch- halb-pakistanischen Publizisten Allum Bokhari das Manifest der „Alt-Right“-Bewegung zu Papier gebracht, das in dem neu-rechten us-amerikanischen Online-Magazin „Breitbart“ veröffentlicht wurde. Angesprochen werden darin sowohl das Provokative, jugendlich-Rebellische, das die neue Rechte für sich in Anspruch nehmen will, als auch das „natürliche Konservative“, bei dem es v. a. um den Erhalt des eigenen „Stammes“, der eigenen Sippe gehen soll und das in etwa dem Ethnopluralismus der europäischen „Identitären Bewegung“ entspricht, auf die sich Yiannopoulos und Bokhari auch beziehen. Man hebt außerdem die eigene Intellektualität hervor, die die „Alt-Right“-Bewegung von den dumpfen, ordinären und aggressionsgeladenen britischen Skin-Heads der 1970er und 1980er Jahre abgrenzen soll. Ebenso sind Yiannopoulos und Bokhari bedacht darauf, nicht mit offen rassistisch auftretenden Extremisten in einen Topf geworfen zu werden.

Schließlich betonen beide, dass sie rassistische und antisemitische Äußerungen – sofern sie selbst oder ihre Freunde sie machen – als „ironisch gemeinten“ Witz verstanden wissen wollen – eine Auflehnung gegen das starre Korsett der Political Correctness also, weiter nichts. Der beste Beweis: Sowohl Yiannopoulos als auch Bokhari sind „racially mixed“, haben jeweils ein Elternteil mit Migrationshintergrund, Yiannopoulos ist dazu noch schwul, sie haben einen Haufen schwuler jüdischer Freunde, überall steckt also ein bisschen „Minderheit“ in der „Alt-Right“-Bewegung. Können solche Menschen Rassisten sein? Antisemiten?

Eigentlich könnte ich diese eher rhetorische Frage mit einem Verweis auf den Anfang dieses Textes beantworten. Rassismus kommt sogar in Afrika vor. Nein, nicht unbedingt nur gegen Weiße, sondern auch Schwarze gegen andere Schwarze. In dem westafrikanischen Land Elfenbeinküste wurde Ausländerfeindlichkeit um das Jahr 2000 sogar zu einem richtigen Problem. Und klar, allen, die den Antisemitismus der „Alt-Right“-Bewegung ( zu Recht!) beklagt haben, wäre leicht eins reinzuwürgen: „Breitbart“, das Sprachrohr der Bewegung ist nicht nur von einem Juden gegründet worden. Das Online-Magazin hat außerdem eine Dependance in Jerusalem. Rechtes Denken kommt eben auch in Israel an. Das Bedürfnis nach sozialer Ab- und Ausgrenzung und von außen besehen meist vollkommen abstrus erscheinende Überlegenheitsgefühle existieren leider überall auf der Welt. Und faschistische Experimente hat es auf so ziemlich jedem Kontinent gegeben. Das Gegenteil, so sollte man hier allerdings nicht vergessen, zu erwähnen, gilt allerdings auch: Ideen von sozialer Gerechtigkeit und Toleranz sind etwa so alt wie die Menschheit. Kulturelle Differenz scheint in dieser Hinsicht wohl eher nicht den Ausschlag zu geben.

Minderheitenrechte: Die Linke als Helfershelfer der neuen Rechten (II)

Eines fällt allerdings auf: Yiannopoulos und Bokhari stürzen sich geradezu auf linke Diskurse zur „selbstbewussten Aneignung“ diskriminierender Begriffe. So hat Yiannopoulos 2015 eine Vortragstour durch us-amerikanische Universitäten „The Dangerous Faggot Tour“ – „die Tour der gefährlichen Schwuchtel“ – genannt und Bokhari bezeichnet sich im Internet als „resident kebab at Breitbart Tech“. Ein derartiges Pochen darauf, die diskriminierte Minderheit zu sein, wirkt irgendwie weinerlich und zynisch bei Menschen, die für sich selbst sehr wohl das Recht beanspruchen, andere zu mit Verachtung und Herablassung zu behandeln. Zudem wirkt Bokhari, zumindest auf Fotos im Internet, kaum dunkler als Laila Phunk. Warum also sollte man/frau es sich gefallen lassen, sich von einem solchen Mann, der sich selbst als rassistische Sprüche klopfender „schlimmer Finger“ gerieren will und sich dabei auf seinen eigenen Status als „Man of Color“ beruft, als RassistIn abstempeln zu lassen? Gilt hier nicht eher der berühmt-berüchtigte Kategorische Imperativ nach Kant? Zu gut Deutsch: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füge auch niemand anderem zu?

