#SansMoile7Mai: Warum der Jubel über Macron auch bei Le Pen-Gegnern verhalten ist. Eine deutsche Perspektive

Am Sonntagabend machte sich erst einmal Erleichterung breit. Schon gegen 20 Uhr, als viele Wahllokale gerade erst dabei waren, zu schließen, war klar: Der eindeutige Gewinner des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist Emmanuel Macron. Dann der Kloß im Magen, der gefühlt immer größer wurde, als ginge einem da ein ganzer Pizzateig im Bauch auf: Marine Le Pen vom rechtsradikalen Front National ist immerhin in der Stichwahl am 7. Mai. Und wäre Emmanuel Macron wirklich so toll als nächster französischer Präsident? Steht er nicht für alles, was François Hollande in Frankreich, aber auch die Agenda-2010-SPD, Wolfgang Schäuble und Angela Merkel in Deutschland, der immer aggressiver werdende Neoliberalismus in Europa und der Welt, vergeigt haben?

Im deutschen Netz wurden am Sonntagabend nicht nur die Hochrechnungen der Wahl in Frankreich kommentiert. Auch das neue Duo an der Spitze der hiesigen rechtspopulistischen AfD, Alexander Gauland und Alice Weidel, wurde eifrig betwittert. Mehrere Tweets, wohl aus dem linken oder zumindest (Macron freundlichen,) liberalen Lager, wunderten sich, dass eine Frau mit einem so „progressiven Lebensstil“ wie Alice Weidel rechts sein kann. Und in der Tat: Weidel lebt lesbisch, in einer Regenbogenfamilie mit Frau und zwei Kindern, Unternehmerin, welterfahren – sie soll lange in China gelebt haben – polyglott und – ja – liberal, zumindest, was das Wirtschaftliche betrifft.

Eigentlich müsste Alice Weidel der feuchte Traum der Frauen- und Genderforschung sein. Genau solche Frauen hatte man mir jedenfalls immer als „Vorbild“ vor die Nase gehalten bzw. es ging darum, Frauen wie mir klarzumachen, dass es da – ich zitiere mal – „ganz andere Frauen“ gäbe: Nicht nur umwerfend aussehend, auch blitzgescheit, beliebt, sexy, die Sorte Mensch, der einfach alles gelingt. Oder zumindest zu gelingen scheint. Solchen Frauen wollte man (bzw. frau) – so wurde man (bzw. frau) nicht müde, mir zu predigen, „das Leben leichter machen“, das war Feminismus 2.0, ich sollte „aufschauen“. Viele andere wahrscheinlich auch.

Und folgerichtig, wenn man denn einer solchen, auch vom Sarrazin-Lager vertretenen Logik folgen will, wird jetzt viel über „Neid“ gesprochen. Sybille Berg hat darüber auf Spiegel Online geschrieben. Es ist aber auch sonst in der Debatte. Kaum eine Analyse des neuen Rechtsrucks in Europa kommt ohne das Wort „Neid“ aus: „Sozialneid“, „Sexualneid“, der Neid auf den Hedonismus der anderen, derer, die es sich leisten können, hedonistisch zu sein, dagegen die Abgehängten, Globalisierungsverlierer, der Zorn des „White Trash“, des „kleinen Mannes“ – Ein tiefer Graben tut sich auf zwischen „Beneideten“ und „Neidern“: Winner-Typen, die „die Nase immer vorn haben“ und Menschen, die es nicht bringen, mit denen man es machen kann, ohne falsche Scham, Macron-Wähler und Le-Pen-Anhänger. Oder die, die ganz links außen Jean-Luc Mélenchon und „La France insoumise“ gewählt haben. Mélenchon, der immerhin auf satte 19% kam, sogar – und das dürfte die hedonistische Fraktion irritieren – in den französischen Übersee-Gebieten, in der farbenprächtigen, sonnenverwöhnten Karibik, unangefochten an der Spitze stand.

Mélenchon wollte seinerseits keine Wahlempfehlung für die Stichwahl im 7. Mai geben. Unter dem Twitter Hashtag #SansMoile7Mai („Ohne mich am 7. Mai“) machen sich seine Wähler und Wählerinnen jetzt Luft. Es heißt, mit dem Soziologen Didier Eribon hat es sogar jemand geäußert, der in Deutschland hohes Ansehen genießt: 5 Jahre Macron würden eine rechtsradikale Präsidentin Marine Le Pen 2022 nur umso wahrscheinlicher machen. 5 Jahre mehr Präkarisierung der Arbeitsverhältnisse und Erosion des Sozialstaates, 5 Jahre mehr, die einen so richtig heftig neidisch machen sollen. „Gar nicht erst hochkommen lassen!“, „hungrig halten!“ – Ich zitiere noch einmal ein bisschen aus Berlin.

Doch halt, vielleicht ist es auch Alice Weidel: Selten blöd, einer Frau, nur weil sie mit einer Frau zusammenlebt, wohlwollend einen „guten“, linken Kern zu unterstellen, wegen des „progressiven Lebensstils“, Toleranz und Solidarität mit allen Diskriminierten und Entrechteten dieser Welt! Dabei ist es Alice Weidel, die z. B. die Ausbürgerung krimineller Migranten fordert, wie u. a. auf Spiegel Online zu lesen ist. Weidel ist also nicht Macron, sondern eben AfD, dicht dran am FN.

So wenig die einfältige Gleichung: liberal = wirtschaftsliberal = Macron = Minderheiten = Migration = Toleranz = EU = Weidel =“gut“ auch funktioniert – sie ist sogar grundfalsch! -, so wenig kann aber eine autoritäre, aufs Nationale bedachte und am „kleinen Mann“ orientierte Politik den Problemen unserer Zeit – ob in Frankreich oder Deutschland – etwas entgegensetzen.

Vielleicht sollte man es lieber mit denen halten, die in den erregten Diskussionen um die Präsidentschaftswahl in Frankreich bislang nur wenig Gehör fanden: Macron als das kleinere Übel wählen und sich dann mit umso mehr Elan für eine Politik engagieren, in der der „kleine Mann“ oder die „kleine Frau“, die „Abgehängten“, all jene, die man „nicht mitmachen lassen“ wollte, Toleranz, Offenheit, Vielfalt – und ja, auch Europa – als etwas erleben können, das auf ihrer Seite ist. Was spricht eigentlich so sehr dagegen?

Aus Laila Phunks Buchregal: „Die Präsidentin“ von François Durpaire & Farid Boudjellal

Fast 160 Seiten an einem Abend durchgelesen? Muss wohl gut sein … Die Graphic Novel „Die Präsidentin“ von François Durpaire (Text) und Farid Boudjellal (Bilder) liest sich so spannend, dass sie, wäre sie ein Film, glatt als Blockbuster durchgehen könnte. Auch wenn Horror als Genre wohl am passensten ist, denn „Die Präsidentin“ dreht sich um die bange Frage, die im Vorfeld der anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich viele Menschen beschäftigt: Was wäre, wenn Marine Le Pen die nächste Präsidentin Frankreichs werden würde?

Durpaire und Boudjellal setzen in ihrem Comic, den sie, wie es aussieht, vermutlich gegen Ende 2015 verfasst haben, in der nahen Zukunft an: In einem Wahllokal im bunten Paris-Bellevile gibt Oma Antoinette, begleitet von ihrer senegalesischen Haushalthilfe Fati, ihre Stimme für die Stichwahl zwischen François Hollande und Marine Le Pen ab. Am Abend dann der Schock vor dem Fernseher: Fassungslos erleben Antoinette, Fati und Antoinettes Enkel Stéphane und Tariq, wie die Wahlsiegerin angekündigt wird und das Gesicht der Spitzenkandidatin des rechtsradikalen Front National auf dem Bildschirm erscheint. Was man vor wenigen Jahren noch für schier unmöglich gehalten hätte, ist wahr geworden: Von nun an wird, so das Szenario, erstmals nach 1945 eine rechtsradikale Politikerin die Geschicke eines westeuropäischen Landes leiten.

