Aufgespießt aus dem Berliner Kulturleben. Laila macht die taz-Wahrheit nach

In der taz-Wahrheit macht sich Michael-André Werner Gedanken über die Infiltration unserer schönen Gesellschaft durch „Die strohblonden Provokateure“ – überall AfD’ler Inkognito – quer durch alle Parteien und sogar im so oft als über Gebühr „linksgrünversifften“ Kulturbetrieb (Wer hatte jetzt noch mal das Copyright auf „linksgrünversifft“? Na, egal, so brillant ist das ja jetzt sowieso nicht …). Jedenfalls sollte jetzt die AfD sogar ganz offiziell den Kulturausschuss übernehmen. Weil sie da nicht viel falsch machen kann, habe ich irgendwo, ich glaube im „Freitag“ gelesen.

Viele Kulturschaffende schäumten dennoch – verständlicherweise, denn wer will sich schon eine ganze Legislaturperiode lang Vorschriften machen lassen von Leuten, die sich in erster Linie darum sorgen, dass der deutschen „Leitkultur“ – was auch immer darunter zu verstehen ist – die Vorrangstellung streitig gemacht und den Deutschen der ohnehin nur mit ungenügend geschwellter Brust zur Schau getragene Nationalstolz erst recht gründlich vergällt wird. Gartenzwerge, Brat- und Bockwurst mit Senf oder Ketchup und Socke an Sandale füllen keine Theaterhäuser, sind als Objets trouvés oder Ready-mades à la Duchamp nur begrenzt verwendbar und Musik kann man damit auch nicht machen. Aber was rede ich hier von dada.

Ich habe doch gar keine Ahnung! Tatsächlich erschloss sich mir nicht so ganz, worauf Werner in der taz hinauswollte. Sinn für Literatur habe ich keinen und auch nie angestrebt. Ich weiß also nicht, soll ich nun doch wieder „Neger“ sagen, wenn’s doch aber für einen guten Zweck ist ist und sogar die Linken selbst es sagen? Unter anderem die Frau, die ich flüchtig kannte, und die in die Entwicklungspolitik wollte. „Die Neger (sic!)“ seien „nun einmal dreckig!“ ließ sie, die weit gereiste, mich an ihren Erfahrungen aus der Karibik teilhaben. Zaghaft versuchte ich eine Entgegnung. In Neapel, so versuchte ich ihr klarzumachen, ist es auch okay eine Plastikflasche einfach hinter sich zu werfen, wenn man ausgetrunken hat, was man dem Straßenbild auch ansieht. Da hat es aber nichts mit der Hautfarbe zu tun, sondern mit der – ähem – „ehrenwerten Gesellschaft“ und damit, dass sich mit Müll Geld machen lässt, v. a. mit Chemieabfällen, die man irgendwo auf dem Land entsorgt und dann ahnungslosen Familien preiswerte Grundstücke fürs Eigenheim anbietet. Aber ich komme vom Thema ab.

Ich selbst sage „Schokokuss“ statt „Negerkuss“, weil ich finde, dass das besser klingt. Irgendwie sinnlicher. Auf jeden Fall schokoladiger. Aber ich finde „Negerkuss“, v. a. wenn man bereit ist, sich im Falle des Falles bei einer Person of Color zu entschuldigen, nicht ganz so schlimm. Nicht so schlimm jedenfalls wie die Behauptung alle „N-Wort“ seien angeblich „dreckig“. Letzteres ist für mich schon ganz klar eine rassistische Äußerung. Bei „Negerkuss“ dreht dafür die taz durch. Dass sie im Kampf gegen Rassismus in Sprache und Literatur diese Frau mit ihren „Erfahrungen“ aus der Karibik durch die halbe Stadt gejagt hätten, ist mir nicht dagegen bekannt. Da steig einer durch. Ist vielleicht doch alles irgendwie unterwandert. Also das Beispiel jedenfalls spricht doch dafür.

Aber wo wir schon dabei sind, Menschen vor allem nach dem zu beurteilen, was man so sehen kann, also z. B. die Hautfarbe, können wir auch gleich auf die schönen oder besser gesagt die Bildenden Künste, zurückkommen. Und damit zum Thema Identität: Darf ich mir einen Richter – Gerhard Richter! – in meinem Chalet in der Schweiz ins Wohnzimmer hängen? Zumal, wenn ich ein hübsches Sümmchen dafür hingeblättert habe? Oder entziehe ich damit dem „deutschen Volk“ identitätsstiftendes Kulturgut, wie die Süddeutsche über das 2016 verabschiedete Kulturschutzgesetz berichtet, das genau das verhindern will. Vielleicht macht so ein Gesetz aber auch v. a. Hehlern und Kuntsdieben das Leben schwer, weil nun jeder Verkauf bestimmter (teurer und alter) Kunstwerke ins Ausland erst einmal genehigt werden muss? Da setzt die „Zeit“ in ihrer Berichterstattung über das Kulturschutzgesetz den Akzent. Richter himself ist – und das berichtet wiederum Spiegel online – offenbar eher unkomplizierten und möglichst gewinnträchtigen Lösungen zugeneigt. Auch die Auktionshäuser sind nicht gerade begeistert. Wer hätte das gedacht. Die Berliner Rechtsanwältin Katharina Garbers-von Boehm sieht geradezu ein wahres „Damoklesschwert“ über Europas Kunsthandel gehängt, wie die „Morgenpost“ sie zitiert. Garbers-von Boehm ist, so erfahre ich im Internet, auf Kunst- und Restitutionsrecht spezialisiert. Da wird sie sich also wohl auskennen. Peinlich auch, dass dann doch Fälschungen im Berliner Kunstbetrieb, u. a. in der Berlinischen Galerie, gelandet sind. Die „Zeit“ hat sogar einen ganzen, spannend zu lesenden Kunstkrimi daraus gemacht.

Den Namen Garbers assoziiere ich ansonsten, wenn ich ehrlich bin, mit ein bisschen Schauspielerei, oder, sagen wir besser: der ganz großen Show, und einem saftigen Arschtritt, aber das war jemand ganz anders, an einem ganz anderen Ort und zu einer ganz anderen Zeit, nämlich noch im vorigen Jahrhundert (v. a., wenn mich meine – äh – Wahrnehmung nicht täuscht (was natürlich sein kann!), hat man mittlerweile auch die Fronten gewechselt und kümmert sich um „Krüppel“, der Junior zumindest). Was wäre wohl, wenn ich den Namen „Meyer“ mal im Internet eingebe? Unter „von Boehm“ sehe ich dann ebendort noch irgendwas mit Fernsehjournalismus und eine Stylistin. Also ganz so gängig wie „Meyer“ ist das dann wohl doch nicht, aber gängiger als, sagen wir mal: „Meyer-Rotbeissle“. Mich interessieren außerdem Raubkunst und Kunstfälschungen viel mehr als Film und Fernsehen. Die Welt der Stars ist einfach nicht mein Ding.

Eine Mitschülerin von mir hat auch Kunstgeschichte studiert. Ich bin, glaube ich, eigentlich eher Historikerin. Aber ich habe auch nur an einer Mini-Provinzuni studiert. Meine Mitschülerin dagegen in Berlin. Ich meine, Berlin! Die hat da schon einen ganz anderen Horizont. Sie und ihr Ehemann, auch ein Mitschüler von mir, wohnen in einem angesagten Szene-Kiez, der aber auch einen relativ hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund hat, sowohl Menschen mit Migrationshintergrund UND Geld und Bildung als auch Menschen mit Migrationshintergrund, die, noch U18, mit ihren Kumpels durch den U-Bahnhof Kottbusser Tor schlurfen und in voller Lautstärke „Du Penis, Alter!“ rufen, während sie einander in die Seite knuffen. „Dickaaa!“ höre ich noch und schon fährt die U-Bahn an. Der Ausgewogenheit halber sollte ich hinzufügen, dass die (biodeutsche) Jugend in Marzahn-Hellersorf vermutlich auch nicht Rilke-zitierend durch die Gegend läuft, aber ich sagte ja schon, dass ich selbst auch keine Ahnung von Literatur habe.

In so einem Multikulti-Kiez wohnen die also, dieses Pärchen, mit dem ich einst in der tiefsten Provinz zur Schule gegangen bin. Der Mann vertraute mir an, dass bei ihnen im Hauseingang öfters türkische Jugendliche rumlungern und ihn anpöbeln würden. „Warum lasst ihr euch das bieten?“ fragte ich. Allerdings wusste ich damals noch nicht, dass der Focus auf „TÜRKISCHE Jugendliche“ lag. Ich hatte verstanden, „JUGENDLICHE, die mich ANPÖBELN“. Ich war schon häufiger von Deutschen, die in solchen Kiezen wohnen, darauf angesprochen worden: „Das is aber total scheiße, wenn die Türken dir hinterherlaufen und dich ne Schlampe nennen, nur weil du’n Mini-Rock anhast!“ hatte sich eine Punkerin aus einem linken Stadtteilladen bei mir beschwert. Ich fragte mich schon ein bisschen, wieso. Ich bin ja nicht die türkische Botschafterin, also, ich bin nicht einmal Türkin. Natürlich muss sich niemand als „Schlampe!“ bezeichnen lassen – ganz gleich von wem -, aber ich dachte, das wäre sowieso klar? Eigentlich verstand ich nicht, was all diese Leute von mir wollten. Nur dass kurze Zeit später Vokabeln wie „Orientalismus!“ und „Antiziganismus!“ auf mich einprasselten. Alles Vergehen, derer ich mich angeblich schuldig gemacht hatte.

Meine ehemalige Mitschülerin zupfte sich, wenn wir uns auf einen Kaffee trafen, gern am Decolleté, also so, als müsse sie es verzweifelt mit ihrem Cardigan oder einem Halstuch bedecken. Wenn ich eine Comicfigur wäre, hätte ich eine Gedankenblase mit lauter Fragezeichen über mir schweben gehabt: „Kalt? Haben die meisten Leute nicht eher kalte Füße oder kalte Finger? Und die friert am Ausschnitt? Oder neidisch? Ich meine, soll ich es sein? Manche haben da ja wirklich etwas zu bieten. Toll! Aber gut …“ „Neidisch“ kannte ich bereits von früher. „Ich habe das Gefühl, Du willst alle Brücken hinter Dir abbrechen. Du dozierst so viel! Und – äh – außerdem haben wir das Gefühl, du bist neidisch auf uns, weil wir nach dem Abi alle ins Ausland gehen!“ hatte sie mir vor vielen Jahren eröffnet. Sie war immer frostiger geworden und ich hatte wissen wollen, warum. Neidisch war ich in der Tat. Neidisch wie Hölle, denn es war der Traum meiner Teenagerjahre gewesen, für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Trotzdem gönnte ich es ihnen. Ich wollte halt nur auch. Als ich während meiner Studienzeit einmal kurz in Berlin war und sie und einige andere traf, war immer noch Eiszeit. Zehn Jahre später war ich dann selbst auch im Ausland gewesen, hatte dort auch gearbeitet und war deshalb davon ausgegangen, dass sie mich jetzt wieder mag, weil ich ja nicht mehr neidisch bin.