Berlin: Kosmopolitismus und SS-Ästhetik

Der Kosmopolitismus und die Buntheit von „Alt-Right“-Akteuren, wie Yiannopoulos und Bokhari, gemischt mit frivoler SS-Ästhetik und einem ziemlich dünkelhaften Wohklstandschauvinismus findet sich auch in der Berliner queeren Szene wieder. Ebenso das aggressive Pochen auf den Minderheitenstatus und das Beharren auf „Mikroaggressionen“, die einem angeblich entgegengebracht werden. Damit ist so ziemlich jedes Verhalten gemeint, das nicht nett, entgegenkommend und bewundernd-bestärkend ist. Klar, dass natürlich jede und jeder „weiß“ in jeglicher Hinsicht ist und natürlich hetero- bzw. cis- bzw. idealerweise sogar assexuelle, der den Leuten mit ihrem „besonderen“ Lifestyle nicht so schmeckt. Gelegentlich möchte man den knallharten Macho-Lesben, die sich über die fiese „Mehrheitsgesellschaft“ echauffieren, am liebsten ins Gesicht spucken, wenn dann wieder herauskommt, dass diese Frauen eigentlich ja bi sind. Vielleicht noch nicht einmal das. Jedenfalls sollte frau nicht den Fehler machen, irgendeinen x-beliebigen Mann in einem Kreuzberger Szene-Club nach dem Weg zum Klo zu fragen. Es wird nachher heißen, man habe sich an irgendjemanden „herangemacht“, der eigentlich einer anderen „gehörte“. Womit natürlich die eigene Heterosexualität und Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft ein für alle Mal unverbrüchlich nachgewiesen ist. Mit Männern sprechen dürfen sowieso nur diese Frauen. Einige haben sich mittlerweile allerdings selbst als assexuell, also als eigentlich gar nicht an Sexualität interessiert (oder unfreundlicher: „frigide“), geoutet. Das hätte ich mir denken können. Gerade weil ich es oft genug am eigenen Leib erfahren hatte, wie speziell die Frauen (aber auch einige „queere“ Männer) einen manisch als „für Männer unattraktiv“ abwerten, lag es nahe, anzunehmen, dass es mit der „Homosexualität“ dieser Frauen eigentlich nicht so weit her ist. Dafür sprechen auch die sexuelle Übergriffe auf andere Frauen, die angeblich „zu notgeil“ sind, was man bzw. frau ihnen dann „austreiben“ muss. Dann wieder wird behauptet, man habe sie „angemacht“ (meist gerade die Frauen, die man – vorsichtig formuliert – nicht ganz so atraktiv findet), weshalb auf „Rache“ gesonnen wird. Wenn erwachsene Frauen (also Frauen, die Ende 20, über 30, z. T. sogar über 40 sind!) sich zudem selbst in aller Öffentlichkeit dauernd als unersättliche Sex-Bomben produzieren, die mehr oder weniger jede Nacht quer durch alle Betten hoppen, kommt man einfach irgendwann darauf, dass da irgendwie ein problematisches Verhältnis zur Sexualität dahinter steht.

Wahnsinn und Gewalt – die dunkle Seite von Queer

Der sog. „Queerfeminismus“ und seine diversen Unterströmungen wie „Sex Positive“ und „Fat Empowerment“ haben das immer wieder thematisiert. Und es ist sicherlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Frauen sich mit ihrem Körper und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Essstörungen auseinandersetzen. Aber es wird bedenklich, wo die Grenzen anderer Menschen für die Selbsterfahrung und -findung solcher Frauen verletzt werden. Das passiert tatsächlich und es wird zumindest zum Teil durch linke Minderheitendiskurse und queerfeministische Theorien gedeckt, wie u. a. die Geschichte von Megi und Melina zeigt. Eigentlich waren es wohl zwei pubertierende Mädchen, die einmal ganz eng miteiander waren, wie das bei Mädchen in dem Alter manchmal der Fall ist. Dann beginnt Melina, sich für Jungs zu interessieren. Die Busenfreundin kann sie nicht gehen lassen und rastet aus. Megi schlägt Melina einfach tot und bereut es hinterher nicht einmal wirklich. Auf Spiegel Online berichtet Benjamin Schulz von dem Mordprozess in Münster. Es ist von „schwere(r) seelischer Abartigkeit“ die Rede. In der „Zeit“ werden die Mädchen dagegen zu einem jungen lesbischen Paar. Daniel Müller, der Autor des im Mai 2016 erschienen Artikels beschreibt Megi, die Mörderin zwar als Mobbingopfer aus desolaten familiären Verhältnissen, aber in seiner Version der Geschichte ist sie auch eine „Leitwölfin“, eine starke, von allen geachtete Anführerin also. Genau das wollen vermutlich viele Frauen aus der queeren Szene hören: „Transmänner“, genderqueere „dominante“ Frauen und „Pascha“-Lesben, nicht wenige mindestens ebenso pfundig bzw. stark adipös wie Megi, viele aber sicher mit einem stabileren familiären Hintergrund.

Megi ist leider kein Einzelfall. Der Berliner Piratenpolitiker Gerwald Claus (geb. 1972) erfand sich von einem zweiten Nachnamen, über den Geburtstort bis hin zu einer imaginären „schweren Krankheit“ an der er angeblich litt, sein Leben einfach neu. Der stämmige blonde und ausgesprochen große Mann, der aus einem rechtsradikalen Elternhaus stammte, war schwul oder bisexuell und ermordete im September diesen Jahres einen jungen Mann, der seine Liebe nicht erwiderte und dem er offenbar seit geraumer Zeit nachstellte.

Selbst mit sehr viel Schönfärberei kann man wohl getrost festhalten, dass Claus unter psychischen Problemen litt. Er fiel zudem offenbar, wie Naemi Goldapp in der „Welt“ schreibt, desöfteren als aggressiv und frauenfeindlich auf. Auch von Mobbingvorwürfen ist die Rede.

Vermutlich hätte man sowohl die junge Megi als auch den aggressiven, orientierungslosen Gerwald Claus davor bewahren können, zu Mördern zu werden. Zumindest Claus fehlte es ja auch nicht an Menschen, die ihn unterstützten und wertschätzten, die seinen Ausfällen und schrillen Aktionen mit Nachsicht begegneten und immer neue Ausreden und Entschuldigungen für ihn bereit hielten. Manchmal ist Toleranz allerdings nicht die beste Wahl. Sozialarbeiter und gute Therapeuten hätten Megi sicher helfen und ihr die Perspektive bieten können, die Gerwald Claus nicht einmal missen musste, aber anstatt zwei antisoziale Persönlichkeiten als „Exoten, für die man Verständnis haben muss“ schönzureden, wäre es zu allererst nötig gewesen, ihnen rechtzeitig Grenzen aufzuzeigen.

