Die Rassismuskeule. Heute: Sahra Wagenknecht

Wagenknecht, die Rassistin. Also, jetzt haben wir mal wieder so einen Aufreger der Woche. Ein gewisser Thomas Seibert sagt im taz-Interview: „Rassismus liegt dort vor, wo Menschen nach entsprechenden Merkmalen selektiert werden: in solche, die hierhergehören, und solche, die hier nur geduldet sind und bald wieder wegsollen. Das denkt sie wirklich.“ (Interview mit Stefan Reinecke, in: die Tageszeitung vom 15. Oktober 2017). Deshalb, so Seibert, sei die Wagenknecht auch eine Rassistin, denn die Politikerin der Linkspartei hatte mehrfach Kritik an der Flüchtlingspolitik Angelas Merkels geübt.

Sorry Leute, aber ich lese so etwas vor dem Hintergrund der Minderheitenhysterie, die als Dogma in die Welt getragen hatte: Homosexuelle, erst recht Transsexuelle sind links. Egal, was die sagen und auch wenn die AfD wählen. Basta. „People of Color“ sind erst recht links und man sieht auch besser zu, dass man sich nicht deren Unmut zuzieht, denn ansonsten – wie gesagt: ist das dann halt rassistisch. „People of Color“ sind nicht nur Schwarze, nicht nur Menschen, die definitiv so aussähen, als lägen ihre Wurzeln nicht in Europa, sondern auch Spanier. Schlimmer noch: auch Polen. Sogar Deutsche, die sich eben so fühlen, dürfen sich damit identifizieren. Zur Not werden die flachsblonden Haare halt so lange coloriert bis ein Farbton erreicht ist, der mindestens so dunkelbraun ist wie mein Haar. Das dürfte mir dann ja das Maul stopfen. Aha. So, so. Einmal wieder.

In den letzten Jahren haben die Leute mir so ziemlich alles, was sich irgendwie verdrehen ließ, als „rechts“ gedeutet. Ich soll sogar Sachen gesagt haben, die ich gar nicht gesagt (und auch nicht gedacht) habe, sondern jemand anders. Aber die Leute wollten demonstrieren, dass sie diesen oder diese „jemand anders“ eben mögen. Vielleicht Götz Kubitschek? Neulich las ich in der Zeitung (ich weiß nicht mehr wo), wie ein engagierter linker Journalist ernsthaft darüber philosophierte, wie den jemand mit dem polnischen Nachnamen „Kubitschek“ rechts sein könne. Kubitschek-Frau Ellen Kositza heißt ja immerhin in Wirklichkeit Ellen Schenke. Aber muss man das hier jetzt auch so sehen, dass die sich halt so damit identifizieren, mit dem „Ausländischen“?

Ich erinnere mich noch an die entsetzten Leute, dass eine wie Alice Weidel mit ihrem „progressiven Lebensstil“ (sogar eine dunkelhäutige Partnerin ha sie ja) in der AfD sein könne. Egal, wie agressiv die Weidel auf Youtube gegen Flüchtlinge hetzte – man ließ keine Gelegenheit aus, um mit einer bunten Homestory an die bundesdeutsche Öffentlichkeit durchsickern zu lassen: Die Weidel ist auch mit einer syrischen Flüchtlingsfamilie befreundet. Die Weidel ist eine liebevolle Mutter zweier süßer Jungs, die mit zwei Müttern großwerden. Die Weidel geht in der Schweiz in den Kreisen linker Künstler und Journalisten ein- und aus. Ok.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle mal darüber aufklären, was Rassismus ist. Es ist nicht das, was Thomas Seibert dafür verkauft. Seibert meint eine flüchtlings- und zuwanderungsfeindliche Politik. Da kann man ja seiner Meinung sein, dass man so etwas moralisch nicht gut findet, aber Rassismus ist es nicht. Rassismus ist, wenn man Menschen ausgrenzt und/oder ihnen Eigenschaften zuschreibt, die man als „minderwertig“ erachtet, aufgrund äußerer, physiognomischer Merkmale, die als „fremd“ wahrgenommen werden. Also z. B. wenn jemand behauptet, Schwarze (oder auch Türken) seien nicht so intelligent. Das ist sozusagen die volle Ladung. Wenn ein Iraner sagt, Türken seien nicht so intelligent, ist das auch eine Variante von Rassismus, die zwar nicht in erster Linie auf den physiognomischen Unterschied abhebt, aber voraussetzt, Türken seien eine „fremde Rasse“ und hätten deshalb angeborene, andere Eigenschaften. Deshalb muss auch die mittlerweile salonfähige Form des latenten Rassismus, der darauf hinauswill, dass die Hautfarbe anderer Menschen, ihre physiognomischen Eigenschaften, zentral für ihre Identität seien und deshalb hervorgehoben werden müssten, Rassismus.

Ehrlich gesagt: Ich habe mir bei der Wagenknecht nie irgendwelche Fragen gestellt. Für mich war es einfach eine eher umstrittene ostdeutsche Politikerin. Ich dachte, bei der sei das mehr oder weniger so wie bei uns. Colorful Genes. Ausändische Wurzeln, aber eben Deutsche. Die Info, dass der Vater nun aus dem Iran stammt, ist ja eher jüngeren Datums. Trotzdem: der eher südländische Typ ist halt die Wagenknecht – nicht die strohblonden Queerfeministinnen, nicht meine flachsblonden ehemaligen Mitschülerinnen (obwohl, wer weiß, vielleicht haben denen die Eltern schon als 9jährige die Haare blondiert und die Haut gebleached), nicht die jetzt dunkel gefärbten Kunst- und Kultwissenschaftlerinnen, Literatinnen, Philologinnen, wer auch immer.

Wagenknecht selbst hat die Rassismuskeule übrigens zu keinem Zeitpunkt gezogen (anders als viele andere, wie man leider sagen muss!). Sie darf kritisiert werden und ich muss gestehen, dass ich auch nicht alles gut finde, was sie sagt. Aber ich finde das mit dem „Sie darf kritisiert werden“ gut. Man muss nicht ihrer Meinung sein. Man ist deshalb kein „Fascho“. Man wird deshalb nicht von aufgeklärten Deutschen gemieden, weil die sich nicht mit vermeintlich „braunem Dreck“ gemein machen wollen. Aber mit der Weidel, mit der haben sie sich durch die Hintertür gemein gemacht. Bleibt abzuwarten, bis es eine Homestory über das „polnische“ Pärchen Kubitschek/Kositza gibt und dass man die auch mal ernst nehmen müsse – haben ja sicher die eine oder andere gescheckte Ziege auf dem Hof. Immer schön bunt! So schlimm kann’s also bei denen nicht sein. Einstweilen wird die Wagenknecht dagegen die „Rassistin“ bleiben. Cheers!

… sagt Laila Phunk, die um ein Haar wirklich „Laila“ genannt worden wäre. Allerdings sollte es ausdrücklich die finnische Variante sein …

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Nochmal Rassismus. Diesmal sogar zum selbst aussuchen!

Hm. Gestern war ich beim Friseur und habe mir die Haare ganz kurz schneiden lassen. Ich habe ein paar graue Strähnen und ich gebe zu – Ich töne mir die Haare deswegen. Die Strähnen sind wieder grau. Der Ansatz, den der Friseur zu Tage befördert hat, hat die gleiche Farbe, wie – glücklicherweise! – noch der größte Teil des Deckhaares – nämlich dunkelbraun. Ich habe es mit verschiedenen Modellsträhnen beim Frisuer verglichen. Ich meine, mehrere Frauen in meinem Umfeld wollten darauf hinaus, dass ich angeblich blond bin.

Unvorsichtigerweise hatte ich mal erzählt, ich sei als kleines Kind honigblond gewesen. Ich meinte Waldhonig. Neulich habe ich mal gelesen, dass die Araber angeblich von Menschen, die braune Augen haben, sagen, sie hätten honigfarbene Augen. Meine Haare dunkelten noch ein bisschen nach, aber schwarz wurden sie, anders als meine Großmutter gehofft hatte, nie.

Als Teenager gab ich mir die volle Ladung. Ich färbte mir die Haare in einem Depri-Anfall blauschwarz. Das sah man auch, dass es gefärbt war. Obwohl ich schwarze Augenbrauen und lange schwarze Wimpern habe. Kajal brauche ich nicht. Man sah das aber eben, dass die Haare gefärbt waren. Weil ich plötzlich so eine etwas kränklich-gelbliche Gesichtsfarbe hatte. Genau so sollte es ja auch. So gehört sich das nun einmal für einen ordentlichen Dark-Wave-Punk.

Jetzt habe ich halt wieder dunkelbraune Haare. Manchmal mit grauen Strähnen. Das passt zu meinem Typ. Eine meiner Tanten sah früher ein bisschen aus wie Charlotte Gainsbourg. Andere in meiner Verwandschaft sind der Refugee-Type oder aber wirklich blond oder – der Gipfel! – sogar von Natur aus rothaarig – colorful genes! Eine typisch deutsche Familie, würde ich sagen.

Warum schreibt man so einen Scheiß? Na ja, nachdem ich geschrieben hatte, ich hätte es cool gefunden, als in den 00er Jahren dunkelhaarige Stars wie Salma Hayek und Nathalie Portman die Leinwände erobert haben, gab es Haue, also verbale Haue. So war das nicht gemeint gewesen, dass ich mich mit sowas identifizieren sollte.

Mehrere Frauen aus meiner Vergangenheit, die ich als der helle „nordische“ Typ in Erinnerung habe, haben jetzt plötzlich auch meine Haarfarbe. Die eine war vielleicht damals ein bisschen blondiert. Ein bisschen. Die rosigen Wangen sprechen Klartext, dass sie nicht wirklich dunkelbraun ist. Man erkennt es nämlich wirklich an der Hautfarbe. Guckt euch mal ein paar Grufties an, wenn ihr es nicht glaubt. Jedenfalls, damals passte bei der Kunstfrau der Teint zum wasserstoffperoxidblonden Haar, kein unnatürlich tiefes braun, wie einst bei FPÖ-Sonnyboy Jörg Haider. Obwohl Höhensonne in dem Fall vielleicht eine Option wäre.

Die andere war immer mittelblond, also naturblond, und das auch wirklich von Natur aus. Jetzt hat sie auch rosige Bäckchen, dunkelbraune Haare und einen Migratinnenjob, bei dem sie die einzige Deutsche unter lauter Migrantinnen ist. Also, falls sie noch Deutsche ist. Man weiß ja nie. Die ehemals Wasserstoffperoxid Gebleichte hatte mir nämlich mal, noch zu Studienzeiten, eröffnet, ihre Mutter sei Polin. Damals ging das ein wenig gegen mich als Linke, dass ich doch die Ausländerfreundin sei, sie als die Konservative, die sie damals noch war, aber eben ganz echt mit Migrationshintergrund. Tja, die Migranten sind nämlich gar nicht unbedingt so links. Das wusste ich sogar. Heute allerdings ist die andere links und niemand will mehr etwas davon wissen, dass es mit Migranten wie mit Deutschen ist – Sie können einfach alles Mögliche sein oder finden. Jedenfalls – meine Kommilitonin mit dem so halb polnischen Hintergrund hatte weder einen Vor- noch einen Nachname, der irgendwie polnisch geklungen hätte. Als ich sie fragte, ob sie denn Polnisch könne, musste sie dann auch passen. So arg scheint der kulturelle Konflikt sich in dieser Familie also schon einmal nicht manifestiert zu haben.

In Berlin giftete mich mal eine Frau auf einem Sprachstammtisch an. Sie hatte Sprachwissenschaften studiert und gab selbstsicher damit an, dass für sie im Deutschen Historischen Museum quasi ein Platz reserviert sei. Ich fragte nach, ich gebe zu, ein bisschen Neid war dabei. ich bin ja immerhin Historikerin und warum eine Philologin grundsätzlich bessere Chancen in einem historischen Museum haben sollte, leuchtete mir nicht auf den ersten Blick ein. Na ja, sie spreche ja sogar auch Ukrainisch, wandte die Frau ein. „Hast Du da irgendwie so einen Russlandeutschen Hintergrund?“ wollte ich wissen. „Nein, ich habe da so einen jüdischen Hintergrund!“ pampte die Frau. Weil sie so pampig war, musste ich unwillkürlich grinsen. Ich hakte nach. Genau genommen war nur der Vater Jude, aber sie wolle das jüdische Kulturgut jetzt endlich leben. Ich grinste noch breiter. Die Frage, die ich stellen wollte, musste ich dann gar nicht mehr stellen. Kleinlaut fügte die Frau hinzu: Der Vater habe entfernte jüdische Wurzeln. Also, sie wisse es nicht genau.

Kann ja sein. Aber muss man deshalb die Leute anpampen? Muss man ein Problem daraus machen? Ich sage immer, wenn ich etwas „mit Judentum“ von mir gebe dazu, dass ich KEINE Jüdin bin. Sonst fühlen die Leute sich meiner Erfahrung nach irgendwie angeschmiert. Dürfen sie jetzt pampen oder nicht?

Stimmt aber. In gewisser Weise bin auch ich schuldig. Ein paarmal habe ich damit kokettiert, dass ich selbst auch südländische Vorfahren habe. Italienische sogar. Bloß dass ich selbst so italienisch bin, wie ein Fischbrötchen mit Tomatensoße. Also nicht besonders. das habe ich dann auh immer gleich dazu gesagt. Als wir in der Schule einen Lehrer hatten, von dem alle wussten, dass er Italien-Fan war, beließ ich es auf dem Oberstufenkurstreffen, das bei mir stattfand, auch dabei, dass ich südeuropäische Wurzeln hätte. Es wäre mir sowieso als Schleimerei ausgelegt worden. Aber warum sollte man eigentlich jemanden für irgendwelche Vorfahren mögen? Für die Haarfarbe oder für die Gene? Ist das nicht? – ja richtig! – Man nennt es Rassismus.

Es ist Rassimus, wenn Menschen als klüger, attraktiver und liebenswerter gelten, weil sie der „nordische Typ“ sind. es ist Rassimus, wenn man das gleiche von leuten denken soll, weil sie NICHT der „nordische Typ“ sind. Es ist Rassimus, überhaupt nach der Haar- oder Hautfarbe zu gehen.

Im Internet hat, soweit ich das mitbekommen habe, eine Kulturwissenschaftlerin sogar versucht, sich als Mulattin darzustellen. Dann muss man ja nett sein. Man muss Stipendien und Anerkennung und gute Jobs geben. Will das wer nicht, also solchen Leuten einfach mal (wieder) den Platz gnz vorn zugestehen, dann kann man immer noch sagen, dass das aber diskriminierend ist. Der Schönheitsfehler: Die Frau ist bloß eine brünette Deutsche. Knallweiß.

Habe ich auch schon erwähnt, dass jetzt alle Frauen „queer“ sind? Sogar die, die eigentlich homophob sind. Davon, dass sie alle den „männlichen Part“ innehaben, also auch „transgender“ sind, mal ganz zu schweigen.