Das theatrale Rumgezuppele am Decolleté hörte nicht auf. Dann fiel der Groschen. Auch, weil es plötzlich hieß, ich glotzte angeblich immer allen auf den Busen. Da es offenbar Frauenpolitik war, seit ich meinen Uni-Abschluss in der Tasche und einen Job gefunden hatte, mir so ziemlich überall hinzuglotzen und die ganz harten Dykes in Kreuzberg es sich auch nicht hatten nehmen lassen, mir zu zeigen, wer Herr im Haus ist – übersetze „Herr im Haus“ mit „starker Pascha“, „dominant“, „Wir sind eben wie Männer für sie!“ – hatte ich es den „Herrchen“ in meinem Leben zwei-, dreimal zurückgegeben. Aber diese ehemalige Mitschülerin? Konnte es sein, dass sich da jemand um jeden Preis „angemacht“ fühlen wollte? Wie sollte ich der Frau freundlich beibringen: „Hör mal, du wärst wirklich die letzte. Ich meine, guck mal in den Spiegel! So klasse siehst du nicht aus, dass Männer wie Frauen auf der Stelle den Verstand verlieren, wenn sie dich sehen, und jedwede Art von zivilisatorischem Verhalten über Bord werfen!“ Ehrlich gesagt, fand ich die ziemlich korpulente, weizenblonde Frau sogar total unattraktiv. Ihr Ehemann, ein ganz ähnlicher Typ, sieht das anders. Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Nur scheinen ausgerechnet solche Leute Schwierigkeiten damit zu haben, das zu akzeptieren. Streng genommen, also nach allem, was ich zum Beispiel nach ein paar Besuchen auf der Webseite von „Missy Magazine“ weiß, ist deshalb ja eigentlich sogar SIE die Lesbe. Wegen solcher Sachen bin ich offiziell auch so homophob.

Zu Teenagerzeiten war das ähnlich turbulent. Eines Tages lief eine andere Schulfreundin von mir mit Eis und lauter Süßigkeiten bei mir auf. Ich fragte mich, was mir die Ehre verschaffte, aber darauf hatte sie offenbar auch gewartet. Genauer gesagt konnte sie es kaum erwarten: „Zwischen J. und mir hat es am Wochenende als du nicht da warst gefunkt!“ Sie zählte mir auf, was sie alles gemacht hatten, und wie weit sie dann doch nicht „gegangen“ seien, denn sie war nicht „so eine“. Bei ihr meinte er es ernst. Das Problem daran war, dass leider ich „so eine“ war. Wir kannten J. aus der Disco und ich hatte seit geraumer Zeit etwas mit ihm am Laufen, was alle wussten. Ich warf die Freundin nicht direkt raus, nahm aber dennoch mit Genugtuung zur Kenntnis, dass er es leider doch nicht „ernst“ mit ihr meinte. Im Kreise meiner Freundinnen war ich daraufhin eine Weile nicht erwünscht. Dafür lästerte die eine gern mit der anderen in meinem Rücken: „Ich glaube, J. hat AIDS!“, „Nee, ich glaube, der hat Krebs, das habe ICH zumindest gehört.“, „Also, hat der jetzt Krebs oder AIDS?“

Dafür klebte ich schnell einem anderen jungen Mann an den Hacken, wenn auch ohne es zu wissen. Meine Perspektive war, dass ich mich ein paar Mal in der Pause mit M., den ich so ganz nett fand, unterhalten hatte. Ich kannte ihn aber nicht näher und hatte auch nicht vor, daran etwas zu ändern, u. a. weil ich den älteren Bruder von M., der auch auf unsere Schule gegangen war, als nicht ganz so nett in Erinnerung hatte. Meine Mitschülerin – die mit dem Decolleté – hatte da eine ganz andere Wahrnehmung. „Laila ist total hinter M. her!“ Sie sprach jeden Buchstaben des Namens einzeln aus, als bereite ihr das einen besonderen Genuss, aber das kann ich hier aus Gründen des Datenschutzes nicht ausschreiben. Es ergab sich so, dass er fortan von meinen Freundinnen oder besser gesagt, nicht-mehr-Freundinnen umringt war. Ich ließ das auf sich beruhen, denn die kluge Strategin weiß – sind sie an ihm dran, kommen sie nicht darauf, an wem du wirklich Interesse hast …

Deshalb war ich auch nicht so erfreut, als M. plötzlich an meiner mehrere hundert Kilometer entfernten Uni auftauchte, als ich im dritten Semester war. Zwar hatte ich bereits Brüderchen gesichtet, doch der hatte mich nur angeglotzt als sei ich eine Erscheinung und sich dann ein „Hi!“ abgerungen, was ich erwiderte. Mehr hatte ich mit dem nicht zu tun. M. hatte vermutlich, angestachelt durch meine nicht-mehr-Freundinnen, den Eindruck, auf eine liebestolle Hyäne zu treffen, die sich nur geschickt verstellt, wie ein Undercover-Agent des CIA, der auch für den KGB unterwegs ist, und beiden vormacht, ein deutscher Alt-Nazi zu sein. Dennoch fragte ich mich: „Was lungert der BEI DEN KUNSTHISTORIKERN rum? Der macht doch was ganz anderes. Sollte er da nicht besser im D-Gebäude sein?“ Da war er mir jedenfalls lieber als in der Nähe eines Haufens klatschsüchtiger Neurotiker (Die später jedesmal, wenn sie an mir vorbeikamen, glotzten, als würde da ein ganzer Zoo zu ihrer Belustigung aufgefahren: Die andere „Lesbe“ (die gar keine gewesen ist, aber das wissen sie wahrscheinlich mittlerweile), der Punk mit dem knallbunten Iro, ein Haufen langhaariger Männer und ein paar kurzhaarige Frauen , …). Zur Rede gestellt lieferte M. (der aus kunsthistorischer Perspektive akzeptabel ist oder es damals zumindest war) auch die Erklärung für die langhaarige Blondine gleich mehr als bereitwillig und mit einem fetten Grinsen mit: „Eine Freundin von mir und meinem Bruder.“ Ich sah ihn ein paar Tage später noch einmal – grinsend – und dann nie wieder. Vor ein paar Jahren las ich aber von ihm in der Zeitung (Diese Armada an bizarren Leuten, die ich am Hals habe, kann jetzt mal haarscharf nachdenken, wer es sein könnte. Vielleicht hat er die dann am Hals und ich habe meine Ruhe. Geschähe ihm vielleicht ganz recht. Vielleicht gebe ich bei Gelegenheit noch ein paar Tipps und es gäbe da evtl. auch noch ein paar andere, …)

„Teatrum mundi!“ – Das wusste man schon im Barock, dass die Welt einfach nur ein großes Theater ist, in dem die Eitelkeiten der Welt zur Schau gestellt werden. Daher halte ich mich fern von Institutionen, wie z. B. dem „antisexistischen Infoladen“, einer der Berliner Orte, wo man es genau nimmt mit Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit. Da war ich einmal auf einer Veranstaltung und ich begegnete einigen der Frauen, die auch auf der Veranstaltung gewesen waren, dann noch ein paar Mal „zufällig“. Auch, wenn ich sagen muss, dass da in Punkto „Empowerment“ offenbar noch so einiges brachliegt, da sie jedesmal weghoppelten wie aufgescheuchte Kaninchen, sobald sie gesehen hatten, dass ich begriffen hatte, dass ich nicht ganz unbeobachtet geblieben war mit irgendeiner Bekannten auf irgendeiner Bank am Straßenrand zum Beispiel. Hätten diese Frauen mir nicht als knallharte „Dykes“ mit einer martialischen Härte entgegentreten müssen, um mir die Meinung zu geigen für etwas, das ich ihnen gar nicht angetan hatte? Aber auch dort, also im „antisexistischen Infoladen“ oder seinem Umfeld (jedenfalls auf dieser Veranstaltung, wo ich mal war) gibt es eine Psychologin. Vermutlich kennt sie ihren Bandura und weiß: steter Tropfen höhlt den Stein, wenn man es den Leuten nur immer wieder einbimst, kann man alles von ihnen haben – „Bestärkung“ positiv/negativ – je nachdem – und „Selbstwirksamkeit“ oder eben nicht, um hier mal mit ein bisschen Fachvokabular zu protzen. Mich wundert nur, dass ausgerechnet diese Linken anscheinend auf Behaviorismus stehen … (Außerdem haben sie offenbar ein bestimmtes Buch über Sozialpsychologie gelesen und versuchen jetzt, zu testen, ob das klappt, was da steht)

So gesehen muss es bei dieser Variante von Feminismus, wie ich ja bereits andeutete, ein bisschen (gelegentlich auch ein bisschen mehr) Frauenfeindlichkeit sein, damit die eine Sorte Frau sich nicht ZU wohl in ihrem Körper fühlt (die, denen es nicht zusteht. Leider gehöre offenbar ich dazu) und die andere Sorte Frau (die, die „MAN hier mag“, wobei „man“ linksradikal, Junge Welt, taz und Russia Today, aber auch AfD und gutbürgerlich sein kann) sich ihr Selbstbewusstsein stärken kann. Nicht mein Ding.

Ich halte mich aber auch von Charlottenburger Galerien fern oder von so obskuren Einrichtungen wie z. B. „Art-Stalker“ in Charlottenburg. Dann doch lieber Kunst RAUBEN als andere Leute STALKEN, finde ich, ganz gleich, ob es nun für den Feminismus ist oder um die Schönheit dieser Welt zu zelebrieren, indem man anderen Leuten im öffentlichen Raum zusetzt. Dennoch – es hieß „Die Leute mobben nun einmal gern!“ und daher darf man annehmen, dass letzteres, wie bereits bemerkt, ohnehin das liebste Hobby der Berliner Frauenwelt (und nicht nur der) ist, zumindest der adipösen, sehr großen und nicht mehr ganz so jungen, aber dafür eben nicht nur der linken, sondern auch der rechten und der ganz rechten Frauenwelt (Irgendso ein Edel-Nazi trug’nen – leicht hängenden – BH unter dem Fred-Perry-Hemd, das konnte ich nicht einordnen, da war ich total verwirrt, ob’s nun Männlein oder Weiblein ist). Ouff, das war jetzt sperrig! Die nicht mehr ganz so Jungen beiderlei Geschlechts (halten wir das hier mal offen!) humpeln, um ein bisschen Abwechslung in die Sache zu bringen, auch gern fünfmal an der Bushaltestelle an einem vorbei, um dann beim sechsten Mal ZEIGEN zu können, dass sie doch ganz normal, sogar noch richtig jung-dynamisch gehen können.