Einmal an der Macht, verliert der FN keine Zeit, sondern setzt zügig in die Tat um, was den Rechten seit langem vorschwebt: Der Austritt Frankreichs aus der Euro-Zone etwa, und die Wiedereinführung des Franc, die das Land in eine tiefe Rezession stürzt. Auch die digitale Überwachung wird ausgebaut. Der Umbau Frankreichs zu einem autoritären Staat wird in Angriff genommen und natürlich lässt es sich die neue, fiktive Präsidentin nicht nehmen, den wichtigsten Punkt ihres Wahlprogrammes umgehend zu realisieren: Die Ausweisung illegal in Frankreich lebender oder straffällig gewordener Migranten. Schnell wird klar, dass man geneigt ist, das Wort „Straftat“ im Bezug auf Migranten weit auszulegen. Getreu dem rechten Motto „La France, tu l’aimes ou tu la quittes!“ („Entweder du liebst Frankreich oder du gehst dahin zurück, wo du hergekommen bist!“) trifft es zuerst die Maulhelden aus der Rapper-Szene. Kurz darauf wird auch Fati von der Polizei abgeholt und gewaltsam in ein Flugzeug zurück in den Senegal verfrachtet.

Als Leser verfolgen wir das Geschehen v. a. aus der Perspektive des arbeitslosen Stéphane, der mit seinem Blog résistance.fr versucht, Widerstand zu leisten. Durpaire, der das Szenario entworfen hat, beweist dabei politisches Fingerspitzengefühl, was seine Ausführungen auf eine gruselige Art realistisch erscheinen lässt.

Wer sich für Politik interessiert, für den dürfte „Die Präsidentin“ außerdem eine wahre Fundgrube an Informationen sein: Der Comic bietet z. B. eine Übersicht über Größen aus dem französischen Show-Biz, aber auch aus dem Kultur- und Geistesleben, die dem Front National schon jetzt nahe stehen: Die Schauspielerin Brigitte Bardot beispielsweise, der Philosoph Alain Finkielkraut oder der schwarze Komiker Dieudonné M’Bala M’Bala. Außerdem wird ausführlich dargelegt, welche PolitikerInnen aus dem bürgerlichen, liberal-konservativen Lager eventuell bereit wären, einer Front-National-Regierung eine Chance zu geben. Immerhin haben die Rechten ihre bisherigen Erfolge ja wirklich einer solch guten gesellschaftlichen Verankerung und Akzeptanz zu verdanken. Oder hier und da eben auch offener Zustimmung.

In der Fülle an politischen Informationen, mit denen die Graphic Novel aufwartet, liegt allerdings, zumindest für den deutschen, mit der französischen Tagespolitik weniger vertrauten Leser auch eine gewisse Schwäche: Manchmal fühlt man sich ein bisschen zu sehr mit Details bombardiert. Dennoch versteht es Durpaire, die Spannung bis zum Schluss zu halten. Die präzisen, auch inhaltlich immer treffsicheren Zeichnungen Boudjellals, die den Comic tragen, kulminieren schließlich in einer düsteren Vision: Ein gesichtsloser, kahlköpfiger Untergrund unter dem Banner des Hakenkreuzes, dem die fiktive Regierung Le Pen noch viel zu lasch ist … Ein Albtraum, der so realitätsfern, wie er auf den ersten Blick scheinen mag, auch für Deutschland nicht ist. Absolut lesenswert!

François Durpaire (Text), Farid Boudjellal (Bilder): „Die Präsidentin“, Éditions des Arènes, et Demopolis 2015, deutsch: Verlagshaus Jacoby & Stuart, Berlin 2016.

„Égalité et réconciliation“ oder: wie rechts ist die Linke?

„Égalité et réconciliation“ – „Gleichheit und Versöhnung“: klingt toll oder? Nach Kirchentag, Frieden und sozialer Gerechtigkeit. An Faschismus würde man eher nicht denken. Die Köpfe der im Sommer 2007 gegründeten rechtsextremen französischen Gruppierung, ihr Gründer und Präsident Alain Soral oder sein Freund, der schwarze Komiker Dieudonné M’Bala M’Bala, würden vielleicht sogar darauf bestehen, dass es sich um ein linkes Projekt handelt. Beide unterstützen bei der anstehenden Präsidentenwahl in Frankreich offenbar auch den sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon, wie es auf verschiedenen, eher obskuren Sites im Internet, u. a. der Seite von „Égalité et réconciliation“ („E&R“) heißt.

„Lechts und rinks“ – Verwirrung à la Ernst Jandl*! Ja, was denn nun, fragt man sich? Der (französischsprachige) Wikipédia-Eintrag zu „Égalité et réconciliation“ klärt auf: „nationalkommunistisch“ („nationaliste de gauche“) sei man, „links, was Arbeit und Soziales betrifft, rechts in den Werten“ („gauche de travail et droite des valeurs“). Das Label „nationalkommunistisch“, das hierzulande einen etwas unangenehmen Beigeschmack hat, weil es, zumindest vom Klangbild her, gefährlich nah am Nationalsozialismus dran ist, haftet in Deutschland seit der Flüchtlingskrise auch der Linkspartei-Politikerin Sahra Wagenknecht an. Ob zu Recht oder nicht, sei einmal dahingestellt. Vermutlich ist Wagenknecht ein gutes Stück, sagen wir, selbst wenn das mit dem „nationalkommunistisch“ zutreffen sollte, ruhig in aller Deutlichkeit: ein entscheidendes Stück von „Égalité et réconciliation“ entfernt, denn dort steht, wie auf Wikipedia weiter ausgeführt wird, der Kampf nicht nur gegen die Globalisierung, sondern auch gegen den „Zionismus“ im Mittelpunkt.

In deutschen Ohren klingt das nach dem „Rothschild“-Gerede der Querfront-Aktivisten und Verschwörungstheoretiker um Ken Jebsen (KenFM), ein etwas sumpfiges Milieu, in dem auch der russische Auslandssender RT deutsch, der Kopp-Verlag, diverse Friedensaktivisten, Politiker der Linkspartei und Leute aus dem Umfeld der jungen Welt, vereinzelt auch taz-Journalisten und am anderen Ende der Fahnenstange dann Jürgen Elsässer und Compact sowie einige No-Name-Akteure aus dem rechtsextremen Lager eine Rolle spielen. Ohne die Leute in einen Topf werfen zu wollen – tatsächlich haben sich die eher Linken immer wieder von den eindeutig Rechten abgegrenzt -, aber die Mischung ist kurios und man weiß eigentlich gar nicht mehr so recht, wer noch wer ist.

Auch in Frankreich lässt man sich gern über „die Rothschilds“ aus und auch hier spielen russische Auslandsmedien eine gewisse Rolle, etwa bei den Gerüchten, der unabhängige und recht chancenreiche Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sei angeblich homosexuell (Das hatte allerdings offenbar der Republikaner Nicholas Dhuicq in die Welt gesetzt)**.

Ebenso, wie verdächtig viele linke und linksextreme Aktivisten „für den Frieden“ fragwürdige „strategische“ Bündnisse mit Radau-Kapitalisten wie Donald Trump oder gar Anhängern der AfD und Rechtsextremen eingehen, suchte man bei „Égalité et réconciliation“ zwischenzeitig die Nähe zum Front National.

Dabei war der ehemalige Kunststudent, Schauspieler und Journalist Alain Soral einmal überzeugter Marxist und Anhänger der kommunistischen Partei Frankreichs. Auch Dieudonné, der „Égalité et réconciliation“ als Außenstehender unterstützt, hat eine linke Vergangenheit, in der er sich v. a. gegen Rassismus stark machte. Der Komiker, der vorübergehend auch mit dem Islamismus sympathisierte, radikalisierte sich in den 00er Jahren. 2014 erhielt er Einreiseverbot für Großbritannien wegen seiner Nähe zu Holocaustleugnern und dem Zeigen der „Quenelle“, eines etwas abgewandelten Hitlergrußes. All das (und noch viel mehr) kann man auf seinem Wikipedia-Eintrag nachlesen.

Auch „Égalité et réconciliation“ gibt sich, angesichts der vielen islamistischen Terroranschläge, die Frankreich in den letzten Jahren heimgesucht haben, überraschend muslimfreundlich. Gerade wegen der gemeinsamen (erzkonservativen) „Werte“ stünde einer Allianz zwischen Muslimen und Katholiken nichts entgegen, finden Soral & Co.. Schließlich habe man Homosexuelle, Feministinnen und Juden als gemeinsamen Feind.