Ich schlug in einem Leserbrief an den Berliner Tagesspiegel einmal vor, statt Minderheitenförderung einfach den Schwerpunkt auf Antidiskriminierungsarbeit zu legen. dann kann sich jeder als „Transgender“, „queer“, meinetwegen auch als „farbig“ sehen und auch problemlos wieder umentscheiden. Sogar jeden Tag dreimal, wenn das nötig sein sollte. Wer diskriminiert wird, bekommt halt Unterstützung, wer nicht diskriminiert wird, braucht ja logischerweise keine.

Der Leserbrief wurde nicht abgedruckt. Allerdings hatte ich mitbekommen, dass die queeren Frauen einer wie mir „kein Forum“ geben wollten. dann schon eher Birgit Kelle oder Martin Lichtmesz. Der Lichtmesz (der eigentlich Semlitsch mit Nachnamen heißt) kam in Kreuzberg tatsächlich ganz gut an. Ist ja auch Ausländer. Österreicher. Da sag einer, die Leute wären nicht tolerant.

Übereifrige Journalisten, die in Punkto Minderheit nichts falsch machen wollen, fragen sich sogar, warum einer wie der Götz Kubitschek denn rechts ist – Der Name weist doch ganz eindeutig auf slawische Wurzeln hin (Als ob es keine slawischen Faschos gäbe! Also wirklich!). Das ist ja auch bei der Ellen Kositza so. Also, dem Namen nach ist das „polnische“ Element ja da. Nur dass Ellen Kositza eigentlich Ellen Schenke heißt.

Vielleicht sollte man das mit der Minderheitenpolitik noch einmal überdenken. Oder wäre das so schlimm, wenn man wirklich jeden und jede fair behandeln müsste?

Aufgespießt aus dem Berliner Kulturleben. Laila macht die taz-Wahrheit nach

In der taz-Wahrheit macht sich Michael-André Werner Gedanken über die Infiltration unserer schönen Gesellschaft durch „Die strohblonden Provokateure“ – überall AfD’ler Inkognito – quer durch alle Parteien und sogar im so oft als über Gebühr „linksgrünversifften“ Kulturbetrieb (Wer hatte jetzt noch mal das Copyright auf „linksgrünversifft“? Na, egal, so brillant ist das ja jetzt sowieso nicht …). Jedenfalls sollte jetzt die AfD sogar ganz offiziell den Kulturausschuss übernehmen. Weil sie da nicht viel falsch machen kann, habe ich irgendwo, ich glaube im „Freitag“ gelesen.

Viele Kulturschaffende schäumten dennoch – verständlicherweise, denn wer will sich schon eine ganze Legislaturperiode lang Vorschriften machen lassen von Leuten, die sich in erster Linie darum sorgen, dass der deutschen „Leitkultur“ – was auch immer darunter zu verstehen ist – die Vorrangstellung streitig gemacht und den Deutschen der ohnehin nur mit ungenügend geschwellter Brust zur Schau getragene Nationalstolz erst recht gründlich vergällt wird. Gartenzwerge, Brat- und Bockwurst mit Senf oder Ketchup und Socke an Sandale füllen keine Theaterhäuser, sind als Objets trouvés oder Ready-mades à la Duchamp nur begrenzt verwendbar und Musik kann man damit auch nicht machen. Aber was rede ich hier von dada.

Ich habe doch gar keine Ahnung! Tatsächlich erschloss sich mir nicht so ganz, worauf Werner in der taz hinauswollte. Sinn für Literatur habe ich keinen und auch nie angestrebt. Ich weiß also nicht, soll ich nun doch wieder „Neger“ sagen, wenn’s doch aber für einen guten Zweck ist ist und sogar die Linken selbst es sagen? Unter anderem die Frau, die ich flüchtig kannte, und die in die Entwicklungspolitik wollte. „Die Neger (sic!)“ seien „nun einmal dreckig!“ ließ sie, die weit gereiste, mich an ihren Erfahrungen aus der Karibik teilhaben. Zaghaft versuchte ich eine Entgegnung. In Neapel, so versuchte ich ihr klarzumachen, ist es auch okay eine Plastikflasche einfach hinter sich zu werfen, wenn man ausgetrunken hat, was man dem Straßenbild auch ansieht. Da hat es aber nichts mit der Hautfarbe zu tun, sondern mit der – ähem – „ehrenwerten Gesellschaft“ und damit, dass sich mit Müll Geld machen lässt, v. a. mit Chemieabfällen, die man irgendwo auf dem Land entsorgt und dann ahnungslosen Familien preiswerte Grundstücke fürs Eigenheim anbietet. Aber ich komme vom Thema ab.

Ich selbst sage „Schokokuss“ statt „Negerkuss“, weil ich finde, dass das besser klingt. Irgendwie sinnlicher. Auf jeden Fall schokoladiger. Aber ich finde „Negerkuss“, v. a. wenn man bereit ist, sich im Falle des Falles bei einer Person of Color zu entschuldigen, nicht ganz so schlimm. Nicht so schlimm jedenfalls wie die Behauptung alle „N-Wort“ seien angeblich „dreckig“. Letzteres ist für mich schon ganz klar eine rassistische Äußerung. Bei „Negerkuss“ dreht dafür die taz durch. Dass sie im Kampf gegen Rassismus in Sprache und Literatur diese Frau mit ihren „Erfahrungen“ aus der Karibik durch die halbe Stadt gejagt hätten, ist mir nicht dagegen bekannt. Da steig einer durch. Ist vielleicht doch alles irgendwie unterwandert. Also das Beispiel jedenfalls spricht doch dafür.

Aber wo wir schon dabei sind, Menschen vor allem nach dem zu beurteilen, was man so sehen kann, also z. B. die Hautfarbe, können wir auch gleich auf die schönen oder besser gesagt die Bildenden Künste, zurückkommen. Und damit zum Thema Identität: Darf ich mir einen Richter – Gerhard Richter! – in meinem Chalet in der Schweiz ins Wohnzimmer hängen? Zumal, wenn ich ein hübsches Sümmchen dafür hingeblättert habe? Oder entziehe ich damit dem „deutschen Volk“ identitätsstiftendes Kulturgut, wie die Süddeutsche über das 2016 verabschiedete Kulturschutzgesetz berichtet, das genau das verhindern will. Vielleicht macht so ein Gesetz aber auch v. a. Hehlern und Kuntsdieben das Leben schwer, weil nun jeder Verkauf bestimmter (teurer und alter) Kunstwerke ins Ausland erst einmal genehigt werden muss? Da setzt die „Zeit“ in ihrer Berichterstattung über das Kulturschutzgesetz den Akzent. Richter himself ist – und das berichtet wiederum Spiegel online – offenbar eher unkomplizierten und möglichst gewinnträchtigen Lösungen zugeneigt. Auch die Auktionshäuser sind nicht gerade begeistert. Wer hätte das gedacht. Die Berliner Rechtsanwältin Katharina Garbers-von Boehm sieht geradezu ein wahres „Damoklesschwert“ über Europas Kunsthandel gehängt, wie die „Morgenpost“ sie zitiert. Garbers-von Boehm ist, so erfahre ich im Internet, auf Kunst- und Restitutionsrecht spezialisiert. Da wird sie sich also wohl auskennen. Peinlich auch, dass dann doch Fälschungen im Berliner Kunstbetrieb, u. a. in der Berlinischen Galerie, gelandet sind. Die „Zeit“ hat sogar einen ganzen, spannend zu lesenden Kunstkrimi daraus gemacht.

Den Namen Garbers assoziiere ich ansonsten, wenn ich ehrlich bin, mit ein bisschen Schauspielerei, oder, sagen wir besser: der ganz großen Show, und einem saftigen Arschtritt, aber das war jemand ganz anders, an einem ganz anderen Ort und zu einer ganz anderen Zeit, nämlich noch im vorigen Jahrhundert (v. a., wenn mich meine – äh – Wahrnehmung nicht täuscht (was natürlich sein kann!), hat man mittlerweile auch die Fronten gewechselt und kümmert sich um „Krüppel“, der Junior zumindest). Was wäre wohl, wenn ich den Namen „Meyer“ mal im Internet eingebe? Unter „von Boehm“ sehe ich dann ebendort noch irgendwas mit Fernsehjournalismus und eine Stylistin. Also ganz so gängig wie „Meyer“ ist das dann wohl doch nicht, aber gängiger als, sagen wir mal: „Meyer-Rotbeissle“. Mich interessieren außerdem Raubkunst und Kunstfälschungen viel mehr als Film und Fernsehen. Die Welt der Stars ist einfach nicht mein Ding.

Eine Mitschülerin von mir hat auch Kunstgeschichte studiert. Ich bin, glaube ich, eigentlich eher Historikerin. Aber ich habe auch nur an einer Mini-Provinzuni studiert. Meine Mitschülerin dagegen in Berlin. Ich meine, Berlin! Die hat da schon einen ganz anderen Horizont. Sie und ihr Ehemann, auch ein Mitschüler von mir, wohnen in einem angesagten Szene-Kiez, der aber auch einen relativ hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund hat, sowohl Menschen mit Migrationshintergrund UND Geld und Bildung als auch Menschen mit Migrationshintergrund, die, noch U18, mit ihren Kumpels durch den U-Bahnhof Kottbusser Tor schlurfen und in voller Lautstärke „Du Penis, Alter!“ rufen, während sie einander in die Seite knuffen. „Dickaaa!“ höre ich noch und schon fährt die U-Bahn an. Der Ausgewogenheit halber sollte ich hinzufügen, dass die (biodeutsche) Jugend in Marzahn-Hellersorf vermutlich auch nicht Rilke-zitierend durch die Gegend läuft, aber ich sagte ja schon, dass ich selbst auch keine Ahnung von Literatur habe.

In so einem Multikulti-Kiez wohnen die also, dieses Pärchen, mit dem ich einst in der tiefsten Provinz zur Schule gegangen bin. Der Mann vertraute mir an, dass bei ihnen im Hauseingang öfters türkische Jugendliche rumlungern und ihn anpöbeln würden. „Warum lasst ihr euch das bieten?“ fragte ich. Allerdings wusste ich damals noch nicht, dass der Focus auf „TÜRKISCHE Jugendliche“ lag. Ich hatte verstanden, „JUGENDLICHE, die mich ANPÖBELN“. Ich war schon häufiger von Deutschen, die in solchen Kiezen wohnen, darauf angesprochen worden: „Das is aber total scheiße, wenn die Türken dir hinterherlaufen und dich ne Schlampe nennen, nur weil du’n Mini-Rock anhast!“ hatte sich eine Punkerin aus einem linken Stadtteilladen bei mir beschwert. Ich fragte mich schon ein bisschen, wieso. Ich bin ja nicht die türkische Botschafterin, also, ich bin nicht einmal Türkin. Natürlich muss sich niemand als „Schlampe!“ bezeichnen lassen – ganz gleich von wem -, aber ich dachte, das wäre sowieso klar? Eigentlich verstand ich nicht, was all diese Leute von mir wollten. Nur dass kurze Zeit später Vokabeln wie „Orientalismus!“ und „Antiziganismus!“ auf mich einprasselten. Alles Vergehen, derer ich mich angeblich schuldig gemacht hatte.

Meine ehemalige Mitschülerin zupfte sich, wenn wir uns auf einen Kaffee trafen, gern am Decolleté, also so, als müsse sie es verzweifelt mit ihrem Cardigan oder einem Halstuch bedecken. Wenn ich eine Comicfigur wäre, hätte ich eine Gedankenblase mit lauter Fragezeichen über mir schweben gehabt: „Kalt? Haben die meisten Leute nicht eher kalte Füße oder kalte Finger? Und die friert am Ausschnitt? Oder neidisch? Ich meine, soll ich es sein? Manche haben da ja wirklich etwas zu bieten. Toll! Aber gut …“ „Neidisch“ kannte ich bereits von früher. „Ich habe das Gefühl, Du willst alle Brücken hinter Dir abbrechen. Du dozierst so viel! Und – äh – außerdem haben wir das Gefühl, du bist neidisch auf uns, weil wir nach dem Abi alle ins Ausland gehen!“ hatte sie mir vor vielen Jahren eröffnet. Sie war immer frostiger geworden und ich hatte wissen wollen, warum. Neidisch war ich in der Tat. Neidisch wie Hölle, denn es war der Traum meiner Teenagerjahre gewesen, für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Trotzdem gönnte ich es ihnen. Ich wollte halt nur auch. Als ich während meiner Studienzeit einmal kurz in Berlin war und sie und einige andere traf, war immer noch Eiszeit. Zehn Jahre später war ich dann selbst auch im Ausland gewesen, hatte dort auch gearbeitet und war deshalb davon ausgegangen, dass sie mich jetzt wieder mag, weil ich ja nicht mehr neidisch bin.

Das theatrale Rumgezuppele am Decolleté hörte nicht auf. Dann fiel der Groschen. Auch, weil es plötzlich hieß, ich glotzte angeblich immer allen auf den Busen. Da es offenbar Frauenpolitik war, seit ich meinen Uni-Abschluss in der Tasche und einen Job gefunden hatte, mir so ziemlich überall hinzuglotzen und die ganz harten Dykes in Kreuzberg es sich auch nicht hatten nehmen lassen, mir zu zeigen, wer Herr im Haus ist – übersetze „Herr im Haus“ mit „starker Pascha“, „dominant“, „Wir sind eben wie Männer für sie!“ – hatte ich es den „Herrchen“ in meinem Leben zwei-, dreimal zurückgegeben. Aber diese ehemalige Mitschülerin? Konnte es sein, dass sich da jemand um jeden Preis „angemacht“ fühlen wollte? Wie sollte ich der Frau freundlich beibringen: „Hör mal, du wärst wirklich die letzte. Ich meine, guck mal in den Spiegel! So klasse siehst du nicht aus, dass Männer wie Frauen auf der Stelle den Verstand verlieren, wenn sie dich sehen, und jedwede Art von zivilisatorischem Verhalten über Bord werfen!“ Ehrlich gesagt, fand ich die ziemlich korpulente, weizenblonde Frau sogar total unattraktiv. Ihr Ehemann, ein ganz ähnlicher Typ, sieht das anders. Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Nur scheinen ausgerechnet solche Leute Schwierigkeiten damit zu haben, das zu akzeptieren. Streng genommen, also nach allem, was ich zum Beispiel nach ein paar Besuchen auf der Webseite von „Missy Magazine“ weiß, ist deshalb ja eigentlich sogar SIE die Lesbe. Wegen solcher Sachen bin ich offiziell auch so homophob.