Alles nur geschauspielert. Yvonne Falckner aus Berlin ist sogar Schauspielerin UND Krankenschwester. Und macht sog. „CareSlams“, um der Pflege eine Stimme zu geben, wie es heißt. Behinderte wollen sich und ihre Körper zeigen, so ist wohl das Motto. Die Frage ist, ob es so sehr sein muss, dass andere deshalb ihren Alltag kaum noch aufrecht erhalten können. Ich meine, Sie würden nicht einmal bei Cara Delevingne wollen, dass sie Ihnen ständig an den Hacken klebt, also: Cara Delevingne vor dem Regal, wenn Sie gerade Waschpulver kaufen wollen – Erst einmal gucken Sie sich bitte Cara an! -, Cara Delevingne, wenn Sie gerade überlegen, ob sie sich ein Eis holen sollen – Erst einmal rufen Sie sich bitte noch einmal Cara ins Gedächtnis! -, Cara Delevingne, wenn Sie an der Bushaltestelle warten – nicht, dass Sie Cara vergessen! -, wenn Sie auf dem Weg zu Freunden sind – Vielleicht sollte es besser niemanden geben, der für Sie wichtiger als Cara ist, denken Sie doch bitte daran! -, wenn Sie sich mit der Frau vom Kiosk unterhalten, Cara Delevingne, wenn sie einkaufen, in der Bücherei Bücher ausleihen oder sich nach dem Schienenersatzverkehr für die U-bahn erkundigen wollen. Es ist so, dass man nicht Cara Delevingne nicht mag. Man mag sie einfach nicht ständig an einem dran kleben haben!

Über diesen CareSlam hat darüber v. a. die etwas zwielichtige „Epoch Times“ berichtet, aber dahin möchte ich jetzt nicht verlinken. Nach meinen oben beschriebenen Erfahrungen hielte ich es nicht einmal für unmöglich, dass sich sogar Leute in den Rolli setzen, die körperlich total fit sind, nur um mal zu sehen, ob andere ihnen das abnehmen, wie gut die Performance so ist. Irgendwie geht es ja immer darum, anderen etwas „vorzugaukeln“ und sie in jede beliebige Richtung zu manipulieren (zB, wenn nur noch die Dicken und die Rechten in der Nähe sind und alle anderen einen „abblitzen“ lassen, dann wird man doch wohl lernen, die Dicken und die Rechten zu lieben – egal, wie widerlich sie sind und wie widerlich man sie findet – und den anderen bitteschön immer schön das Selbstwertgefühl und die linke Politik zu überlassen, aber das ist jetzt wieder Sozialpsychologie, siehe oben. Außerdem passt es besser zu den queeren Frauen, die halt alle körperlich „Abweichenden“, auch die „Krüppel“, in ihr Herz schließen wollten. Offenbar lastet das letztere aber nicht aus.). Eventuell gibt es dafür sogar eigene Agenturen. Ich googele das mal: Irgendwo eine Agentur, bei der man Elvis-Doubles mieten kann, eine Künsteragentur Ute Nicolai, die jede Menge großer Namen unter Vertrag zu haben scheint – offenbar etwas seriöser! – dann sowas wie „Crush agency“ oder „Velvet“, Anke Balzer, Neidig, … Vielleicht bin ich eher beim Karnevalsbedarf richtig, mit meinem Anliegen. So kommt mir das jedenfalls vor. Immerhin habe ich mich mal um einen Job beworben in einem Laden für den protestantischen Narren beworben. Habe ich aber nicht gekriegt. Dafür weiß ich jetzt, dass es sogar im Herzen Preußens einen Karnevalsbedarf gibt.

Nun habe ich diesen ganzen Stuss geschrieben, nur um der taz-Wahrheit Konkurrenz zu machen. Das wird’s wohl sein. Und es ist nicht einmal geglückt. Buhuuu ….

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Der AfD-Wähler, das unbekannte Wesen

Liebes Deutschland,

Ich glaube, wir müssen reden. Du sagst, diese rechten A… löcher, die AfD gewählt haben sind ganz furchtbare Rassisten und da hast du ja auch recht. Lass uns trotzdem einmal gemeinsam überlegen, warum sie gerade jetzt alle aus ihren Löchern gekrochen sind.

Richtig massig Stimmen gab es für die AfD da, wo Hartz-IV und Mini-Jobs dominieren, Eck-Kneipe, Frust, Perspektivlosigkeit: Im Osten, in Ost-Berlin, wo die Linkspartei Direktmandate holte, im Ruhrpott. Darauf kann man rumtreten. Die Nase rümpfen über soviele Vollpfosten, die sich einbilden, eine Partei mit einem ausdrücklich wirtschaftsliberalen Programm, die zudem Arbeitslosen das Wahlrecht entziehen wollte, würde für soziale Gerechtigkeit sorgen. Und auch mir fällt es schwer, ich will nicht den Eindruck erwecken, um Verständnis für Leute zu werben, die ihr Kreuzchen bei der AfD gemacht haben. Ich selbst habe „ungültig“ gewählt – allerdings auch aus Protest. Dennoch: Armut und AfD korrelieren irgendwie. Zeit, der Sache nachzugehen.

1.Uns geht’s dreckig und die kriegen alles in den Arsch geschoben

Das Kernthema dieses Wahlkampfes waren vielleicht gar nicht so sehr die Flüchtlinge. Hinter künstlich um viele 100 Prozentpunkte aufgeblähten Kriminalitäts- und Vergewaltigungsstatistiken steckte vielleicht eigentlich die Austeritätspolitik der letzten Jahre: Erst die Agenda 2010, dann die Euro-Krise, Griechenland. Sparen lohnt sich nicht mehr, denn, so hieß es, es geht nicht ohne Nullzinspolitik, aus Solidarität mit Banken und mit griechischen Reedern, die über Jahrzehnte in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. „Dolce Vita“ im Süden finanzieren, auf dem Rücken der „kleinen Leute“ in Deutschland, die sich den Buckel krummschuften müssen dafür …

Was viele nicht wissen: Am Mittelmeer herrscht schon seit geraumer Zeit Nullzinspolitik. Dort denken die Leute, dass sie kurzgehalten werden, um den Deutschen, die alles in Europa dominieren müssen, ihren Wohlstand zu finanzieren. Und was können die „kleinen Leute“ in Italien und Griechenland schon dafür, dass die Eliten ihrer Länder so korrupt sind. Empfängt man nicht gerade den Sohn des griechischen Reeders und die Tochter des sizilianischen Mafiosi in Berlin und München als „High Potentials“ mit offenen Armen? Die Crème de la Crème, die die Globalisierung so attraktiv macht und für die die Minoritätendiskurse geschaffen wurden, schon auch, weil man attrktiv sein will für die kreativsten, klügsten Köpfe aus aller Welt, beim Clubben Seite an Seite mit dem deutschen Großbürgertum, das sich Liberalität und Offenheit auf die Fahnen geschrieben hat …

Dann die Flüchtlinge. „Ich finde das super, wie sich die Leute für die Flüchtlinge einsetzen!“ sagte mir eine Bekannte aus Kindertagen „Aber warum kann man sich eigentlich nicht genauso für die eigenen Landsleute einsetzen?“

Das ist eher so ein Gefühl. Klar. Denn objektiv gesehen kriegen Flüchtlinge keineswegs mehr als arme Deutsche. Immer wieder war sogar im Gespräch, ihnen nur noch Sachleistungen zu geben. Dennoch empfinden es manche Leute so, dass man an ihnen gespart hat, um sich die Flüchtlingspolitik leisten zu können.

2. Offiziell existiere ich gar nicht

Noch kurz vor der Wahl wurde Martin Schulz‘ Ansatz, auf soziale Gerechtigkeit zu setzen, kritisiert. Das sei im Grunde obsolet und werde niemanden davon abhalten, AfD zu wählen. Deutschland gehe es schließlich so gut wie nie zuvor.

Was viele nicht wissen: Die gute Konjunktur kommt bei vielen gar nicht an. Die soziale Schere ist weiter gespreizt als je zuvor und die sich in der Öffentlichkeit sehr gut machenden, niedrigen Arbeitslosenzahlen beruhen darauf, dass Menschen in Mini- und Teilzeitjobs, die gar nicht von dem leben können, was sie verdienen, offiziell auch nicht arbeitslos sind.

Dann muss man sich eigentlich auch nicht wundern, wenn Zuwanderer auch als Konkurrenten auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt wahrgenommen werden. Vermutlich würde aber schon ein bisschen weniger Wohlstandszuwachs am oberen Rand der Gesellschaft, ein bisschen mehr Fairness, Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit dafür sorgen, dass Zuwanderung in den unteren Schichten der Gesellschaft als weniger bedrohlich empfunden werden würde, denn es ist klar, dass, wer gut oder sehr gut verdient und sich sicher sein kann, dass er (oder sie) innerhalb von zwei Wochen einen neuen, ähnlich gut bezahlten, interessanten und einen persönlich ausfüllenden Job hätte, wenn er (oder sie) den jetzigen verlieren würde, eher geneigt ist, zu glauben, in Punkto Flüchtlinge und Zuwanderer ginge doch durchaus noch ein bisschen mehr, als jemand, bei dem es gegen Monatsende regelmäßig knapp wird.

3. Dann wär ich endlich wer

Bleibt zu fragen, warum z. B. Arbeitslose eine Partei wie die AfD wählen, die eher mehr als weniger Wirtschaftsliberalismus will, und Hartz-IV-Empfängern am liebsten das Wahlrecht entziehen würde. Klingt absurd. Ich selbst kapierte, als Statements an mein Ohr drangen, wie „Das Jobcenter macht das für DEUTSCHE Arbeitslose!“ und „Hilfe ist eben zuerst für VOLKSGENOSSEN da!“. Die politische Stoßrichtung ist, denke ich, eindeutig und „rechtskonservativ“ trifft es hier nicht mehr. Dennoch, das Denken ist in ungefähr so: Hätte eine Partei wie die AfD etwas zu sagen, wären DIESE Leute NICHT arbeitslos. Ganz im Gegenteil, die würden dann gut verdienen und Mercedes fahren. Ja, und wer dann nichts hat, dem steht auch nichts zu. Sozialdarwinismus de Luxe, ganz besonders die Sozialschwachen wollen ihn.