In Deutschland wird wohl niemand so schnell einen aggressiven Antisemitismus à la Dieudonné offen zur Schau stellen. Zum Glück stehen dem die deutsche Vergangenheit und ein gewisses kollektives Schamgefühl entgegen. Dennoch ist der Boden für einen „Nationalismus von links“ auch hierzulande da. Neben der eingangs bereits erwähnten Politkerin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, und der ideologisch sehr fragwürdigen Querfront spracht etwa „Freitag“-Chefredakteur Jakob Augstein in seiner Spiegel-Online-Kolumne „Unsere Heimat“ von letzter Woche vom „Schutz der Heimat“ und Ausländern als „Konkurrenten im Lebensstil“, nur um diese Woche dann die Muslimen in Deutschland vor einem Gesetzesentwurf des CDU-Politikers Jens Spahn in Schutz zu nehmen. Sicher, Augstein steht nicht in dem Ruf, besonders wertkonservativ zu sein, er ist weder homophob noch frauenfeindlich und schon damit Lichtjahre von „Égalité et réconciliation“ entfernt. Die Frage ist nur: sind seine LeserInnen es auch? Nicht zuletzt, weil  der eigentlich linke „Freitag“ mittlerweile von Jürgen Todenhöfer, einem früheren CDU-Rechtsaußen (ideologisch also etwa das heutige AfD-Milieu), herausgegeben wird. Die Lager nähern sich offenbar an. Die Berührungsängste schwinden zumindest.

Wer die Soral-Anhänger in Frankreich allerdings auf ihren brachialen Antisemitismus festnageln will, dem können die im Selbstverständnis „linken“ Aktivisten immer noch mit David Rachline kommen. Der ehemalige politische Weggefährte, FN-Politiker und „E&R“-Sympathisant ist, wie man auf Wikipédia nachlesen kann, väterlicherseits ukrainisch-jüdischer Abstammung. Zudem werden Juden hier wie in Frankreich derzeit heftig vom rechten Lager umworben – allerdings im Hinblick auf eine ausdrücklich islamfeindliche Politik.

Da dreht sich einem der Kopf: Rassismus? Nein, sie haben ja Schwarze dabei, Islamophobie? Nein, sie setzen sich doch für Muslime ein, sozial, auf Seiten der „kleinen Leute“ sind sie allemal und ihren Antisemitismus finden selbst die Juden gar nicht so schlimm. Na ja. Wann immer eine vermeintlich linke Politik, egal wie „links“ sie dem Namen nach angeblich ist, seltsam faschistisch, brutal und ausgrenzend rüberkommt, sollte man jedenfalls vorsichtig sein, ganz gleich zu wessen Wohl es angeblich ist. Auch in Deutschland. In Punkto internationale Vernetzung hat die europäische Rechte die Nase nämlich zynischerweise leider längst vorn.

*aus dem Gedicht „Lichtung“.

**vgl. Art.: „Ex-French economy minister could be „US-agent“ lobbying banks interests“, Sputnik.com v. 04.02.2017.

Alles aus Protest? Wahlen in MeckPom

Die gute Nachricht zuerst: Die NPD ist nicht mehr im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Dafür ist die AfD zweitstärkste Kraft. Wie überall, wo die AfD gute Ergebnisse erzählt, hat sie sie v. a. Protestwählern zu verdanken. Aber warum wählt man „aus Protest“ eigentlich eine rechtspopulistische Partei? Es heißt, es sei Angela Merkels Flüchtlingspolitik, die die Leute nach rechts rücken ließe. Allerdings ist Mecklenburg-Vorpommern ein Bundesland, in dem die Flüchtlingsfrage tagespolitisch kaum von Bedeutung sein dürfte. Dort sind einfach nicht so viele Flüchtlinge. Und abgesehen davon – haben die Leute eigentlich Angst vor zuviel Zuwanderung? Fürchten sie sich davor, von Flüchtlingen und EU-Ausländern an den Rand gedrängt zu werden? Oder liegt es an der befürchteten „Islamisierung des Abendlandes“, gegen die Pegida seit ein paar Jahren auf die Straßen geht und die vielleicht auch im Nordosten diffuse Ängste auslöst, die eigene Kultur zu verlieren, sich gegen etwas Fremdes verteidigen zu müssen, das einem unheimlich ist und das man deshalb lieber nicht zu nah an sich heranlassen will?

Vielleicht haben die Wahlerfolge der AfD aber letztendlich gar nicht so viel mit den Flüchtlingen zu tun. In den letzten Jahren war immer wieder von Politikverdrossenheit die Rede, Demokratiedefizite wurden ausgemacht, das Vertrauen in die etablierten Eliten wurde über die Jahre mehr und mehr ausgehöhlt: durch die Finanzkrise, durch die zunehmende Globalisierung, durch eine EU-Politik, die den einzelnen Mitgliedsstaaten die Zügel aus der Hand zu nehmen scheint und den Wählerinnen und Wählern damit das Gefühl gibt, die eigene Stimme sei immer weniger wert.

Ist die „konservative Revolution“ die Lösung für solche politischen und sozialen Aufweichungstendenzen, die sich überall abzuzeichnen scheinen? Vielleicht ist es kein Zufall, dass Nationalismus, eine Rückbesinnung aufs Religiöse und rechtskonservative bis faschistoid-autoritäre politische Strömungen seit dem Fall des Eisernen Vorhanges in Osteuropa im Aufwind sind. Was zunächst vielleicht eine Reaktion auf den radikalen Neoliberalismus war, der als „Schocktherapie“ die postsozialistischen Transformationsgesellschaften mit einem Manchesterkapitalismus konfrontierte, den auch die westeuropäischen sozialen Marktwirtschaften nicht gewohnt waren, etablierte sich mehr und mehr. Dabei hat es vermutlich auch eine Rolle gespielt, dass der „Realsozialismus“ in gewisser Weise ein ideologisch-spirituelle Vakuum hinterlassen hat, das mit irgendetwas gefüllt werden musste, obwohl der „real existierende Sozialismus“ sich selbst in den meisten ehemals sozialistischen Ländern eigentlich in den Jahren zuvor schon gründlich genug diskreditiert hatte. Aber vielleicht ging es ja gerade darum: Halt zu finden in einem konservativen Traditionalismus und in ethnisch-nationalistischer Abgrenzung, etwas Verlässliches zu schaffen, statt auf einen Fortschritt zu setzen, der möglicherweise niemals kommt und seine Lebenskraft damit zu vergeuden, Heilsversprechungen hinterherzurennen, von denen man bereits weiß, dass sie nicht eingelöst werden. Der freie Markt als Fixpunkt wäre die zynische Option gewesen. Stattdessen wurde Religion im christlichen Europa wie übrigens auch in der islamisch geprägten Welt zum neuen Identitäts- und Sinnstifter. Vielleicht ist das der Trend.

Die Gefahr, durch junge, dynamische, womöglich in einigen Fällen sehr gut ausgebildete und finanzstarke Zuwanderer auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt verdrängt zu werden, besteht jedenfalls wenn überhaupt eher in Berlin als in Mecklenburg-Vorpommern. Und in der Hauptstadt sieht man vermutlich auch mehr Niqab-Trägerinnen und Moscheen. Dafür ist der strukturschwache deutsche Nordosten insgesamt eher abgehängt. Die Arbeitslosigkeit ist dort nach wie vor relativ hoch. Der in letzter Zeit so sehr gepriesene wirtschaftliche Aufschwung dürfte deshalb für die meisten Leute im Alltag kaum spürbar sein. Nur – hat die AfD dazu irgendetwas zu sagen?

Bad Feelings

Jetzt ist es raus: Innenminister Thomas De Maizière will das Ausländerrecht drastisch verschärfen. Es sei eine Reaktion auf die Anschläge von Würzburg und Ansbach, hieß es in der Tagesschau. Konkret geht es u. a. um die doppelte Staatsbürgerschaft und ein mögliches Verbot der Burka. Außerdem soll die ärztliche Schweigepflicht – sofern ein Patient, der sich in psychologischer Behandlung befindet, verdächtige Äußerungen macht – „aufgeweicht“ werden können.

Das kommt überraschend. Noch vor wenigen Tagen wurde ja darauf bestanden, dass die meisten terroristischen Attentate auf das Konto psychisch gestörter Einzeltätern gingen. Außerdem seien es Europäer – Deutsche, Franzosen, Belgier. Flüchtlinge hätten damit nichts zu tun. Dass es eben doch auch Anhänger des IS waren, die mit dem Flüchtlingsstrom mit eingewandert sind und dass die psychisch gestörten „einsamen Wölfe“ z. T. Drahtzieher im Hintergrund hatten, die sehr gut wussten, was sie taten, war so mühsam unter dem Deckel zu halten, dass die Beschwichtigungsversuche von offizieller Seite wenig glaubwürdig wirkten. Dabei hat wohl nur eine kleine, rechtsradikale Minderheit die Flüchtlinge unter Generalverdacht gestellt und die Situation genutzt, um antimuslimische Ressentiments zu schüren, denn man muss ja schon ganz schön vorurteilsbeladen sein, um für die grausigen Taten einzelner ganze soziale Gruppen verantwortlich zu machen.

