Das Gute gut dosiert

Carolin Emcke hat den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Carolin Emcke gehört zu den Guten, schreibt Hannah Lühmann in der Welt. Ganz sicher ist es so und von einem Menschen, der „das Gute“ vetritt, zum „Gutmenschen“, wie er/sie von den neuen (und den alten) Rechten verhöhnt wird, ist es, auch vom Klang her, nur ein kleiner Schritt. Allerdings – „zu gut“ ist auch nicht gut. Im schlimmsten Fall kann „das Gute“ zum Albtraum werden. Damit meine ich nicht Carolin Emcke. Ich meine eine Art Medikament, das in kleinen Dosen heilt und überdosiert tödlich ist.

„Das Gute“ als Überdosis ist, zumindest in Europa, oft ein niedliches kleines Mädchen mit langen blonden Haaren, das von einem Diktator geherzt wird. „Das Gute“ sind Spitzel, die mit gespitzten Ohren horchen, ob nicht irgendwo etwas „Böses“ gesagt wird. Oder auch nur eine Äußerung gemacht wird, der – vielleicht – ein Hauch an „Bösartigkeit“ anhaftet. Manchmal hören die gespitzten Ohren der Spitzel (egal, ob sie nun „Gestapo“, „Securitate“ oder sonstwie heißen) dabei auch Dinge, die überhaupt gar nicht gesagt werden. Aber es ist ja für „die Sache“. Da kann man gar nicht genau, nicht spitzfindig genug sein. Hauptsache man hat jemanden, den man denunzieren kann.

Natürlich ist das nicht das Gleiche, wie Menschen, die Gutes tun. Darauf, dass Menschen Mitgefühl haben, hilfsbereit anderen gegenüber sind und Milde walten lassen, ohne dabei ihren Gerechtigkeitssinn zu verlieren, basiert jede Gesellschaft, auch und gerade die Demokratie.

Es ist die Dychotomie von „Gut“ und „Böse“, die zerstörerisch ist und oft genug in Terror und Gewalt, manchmal auch im Genozid endet. Plakatives Schwarz-Weiß-Denken, das genaue Wissen darum, wer zu „den Guten“ und wer zu „den Bösen“ gehört, Hexenjagden, ethnische „Säuberungen“, Arbeitslager, die der „Umerziehung“ dienen, Menschen, die erst Berufverbot erhalten und in bestimmten Geschäften „unerwünscht“ sind und irgendwann auch auf keiner Parkbank mehr sitzen dürfen – das passiert, wenn man es mit „dem Guten“ übertreibt oder, genauer gesagt: wenn man es pervertiert.

Allerdings hat auch jemand wie Carolin Emcke genauere Vorstellungen über „das Gute“. In ihrer Kolumne „Böses“ in der Süddeutschen Zeitung schreibt sie:

„(…) Etwas ganz anderes ist es allerdings, wenn eine böse Tat nicht einfach nur moralisch irritiert oder verstört, sondern wenn sie für undenkbar oder unmöglich erklärt wird, weil die Person, der diese Tat zugeschrieben wird, einem nicht wie ein klassischer Täter vorkommt. (…)“

Sicher, jeder Mensch hat Vorurteile. Die, die behaupten, keine zu haben, haben oft die meisten. Aber trotzdem: Welche Züge hat der „klassische Täter“ denn? Traut man bestimmten Menschen nichts Böses zu, weil sie nicht diesem „klassischen“ Täterprofil entsprechen? Weil sie vielleicht formal irgendein Charakteristikum (oder auch mehrere) an sich haben, mit dem man sich nur zu gern gemein machen möchte? Unter Linken etwa: höhere Bildung bzw. Zugehörigkeit zum gehobenen Bildungsbürgertum (aus dem sich viele Vertreter linker Politik rekrutieren), Migrationshintergrund oder – speziell in Emckes Fall: Homosexualität oder Selbstdefinition als Transgender?

Und wer ist – auf der anderen Seite – per se „böse“? Wer kann gar nichts richtig machen? Wer wird auch für Dinge belangt, die sich andere haben zu schulden kommen lassen? Sogar dann, wenn man genau weiß, dass der vermeintliche „Missetäter“ (oder die „Missetäterin“)  gar nichts getan hat?

An dieser Stelle komme ich mir fast wie „Lehrer Lämpel“ aus Wilhelm Busch‘ „Max und Moritz“ vor. Zumindest erhebe ich in Gedanken den Zeigefinger, einfach, weil es so sehr ins Auge sticht: GENAU DAS IST NÄMLICH DISKRIMINIERUNG! Sorry mates, spart euch euer gelehrtes Daherreden und kapiert es endlich: es geht nicht darum, die „personifizierte Unschuld“ zu sein (weil man/frau sich so „definiert“) und dass andere einem alles durchgehen lassen müssten. ES IST GENAU UMGEKEHRT!

„Zigeuner“ klauen, richtig? Das ist nun einmal so! Nein, natürlich ist es das nicht! Das haben eure Großeltern ganz unbefangen als Lebensweisheit von sich gegeben. Aber ihr erklärt lieber: „Sie soll sehen, dass sie nichts von ihrem schlanken Körper und ihren guten Noten hat!“ oder „gar nicht erst hochkommen lassen!“ (Tut mir leid, Carolin Emcke, aber das sind keine sexuellen Orientierungen!). Ihr schreit Frauen „Dose auf Dose klappert gut!“ hinterher oder „Die ist doch viel zu hässlich, um hetero zu sein!“. Ihr verunglimpft andere als „unwehrtes Leben“ oder als „Bonobo-Äffchen“.

Ihr glaubt, dass es okay ist, wenn ihr anderen Menschen alles absprecht und durch „Tests“ (Sie mag es nicht, dumm von einer anderen Frau angemacht zu werden? Na, dann ist sie doch wohl auch nicht homo-/bisexuell! Dann darf man da doch auch homophob sein, da kann man ja nichts falsch machen! Frage: Schon getestet, ob Carolin Emcke es mag? Würde mich interessieren!) „nachweist“, dass ihr im Recht seid. Ihr seid davon ausgegangen, dass bei euch schon niemand nachfragen wird, ob es stimmt, was ihr über euch erzählt (natürlich seid ihr selbst alle homosexuell, Transgender und jeder schlesische Opa muss als Migrationhintergrund herhalten, denn dann kann man euch doch nichts! Es ist doch dann keine Homophobie und kein Rassismus!). Ihr habt Leute schikaniert, die ihr nicht einmal persönlich gekannt habt, von denen ihr aber „gehört“ hattet, dass man es mit denen ruhig machen kann und last, but not least habt ihr euch auch wirklich mit Rechten gemein gemacht. Es war ja für „die Sache“. Ich weiß.

Die Antidiskriminierungsgesetze sind übrigens nicht auf eurer Seite. Da steht auch nicht, dass Homophobie gerechtfertigt wäre, wenn der Täter/die Täterin doch selbst (angeblich) homosexuell ist oder dass es „mildernde Umstände“ gebe, wenn man „nachweist“, dass das Opfer (angeblich) nicht homo-(bi-)sexuell ist. Es zählt allein die Tat. Gut so.

Aber der Flirt mit einfachen Lösungen, den ich Carolin Emcke nicht vorwerfe, von dem ich aber denke, dass sie ihn gelegentlich nahelegt, zumindest wenn man oberflächlich liest, der naive Glaube daran, dass man die Welt in „gut“ und „böse“ einteilen kann, hat sehr wahrscheinlich dazu geführt, dass viele von den Berliner Linken – teilweise sogar Ex-„Vorzeigelinke“ – wie die Zinnsoldaten umgekippt sind und jetzt im rechten Lager mitmischen (Man denke nur an die sog. „Querfront“, aber auch von der Linkspartei sind Leute zur AfD übergelaufen, wie u. a. die taz berichtete.).

Daher die Moral von der Geschicht: Weder sind Lesben (oder Bisexuelle, Schwule, Transsexuelle) nur „gut“, noch sind es Migranten, Muslime, Juden, Schwarze oder Roma und Sinti. Der Punkt ist aber: Sie sind auch nicht nur „böse“. Keiner. Als Mensch wie alle anderen anerkannt zu werden, ist, wie ich finde, gute Minderheitenpolitik, eben weil man nichts für sich (oder für wen auch immer) beansprucht, was für andere nicht ohnehin selbstverständlich wäre. Damit ist man immer auf der „richtige“ Seite. Werde ich Carolin Emcke dort eines Tages wiedersehen?

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Wer bin ich? Straight, queer, pink, lila oder egal?