Zu Teenagerzeiten war das ähnlich turbulent. Eines Tages lief eine andere Schulfreundin von mir mit Eis und lauter Süßigkeiten bei mir auf. Ich fragte mich, was mir die Ehre verschaffte, aber darauf hatte sie offenbar auch gewartet. Genauer gesagt konnte sie es kaum erwarten: „Zwischen J. und mir hat es am Wochenende als du nicht da warst gefunkt!“ Sie zählte mir auf, was sie alles gemacht hatten, und wie weit sie dann doch nicht „gegangen“ seien, denn sie war nicht „so eine“. Bei ihr meinte er es ernst. Das Problem daran war, dass leider ich „so eine“ war. Wir kannten J. aus der Disco und ich hatte seit geraumer Zeit etwas mit ihm am Laufen, was alle wussten. Ich warf die Freundin nicht direkt raus, nahm aber dennoch mit Genugtuung zur Kenntnis, dass er es leider doch nicht „ernst“ mit ihr meinte. Im Kreise meiner Freundinnen war ich daraufhin eine Weile nicht erwünscht. Dafür lästerte die eine gern mit der anderen in meinem Rücken: „Ich glaube, J. hat AIDS!“, „Nee, ich glaube, der hat Krebs, das habe ICH zumindest gehört.“, „Also, hat der jetzt Krebs oder AIDS?“

Dafür klebte ich schnell einem anderen jungen Mann an den Hacken, wenn auch ohne es zu wissen. Meine Perspektive war, dass ich mich ein paar Mal in der Pause mit M., den ich so ganz nett fand, unterhalten hatte. Ich kannte ihn aber nicht näher und hatte auch nicht vor, daran etwas zu ändern, u. a. weil ich den älteren Bruder von M., der auch auf unsere Schule gegangen war, als nicht ganz so nett in Erinnerung hatte. Meine Mitschülerin – die mit dem Decolleté – hatte da eine ganz andere Wahrnehmung. „Laila ist total hinter M. her!“ Sie sprach jeden Buchstaben des Namens einzeln aus, als bereite ihr das einen besonderen Genuss, aber das kann ich hier aus Gründen des Datenschutzes nicht ausschreiben. Es ergab sich so, dass er fortan von meinen Freundinnen oder besser gesagt, nicht-mehr-Freundinnen umringt war. Ich ließ das auf sich beruhen, denn die kluge Strategin weiß – sind sie an ihm dran, kommen sie nicht darauf, an wem du wirklich Interesse hast …

Deshalb war ich auch nicht so erfreut, als M. plötzlich an meiner mehrere hundert Kilometer entfernten Uni auftauchte, als ich im dritten Semester war. Zwar hatte ich bereits Brüderchen gesichtet, doch der hatte mich nur angeglotzt als sei ich eine Erscheinung und sich dann ein „Hi!“ abgerungen, was ich erwiderte. Mehr hatte ich mit dem nicht zu tun. M. hatte vermutlich, angestachelt durch meine nicht-mehr-Freundinnen, den Eindruck, auf eine liebestolle Hyäne zu treffen, die sich nur geschickt verstellt, wie ein Undercover-Agent des CIA, der auch für den KGB unterwegs ist, und beiden vormacht, ein deutscher Alt-Nazi zu sein. Dennoch fragte ich mich: „Was lungert der BEI DEN KUNSTHISTORIKERN rum? Der macht doch was ganz anderes. Sollte er da nicht besser im D-Gebäude sein?“ Da war er mir jedenfalls lieber als in der Nähe eines Haufens klatschsüchtiger Neurotiker (Die später jedesmal, wenn sie an mir vorbeikamen, glotzten, als würde da ein ganzer Zoo zu ihrer Belustigung aufgefahren: Die andere „Lesbe“ (die gar keine gewesen ist, aber das wissen sie wahrscheinlich mittlerweile), der Punk mit dem knallbunten Iro, ein Haufen langhaariger Männer und ein paar kurzhaarige Frauen , …). Zur Rede gestellt lieferte M. (der aus kunsthistorischer Perspektive akzeptabel ist oder es damals zumindest war) auch die Erklärung für die langhaarige Blondine gleich mehr als bereitwillig und mit einem fetten Grinsen mit: „Eine Freundin von mir und meinem Bruder.“ Ich sah ihn ein paar Tage später noch einmal – grinsend – und dann nie wieder. Vor ein paar Jahren las ich aber von ihm in der Zeitung (Diese Armada an bizarren Leuten, die ich am Hals habe, kann jetzt mal haarscharf nachdenken, wer es sein könnte. Vielleicht hat er die dann am Hals und ich habe meine Ruhe. Geschähe ihm vielleicht ganz recht. Vielleicht gebe ich bei Gelegenheit noch ein paar Tipps und es gäbe da evtl. auch noch ein paar andere, …)

„Teatrum mundi!“ – Das wusste man schon im Barock, dass die Welt einfach nur ein großes Theater ist, in dem die Eitelkeiten der Welt zur Schau gestellt werden. Daher halte ich mich fern von Institutionen, wie z. B. dem „antisexistischen Infoladen“, einer der Berliner Orte, wo man es genau nimmt mit Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit. Da war ich einmal auf einer Veranstaltung und ich begegnete einigen der Frauen, die auch auf der Veranstaltung gewesen waren, dann noch ein paar Mal „zufällig“. Auch, wenn ich sagen muss, dass da in Punkto „Empowerment“ offenbar noch so einiges brachliegt, da sie jedesmal weghoppelten wie aufgescheuchte Kaninchen, sobald sie gesehen hatten, dass ich begriffen hatte, dass ich nicht ganz unbeobachtet geblieben war mit irgendeiner Bekannten auf irgendeiner Bank am Straßenrand zum Beispiel. Hätten diese Frauen mir nicht als knallharte „Dykes“ mit einer martialischen Härte entgegentreten müssen, um mir die Meinung zu geigen für etwas, das ich ihnen gar nicht angetan hatte? Aber auch dort, also im „antisexistischen Infoladen“ oder seinem Umfeld (jedenfalls auf dieser Veranstaltung, wo ich mal war) gibt es eine Psychologin. Vermutlich kennt sie ihren Bandura und weiß: steter Tropfen höhlt den Stein, wenn man es den Leuten nur immer wieder einbimst, kann man alles von ihnen haben – „Bestärkung“ positiv/negativ – je nachdem – und „Selbstwirksamkeit“ oder eben nicht, um hier mal mit ein bisschen Fachvokabular zu protzen. Mich wundert nur, dass ausgerechnet diese Linken anscheinend auf Behaviorismus stehen … (Außerdem haben sie offenbar ein bestimmtes Buch über Sozialpsychologie gelesen und versuchen jetzt, zu testen, ob das klappt, was da steht)

So gesehen muss es bei dieser Variante von Feminismus, wie ich ja bereits andeutete, ein bisschen (gelegentlich auch ein bisschen mehr) Frauenfeindlichkeit sein, damit die eine Sorte Frau sich nicht ZU wohl in ihrem Körper fühlt (die, denen es nicht zusteht. Leider gehöre offenbar ich dazu) und die andere Sorte Frau (die, die „MAN hier mag“, wobei „man“ linksradikal, Junge Welt, taz und Russia Today, aber auch AfD und gutbürgerlich sein kann) sich ihr Selbstbewusstsein stärken kann. Nicht mein Ding.

Ich halte mich aber auch von Charlottenburger Galerien fern oder von so obskuren Einrichtungen wie z. B. „Art-Stalker“ in Charlottenburg. Dann doch lieber Kunst RAUBEN als andere Leute STALKEN, finde ich, ganz gleich, ob es nun für den Feminismus ist oder um die Schönheit dieser Welt zu zelebrieren, indem man anderen Leuten im öffentlichen Raum zusetzt. Dennoch – es hieß „Die Leute mobben nun einmal gern!“ und daher darf man annehmen, dass letzteres, wie bereits bemerkt, ohnehin das liebste Hobby der Berliner Frauenwelt (und nicht nur der) ist, zumindest der adipösen, sehr großen und nicht mehr ganz so jungen, aber dafür eben nicht nur der linken, sondern auch der rechten und der ganz rechten Frauenwelt (Irgendso ein Edel-Nazi trug’nen – leicht hängenden – BH unter dem Fred-Perry-Hemd, das konnte ich nicht einordnen, da war ich total verwirrt, ob’s nun Männlein oder Weiblein ist). Ouff, das war jetzt sperrig! Die nicht mehr ganz so Jungen beiderlei Geschlechts (halten wir das hier mal offen!) humpeln, um ein bisschen Abwechslung in die Sache zu bringen, auch gern fünfmal an der Bushaltestelle an einem vorbei, um dann beim sechsten Mal ZEIGEN zu können, dass sie doch ganz normal, sogar noch richtig jung-dynamisch gehen können.

Alles nur geschauspielert. Yvonne Falckner aus Berlin ist sogar Schauspielerin UND Krankenschwester. Und macht sog. „CareSlams“, um der Pflege eine Stimme zu geben, wie es heißt. Behinderte wollen sich und ihre Körper zeigen, so ist wohl das Motto. Die Frage ist, ob es so sehr sein muss, dass andere deshalb ihren Alltag kaum noch aufrecht erhalten können. Ich meine, Sie würden nicht einmal bei Cara Delevingne wollen, dass sie Ihnen ständig an den Hacken klebt, also: Cara Delevingne vor dem Regal, wenn Sie gerade Waschpulver kaufen wollen – Erst einmal gucken Sie sich bitte Cara an! -, Cara Delevingne, wenn Sie gerade überlegen, ob sie sich ein Eis holen sollen – Erst einmal rufen Sie sich bitte noch einmal Cara ins Gedächtnis! -, Cara Delevingne, wenn Sie an der Bushaltestelle warten – nicht, dass Sie Cara vergessen! -, wenn Sie auf dem Weg zu Freunden sind – Vielleicht sollte es besser niemanden geben, der für Sie wichtiger als Cara ist, denken Sie doch bitte daran! -, wenn Sie sich mit der Frau vom Kiosk unterhalten, Cara Delevingne, wenn sie einkaufen, in der Bücherei Bücher ausleihen oder sich nach dem Schienenersatzverkehr für die U-bahn erkundigen wollen. Es ist so, dass man nicht Cara Delevingne nicht mag. Man mag sie einfach nicht ständig an einem dran kleben haben!

Über diesen CareSlam hat darüber v. a. die etwas zwielichtige „Epoch Times“ berichtet, aber dahin möchte ich jetzt nicht verlinken. Nach meinen oben beschriebenen Erfahrungen hielte ich es nicht einmal für unmöglich, dass sich sogar Leute in den Rolli setzen, die körperlich total fit sind, nur um mal zu sehen, ob andere ihnen das abnehmen, wie gut die Performance so ist. Irgendwie geht es ja immer darum, anderen etwas „vorzugaukeln“ und sie in jede beliebige Richtung zu manipulieren (zB, wenn nur noch die Dicken und die Rechten in der Nähe sind und alle anderen einen „abblitzen“ lassen, dann wird man doch wohl lernen, die Dicken und die Rechten zu lieben – egal, wie widerlich sie sind und wie widerlich man sie findet – und den anderen bitteschön immer schön das Selbstwertgefühl und die linke Politik zu überlassen, aber das ist jetzt wieder Sozialpsychologie, siehe oben. Außerdem passt es besser zu den queeren Frauen, die halt alle körperlich „Abweichenden“, auch die „Krüppel“, in ihr Herz schließen wollten. Offenbar lastet das letztere aber nicht aus.). Eventuell gibt es dafür sogar eigene Agenturen. Ich googele das mal: Irgendwo eine Agentur, bei der man Elvis-Doubles mieten kann, eine Künsteragentur Ute Nicolai, die jede Menge großer Namen unter Vertrag zu haben scheint – offenbar etwas seriöser! – dann sowas wie „Crush agency“ oder „Velvet“, Anke Balzer, Neidig, … Vielleicht bin ich eher beim Karnevalsbedarf richtig, mit meinem Anliegen. So kommt mir das jedenfalls vor. Immerhin habe ich mich mal um einen Job beworben in einem Laden für den protestantischen Narren beworben. Habe ich aber nicht gekriegt. Dafür weiß ich jetzt, dass es sogar im Herzen Preußens einen Karnevalsbedarf gibt.

Nun habe ich diesen ganzen Stuss geschrieben, nur um der taz-Wahrheit Konkurrenz zu machen. Das wird’s wohl sein. Und es ist nicht einmal geglückt. Buhuuu ….

Wenn im Regenbogen eine Farbe dominiert – Minderheitenpolitik von rechts

She’s so stunning! Is she? Ist Alice Weidel mit ihrer Regenbogenfamilie eigentlich ganz ok oder ist sie nur ein Symptom, eine Masche der neuen Rechten, an der auch das Queer- und Critical Whiteness-Lager nicht ganz unschuldig ist?

„Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK“ – Das ist Stuss, schon auf den ersten Blick klar als solcher erkennbar. In die Tasten gehauen hat es offenbar AfD-Shotting-Star Alice Weidel – Eine E-Mail von 2013, die plötzlich aus der Versenkung aufgetaucht ist und so absurd erscheint, dass man es eigentlich kaum glauben kann und sich fragt, welche Finte jetzt schon wieder dahintersteckt. Ernsthaft dagegen angegangen ist Weidel jedenfalls nicht. Und die AfD wurde belohnt. Ihr werden jetzt 12% für die Bundestagswahl prognostiziert.

Der neurotische Wahlkampf – ein Mix aus rassistischen Ausfällen, abstrusen Unterstellungen und „Seht her! Wir sind gar nicht so!“ – scheint sich auszuzahlen. Warum?

Minderheitenpolitik – wer hat das Abo drauf?

Ein bisschen ist wohl auch die Gegenseite schuld, ein Minderheitendiskurs, der dermaßen aggressiv ist, dass man sich beinahe fragt, ob es Absicht ist, ob den Rechtspopulisten damit in die Hände gespielt werden soll. Da geht es um Essen, dass man nicht essen darf, weil es „nicht-weißes“ Kulturgut ist, um Kreuze, um die Burka, um den Holocaust – Wer hat jetzt das Abo auf Israel? Und: Ist es bei George Soros Antisemitismus, obwohl der Netanjahu den doch auch nicht leiden kann, usw.. Es geht um Menschen, die man in jedem Fall „positiv wahrzunehmen“ hat – „positive Diskriminierung“ eben – und solche, denen es eine Lehre sein soll, denen man es jetzt mal „zurückgeben“ will. Schon klar, dass alle, die diese Politik vertreten, selbst „Minderheit“ sind. Sonst würde das ja keinen Spaß machen – im Zweifelsfall ist es eben der schlesische Opa, das „polnische Erbe“, das nicht gelebt werden kann. Die Diskussionen um das Buch „Beißreflexe“ haben deutlich werden lassen, dass man – nein „mensch“ sogar extrem homophil sein kann, wenn mensch was gegen Homosexuelle hat, oder die „Ehe für alle“ gar nicht mal so toll findet.

Hysterie von rechts oder knallhart kalkuliert?

Dabei kam auch das Überzogene, Hysterische, manchmal fast Psychotische zum Tragen, mit dem aber auch die AfD Wahlkampf macht. „Herzlichen Glückwunsch, Alice Weidel!“ könnte man sagen: „nicht nur homosexuell – die Partnerin auch „woman fo color“! Alles richtig gemacht! Der Lebensstil des 21. Jahrhunderts!“ Schulterklopf! OMG – She’s so stunning! Dann die Haushaltshilfe – eine Asylbewerberin aus Syrien, die Weidel schwarz beschäftigt haben soll. Falls die AfD-Politikerin damit vorgeführt werden sollte, war das wohl ein seltsam schwacher Versuch: Putzfrauen kriegen ihren Lohn meistens cash auf die Kralle, der, den Weidel gezahlt haben soll, scheint darüber hinaus fair gewesen zu sein. Als Aufreger reicht das wohl nicht. Aber nein, Weidel, so wird jetzt behauptet, habe die Frau auch gar nicht schwarz beschäftigt. Sie sei mit ihr befreundet. Ganz toll, Alice! Nochmal Schulterklopf!