Milo Yiannopoulos, Allum Bokhari, Gerwald „Faxe“ Claus und „Megi“: Sie alle sind Menschen, de zwar Toleranz und Nachsicht für sich einfordern, sich selbst aber davon entbunden sehen, ganz gleich ob aus psychischem Unvermögen oder aus knallhartem politischen Kalkül. Der Opferstatus verspricht solchen Leuten jedenfalls eine bizarre Macht. Das kann sich in einer agressiven Verächtlichkeit und Herablassung anderen gegenüber äußern und bläst so manches labile Ego derart monstruös auf, dass man sich fragt, ob der Schritt zu einer politisch-faschistisch aufgeladenen Bösartigkeit vielleicht nicht mehr allzu groß ist.

Die neue Rechte: Alles eine Frage der Minderheiten?

Da es hier ausschließlich um rechtskonservative bis -extremistische Einstellungen unter Homosexuellen und sich als „queer“ definierenden Menschen ging, sollte ich abschließend vielleicht das eine oder andere gerade rücken: Weder sind Homo-, Bi- und Transsexuelle „anfälliger“ für rechte Ideologien als andere Menschen, noch macht sich der Rechtsruck, der derzeit durch unsere Gesellschaft geht, vor allem am Queer-Milieu fest. Dieser Text ist keinesfalls als „Anklage“, „Schlechtmachen“ der Szene oder „Nestbeschmutzerei“ zu verstehen, sondern soll eine Hilfestellung im Umgang mit der neuen Rechten bieten. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe u. a. solche Leute am Hals und bin mir sicher, dass es einen Zusammenhang – perverserweise! – zum linken Milieu und zur queeren Szene gibt. Die neue Rechte ist gerade deshalb gefährlich, weil es nur ein loser Zusammenschluss verschiedener rechter Strömungen ist, eine Art Gewebe oder eine politische Landkarte mit unterschiedlichen Zentren. Alle diese rechten Bewegungen und Subströmungen arbeiten mit Diskriminierung und Ausgrenzung. Aber wenn man sie damit konfrontiert, wird jede darauf verweisen, dass sie doch gar nicht (homophob, ausländerfeindlich, antisemtisch, elitär, usw.) seien (Sie haben doch solche Leute sogar in ihren eigenen Reihen!) Was aber Freunde oder Leute, mit denen sie mal zusammen auf einem rednerpult machen, dafür können sie schließlich nicht …. Deshalb ist es wichtig, sich nicht auf einen plakativen Minderheitendiskurs zu versteifen, der eine breite, bunte „Minderheitenfront“ gegen die graue, böse und tendenziell rechtslastige „Mehrheitsgesellschaft“ auffahren will und pedantisch auf einer überzogenen Form von politischer Korrektheit pocht. Stattdessen sollte man lieber verstärkt Diskriminierung im Allgemeinen, als Handlung an sich bekämpfen. Das würde Neu-Rechten den Wind aus den Segeln nehmen und nur so, denke ich, wird man ihnen auch langfristig etwas entgegensetzen können.

 

 

Ist „nicht nett“ das gleiche wie „total scheiße“? Die heutige Arbeitswelt unter der (feministischen) Lupe

„She-Boss“? „Bossy Woman“, also ein fieses Alpha-Weib, das die Klaviatur männlichen Machtgebarens ebenso lässig beherrscht wie jeder Wall-Street-Broker? Muss frau ein „Psychopath(…) in Nadelstreifen“ sein, um Erfolg zu haben, wie ein Buchtitel (von Carmen Kühn, wen es interessiert) es auf den Punkt bringt? Schlimmer noch, sollte frau am besten eine Art weiblicher Donald Trump sein, um Erfolg zu haben?

Die promovierte Wirtschaftsinformatikerin Laura Dornheim zieht auf „Edition F“ Fazit: „Warum nett sein uns nicht weiterbringt„. „Frauen, bitte verhaltet euch wie Männer!“ fordert sie. Klar, „typisch weiblich“ gleich: mütterlich, fürsorglich, auch: sexy, frivol, mit einem guten Auge für Deko – nur leider reichlich doof. So peinlich altbacken der Stereotyp auch klingt. Dornheim hat leider recht.

Als ich studierte, stellte ich gleich in den ersten Semestern fest: Auch anderen Frauen geht das intellektuelle Macho-Gehabe mancher Männer gehörig auf die Nerven. Leider waren es oft auch linke, offiziell also „frauenfreundliche“ Männer. Was also tun, wenn „er“ in feministischer Theorie eigentlich viel belesener ist (und dir das im Zweifelsfall noch mal erklärt, wie das mit dem Feminismus gemeint ist), na ja, weil DU im einführenden Pro-Seminar Semiotik machst und dich nebenher noch in diverse politische Theorien eingearbeitet hast (nicht, weil das in dem anderen Proseminar – „Einführung in das politische System der Bundesrepublik Deutschland“ – verlangt worden wäre. Vielmehr ging es darum, sich in der interdisziplinären – äh – „Lerngruppe“, Montags in der linken Studie-Kneipe, bei Diskussionen keine Blöße geben zu müssen. Ein „Sehr gut“ hast du als angenehmen Nebeneffekt für die Proseminararbeit dann doch gekriegt, was „er“ etwas schmallippig und ziemlich überheblich als „Anfängerglück“ abgetan hat. Aber für die feministische Theorie blieb dir eben keine Zeit.).