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… Geh zum Arzt und lass dich behandeln! Es mag viele gesellschaftliche Gründe geben, weshalb du Heißhungerattacken hast, hungerst, kotzt oder dich ritzt. Die Frage ist jedoch, was dir wichtiger ist – die Gesellschaft? Oder du selbst? Übrigens ist es keine Schande, eine Therapie zu machen. Fast alle Stars haben eine hinter sich. Mit der sexuellen Orientierung hat das alles aber nichts zu tun.

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… Ja, das hat man immer so gesagt: Frauen, die nicht so hübsch sind, können sich ja untereinander aushelfen. Manche Lesben, die sich in der Frauenbewegung stark machen, bestehen sogar darauf und finden, dass das ein guter Grund ist, um lesbisch zu werden. Andererseits ist es aber auch ein weit verbreitetes homophobes Vorurteil. Und eigentlich ganz schön hochnäsig: Wer legt denn fest, was genau schön ist? Schnapp dir ein Buch über Schönheitsideale in der Geschichte und in fremden Kulturen. Und guck dich ein bisschen um: Man bzw. frau braucht kein bestimmtes Aussehen für Männer (oder Frauen).

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… Na und?! Ist das ein Problem?! So lange du niemandem damit weh tust (oder dir selbst schadest), ist ein bisschen Herumexperimentieren ganz okay. Wer will dir da denn Vorschriften machen?!

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… Yap, kann sein, dass Männer einfach nicht so dein Ding sind. Oder sie sind dir ein bisschen unheimlich, obwohl sie dich aus der Ferne gesehen schon faszinieren. Beides kann sein. Vieles kann sein. Du wirst irgendwann wissen, was ist. Übrigens: Burschikos ist bei einer Frau nicht gleich homosexuell. Feminin aber auch nicht. Und es ist nur manchen queeren Frauen wichtig, nichts oder möglichst wenig mit Männern zu tun zu haben. Andere kommen gut mit ihnen klar. Sie stehen auch auf sie, wenn sie bi sind oder mögen sie nur als „gute Freunde“, wenn sie lesbisch sind.

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… Ja, das sagt man bzw. frau so. Je härter und verletzender sich manche Frauen gebärden, desto wahrscheinlicher ist es aber, dass das vielleicht alles auf sie selbst zutrifft. Und sexuell attraktiv für Männer zu sein, ist ein sensibles Thema – v. a. für Frauen, die eigentlich heterosexuell sind. Man bzw. frau sollte sich in dieser Hinsicht keine negativen Gefühle einimpfen lassen. Manchen lesbisch lebenden Frauen scheint es überaus wichtig zu sein, aller Welt mitzuteilen, dass sie viel und reichhaltigen Sex haben. Auch Heteras schneiden diesbezüglich gern auf und spielen sich manchmal mehr auf als so manch ein pubertärer Jüngling. Man bzw. frau sollte sich aber nicht verunsichern lassen. Wer sich in Punkto Sexualität zu weit aus dem Fenster lehnt, hat es meist nötig. Klar gibt es auch „queere Heten“. So lange die nicht mit anderen Frauen erbittert um den Titel der „Lesbe des Jahres“ kämpfen oder es sonstwie auf Kosten anderer geht, wüsste ich nicht, was daran so dramatisch sein sollte. Wenn es aber darum geht, bestimmte Frauen als „asexuel“ (=“überhaupt nicht an Sexualität interessiert“, bösartig auch: „frigide“) vorzuführen, dann sollte man bzw. frau sich ein paar Fragen stellen. Eigentlich ist das nämlich ein homophobes Klischee und etwas, das (ziemlich bornierte!) Männer gern mit Frauen machen, die ihnen nicht in den Kram passen. Macht es eine Frau, egal, ob sie sich als queer definiert oder nicht, dann legt das schon nahe, dass sie eine andere als „Mauerblümchen“ dastehen lassen will, um damit von sich selbst abzulenken. Sollte man bzw. frau nicht machen. Muss man bzw. frau sich aber auch nicht gefallen lassen.

BiDoc7
… Tja, leider gibt es dass, das Leute ein Frauenbild aus dem 19. Jahrhundert haben und davon überzeugt sind, dass nur das „echt Frau“ ist, was lange Haare hat, sich gern schminkt und auf Barbie-Puppen und Monchichis steht. Diese Leute haben keine Ahnung! Natürlich gibt es alle möglichen Arten von Frauen und auch nicht jede burschikose Frau ist lesbisch (oder gar „psychisch krank“). Oder, Frage: Ist denn jeder Mann, der z. B. gut schreiben kann, schwul? (oder „gestört“?) – Sprache gilt ja als typisch „weibliche“ Fähigkeit. Wirklich transsexuell sind übrigens nur ganz wenige Leute. Klar kannst du das mal ausprobieren, wie das ist, mit Männerklamotten herumzulaufen, aber ob man/frau trans ist, merkt man/frau eigentlich schon als Kind. Nur „burschikos“ ist damit nicht gemeint. Mädchen, die transsexuell sind, fühlen sich eigentlich als Jungs und sind es auch.

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… und wäre sie dazu nicht zu höflich, würde sie dir sicher klarmachen, dass sie NICHT auf dich steht. Es klingt nicht nur hochnäsig und selbstgefällig, um nicht zu sagen ganz schön arrogant – es ist auch homophob. Nur weil du eine Frau bist, soll sie auf dich abfahren? Und ihre Gefühle sind so wenig wert, dass du gern mal ein bisschen damit spielst? Nur um zu sehen, wie dein erotischer „Marktwert“ so ist? Leider gibt es viel zu viele Frauen, die sich gern anhimmeln und umwerben lassen wollen. In dem Buch „ Es fühlt sich endlich richtig an!“ von Helga Boschitz sprechen einige ältere, spät berufene lesbische Frauen sogar ganz unbefangen von so genannten „Türöffnern“, also jüngeren Frauen, die ihnen durch ihr hartnäckiges Werben die Tür zu einer anderen Welt geöffnet hätten. Und einigen lesbisch lebenden oder sich als bisexuell definierenden Frauen ist tatsächlich sehr daran gelegen, möglichst viel (und eher oberflächlich) zu flirten, was nervtötend bis geradezu unerträglich sein kann. Ich persönlich finde das eher peinlich, wenn Leute nicht zwischen freundschaftlichen Gefühlen und „Begehren“ trennen können. Jede Hetera, jede Bi-Frau und jede Lesbe darf „Nein!“ sagen. Jeder Mann übrigens auch 😉

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… Ja, mag sein, eine die nicht mit Barbies spielt und sich regelmäßig die Nägel lackiert, ist schon irgendwie ein Monster ;-). Manchmal fällt auf, dass Heteras, lesbische und bisexuelle Frauen und auch einige Transgender alle die gleichen Interessen zu haben scheinen: Germany’s next Topmodel, queere Fashion, Lästereien über die „doofen“ Mädchen und sämtliche Nerds dieser Welt, usw.. Das klingt, als wäre es direkt einer amerikanischen High-School-Serie entsprungen und das soll es wahrscheinlich auch nachahmen. Mach die Augen auf: Es gibt Frauen, die als Gärtnerin arbeiten, am Computer die Nase vorn haben und/oder die halbe Welt bereisen, weil Abenteuer eher ihr Ding ist, als die „High-School-Queen“ zu geben. Mit der sexuellen Orientierung hat das übrigens nichts zu tun.

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… Das heißt: Sie entspricht zu 100% dem Klischee? Oder sie ist einfach nicht hübsch. Findet der vertrottelte Idi am Tisch neben dir jedenfalls? Und ihr ist sein Urteil auch viel wichtiger, als das, was du dazu zu sagen hättest? Ja, dann ist es halt so: Sie sieht „lesbisch“ aus. Macht ja nichts. Nicht jede, die so aussieht, ist auch wirklich lesbisch und nicht jede, von der man das absolut nicht gedacht hätte, ist es nicht. Manchmal trifft das Klischee auch voll zu. Oder zumindest ein bisschen. Vielleicht ist das vor allem dann ein Problem, wenn man bzw. frau sehr viel auf Vorurteile gibt. Ach, und überhaupt, was man/frau als „gut aussehend“ empfindet ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

BiDoc11

… Du merkst es halt früher oder später. Ich könnte jetzt ein paar Details nennen, aber das würde dir nicht weiterhelfen. Wichtig: Nichts auf Klischees geben. Sich darauf einstellen, dass nicht alle einen wirklich verstehen, nicht einmal alle, die sich selbst als queer/LGBT definieren, obwohl es gerade Mode ist. Bei Zwangsouting (auch, wenn du als Bisexuelle als lesbisch vorgeführt wirst): Die Flucht nach vorn antreten. Schließlich ist es nichts, für das man/frau sich schämen müsste und das sagen im Moment doch auch alle! Na also, nehmen wir sie beim Wort! Ansonsten: Es muss nicht gleich jeder wissen. Ist ja auch Privatsache. Eine Person deines Vertrauens hilft dir übrigens eher weiter, als jeder Blog. Aber auch im Internet gibt es nützliche Infos, z. B. auf den Seiten des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) oder – speziell für Bisexualität – auf dem britischen Bisexual Index (Englisch). Achtung! Da das Thema Bisexualität viele, auch sexistische und pornographische Assoziationen weckt, sollte frau im Internet, auch auf Dating-Portalen, vorsichtig sein.