Ist das jetzt wie Mathe? Das rechtsextreme Geschwalle aus der E-Mail aufgerechnet mit dem ganzen Positiven, dass die Frau doch auch „geleistet“ hat, wenn man es jetzt mal so nennen will, macht dann: insgesamt schon ganz ok?

rechte Minderheiten, linke Minderheiten

Nein, danke! Ich habe mir hier die Finger wundgetippt, um zu erklären, warum Minderheiten manchmal rechts sein können. Ich habe versucht, den Linken gegen rechte Aggressionen à la „Mein Freund der Ausländer hat was gegen dich, also bist doch wohl du rassistisch und nicht wir!“ ein paar Tools an die Hand zu geben. Ich habe von rechten Juden berichtet – den „Breitbart“-Typen, von denen viele außerdem noch homosexuell sind – also ja sogar doppelt diskriminiert!, habe erklärt, dass es rechtes Gedankengut überall auf der Welt gibt, dass der italienische Faschismus sogar (weitestgehend, also im Kern) OHNE Antisemitismus und Rassismus auskam und dass es TROTZDEM Faschismus war. Ich habe geschrieben, dass es auch unter den Minderheiten Ego-Shooter gibt, denen es egal ist, ob jemand anders zusammengeschlagen wird, z. B. wegen der Hautfarbe, die man selbst auch hat – so lange es nur einen selbst nicht trifft -, dass es Menschen gibt, die Homophobie, Rassismus und Antisemitismus tapfer ignorieren, weil sie Diskriminierung gegen die jeweils ANDERE Minderheit gut finden, für mehr Wirtschaftsliberalismus und weniger Demokratie und so weiter sind oder Leute, die ganz einfach einen an der Waffel haben. Sorry, die gibt’s auch und die gibt’s auch überall und in jedem sozialen Milieu, in jeder sozialen Gruppe.

Eigentlich geht es nur noch um Abgrenzung und um Haarspaltereien. Die Muslimen, die nichts für die Burka übrig haben, damit leben können, dass es Homosexuelle gibt kommen ebenso zu kurz, wie linke Juden – George Soros, Bernie Sanders – Hallo! Weiß jemand, das Bernie Sanders auch Jude ist? Einer von gar nicht mal so wenigen, die die angebliche „Schutzmacht der Juden“ AfD zum Kotzen finden. Habe ich gesagt, dass ich im Internet mehrfach auf (englischsprachige) Stimmen aus Israel getroffen bin, die mit „Breitbart“ nichts anfangen können? Kann sich noch jemand vorstellen, dass Minderheiten mehr sind, als nur Identifikationsfiguren, mit denen sich Politik machen lässt – bei den Rechten wie bei den Linken? Dass es nicht phobisch ist, wenn man irgendwen „of Color“, einen Juden, einen Schwulen nicht mag oder der einen nicht mag oder beides? Warum gibt es diese Sehnsucht nach Normalität nicht mehr? Warum die Gier, zu spalten, Gräben auszuheben, Mauern gegeneinander aufzubauen und auszugrenzen – Ja, auch bei den Linken?

Ambivalenzen aushalten unmöglich?

Einer wie Bernie Sanders lässt sich nicht für Wirtschaftsliberalismus und eine elitäre, an den Bedürfnissen einer bildungsbürgerlichen Oberschicht orientierte Politik vereinnahmen (und er ist trotzdem nicht gegen Einwanderung!), einer wie George Soros lässt sich nicht gegen Palästinenser oder Muslime in Stellung bringen (und er ist trotzdem nicht weniger Jude als Benjamin Netanjahu, er ist trotzdem Geschäftsmann, er ist auch einer, der die linksliberalen ideen von Karl Popper unter’s Volk bringen will). Beide Männer – Sanders und Soros – darf man sogar kritisieren. Cem Özdemir von den Grünen ist und war schon immer sowohl Deutscher als auch Türke – kein Krampf, kein „Er ist ja Deutscher!“ auf Teufel komm raus – obwohl alle wissen, dass er auch Türke ist -, kein „Er ist Türke!“ auf Teufel komm raus – obwohl alle wissen, dass er auch Deutscher ist. Warum fällt es so schwer, Ambivalenzen auszuhalten?

aversiver Rassismus

In der Psychologie gibt es die Theorie des „aversiven Rassismus“. Damit ist kein besonders schlimmer Rassismus gemeint. Es geht eher um Leute, die eigentlich alles richtig machen und – wenn man sie fragt – beteuern würden, doch NIEMALS rassistische, antisemitische oder homophobe Gedanken zu haben. Sie haben sie aber doch.

Nun will ich hier nicht in die Kerbe der „critical Whiteness“ hauen, deren Vertreter überall „latenten Rassismus“ wittern, also getreu dem Motto „Du hast gesagt, dass du lieber weiße Schokolade als Vollmilch oder Zartbitter isst! Damit hast du ja schon zum Ausdruck gebracht, dass du etwas gegen Schwarze und People of Color hast!“

erst mal nicht die Sau rauslassen, sondern noch mal drüber nachdenken

Genau das meine ich NICHT. Genau das ist es nämlich, was der AfD hilft. Ich denke, dass so ziemlich jeder irgendwo Vorurteile hat oder zumindest gewisse vorgefertigte Ansichten über Menschen, die man nicht kennt – die einen bloß stärker, die anderen weniger ausgeprägt, für die einen – und das ist der springende Punkt! – muss das Vorurteil der Dreh- und Angelpunkt jeder Politik sein, die Energie, aus der sich alles politische Handeln speist – wohingegen andere  sich schämen würden, mit rassistischen, anitsemitischen und/oder homophoben Vorurteilen offen hausieren zu gehen (obwohl sie vielleicht selbst auch „aversive“ rassistische, antisemitische und/oder homophobe Tendenzen haben) und ohne großes Wenn und Aber bereit sind, ihre Annahmen über andere Menschen, Menschen, die exotisch und fremd erscheinen – Minderheiten! (oder eben bloß Menschen, die man nicht kennt, mit denen man noch nicht zu tun hatte) – noch einmal zu überdenken, sie aus der Schublade, in die sie sie gesteckt hatten, wieder herauszuholen.

Genau darauf kommt es an. Anstatt Menschen aber darin zu bestärken, aufeinander zuzugehen, bestärkt man sie eher in ihren Vorurteilen und Ängsten – die Burka zum Beispiel oder soziale Ängste, die mit der Globalisierung und Migration unweigerlich einhergehen.

antrainierte Phobien statt Antidiskriminierungsarbeit

In der Psychologie – soweit ich das hier als Laie referieren kann – spricht man u. a. von „Kontrollsystemen“ – also z. B. dass man einfach für sich beschließt, dass man lieber offen sein möchte, als jemanden schon im Vorfeld zu verurteilen, dass man auf Vorurteile nichts geben möchte, selbst wenn sich hier und da mal eines bestätigen sollte -, die vollkommen überlastet werden – bis zum Anschlag ausgereizt.

Ich kenne das selbst. ich hatte es  u. a. mit einer ganzen Armada adipöser Frauen zu tun, die mir ständig auflauerten, mich belästigten und hänselten. Es ging um ihr Selbstbewusstsein – „Fat Empowerment!“, „Sex positive!“, außerdem waren die Frauen angeblich eigentlich „Männer“ bzw. „Transgender“, die in mir das „Frauchen“ sahen und die ich nun in ihrer Rolle zu bestärken hatte. Ansonsten ist es halt transphob! So sahen das die Linken und die Feministinnen. Was ich vermutete, nämlich dass die Frauen homophob und vielleicht auch ganz generell rechts sind, hat sich jetzt – zumindest für einen Teil – bestätigt. Und das schlägt nun wirklich dem Fass den Boden aus, dass man Menschen auch dann noch als „links“ wahrzunehmen hat, wenn sie eigentlich rechts sind und noch nicht einmal einen Hehl daraus machen.

Genau das ist mit „Ausreizung der Kontrollsysteme“ gemeint – einfach so lange sticheln, höhnen und nerven, bis das Gegenüber es satt hat. Ich habe nämlich nie etwas gegen Dicke gehabt. ich hätte den Frauen gern gegönnt, abzunehmen oder auch, nicht abzunehmen und sich trotzdem wohl in ihrem Körper zu fühlen. Ich wollte nur nicht gemobbt, belauertk, gehänselt und vorgeführt werden. Eigentlich sind das ja auch zwei Paar Stiefel, aber gerade INDEM man bei den Linken immer wieder darauf herumritt, dass dem nicht so ist, dass ich halt homo- und transphob sei, ein Mensch, mit dem mensch sich besser nicht abgibt, den mensch schneidet, dem mensch – Zitat! – „gar nicht erst ein Forum geben“ sollte, gerade dadurch reagiere ich jetzt richtig phobisch auf dicke Menschen. und genau so war das ja wohl auch gedacht und genau dasselbe wollte man mit mir auch anhand anderer „Minderheiten“ – insbesondere Homosexuelle und Schwarze (ich hatte mich während des Studiums 10 Jahr in einer multikulturellen Initiative engagiert, dummerweise hoben an der Uni aber auch die „It-Girls“ der Frauen- und Genderforschung Anspruch darauf, obwohl die Frauen sich selbst NICHT ehrenamtlich engagiert hatten).

Genau das macht man vielleicht auch gerade mit unserer Gesellschaft. Dabei wäre so vieles leichter, würde endlich ein Knoten platzen, wenn wir es wieder einfach nur mit Menschen zu tun haben könnten!

Das A-Wort. Oder: Die Hilflosigkeit des neuen Deutschlands

Antisemitismus! Was ist eigentlich antisemitisch? Nur richtig brutale Holocaustleugnerei? Israelkritik? Israel am liebsten von der Landkarte gefegt haben wollen? „Du Jude!“-sagen? Wenn man „Breitbart“ doof findet? Und wenn es Juden gibt, die das aber genauso sehen wie man selbst?

Deutschland hat ein Problem – den Holocaust. Na ja, ist natürlich wirklich ein furchtbares Kapitel der deutschen Geschichte – den schlimmsten Genozid auf Erden begangen zu haben … Manche Leute wünschen sich insgeheim oder ganz offen, mit der herzlichen Aufnahme der Flüchtlinge aus Syrien solle der Holocaust jetzt endlich abgegolten sein. Andere – fast immer vom rechten Rand – jammern, dass es mit dem elenden „Schuldkult“ doch endlich einmal ein Ende haben müsse. Wieder andere identifizieren sich mit dem Judentum und Israel und zücken das A-Wort als Waffe gegen die lieben Landsleute. Wenn’s ganz hart kommt, sind angeblich sogar die Juden selbst die eigentlichen Antisemiten. Oder die Geschichte wird einmal um 180 Grad gedreht und es sind plötzlich die „Zionisten“, die sich in Israel – so wird behauptet – „wie die Nazis“ aufführen – den Palästinensern gegenüber.

Die Flüchtlinge machen es nicht leichter, denn gerade wegen des Nahostkonfliktes ist Antisemitismus im arabischen Raum verbreitet. Wohlmeinende Versuche, zu erklären, Antisemitismus gehe gar nicht so sehr von Ausländern aus, sondern meistens eben doch von Deutschen, sind wenig hilfreich, denn einerseits stimmt es natürlich: Antisemitismus darf man jetzt wieder – bilden sich zumindest manche Leute ein, andererseits – es sind eben doch auch Ausländer. Gerade das greift begierig die AfD auf, wie u. a. die „Zeit“ berichtete und die Rechtspopulisten können sogar einige Juden in ihren eigenen Reihen verzeichnen, z. B. Wolfgang Fuhl, dem der Deutschlandfunk ein längeres Portrait gewidmet hat. In der gewohnten ungenierten Frechheit tanzt die AfD der erschütterten Öffentlichkeit auf der Nase herum, denn ihre diversen antisemitischen Ausfälle und auch einige Aussagen, die sich hart am Rande der Holocaustleugnerei bewegen, kann sie sich ja erlauben, denn es gibt ja Juden, die kein Problem damit haben, oder etwa nicht?

Oder ist es vielleicht so, dass immer der Holocaust herhalten muss, ein abscheuliches Stück Vergangenheit, dass die Deutschen sich gegenseitig um die Ohren hauen? Allen, die sich einbilden, Juden, Homosexuelle, queere Menschen und Muslime gehörten irgendwie zusammen – nach links, als Minderheit, als Holocaustopfer oder zumindest als Nicht-Betroffene von etwaiger Schuld – sei gesagt, dass das nicht funktioniert. Klar, sind homosexuelle Männer im Zuge des Holocaustes ebenfalls grauenvoll verfolgt und ermordet worden und es ist mehr als selbstverständlich, dass auch sie einbezogen werden in die Erinnerung und Aufarbeitung des furchtbaren Genozids. Allerdings steht das auch Roma und Sinti, Kommunisten, Sozialisten, Zeugen Jehovas, Alkoholikern, Asozialen, psychisch Kranken, Behinderten, sog. „Erbkranken“ (schon eine Rückgratverkrümmung reichte u. U. aus), usw. zu.

Dann wieder ist es kompliziert. Lesben steht die Einreihung in die Opferliste schon nicht mehr so ohne Weiteres zu: Irma Grese, die „Bestie von Ausschwitz“, die sich darin gefiel, KZ-Insassinnen sexuell, körperlich und psychisch zu misshandeln, war lesbisch. Aber, unter dem schwarzen Winkel für „asozial“ wurden, wie u. a. Ulrike Janz in dem von Michael Schwartz 2014 herausgegebenen Sammelband „Homosexuelle im Nationalsozialismus“ festgehalten hat, auch Frauen eingeliefert, für die als Inhaftierungsgrund tatsächlich (wenn auch wohl zusätzlich) „homosexuell“ angegeben wurde – Frauen aus armen Verhältnissen, einige Prostituierte, Frauen, die als irgendwie „merkwürdig“ erachtet wurden. Das Gleiche könnte man von Alkoholikern, psychisch Kranken, Behinderten und „Erbkranken“ sagen: stammten sie aus politisch wohlgelittenen Verhältnissen oder waren sie selbst in der NSDAP aktiv, konnten sie durchaus als „gesund“ durchgehen und reihten sich damit automatisch in die Reihe der Täter ein. Bürgte nichts und niemand für sie oder waren sie aus anderen Gründen lästig, konnte das schnell ihr Todesurteil sein.

Aber ist es nicht auch irgendwie etwas überzogen, wenn Menschen HEUTE, deren Eltern oder Großeltern eben sehr wohl „mitgemacht“ haben oder sogar mehr, sich selbstgefällig zurücklehnen und das Judentum eifersüchtig für sich (und bitte auch für niemanden anders!) reklamieren oder sogar anderen Deutschen mit der Auschwitz-Keule drohen? Ist das nicht irgendwie auch eine Form von Holocaustrelativierung?