Ein bisschen ist es mit dieser Einwanderungspolitik so, wie mit einer Mutter, deren Kinder ein Eis haben wollen und sie kauft ihnen eins. Dann aber noch ein zweites und ein drittes. Auch das vierte Eis müssen die Kinder hinunterwürgen, obwohl ihnen schon längst speiübel ist. Irgendwann kotzen sie dann alles wieder aus. Der Mutter ist kein Vorwurf zu machen. Immerhin wären andere Kinder froh, sie hätten so großzügige Eltern – oder etwa nicht?

Ein ganzes Jahr lang sind die Flüchtlinge hochgejubelt worden. Man bat um Nachsicht, auch nach den sexuellen Belästigungen am Kölner Hauptbahnhof. Die Flüchtlinge seien vielleicht den Anblick halbnackter Frauen nicht so gewöhnt, hieß es. Man müsse Verständnis für die fremde Kultur haben. Sogar hartgesottene Feministinnen äußerten sich z. T. seltsam empathielos: „Das Fatale an der Situation ist, dass wir nur auf sexualisierte Übergriffe von Männern mit Migrationshintergrund gucken. (..) Wenn wir nur auf diese Gruppe schauen und sie als alleinige Täter identifizieren, ist das eine rassistische Annahme.“ wird etwa die Initiatorin des #Aufschrei, Anne Wizorek auf Meedia zitiert.

Eigentlich ging es nicht darum, dass sich nur Männer mit Migrationshintergrund sexuell übergriffig verhalten. Natürlich ist das Quatsch. Die Frage war jedoch, ob ein solches Verhalten mit einer fremden Kultur entschuldigt werden kann. Kann es nicht. Am Strand von Tunesien sonnen sich seit Jahrzehnten europäische Touristinnen im Bikini. In vielen nordafrikanischen Ländern hat es Zeiten gegeben, in denen Frauen selbstbewusst auftraten, berufstätig waren, sich westlich kleideten und über feministische Theorien nachdachten. Der verkitschte Burka-Diskurs, das „Schamgefühl“ exotischer Minderheiten, die man angeblich nicht brüskieren wollte, ist eigentlich eher ein Rückkopplungseffekt migrantischer Parallelgesellschaften in Europa. Allerdings sind auch die muslimischen Länder konservativer, religiöser und intoleranter geworden. Das kann man nicht leugnen. Nur ist es eben nicht so, dass die Leute nicht wussten, worauf sie sich einlassen.

„Es ist ein durchaus signifikanter Anteil der Bevölkerung, der zwar verstanden hat, dass ohne Einwanderung die demografischen Probleme gar nicht zu meistern sind. Der aber gleichzeitig nicht begreifen will, dass Einwanderung nur dann funktionieren kann, wenn die Mehrheitsgesellschaft bereit ist, sich mit und durch ihre Einwanderer auch zu verändern. Dass es also gar nicht funktionieren kann, wie von Pegida, aber auch Vertretern der AfD und manchen Unions-Politikern verlangt, dass auch weiterhin die christlich-abendländische weiße homogene Mehrheitsgesellschaft zum Standard erklärt wird.“ fasste Ines Pohl, damals Chefredakteurin der taz im Januar 2015 linke Einwanderungspolitik auf Deutschlandradio zusammen.

Genau das ist leider die Frage: Kann man Menschen zwingen, sich für Einwanderer zu verändern? Das wäre, als würde man Gäste zum Abendessen einladen. Natürlich kocht man nichts, von dem man genau weiß, dass die Leute es nicht mögen. Aber was wäre, wenn die Gäste plötzlich vorschlagen, man solle das alte Sofa rausschmeißen? Und außerdem solle die Gastgeberin rauf auf ihr Zimmer gehen, man wolle den Abend lieber mit dem Gastgeber allein verbringen? Das wäre zu viel, nicht wahr?

Dennoch ist es ausgesprochen schwierig, sich in der Flüchtlingsdebatte zu positionieren. Ines Pohl hat insofern recht, als dass auch das (deutsche) rechtskonservative Milieu im Grunde eine Rückkehr zu einer kulturellen „Reinheit“ fordert, die nicht nur nicht zeitgemäß, sondern genauso blödsinnig ist, wie zu behaupten, die Burka sei typisch für Nordafrika (ist sie nicht. Die Burka ist eine zentralasiatische Angelegenheit, manche behaupten sogar, sie sei vorislamisch.).

Man hat den Eindruck, dass es um eine Art Ethno-Disneyland geht, eine folkloristische, schematisch vereinfachte Repräsentation verschiedener Ethnien: Deutschland-Donald, Griechenland-Goofy und Marocco-Mickey, die sich gegenseitig an die Gurgel gehen. „Europes biggest crisis“, erfährt man auf Politico.eu, ist aber nicht das Hadern mit kulturellen Identitäten, auch nicht Terrorismus oder Einwanderung, sondern „economic“. Junge Leute in Europa haben Angst vor Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Problemen. Dazu passt das Pochen darauf, wir bräuchten mehr Einwanderung, um unsere Renten zu sichern, nicht. Menschen wie ich zahlen nicht in die Sozialtöpfe ein, weil man an uns ja eben gerade die Sozialversicherungsbeiträge sparen wollte. Ich selbst habe bislang nur 1 Euro Rente zu erwarten und das auch nur durch einen Aushilfsjob. Das bedeutet aber nicht, dass wir keine Einwanderung wollen. Das Problem ist eher das schlechte Gefühl, der Druck den man uns macht. Man hat den Eindruck, dass es fast gewünscht ist, dass sozial schwache Leute mit Aggression und Neidgefühlen auf die Flüchtlinge blicken. Dabei ist mir persönlich noch kein einziger Flüchtling begegnet, der von mir verlangt hätte, die Burka zu tragen oder mir damit gedroht hätte, mir den Arbeitsplatz oder die Wohnung streitig zu machen. Vielleicht ist das mit dem Gegeneinander-Ausspielen eher ein deutsches Problem? Eine Frage, wie man das Thema Einwanderung handhabt und vermittelt?

U. a.  auf n-tv konnte man lesen, wie hoch die Erwartungen an die „übernormal gesund(en)“ „junge(n), dynamische(n) Männer“ waren, die aus dem Nahen und Mittleren Osten zu uns gekommen sind. Jetzt wundert man sich, dass so viele von ihnen psychisch schwer traumatisiert sind. Na ja, sie kommen aus dem Krieg, könnte man darauf lapidar antworten. Vielleicht war es ein Fehler, dass man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, als der Wohltäter der Welt dastehen und sich gleichzeitig junge, robuste Arbeitskräfte sichern wollte. Und nun hat man eben echte Asylbewerber bekommen. Es ist ganz normal, dass jemand, der Gewalt, Terror und Unterdrückung erlebt hat, darauf mit posttraumatischem psychischen Stress reagiert. Zynischerweise beweist es sogar, dass die Menschen mit gutem Recht bei uns Hilfe suchen. Das sollten wir nicht vergessen.

Ob aber eine „Aufweichung“ der ärztlichen Schweigepflicht, wie sie De Maizière gefordert hat, dazu beitragen kann, Terroranschläge zu vereiteln, ist fraglich. Ich glaube, wenn jemand z. B. bei der Beichte konkrete Mordpläne äußert, wäre sogar ein Priester von der Schweigepflicht entbunden. Aber wie will man diffuse „Anzeichen“ psychologisch „deuten“, zumal bei jemandem, der selbst Gewalt erlebt hat? Wäre es nicht wichtiger, den Betroffenen bei der Verarbeitung ihrer schlimmen Erlebnisse zu helfen?

Und will man in erster Linie Schutz bieten oder vor allem einen guten Grund dafür haben, das Projekt der Globalisierung voranzutreiben? Es wäre fahrlässig, die Warnzeichen zu ignorieren, den zunehmenden Rechtspopulismus oder das britische Votum für den Brexit. Man tut auch Einwanderern nichts Gutes, wenn man die Leute immer mehr gegeneinander aufhetzt. Ganz abgesehen davon, dass es durch massive Zuwanderung theoretisch sogar möglich wäre, von außen Einfluss auf politische Entwicklungen in Deutschland zu nehmen. Mir jedenfalls lief es eiskalt den Rücken hinunter, als ich davon hörte, dass auf der pro-Erdogan-Demo in Köln u. a. die Wiedereinführung der Todesstrafe gefordert wurde, zwar nur für die Türkei, aber immerhin: ein nicht geringer Teil der Demonstranden dürfte sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzen, könnte also auch hier „pro-türkisch“ wählen.