1. Frauen sind viel besser als sie denken!

Wohl niemand ist heute noch so blöd und glaubt, es gäbe „Männergehirne“ und „Frauengehirne“. Na ja, in manchen differenzfeministischen Köpfen geistert der Gedanke noch herum. Vielleicht, weil der ein oder andere blonde Jungmann findet: „Voll lesbisch, wenn Frauen einen auf intellektuell machen!“. Klar, man bzw. frau kann es positiv wenden und sagen: „Na ja, Lesben sind halt gut in Mathe und haben mehr Ahnung von Politik.“ Dumm nur, wenn ein guter Teil der lesbischen Szene-Frauen dann Literaturwissenschaft studiert hat und irgendwie was mit Kultur machen will.

Es ist ein Vorurteil! Macht euch das klar!

2. Denkfehler (I): Gut ist nie gut genug

Zurück zu der Eingangsstory: Du hast eine klasse Seminararbeit hingelegt und eine entsprechend gute Note bekommen. „Er“ bemerkt spitz, dass du einen der wichtigsten, derzeit zum Thema am meisten rezepiertesten Theoretiker überhaupt nicht beachtet hast. So profunde sind deine Kenntnisse also wohl doch nicht. Tatsächlich hatte er zufällig gerade was dazu in der „Zeit“ gelesen. Du liest die „Zeit“ nur gelegentlich. Tja, Pech! Ob aus dir noch eine gute Politikwissenschaftlerin (setze ein entsprechendes Fach für dich ein!) wird?

Mach dir klar: Der junge Doktorand, der deine Arbeit korrigiert hat, kennt sich sogar noch besser im Thema aus als „er“, der Dämlack, der in Wirklichkeit nur eifersüchtig ist und außerdem Angst hat, du brächtest ihm nicht mehr genügend „Respekt“ (als „Instanz“ auf intellektuellem Gebiet) entgegen. Es gibt aber natürlich renommierte Experten, die es noch besser wissen. Willst du keine renommierte Expertin auf einem bestimmten Fachgebiet werden, musst du auch nicht Jahre deines Lebens darauf verschwenden, wirklich alles zum Thema zu wissen.

Genau genommen ist die eigentliche intellektuelle Leistung sogar, zu wissen, wie viel Wissen man für was braucht (Willst du als Dolmetscherin für die UNO arbeiten, musst du besser Englisch können, als wenn du nur gelegentlich mal ein Tischgespräch auf Englisch führen können willst. Willst du als Programmierin arbeiten, reicht irgendwann mal „ein bisschen“ programmiert zu haben nicht. Willst du dagegen nur wissen, wie eine Webseite aufgebaut ist, ist es genug, ein bisschen in HTML hineingeschnuppert zu haben. Für ernsthafte technische Probleme musst du dich dann halt doch an jemanden wenden, der/die sich damit auskennt. Du weißt, was ich meine …?)

Warum es nicht gut ist, „ihn“ hier zu imitieren? Nun ja, vielleicht interessiert „er“ sich wirklich für das akademische Arbeiten und träumt von einer Karriere an der Uni. Allerdings ist „er“ auch eitel und verschwendet zu viel Zeit darauf, sich Wissen anzueignen, das „ihn“ als „klugen Denker“ und „belesenen Schöngeist“ ausweisen soll. Manche sind so zu Langzeitstudenten geworden und haben nach 26 Semestern ohne Zwischenprüfung (heute: Bachelor) irgendwann aufgegeben. Schade. Aber es ist nicht deine Schuld!

3. Denkfehler (II): Männer bluffen doch auch nur

Allerdings gibt es Frauen, die daraus den Schluss gezogen haben, dass es reicht, ein bisschen auf dicke Hose zu machen. Klar, sie haben „Bernd, den Profi-BWLer“ vor Augen, der sein Studium auch schon vor dem Vordiplom abgebrochen hat (nach nur 4 Semestern), dann aber als „Naturtalent“ Karriere gemacht hat, heute im Vorstand eines international operierenden Konzerns sitzt und als Experte mit mehreren Ehrendoktorwürden ständiger Gast in Talkshows ist und von einer Fachkonferenz zur nächsten jettet.

Im Zweifelsfall, denken gerade feministische Frauen oft, kann frau, wenn irgendwer sie auf dem falschen Fuß erwischt, ja immer noch behaupten: „Das ist Sexismus!“ Schmollmund „Nur, weil ich eine Frau bin!“

Nehmen wir mal Sandra*, die behauptete, mehrere Ausbildungen im kaufmännischen und sozialen Bereich absolviert und auch ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen zu haben und sich auf eine Stelle als Expertin zur Korruptionsbekämpfung für eine internationale NGO nach Nairobi beworben hatte. Vor uns wollte sie trainieren, wie sie ihr Wissen am besten verkaufen könnte. Leider konnte sie nur einen einführenden Überblick geben, der dann auch noch hinter alles zurück fiel, was man zum Thema gemeinhin so in der Tagespresse lesen kann (geschrieben vermutlich auch noch von einem Redakteur, der Vor- und Frühgeschichte studiert hat).

Sprich: manchmal ist es tatsächlich schwer, einzuschätzen, wann „gut“ „gut genug“ ist, aber frau sollte wenigstens das Gefühl haben, ihr Bestes gegeben zu haben und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben.