Und dann sind da eben noch die rechten Juden – das amerikanische Internetportal „Breitbart“, das der rechtsextremen „Alt-Right“-Bewegung angehört, ist ja auch ausgesprochen philosemitsch. Kunststück – Andrew Breitbart, der Gründer, war Jude.

Nein, auch hier kann sich aber niemand zurücklehnen und den „Siehste! Die selber sind ja auch so!“-Zeigefinger erheben. Klar, auch in den frühen 1930er Jahren gab es Juden, die das „ganz vernünftig“ fanden, was der Hitler da vorhatte. Es waren deutschnationale Juden, rechte Juden eben, die hofften, der Antisemitismus (der im Übrigen auch in anderen Kreisen der Gesellschaft vertreten war, nur eben nicht so rabiat) sei eine „Kinderkrankheit“ und würde sich „schon noch auswachsen“. Den Rest des NSDAP-Parteiprogrammes fanden sie aber gut. Die Geschichte belehrte sie auf grausame Weise eines Besseren.

Aber mal ehrlich – das konnten die Leute wirklich nicht wissen und kann man von Minderheiten verlangen, dass sie moralisch besser sein müssen, als der Rest der Gesellschaft, damit ihnen der Opferstatus zusteht?

Schwierig – allgemein gesprochen kann, wer Ausgrenzung für andere natürlich regelrecht fordert oder sogar Gewalt gegen sie toleriert, – quasi als „Kronzeuge“ dafür steht, dass das nicht so schlimm, jedenfalls nicht rassistisch, homophob oder antisemitisch ist -, für sich selbst eigentlich auch keinen Schutz beanspruchen – Man denke etwa an die Migranten in der AfD, die kein Problem damit haben, dass die Partei unter der Hand, wie mehrfach bekannt geworden ist, auch Kontakte zu den rechtsextremen „Identitären“ und damit teilweise auch zu richtigen Neonazis pflegt.

Das Gehöhne geht als Rechnung nicht auf. Aber die deutschnationalen Juden damals haben keinen Holocaust für andere gefordert. Sie lebten im Jahr, na sagen wir mal zum Beispiel 1930, und konnten nicht ahnen, wie sich die Dinge entwickeln würden. Die waren halt einfach total rechts, aber eben nicht „selbst auch antisemitisch“. Außerdem waren es eben nur einige wenige. Genau wie es einige wenige Juden gab und gibt, die zum Beispiel tatsächlich knallharte Ausbeuter oder sogar Mafiosi waren oder sind.

Ja, die gibt es. Aber es ist im linken Milieu zum Teil wieder populär geworden, vom „jüdischen Ausbeuter“ und vom „jüdischen Kapitalismus“ zu schwadronieren. Angeblich soll George Soros zum Beispiel sogar hinter der Flüchtlingskrise stecken, weil er sich angeblich Geschäfte davon verspricht und darüber hinaus die europäischen Staaten zu Grunde richten will. Hier schließt sich der Kreis nach rechts – Es ist einfach eine ziemlich abstruse Verschwörungstheorie. Und logisch ist es auch nicht, denn George Soros – der Name, der im Zusammenhang mit linkem Antisemitismus immer wieder fällt – ist zwar Geschäftsmann und Börsenspekulant, aber er hat auch viel in seine linksliberale Idee von der „offenen Gesellschaft“ nach Karl Popper investiert. Es gäbe also wirklich Schlimmere, wenn man dem Judentum anlasten wollte, den Turbokapitalusmus vorantreiben zu wollen und die Völker dieser Erde auszubeuten – Beny Steinmetz zum Beispiel oder, warum nicht mal diverse chinesische Geschäftsleute und andere asiatische Oligarchen, die z. B. in Afrika ähnlich brutal um Pfründe und v. a. um Schürfrechte an Afrikas üppigem Vorrat an Bodenschätzen kämpfen? Warum nicht Donald Trump, der bis in die 1990er Jahre eher als skrupelloser Geschäftsmann bekannt war, als als Politiker? Oder – hierzulande – Anton Schlecker? Wenn man einmal in Ruhe darüber nachdenkt, fallen einem noch viele andere Namen zum Thema ein – alle nicht-jüdisch.

Pikanterweise setzt ausgerechnet George Soros sich in Israel für die Aussöhnung mit den Palästinensern ein – und Palästina ist neben dem eher neuen Topos der – vorgeschobenen – „Kapitalismuskritik“, ja der Hauptbeweggrund unter Linken für Antisemitismus. Warum ist also Soros der Buhmann und nicht jemand anders? Und wie weit darf man mit Kritik an Israel gehen? Die Siedlungspolitik zum Beispiel wird doch auch von Juden selbst kritisiert – siehe eben Soros. Darf man da also als Deutsche(r) gar nichts sagen – wegen der Vergangenheit? Oder ist das wieder der „die Juden selbst sagen ja auch“-Kniff?

Weder noch. Israel das Existenzrecht absprechen geht nicht. Geht gar nicht und schon gar nicht als Deutsche(r) – immerhin war es der Holocaust, der dafür gesorgt hat, dass Juden, die überleben wollten oder – nach 1945 – zumindest nicht mehr in einem Land leben wollten, in dem man sie noch vor kurzem massenweise umgebracht hatte – dass der Staat Israel als Heimat aller Juden absolut notwendig geworden ist.

Aber – wenn ich mal doch einen schiefen Vergleich bringen darf: Wie wäre das denn, wenn man jetzt Deutschland einfach mal von der Landkarte löschen würde – so noch nachträglich als Rache für den Holocaust, das wäre ja nun ein wahrlich triftiger Grund – was, wenn man es 1945 getan hätte?

Dass es in Israel und unter Juden unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema (und zu anderen Themen) gibt und dass man sich logischerweise nicht mit allem identifizieren kann, muss man aber akzeptieren – egal WELCHE Meinung das jetzt ist. Evelyn Hecht-Galinskis Ansichten beispielsweise mögen für den einen oder anderen schwer verdaulich sein (und das darf man auch durchaus so sehen und sagen), aber auch Hecht-Galinski ist keine „jüdische Antisemitin“, sondern Tochter eines Überlebenden von Auschwitz und Bergen-Belsen. Also, mit anderen Worten, Henryk M. Broder hat nicht das Abo auf das Judentum. Und mit dem muss man ebenfalls nicht einer Meinung sein, um „alles richtig zu machen“.

Die „richtige Seite“ gibt es nicht. In Berlin hat die taz hat jetzt offenbar eine Podiumsdiskussion zum Thema veranstaltet. Hoffentlich geht die Diskussion weiter und hoffentlich kann sie geführt werden, ohne dass Deutsche sich damit in erster Linie gegenseitig an den Kragen gehen. Dann lacht nämlich vor allem die AfD, die ja ihre Vorzeige-Juden als Schutzschild vor sich halten kann, und deshalb gar nicht erst diskutieren muss, sondern auch so richtig derbe antisemitisch ohne wenn und aber sein kann. Zur Nachahmung jedenfalls nicht empfohlen!

Jupiter-Menschen oder: warum Demokratie manchmal verletzend sein muss

Emmanuel Macron sei ein zweiter Jupiter, heißt es. Hm. Jupiter, die römische Version des griechischen Gottvaters und Himmelsherrschers Zeus – die oberste Gottheit im Olymp. Ziemlich hoch gegriffen für einen frisch gewählten Präsidenten. Ob der Mann bzw. seine Anhänger wissen, dass er für viele nur das kleinere Übel war, die Freude über seinen Sieg eher eine Art freudige Erleichterung, dass Le Pen einem noch mal erspart geblieben war? In etwa das gleiche Gefühl, wie wenn einem der Arzt sagt, dass der Tumor doch gutartig ist und kein Krebs …

Vielleicht wird Größenwahnsinn langsam zu einem neuen Herrschaftsgestus, ein leiser Abgesang auf die Demokratie, die hinter Sachzwängen und Technokraten hier, hinter einer stärker werdenden Sehnsucht nach neuer Größe dort in den letzten Jahren immer fadenscheiniger geworden ist. Donald Trump ist jedenfalls nicht der einzige. Es gibt auch Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, Victor Orbán. Und eben Macron. Das ist wohl nicht nur mir aufgefallen.

Milo Yiannopoulos – ein Kind des linken Zeitgeistes?

„Autoritär“ ist das neue „Rebellisch“ – sagt die neue Rechte. Umso mehr fühlt man sich wie vor den Kopf geschlagen, wenn einem dann im „Spiegel“ das Konterfei von Milo Yiannopoulos entgegenhöhnt: als neckisches Betthäschen inszeniert, mit aufgesetzter Unschuldsmiene kulleräugig an einem Lolli nuckelnd – Der Mann nennt sich ja nicht „Jupiter“, sondern „dangerous fag“ – „gefährliche Schwuchtel“. Und überhaupt ist er kein „böser weißer Mann“, sondern ein „anderer“: Vater Grieche, obwohl sein englischsprachiger Wikipedia-Eintrag über ihn berichtet, dass er eigentlich Hanrahan heißt – Das ist aber irisch. Nicht ganz so exotisch. Für den „Spiegel“ hat er eine deutsche Mutter, weiter hinten im Artikel steht, dass er mit seinem scharzen Freund in Miami wohnt. Ich habe auch schon irgendwo gelesen, dass er Jude sei – schwierig, denn wegen der Loblieder auf „Father Michael“, dank dessen pädophiler Neigungen der kleine Milo angeblich seine Homosexualität entdeckt hat, ist Yiannopoulos bei der rechtspopulistischen Medienplattform „Breitbart“ rausgeflogen. Aber vielleicht werden Rabbis ja in Großbritannien „Father“ – „Pater“ – genannt und ich habe das in meiner Engstirnigkeit mal wieder nicht geschnallt, dass das nicht unbedingt katholisch sein muss.

Spinner, die sich interessant machen wollen, gibt es genug, doch Yiannopopoulos setzte das Image des exotischen, marginalisierten – ja sogar „mehrfachdiskriminierten“ – Minderheitenvertreters Werbung gezielt für sich ein. Und ist dabei stramm rechts. Genau das soll ja offenbar gerade der Clou sein. Der abgebrochene Literaturstudent, der es dennoch in der Medienwelt zu etwas gebracht hat, kann sich nämlich etwas herausnehmen. Zum Beispiel „Gamergate“, wo Milo und ein paar andere Jungs Frauen plattmachten, die vorwitzig genug gewesen waren, der Männerwelt die angestammte Domaine der Computerspiele streitig zu machen – und zwar als Designerinnen und Programmiererinnen. Selbst Morddrohungen gingen bei Milo und Co. noch als launige Scherze durch. Oder über schwarze Frauen herziehen, gern auch gespickt mit ein paar deftigen, rassistischen Bemerkungen – da ist ja der schwarze Boy-Friend in Miami. Also bitte.

Sagen wir es ruhig offen: Es war im Grunde die Gegenseite, die Leute wie Milo Yiannopoulos stark gemacht hat. Der junge Schwule mit Migrationshintergrund, der Studienabbrecher und ambitionierte zukünftige Dichterfürst dürfte noch vor ein paar Jahren, als noch nicht allzu offensichtlich war, dass er mit „tolerant“ leider nichts anfangen kann, die Beschützerinstinkte der etablierten Linken geweckt haben – jener Leute, die Kontakte, Jobs und Chancen zu vergeben haben.

falsche „Sozialfälle“ oder wie setze ich mich unter Linken durch?

Die Lektion, dass nicht nur „Sex sells“ gilt, sondern eine möglichst exotische Sexualität in bestimmten Kreisen geradezu ein „must“ ist, das mit stolz geschwellter Brust vor sich hergetragen wird, lernte ich gleich zu Anfang meiner Zeit in Berlin. Damals machte ich in einem Kunstprojekt der „Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst“ in Kreuzberg mit und wunderte mich. Schon in meinen letzten Semestern an einer kleinen Uni in Südwestdeutschland hatte ich die Erfahrung gemacht, dass die Claims sofort abgesteckt werden: So ziemlich alle „angesagten“ und bei den Professoren beliebte Kommilitonen stammten offiziell aus „kleinen Verhältnissen“, auch wenn der Vater Galerist oder Museumsdirektor war, und es an Geld nie fehlte. Irgendwann gab es mal Krach, weil die vielen studentischen Kleinwagen der „sozialen Härtefälle“ (dabei ging es auch um Hiwi-Jobs!) auf dem Uni-Parkplatz keinen Platz mehr fanden. Mich, die mit dem Bus fuhr, betraf es nicht nicht, aber „Arbeiterkind“ übersetze ich mittlerweile automatisch im Kopf mit „aus besserem Hause“. Die eine hatte eine polnische Mutter (Vor- und Nachname waren dummerweise urdeutsch, nicht einmal der leiseste Hauch eines -skys oder -czyks, und die Kommilitonin sprach auch kein einziges Wort Polnisch, aber, hey, egal: Migrationshintergrund), in den Adern der anderen floss – wiederum von mütterlicher Seite – dänisches Blut (Tjaha, das skandinavische Element, das immer zu kurz kam. Auch ein Migrationshintergrund), usw..

Ich hätte locker mithalten können: Ich habe südeuropäische Vorfahren (doof, die sehen auch noch so richtig sonnig-südländisch aus!), Familie in Osteuropa (ja, die wohnen da auch wirklich und nein, es ist nicht die „deutsche Minderheit“, dafür sind sie aber ebenfalls „heimatvertrieben“ – nur so, falls das eine Rolle spielen sollte.). Alles in allem gibt es trotzdem nichts als „Migrationshintergrund“ her und das hatte ich auch nicht behauptet

(Ehrlich gesagt, irgendwie muss das „frisch“ sein, also erste, maximal zweite Generation, und dann muss mensch auch richtig zwischen zwei Kulturen aufgewachsen sein, so mit zweisprachig, interkultureller Konflikt, usw. … idealerweise sieht man das „Ausländische“ bitte auch am Teint (wie gesagt: sonnig-südländisch, führt öfters mal zu unschönen Erfahrungen mit der Umwelt, sprich: Diskriminierung, daher sind Minderheitenrechte dann eher gerechtfertigt) und die Person stammt zudem aus eher ärmlichen Verhältnissen (Da „class“, was Jobs und sozialen Aufstieg betrifft, eine „gläserne Decke“ noch lange vor „race“ und „gender“ bedeutet, „class“ UND „race“ beides aber nahezu unmöglich machen, ist „Empowerment“ hier wirklich nötig – anders als bei jemandem mit blonder dänischer oder herbeiphantasierter polnischer Mutter …).

Übrigens macht nicht einmal das einen zum besseren Menschen. Auch im sonnigen Süden gibt es A… löcher. Genau genommen gibt es da sogar alles sowohl an menschlichen Schwächen, aber eben auch an Vorzügen, was es hier auch gibt. Dennoch irritierte es mich schon ein wenig, dass im „Spiegel“ dieser Woche eine italienische „Gastarbeiter“-Familie portraitiert wurde, deren Hamburger Restaurant bereits 1905 gegründet wurde. Na ja …).