Eigentlich ist mir total egal, was in der Türkei ist. Ich kann zwar verstehen, dass Leute, die Angehörige in der Türkei haben, das anders sehen, aber irgendwie will ich nicht indirekt in türkische Angelegenheiten verwickelt werden. Zumal ich selbst auch nicht die Möglichkeit hätte, darauf Einfluss zu nehmen. Ich habe ja keinen türkischen Pass. Was wäre denn zum Beispiel, wenn wir eines Tages einen türkischsstämmigen Außenminister hätten? Das fände ich zwar im Prinzip gut, aber nur, wenn es ein Politiker wäre, der sich für das Wohl aller Bürger unseres Landes einsetzen würde. Was wäre, wenn der Mann aber gleichzeitig auch ein türkischer Politiker wäre, eben weil er auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt?

Viele Türken fühlen sich im Moment vor den Kopf gestoßen, weil viele von ihnen die doppelte Staatsbürgerschaft haben. Vielleicht ist die Frage aber nicht „entweder/oder“, sondern eher eine der Modifikation, z. B. wie schnell man einen zweiten, deutschen Pass erhalten kann, ob es möglich wäre Pässe zu „sammeln“ (weil man hier und da mal ein paar Jahre in einem Land gelebt hat), ob man verlangen könnte, dass Politiker, die höhere Ämter bekleiden, eine ausländische Staatsbürgerschaft aufgeben müssten, ob Kinder, deren Eltern beide (u. a. auch) deutsche Pässe besitzen, trotzdem einen Anspruch auf einen zusätzlichen ausländischen Pass geltend machen könnten, usw.. Vermutlich gäbe es vielerlei Möglichkeiten, die doppelte Staatsbürgerschaft den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Ein Kleinkrimineller, der in der dritten oder vierten Generation in Deutschland lebt und nur noch gebrochen türkisch spricht, ist eigentlich eher ein deutscher Kleinkrimineller. Man kann nicht jeden, der irgendwie Probleme macht, einfach abschieben, unter dem Vorwand, dass er (oder sie) nicht „rein deutsch“ sei. Allerdings muss man Staatsbürgerschaften auch nicht wie Sauerbier anbieten. Wer sich mit aller Kraft gegen diese Gesellschaft aufbäumt und eigentlich in erster Linie auf Abgrenzung bedacht ist, muss auch nach drei, vier Jahren Aufenthalt nicht unbedingt die Möglichkeit haben, die Geschicke des Landes mitzubestimmen.

Ein mittlerer Weg ist immer möglich. Fragt sich nur, ob man ihn gehen will.

 

Wie braun bist Du? Mach den Test!

NaziTestBlog

Und so geht’s:

Such Dir einfach bei jedem Themenblock eine Aussage aus, die am ehesten für Dich in Frage kommt. Zähle am Ende zusammen, welchen Buchstaben (am Ende jeder Aussage) Du am häufigsten hast. Los geht’s!

1. soziale Ungleichheit
– Manche sind fleißig, manche nicht. Daher ist eine gewisse soziale Ungleichheit unvermeidbar. Allerdings hat es jede(r) selbst in der Hand. (D)
– Lebenschancen sind auch in unserer Gesellschaft ganz schön ungleich verteilt. Da liegt noch vieles im Argen. Man sollte mehr in Schulbildung und Berufsförderung investieren. (C)
– Ich sag’s nicht gern, aber es ist doch nun einmal so, dass manche Menschen intelligenter, robuster und leistungsfähiger sind als andere. Eine gewisse Ungleichheit ist ganz natürlich. (A)
– Ich mag diesen ganzen Leistungsdruck nicht. Menschen werden doch eigentlich nur nach ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit bewertet. Ich bin für das bedingungslose Grundeinkommen. (B)

2. Europa
– Ich bin für den Dexit. Deutschland sollte aus der EU austreten. Warum sollen wir die Zeche dafür zahlen, dass die ganzen Südländer ihr Geld mit vollen Händen zum Fenster rausschmeißen? Dolce Vita ist ja schön und gut, aber nicht auf meine Kosten! (D)
– Ich finde, dass die EU jungen, motivierten Menschen ungeheure Chancen bietet. Und unsere Wirtschaft boomt wie nie zuvor. Gerade Deutschland profitiert von der Freizügigkeit der EU und dass es vielen östlichen EU-Mitgliedern wirtschaftlich mittlerweile sehr viel besser geht, sollte doch für sich sprechen, oder? (D)
– Eine „Festung Europa“? Nein Danke! Ich lehne jede Form von Grenzen ab! (B)
– Ich weiß nicht. Natürlich bin ich für offene Grenzen, aber durch die Freizügigkeit auf dem innereuropäischen Arbeitsmarkt ist auch sehr viel Druck aufgebaut worden. Dass das vielen Menschen nicht behagt, merkt man, finde ich, auch daran, dass der Rechtspopulismus in vielen Ländern im Aufwind ist. Vielleicht könnte man da noch ein bisschen nachbessern. (C)

3. Flüchtlinge
– Jetzt kommen so viele kräftige, gesunde und motivierte junge Menschen zu uns. Unsere Wirtschaft kann nur davon profitieren. Schon deshalb finde ich, sollte man den Flüchtlingen auch in kultureller Hinsicht entgegenkommen. Überhaupt ist das oberste Gebot jetzt eine schnelle Integration derjenigen, die bei uns Schutz suchen. Dafür ist es wichtig, dass die Schutzsuchenden möglichst schnell in Arbeit kommen. Deshalb denke ich, dass es unumgänglich sein wird, beim Mindestlohn Abstriche zu machen. (D)
– Also, dass die Flüchtlinge wirklich unsere Renten erwirtschaften werden, bezweifle ich. Die meisten schielen doch wohl eher danach, es sich in unserem Wohlfahrtsstaat gemütlich zu machen. Ich finde, Deutschland braucht endlich ein vernünftiges Einwanderungsgesetz, z. B. wie in Canada. Dann können wir die Spreu etwas besser vom Weizen trennen. Schließlich sind wir nicht das Sozialamt der ganzen Welt, wie schon Horst Seehofer sagte. Da hat er doch recht! (D)
– Natürlich muss man Menschen, die vor Terror, Krieg und Unterdrückung fliehen, helfen. Aber ich denke, man muss das Asylrecht von Einwanderung aus wirtschaftlichen Gründen trennen. Es sind einfach im Moment zu viele auf einmal, so dass man Wirtschaftsmigranten vielleicht auf einen späteren, günstigeren Zeitpunkt vertrösten muss. Außerdem sollten sich andere Länder bei der Hilfe für die geflüchteten Syrer mehr in der Verantwortung sehen. (C)
– Tut mir leid, aber der Islam passt einfach nicht zu uns. Ich möchte hier keinen Terror, keine Scharia und auch keine Burka. Für die Syrer ist es doch auch besser, wenn sie in einem Land Schutz suchen, das ihrem eigenen kulturell ähnlicher ist. (A)

4. Demokratie
– Gerade um unsere Demokratie zu schützen, sollten wir skeptisch gegenüber zu vielen Einwanderern sein. Man hat es doch auch an der Erdogan-Demonstration in Köln gesehen. Sollen wir eines Tages wieder die Todesstrafe einführen, nur damit Ausländer hier nicht den Eindruck haben, sie hätten nicht genug Mitspracherechte? Wollen wir wirklich die Errungenschaften der Frauenbewegung und die Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten preisgeben, nur um ein paar jungen Männern aus einer uns fremden Kultur entgegenzukommen? (D)
– Ich rede mir seit Jahren den Mund fusselig und jetzt sind es ausgerechnet unsere türkischen Mitbürger, die diesen Alt-68ern Bescheid stoßen. Die Türken habe ich nämlich hinter mir! Ihr Präsident zeigt gerade allen, wie man sein Land aus einer misslichen Lage wieder hinausmanövriert. Und zwar nicht mit ewig langen Debatten, sondern mit Entschlossenheit und Führungswillen. Der Erdogan ist einwandfrei als Politiker! Und in Russland macht Wladimir Putin es vor, wie man ein Land wieder hochbringt. (A)
– Sorry, aber Demokratie ist für mich die einzig richtige Gesellschaftsform. Und es ist doch klar: Wer sie abschaffen oder die Rechte anderer einschränken will, den muss man stoppen, aber das gilt für alle gleichermaßen und in jede Richtung: Deutsche, Ausländer, Männer, Frauen, Minderheiten, Mehrheitsgesellschaft, Rechte, Linke, Muslime, Christen, usw. …. (C)