Echt anders. Echt jetzt?

Tja, so ein Gaydar kann schon mal versagen. Gaydar? Der Radar, mit dem sich Homosexuelle gegenseitig erkennen. Tania Witte, einer der Berliner queeren Shootingstars, hat ihn, sogar ziemlich ausgeprägt, wie sie selbst sagt bzw. in ihrer Kolumne auf Zeit-Online schreibt. Aber manchmal irrt sie sich dann doch. Da war so eine junge Rockerlady, mit Undercut und Slayer-T-Shirt und Witte hatte sofort das Gefühl, es mit einer Baby-Butch zu tun zu haben, also einer jungen, „maskulin“ auftretende Lesbe. Leider war die Frau hetero.

Ein Beispiel für „Butch Acting“ – heterosexuelle Frauen, die den Style von Lesben nachahmen – wie die queere Schriftstellerin und Kolumnistin schreibt. Und – lässt Witte locker-flockig einfließen – kurioserweise sind dann so richtig hübsche, langhaarige Frauen wie Top-Model Cara Delevingne in Wirklichkeit lesbisch, auch wenn man es ihnen nicht so richtig abnimmt.

TYPISCH LESBISCH, TYPISCH HETERO?

Allerdings, der kleine Schönheitsfehler beim „Butch“ und „Straight Acting“ ist, dass heterosexuelle Frauen schon seit mindestens 40 Jahren kurze Haare, Hosen und flache Absätze tragen. Und außerdem steht die Rockerbraut doch auch gar nicht so sehr für das lesbische Klischee. War das nicht sogar umgekehrt immer eher ein Frauentyp, der eigentlich das Gegenteil repräsentiert: die so genannte „Müslilesbe“? Eine Akademikerin mit „praktischem“ Kurzhaarschnitt, die die Umwelt schützt, Birkenstocks trägt und ansonsten emsig an ihrer Doktorarbeit feilt? Für die Müslilesbe wäre Slayer allenfalls Lärmbelästigung. Klar, es gibt auch lesbische Frauen, die Motorrad fahren und härtere Musik hören. Eine ziemlich prominente lesbische Rockröhre ist ja z. B. Melissa Etheridge. Dumm nur, dass die Frauen aus der Berliner queeren Szene mir weißmachen wollten, dass Rock – „Hodenrock“ – frauenfeindlich und homophob sei. Außerdem, „lesbische Musik“, das sei Elektro. Das was sie selbst gut fanden eben.

DER FRAUENFREUNDLICHE PORNO

Außer dem „richtigen“ Styling und Musikgeschmack ist Queer ja auch eine Art Feminismus. Auf einer feministischen Website – keine Ahnung mehr, welche – stolperte ich mal über einen „frauenfreundlichen Porno“, wie es hieß. Neugierig war ich irgendwie schon. Na ja: Zwei schlanke, langhaarige Frauen, vom Aussehen her so wie die Frauen aus „The L-Word“ oder „Germany’s next Topmodel“. Erinnerte auch ein bisschen an „Hanni & Nanni“ – diese alte Jugendbuchserie um ein Zwillingspärchen in einem englischen Internat. Die zwei lagen auf edlem Satin und knutschten miteinander, als gäbe es einen Wettbewerb zu gewinnen. Immer nur Gesicht und Hals. Etwa 20 Minuten lang monotones Schmatzen und nichts anderes. Ein bisschen hölzern wirkte das schon. Nicht gerade leidenschaftlich. Eher so: zwei Mädchen trauen sich mal was. Ist das wirklich, so ganz echt, eine sexuelle Orientierung? Und wenn man sich damit nicht identifiziert, ist das dann „homophob“? Oder „frauenfeindlich“? Oder ein Beweis für irgendwas?

Dass lesbischer Sex ein heikles, oftmals hart umkämpftes Thema ist, ist nicht neu. Man bzw. frau erinnere sich nur an die Debatte um den Film „Blau ist eine warme Farbe“ (Frankreich 2013). Nicht nur Julie Maroh, die Autorin der gleichnamigen Graphic Novel, die als Vorlage für den Film diente, reagierte mit harter Kritik auf die Darstellung lesbischer Sexualität im Film. Das sei – sinngemäß – total „unlesbisch“, wie Maroh in einer Kritik auf Salon.com zitiert wird. Sicher, lesbischer Sex gilt oft als besonderes Schmankerl für ein männliches, heterosexuelles Publikum und es gibt ja mittlerweile auch entsprechende Sparten im Pornobiz. Aber – abgesehen davon, dass das vielleicht auch damit zusammenhängt, dass Queer so sehr als Popkultur in aller Munde ist – Unter lesbischen und bisexuellen Frauen gibt es genauso viele unterschiedliche Vorstellungen von Sexualität wie unter heterosexuellen auch.

EIN SCHÖNES BEISPIEL FÜR DEN ERFOLG VON MINDERHEITEN

Wahrscheinlich kann man bzw. frau lange darüber streiten, was „typisch lesbisch“ ist und was nicht. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die Tania Witte als rolemodel anführt, sagte z. B. im Interview mit der feministischen Zeitschrift „Emma“: „Ich liebe Menschen“. Das klingt lässig. Und eher offen.

Auch Youtube-Star Melina Sophie hat sich kürzlich in einem Video als lesbisch geoutet. Überraschend vielleicht. Nur sind die Vloggerin und ihre Kolleginnen damit auch ein schönes Beispiel für den Erfolg von Minderheiten. Die anderen beiden haben nämlich einen Migrationshintergrund: Dagi Bee ist die Tochter von Einwanderern aus Polen, wie sie auf Youtube berichtet, und auch die aus Italien stammende Paola Maria hat ihrer Biographie eine Online-Sequenz gewidmet.

…  ABER WER IST HIER EIGENTLICH „DIE MINDERHEIT“?

Irgendwie hängt das wie eine schwere, pinke Wolke über all diesen Frauen aus dem Medien-, Polit- und Kulturbereich. Das, was es manchmal eher unangenehm als vorbildlich macht, ist wenn dann so eifersüchtig darüber gewacht wird, welcher jetzt die Minderheitenrechte am ehesten zustehen und welcher man es einfach absprechen kann. Dieses Kampfmoment. Nicht, dass alle so wären. Ich denke bloß an das geklaute Tagebuch, in dem es um Bisexualität ging, an das ständige Auflauern und Aushorchen – sogar im Internet hatte ich mal ein „queeres“ Profil am Hals, das (wer hätte das gedacht?!) sich v. a. dafür interessierte, was ich beruflich mache. Die ganzen Verhöhnungen und Belästigungen. Das permanente Vorführen. Klar, das hat jetzt nichts mit Witte zu tun und ist auch nicht auf sonstwen speziell gemünzt. Ich wusste ja nicht einmal, wie die Frauen heißen. Aber es ist irgendwie eine Folge dieses Hauens und Stechens darum, wer hier die Minderheit ist.

POPKULTUR. GUT GEMACHT.

Wenn es so gehandhabt wird, stellt sich die Frage eben schon – Was ist denn das „wahre gay“ im „Gaydar“, von dem Tania Witte schreibt? Auch die queere Schriftstellerin, die ursprünglich aus dem beschaulichen Trier stammt und sich auch in der Drag-King- und Crossdresserszene engagiert, war nicht immer lesbisch. In Trier jedenfalls nicht. Und dazu – das darf hier fairerweise nicht unterschlagen werden – steht die Gender-Aktivistin ja auch. In einer ihrer Kolumnen und auch in einem Interview mit dem BR (online nicht mehr verfügbar) hatte sie sich dazu geäußert. Andere sind gewiss nicht besser oder „echter“. Da gibt es kein Abo drauf. Und Witte schreibt ja wirklich amüsant und kurzweilig darüber. Pop at its best! Slayer nicht so sehr. (NB: Im Heavy Metal hat das übrigens Tradition, dass Männer die Haare lang tragen!)