4. Sympathien für Ausgrenzung – auch da, wo Toleranz Trumpf ist

Verschiedentlich wurde in Kommentaren zur Wahl angemerkt, dass AfD-Wähler nun einmal rechts sind. Die finden das gut: wackelnde Bikini-Ärsche, die verbalen Ausfälle Alexander Gaulands und anderer, das „Homos“ die Fresse halten sollen und man – anders als die ganzen „Bioköppe“ und „Moralapostel“ mit dauererhobenem Zeigefinger verlangt haben – jetzt mal wieder geredet wird, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

Was viele nicht wissen: Es sind nicht nur ostdeutsche Dumpfbacken, die keine Moralpredigt wollen, wenn sie mal ihr Hartz-IV für ne geile Nacht im Puff verpulvern. Es ist auch die junge Studentin, Ende der 1990er Jahre, die von ihrem Auslandsjahr in Afrika erzählte, und nicht zu erwähnen vergaß, dass sie „den Negern“ ja erst einmal hätten beibringen müssen, „wie man arbeitet“. Es ist die linksalternative Berlinerin, die in der Entwicklungshilfe arbeiten möchte und von ihren Reisen in die Karibik berichtet: „Die Neger“ seien „nun einmal dreckig!“ Es sind die Freunde von Jungjournalisten und Jungpolitikern, die irgendwie v. a. was mit „grün“ und „queer“ machen wollen, gebildete Leute mit Geld. Auch Rechtspopulisten möchten gern Auslandserfahrung machen, auch Rechte kennen da immer jemanden aus Frankreich, Italien oder gar Afrika, der oder die das im Grunde genauso sieht. Surpise, surprise – wer sich mal eine Rede von Marine Le Pen reingezogen hat, wo von „französischem Blut“ geschwafelt wird, dem muss klar sein, dass es rechtes Gedankengut und Leute, die das gut finden, nicht nur in Deutschland gibt.

5. Intellektuell abgehängt – Stimmungsmache & PR statt politischer Auseinandersetzung

Verarschi-Bumbaschi: Die AfD machte es vor und ich will hier nicht den ganzen Schwachsinn wiederholen. Es war ja auch gar nicht so gemeint. Wer wird denn da so engstirnig sein?! Bloß, dass ich nicht drüber lachen kann. Andererseits: Wirklich über soziale und politische Probleme debattieren will irgendwie auch sonst niemand mehr. Eher sollen sich die Leute „identifizieren“. Man soll sagen, „Yeah! genau das ist meine Hood! das sind Leute, die gut drauf sind!“ Alexander Gauland als eine Art Neuauflage von Chucky der Mörderpuppe, ein gehässiger Schalk, der einem im Nacken sitzt, eine düstere Gestalt im Tweedjacket. Und Alice Weidel und Bjönr Höcke machen auch ne Menge „Spaß“ bei den Öffentlich-Rechtlichen, der „Lügenpresse“. Darüber darf man dann auch laut lachen. Gröhl! Schenkelklopf!

Dumm nur, dass „Spaß machen“ und Verarschen kein politisches Programm ersetzen kann. Blöd auch, dass die anderen auch nur noch auf Gefühl setzen. Lasst uns doch einfach mal reden – nein, nicht mit den Clowns vom rechten Rand – einfach wir, die Gesellschaft, das „Staatsvolk“, das eben nicht nur aus „Volksdeutschen“ besteht. Lass uns reden und überlegen, was für tun können. Das ist ja nicht nur für „Laberköppe“.

Viele Grüße, deine Demokratie.

Wahlerfolg der AfD – Warum es doch ums Soziale geht

In Sachsen ist die AfD stärkste Kraft. Überall im Osten haben die Rechtspopulisten abgesahnt. Auch im Westen: in Gelsenkirchen, Duisburg, Essen. In Südostbayern, direkt an der Grenze zu Österreich, sind sie zweitstärkste Kraft, obwohl die Gegend nicht arm ist und jeder, dem Merkels Flüchtlingspolitik nicht passte, auch CSU wählen konnte.

Spiegel-Online-Kolumnistin Margarete Stokowski ruft zum antifaschistischen Kampf auf, man müsse die Zeit nutzen, um etwas gegen Rassismus zu tun. Haznain Kazim und Ferda Ataman äußern sich ähnlich auf Spiegel Online.

Das, was es ein bisschen schwierig macht, und vielleicht hat es auch indirekt zum Erfolg der AfD beigetragen hat, ist – Der einzige der drei, der wirklich von Rassismus, ich meine Rassismus im engeren Sinne betroffen sein dürfte, ist Kazim. Die semmelblonde Stokowski dürfte vom latenten Rassismus in unserer Gesellschaft eher profitiert haben – was nicht ihre Schuld ist! -, Ataman hat einen türkischen Namen, Nazis und Rechtspopulisten mögen keine türkischen Namen, das ist schon richtig, nur sieht man ihn auf der Straße nicht, den Namen. Man sieht – jetzt dem Foto nach zu urteilen – eine blasse junge Frau mit dunkelbraunen Haaren. Ich habe ganz ähnliche „Farben“ – Man gehört in den Ländern rund ums Mittelmeer vom Äußeren her zu den etwas heller Ausgefallenen, kann fast überall in Mitteleuropa als „Einheimische“ durchgehen, nur nehmen einem die Leute eben nicht gerade „Nordisch by Nature“ ab, um es mal mit den Worten von Fettes Brot zu sagen …

Dass Ataman sich als „Woman of Color“ betrachtet, finde ich allerdings überzogen. Manchmal macht einen das aggressiv, v. a. wenn solche Leute alles irgendwie als „Rassismus“ deuten wollen. Dann war da die türkische Journalistin, die ich mal auf einer Podiumsdiskussion erlebt habe. Die Dame hatte mittelbraunes Haar, einen sehr hellen Teint und beklagte sich, dass die Leute sie nicht als Ausländerin, als „Andere“ erkennen würden. Nein, das würde ich auch nicht erkennen. Sorry. Einige Frauen aus meiner Studienzeit scheinen sich mittlerweile sogar einen Migrationshintergrund angedichtet zu haben, den sie eigentlich nicht haben. Von den vielen spätberufenen Lesben, von denen viele mittlerweile „schwule Transmänner“ sind, weil sie halt doch eigentlich rein gar nichts mit Frauen anfangen können, mal ganz zu schweigen …

Hauptsache „anders“, dann lässt sich auch rabiat für Minderheitenförderung eintreten – mensch selbst gehört ja auf jeden Fall zu denen, die davon profitieren.

Dennoch verstehe ich auch Kazim. Ein kleines bisschen kann ich mich da sogar hineinversetzen, glaube ich. Als im Laufe der Nuller Jahre Stars wie Natalie Portman und Salma Hayek die Leinwände eroberten, triumphierte ich heimlich. In der Grundschule hatte ein Mitschüler sich darin gefallen, mich „Kongolippe“ zu rufen (Ich habe einfach ziemlich breite Lippen, soll’s manchmal geben …). Plötzlich aber waren dunkle Haare und volle Lippen Hollywood tauglich – und zwar für die Hauptrolle! Für die Frau, die attraktiv und sexy sein sollte. Nicht mehr nur flachsblonde ätherische Frauen mit schmalen Lippen und kaum wahrnehmbaren Augenbrauen. Frauen wie Cameron Diaz, Gwyneth Paltrow oder Alice Weidel. Frauen, wie sie in Deutschland als ästhetisch genug gelten, um Tagesschau-Sprecherin sein zu können. Das war wirklich jahrzehntelang so krass, also eben nicht einmal auf dem wirklich rassistischen Level, sondern allein eine Frage zwischen Flachsblond (weiß + hübsch) und dunkelhaarig (weiß + nicht so hübsch, eher „praktisch“ vielleicht).

Ich kann mir denken, dass Ataman es gut findet, wenn mal eine Türkin die Nase vorn hat. Oder dass afrodeutsche Frauen nichts dagegen hätten, wenn mal eine Woman of Color – eine richtige! – die sexy Hauptrolle in einem Blockbuster hätte.

Ich weiß aber auch, dass „Kongolippe“ in meinem Fall nicht so schlimm ist. Ich bin ja nun einmal wirklich und ohne wenn und aber Weiße. Ich weiß, dass man mich ruhig schlagen oder angrapschen darf. Oder mir „unwertes Leben“, „kesser Vater“, „Fickmaus“ oder was auch immer an den Kopf knallen. Ich bin ja Weiße, nicht wahr? Lesben sind ganz andere – Alice Weidel zum Beispiel. In meinem Fall macht das doch dann nichts. Und für die „Fickmaus“ bin ich ja nun wirklich nicht hübsch genug, sodass es doch vielleicht eher als „ironisch gemeint“ gewertet werden kann (Ganz abgesehen davon, dass es von einer Adipositasfrau kam und somit ja sogar Empowerment FÜR Minderheiten ist).

Nach mir kann man gefahrlos treten, ohne sich irgendwie als „DiskriminiererIn“ fühlen zu müssen. Als ich im „Spiegel“ von vorletzter Woche über den somalischen Blogger Muse Duco lese, der als Refugee in Ostdeutschland lebt und dem bereits die Schneidezähne rausgeschlagen worden sind, weil ein paar ortsansässige Männer den „N-Wort“ nicht so mögen, schnürt sich mein Hals zu. Für einen kurzen Moment kriege ich keine Luft mehr. Duco berichtet im „Spiegel“ er habe Anzeige erstattet, aber das Verfahren sei kurze Zeit später mangels Beweisen eingestellt worden. Dafür hat man gegen ihn Anzeige erstattet, als er – wieder einmal provoziert – grob geworden ist. Diesmal fanden sich offenbar Beweise. Ich sitze auf meinem Bett. Ich habe die Grippe und deshalb habe ich mir ausnahmsweise den „Spiegel“ gegönnt, also, ich habe ihn gekauft, um etwas zu lesen zu haben. Ich weiß, dass die Atemnot eine Panikattacke ist. Und es ist auch ebenso schnell wieder vorbei, wie es gekommen ist.

Hasnaim Kazim übertreibt ganz sicher nicht. Ich kann mir das, wie gesagt, alles schon ganz gut vorstellen.

Allerdings leben Kazim, Stokowski und Ataman auch nicht in dem gleichen Deutschland wie ich. Eigentlich, so ist mir vollkommen klar, darf ich mich auch nicht als „arm“ betrachten, obwohl ich rein vom Geld her seit 10 Jahren unter der Armutsgrenze lebe. Aber ich habe studiert und wirklich „arm“ sind nur Menschen, die die Schule abgebrochen haben oder Maurer gelernt und berufsunfähig wegen der Wirbelsäule oder so. Solchen Leuten kann man helfen. Mit solchen Leute hat man Mitleid. ich sage nicht, dass man es nicht haben soll ….

Mein Deutschland kommt in den Medien nicht vor. Überall kann man lesen, wie wohlhabend hier alle sind, dass die Arbeit angeblich auf der Straße liegt. Wer will, der kann doch! Eigentlich, so könnte man denken, müssen wir uns nur noch ein bisschen um Critical Whiteness kümmern und dann wäre Deutschland ein echtes Paradies.

In meinem Deutschland leben die Leute sehr viel schlechter als vor 10 Jahren. Sie haben keine Perspektive. Sie haben Angst, keine Wohnung mehr zu finden, die „das Amt“ zahlen würde. Ganz abgesehen davon, dass ohnehin niemand an Hartz-IV-Empfänger vermieten will. Auch nicht an andere Leute, die billige Klamotten tragen, die den gleichen Rucksack tragen, wie die Junkies, die in der U-Bahn betteln gehen. Hat 8 Euro gekostet. In der Produktbeschreibung stand: „robust und wasserdicht“. Das interessierte vermutlich auch die „Straßenfeger“-Verkäufer …

Leider – und ohne dass ich Wert darauf legte, sie als Landsleute zu haben, leben die Leute in Essen, Duisburg, Gelsenkirchen, Berlin-Spandau und Ost-Berlin, vermutlich auch anderswo in Ostdeutschland, in meinem Deutschland, das Land, das in den Medien nicht mehr vorkommt.