5. Autorität
– Ein gebieterisches, autoritäres Auftreten verleiht einem Charisma und unterstreicht, dass man der geborene Anführer ist. (A)
– Ich lehne Autorität ab! Immer diese selbsternannten „Herrenmenschen“ und „Leistungsträger“. Ich bin selbstbewusst genug, um mir von solchen Leuten nichts gefallen zu lassen! Ich habe genug Leute hinter mir, die mir den Rücken stärken, damit auch mal gemacht wird, was ich sage! (B)
– Ich kann diese kleinen Diktatoren einfach nicht ausstehen! Klar, manchmal muss man sich unterordnen, weil andere kompetenter und erfahrener sind oder sonst einfach nichts klappt, wenn jeder nur seine Launen durchsetzen will. Aber über diese Hanswurste, die immer den Ton angeben müssen, kann ich eigentlich nur lachen! (C)
– Ich denke, wir sollten mehr Mut zu „Leadership“ haben. Kompetente Leute werden allzuoft ausgebremst, nur weil niemand sich traut, die Dinge mal in die Hand zu nehmen. (D)

6. Gesundheit, Körper & Reproduktion
– Ich möchte mich wohl in meinem Körper fühlen! Deshalb beschäftige ich mich viel mit gesunder Ernährung und natürlichen Körperbildern. Frauen sind nun einmal von Natur aus etwas mollig. Hand aufs Herz! Glaubt hier jemand ernsthaft, diese Hungerhaken aus der Werbung könnten gesunde Kinder zur Welt bringen? (B)
– Manche Frauen sollten bevorzugt Kinder zur Welt bringen. Evtl. sollte man dies auch mit finanziellen Anreizen fördern. Nur so können wir verhindern, dass Menschen, die unsere Gesellschaft nicht braucht, zu viele Kinder in die Welt setzen. Ansonsten produziert man doch ganze Dynastien von Hartz-IV-Empfängern! (D)
– Männer gehen bei der sexuellen Auslese instinktiv danach, dass die Frau gesund ist, damit keine Erbkrankheiten weitergetragen werden. Das ist bei den Naturvölkern noch viel ausgeprägter als bei uns. (A)
– Manche Rassen sind physisch robuster als andere. Das ist nun einmal so. Deshalb sind die Flüchtlinge so gut zu harter körperlicher Arbeit geeignet, während wir eher auf intellektuellem Gebiet punkten. (A)
– An der Physiognomie kann ich erkennen, ob jemand intelligent ist oder z. B. einen Hang zur Kriminalität hat. Das sind alte Weisheiten, da ist schon etwas dran. In unserer rationalistischen Kultur wagt man es nur nicht mehr, den Menschen ganzheitlich zu betrachten. (A)
– In der Natur werden schwache und kranke Tiere doch auch ausgesondert. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum man hier gleich als Nazi gilt, wenn man etwas in die Richtung sagt! Ich kenne sogar jemanden, der ist behindert und sitzt im Rollstuhl. Der sieht das ganz genauso! Der will dieses aufgesetzte, verlogene Mitgefühl auch nicht! (A)
– Sorry, aber wenn ich das hier lese: Sag mal, geht’s noch?! Das ist doch alles kackbraun! Sind wir schon wieder so weit? Menschen sehen unterschiedlich aus und haben unterschiedliche Begabungen. Das sagt aber doch nichts über ihre Güte als Menschen aus! Kranken, alten und schwachen Menschen muss man helfen, das möchte man doch auch für sich, wenn es einen mal selbst trifft. Das sind aber alles Selbstverständlichkeiten, ohne die eine Gesellschaft nicht bestehen könnte! (C)

Auflösung:

*Note: Für eine ernsthafte Einschätzung Deiner politischen Gesinnung und um die dazu passenden Parteien (deren Programme hier nicht zur Debatte stehen) herauszufinden, musst Du Wahl-O-Mat machen. Hier geht es um grobe politische Denkrichtungen und die Entwicklung, die sie vielleicht nehmen könnten.

A: Stramm rechts: Sorry, aber Du bist richtig rechts. Auch wenn Dir das vielleicht nicht klar ist, aber das meiste von dem, was Du findest und forderst, findet sich auch bei den Nationalsozialisten wieder. Ach, was – dann können die ja wohl nicht so schlimm gewesen sein?! Und überhaupt – Du hast ja nicht gesagt, dass Du einen Holocaust verüben willst! Ganz im Gegenteil – einer deiner besten Freunde ist ja sogar Ausländer! Weißt Du – überleg es Dir einfach noch mal. Ferndiagnosen können hier eh keine gestellt werden. Politisch stehst Du – je nach Radikalisierungsgrad und Schwerpunktsetzung – zwischen klassischen Neo-Nazis, „Autonomen Nationalisten“, NPD, Pegida, dem rechten Flügel der AfD und der Querfront. Gefallen könnte Dir aber vielleicht auch der Front National in Frankreich. Wladimir Putin, Recep Erdogan und Donald Trump sind Politiker, von deren Erfolgen Du Dich in Deinen Ansichten bestätigt fühlst. Und stimmt: Nazis sind die nicht. Nein, auch nicht die von der AfD, von Pegida oder vom FN. Das habe ich auch nicht behauptet, auch wenn einige Aussagen, die AfD-Politiker öffentlich gemacht haben, schon ganz schön rechte Schlagseite hatten. Die Jungs, die Asylbewerberheime anzünden, sind aber sehr wohl rechtsextrem und da gibt es auch nichts zu deuteln. Sieh zu, dass Du Dich wenigstens von denen fernhältst. Auch in ideologischer Hinsicht.

A/B: Querfront: Du bist ganz bestimmt nicht rechts. Denkst Du. Behauptest Du. Und vielleicht warst Du auch mal links, so richtig mit Antifa und allem drum und dran. Die Globalisierung und Dein dickes Ego haben Dich allerdings nach rechts gedrückt. An der Uni immer Maximo Líder, dem/der alle an den Lippen gehangen haben? Oder ein Event-Talent, ein(e) verkannt(e) Künstler(in), ein Freigeist, dessen Ideen bis vor kurzem noch nur Ausgewählte aufgeschlossen gegenüberstanden? Weißt Du, auch andere haben Bauch- und Bruchlandungen hingelegt und ja, ich erinnere mich, Du hast es Dir nicht nehmen lassen, auf ihnen herumzutrampeln. Anstatt zuzugeben, dass Dich die gleichen Ängste plagen, wolltest Du Dich lieber „dem Kapital“ andienen und gleichzeitig hast Du auf andere, wenn sie das Gleiche getan haben, mit dem Finger gezeigt und sie als „neoliberale-Leistungsträger-Nazis“ verunglimpft. Letztendlich, erinnere ich mich, hattest Du dazu geraten, „das jüdische Element“, wie Du es nanntest, „nicht zu stark werden zu lassen.“ Et voilà: Da wären wir. Der Nazi bist Du. Fast jedenfalls, denn ein Körnchen links kann man Dir nicht absprechen. Das und deine – zugegeben – wirklich guten rhetorischen Fähigkeiten machen Dich ja auch so anziehend für andere, ebenso gekränkte Existenzen.

B/C: die verunsicherte Mitte: Du möchtest gerne links sein – weltoffen, tolerant, hilfsbereit – aber diese Welt macht es Dir zunehmend schwer. Von rechts drückt die Querfront, die versucht, Dich – ganz nach Lenin – als „nützlichen Idioten“ bzw. „nützliche Idiotin“ vor ihren Karren zu spannen. Denen macht es einfach Spaß, Dir Angst einzujagen und Dich vorzuführen: Sooo ungemein links bist Du ja wohl doch nicht, oder? Und eigentlich hast Du ihnen doch schon längst Recht gegeben, nicht wahr? Gar nichts hast Du! Sie halten Dich für dumm, aber Du solltest Dich nicht von einem Haufen Spinner aufhalten lassen, der sich aus den eigenen, uneingestandenen Ängsten, ein bisschen rechter Esoterik und Öko-Romantik, sowie einem Tüpfelchen DDR-Muff ein Weltbild zusammengezimmert hat, das vorne und hinten nicht passt. Von der anderen Seite kommen dann die neoliberalen Rabauken, die an der Uni in der Burschenschaft waren und/oder sich politisch in diversen eher konservativ-wirtschaftsnahen Uniablegern größerer Parteien ausgetobt haben oder aber Dir damit auf die Nerven gegangen sind, dass der Vlaams Blok (heute: Vlaams Belang) ihrer Meinung nach gar nicht mal so schlecht sei. Du weißt ja noch – da ging es – abgesehen von blödsinnigen Provokationen – nur um den maximalen Gewinn und warum es doch cool sein sollte, dass ihre Frauen sich für sie aufgespart haben und sie jeden Sonntag zur Beichte gegangen sind, weil sie schwach geworden sind und einen Blick in den „Penthouse“ oder die „Praline“ geworfen haben. Gröhl. Tja, versaut wie sie halt sind … Die Rechtskonservativen finden Dich jedenfalls genauso doof wie die Querfront (was auf Gegenseitigkeit beruht) und mit Entsetzen hast Du festgestellt, dass beide mittlerweile ganz gut miteinander können, also die ehemaligen Superlinken mit den „eher rechts als Mitte“-Leuten. Die einen finden Israel noch schlimmer als die Flüchtlinge, obwohl sie auch keine Muslims mögen und die anderen mögen Muslims nur, wenn sie Kohle einbringen und dann auch nur unter Protest. Manchmal ist Schwanken und Zweifeln aber besser als es immer besser zu wissen. Bleib lieber Du selbst. Allein bist Du damit nämlich nicht.