Mobbers Corner

Was ist eigentlich ein Grundrecht? Hm, was mir da so spontan zu einfiele, wäre, dass z. B. niemand wegen seiner Hautfarbe, Nationalität, sexuellen Orientierung, Religion, seines Geschlechtes und so weiter benachteiligt werden darf. „You have the right to be nasty“ soll eine Queer-Aktivistin gesagt haben. Genau deshalb schreibe ich meistens LGBT und nicht Queer, weil ich da leider nicht zustimme. Keine Menschenrechtscharta der Welt sieht ein „Recht auf Gemeinheit“ vor.

MobberSado

Und überhaupt, „Gemeinheit“ als sexuelle Orientierung? Man könnte an Sadomasochismus denken, aber nein, Sorry! Niete! Missverständnis. Die Psychologin Lydia Benecke schreibt in ihrem Buch „Sadisten. Tödliche Liebe – Geschichten aus dem wahren Leben“ (Köln 2015) , dass Sadomasochismus als sexuelle Orientierung nichts damit zu tun hat, den oder die andere(n) zu misshandeln. Alles geschieht im beiderseitigen Einverständnis und nur bis dahin, wo einer eine Grenze setzt. Und – ganz wichtig! – es bezieht sich nur auf die sexuelle Ebene, es geht nicht darum, andere Menschen im Alltag zu unterjochen und zu quälen. Ansonsten, führt Benecke weiter aus, ist Sadismus krankhaft, eine psychische Störung bzw. Symptom verschiedener psychischer Pathologien.

MobberPsych

Mir sagte man, man wolle die psychisch Kranken befreien. Das sei links. Nur sehr wenige psychisch Kranke sind allerdings „nasty“, also gewalttätig oder einfach nur auf’s Mobben und Schikanieren aus. Im Queerfeminismus geht es oft um Esstörungen und Borderline. Statt zu kotzen und sich zu ritzen, sollten die Frauen lieber mal ihre Wut ‚rauslassen. Im Reallife wurde dann daraus gemacht, dass dicke Frauen einmal die Möglichkeit haben sollten, eine Schlanke fertig zu machen. Frauen wie ich oder die #Homofrau sollten ihr Fett wegkriegen. Ich wunderte mich, warum dann Heidi, die ganzen Supermodels und die auf Optimalkörper getrimmten High Society Hipstermädchen trotzdem Heldinnen für die Frauen sind.

MobberGebär

Aber eigentlich ist das doch auch gar nicht das Problem. Kaum eine Frau wird zur Magersüchtigen, Bulimikerin oder Fresssüchtigen oder fängt an, sich zu ritzen, weil sie im Fernsehen oder auf der Straße eine sieht, die schlanker und/oder hübscher als sie selbst ist. Vielleicht hat man den Frauen das so vorgelebt, vor allem denen „aus besserem Hause“. Der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin spekulierte ja sogar über Gebärprämien für sie (Das Thema ging 2010 durch die Medien. Vgl. hierzu u. a. einen Beitrag auf Telepolis). Vor ein paar Jahren galt es als chic, darüber zu lästern, dass Frauen, die in materiell weniger begünstigten Verhältnissen lebten, fett und weniger intelligent seien. Man hoffte, das auf die Gene schieben zu können, nur dass die Gene nichts mit dem sozialen Background zu tun haben. Man sprach auch von Alphafrauen. Muss schlimm sein, eine Alphafrau zu sein und trotzdem Figurprobleme zu haben oder dieses oder jenes mental nicht hinzukriegen. Aber davon wird man nicht krank. Es wäre ja auch eigentlich ganz einfach, zu sagen: „Okay, ich bin auch nur normalsterblich!“

MobberVernunft

Ich bin jedenfalls der Meinung, dass Frauen (oder Männer), die an Esstörungen leiden und/oder sich ritzen, dringend eine Therapie machen sollten. Weil das gefährlich ist. Weil man sich selbst keinen Gefallen tut, wenn man so tut, als sei das ein Lifestyle oder eben eine „etwas andere“ sexuelle Orientierung. Ist es nicht. Und schon gar nicht gibt es irgendwie ein Recht, „nasty“ zu sein und andere zu mobben, auch wenn das vielleicht eine Art vorrübergehender Entspannung bringt, ein berauschendes, offenbar süchtig machendes Gefühl scheinbar grenzenloser Macht, wenn es alle gegen eine(n) ist und der/die sich dann nicht wehren kann. Aber es ist shit! Das Wohlbefinden keines Menschen – egal wie schlecht es ihm oder ihr selbst geht – ist soviel wert, dass ein(e) andere(r) dafür leiden muss. Ganz abgesehen davon, dass es – wie gesagt – um ernsthafte Erkrankungen geht (wenn du ’ne Bronchitis hast, gehst du schließlich auch zum Arzt, oder?!), also um Menschen, die wirklich Hilfe brauchen, nicht jemanden zum Abreagieren.

MobberTrans

Transsexualität ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Queerfeminismus. Versteht mich nicht falsch, es gibt Transsexuelle, offenbar – wie ich gehört habe – mehr weibliche, die mit einem männlichem Erscheinungsbild geboren wurden, als umgekehrt. Muss irgendwie eine Sache der Hormone sein. Die Leute machen keine Witze. Sie sind so geboren worden und können nichts daran ändern. Viele haben auch kaum eine Chance in dieser Gesellschaft. Oft bleibt z. B. Transfrauen nichts anderes übrig, als ihr Geld mit Prostitution zu verdienen, manche kommen auch im Show-Business unter, aber habt ihr schon mal ’ne Transfrau als Bankangestellte gesehen?

MobberDoof

Allerdings hat das alles nichts mit „Ich schnall mir ’nen Plastikpenis um und dann kann ich XXX vergewaltigen, hö, hö!“ zu tun. Im szenigen Berlin „entdecken“ nicht wenige Frauen in ihren Zwanzigern, mit über 30 oder noch viel später, dass sie eigentlich „Männer“ sind oder sie stellen zumindest fest, dass die „männliche Rolle“ ihnen sehr gut stehen würde: das Alphatier, der knallharte Macho, intelligent, stark und überlegen und vor allem: andere Frauen sollen das Blödchen für sie sein, unterwürfig und anschmiegsam, liebevoll auch dann noch, wenn man(n) sie mal „gegen die Tür laufen“ lässt. Klassische „männliche Rolle“ oder einfach nur hirnverbrannt? Ich hielt es jedenfalls zunächst für einen schlechten Scherz, dass das jetzt „Feminismus“ sein soll …

MobberBock

Und außerdem – was ist, wenn man bzw. frau leider nicht einsieht, dass eine andere das nun einmal braucht, „nasty“ zu sein?! Was, wenn einem das am A… vorbeigeht, dass eine andere sich sonst ritzt oder auch nur irgendwie „nicht wohl“ fühlt? Tja, „Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit“ – schon mal davon gehört, Babes? Das bedeutet einfach, dass andere nicht tun müssen, was man/frau sagt. Egal, wie sich jemand damit fühlt. Man/frau darf auch „nein!“ sagen, „nicht mit mir!“ Punkt.

MobberRegister1

Vielleicht ist es Dummheit, vielleicht sind es die vielen Partydrogen oder das viele Geld. Manche Leute raffen noch nicht einmal, dass man anderen nicht einfach mal das Tagebuch klauen kann, erst einmal überall damit rumtröten (Yap, alle haben gelesen, dass die #Homofrau auch wirklich was mit Frauen anfangen kann, nur sollte das lieber nicht so aussehen, nicht dass die auch noch Minderheitenrechte dafür kriegt, aber homophob kann man ja trotzdem mal sein, nur so, vorsorglich!) und dann, als irgendwie herauskam, dass das ein schwerer Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte ist, hatten sich einige echt gedacht, die #Homofrau könnte ja Selbstmord begehen, dann wäre das Problem aus der Welt. Oder das Geschwalle von „Damit hat sie ihr Todesurteil unterschrieben!“ und so weiter. Man kann halt niemanden so einfach umbringen, weil man ihn oder sie eben „nicht so mag“ oder einfach Lust drauf hat oder sich mal echt stark fühlen will und so. Aber angeblich waren es ja auch nur „Neckereien“, genau wie die ständigen dummen Anmachen, das ganze Belauere und Geglotze, die „Inspirationen“, die sie angeblich ständig brauchten, undsoweiterundsofort. Nicht meine Art von Humor, aber egal – sogar wenn man „nur“ Schwachsinn über andere erzählt, in der Hoffnung, sie so nachhaltig wie möglich in ein schlechtes Licht zu rücken, ist das leider Verleumdung oder üble Nachrede, jedenfalls nichts, worauf man irgendwie ein Recht geltend machen könnte …