Diese Leute glauben, dass sich etwas an ihrer wirtschaftlichen Lage ändert, wenn man das Existenzrecht Israels in Frage stellt – der neueste Coup von Alexander Gauland, wie ich heute Morgen im Deutschlandfunk hörte. Oder wenn man Menschen wie Duco, den somalischen Blogger zusammenschlägt, am Ende aber – was für ein widerlicher Witz! – er es ist, der die Anzeige am Hals hat. Oder wenn man die „Ehe für alle“ rückgängig macht. Als ob davon, dass Homosexuelle NICHT heiraten dürfen, irgendwer endlich einen guten Job kriegt …

Trotzdem – diese Leute – die Rechtspopulisten! – dürfen ja. Sie haben ja Alice Weidel. Und Achille Demagbo. Einen Bosnier hier, einen Tschechen da, einen homosexuellen Griechen außerdem auch.

Darum geht es aber nicht. It’s all about justice, baby! Gerechtigkeit – auch und gerade soziale! – und Fairness sind das einzige Gegengift gegen Rechts, der einzige Garant, auch für politische Stabilität. Das muss unsere Gesellschaft aber vermutlich erst wieder lernen. Sie täte gut daran, es auch zu tun.

Wenn im Regenbogen eine Farbe dominiert – Minderheitenpolitik von rechts

She’s so stunning! Is she? Ist Alice Weidel mit ihrer Regenbogenfamilie eigentlich ganz ok oder ist sie nur ein Symptom, eine Masche der neuen Rechten, an der auch das Queer- und Critical Whiteness-Lager nicht ganz unschuldig ist?

„Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK“ – Das ist Stuss, schon auf den ersten Blick klar als solcher erkennbar. In die Tasten gehauen hat es offenbar AfD-Shotting-Star Alice Weidel – Eine E-Mail von 2013, die plötzlich aus der Versenkung aufgetaucht ist und so absurd erscheint, dass man es eigentlich kaum glauben kann und sich fragt, welche Finte jetzt schon wieder dahintersteckt. Ernsthaft dagegen angegangen ist Weidel jedenfalls nicht. Und die AfD wurde belohnt. Ihr werden jetzt 12% für die Bundestagswahl prognostiziert.

Der neurotische Wahlkampf – ein Mix aus rassistischen Ausfällen, abstrusen Unterstellungen und „Seht her! Wir sind gar nicht so!“ – scheint sich auszuzahlen. Warum?

Minderheitenpolitik – wer hat das Abo drauf?

Ein bisschen ist wohl auch die Gegenseite schuld, ein Minderheitendiskurs, der dermaßen aggressiv ist, dass man sich beinahe fragt, ob es Absicht ist, ob den Rechtspopulisten damit in die Hände gespielt werden soll. Da geht es um Essen, dass man nicht essen darf, weil es „nicht-weißes“ Kulturgut ist, um Kreuze, um die Burka, um den Holocaust – Wer hat jetzt das Abo auf Israel? Und: Ist es bei George Soros Antisemitismus, obwohl der Netanjahu den doch auch nicht leiden kann, usw.. Es geht um Menschen, die man in jedem Fall „positiv wahrzunehmen“ hat – „positive Diskriminierung“ eben – und solche, denen es eine Lehre sein soll, denen man es jetzt mal „zurückgeben“ will. Schon klar, dass alle, die diese Politik vertreten, selbst „Minderheit“ sind. Sonst würde das ja keinen Spaß machen – im Zweifelsfall ist es eben der schlesische Opa, das „polnische Erbe“, das nicht gelebt werden kann. Die Diskussionen um das Buch „Beißreflexe“ haben deutlich werden lassen, dass man – nein „mensch“ sogar extrem homophil sein kann, wenn mensch was gegen Homosexuelle hat, oder die „Ehe für alle“ gar nicht mal so toll findet.

Hysterie von rechts oder knallhart kalkuliert?

Dabei kam auch das Überzogene, Hysterische, manchmal fast Psychotische zum Tragen, mit dem aber auch die AfD Wahlkampf macht. „Herzlichen Glückwunsch, Alice Weidel!“ könnte man sagen: „nicht nur homosexuell – die Partnerin auch „woman fo color“! Alles richtig gemacht! Der Lebensstil des 21. Jahrhunderts!“ Schulterklopf! OMG – She’s so stunning! Dann die Haushaltshilfe – eine Asylbewerberin aus Syrien, die Weidel schwarz beschäftigt haben soll. Falls die AfD-Politikerin damit vorgeführt werden sollte, war das wohl ein seltsam schwacher Versuch: Putzfrauen kriegen ihren Lohn meistens cash auf die Kralle, der, den Weidel gezahlt haben soll, scheint darüber hinaus fair gewesen zu sein. Als Aufreger reicht das wohl nicht. Aber nein, Weidel, so wird jetzt behauptet, habe die Frau auch gar nicht schwarz beschäftigt. Sie sei mit ihr befreundet. Ganz toll, Alice! Nochmal Schulterklopf!

Ist das jetzt wie Mathe? Das rechtsextreme Geschwalle aus der E-Mail aufgerechnet mit dem ganzen Positiven, dass die Frau doch auch „geleistet“ hat, wenn man es jetzt mal so nennen will, macht dann: insgesamt schon ganz ok?

rechte Minderheiten, linke Minderheiten

Nein, danke! Ich habe mir hier die Finger wundgetippt, um zu erklären, warum Minderheiten manchmal rechts sein können. Ich habe versucht, den Linken gegen rechte Aggressionen à la „Mein Freund der Ausländer hat was gegen dich, also bist doch wohl du rassistisch und nicht wir!“ ein paar Tools an die Hand zu geben. Ich habe von rechten Juden berichtet – den „Breitbart“-Typen, von denen viele außerdem noch homosexuell sind – also ja sogar doppelt diskriminiert!, habe erklärt, dass es rechtes Gedankengut überall auf der Welt gibt, dass der italienische Faschismus sogar (weitestgehend, also im Kern) OHNE Antisemitismus und Rassismus auskam und dass es TROTZDEM Faschismus war. Ich habe geschrieben, dass es auch unter den Minderheiten Ego-Shooter gibt, denen es egal ist, ob jemand anders zusammengeschlagen wird, z. B. wegen der Hautfarbe, die man selbst auch hat – so lange es nur einen selbst nicht trifft -, dass es Menschen gibt, die Homophobie, Rassismus und Antisemitismus tapfer ignorieren, weil sie Diskriminierung gegen die jeweils ANDERE Minderheit gut finden, für mehr Wirtschaftsliberalismus und weniger Demokratie und so weiter sind oder Leute, die ganz einfach einen an der Waffel haben. Sorry, die gibt’s auch und die gibt’s auch überall und in jedem sozialen Milieu, in jeder sozialen Gruppe.

Eigentlich geht es nur noch um Abgrenzung und um Haarspaltereien. Die Muslimen, die nichts für die Burka übrig haben, damit leben können, dass es Homosexuelle gibt kommen ebenso zu kurz, wie linke Juden – George Soros, Bernie Sanders – Hallo! Weiß jemand, das Bernie Sanders auch Jude ist? Einer von gar nicht mal so wenigen, die die angebliche „Schutzmacht der Juden“ AfD zum Kotzen finden. Habe ich gesagt, dass ich im Internet mehrfach auf (englischsprachige) Stimmen aus Israel getroffen bin, die mit „Breitbart“ nichts anfangen können? Kann sich noch jemand vorstellen, dass Minderheiten mehr sind, als nur Identifikationsfiguren, mit denen sich Politik machen lässt – bei den Rechten wie bei den Linken? Dass es nicht phobisch ist, wenn man irgendwen „of Color“, einen Juden, einen Schwulen nicht mag oder der einen nicht mag oder beides? Warum gibt es diese Sehnsucht nach Normalität nicht mehr? Warum die Gier, zu spalten, Gräben auszuheben, Mauern gegeneinander aufzubauen und auszugrenzen – Ja, auch bei den Linken?

Ambivalenzen aushalten unmöglich?

Einer wie Bernie Sanders lässt sich nicht für Wirtschaftsliberalismus und eine elitäre, an den Bedürfnissen einer bildungsbürgerlichen Oberschicht orientierte Politik vereinnahmen (und er ist trotzdem nicht gegen Einwanderung!), einer wie George Soros lässt sich nicht gegen Palästinenser oder Muslime in Stellung bringen (und er ist trotzdem nicht weniger Jude als Benjamin Netanjahu, er ist trotzdem Geschäftsmann, er ist auch einer, der die linksliberalen ideen von Karl Popper unter’s Volk bringen will). Beide Männer – Sanders und Soros – darf man sogar kritisieren. Cem Özdemir von den Grünen ist und war schon immer sowohl Deutscher als auch Türke – kein Krampf, kein „Er ist ja Deutscher!“ auf Teufel komm raus – obwohl alle wissen, dass er auch Türke ist -, kein „Er ist Türke!“ auf Teufel komm raus – obwohl alle wissen, dass er auch Deutscher ist. Warum fällt es so schwer, Ambivalenzen auszuhalten?

aversiver Rassismus

In der Psychologie gibt es die Theorie des „aversiven Rassismus“. Damit ist kein besonders schlimmer Rassismus gemeint. Es geht eher um Leute, die eigentlich alles richtig machen und – wenn man sie fragt – beteuern würden, doch NIEMALS rassistische, antisemitische oder homophobe Gedanken zu haben. Sie haben sie aber doch.

Nun will ich hier nicht in die Kerbe der „critical Whiteness“ hauen, deren Vertreter überall „latenten Rassismus“ wittern, also getreu dem Motto „Du hast gesagt, dass du lieber weiße Schokolade als Vollmilch oder Zartbitter isst! Damit hast du ja schon zum Ausdruck gebracht, dass du etwas gegen Schwarze und People of Color hast!“

erst mal nicht die Sau rauslassen, sondern noch mal drüber nachdenken

Genau das meine ich NICHT. Genau das ist es nämlich, was der AfD hilft. Ich denke, dass so ziemlich jeder irgendwo Vorurteile hat oder zumindest gewisse vorgefertigte Ansichten über Menschen, die man nicht kennt – die einen bloß stärker, die anderen weniger ausgeprägt, für die einen – und das ist der springende Punkt! – muss das Vorurteil der Dreh- und Angelpunkt jeder Politik sein, die Energie, aus der sich alles politische Handeln speist – wohingegen andere  sich schämen würden, mit rassistischen, anitsemitischen und/oder homophoben Vorurteilen offen hausieren zu gehen (obwohl sie vielleicht selbst auch „aversive“ rassistische, antisemitische und/oder homophobe Tendenzen haben) und ohne großes Wenn und Aber bereit sind, ihre Annahmen über andere Menschen, Menschen, die exotisch und fremd erscheinen – Minderheiten! (oder eben bloß Menschen, die man nicht kennt, mit denen man noch nicht zu tun hatte) – noch einmal zu überdenken, sie aus der Schublade, in die sie sie gesteckt hatten, wieder herauszuholen.