C/D: Schwarz-grün: Du bist Angela Merkels Musterbürger bzw. Musterbürgerin. Entweder hättest Du Dir nie träumen lassen, dass Du mit dem Kretschmann sogar mal einen grünen Politiker „ganz passabel“ finden würdest oder aber Dir bereitet der Gedanke, dass Angela Merkel bei der CDU ist, echte Bauchschmerzen. Zu Deiner Beruhigung hast Du aber festgestellt, dass sogar bei der taz jetzt viele Redakteure Merkel-Fans sind (Die taz pries sie im März als „Kanzlerin der Herzen“). Du schätzt die Stabilität, für die die Politik von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble steht und findest es gleichzeitig gut, dass Deutschland nicht nur im Sparen Weltmeister ist, sondern auch die offensten Grenzen überhaupt für Flüchtlinge und andere arme Geschöpfe aus der südlichen Hemisphäre hat. Selbst hast Du es durch eine gute Ausbildung und harte Arbeit zu etwas gebracht. Menschen, die es ähnlich halten, dürfen bei Dir immer auf Willkommenskultur hoffen. Allerdings lässt Du Dich auch nicht über den Tisch ziehen. Am Ende des Tages muss die Kasse stimmen und das möchtest Du auch politisch umgesetzt wissen. Schon im eigenen Interesse. Anfällig für rechtslastige Töne bist Du aber nicht, selbst wenn Du insgeheim das eine oder andere Mal Horst Seehofer zustimmst. Trotzdem: Für AfDler und Nazis hast Du nichts übrig. Probleme, meinst Du, sind dazu da, angepackt zu werden. Damit man keine Sisyphos-Arbeit zu leisten hat, fährst Du aber auch gelegentlich mal einem übereifrigen Sozialromantiker über den Mund. Wenn die Leute es besser wissen, so Deine Meinung, dann sollen sie es halt auch selbst besser machen.

D/A: Wirtschaftsliberal & rechtspopulistisch: Das mit dem „rechtspopulistisch“ wirst Du vielleicht von Dir weisen. Dir passt es nur nicht, dass Angela Merkel sich den Grünen so angebiedert hat. Für Einwanderung bist Du ja auch, aber eben mit ein bisschen Verstand. Andere Länder begehen auch keinen „nationalen Selbstmord“, wie Du sagst, sondern suchen sich die Leute, die sie hereinlassen, gut aus. Oder warum etwa sonst haben sich die anderen in der Flüchtlingsfrage so vornehm zurückgehalten? Und selbst die größten Multikultifanatiker werden sich eines Tages eingestehen müssen, dass ihre Schützlinge sich bei Dir politisch viel besser wiederfinden als bei ihnen, denn auch für Einwanderer ist die Familie die Keimzelle der Gesellschaft, auch sie legen Wert auf Tradition und auch sie stehen sexuellen Eskapaden eher skeptisch gegenüber. In ihren Heimatländern geht man diskret damit um und nichts anderes willst Du hier auch. Und auch wenn für Dich selbst kein Zweifel daran besteht, dass Menschen wie Du dazu geboren sind, andere zu führen, gibt es da ein paar Schönheitsfehler, an denen sich Deine Feinde immer wieder aufhängen: Bei einigen von Deiner Sorte ist es z. B. mit der „überlegenen“ Intelligenz, mit der sich Leute wie Du gern brüsten, nicht so weit her. Du hast andere schön als „Verlierertypen“ abgekanzelt und dann kam heraus, dass Dein Doktortitel gekauft, Deine Doktorarbeit abgeschrieben war (Plagiatsaffairen gab es ja u. a. bei dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) (vgl. Wikipedia) und der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin (vgl. Wikipedia))? Dein Lebenslauf ist in einigen Passagen vielleicht sogar frei erfunden oder zumindest sehr stark aufgehübscht, damit es noch mehr nach „supersteile Karriere mit links hingelegt“ aussieht (wie bei der SPD-Politikerin (ja, ich weiß, SPD) Petra Hinz (vgl. Tagesschau) oder der britischen Konservativen Andrea Leadsom (vgl. Deutsche Welle))? Tja, und auch wenn Dir gerade das so wichtig ist – Du bist eben leistungsmäßig doch nicht so ganz Albert Einstein oder Johann Wolfgang von Goethe: Sicher, das Abi hast Du Dir hart erarbeitet, aber weil deine Noten trotzdem nicht top waren, hast Du dann immer Frauen wie Hillary Clinton als zickige Streberinnen hingestellt, weil die mit dem gleichen Arbeitsaufwand viel bessere Ergebnisse erzielt und Dich weit abgeschlagen in den Schatten gestellt haben. Deine Erfolge im Leben beruhen eben – genau wie vermutlich bei Donald Trump & Co. – leider eher auf Deinen Ellenbogen (ganz zu schweigen von Deinem äußerst wohlhabenden familiären Hintergrund und den gesellschaftlichen Beziehungen, die damit einhergehen) als auf Hirnschmalz. Versteh mich nicht falsch – es geht hier nicht um Intelligenz (vielleicht ist es ja auch so, dass es mit Dir in dieser Hinsicht wirklich so leicht keiner aufnehmen kann). Es geht um ein generelles Menschen- und Gesellschaftsbild, darum, wie man mit anderen umspringt, wie sehr von oben herab man sein darf und ab wann es legitim ist, Rechtfertigungen von jemandem wie Dir zu verlangen. Politisch stehst Du – je nachdem, was Dir persönlich am wichtigsten ist und ob Du mehr D oder mehr A hast – dem rechten Rand der CDU oder der FDP nahe oder aber Alfa oder dem wirtschaftsliberalen oder dem nationalkonservativen Flügel der AfD. Auch ein an „westlichen Werten“ orientierter Rechtspopulismus wie ihn Geert Wilders in den Niederlanden vertritt, könnte Dir vielleicht gefallen. Allerdings: Wilders macht sich auch mit Pegida gemein. In die Richtung läuft es bei Dir vermutlich auch.

Wer ist hier die Minderheit?

Prügeln sich Rechte und Linke jetzt um die Minderheiten? In der „Zeit“ wird die Emanzipation von Schwarzen, „People of Color“, zu denen sich in Deutschland auch Spanier zählen dürfen, anderen Minderheiten und Frauen als neue linke Studentenrevolte im Geiste von 1968 gefeiert. Das begeistert offenbar gerade die, die es eigentlich mit der Angst zu tun kriegen müssten: privilegierte weiße, deutsche, heterosexuelle Frauen und Männer: Immerhin bedeutet es eigentlich, dass u. a. sogar Personen wie ich sich gegen sie auflehnen und ihnen ihre Privilegien streitig machen könnten. Und zwar mit Nachdruck. Was ist, wenn es vielleicht sogar eines Tages in gewalttätigen Aufständen endet? Angesichts dessen, was in den letzten Tagen passiert ist, wäre das doch so weit hergeholt nicht? Die „Welt“  dagegen berichtet von der anderen Seite, schreibt, dass die rechtspopulistische AfD ihre Wahlkampfstrategie um die Stimmen der Minderheiten – Kiffer, Homosexuelle und Migranten – für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus wie angekündigt fortsetzt.

VERLOGENES ENGAGEMENT?