MobberGeld

Zum Teil wurde wohl darauf spekuliert, dass die #Homofrau sich sowieso keinen Anwalt leisten kann, zum Teil lag es daran, dass die Linken den Frauen und den Hipstern, die sie im Schlepptau hatten, zu Hilfe kamen. Das war eine neue Erfahrung, dass Linke in erster Linie Menschen mit Geld unterstützen. Überhaupt, all die Jahre eine Gefahr und Bedrohung zu sein. Die #Homofrau sollte sich das mal merken, dass man auch ohne den schnöden Mammon glücklich sein kann.Das Gleiche galt natürlich nicht für diese Leute selbst. Es gilt auch nicht für die Flüchtlinge oder für wen auch immer. Die Leute haben sich wohl eher eingebildet, dass es ihnen zusteht, darüber zu bestimmen, wer arm sein soll und wer Geld haben darf. Und außerdem, wenn „kein Geld“ auch „keine Rechte“ bedeutet, na ja, ich weiß nicht, was daran so links sein soll, ehrlich! Mitleid sollte man mit denen haben, einsehen, dass andere es doch auch schwer haben. Hm, nur was kann ich dafür? Oder die #Homofrau? Ich habe es ihnen nicht schwer gemacht. Die meisten kannte ich nicht einmal, und wenn, dann nur vom Sehen. Außerdem – Mitleid, mit Menschen, die internationale Schulen besucht haben, auf dem Internat waren, geschliffenes Oxford-Englisch sprechen und in einigen Fällen ganze Studiengänge in den USA absolviert haben – die „Proletarier“ des 21. Jahrhunderts? Wohl kaum!

MobberGeil

Finally: Queer sollte so richtig lebenslustig und sinnenfroh sein – ein ganz neuer, ganz anderer Feminismus – nur dass offenbar keine der Frauen begriffen hat, dass das nicht an Leuten wie mir oder der #Homofrau liegt, wenn sie dann doch eher gehässig und zickig ‚rüberkommen. Also man bzw. frau muss dazu keine anderen Frauen aus dem Weg räumen. Ganz im Gegenteil, genau das ist es nämlich. Und überhaupt, dass auch jeder Hipsterknilch ’ne unterdrückte Minderheit sein soll – Na ja, die stehen ja auch auf Frauen, dann sind sie wohl auch „lesbisch“ und ihre verknöcherten alten Muttis erst einmal. Außer Bonmots à la „gar nicht erst hochkommen lassen!“ und „Tja, jetzt zum Monatsende ist Schmalhans wohl Küchenmeister!“ habe ich nicht viel von denen mitgekriegt. „Erstick doch an Deinem Geld, Alte!“ könnte man darauf entgegnen oder sich denken, dass unsere Gesellschaft richtig krank ist vor lauter Überfluss. Vielleicht ist das Unglück anderer wirklich das einzige, was solche Leute noch geil macht. Nur Mitleid mit denen haben? Nö, wieso eigentlich?! Lest doch einfach mal das Grundgesetz oder die Charta der Menschenrechte oder so. Da steht auch drin, welche Rechte man/frau alle nicht hat. Und wer das nicht kapiert –   Muttu weniger Ecstasy! Echt jetzt!

Lesbe ohnegleichen? Woran Du erkennst, dass eine Frau nicht ganz so lesbisch ist, wie sie tut

Auch schon aufgefallen? In der hippen Großstadt ist mittlerweile fast jede Frau oder, na, sagen wir mal, fast jede zweite Frau, „queer“, d. h. sie definiert sich als „lesbisch“, „bisexuell“ oder „transgender“. Übertreibe ich? Oder ist das eine Frage des Umgangs? Im linksalternativen Milieu sind viele der Meinung, dass man bzw. frau sich die sexuelle Orientierung einfach aussuchen könne. Wenn das so wäre, würde allerdings niemand mehr wegen Homosexualität verfolgt, weil die Leute sich in Gegenden, wo Homophobie gang und gäbe ist, eben einfach „aussuchen“ würden, heterosexuell zu sein. Leider wird man lesbisch, bi- oder transsexuell geboren, d. h. man kann es sich nicht aussuchen, man kann niemanden homo- (bi-,trans-)sexuell „machen“ und es auch niemandem „austreiben“. Paradoxerweise sind die Leute aber gerade da, wo es darum geht, „anders“ zu sein, bedacht darauf, sich abzugrenzen. Anders ausgedrückt: Da, wo man sich die sexuelle Orientierung/Identität „aussuchen“ können will, wird auch sehr genau darauf geachtet, dass sich nicht die „Falschen“ als LGBT outen. Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass da, wo Feminismus großgeschrieben wird, auch nicht jede Frau wirklich eine Frau ist bzw. manche sind eben mehr „Frau“ als andere. Manchmal entbrennt darum ein richtiger Kampf. Welche ist nun die „authentischere“ Frau oder Lesbe? Wer verkörpert das am besten? Und welche Frau kann man am ehesten als „Mogelpackung“ entlarven? Laila Phunk, die Homophobie für ein ernstes Thema hält, aber findet, dass dieser ganze Identitätskram Schwachsinn ist, ist der Sache auf den Grund gegangen. Lass Dich nicht beschubsen oder schikanieren! Hieran erkennst Du, ob’s eine nötig hat:

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1. Männer, Männer, Männer
In ihrem Denken dreht sich alles um Männer? Sie mögen sie, sie finden sie sexy, sie kann sie alle um den kleinen Finger wickeln! Tja, da bist Du vielleicht neidisch – unattraktiv wie Du nun einmal bist … sie dagegen könnte an jedem Finger 10 haben, sie will bloß nicht.

Was dran ist: Ziemlich offensichtlich oder? Ich habe jedenfalls noch nie ’ne Lesbe getroffen, die lesbisch war, weil sie einfach zu attraktiv für Männer war (und andere Frauen da nicht mithalten konnten). Kleine Nebenbemerkung: Lesben sind tatsächlich lesbisch, weil sie auf Frauen stehen.

2. Männer sind Schweine
Hier geht es um’s Prinzip! Deshalb – auch wenn Du ’ne Frau bist (und durch einen Check beim Onkel Doc sogar nachweisen könntest, dass Du tatsächlich XX-Chromosomenträgerin bist), verkörperst Du irgendwie trotzdem „die Männerwelt“. Deshalb musst Du umso energischer bekämpft werden, quasi als Training für den Ernstfall. Komischerweise beobachtest Du gelegentlich, dass sie bei Männern durchaus mal alle Fünfe gerade sein lassen kann. Und es ist auch kein Widerspruch, wenn sie dann plötzlich auf Deiner Seite ist. Klar, sie hat Mitleid mit Dir, weil Männer Dich einfach nicht ernst nehmen können. Sagt sie. Sie findet Dich ja auch irgendwie „putzig“.

Was dran ist: Es geht tatsächlich um’s Prinzip, aber um das der Projektion. Ernstzunehmende Feministinnen äußern sich kritisch über gesellschaftliche Strukturen, die Frauen benachteiligen. Es geht ihnen nicht vor allem darum, andere Frauen zu diskreditieren. Allerdings ist „feministisch“ nicht das Gleiche wie „lesbisch“, auch wenn einige lesbische Frauen sich feministisch engagieren. Die Sache ist die: Ob Männer sie sexy finden oder nicht, ist Lesben eigentlich egal, von sexistischen Strukturen sind sie aber genauso betroffen wie heterosexuelle Frauen auch.

3. Germanys next Topmodel
Es ist frauenverachtend, aber es ist auch Kult – findet sie jedenfalls. „Germanys next Topmodel“ ist für sie wie eine Droge, von der sie einfach nicht loskommt. Trotzdem ärgert sie sich, weil die Frauen alle so klapperdürr sind. Die Wut darauf muss sie an Dir auslassen.

Was dran ist: Vermutlich hat „Germanys Topmodel“ so hohe Einschaltquoten, weil es so viele Frauen gibt, die gern mal Heidi sein möchten: Am laufenden Band hübsche junge Frauen ‚runterputzen – genau, das wär’s! Ich kann Dir dazu nichts Näheres sagen, weil ich es nicht gucke. Interessiert mich einfach nicht so. Klar ist das problematisch, wenn es so ‚rüberkommt, als ob nur Frauen, die überschlank sind, als sexuell attraktiv (für Männer) gelten könnten. Allerdings wird keine Frau lesbisch davon, dass sie dick ist oder sonstwie nicht dem allgemeinen Schönheitsideal entspricht. Natürlich gibt es lesbische Frauen, die Übergewicht haben, aber – damit Du mir keinen Biologismus vorwirfst – stell es Dir mal so vor, dass es eine Regenbogen-Fee gibt, die Ungeborene mit einem Puder bestäubt, das ihre sexuelle Orientierung und Identität festlegt: Also rosa Puder für homosexuell, lila für bisexuell, türkis für transsexuell und so weiter. Als die Fee den rosa Puder ausgeteilt hat, hat sie nicht darauf geachtet, ob das Ungeborene einmal schlank, dick, klein, groß, androgyn, feminin, hübsch, hässlich oder wie auch immer werden würde. Mit den anderen Farben ist es übrigens genauso. Was „Germanys next Topmodel“ betrifft: Auf der Fernbedienung gibt es einen Knopf zum Ausschalten.