Genau darauf kommt es an. Anstatt Menschen aber darin zu bestärken, aufeinander zuzugehen, bestärkt man sie eher in ihren Vorurteilen und Ängsten – die Burka zum Beispiel oder soziale Ängste, die mit der Globalisierung und Migration unweigerlich einhergehen.

antrainierte Phobien statt Antidiskriminierungsarbeit

In der Psychologie – soweit ich das hier als Laie referieren kann – spricht man u. a. von „Kontrollsystemen“ – also z. B. dass man einfach für sich beschließt, dass man lieber offen sein möchte, als jemanden schon im Vorfeld zu verurteilen, dass man auf Vorurteile nichts geben möchte, selbst wenn sich hier und da mal eines bestätigen sollte -, die vollkommen überlastet werden – bis zum Anschlag ausgereizt.

Ich kenne das selbst. ich hatte es  u. a. mit einer ganzen Armada adipöser Frauen zu tun, die mir ständig auflauerten, mich belästigten und hänselten. Es ging um ihr Selbstbewusstsein – „Fat Empowerment!“, „Sex positive!“, außerdem waren die Frauen angeblich eigentlich „Männer“ bzw. „Transgender“, die in mir das „Frauchen“ sahen und die ich nun in ihrer Rolle zu bestärken hatte. Ansonsten ist es halt transphob! So sahen das die Linken und die Feministinnen. Was ich vermutete, nämlich dass die Frauen homophob und vielleicht auch ganz generell rechts sind, hat sich jetzt – zumindest für einen Teil – bestätigt. Und das schlägt nun wirklich dem Fass den Boden aus, dass man Menschen auch dann noch als „links“ wahrzunehmen hat, wenn sie eigentlich rechts sind und noch nicht einmal einen Hehl daraus machen.

Genau das ist mit „Ausreizung der Kontrollsysteme“ gemeint – einfach so lange sticheln, höhnen und nerven, bis das Gegenüber es satt hat. Ich habe nämlich nie etwas gegen Dicke gehabt. ich hätte den Frauen gern gegönnt, abzunehmen oder auch, nicht abzunehmen und sich trotzdem wohl in ihrem Körper zu fühlen. Ich wollte nur nicht gemobbt, belauertk, gehänselt und vorgeführt werden. Eigentlich sind das ja auch zwei Paar Stiefel, aber gerade INDEM man bei den Linken immer wieder darauf herumritt, dass dem nicht so ist, dass ich halt homo- und transphob sei, ein Mensch, mit dem mensch sich besser nicht abgibt, den mensch schneidet, dem mensch – Zitat! – „gar nicht erst ein Forum geben“ sollte, gerade dadurch reagiere ich jetzt richtig phobisch auf dicke Menschen. und genau so war das ja wohl auch gedacht und genau dasselbe wollte man mit mir auch anhand anderer „Minderheiten“ – insbesondere Homosexuelle und Schwarze (ich hatte mich während des Studiums 10 Jahr in einer multikulturellen Initiative engagiert, dummerweise hoben an der Uni aber auch die „It-Girls“ der Frauen- und Genderforschung Anspruch darauf, obwohl die Frauen sich selbst NICHT ehrenamtlich engagiert hatten).

Genau das macht man vielleicht auch gerade mit unserer Gesellschaft. Dabei wäre so vieles leichter, würde endlich ein Knoten platzen, wenn wir es wieder einfach nur mit Menschen zu tun haben könnten!

6 Lessons from Nazi Germany

6 Dinge, die wir tun können, damit Nazis keine Chance haben:

„Die Linken haben Waffen gehortet – brandgefährlich!“ – „Margot Käßmann wittert braunen Wind, wo Deutsche Kinder bekommen! – wie lange wollen wir uns das gefallen lassen?!“ – „In Schorndorf feiern Flüchtlinge Grapschparty – deutsche Professoren in Freiburg haben Angst um ihre blonden Töchter!“ –

Quatsch ist das! Fake News, Gerüchte, gestreut, um die Menschen aufzuwiegeln – immerhin ist am 24. September Bundestagswahl und allzuoft steckt hinter derartigen Falschmeldungen, die sich wie bei der stillen Post in Windeseile in immer neuen Variationen im Internet verbreiten, die rechtskonservative AfD. Jürgen Klöckner hat in der Huffington Post neben diesen noch ein paar andere Falschmeldungen, die die Partei in die Welt gesetzt hat, zusammengestellt. Lediglich das erste oben genannte Statement bezieht sich auf die vor ein paar Tagen verbotene linksalternative Plattform linksunten.indymedia. Die Information stammt aus dem Innenministerium, das sie mittlerweile korrigiert hat.* Natürlich stimmt das mit den sich militarisierenden Linken genauso wenig wie alles andere, aber vermutlich ist es mindestens ebenso geeignet jetzt, so kurz vor der Wahl, noch einmal kräftig Stimmung zu machen. Nicht, dass ich das de Maizière unterstellen wollte, nur häuft es sich eben, dass da etwas „falsch verstanden“ wurde und komischerweise richtet es sich immer gegen Linke, Migranten oder Menschen, die sich für ein offenes Miteinander einsetzen, richtet. Leider hat das konservative Lager nicht nach den Ausschreitungen im Zuge der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg vor ein paar Wochen allzu eilfertig die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, um die Linke als solche, also auch das gemäßigte linke Lager, zu diskreditieren. So sah der CDU-Politiker Jens Spahn, der sich auch im Deutschlandfunk dazu äußerte, bei SPD, Linken und Grünen ein „gleichgültiges Verhältnis zum Terrorismus“. Mit Verlaub, aber zumindest SPD und Grüne sind große, politisch relativ mittige Parteien und der Vorwurf, sie drückten schon mal großzügig ein Auge zu, wenn linke Autonome randalieren, ist vollkommen haltlos.

Gewalt auf der Straße, Diskreditierungskampagnen, unverhohlene Hetzerei und verbale Schlammschlachten im Internet – fast scheint es, als seien die 1930er Jahre wieder auferstanden, aber ganz so schlimm ist es dann zum Glück doch noch nicht. Damals waren Straßenschlachten zwischen linken und rechten Jugendgruppen, die eher, auch auf linker Seite, paramilitärische Einheiten waren, mehr oder weniger an der Tagesordnung, ständig lauerte die Gefahr von Putschversuchen, heute ist unser Land eben doch politisch sehr viel stabiler, wir haben ein besseres Sozialsystem, Armut ist nicht mehr so schnell so existenziell bedrohlich, wie sie es damals war …

Doch von dem allgegenwärtigen Antisemitismus damals, den es leider auch in anderen europäischen Ländern gab, und einer kleinen, rechtsextremen Splitterpartei – zunächst ein Sammelbecken für allerlei skurille Gestalten, Militärs, enttäuschte, z. T. auch verelendete Kleinbürger und Deutschnationale, denen die bürgerlichen Parteien nicht weit genug gingen – über reißerische Meldungen im „Stürmer“ bis hin zur Wannseekonferenz am 20. Januar 1942, auf der die sog. „Endlösung“ – also die massenweise Vernichtung von Juden und anderen Menschen, die den Nazis ein Dorn im Auge waren, in Gaskammern – offiziell gemacht wurde, war es ein weiter Weg.

Sicherlich wäre es, wie gesagt, verfehlt, zu suggerieren, am Am Horizont zeichnete sich eine Neuauflage des sog. „Dritten Reiches“ ab und es liegt mir fern, die rechtskonservative AfD etwa in die Nähe der NSDAP zu rücken oder ihr auch nur zu unterstellen, politischer Gewalt Vorschub leisten zu wollen – das ist gewiss falsch! – , aber – und ohne dabei das Singuläre am Holocaust und seiner kalten, durchorganisierten Bestialität in Frage stellen zu wollen – politische Radikalisierung, Grausamkeit, Massenmord, ja sogar Genozid hat es leider auch in anderen Zusammenhängen gegeben – Man denke nur an an die Gräueltaten der Khmer Rouge in Cambodia in den 70er Jahren, an den Bürgerkrieg und Völkermord in den 90er Jahren in Rwanda oder an das Massaker von Srebrenica in Bosnien-Herzegowina im Sommer 1995. Man muss nicht gleich den Teufel an die Wand malen und das Schlimmste fürchten, nur ist es eben so – die Zeiten sind härter geworden, in Osteuropa etwa gibt es mittlerweile durchaus wieder politische Gruppierungen, die sich auf den Nationalsozialismus oder zumindest den italienischen Faschismus beziehen – z. B. Marian Kotleba in der Slowakei oder auch einzelne Akteure in Russland und ihre Gefolgsleute, und auch die „Identitären“ in Westeuropa verehren u. a. den faschistischen italienischen Philosophen Julius Evola, der in seinem Denken – elitär, rassistisch, antisemitisch, antimodern und metaphysisch – wesentliche Aspekte auch der – nebenbei bemerkt nicht weniger eklektizistischen – nationalsozialistischen Ideologie vereinte.

Vorsicht ist also geboten. Dennoch meint ein „Wehret den Anfängen!“ nicht, dass man Maulkörbe verhängen und politische Meinungen unterdrücken muss oder überhaupt sollte, sobald einem da etwas nicht passt. Ein paar Lessons from Nazi Germany, die helfen können, zu erkennen, wann jemand eine rote Linie überschritten hat und Vorsicht angebracht ist, gibt es aber trotzdem:

  1. Nicht nur extreme, vielleicht auch psychisch gestörte Menschen – Psychopathen! – üben politische (und andere, hier geht es aber um die politische) Gewalt aus. Hannah Arendt ging sogar so weit, von der „Banalität des Bösen“ zu sprechen. Denk Dir deshalb zu jedem Nazi-Schläger im Hintergrund einen Biedermann im Anzug dazu, der kein Wässerchen trüben zu können scheint …
  2. Manchmal werden Menschen grausam und misshandeln andere aus einem einfachen Grund: weil es geht! Das ist u. a. die Quintessenz des sog. „Stanford Prison Experiments“, das 1971 unter der Leitung des renommierten Psychologen „Dr. Evil“ Philip Zimbardo an der Stanford University in den USA durchgeführt (und vorzeitig abgebrochen) wurde. Haben Menschen Macht und eine entsprechende soziale Rolle, fehlen Kontrolle und Sanktionen, wird man – nur wenige widerstehen einem solchen sozialen Setting! – schnell sadistisch. Gebe Menschen nicht so viel Macht, dass sie andere misshandeln und wie Dreck behandeln können.
  3. Gewalt hat immer zwei Seiten: einer übt sie aus und einem wird sie angetan. Es fällt leichter, Menschen wie Abfall zu behandeln, wenn man sie auch als „Abfall“ betrachtet. Also geht es darum, dass Menschen dehumanisiert oder auch dämonisiert werden. Die Dämonisierung ist eine Unterform der Dehumanisierung und bedeutet, dass Menschen nicht nur als „zu minderwertig“ dargestellt werden, um noch wirklich der menschlichen Spezies anzugehören, sondern darüber hinaus auch noch als brandgefährlich gelten – ein Gegner aller Menschen, „die diesen Namen auch verdienen“. Im Nationalsozialismus hatten die Juden diese Rolle inne. Es wird also immer einer, eine bestimmte soziale Gruppe, zum Sündenbock stilisiert. Das wird gebetsmühlenartig wiederholt, wie niederträchtig und minderwertig, wie schuldig und gefährlich diese Menschen sind, so lange bis auch die große, schweigende Mehrheit bald nichts mehr dabei findet, wenn solche Menschen ausgegrenzt und misshandelt – „gedisst“ – werden. Damit ist eine Legitimation für Gewalt geschaffen – Man tut schließlich niemandem etwas an, der es nicht auch irgendwie „verdient“ hätte und außerdem – machen es nicht alle so? Wenn sich mehr oder weniger die gesamte Gesellschaft (In-Group) die Finger schmutzig macht, muss sich der einzelne im Endeffekt nicht so schuldig fühlen. Also kann man ruhig nochmal zutreten! Im Kleinen kann man solche Dynamiken bei Mobbing feststellen, auf einer breiteren, gesamtgesellschaftlichen Ebene kann es einen Genozid vorbereiten. Versuche – um dem entgegenzuwirken – , ein möglichst ausgewogenes, objektives Bild von Menschen und sozialen Gruppen zu zeichnen. Leugne Verfehlungen nicht, spiele sie nicht herunter und gebe keinen Anlass dazu, dass Leute das Gefühl haben, da solle etwas vertuscht werden – das spielt nur den Rechten in die Hände, wie man an den sexuellen Übergriffen in Köln an Silvester 2015/16 gesehen hat. Berichte stattdessen auch, wenn sich Angehörige der angefeindeten sozialen Gruppe normal oder positiv verhalten. Hebe hervor, dass es sich um Individuen mit unterschiedlichen Meinungen, Verhaltensweisen, etc. handelt. Vermeide es, die Leute v. a. als „Kollektiv“ – fremde Ethnie oder Kultur – darzustellen. Mache darauf aufmerksam, dass auch Angehörige anderer sozialer Gruppen gewalttätig oder sexuelle übergriffig werden, sonstige Straftaten begehen, sich ausbeuterisch und/oder (vermeintlich) exzentrisch verhalten (letztere Eigenschaften spielten bei der Stigmatisierung der Juden im Nationalsozialismus und vorher eine gewisse Rolle). Stelle klar, dass KEIN Kausalzusammenhang besteht, im Sinne von: „Er ist Araber, Jude – die machen nun einmal dieses oder jenes … , will man sexuelle Übergriffe, Raubtierkapitalismus, etc. also aus der Welt schaffen, muss man nur ihn/sie loswerden!“.
  4. Stilisiere Menschen nicht zu „Herrenmenschen“! Vermeide es, dass die Leute immer „parteiisch“ auf der Seite bestimmter Leute sind, auch wenn Du denkst, dass man ihnen großes Unrecht getan hat, das nun wieder gutgemacht werden soll. Auch damals wurde von der „Schmach von Versailles“ gesprochen, Menschen, denen es objektiv schlecht ging – körperlich versehrte Kriegsveteranen aus dem Ersten Weltkrieg, die in bitterer Armut lebten, vielfach sogar auf der Straße bettelten und Leute, die durch die Weltwirtschaftskrise alles verloren hatten, ebenfalls hungerten und zum Teil obdachlos waren, mussten den Nationalsozialisten als Vorwand für ihre von Anfang an auf Vertreibung und – sofern es nicht reichte, den Leuten das Leben so ungemütlich wie möglich zu machen – auch Vernichtung anderer  – insbesondere der Juden – angelegte Politik herhalten, die schließlich in einem technokratisch durchorganisierten Massenmord gipfelt, der zum Glück bislang ohnegleichen geblieben ist. „Ariern“ stand dagegen ab 1933 die Welt offen. So manch einer wird nur zu gern einen Job an der Uni oder in irgendeiner Behörde eingenommen haben, von dem man zuvor einen Juden vertrieben hatte. Für „Arier“ gab es plötzlich das „Winterhilfswerk“, „Volksempfänger“ und „Kraft durch Freude“-Ferien – für viele Menschen vermutlich zum ersten Mal in ihrem Leben … Wer es nicht glaubt, lässt sich vielleicht einfach mal den Nazi-Spielfilm „Hitlerjunge Quex“ (Deutschland 1933, Regie: Hans Steinhoff) aus dem Giftschrank irgendeiner universitären Mediathek holen: Dort wird ein einfacher Arbeiterjunge – ein blonder, blauäugiger „Arier“ – dessen verkommene Eltern – Sozialisten! – ihr armseliges Leben nicht auf die Reihe kriegen und ihm nichts bieten können, von einem Nazi unter die Fittiche genommen. Der macht dem Jungen klar, dass er – trotz seiner bescheidenen Herkunft – jemand ist, als Mensch „nordischen Typs“ anderen sogar heillos überlegen, ein aristokratischer Mensch mit profanen sozialen Ursprüngen sozusagen. Natürlich ist es schmeichelhaft, zu den „Lieblingen“ zu gehören und anderen grundsätzlich vorgezogen zu werden. Nicht immer muss es übrigens der helle Teint sein, der einen in eine solche Position katapultiert. Im Grunde ist es auch egal, was es ist – so lange andere dafür leiden müssen, ist es nicht in Ordnung!  Lasse Dich also von derlei Dingen nicht korrumpieren! Sei zufrieden damit, ein Mensch unter anderen Menschen zu sein – nicht mehr und nicht weniger …
  5. Vermeide soziale Spannungen! Trete dafür ein, dass die soziale Schere wieder etwas mehr zusammengeht! Es ist ein Gemeinplatz aus der Sozialpsychologie, dass soziale Ungerechtigkeit die Menschen aggressiv macht. Auch die Weimarer Republik war gekennzeichnet durch krasse soziale Gegensätze, die sich immer wieder in zahlreichen Konflikten entluden, ohne dass sich etwas gebessert hätte.
  6. Ermutige Menschen zur offenen Diskussion! Jeder sollte auch mal die Perspektive des anderen einnehmen. Kompromisse sollten eher das Ziel sein, als dass derjenige für sich die besten Konditionen aushandelt, der sich am besten durchsetzen kann. Vermeide es, Menschen oder soziale Gruppen abzuhängen oder den Eindruck zu erwecken, es würde über ihre Köpfe hinweg entschieden. Solche Leute werden sich trotzig in eine Gegenkultur, im schlimmsten Falle in den Untergrund zurückziehen und dort werden ihre Ideen und Gefühle vor sich hingären und andere anziehen, bis eine explosive Mischung entstanden ist, die eine Gesellschaft unter Umständen zum Kippen bringen kann. Lass auch nicht Menschen selbstgerecht und hochmütig auf der Nase anderer herumtanzen. Stelle klar, dass – nur weil man etwas ablehnt, nicht unbedingt das Gegenteil richtig sein muss! Habe den Mut, Dinge (und Menschen) differenziert wahrzunehmen!

*Update, Montag, 28. August 2017: Die Sache mit den Waffenfunden bei Indymedia und das Verhalten des Bundesinnenministeriums bleiben weiterhin mytseriös, vgl.: Faktenfinder, Tagesschau.

 

 

Hassverbrechen als Eigentor

Gewalt gegen Homosexuelle soll  in Berlin drastisch zugenommen haben, u. a. der RBB berichtete darüber. Warum sitzt die Faust jetzt plötzlich so locker, wenn ein schwules Pärchen des Weges kommt? Schlimm, wenn er nicht mit ihr, sondern mit ihm Händchen hält? Warum eigentlich? Allerdings – dass es in dem Artikel auch um „Transfeindlichkeit“ geht, machte mich dann doch gleich wieder ein wenig misstrauisch. Offiziel bin nämlich auch ich „transphob“. „Transfeindlich“ kann man, meiner Erfahrung nach, schon durch seine bloße Existenz sein.

Außerdem geht es dabei zu sehr um psychische Störungen – u. a. auch darum, dass Menschen Aufmerksamkeit und Zuneigung um jeden Preis für sich wollen und zugleich hoffen, dass andere – RivalInnen im Buhlen um die Gunst der Menschheit! – wie Dreck behandelt werden. Da ist dann jedes nette Wort, das einem anderen Menschen zuteil wird, schon diskriminierend, eine Mikroaggression gegen den queeren Menschen, der diese Zuwendung seiner Meinung nach viel eher verdient hätte. Im ärgsten Fall greift mensch sogar selbst an, denunziert aber das Opfer und delektiert sich dann in einem perversen Vergnügen daran, dass letzteres für die eigenen Missetaten bestraft wird.

Nasty people!

„You have the right to be nasty!“ forderte die französische Queeraktivistin Céline Robinet einst (Video auf Youtube mittlerweile gelöscht oder nicht mehr auffindbar, ich habe aber schon mal darüber geschrieben, da war es noch online). Wirklich? Aber andere müssen nett sein und sich umherschubsen lassen?

Selbst hatte ich in einer der Kneipen der Berliner Subkultur unangenehme Erfahrungen mit Céline Robinet (so war die Frau seinerzeit vorgestellt worden) – gemacht. Ich erinnere mich noch, dass ich gerade einen Schluck Bier nehmen wollte, als Robinet sich an mich heranpirschte, wie ein Hund an mir schnüffelte und laut ausrief „Ouaah! Elle pue!“ („Boah, die stinkt!“) – Gackern! Eine der vielen „Neckereien“, die ich mir gefallen lassen musste! So wollte man es zumindest in der queeren Szene verstanden wissen. Vielleicht hatte Robinet Glück, dass ich so perplex war, dass ich erst einmal gar nicht wusste, was ich sagen oder tun sollte. Jemand anderes hätte vielleicht ausgeholt und zugeschlagen – mitten in die selbstgefällige Fresse des kleinen „Frechdachses“.

Was bilden die Leute sich eigentlich ein? Andere demütigen, zu glauben, dass gehöre auch noch zu ihren Menschenrechten und sich dann wundern, wenn andere ihnen keine positiven Gefühle entgegenbringen? Ist das dann „Hasskriminalität“?

Der Kampf um „Sichtbarkeit“: Nicht dass jemand den Blick verstellt!