„böser weißer Mann“ ehrenhalber

An der Uni zählte das auch tatsächlich nicht. Eher reagierten die Leute aggressiv. Besser nichts von „Vorfahren aus Südeuropa“ schwadronieren. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass es darum geht, dass ich den anderen das nicht wegnehmen soll, weil das ja irgendwie schon denen gehört. Jawoll. Nicht dass meine „Minderheiten“-KommilitonInnen deshalb netter zu „echten“ Ausländern gewesen wären, zumindest nicht, wenn sie der Ansicht waren, dass die vom „Stil“ her nicht zu ihnen passten. Dafür gab es mahnende Blicke in meine Richtung, wann immer von „Shoah“ die Rede war (ganz klar das Werk von Menschen wie mir, die anderen waren ja, wie gesagt, „Minderheit“. Als ob das den NS-Entscheider in der Ahnenreihe oder den SS-Opa wieder gutmachen würde – eine Art Tauschhandel: Leider die Katze überfahren, aber man klaut dem Nachbarskind den Stoffhund und überreicht ihn als „Schmerzensgeld“ und schon ist alles wieder gut, wobei der gestohlene Stoffhund der Minderheitenstatus ist, und die überfahrene Katze der Holocaust. Nicht, dass man das vergleichen könnte. In dem Fall sind Vergleiche immer makaber, aber meine Professorin liebte es nun einmal, über die „Shoah“ zu sprechen …) oder „Critical Whiteness“ (dito). Ich weiß nicht nicht, was ich davon halten soll: unverschämt oder einfach nur krank. Jedenfalls nicht „legitim“.

Irgendwie war ich damals der „böse weiße Mann“, obwohl ich eine Frau bin (ohne Zweifel, ich vermute, sowohl eine Genanalyse als auch eine medizinische Introspektion meines Körpers würden zu dem gleichen Ergebnis kommen). Aber meine feministische Professorin war der Meinung, dass man zuerst einmal feminine Frauen fördern müsse – die, die so aussehen, als ob sie jeden Morgen mindestens drei Stunden im Bad stehen, um so auszusehen, wie die Titelmädchen von „Glamour“ und „Jolie“ oder die jungen Frauen, die Heidi Klum regelmäßig und äußerst publikumswirksam vor laufender Kamera bei „Germany’s next Topmodel“ zusammenstaucht. Böse Zungen nennen solche Frauen „Mieze“, „Bratze“ oder „Modepüppchen“. Meine Professorin dagegen fand, dass sie am meisten unter männlicher Ignoranz zu leiden hätten – die wahren Opfer des Patriarchats. Die Intelligenz dieser Frauen würde übersehen, ihr Potenzial ginge verschütt.

Klar gibt es Frauen, die feminin wirken, sich für Mode interessieren, und auch intellektuell ziemlich fit sind. Aber muss man deshalb jedem Modepüppchen per se unterstellen, es sei ja im Grunde viel intelligenter als andere, nur dass es niemand erkannt habe, ein ungeborgener Schatz, den man erst in mühsamer Feinarbeit ans Tageslicht befördern müsse? Ist das nicht mehr oder weniger ein Blankoscheck fürs Diät halten und Lockenwicklertragen? Dass frau dann auch automatisch schlau ist und wer was anderes sagt, ist halt „FrauenhasserIn“, „MaskulinistIn“, „Patriarchat“ oder schlicht „DiskriminiererIn“, „Mehrheitsgesellschaft“?

Die Rolle des „Patriarchats“ hatte damals ich inne. Es sollte ja auch gezeigt werden, dass Feministinnen gar nicht so sehr gegen Männer sind, wie viele Leute immer denken – Ganz im Gegenteil, das war ein neuer, junger sexy-Feminismus, auch wenn meine Profesorin und viele feministisch gesonnene Wissenschaftlerinnen aus dem Mittelbau natürlich nicht mehr ganz so jung waren. Wenn es also nicht gegen die Männer gehen sollte, wer blieb da noch zum Draufrumtreten übrig? Richtig.

„Anders“ als Massenphänomen

Die Erfahrung in Berlin, in der „Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst“ toppte das Ganze unerwarteterweise noch: Wir waren ein kleines Grüppchen wildfremder Menschen. Als es daran ging, einander kurz vorzustellen, sagte jeder seinen Namen und Beruf und dann sofort: „Lesbe, obwohl ich mal mit einem Mann verheiratet war“ oder „bisexuell“ oder „Ich glaube, ich war immer schon schwul.“. Eine Frau erzählte, dass sie auf Sadomasochismus stehe, am liebsten Fesselspiele. Trotz der bereitwillig gegebenen intimen Geständnisse hatte ich nicht das Gefühl, besser zu wissen, mit wem ich es zu tun hatte. Die einzige Erkenntnis, die ich gewonnen hatte, war, dass hier jeder irgendwie „sexuell abweichend“ war. Vorsichtig merkte ich an, dass ich wohl in vielerlei Hinsicht „zwischen den Stühlen sitzen“ würde. Das sei wohl meine Position. Ich bin bisexuell. Gerade wegen des in dieser Hinsicht freieren Klimas war ich auch nach Berlin gekommen. Aber muss man das Leuten, die man gerade mal 5 Minuten kennt, auf die Nase binden? Ich meine, ich hatte einfach nicht, wie unter meinen Mitstudentinnen, als „hässliche Lesbe“ an einem Ring durch die Manege geführt werden wollen, aber damit war es auch schon gut. Einfach ok sein, wie man nun mal ist, reichte mir. Genau danach hatte ich gesucht. Allerdings habe ich in dieser Hinsicht, wie ich sagen muss, auch im weltoffenen Berlin nicht viel vorgefunden.#

Homophobie als „Schutzschild“

(Das mit der „hässlichen Lesbe“ war zu Unizeiten in meinem – eigentlich übrigens ziemlich konservativen Fachbereich – offenbar eine Art Kompromiss: Zwar ist sie eine Frau, aber jedenfalls keine, der der Feminismus zusteht, wenn frau es recht bedenkt sogar viel böser als die „bösen, weißen Männer“, … Später würde allerdings behauptet werden, ich hätte nur als „Schutzschild“ für andere Frauen gedient, die – „echte“ Lesben, wenn auch damals noch sehr wohl an Männern interessiert – sich einfach noch nicht aus dem Schrank getraut hätten – Na ja, kann man ja verstehen, dass IN DEM FALL sogar Homophobie ein Gebot der Stunde war (ich meine das sarkastisch) -, aber das wusste ich in meiner Anfangszeit in Berlin noch nicht.)

Irgendwer muss ja die „frigide Hexe“ sein

Später begriff ich, dass ich eigentlich auch nicht bisexuell bin – Da gäbe es „ganz andere“ hieß es – und leider – wie es der Zufall nun einmal wollte – hatten die alle was gegen mich. Genau genommen handelte es sich um einen Bunch stylischer, wahnsinnig angesagter, wenn auch eher nur mittel-attraktiver Frauen, die man mir bzw. ganz allgemein als „für Emanzipation und Freiheit kämpfende Lesben“ vorgestellt hatte. Allerdings konnten die Frauen offenbar auch mit Männern. Vielleicht auch NUR mit Männern, aber das kann ich im Einzelfall nicht sagen. Ich kenne diese Frauen ja wirklich nicht näher. Umgekehrt schien das merkwürdigerweise nicht so zu sein. Die wussten nämlich ganz genau, dass ich angeblich „einen kranken Hass auf Männer“ hätte, überhaupt, keiner wolle mich, die „frustrierte Zicke“. Manchmal grunzten mich auf der Straße in Kreuzberg Hipstermänner an und die Freundin im Schlepptau säuselte betont freundlich: „Lass! DIR hat sie doch jetzt nichts getan!“. Das war in etwa, wie wenn man nichtsahnend in ein Café geht und einen Kaffee ohne alles bestellt und die Bedienung ziemlich unwirsch ist, derart dass man tatsächlich geneigt ist, es persönlich zu nehmen, und dann ruft jemand von hinter der Theke: „Sei doch nicht so. Zwar ist sie mit dem Ufo hier gelandet und hat sämtliche Kinder aus der Nachbarschaft gefressen, aber zu UNS  jetzt war sie doch ganz passabel …“ Nennt man das „nett“ oder „total plemplem“ oder „Mobbing“? Ich weiß es nicht …

Zu allem Überfluss war ich dann plötzlich auch noch „rechts“. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass diese queeren Frauen, die ich als ziemlich arrogant und überheblich in Erinnerung hatte, alle total links sind, dass sie auch ganz ernsthaft von verschiedenen linken Parteien und Stiftungen gefördert werden. Da hatte ich auch überall verschissen. Dafür wollte jedeR irgendetwas an mir „rächen“: ich hatte dickliche, betont jungenhaft zurechtgemachte Frauen – „Transmänner“ – am Hals, denen missfiel, dass ich zu breitbeinig in der U-Bahn saß – stand mir nicht zu -, ziemlich viele adipöse Menschen, die mich belauerten, hänselten, mal wollten sie nichts Geringeres als „meine Seele ermorden“ oder mir als ganzer Person „den Gar ausmachen“, mal hatte ich „damit“ (womit war unklar) „mein Todesurteil unterschrieben“, dann wieder sollte ich mich „richten“ für das, „was ich GETAN“ hätte. – Ich wusste nicht was. Ich kannte die Leute nicht, hatte ihnen nichts GETAN. Diffus erinnerte ich mich, dass meine Kommilitoninnen damals desöfteren beleibten Besuch aus Berlin über den Uni-Campus geführt hatten – zu mir waren diese Frauen ziemlich komisch gewesen, aber getan hatte ich ihnen nichts. Auch eine frühere Studienfreundin tauchte in meinem Gedächtnis auf – sie selbst war schlank und sportlich, litt jedoch an Bulimie und hatte eine stark übergewichtige Freundin, über die sie mal sehr bösartig lästerte und wollte, dass ich „einfach mal mit ihr solidarisch“ sein und auch mithelfen sollte, die andere in der Cafeteria zu schikanieren, obwohl ich die Frau gar nicht kannte und nicht wusste, was genau vorgefallen war (Deshalb hatte ich auch keine Lust, „solidarisch“ mit dieser Freundin zu sein, obwohl ich sie damals wirklich mochte. Vermutlich war ich eine „Rabenfreundin“ …), dann wieder waren die beiden ganz dicke miteinander, immer abwechselnd. Zu dem Zeitpunkt wäre es mir aber noch nicht in den Sinn gekommen, mir Gedanken über den KÖRPERTYP eines Menschen zu machen. Warum auch?

Von den Dicken wurde ich ständig angemacht, auch von eher dürren, ältlichen Frauen. Die wollten „es“ mir austreiben. Ein Hipster sprach von „Trockenlegen“. Gemeint war „die schönste Nebensache der Welt“ – Sex, über den sich in Berlin alle zu definieren schienen, interessanterweise gerade die, die man nicht gerade in erster Linie mit dem Wort „Sexbombe“ assoziieren würde. Mir wurde ein Tagebuch geklaut. Gerüchte besagen, dass es in diversen Szenekneipen öffentlich vorgelesen worden sein soll – als abendlicher Kneipengaudi. Offenbar wurde es in der queeren Szene herumgereicht, vielleicht auch unter Journalisten – Ich hatte damals ein paar Mal für größere Zeitungen Kunstkritiken geschrieben. Im rechten Lager höhnte jemand: „Dafür hat aber Anja Kofbinger (lesbische Berliner Politikerin der Grünen) das Tagebuch gehabt!“ Ob bzw. was davon stimmt, weiß ich nicht. Nachweisen kann ich niemandem etwas und ich bezweifle, dass die – kicher! kicher! – Andeutungen hier und da alle der Wahrheit entsprechen. Denn mir war schnell klar, dass die Leute sich einen Spaß daraus machten, mich in die Irre zu leiten und in meinen schlimmsten Befürchtungen zu bestärken – ohne dass deshalb zwingend etwas dran sein musste oder aber komplett Entwarnung hätte gegeben werden können. Am Ende – so hatten sie sich das wohl gedacht – könnten sie ja ihre Hände in Unschuld waschen und ich stünde als hysterische Bekloppte da, die sich wutendbrannt auf Leute stürzt, die ihr – ja, genau! – überhaupt nichts getan haben. Dafür haben andere „etwas getan“ und ich sollte nur weiter im Dunkeln tappen.

„Schutzschild“ (II): Prügel für die einen, Empowerment für die anderen

Als von einem Kinderporno (ein Porno, der, wie der Titel erahnen ließ, die Vergewaltigung eines arabischen Babys zum Inhalt hatte) aus zu meinem Blog verlinkt wurde, ging ich zur Polizei. Natürlich konnte ich niemanden ins Blaue hinein beschuldigen. Mehrfach wurde ich auch körperlich angegangen – zum Glück nicht wirklich schlimm, nur dass ich komischerweise im Nachhinein manchmal in irgendeinem Blättchen oder „Zine“ der lokalen queeren Szene las, dass eine ominöse andere – queere! – Frau oder „Person“ ja genau den gleichen Vorfall erlebt hatte. Sie hatte sogar genau gleich reagiert wie ich.

Obwohl die Leute mich angeblich so „rechts“ fanden, passierte es auch öfters, dass irgendjemand aus der queerfeministischen, linken Szene viel Beifall erhielt für ein Statement, das ich so ähnlich eine Weile zuvor gemacht hatte, und das da, also in meinem Fall, entweder als „dumm“, „neoliberal“ oder „fast schon Pegida!!!“ abgetan worden war. Offenbar ging es weniger um die Aussagen an sich, als um den KÖRPER, der sie aussendete – meiner war „böse“ – „rechts“ -, andere waren „gut“. Auf einer Veranstaltung bei der taz belehrte mich eine Frau über den Israel-Palästina-Konflikt, im Hintergrund hörte ich, wie eine andere das mit „Da kann sie ja froh sein, dass jetzt auch mal jemand mit ihr spricht!“ kommentierte. Das wiederholte sich fast wortwörtlich auf einer anderen linken Veranstaltung. Irgendwie hatte ich die Nase langsam voll. Für wen hielten sich die Leute eigentlich? Als ob man nur darauf brennen würde, irgendwie in Kontakt mit ihnen zu kommen, um an ihrer erhabenen Menschlichkeit teilhaben zu können. Eigentlich konnte man sich doch glücklich schätzen, wenn man nicht von denen behelligt wurde.

Auf einer taz-Veranstaltung, die im Sommer 2013 in den Räumlichkeiten der Heinrich-Böll-Stiftung stattfand, äußerte sich dann eine Frau vor versammelter Mannschaft und für alle gut hörbar betont gönnerhaft: „Aber einen schönen Busen hat sie!“ Es hieß, ich würde die Frauen angeblich nicht ernst nehmen. Sie würden es mir ja nur „zurückgeben“. Die meisten kannte ich gar nicht. Einige „Transgender“ wollten mich wegen „transphober Hetze“ verklagen. Es wurde gehöhnt, ich müsse halt immer „nehmen, was andere Frauen übrig lassen.“, „Jetzt zu Monatsende sei Schmalhans wohl Küchenmeister“ und ich solle doch am besten „in der U-bahn betteln gehen.“, dann könne ich ja als „Identifikationfigur“ für die Obdachlosen herhalten – kicher! kicher! Schließlich wurde ich als „unwertes Leben“ beschimpft – von jungen Leuten, die offensichtlich der Heinrich-Böll-Stiftung nahe standen. Also keine rechten A… löcher. Oder etwa doch?