FaustPinkFlamingo

 

4. Prinzessin auf der Erbse
Du musst sie wie ein rohes Ei behandeln, denn seit sie lesbisch ist, ist sie wirklich wehleidig. Sie fühlt sich permanent angegriffen und Du kannst ihr gar nichts recht machen. Sie fühlt sich einfach nicht wohl mit Dir, denn alles, aber auch wirklich alles an Dir ist – total homophob! Behauptet sie.

Was dran ist: Offenbar steckt sie voller Hass und Aggression. Um das ungehemmt an jemandem ‚rauslassen zu können, braucht sie eine gute Ausrede. Manchmal geht es auch um projizierte Homophobie. Wenn andere immer nur homophob sind, kann es sein, dass das auf die Leute, die das behaupten, selbst zutrifft, aber sie brauchen halt jemanden, der ihre Gefühle stellvertretend übernimmt, um nicht dumm da zu stehen. Wenn der/die andere angeblich so super-„homophob“ ist, muss man/frau sich „wehren“ und darf sich dann diskrimierend verhalten und in einigen Fällen – so verdreht es auch klingt! – eben sogar selbst homophob sein. Solchen Leuten zeigst Du am besten einfach einen Vogel! Diskriminierung und andere Schikanen sind kein Menschenrecht, egal von wem sie ausgehen und gegen wen sie sich richten. Die meisten Lesben sind übrigens gar nicht so chronisch schlecht gelaunt, dass sie ständig jemandem das Leben zur Hölle machen müssten – schließlich gilt: „Make Love not War!“

5. Sie kann sich das leisten
Rumzicken, die Leute dumm anmachen, sexistische Sprüche ablassen oder zur Abwechslung auch mal ein bisschen Nazi-Sprech – Sie kann sich das leisten, denn sie ist ja lesbisch. Sowieso ist die Welt für sie klar und übersichtlich in gut und schlecht eingeteilt. Es sind Leute wie Du, die das Böse in die Welt getragen haben – ob Hiroshima, Fukushima, Tschernobyl, Kuba-Krise oder Kosovo-Konflikt – ganz zu schweigen von den Ereignissen in Syrien. Als Lesbe hat sie damit nichts zu tun. Sie steht für das Gute im Menschen und ist somit über jede Kritik erhaben. Da könntest Du Dir ruhig mal ein Beispiel dran nehmen. Meint sie.

Was dran ist: Gar nichts. Lesben sind für gewöhnlich nicht lesbisch, weil sie irgendwie einen an der Waffel haben (siehe 4.). Es steht auch nirgends geschrieben, dass Homosexuelle unfehlbar sind. Vielleicht hat Deine falsche Lesbe da etwas falsch verstanden?

6. Sie ist eine Minderheit, aber nicht nur das …
„Öch bönn eine Münderheit!“ jappst es hysterisch. Dir muss klar sein: Ob Judentum, Islam, Menschen mit Migrationshintergrund oder People of Color – sie alle stehen fest zusammen gegen die „Mehrheitsgesellschaft“. Sogar die Klingonier sind auf ihrer Seite. Die „Minderheit als solche“ mag sie, weil sie weiß, dass sie auch „Minderheit ist. Du dagegen hast keine Chance. Denn die „Minderheit an sich“ wittert es quasi, dass Du der Feind bist. So sieht sie es zumindest und hält mit ihrer Meinung auch nicht hinterm Berg.

Was dran ist: Bestimmt kennst Du Migranten, Schwarze, Juden (vielleicht auch Klingonier), die Du magst und die Dich auch nett finden. Also solltest Du Dich auf so einen Quatsch gar nicht erst einlassen! Ein paar Homo-, Bi- und/oder Transsexuelle werden deinen Freundes- und Bekanntenkreis mit der Zeit sicher auch bereichern. Hängt ja auch alles ein bisschen vom Zufall ab. Trotzdem sollte man hellhörig werden, wenn jemand mit so etwas ankommt: Alle Lesben (Juden, Türken, Klingonier, …) denken und empfinden völlig gleichgeschaltet?! Im besten Fall werden Minderheiten hier instrumentalisiert, um andere an die Wand zu stellen und/oder emotional zu erpressen („Du willst doch nicht, dass ich allen erzähle, dass Du rechts bist?! Na also! Dann bist Du besser nett zu mir und machst, was ich sage!“). Es kann aber auch sein, dass ein hartnäckiger Rassismus dahinter steckt und Vorurteile als bare Münze verkauft werden (wie gesagt: vielleicht gibt es hier und da kulturelle Unterschiede, aber es gibt ganz bestimmt kein „ethnisches“ Denken und Empfinden!). Nicht einschüchtern lassen – Homo-, Bi- und Transsexuelle sind Individuen, genau wie Juden, Türken, Schwarze, usw.! Fühlt sich jemand diskriminiert, sollte man das in einem Gespräch klären. Siehe ansonsten 4. & 5..

TopQueerPink

7. Sie tut’s ja nur für Dich! (Worauf Du allerdings dankend verzichten kannst!)
Fest steht: Frauen wie sie sollten für Frauen wie Dich ein Vorbild sein. Ja, genau: ein V-O-R-B-I-L-D! Dazu muss sie allerdings wissen, was für Dich wichtig ist. Schließlich bist Du ihre Zielgruppe. Irgendwann fällt es Dir jedenfalls auf, dass sie immer findet, was Du findest, alle Erfahrungen gemacht hat, die Du gemacht hast, alle Gefühle fühlt, die Du fühlst, was für Dich ein Problem ist, ist auch eins für sie und so weiter. In extremen Fällen hast Du am Ende das Gefühl, dass Du nicht mehr ganz „Du selbst“ bist, weil jetzt eigentlich alle so wie Du sind, selbst die niedlichsten Schneckchen sind jetzt die härtesten Butches und sogar die, die eigentlich homophob sind, sind voll homo und so. Nur Du stehst da irgendwie außen vor. Ächz!

Was dran ist: LGBT oder besser gesagt: „Queer“ ist in der Tat gerade ein Modethema. So lange nicht der Extremfall eintritt, dass „lesbisch“ das neue „Hetero“ ist und „hetero“ das neue „Lesbisch“ und Du nur noch ein Abklatsch Deiner selbst bist, kann’s Dir eigentlich egal sein – oder? Klar gibt’s eine Menge sehr femininer Frauen, die behaupten, „ur-lesbisch“ zu sein und genauso viele Frauen, die so „authentisch“ lesbisch sind, dass es schon wieder unecht wirkt – aber: who cares? Es ist eine sexuelle Orientierung! Und ich wüsste nicht, dass jemand heterosexuellen Frauen verboten hätte, die Haare kurz zu tragen oder sich burschikos zu geben oder dass man bzw. frau nicht mehr lesbisch sein dürfte, wenn sie einen Rock trägt. Das ganze Hickhack darum, wer die „bessere“, „echtere“ Lesbe ist, ist allerdings nicht ganz echt. Sorry.

8. Früher war alles anders (Da war sie nämlich noch homophob!)
Es gab Zeiten, da stand sie auf Männer. Das mit Frauen, das fand sie eklig. Da sie Dich auch nicht so mochte, hat sie jedem, der es hören wollte (und auch vielen, die es gar nicht interessierte) erzählt, dass Du lesbisch bist. Rette sich, wer kann! Man weiß ja, dass eine wie Du Hintergedanken hat, wenn sie freundlich zu einer anderen ist. Zum Glück sind darauf nur ein paar homophobe Zicken eingegangen. Jetzt, wo es in Mode ist, ist eben sie diejenige, die lesbisch ist (und überraschenderweise auch viele von den homophoben Zicken).

Was dran ist: Ob frau lesbisch ist oder nicht, merkt sie eigentlich in der Pubertät – dass sie nichts mit Männern (Jungs) anfangen kann, dafür aber mit Frauen (Mädchen). Deshalb heißt es ja auch „sexuelle Orientierung“. Etwas anderes steckt da wirklich nicht dahinter. Bisexuelle Frauen merken übrigens auch in der Pubertät (also mit 12 oder 13 Jahren!), dass Frauen sie nicht kaltlassen, stellen aber ebenso fest, dass sie auch ‚was mit Männern anfangen können. Bisexualität ist halt auch eine sexuelle Orientierung und nicht frei wählbar. Eigentlich weiß man das aber von einer Frau, die man nicht kennt, nicht. Na und? Geht’s einen überhaupt etwas an? Nö, oder?! Aber homophob muss man deshalb ja trotzdem nicht gleich werden.