Mal abgesehen davon, dass es merkwürdig ist, wenn Latinos sich mit den Nachfahren ihrer ehemaligen Kolonialherren, den Spaniern, gegen „die Weißen“ verbünden und auch Kiffer plötzlich eine Minderheit sind – Warum kämpft man eigentlich gerade in einem westlichen Land der nördlichen Hemisphäre, in einer wohlhabenden Industrienation so erbittert für die Rechte von Schwarzen und Latinos? Warum hat man die Ehe für alle denn noch nicht eingeführt, wenn sich doch offiziell alle einig darin sind, dass das Wohl Homosexueller oberste Priorität hat? Und warum gibt es eher wieder mehr Sexismus und mehr Gewalt gegen Frauen, obwohl sich doch auch so viele Männer mit Verve für Frauenrechte stark machen?

GLEICHE RECHTE ODER SCHÖNE WORTE?

Eigentlich wird nicht nur darum gekämpft, wer sich besser und ehrlicher für Minderheiten einsetzt und wer auf mehr Gegenliebe bei ihnen stößt (die „wahren“ Vertreter der Minderheiten), es wird auch darum gekämpft, wer sich selbst als Minderheit sehen darf. Im Grunde ist das obszön. Jede Frau, der schon mal an den Busen getatscht wurde, um darauf aufmerksam zu machen, dass man sie nun einmal leider nicht ernst nehmen kann, möchte nichts mehr, als einfach gleichberechtigt zu sein. Jeder Ausländer, der schon mal in einem Restaurant nicht bedient wurde, weil man Angst hatte, sich eine Anzeige einzufangen, hätte man ihn auf direktem Wege hinauskomplementiert, hofft, dass eines Tages sein dunkler Teint einfach keine Rolle mehr spielen wird. Jede und jeder, der und die sich schon mal homophobe Sprüche hat anhören müssen, wünschte sich, Homo- (oder Bisexualität) würde so akzeptiert, dass Leute, die homophobe Sprüche machen, höchstens einen verächtlichen Blick dafür ernten.

ES SOLLTE EINFACH SELBSTVERSTÄNDLICH SEIN …

Minderheitenförderung sollte zur besseren Akzeptanz von Minderheiten beitragen. Die Idee, die ursprünglich dahintersteckte, war, dass es selbstverständlich werden sollte, dass Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle und soziale Aufsteiger ebenso erfolgreich in Führungspositionen sein können wie weiße deutsche Männer aus privilegierten Verhältnissen. Gezielte Förderung und eigens geschaffene Netzwerke sollten helfen, die Integration von Minderheiten möglichst schnell Wirklichkeit werden zu lassen.

WER IST HIER DIE MINDERHEIT?

Vielleicht liegt es daran, dass das Minderheitenkozept in den letzten Jahren auf der einen Seite immer stärker ausgeweitet wurde und auf der anderen Seite die reale Akzeptanz von Frauen und Minderheiten eher zurückging. Spanier sind eigentlich so ziemlich zweifelsfrei Europäer (genau wie Italiener übrigens auch, wie ich mir hier einmal erlaube, anzumerken), auch geographisch, sozial, historisch, als Abkömmlinge einer ehemaligen Kolonialmacht. Nun ist in Spanien die Arbeitslosigkeit hoch und viele hoffen, ihr Glück im wohlhabenderen Deutschland zu machen. Wirtschaftliche Probleme drücken aber auch immer noch viele Osteuropäer, die – z. T. blond und blauäugig – äußerlich aber kaum vom Stereotyp des hellhäutigen Deutschen zu unterscheiden sind. Je mehr man hier ins Detail geht und versucht, verbindliche Regeln aufzustellen, um so rassistischer wird der Diskurs: Haut-, Haar- und Augenfarbe stehen im Mittelpunkt, nicht so sehr soziale Ungerechtigkeit, obwohl es gerade darum doch eigentlich geht.

FRAUENRECHTE NUR FÜR FRAUEN, DIE NOCH WIRKLICH FRAU SIND?

Ähnlich komplex gestaltet sich die Frauenfrage. Seit den späten 1990er Jahren wurden v. a. Frauen gefördert, die sich selbst stark mit der traditionellen Frauenrolle identifizierten. Langhaarig, feminin, anschmiegsam, an Mode und den schönen Dingen des Lebens interessiert, galten sie als diejenigen, die der Vorherrschaft des „Patriarchats“ noch am ehesten ausgeliefert waren und deshalb besonderen Schutz und besondere Unterstützung brauchten. Die Lesben, Mannweiber und Lila-Latzhosenträgerinnen konnten sich doch auch so ganz gut durchsetzen, nicht wahr? Es ist eigentlich fast schon paradox, dass Feminismus vor allem den Frauen zu Gute kommen sollte, die sich über die „frigiden Emanzen“ lustig machten, aber es ging wohl auch darum, zu demonstrieren, dass Feminismus sehr wohl hübsch, modebewusst und sexy sein konnte.

LESBISCH ALS LEBENSGEFÜHL

Das führt zu Queer. Homophobie ist leider ziemlich real. Aber nicht jede Lesbe und nicht jede Transgenderperson ist wirklich echt. Absurderweise sind es z. T. alte Bekannte, die einst so hilflosen, unterdrückten femininen Frauen, die Fashion Victims und „Ich hab-Feminismus-doch-gar-nicht-nötig“-Girlies, die sich in früheren Zeiten noch so sehr vor den „hässlichen Lesben“ geekelt haben, die jetzt ihrerseits für sich in Anspruch nehmen, „sexuell abweichend“ zu sein und eben dafür „unterdrückt“ zu werden. Es wird herumgedruckst, dass es mehr um Gefühle und innige Frauenfreundschaften gehe, nicht so sehr um Sexualität. Dann wieder steht der Körper im Mittelpunkt: Gewichtsprobleme, Essstörungen, das Ringen mit den Schönheitsidealen der Modewelt – „Germany’s Topmodel“ & Co. Oder aber es geht um das Selbstbewusstsein zickiger Frauen, die erwarten, dass man (bzw. frau) mit Neid zu ihnen emporblickt und ungehalten werden, wenn man (bzw. frau) es nicht tut.

GENAU WIE MÄNNER?

„Lesbischer Machismo“ sei es halt, wenn solche Frauen andere als „Fickmaus“ verhöhnten oder ihnen penetrant auf den Busen glotzen oder auch gleich grapschen, um zu demonstrieren, dass sie sie „nun einmal nicht ernst nehmen“ könnten (siehe oben). Oder es ist Transsexualität. Oder beides. Oder vielleicht ist es am Ende einfach nur ein hilfloses Buhlen um die Sympathien sexistischer Männer? Unterdrückte Heterosexualität (Das haben Frauen wie ich euch echt voraus!)? Ein Versuch, unliebsame Konkurrenz auszuschalten?

MINDERHEITENRECHTE FÜR HÖHERE TÖCHTER?

Ich war jedenfalls erstaunt, wie sehr die neuen „Mannweiber“ die alten „Weibchen“ sind, dass ihre Interessen und ihr Lebensgefühl eigentlich zu 100% denen „höherer Töchter“ entsprechen: Klavierspielen, die Begeisterung für Hochliteratur, sich und den eigenen Körper in Tanz, Theater und Rollenspielen zu erfahren, Charity-Aktionen starten und andere, sozial niedrigrangigere Frauen anzuleiten – das 19. Jahrhundert scheint das 21. einzuholen.

EMANZIPATION ODER GLOBALISERUNGSANGST?

Nun habe ich nichts gegen Charity-Aktionen, gegen Mode, Literatur, Tanz oder Theater. Und ich finde es sogar richtig gut, sich gegen Rassismus und Homophobie zu engagieren. Die Frage ist aber: Wer kämpft hier gegen wen? Sollen die Minderheitenrechte dafür herhalten, die Privilegien der höheren Schichten wieder zurück zu holen? Eine globalisierte, internationale Elite gegen die einheimischen sozialen Verlierer, die über die eigene Scholle nicht hinauskommen? Oder ist die eigentliche Minderheit weiß, deutsch, heterosexuell und vielfach vielleicht sogar männlich? Das gebildete linksliberale Bürgertum, das vor der Globalisierung vielleicht ebenso viel Angst hat, wie die sozial benachteiligten zornigen weißen, deutschen Männer, die rechts wählen und bei Pegida mitlaufen?

Und könnte man dem noch etwas entgegensetzen? Kann man gegen Diskriminierung und für Vielfalt und offene Grenzen sein, ohne dass es in immer rabiater werdenden Verteilungskämpfen, letztendlich vielleicht sogar in Gewalt mündet? Das ist vielleicht die Preisfrage des 21. Jahrhunderts. Zumindest, wenn man nicht ins 19. zurückwill.