Eine ganze Reihe Frauen aus meiner Vergangenheit tauchten plötzlich in Berlin auf. Sie alle waren jetzt auch lesbisch oder transgender oder mit Transgender liiert und deshalb jetzt auch lesbisch oder zumindest war ihnen bewusst geworden, dass sie einen „ungewöhnlichen Körper“ hatten (sprich: ein paar Kilo zu viel auf den Rippen oder aber plötzlich abgemagert oder zumindest streng Diät haltend oder ein paar Zentimeter größer als das „süße, kleine Püppchen“, wobei das Gardemaß für „Püppchen“ flexibal gehandhabt und nach Bedarf angepasst werden kann, so dass frau ihm mal zu 100% entspricht (wenn es darauf ankommt, das „süße, kleine Püppchen“ zu sein) und mal dramatisch davon abweicht (wenn es darum geht, der „Freak“ zu sein)) – jedenfalls QUEER!

Emanzipation oder „Frauen zurück an den Herd!“?

Es hieß, ich sei ja immer so eifersüchtig. Carolin Emcke beschrieb  in ihrem Buch „Hass“ über die bittere Armut und das chancenlose, entbehrungsreiche Leben am Rande der Gesellschaft von Transmenschen. Tatsächlich haben, zumindest hier in Deutschland, auffällig viele von denen gute Jobs an der Uni (oder aber an einem der renommierten Berliner Theater). In der Huffington Post ließ sich ein Transmann (Mann, als Frau geboren) darüber aus, wie viel mehr er jetzt, nach der Transition, wo er keine Frau mehr sei, verdiene, und wie viel einfacher es sei, einen Job zu finden, falls man(n) dann doch mal keinen hätte. Stimmt schon, vielerorts auf der Welt müssen sich Transfrauen (Frauen, als Männer geboren) und männliche Transvestiten (Männer, die sich als Frauen verkleiden) ihren Lebensunterhalt auf dem Straßenstrich verdienen, sofern sie nicht im Show-Biz unterkommen. Transmänner, also Männer, die als Frauen geboren sind, aber tatsächlich „männlich“ fühlen und sich (von Natur aus, ohne dass es eingeübt oder geschauspielert werden müsste) „männlich“ verhalten, gibt es nur sehr wenige. Hat irgendwie was mit Biologie und Hormonen zu tun. Offenbar läuft bei männlichen Föten sexuell öfters mal etwas aus dem Ruder. Lesben gibt es auch sehr viel weniger als Schwule. Zumindest echte Lesben, Bio-Lesben. Nicht Frauen, die das aus politischen (das berühmte Credo des Differenzfeminismus der wilden 70er: „Männer sind Schweine!“) oder anderen Gründen machen. Sich als „Transmann“ zu „definieren“ (Die meisten „Transmänner“ sind übrigens „schwul“ und möchten auch gern schwanger werden. Kinderkriegen geht ja jetzt auch für Männer.) ist aber auch „politisch“: „Transfeminismus“. Manchmal könnte man kotzen, wenn man in der taz oder anderswo mal wieder liest: „Als Frau hätte ich natürlich nicht … können, aber als Mann ja schon!“ oder „Frauen machen … ja nicht, aber als Mann kein Problem!“. Klar: Frauen gehören an den Herd und Männer (und „Transmänner“) gehen auf die Jagd. Glauben die diesen Schwachsinn wirklich? Und dass das Feminismus sein soll?

Natürlich entbehrt es nicht einer gewissen internen Logik, dass die queerfeministischen Frauen sich für sich selbst vorbehalten, auch Männer zu sein (Dann ist man bzw. frau gleichberechtigt bzw. ist man dann ja selbst ein „Mann“), aber aggressiv werden, wenn andere Frauen leider auch nicht die „Frauchen“ sein wollen. Ein bisschen ist es an dem gespiegelt, was meine alte feministische Professorin erreichen wollte: Gleichberechtigung soll bloß nicht für alle Frauen da sein – Gott bewahre! Es gibt immer welche, die Privilegien haben müssen (seien es nun die femininen „Modepüppchen“ oder die queerfeministischen „Transmänner“. Meistens sind es sogar DIE GLEICHEN FRAUEN) und andere, die frau zurückdrängen muss, damit sie den Privilegierten nicht ins Gehege kommen. Eigentlich ist es zynisch, dass ausgerechnet die Queerfeministinnen nicht müde werden, auf die Menschenrechte und auf das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu verweisen. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung schließt nämlich nicht das Recht ein, auch für andere zu bestimmen – über deren Sexualität, ihre Intelligenz, ihre Chancen im Berufsleben, was sie sich gefallen lassen und zu wem sie aufschauen müssen, usw.. Auch in den Menschenrechten steht nichts davon, außer eben, dass alle diese Dinge gerade nicht fremdbestimmt sein dürfen. Die „Transmänner“ aber jammern, es sei „Transphobie“, wenn eine Frau wie ich sie nicht in ihrer Rolle als Männer bestätigt oder auf Anmachen und überhebliches, selbstherrliches Verhalten sogar ungehalten reagiert, denn: – „Männer sind nun einmal so!“. Wirklich?

Menschenrechte & Grundgesetz – für alle da!

Eigentlich sind die Menschenrechte  bzw. das Grundgesetz gerade dann für einen da, wenn man bzw. frau das nicht so sieht. Da steht nämlich was von der „Gleichberechtigung von Mann und Frau“ (und nicht: „Mann und Transmann“). Aber vermutlich wird man auch nicht jeden eingefleischten Rechtspopulisten dazu bringen, dem zuzustimmen. Es ist nur so: in einer freien, demokratischen und pluralistischen Gesellschaft muss man es aushalten, dass Menschen anders denken und anders leben möchten als man/frau/mensch selbst. Das geht in alle Richtungen und es bedeutet auch, dass mensch Leute in Ruhe lassen muss, die mensch doof findet, anstatt ihnen nachzulaufen und sie zu „erziehen“ bzw. ihnen mit Nachdruck, Psychoterror, sexuellen Übergriffen oder sogar köperlicher Gewalt die gewünschten Verhaltensweisen abzupressen. Ich bin schon seit mehreren Jahren nicht mehr in der queeren Szene gewesen. In Ruhe gelassen haben mich die Leute bis heute nicht.

„Beißreflexe“

Vor ein paar Monaten sorgte dann ein kleines, unscheinbares Büchlein in der queeren Szene für Aufruhr. Es trägt den Namen „Beißreflexe“ und wurde von „Polittunte“ Patsy l’Amour lalove herausgegeben. Das Buch, das den zunehmend autoritären Einschlag der Szene kritisiert, schlug ungeahnt hohe Wellen, sein Ruf scheint ihm jetzt sogar bis in die USA vorausgeeilt zu sein und das, obwohl es eigentlich nur in Micro-Auflage in einigen wenigen ausgewählten linken Szeneläden deutscher Groß- und Universitätsstädte zu haben ist. Für die einen ist „Beißreflexe“ eine Offenbarung – Da steht, dass auch andere bemerkt haben, was alles nicht in Ordnung war oder sogar total daneben. Auch ich begriff, dass ich nicht die einzige war, der mensch übel mitgespielt hatte (wenn auch die einzige, die nach einem kurzen Ausflug die queere Szene ziemlich schnell wieder verlassen hatte. Die meisten anderen Opfer dieser Leute kommen „von innen“, haben, sofern sie in Berlin waren oder sind, vielleicht auch mich mitgedisst. Traurig, das so schreiben zu müssen, aber leider wahr.) – ein paar Albernheiten der „Gender-Stasi“ hat Peter Rehberg in der „Zeit“ beschrieben. Zu meiner Überraschung war frau offenbar sogar in der „Emma“ reichlich indigniert. Dort fragte frau sich, was das noch mit Feminismus zu tun hat. Tja, das frage ich mich, wie gesagt, schon seit geraumer Zeit …

Jetzt hat das queerfeministische Lager in der „Zeit“ zum Gegenschlag ausgeholt und schießt dabei – wenn man bedenkt, dass es sich um eine subkulturelle Streitschrift handelt, die den meisten Leuten gar nichts sagen dürfte – mit Kanonen auf Spatzen. Die Berliner Soziologie-Professorin und Queerfeministin Sabine Hark hat Judith Butler, die us-amerikanische Begründerin der Queer-Theorie, als Verstärkung hinzugezogen und in einem längeren Artikel in der „Zeit“ ziehen beide gegen die Abtrünnigen aus der Szene zu Felde: von „Verleumdung“ ist die Rede, gleich im Titel, Kritik sei ja in Ordnung, aber bislang seien doch nur Aggression und Verletzungen gegen Queer hervorgebracht worden. Eine neue „Grammatik der Härte“ bringe das zum Ausdruck, es sei Hate Speech, infam, roh und einfach nur asozial klagen Hark und Butler.

Wo ist Eure Empathie?

Moment mal: „unwertes Leben“ ist ok, aber sich dagegen zu wehren, so bezeichnet zu werden, ist „infame, verletzende Hate Speech“? Nein, sorry – ohne jetzt die „Beißreflex“-Leute zu sehr in Schutz nehmen zu wollen – ich weiß, wie gesagt, auch nicht, ob der/die eine oder andere mich nicht auch kräftig mitgemobbt hat -, aber vielleicht wird eher ein Schuh draus, wenn man die Dinge einmal umdreht. Haben die Frauen bzw. die VerfechterInnen der Queer-Theorie sich schon einmal gefragt, wie viele Leute SIE verletzt haben?! Wie viele Leute sich elend gefühlt haben, mit ihren Hänseleien, Nachstellungen, Verhöhnungen, Demütigungen und Verleumdungen?! Wie es einem, mir zumindest, damit geht, mehr oder weniger mit einer Art feministischen „Fatwa“ (Ich fühle mich manchmal wie Salman Rushdie, aber christlicher gedacht können wir’s auch „Exkommunikation“ und „Bann“ nennen) belegt zu werden und überall die Tür vor der Nase zugeschlagen zu kriegen – UND DASS DAS AUCH NOCH FEMINISMUS SEIN SOLL?! Dass man immer angehalten ist, das nicht so zu nehmen bzw. gefälligst gar nicht erst etwas Böses zu unterstellten, nichts sagen darf, gute Miene zum bösen Spiel machen muss und sich idealerweise auch noch selbst schuldig – „falsch“ – fühlen soll?! NUR UM DIE FRAGILEN EGOS IRGENDWELCHER MIMOSEN NICHT ZU BRÜSKIEREN?!

Über jeden Zweifel erhaben?

Nein, sorry – aber intelligent zu sein oder sich auch nur mit intellektuellen Inhalten zu beschäftigen, steht nicht nur bestimmten Menschen zu – nicht, weil es so feminine Frauen sind, von denen man das ja sonst nicht so denkt, nicht, weil sie umgekehrt eigentlich ja so „männlich“ wären und denken nun einmal „männlich“ (oder „Oberschicht“, die „besseren Gene“, Sarrazin und Co.) sei (gruselig, so etwas von Menschen zu hören, die sich für „feministisch“ halten und behaupten, „links“ zu sein!) und auch aus keinem anderen Grund!

Es gibt kein Recht darauf, dass andere sich klein, unzulänglich und wertlos fühlen und stets unterwürfig und dienstbar sein müssten, auf Dinge verzichten, die ihnen Freude breiten, dass sie ihre Talente nicht entfalten dürften – und sei es nur in Form eines Hobbys -, sich für ihre Körperlichkeit schämen müssten – Ja, ja, die adipösen Frauen wären ja auch lieber schlank, so wie die Frauen bei „Germany’s Next Topmodel“ und andere Frauen SIND schlank wie die Frauen bei „Germany’s next Topmodel“, nur dass sie an Esstörungen leiden und sich deshalb trotzdem nicht gut mit sich fühlen – ABER WAS ZUR HÖLLE KANN ICH DAFÜR?!,  dass man nicht lachen oder tanzen dürfte oder breitbeinig in der U-bahn sitzen, ganz zu schweigen von ener eigenen Meinung, dass andere gegängelt und kontrolliert werden müssen – NUR WEIL SICH IRGENDWELCHE NEUROTISCHEN ARSCHLÖCHER ANGEBLICH SONST „NICHT WOHL FÜHLEN“???

Man muss Menschen nicht mögen, weil sie „anders“ sind (auch nicht, weil sie NICHT „anders“ sind) und den grundlegenden Respekt, so von Mensch zu Mensch, den hat schließlich jedeR verdient. Alle Menschen sind GLEICH, im Sinne von „gleichwertig“. DAS steht in den Menschenrechten und nichts anderes. Punkt.

Man muss auch anderen nicht von vornherein einen Kredit für politische Einstellungen geben, die sie womöglich gar nicht haben und sich selbst in die rechte Ecke abdrängen lassen, obwohl man nicht rechts ist und auch nichts dafür spricht, dass man es je gewesen ist.

Tatsächlich sind übrigens einige der Transgender ganz schön rechts: Wer’s nicht glaubt, kann es nachlesen, z. B. in: Amjahdi, Mohamed „Unter Weißen“ (2017), S. 113 ff. oder – Surprise! – in der taz. Trotzdem geht es mir hier auch nicht darum, Transgender für alles Übel in der Welt verantwortlich zu machen – Das ist doch Quatsch! -, nur darum, in Frage zu stellen, ob es „Körper“ gibt, die per se, als solche „gut“ sind und „Körper“, die „schlecht“ sind, dass also die Definition als „queer“ einen nicht automatisch „links“ macht und schon gar nicht das Recht damit verbunden ist, jedeN, den/die mensch nicht leiden kann, dann eben umgekehrt als „rechts“ zu brandmarken. Nicht zuletzt ist das ja auch gegen die Meinungsfreiheit, die ebenfalls nicht nur „queeren“ Menschen zusteht.

Genauso müssten die Leute auch anderen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht, auf das sie selbst so sehr pochen, zugestehen. Was wäre denn z. B., wenn sich jetzt alle Frauen plötzlich als „Transmänner“ definieren und von den „angestammten“ „Transmännern“ mit der gleichen Empfindlichkeit, die letztere immer vorgehen, verlangen, auch enstprechend in ihrer Rolle als „Männer“ bestätigt zu werden. Dann hätten wir zwar Gleichberechtigung – JedeR könnte sich selbstbewusst und stark fühlen – aber mit dieser Minderheitensache und der damit verbundenen Sonderförderung wäre es das gewesen.

Die „neue Härte“ – oder: Was hat Queer gebracht?

Hark und Butler schreiben von den neuen Freiheiten, für die sie kämpfen. Tut mir leid, aber davon habe ich nichts mitbekommen.