9. Sie will flirten! Und sonst gar nichts!
Flirten ist ja schön und gut, aber Du standest gerade so an der Bushaltestelle herum, da kam sie – ja, sie – Ihr unterhaltet Euch und es dauert keine zwei Minuten, da schaut sie Dir schon tief in die Augen?

Was dran ist: Entweder will sie „The L-Word“ mit Dir spielen, da flirten sie auch ständig miteinander, oder sie will eine weibliche Version von Humphrey Bogart aus „Casablanca“ (na, der Film, mit Ingrid Bergman = Du, „Schau mir in die Augen Kleines“!) zum Besten geben. Oder sie hat das sexy Polyamory-„Ich kann jede haben“-Image irgendwie nötig. Aber ist das typisch lesbisch? Na ja, wenn es typisch Hetera ist, sich jedem Typen, den man an der Bushaltestelle trifft, an den Hals zu werfen, dann wahrscheinlich schon. Sonst nicht. Es soll Lesben geben, mit denen man sich durchaus ganz normal unterhalten kann.

10. Sie ist keusch und hat eine Katze
Liebe, Sex und Zärtlichkeit – irgendwie eklig! Findet sie. Obwohl sie da kein Problem hat. Natürlich nicht. Sie – ähem – legt einfach Wert auf „weibliches Benehmen“. Deshalb muss sie auch darauf achten, dass andere Frauen nicht zu sehr über die Stränge schlagen.

Was dran ist: Also, das mit der Katze passt hier nicht ‚rein. Man kann sogar Hundetyp sein und Katzen trotzdem gern mögen. Es hat nur nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Davon abgesehen – Du glaubst solchen Schwachsinn nicht wirklich – oder? Na also! Ich auch nicht!

Die #Homofrau trinkt einen Kaffee mit Lara der Lipsticklesbe

Gestern war Welt-Coming-Out-Day. Die #Homofrau wusste nicht so recht, was sie dazu sagen sollte. Spiegel-Online nutzte die Gelegenheit, um sein Jugendmagazin Bento in den sozialen Netzwerken bekannt zu machen. Eine junge Frau erzählte vom Leben als Femme, also als feminine Lesbe und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Das erinnerte die #Homofrau an die Begegnung mit *Lara der Lipstick-Lesbe. Die #Homofrau hatte sie vor ein paar Wochen auf einer Party – übrigens keiner queeren –  kennen gelernt.

Lara arbeitet als Abteilungsleiterin in einem großen Möbelhaus*. Die #Homofrau dachte sich, dass das vielleicht der Grund ist. Müssen Frauen in solchen Jobs nicht betont feminin auftreten? Das, was man gemeinhin so als „gepflegtes Äußeres“ bezeichnet … ? Weiß der Chef überhaupt, dass Lara …? Lara sagt, dass das überhaupt kein Problem sei. Die Kollegen wüssten es alle, niemand habe etwas dagegen, nur hat Lara den Eindruck, dass manche ihr nicht so recht glauben. „Das ist doch das Klischee, dass eine Lesbe hässlich ist!“ ereifert sich Lara. Ihr Gesicht nimmt einen trotzigen Ausdruck an.

Lara ist ganz bestimmt nicht hässlich, denkt sich die #Homofrau. Sie hat lange, kastanienbraune Haare – Korkenzieherlocken – ein paar Sommersprossen auf der Nase und große, goldbraune Augen. „Nein, dass so eine lesbisch ist!“ fragen sich die Leute bestimmt. Die #Homofrau hat leicht zynische Hintergedanken. Bilder schießen ihr durch den Kopf: Dickliche, bösartige Frauen im Superbutch-Look, die das Lesbischsein exklusiv für sich beanspruchen. Alte, knorrige Weiber mit den Moralvorstellungen aus dem vorletzten Jahrhundert, eine Mischung aus weiblichen Taliban und übergewichtigen, effeminierten Möchtegern-Bad-Guys. „Nee, muss nicht sein!“, denkt sich die #Homofrau.

Der Kaffee kommt. Sie sitzen in einer kuscheligen Alternativo-Kneipe* in Kreuzberg. Zwei Holländer* machen den Laden. Die #Homofrau hat sich eine Schale mit dampfendem Café au Lait bestellt, Lara einen Zitronen-Ingwer-Tee. „Ich will akzeptiert werden, so wie ich bin!“ beklagt sich Lara. Der #Homofrau kommt das ein bisschen wie ein Luxusproblem vor. Frauen wie sie haben immer einstecken müssen, dabei ist sie selbst bi und das ist noch nicht mal eine richtige sexuelle Orientierung. Manchmal lassen die Leute das ‚raushängen, dass die #Homofrau eigentlich schon zu lesbisch ist, um bi zu sein und meinen damit „zu hässlich“. Die #Homofrau denkt an die dicke Tini*, die total witzig ist: eine Pfundsfrau und für jeden Spaß zu haben. Oder Neele*, die eher groß ist, ein kantiges Gesicht und eine Narbe unter dem linken, unteren Augenlid hat und ihre Haare immer raspelkurz trägt. Die #Homofrau findet Neele ziemlich cool, aber sie entspricht wohl zu annähernd 100% dem Klischee.

Manchmal ärgert sich die #Homofrau über diese ganzen ultra-femininen Frauen, die jetzt alle behaupten, lesbisch zu sein oder zumindest bi und sich auch alle ganz schön damit aufspielen. Lara macht aber ganz und gar nicht den Eindruck. Sie scheint echt nett zu sein, sonst hätte die #Homofrau sich ja nicht auf einen Kaffee mit ihr verabredet. „Hattest Du denn schon mal Ärger?“ fragt die #Homofrau Lara. „Hm, nicht so direkt“, antwortet Lara: „Es ist mehr so das Gefühl, nicht akzeptiert zu werden, dass alle irritiert gucken, wenn Du mal auf ’ne Frauenparty gehst und so.“ Die #Homofrau nickt. Sie sagt, dass sie diese selbsternannten Turbolesben, die eifersüchtig darüber wachen, dass auch nur das, wo dick und fett „lesbisch“ draufsteht, wirklich lesbisch ist, auch nicht leiden kann. „Vor allem, weil viele von denen selbst nicht wirklich lesbisch sind … Aber vielleicht liegt es daran, dass das jetzt so ein Hype ist …“ sagt die #Homofrau „… und alle Lesben, die man in der Öffentlichkeit sieht, sind mehr der mädchenhafte Typ und viele verdienen komischerweise auch ganz gut Geld damit. Das ist alles ein bisschen schief.“ Sie schlürft ein bisschen Café au Lait. Lara nippt an ihrem Zitronen-Ingwer-Tee. Lara erzählt, dass ihre letzte Freundin auch langhaarig und feminin war. Sie hat sie dann für einen Typen verlassen. Lara war das Abenteuer, der Typ der Ernst des Lebens. Lara hing sechs Monate ziemlich durch.

Das tut der #Homofrau leid. Ihr Typ wäre Lara nicht, aber das hatten sie schon auf der Party geklärt, dass Rummachen von beiden Seiten her nicht drin ist. „Daran erkennt man ja auch die queere Hete“ findet Lara. „Ja!“ nickt die #Homofrau „Die Tussi, die sich nur sexy fühlen will.“ Tini will demnächst ihre Langzeitfreundin heiraten. Vielleicht hat Lara ja Lust, mit zur Hochzeit zu kommen. Tini hätte bestimmt nichts dagegen. Sie alle finden, dass man auf Betonköpfe, die ihre eigenen Vorurteile für unverbrüchliche Wahrheiten halten, nichts geben sollte – egal aus welchem Lager sie stammen.