Warum es nicht gut ist, „ihn“ hier zu imitieren? Na ja, vielleicht hat „Bernd, der Profi-BWLer“ verschwiegen, dass sein reicher Daddy ihn nach dem Studienabbruch noch auf ein privates Elite-College in die Schweiz geschickt hat, wo man sich etwas mehr Mühe mit ihm gemacht hat als an der „normalen“ staatlichen Uni. Danach reichte es dann auch für den MBA in den Staaten, den Bernd* ebenfalls „vergessen“ hat, in seiner Vita zu erwähnen. Oder aber man liest irgendwann in der Zeitung, wie Bernd ein paar Milliarden in den Sand gesetzt hat und endgültig als Hochstapler aufgeflogen ist …

Sandra* hat den Job übrigens auch nicht gekriegt. Dafür hat sie aber dafür gesorgt, dass eine Menge anderer Frauen als inkompetent und als „Blenderinnen“ dastehen, denen man doch „nichts glauben“ muss. Hatte man(n) es nicht gewusst?

4. Falle mangelndes Selbstbewusstsein

Bertram* und Meike* hatte ich wirklich lange nicht gesehen. Und sie waren immer noch bzw. wieder ein Paar! Ganz wie in alten Zeiten! Nur verlief das Tischgespräch in der stylischen Kreuzberger Kneipe leider nicht ganz so entspannt, wie erwartet. Bertram hatte seine Karriere geschmissen – war nichts für ihn als unkonventionellen Freigeist – und machte jetzt in Kunst. Er erinnerte sich daran, dass ich doch immer so eine „Politische“ gewesen sei. Wir kamen auf den Realsozialismus zu sprechen. Irgendwie verleitete mich das dazu, das Buch „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann zu erwähnen – vielleicht, weil ich dachte, dass es Bertram interessiert, weil es Literatur ist. Ein Fehler! Bertram schaute mich listig an und stellte arrogant fest: „Franziska Linkerhand“ ist aber von Christa Wolf!“ „Nein, von Brigitte Reimann“ antwortete ich. Auch, wenn ich mich mit Literatur nicht so auskenne – DAS wusste ich ganz genau. „Nein, Christa Wolf!“ grinste Bertram, „Sorry, aber das weißt du nicht? Du verwechselst da etwas! Na ja, aber wo Literatur ja auch nicht so dein Ding ist …“. Wie im Sandkasten ging es umgefähr 10 mal so hin- und her. Bertram kam gar nicht erst auf die Idee, dass eventuell ER falschliegen könnte.

Anstatt mich vorführen zu lassen, hätte ich auch sagen können: „Du, google es doch einfach noch mal! Falls es doch die Wolf war, gebe ich dir ein Bier aus!“

5. Kompetenz sorgt für Respekt!

Tja, viele feministische Frauen denken, es sei gut, andere einfach als „Dummchen“ oder im schlimmesten Falle gar „gestört“ vorzuführen. Machen Männer doch schließlich auch. Wenn sie mit fester Stimme sprechen und nur autoritär genug auftreten, können sie – so die Rechnung, die da offenbar aufgemacht wird – bei Männern punkten, zumindest wenn sie sich an Frauen halten, von denen sie denken, dass sie leicht umzunieten sind.

Blöd, wenn frau dann wirklich falsch liegt, vorher aber alles großmäulig anderen als „Fehler“ und „Hast du falsch verstanden!“ ausgelegt hatte. Persönlich erinnere ich mich an Simone de Beauvoir, die ohne Zweifel und ganz eindeutig Gleichheitsfeministin war. Leider hatte auch SpOn- und Ex-taz-Kolumnistin Margarete Stokowski ihr Herz für die de Beauvoir entdeckt – mit dem Schönheitsfehler, dass die Stokowski Queer- also Differenzfeministin ist. Eilig wurde in der taz versichert: „Alles Übersetzungsfehler!“ Generationen von Männern und Frauen haben die de Beauvoir einfach falsch verstanden. Natürlich ist die de Beauvoir nicht falsch verstanden worden. Ich habe ihre Bücher auf Französisch gelesen und mein „Verständnis“ deckt sich mit den älteren, angeblich falschen Auslegungen.

Die Stokowski wollte nicht dumm dastehen, gilt sie doch als Vorbild für intelligente junge Frauen mit einer gewissen Bildung. Aber muss sie das denn? Die Frage ist doch, ob sie dumm dagestanden hätte, wenn sie in der taz (oder sonstwo) hätte verlauten lassen: „Ja, Simone de Beauvoir ist Gleichheitsfeministin. Aus folgenden Gründen rezipiere ich sie aber TROTZDEM: …“ Da wird’s spannend und das hätte Schneid gehabt: echte Argumente anstellte des üblichen Sandkastengeplänkels, wessen Burg schöner ist und dass die eigene Burg auf jeden Fall die schönere ist (weil die einzig übrige), wenn man die des/der anderen kaputt tritt.

6. Denkfehler (III): Sachlich, rational, zielstrebig, zupackend und intelligent ist ja sooowas von unsympathisch … bei einer Frau

In den ersten Semestern meines Studiums waren wir uns im Freundinnenkreis einig: Wir diskutieren erst mal ohne Männer (dafür hatten wir die Männer in unserem Umfeld dazu gebracht, uns als „Soli-Männer“ zu unterstützen) und ab jetzt ist Schluss mit braven „Weibchenfloskeln“ à la „Auch wenn ich es natürlich nicht GENAU weiß …“ (auch dann, WENN ich es genau weiß, z. B. das das Buch“Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann ist und nicht von Christa Wolf), „ich kann mich da IRREN, aber …“, „Vielleicht klingt es WIRR, aber …“ (auch wenn ich mir sicher sein kann, einen Sachverhalt kurz und bündig und sehr stringend dargelegt zu haben) usw. …

Später habe ich mir genau das als einleitende „Pflichtfloskeln“ WIEDER ANGEWÖHNT, weil es am feministischen Lehrstuhl als „selbstsüchtig“ und „unsympathisch“ galt, sie einfach wegzulassen. Wer sich jetzt die Augen reibt: In einem Frauenzentrum in Berlin wurde mir genau das später noch einmal bestätigt: Die Frauen fühlten sich „unterdrückt“ und machten mir klar, dass SIE genau dieses „weibliche“ Verhalten eben sehr schätzten. Dann wollten sie aber selbst die „Männchen“ sein – aaargh!!!