Last but not least waren es Frauen wie Sabine Hark und Judith Butler die sich die Henker der Toleranz selbst herangezogen haben: Milo Yiannopoulos – der dumme Junge, der arme Schwule, der Migrant – halb wenigstens – der eventuell-Jude und vielleicht-Lover eines Schwarzen, aber auch das Arschloch, das glaubt, Frauen wie Dreck behandeln zu können, der „Mein-Freund-ist-Person-of-Color-und-der-mag-dich-auch-nicht!“-Rassist, der sich einbildet, mit ein paar Lügengeschichten sei alles wieder hinzubiegen – es kommt ja nur darauf an, andere ins Unrecht zu setzen, nicht darauf, selbst im Recht zu sein -, Yiannopoulos, das Schwein, das für sozial Schwache nichts übrig hat, – aber man sollte nur ja nicht auf die Idee kommen, dass er als Studienabbrecher eines „Laberfaches“ vielleicht gar nicht so überzeugend in der Rolle des „Leistungsträgers“ ist, auf die Beine geholfen hat ihm ja immerhin der linke Zeitgeist, dem er weißgemacht hat, selbst der sozial Schwache zu sein. Nur was wäre, wenn man Milo Yiannopoulos mal so hängen lassen würde, wie er es für andere haben will? Wenn man keine Lust mehr auf die verlogene kleine Schwuchtel hat – Ja, „Schwuchtel“ ist in dem Fall okay, andere Schwule mag man, da sagt man das ja auch nicht. Sagen Leute wie er doch auch immer. Tja, was, wenn man eben auch mal homophob sein möchte und einem Yiannopoulos darüber hinaus gern mal sämtliche Steine in den Weg legen würde, über die seinesgleichen sonst so gern Migranten, Frauen und – ja! – Schwarze stolpern lässt – oder Leute, die nicht den richtigen sozialen Hintergrund haben. Was wäre dann noch übrig von einem wie Milo Yiannopoulos? Ist die Frage fies? Verletzend? Was ist dann Yiannopoulos selbst?

Tja, nur leider waren es Frauen wie Sabine Hark und Judith Butler, die sogar darauf bestanden haben, dass Frauen wie ich Typen wie Milo nicht im Weg sein sollten. Yiannopoulos ist ihr Baby. Oder, auf Berliner Verhältnisse übertragen, Menschen wie Gerwald „Faxe“ Brunner, der Piratenpolitiker, der Suizid beging, – u. a. der „Stern“ (Print) und die „Welt“ haben ausführlich über ihn berichtet – , und an dem, wie sich posthum herausstellte, so ziemlich alles frei erfunden war. „Faxe“, der in einem offenbar auf fast schon sektenhafte Weise rechtsextremen Elterhaus aufgewachsen war, gehörte selbst zu den „Anderen“, er hatte homosexuelle Neigungen – die waren wohl halbwegs echt an ihm, auch wenn er, wie es scheint, bisweilen auf eher eigenartige Weise liebte – einen Mann stalkte und ermordete er schließlich. Für Frauen dagegen hatte Faxe kaum mehr übrig als Milo Yiannopoulos, seine Verachtung für sie soll zu Lebzeiten sprichwörtlich gewesen sein. Trotzdem war Brunner (dessen politische Ansichten ansonsten, wie ich fairerweise hinzufügen muss, nicht denen der neuen Rechten entsprachen) ein Darling der Linken, kurioserweise auch der feministischen Frauen.

Selbst wenn man Yiannopoulos und Brunner als „Sonderfälle“ abtut – immerhin hatte die Gender- und Queerforschung in den letzten 15 Jahren vielerorts Machtpositionen inne und konnte Einfluss nehmen. Was hat sie erreicht? Die „Ehe für alle“ (nebenbei bemerkt ein längst überfälliges Gesetz zur Gleichstellung, von dem auch niemand einen Nachteil hat) ist erst nach viel Gedruckse und im Endeffekt vielleicht lediglich als „auf den letzten Drücker vor der Wahl noch mal Punkte machen“ gekommen. Dafür ist der Zeitgeist insgesamt viel konservativer geworden, die Rechte ist aus der Versenkung wieder aufgetaucht und Thilo Sarrazin und andere haben uns eine Reihe „Das wird man ja doch wohl noch mal sagen dürfen“-Bücher beschert, in denen es v. a. darum geht, dass Vorurteile gar nicht so schlimm sind und hier und da vielleicht sogar was dran ist. „Autoritär“ und „links“ schließen einander auch nicht mehr aus, wie nicht zuletzt „Beißreflexe“ deutlich gemacht hat.

Das alles kann man nicht nur kritisieren, man MUSS es sogar kritisieren. Und wenn das so „verletzend“ ist, dann bleibt nur zu sagen: Vielleicht muss Demokratie manchmal „verletzend“ sein. Zumindest um ihrer selbst willen.

Cut! Warum man sich von Queer distanzieren können dürfen muss.

„Beißreflexe“ – Das Buch der „Polittunte“ Patsy LaLove L’Amour ist seit Monaten der Hot Topic schlechthin der Berliner queeren Szene. Ich bin darüber natürlich nur zufällig im Internet gestolpert, denn in der queeren Szene habe ich nur vor vielen Jahren mal hier und da geschnuppert. Da ich überall angefeindet und belästigt wurde, habe ich es dann gelassen. Die Leute widerten mich an: Turnschuhe an den Füßen, die so teuer aussehen, dass ich meine Miete davon bezahlen könnte, Koksrotz um die Nase und Ecstasy-vergrößerte Pupillen, konsumgeil bis zum geht nicht mehr. Entsprechend arrogant treten die Leute auf und man kann nicht umhin, zu glauben, dass man es mit einer gelangweilten, vollkommen übersättigten Jeunesse Dorée zu tun hat, die gar nicht mehr weiß, wie sie ihr Geld noch zum Fenster rausschmeißen soll. Nicht mein Fall.

Leider ließen die Leute aber nicht von mir ab. „Beißreflexe“ und viel mehr noch die Debatte darum, erklärt, warum. Für einen Teil der Leute in der queeren Szene sind mittlerweile offenbar sogar Homosexuelle zum Feind geworden. Auch ist nicht jedeR für die Ehe für alle. Das erklärt vermutlich die homophoben Ausfälle. Auch wenn die Leute es so verstanden wissen wollten, dass ich ja „keine queere Identität“ hätte und es daher „nichts mache“. Also nicht gegen Homophobie bzw. nur wenn einem selbst irgendeine Laus über die Leber läuft. dann ist es „homophob“. Obwohl die Leute darauf bestehen, Avantgarde im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus zu sein, ist ein Teil der Leute islamfeindlich und rassistisch, wie man u. a. in dem Buch „Unter Weißen“ des Zeit-Journalisten Mohamed Amjahid (S. 113 ff) nachlesen kann. Auch Antisemitismus ist offenbar – v. a. im Zuge des Engagements „gegen Imperialismus“ und für Palästina verbreitet. Nicht wenige queere Menschen leiden unter psychischen Krankheiten. Ein Teil davon wollte mich daher auch „krank machen“. Warum sollte ich es denn besser haben? Ein großer Teil,. v. a. der Frauen, leidet an Essstörungen und ist mit seinem Körper unzufrieden. Also sollte ich mich auch nicht mehr in meinem Körper wohlfühlen dürfen. Daher die sexuellen Übergriffe, gern begleitet von dem Verweis darauf, dass ich ja „keine Dyke“ sei, nicht „transgender“. Ich bin tatsächlich nicht „transgender“. Die anderen aber auch nicht. Dass das Geschlechterbild dieser Leute mit seinen klar definierten Rollenvorstellungen für Männer und Frauen, die aber eben „Transgender“ – und offenbar nur die! – durchbrechen können, am rechten Rand dieser Gesellschaft durchaus mit einem gewissen Wohlwollen zur Kenntniss genommen wird, kann man in den Leserbriefen der „Zeit“ von dieser Woche nachlesen.

Ein Teil der Leute wollte mich in der U-Bahn betteln gehen sehen. „Tja, jetzt am Monatsende ist Schmalhans wohl Küchenmeister!“ höhnte eine der Frauen einmal. Man könnte an Psychoterror denken oder an einen Klassenkampf über sexuelle Gewalt – die ständigen Anmachen, die Frauen/Männer sollten ja endlich „ihre Sexualität“ „leben“ dürfen. Dennoch ist es die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die hier fördert. Das heißt, Schützenhilfe und Fördergelder erhalten die Leute auch von der den Grünen nahe stehenden Heinrich-Böll-Stiftung und anderen Institutionen. Carolin Emcke – ihres Zeichens Publizistin und Patentochter des ehemaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, setzt sich leidenschaftlich für Queer ein, aber auch die Alfried-Krupp-Stiftung scheint queerer Forschung gegenüber aufgeschlossen zu sein.

Dabei ist es durchaus diskussionswürdig, ob queere Wissenschaft so seriös ist. Die queere Juniorprofessorin Nanna Lüth beispielsweise sollte ihre Juniorprofessur in Kunstpädagogik an der UDK Berlin vorzeitig beenden, wie man im Berliner „Tagesspiegel“ nachlesen kann. In dem sich weit links positionierenden „Neuen Deutschland“ steht, wie Lüth um ihren Posten kämpfte: Mit der Diversity-Keule: Auch ein schwarzer Medienkünstler sei geschasst worden. Man habe wohl etwas gegen Minderheiten. Allein – der Mann war wohl nicht bereit, für sich für die Dauer des Lehrauftrages ein Zimmer in Berlin zu mieten. Zu viele Verpflichtungen hätten es dem Kanadier allenfalls erlaubt, wie gewohnt gelegentlich nach Berlin zu jetten, um angehende Berliner Kunstlehrer zu instruieren. Tja. Warum sieht man sich dann nicht einfach nach einem ähnlich qualifizierten Medienkünstler um, der zumindest ein Semester lang in Berlin wohnen kann? Wenn das denn so wichtig ist, dann eben mit schwarzer Hautfarbe.

Lüth selbst wurden Dogmatismus und wissenschaftliche Mängel vorgeworfen. Ein Blick auf ihre Vita lässt darauf schließen, dass das so weit hergeholt vielleicht nicht ist. Die Frau hat Film-und Fotodesign studiert, mehrere Aufbaustudiengänge in Großbritannien und den USA zum Thema Medienkunst absolviert und schließlich noch einmal „Kunst im Kontext“ an der UdK, dann die Promotion in Kulturwissenschaften an der Universität Oldenburg und eine Tätigkeit als Kunstvermittlerin im Edith-Ruß-Haus für Medienkunst in der nordwestdeutschen Provinzstadt. Vermutlich ist die Frau fit, was Medienkunst betrifft und nachweisliche Erfahrung in der Museumsarbeit – im weiteren Sinne, hat sie auch – aber eine qualifizierte Wissenschaftlerin? Eine Erfahrene Kunstpädagogin?

Ohne es zu wissen hatte ich selbst einmal mit Nanna Lüth zu tun. Ich bin geboren und aufgewachsen in Oldenburg, aber das tut nur indirekt zur Sache. In Berlin hatte ich 2008 an einem interaktiven Ausstellungsprojekt in der Kreuzberger Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst teilgenommen, das offenbar von Nanna Lüth organisiert wurde. Ich staunte nicht schlecht, als sich eines Tages vor dem Video, in dem ich mitgewirkt hatte, zwei Männer einfanden, die mir entfernt, sehr entfernt bekannt vorkamen. „Ha! Die kennen wir doch!“ rief der eine aus, als ich in dem Video zu sehen war. Dennoch, ich war sicher, dass da etwas nicht stimmte. Die beiden hatten zwar eine entfernte Ähnlichkeit mit meinem alten Kunstlehrer und einem Sportlehrer der Schule in Oldenburg, auf der ich gewesen war, aber in meinem Hirn meldete sich ein Alarm: „Das sind die nicht! Das sind die nicht! Jemand will dich ver-aaarschen.“ Keiner der beiden sprach mich auch im Ausstellungsraum an, obwohl sie doch laut hinausposaunt hatten, dass sie mich angeblich kennen. Der Typ, der eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Kunstlehrer hatte, begegnete mir noch zwei Mal in Berlin.

Erst Jahre später wurde mir klar, warum ich so sicher war, dass es NICHT mein alter Kunstlehrer war: Ich erinnerte mich, dass ich 2004 bei den Eltern einer Freundin in Oldenburg zur Gast war. Wir trafen meinen ehemaligen Kunstlehrer in der Innenstadt. Der reagierte ziemlich unwirsch und schien mich auch nicht einordnen zu können. Ich nahm es nicht persönlich, obwohl mich die Mutter der Freundin darauf ansprach, denn ich wusste aus der Schule, dass der Mann ziemlich grob sein konnte, es aber nicht unbedingt so meinte. Kein Typ, der überbordendes Interesse an seinen Schülern gezeigt hätte, aber wir Schüler mochten ihn damals, weil er als einer der wenigen linken Lehrer galt. Wir haben sogar in der Oberstufe mal ein Kurstreffen bei mir gemacht.

Die UdK mied ich, seit ich mir dort eine Meisterschülerausstellung angeschaut hatte und wieder belästigt worden war. Als mir 2012 in den Kopf kam, selbst Kunstlehrerin zu werden, mailte ich ihnen allerdings nichts ahnend, um in Erfahrung zu bringen, ob ich Teile meines kunsthistorischen Studiums einbringen könnte. „Nur wenig“ – so die knappe Antwort. Außerdem müsse mir klar sein, dass die Anforderungen hoch seien. Ich bewarb mich nicht, denn ich hatte kein Geld, um nochmal richtig zu studieren und ein wirkliches Kunsttalent bin ich eigentlich auch nicht. Wenn dann, hätte es vielleicht allenfalls an einer Provinzuni geklappt. Als ich ein paar Wochen später in einem Kunstprojekt in der NGBK teilnahm, wo die Ausstellungsbesucher selbst zeichnen durften, bemerkte ich,wie eine mittelalte Frau schmallippig meine Zeichnung begutachtete, während ich mich mit einem Jungen mit Migrationshintergrund aus dem Viertel unterhielt. „Und so was wollte Kunstpädagogik studieren!“ schnauzte die Frau halblaut zu einem Künstlertypen, der wohl zu den Mitorganisatoren gehörte. „Die kann doch gar nicht malen!“. Vielleicht stimmte das. Bloß woher wusste die Frau, dass ich die EMail mit der Anfrage an die UdK geschickt hatte???

Fast alle in der queeren Szene machen was mit Kunst, Politik und Medien. Meistens sogar alles zusammen. Auch Patsy LaLove L’Amour, die übrigens, wie man ihrer Homepoage entnehmen kann, ebenfalls von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert wird. Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, wer hier wen beißt, nur dass alle mich gebissen haben. Vielleicht kämpft ja sogar mein alter Kunstlehrer als Linker mittlerweile einen mit allen Mitteln geführten queerfeministischen Kampf gegen eine verarmte ehemalige Schülerin, die er so auf der Straße noch nicht einmal mehr wiedererkennen kann. Dann wäre auch er Teil der „Gender-Stasi“, wie es Peter Rehberg in der „Zeit“ so treffend auf den Punkt gebracht hat. Vielleicht ist es aber auch nicht so. Das ist mir eigentlich egal. Hauptsache, ich werde in Ruhe gelassen. Denn an die Gurgel gehen sie einander allesamt, wie auch Hannah Wettig in der „Emma“ schreibt. Glücklich, wer nie in die Fänge dieser Menschen gerät!