*Aus gegebenem Anlass: Alle in dieser Geschichte beschriebenen Charaktere und auch die Geschichte selbst sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind daher rein zufällig und nicht beabsichtigt (auch wenn ich Diskriminierungserfahrungen in manchen #Homofrau-Stories sozusagen „aus dem täglichen Leben gegriffen“ habe, aber das ist ja hier nicht der Schwerpunkt). Hervorgehoben sollte v. a., dass es feminine Lesben gibt, die auch wirklich lesbisch sind, obwohl man es bei ihnen oft nicht so ganz ernst nimmt, ebenso, wie nicht jede übergewichtige oder androgyne Frau sich lediglich „aus Verlegenheit“ dazu „entschieden“ hat, lesbisch „zu leben“. Laila Phunk vertritt die Ansicht, dass sexuelle Orientierungen (homo-, bi-, transsexuell, ebenso wie heterosexuell) mehr oder weniger „angeboren“ sind (denk an Augenfarbe, Körpergröße oder das Talent für Musik, Sport oder Mathe!) und sich in der Pubertät, spätestens aber im jungen Erwachsenenalter herauskristallisieren. Dennoch ist Laila nicht die Sex-Polizei. Sie entscheidet nicht über andere und mischt sich nicht in deren Angelegenheiten ein – ganz abgesehen davon, dass sie auch nicht findet, dass man jemandem seine/ihre sexuelle Orientierung „auf den ersten Blick“ ansehen kann. Man hat vielleicht höchstens ein Gespür dafür, wer – in dieser Beziehung – ähnlich tickt, wie man/frau selbst. Allerdings gibt es im Moment – weil Queer so ein Hype ist – sehr viele Menschen, die vorgeben, genau zu wissen, was es mit „abweichenden“ sexuellen Orientierungen auf sich hat (und dass das auf sie selbst zutrifft und auf die anderen nicht): Mal sind es die femininen Frauen, bei denen das doch irgenwie „süß“ ist, mal die Dicken, denen das angeblich eher zusteht, weil sie dem allgemeinen Modeideal nicht so entsprechen, gelegentlich aus demselben Grund auch die Androgynen. Mal ist es ein Lifestyle-Ideal, das irgendwie mit höherer Bildung zu tun hat, mal ein politisches Bekenntnis und überall dort, wo es um Minderheitenrechte geht, auch ein Karrierefaktor (Klar, aus demselben Grund haben manche auch gefordert, dass man sich seine Hautfarbe aussuchen können soll!). All das hält Laila Phunk für grundfalsch. Allerdings ist das Gegenteil auch nicht immer richtig. Genau darum ging es in dem Text.

Engagier Dich gegen Homophobie – damit liegst Du immer richtig, denn da geht es ja gegen Diskriminierung und für gleiche Rechte! Mit einer Second-Life-Identität, die v. a. hervorheben soll, wie sehr Du in jeder Hinsicht benachteiligt bist und deshalb „gefördert“, vulgo „bevorzugt“, werden musst, sieht das schon anders aus (Yap, man hat Dich nämlich schon immer bevorzugt und das Ganze war eigentlich eher so gedacht, dass die, die sich wegen Dir immer mit einem der hinteren Plätze begnügen mussten, mal eine Chance kriegen, also zB eine Transsexuelle, die keinen Job kriegt und am Rande der Gesellschaft lebt, nicht eine, die gelegentlich mal auf ’ner Party den Drag-King gibt, oder eine Migrantin aus armen Verhältnissen, nicht der Sohn von Boris Becker, obwohl der wirklich schwarz ist. Laila spricht da auch nicht für sich selbst (obwohl sie im Moment ganz hinten sitzt, aber sie hat zB auch studiert und Auslandserfahrungen gesammelt) findet aber – wie gesagt – dass Leute wie Du einfach kein verbrieftes Vorrecht auf die Pole-Position im Leben haben und Trickse mit der Minderheitenpolitik nicht okay sind!)

Also, liebe queere Hete, liebe Kampf- , Lipstick- und Möchtegernlesbe, lieber Drag-King, liebe Bi-Sexbombe und Unentschiedene: Die Moral von der Geschicht ist: GLEICHBERECHTIGUNG meint Euch alle. Das ist ganz stressfrei und lohnt sich doch – meine ich!

Mehr zum Thema demnächst!

 

Über Homophobie

Gequält, gedemütigt, verlacht – das ist – jenseits von Queer-Hype und glitzernder Party-Welt – was viele LGBTI-Menschen im Alltag erleben.

Da ist Hannah Winkler, die in ihrem Buch „Fe-Male“* beschreibt, wie andere Jugendliche ihr Tagebuch klauen und in der sozialen Einrichtung, in der sie vorrübergehend lebt, laut daraus vorlesen. Hannah – eine „Gaudi“, weil sie sich wie ein Mädchen fühlt, aber in einem Jungenkörper geboren worden ist?

*Quelle: Hannah Winkler: „Fe-Male. Hinein in den richtigen Körper.“, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 2014.

Da ist die Schülerin Madeleine*, die zum Gespött der ganzen Schule wird, weil sie einer Freundin gestanden hat, dass sie sich in Mädchen verliebt und nicht in Jungs.

*Quelle: Art. „Homo-Hass unter Jugendlichen. Zum Schweigen verdammt.“ v. Christina Zühlke, in: Spiegel Online. Schulspiegel v. 12. April 2010.

Da ist der britische Politiker Adrian Trett*, der schon als Schüler unter Hänseleien gelitten hat, weil er schwul ist und auch in der hippen Londoner Szene zunächst nicht Fuß fassen konnte, weil es dort auf Selbstsicherheit, physische Attraktivität und coole, zur Schau gestellte Sexyness ankam. Trett warf sich irgendwann selbst auf eine imaginäre Müllhalde, tobte durch immer extremere Subszenen und infizierte sich schließlich mit HIV.

*Quelle: Interview mit Adrian Hyyrylainen-Trett, „Meet Britain’s first HIV-positive Parliament Candidate“ v. Patrick Strudwick, in: BuzzFeed v. 30. März 2015.

Lesenswert ist auch der Artikel „LGBT Mental health: Are we doing enough?“ v. Patrick Cash, in: Vice v. 28. April 2015, der sich mit den psychologischen Auswirkungen von Homophobie beschäftigt und u. a. das BuzzFeed-Interview mit Adrian Trett thematisiert.

Geklaute, öffentlich vorgelesene Tagebücher und sexuelle Demütigungen auf der einen Seite, sexuelles Geprotze und viele falsche Zwischentöne – manchmal viel Wind um nichts – auf der anderen.

SEX POSITIVE

JoysofYouth Kopie

Da ist auch die „polygame Lesbe“, 28 Jahre alt, eine Frau, die – so heißt es in den „Sex-Tagebüchern“* des Berliner Tagesspiegels – auf unverbindlichen Sex steht, Online dated und schnell zur Sache kommt  Die Frau schreibt nüchtern: „Sex war gut, klitoraler und vaginaler Orgasmus“*. Das klingt ein bisschen wie aus einem alten Biologielehrbuch abgeschrieben. Aber gut, das ist ja Geschmackssache, also wie sich jemand ausdrückt. In dem fiktiven Tagebuch heißt es weiter, dass der „polygamen Lesbe“ immer wieder alte One-Night-Stands über den Weg laufen. Niemand ist irgendwie böse oder eifersüchtig. Alle verstehen sich super und alles ist gut. Hm, gut oder gut gemeint?

*Quelle: Serie „Liebes Tagebuch. Berliner Sex-Tagebücher“, Art. „Die Polygame“, in: Tagesspiegel (bzw. eigentlich sind die Tagebücher wohl in dem Berliner Veranstaltungsmagazin Zitty erschienen) v. 29. August 2007.

VIEL WIND UM WEIBLICHKEIT

Weibliche Sexualität scheint extrem hart umkämpft zu sein. Ein richtiger Zankapfel. Irgendwie scheint es zu dem Queer-Hype dazuzugehören, dass jede nachweisen möchte – Ja, da mag es vielleicht das eine oder andere Klischee geben, aber auf sie selbst trifft es nicht zu, dafür aber sehr wahrscheinlich auf diese oder jene. Frauen, die andere gern verlachen, sich über die sexuellen Gefühle ihrer Mitmenschen lustig machen, Selbstbefriedigung ablehnen, weil sie das „nicht so nötig“ haben. Frauen, die um die Wette prahlen. Dumme Anmachen. Frauen, die nicht müde werden, darauf hinzuweisen, was an anderen Frauen unattraktiv ist, vor allem für Männer. Ja, richtig gehört bzw. gelesen. Lesben? Oder Bisexuelle? Nein, würde ich nicht sagen, d. h. ich kann es schlecht für andere festlegen. Das ist ja immer auch Definitionssache. Aber da immer wieder herauskommt, dass irgendeine der selbsternannten queeren Vorzeigefrauen ein heterosexuelles „Vorleben“ hatte, drängt sich schon die Frage auf: Ist das alles nur Fassade? Hassen solche Frauen am Ende Frauen, die auf Frauen stehen? Hassen sie vielleicht überhaupt Frauen, die Interesse an Sex haben? Haben sie Tagebücher geklaut? Ihre Mitschülerin zum Gespött gemacht? Gehänselt, verhöhnt und erniedrigt? Tun sie es immer noch?

Ich glaube – hm – es ist gerade das, was lesbische und bisexuelle Frauen „nicht so nötig“ haben. Also, ich kann es jedenfalls gar nicht gebrauchen.