Wer wundert sich da eigentlich noch, wenn man/frau genau DAS Verhalten NICHT ernst nehmen kann?!

Übrigens: Als ich mir das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump angehört hatte, wurde mir an einer Stelle richtig warm ums Herz: Es ging um Jobs, darum, wie die Kandidaten der Präsidentschaftswahl gedachten, das Problem Arbeitslosigkeit in den USA anzugehen.

Trump hatte die Mauer zu Mexico. Clinton, die sich immer wieder für illegale Einwanderer stark gemacht hatte, sagte NICHT: Unsere Jobs sind nur für Latinos da und wer das doof findet, ist ein böser Rassist! Sie sagte vielmehr – ruhig und sachlich – dass sie in die Infrastruktur investieren wolle und außerdem vorhabe, Kleinunternehmer zu stärken. Ideal, angesichts der Tatsache, dass in den USA auch sehr viele College-Abolventen arbeitslos sind bzw. sich mit Aushilfsjobs durchschlagen müssen, wo die Latinos ihnen natürlich eine harte Konkurrenz sind. Clinton hatte aber nur 3, 4 kurze Sätze gebraucht, um deutlich zu machen, dass sie klare Konzepte hat und nicht auf Hetze und Stimmungsmache setzt. Wie beruhigend! Und absolut sympathisch! Fanden Millionen US-WählerInnen offenbar auch (auch wenn es letztendlich dann doch nicht gereicht hat).

7. Denkfehler (IV): Arschlochkarte rules! Männer spielen die doch auch ständig aus!

Ja, stimmt: Psychpathen kommen oft sehr weit – bis es knallt! (siehe oben: 3. Männer bluffen doch auch nur! – „Bernd, der Profi-BWLer“). Nur dass Psychopathen leider psychisch krank sind und das auch der Grund ist, warum sie keine Angst vor dem großen Knall haben – egal, wie wahrscheinlich es ist, dass er kommt. Ihnen fehlt schlicht die Fähigkeit, soweit vorauszuschauen. Deshalb landet Psychopathen auch oft im Knast, wenn auch vielleicht mit einem Umweg über die Wall Street. Will frau „ihn“ hier imitieren, muss sie sich fragen, ob sie ein solches „Happy End“ in kauf nehmen würde.

Der Italiener Niccholò Machiavelli (1469 – 1527), der als früher „Politikberater“ gelten kann, riet dazu, jedes Mittel recht sein zu lassen, sofern es dem eigenen Machtgewinn und -erhalt diene. Außerdem solle man – grob gesagt – ruhig schleimen, was das Zeug hält. Genau das tat auch Machiavelli. Als der Stern seiner Gönner verblasste, war auch Machiavellis Karriere beendet.

Trotzdem – behaupten kann man alles und hat man erst einmal seine GegnerInnen aus dem Weg geschafft, steht dem eigenen Aufstieg ja nichts mehr entgegen. Das denken heute, angesichts immer härter werdender Konkurrenzkämpfe auf dem Arbeitsmarkt viele. Auch viele Frauen.

Donald Trump scheint sie zu bestätigen. Er hat ja alles, was das Herz von Machtmenschen begehrt: Zuerst einmal: Macht, aber auch Geld, schöne Frauen, ein Luxusleben, Erfolg. Na ja – „Erfolg“: von verschiedenen Seiten hört man immer wieder, dass es damit nicht so weit her ist. Trump hatte es in die Wiege gelegt gekriegt: Mit dem finanziellen Polster und den Beziehungen des Vaters hätten eigentlich nicht viel schiefgehen können. Es ging aber dann doch schief. Trump war jedoch, wie es hieß, offensichtlich „too big to fail“. Vielleicht war das auch der Grund, warum man ihm verzieh, dass er Zulieferer und Kunden gnadenlos über den Tisch gezogen und mitunter auch in den Ruin getrieben haben soll. Ohne mit der Wimper zu zucken. So wird man Präsident. Stimmt schon. Aber warten wir’s ab, wie sich die Dinge entwickeln (siehe oben).

Die neue Gnadenlosigkeit und dass jeder hier das „Herrchen“ sein will, habe ich auch zu spüren gekriegt, meist allerdings mit dem Vorzeichen, dass irgendwer „mein Opfer“ sein wollte, um sich genau damit dann ganz groß machen zu können. U. a. hieß es, ich hätte „Ines Pohl (Anmerkung: damals Chefredakteurin der taz) vergewaltigt.“. Ich hoffe (und glaube eigentlich auch), dass Ines Pohl selbst das nicht behauptet hat. (Natürlich stimmt es nicht. Muss man das bei so einer lächerlichen Behauptung extra dazuschreiben?) Vermutlich waren es irgendwelche taz-Hipster, die Welt ist da kleiner, als man denkt. Vielleicht kam die „Anregung“ aber auch von anderer Seite, denn der Vorwurf der Vergewaltigung ging auch in der Version „Laila Phunk hat eine andere Frau vergewaltigt!“ um.

Meinten sie Meike? Meike* (Bertrams* Freundin, siehe oben: 4. Falle mangelndes Selbstbewusstsein) hatte, nachdem ich mich ihr gegenüber geoutet hatte, für sich entdeckt, selbst auch bisexuell zu sein, außerdem – so eröffnete sie mir, habe sie sich mir gegenüber immer „wie ein Mann“ gefühlt, sei also vielleicht auch „ein bisschen transsexuell“. Mir fiel es schwer, das der großen, leicht stämmigen Frau, die ich immer nur mit langen blonden Haaren und als betont femininen Typ gekannt hatte, abzunehmen. Aber mehr Körperkraft als ich hatte sie wirklich. Das demonstrierte sie mir einmal, als eine „freundschaftliche“ Begrüßungsumarmung erst dann endete, als Meike es wollte, auch wenn es sich für mich schon längst nicht mehr so freundschaftlich angefühlt hatte.

Aber das war nicht der Grund, weshalb ich ablehnte, als Meike mich eines Abends in ihr Bett einlud. Ich fand sie erotisch absolut nicht interessant und glaubte, das durch mein Verhalten auch klar zum Ausdruck gebracht zu haben. Aber was ist schon schlimm daran? Jemand spricht eine Einladung aus. Man bzw. frau lehnt ab. Am nächsten Morgen ist das Ganze dann einfach vergessen. Von beiden Seiten. Meike hat mich nämlich auch nicht vergewaltigt. Ich glaube, sie hatte das mit der Queer-Trans-Sache einfach irgendwie in den falschen Hals gekriegt. Offensichtlich hatte sie einfach ein Problem rund um den Komplex Macht-Überlegenheit-Körper, wie so viele andere Frauen in Berlin (und anderswo) auch. Dafür haben mir etliche Männer und Frauen bzw. „Transpersonen“ Vergewaltigung angedroht – meist im „Scherz“ (falls man/frau so etwas lustig findet …) und einer (den ich sogar mal für einen „netten Bekannten“ gehalten hatte) hat’s dann auch tatsächlich versucht, aber auf halber Strecke einen Rückzieher gemacht. Es war im Endeffekt also genau genommen „nur“ ein sexueller Übergriff bzw. konkret bisschen Grapschen und Tatschen, Alkohol und – soweit ich mich erinnere – ein paar Tröpfchen, die „er“ sich aber auch selbst ins Getränk geschüttet haben kann (ich erinnere mich nur, schon zu betrunken gewesen zu sein, um das genau erkannt haben zu können). Wer weiß? Da mir sonst weiter nichts passiert ist (und ich glaube, dass „man“ „ihm“ im Vorfeld auch „Mut gemacht“ hatte, da er ansonsten nicht zu Gewalt und Machotum neigte. Mir war irgendwann aufgefallen, dass er anfing, sich eingehender mit „Führungsqualitäten“ zu beschäftigen und einer Ausstrahlung als „Alpha-Tier“, die er sich antrainieren wollte. Aber auch Meike hatte früher nie Begrüßungsumarmungen zu Zangengriffen umfunktioniert, in der Einbildung, das demonstriere „Männlichkeit“)….

Trotzdem hatte ich noch eine Weile Flashbacks. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich nicht fassen konnte, wie leichtfertig Menschen glauben, sexuelle Gewalt, die Androhung sexueller Gewalt, Anspielungen und Verächtlichmachen, aber auf der anderen Seite auch recht fantasievolle Falschbezichtigungen einsetzen zu können, um an Jobs oder Beziehungen zu kommen oder auch nur, damit niemand anders daran gelangt, um „Schicksal spielen“ zu können und sich selbst groß und stark zu fühlen.

Als ich einen Kinderporno untergejubelt kriegen sollte, bin ich zur Polizei gegangen und habe da auch Hilfe erhalten. Der Link war zwar gelöscht, aber egal wie größenwahnsinnig einige offensichtlich sind: Kinderpornographie ist trotz allem eine Straftat. Genau wie Vergewaltigung. Oder auch Verleumdung. Irgendwann spitzt sich alles soweit zu, dass die Gegenseite handfeste Beweise hat (z. B. Screenshots, im Falle des Pornos) und dann … siehe oben!

8. Fazit:

Laura Dornheim hat in sofern recht, dass man es Frauen oft negativ auslegt, wenn sie mit handfesten Argumenten kommen, sachlich bleiben, statt in Krokodilstränchen ausbrechen, Strategien entwickeln, lebendig und mit Spaß bei der Sache sind, kompetent wirken und mit konkreten Erfolgen aufwarten können (ergänze die Liste mit Qualitäten aus deinem eigenen Erfahrungsbereich). Das ist das so genannte „mit zweierlei Maß Messen“ und das muss sich eigentlich keine gefallen lassen, denn es ist einfach nur frauenfeindlich und diskriminierend. Aber angesichts des ganzen Macho-und Überlegenheitskultes muss man bzw. frau muss auch klar sagen: „Schwein sein“ ist nicht das gleiche, wie „gut sein“. Und nur „gut sein“ sollte uns „gut genug“ sein … findet jedenfalls Laila Phunk.

*Namen, Umstände natürlich geändert.

 

Eine homophobe „Homo“-Partei? Das „Berliner Manifest“ und die Wahlen in MeckPom

Am Sonntag sind Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern. Befürchtungen stehen im Raum, die AfD könnte nicht nur satte Gewinne einfahren, sondern sogar als stärkste Kraft daraus hervorgehen. Nicht nur deshalb erklärt ein „Berliner Manifest“ jetzt, Minderheiten, insbesondere LGBT-Menschen, wollten nicht von den Rechtspopulisten vereinnahmt werden. LGBT-Menschen sind nicht rechts, heißt es. Nein, sie würden sich damit ja auch ins eigene Fleisch schneiden. Minderheiten erkennen einander untereinander gleich. Da gibt es den Minority-Radar, ähnlich des Gaydars, der sofort anspringt. Klare Sache, dass Flüchtlinge, Muslime, Juden, Schwarze und eben Homo- und Transsexuelle einander die besten Freunde sind und sich nichts von der Mehrheitsgesellschaft gefallen lassen. So weit so gut.

Als lustigen Scherz musste man es deshalb wohl auffassen, als Ex-taz-Chefin Ines Pohl, die selbst lesbisch lebt, neben einer AfD-Anzeige posierte, die damals in der linken Berliner Tageszeitung für Aufruhr gesorgt hatte, wie u. a. Meedia berichtete. Weniger lustig fand ich aus diesem Milieu Sprüche, wie „unwertes Leben“, „Krüppel“, als „Affe“ bezeichnet zu werden, usw., mal ganz zu schweigen von einigen tätlichen Angriffen und mehr oder weniger permanenten sexuellen Übergriffen. Als eine dicke blonde Frau an der Einkaufskasse in einem Berliner Supermarkt unvermittelt mit Email-Töpfen auf mich einschlug, habe ich nicht mehr groß überlegt, ob ich „nett“ zu der Frau sein muss, sondern ihr postwendend einen Kung-Fu-Schlag verpasst, was sie dann auch zur Besinnung gebracht hat. Reden hätte nichts genützt. Und ich war froh, dass der Supermarkt Video-überwacht war. Ansonsten wäre, wie immer, ich als Aggressorin dargestellt worden. Dicke Frauen sind ja per se „queer“, also „gut“ und unschuldig, (sogar dann, wenn sie homophob sind), so das Mantra, das ich in den letzten Jahren in Berlin immer wieder um die Ohren gehauen gekriegt habe, – und natürlich geht es Essstörungen und sich ritzen, darum, andere Frauen um jeden Preis zu dominieren und in jeder Lebenslage das „Männchen“ zu sein. Klar, du mich auch! Zufall, dass ich von ein paar Frauen aus der queeren Szene wusste, dass sie in einem früheren Leben noch keine Lesben waren. Das erklärt vielleicht, zusammen mit den oben aufgelisteten „Kriterien“ für „wahre Querness“, warum so viele Lesben homophob sind. Es geht ja um’s Image, um das personifizierte Gute. Dass die Mehrheit der queeren Frauen und Queerfeministinnen, die ihrerseits ja gern in jedem und jeder eine(n) RassistIn entdecken, auch noch blond ist, urdeutsch also, ist fast schon zynisch.

Ja, die AfD ist homophob. Wie sonst sollte man die kruden Sprüche von Leuten wie Beatrix von Storch wohl verstehen? Andererseits – wenn Statements, wie „unwertes Leben“ nicht Nationalsozialismus pur sind, was ist es denn dann? Mir jedenfalls muss niemand damit kommen, wer sich das angeblich erlauben kann und wer nicht. Immerhin hat die AfD mit Alice Weidel und Jana Schneider, über die die taz berichtete, selbst zwei prominente Lesben in ihren Reihen. Ist Weidel die knallharte Geschäftsfrau, der die Buchstaben „BWL“ geradezu auf die perfekt frisierte Stirn geschrieben sind, so entspricht Schneider zu annähernd 100% dem Klischee der linksalternativen, „gutmenschlichen“ Lesbe „ehrenhalber“, womit ich aber nicht andeuten will, dass sie nicht wirklich lesbisch ist. Ich kenne die Frau nicht und mit weiblicher Homo- und Bisexualität verhält es sich, wie mit Heterosexualität – sie ist so leicht nicht auf einen Nenner zu bringen.

Allerdings – auch wenn die AfD mit homosexuellen Mitgliedern aufwarten kann, weniger homophob wird ihre Politik davon trotzdem nicht. Dennoch haben es auch diese ganzen Queer-AktivistInnen verbockt. Zu lange wollte man jeder Frau, die irgendwie mit sich und ihrem Körper haderte, eilig eine „queere Identität“ verpassen und andere drängte man dafür um so agressiver an den Rand. Es wirkte ein bisschen wie „Empowerment“ für höhere Töchter, für Deutsche, Minderheitenrechte für die Mehrheitsgesellschaft (unter der sie ja angeblich so leiden, obwohl gerade diese Frauen am meisten von ihr profitieren). Dass dazu in der Fixierung auf bestimmte Körpertypen, auf sozialen Hierarchien und Lifestyle einer faschistoiden Auslegung Vorschub geleistet wurde und jede Diskriminierung und Diskreditierung vermeintlich mit dem Minderheitenstatus entschuldigt werden konnte, macht es nicht besser.

Wer ernsthaft etwas gegen Homophobie und Frauenhass tun will, darf nicht vor allem „feindliche“ Körper bekämpfen, Menschen, die – letztendlich läuft es ja darauf hinaus – nicht dem tradierten deutschen Frauenideal entsprechen, Frauen, die sich nicht unterjochen und beiseite drängen lassen. Das ist eine Verkehrung ins Gegenteil und wer sich dafür stark macht, muss sich dann auch nicht wundern, wenn einige Homosexuelle keinen Widerspruch mehr darin sehen, eine homophobe, rechte Partei zu wählen.

… sagt Laila Phunk, wie immer viel zu „aggressiv“, um eine gute (queere) Frau zu sein. Dann eben doch eher die „hässliche Lesbe“. Behaupten jedenfalls die „hässlichen Lesben“ . Und die können ihr nun wirklich den Buckel runterutschen ….