Der zweite Punkt – und da schneiden die Leute sich ins eigene Fleisch -, ist die freie Wählbarkeit. Zwar gibt es ein sexuelles Selbstbestimmungsrecht, um Trans- und Bisexualität (alles, was man sich leicht andichten kann) wird in der Szene allerdings so sehr mit Zähnen und Klauen gekämpft, dass es einen aufhorchen lässt. Eigentlich geht es ja um Diskriminierung und da sollte man meinen, dass die Leute sich eher zurückhalten und froh sind, wenn nicht jeder sofort darauf kommt – (nebenbei bemerkt, war Diskriminierung auch der Grund, warum Lesben, Schwule und Bisexuelle bis weit in die 1990er Jahre damit zögerten, sich öffentlich zu outen. Unvergessen noch Ellen DeGeneres, die der Welt auf dem Cover der „Vanity Fair“ selbstbewusst ins gesicht sagte „Yep, I’m gay!“ („Yeah, ich bin homosexuell!“) – und danach aus ihrer Sitcom flog und – wie es für ein paar Jahre aussah – vollkommen verbrannt für das Filmbusiness war).

Nun, in Berlin ist es umgekehrt: „Sichtbarkeit!“ ist alles, wer sich irgendwie nicht normal fühlt, trägt es mit stolz geschwellter Brust vor sich her. Schließlich gibt es Minderheitenförderung dafür. Geisteswissenschaftler ohne feste Berufsidee, mittelprächtige Literaten, Künstler, Journalisten oder Filmemacher können sich plötzlich darauf berufen, dass man doch ihre Sicht der Dinge jetzt einmal hören will. Aus dem Weg also mit der „Mehrheitsgesellschaft“, die nicht alles dominieren soll. Selbstverständlich trifft das nicht auf jedeN queeren KünstlerIn (SchrifstellerIn, …) zu. Einige sind wirklich einfach gut und hätten ihr Publikum auch als „Normalos“ begeistert, wären die Karriereleiter dann vielleicht sogar noch höher geklettert. Aber in ihrem Kielwasser schwimmen all jene, die irgendwie was mit Kultur und Medien machen wollen und nach denen ohne „Empowerment“ und „positive Diskriminierung“ kein Hahn gekräht hätte.

Die oben erwähnte Robinet entdeckte in ihren Mittdreißigerin (Sie/Er ist in etwa in meinem Alter), dass sie eigentlich ein Mann ist und nannte sich fortan Jayrôme. „Er“ – u. a. ein Darling und Förderkind Carolin Emckes – lebt offenbar immer noch in Berlin und produziert als französisch-deutscheR SchriftstellerIn Texte, die für eine Nicht-MuttersprachlerIn in der Tat beachtlich sind, an denen mensch aber wohl v. a. Freude hat, wenn mensch sehr feminine, auf eine eher altmodisch-poetische Art verfasste Literatur mag, die quasi als Stream of Consciousness in erster Linie das innere Erleben des/der AutorIn ausführlich schildert. Speziell der sehr weibliche Touch ist offenbar nicht nur mir aufgefallen. Kein „Männergehirn“ also, sorry, nicht „im falschen Körper geboren“.

Eigentlich nicht schlimm – wen stört’s, könnte man sich sagen, aber wenn man im Hinterkopf hat, dass die Leute sich darum prügeln, wie eine Meute Hunde um einen saftigen Knochen und sich ihre „Andersartigkeit“ auch entsprechend vergüten lassen und man quasi als Tüpfelchen auf dem i außerdem noch angehalten ist, sich ihnen gegenüber zu verhalten, als ob die Mutter gerade mit dem neugeborenen kleinen Geschwisterchen aus dem Krankenhaus gekommen sei, das jetzt ihre volle Aufmerksamkeit braucht, weshalb man selbst ruhig und pflegeleicht sein soll, keinen Ärger machen, sich das Pausenbrot gefälligst schmieren soll und – selbst wenn man das alles auch brav macht – andauernd angeherrscht wird, weil die Mutti so gestresst ist, weil der kleine Sonnenschein – „Kutschikutschi“ hier, „Kutschikutschi“ da – der ganze Stolz der Eltern! -, nicht durchschläft – Dann ist das zuviel. Wir reden hier ja über Erwachsene. Und man muss sich nicht wundern, wenn das Aggressionen provoziert.

Opfer oder Täter oder beides? Rechte Tendenzen im queeren Lager

In seinem Buch „Unter Weißen“ schreibt der Journalist Mohamed Amjahid, dass es Rassismus, Ausländer- und Islamfeindlichkeit auch in der LGBT-Szene gebe. Als er allerdings dazu recherchieren wollte, habe der LSVD (Lesben- und Schwulenverband) empfindlich reagiert (vgl.: Amjahid, Mohamed: „Unter Weißen“, Berlin 2017, S. 113 ff.). Zu emsig ist offenbar an dem Bild der Freundschaft aller Minderheiten gebastelt worden, die fest zusammenhalten gegen die böse, böse Mehrheitsgesellschaft, als dass man sich das jetzt durch ein paar unschöne Details zerstören lassen wollte. Der wesentliche Affront scheint dabei zu sein, dass „sexuell Abweichende“ keine Heiligen sind – ebenso wenig wie MigrantInnen (oder natürlich „Mehrheitsmenschen“).

Das wirkt nicht nur autoritär und gebieterisch – es hätte sich auch niemand einen Zacken aus der Krone gebrochen, einfach mal Tacheles zu sprechen: Ja, es gibt MigrantInnen, die wirklich homophob (und auch transfeindlich) sind. Natürlich versteht man, dass Schwule sich nicht gern zusammenschlagen lassen, nur weil irgendjemandem ihr Anblick nicht schmeckt. Aber hier und da fragt man sich auch, was man eigentlich noch für bare Münze nehmen kann. Amjahid berichtet von Transsexuellen, die sich darüber beklagen, fast tagtäglich von Männern mit Migrationshintergrund angepöbelt, ja sogar angespuckt zu werden. Sicherlich gibt es solche traurigen Zwischenfälle und mensch hat, wie gesagt, auch alles Recht, sich darüber zu empören.

Aber auch ich gelte, wie eingangs erwähnt, als „transphob“, wäre wegen „transphober Hetze“ beinahe auch verklagt worden (zumindest ist es mir mehrfach angedroht worden). Nur dass ich den Leuten nichts getan habe, eigentlich nichts gegen sie habe. Ich mag es einfach nicht, wenn sie mich (zusammen mit den Adipositasfrauen) stalken (ich habe die Leute eben auch so ziemlich tagtäglich am Hals und das seit Jahren! Dabei habe ich im Übrigen nie beobachten önnen, dass jemand sie „angepöbelt“ hätte. So oft kommt das wohl doch nicht vor.), ich mag es nicht, wenn sie mich anstarren, und immer noch ein Bunch queerfeministischer Frauen in der Nähe ist, der beobachtet, wie ich mich verhalte (natürlich immer falsch! Offenbar soll ich ja auch der Transphobie „überführt“ werden). Was ist also hier wirklich transphob und wo geht es darum, dass die Leute einfach bloß ihre eigenen Ressentiments ungehemmt ausleben wollen? Und – sorry, aber die Frage muss leider wirklich erlaubt sein – wird nicht manchmal auch so lange provoziert und gestichelt, bis die Leute ärgerlich reagieren, DAMIT man einen „transphoben Übergriff“ denunzieren kann?

„Beißreflexe“ – noch nicht ausdiskutiert!

Die Empfindlichkeit der Menschen, die überall Diskriminierung und „Mikroaggressionen“ wittern, sich selbst aber oft brutal und demütigend verhalten, ist in den Diskussionen um das Buch „Beißreflexe“ beschrieben worden – in der „Zeit“ (wo die Debatte aktuell weitergeht), in der „Emma“ und anderswo. Unter dem Twitter-Hashtag #beissreflexe findet sich aber auch ein Foto, dass Menschen in pinken Niqabs zeigt, die Bajonette oder Schlagstöcke vor sich aufgepflanzt haben – kämpferische (Waffen!) Solidarität zwischen queeren Menschen (Pink!) und Muslims (Niqab!)! soll hier zum Ausdruck gebracht werden werden, der Post gehört zu den schärfsten auf Twitter geäußerten Kritiken an dem Buch „Beißreflexe“ (dessen AutorInnen sich übrigens selbst ebenfalls als „queer“ und „trans“ definieren).

Da fragt man sich wirklich, wann und wo der Realitätsbezug vollständig verloren gegangen ist. Vielleicht war auch das Attentat von Orlando (für das man sich im Übrigen vor einigen Wochen an mir „rächen“ wollte) ein „Versehen“ – eigentlich hat der Mann die „Mehrheitsgesellschaft“ treffen wollen, eben weil die Minderheiten sich untereinander so gut verstehen. Tut mir leid, aber das ist Humbug! Leider mag der IS, mögen rechtskonservative Muslime (das sind die, deren Frauen Burka und Niqab tragen) LGBT-Menschen wirklich nicht so. Der IS tötet sie sogar. Ausnahmen mögen die Regeln bestätigen und für die rechten, islamfeindlichen Queers ist es außerdem wichtig, zu wissen, dass LIBERALE Muslime NICHT der Feind sind. Sie dürften homo- und transphobe Aggressionen über den Daumen gepeilt ebenso häufig von sich geben, wie der – eher tolerante – Durchschnittsdeutsche: gibt’s sicher, gibt’s auch, dass jemand keine Homosexuellen mag, sich aber zurückhält, aber manche haben eben einfach nichts dagegen oder finden es sogar gut, dass sich auch LGBT-Menschen offen und selbstbewusst zeigen. Die können dann auch nichts dafür, wenn man ihnen das trotzdem unterstellt, dass sie homo-/transphob seien.

Empowerment oder Kampf gegen Diskriminierung?

Relativieren tut Not. Wer „nasty“ mit anderen sein will, darf auch nicht lamentieren, wenn die das dann umgekehrt auch ok finden, wenn man selbst mal ein paar Gemeinheiten abkriegt. Wer Aggressionen schürt, ist selbst Schuld. Man kann ja Leute, die man nicht leiden kann, auch einfach in Ruhe lassen.

Und dann sind da noch die Hipster und einige ältliche Uni-Frauen, die ihren Hintern zu lange auf Post-Doc-Stellen geparkt hatten, ohne dass eine reelle Karriere im akademischen Bereich drin gewesen wäre. Diesen leuten geht es doch eigentlich v. a. darum, sich bei Leuten, die im Kultur- und Medienbereich etwas zu sagen haben, – z. B. die bereits erwähnte Carolin Emcke, Ines Pohl (Deutsche Welle, Ex-Chefredakteurin, taz), Silvia Fehrmann (Haus der Kulturen der Welt, Freundin von Carolin Emcke), Miriam Meckel, Anne Will, Dunja Hayali, …. – lieb Kind zu machen und „Empowerment“ und „Affirmative Action“ für sich in Anspruch nehmen zu können.

(„Affirmative Action“ = „positive Diskriminierung“, die Leute sollen erst einmal eine Art Kredit kriegen, dass man voraussetzt, dass sie gut, begabt und kompetent sind und in guter Absicht handeln, auch wenn es erst einmal nicht so scheint. Ursprünglich war das dazu gedacht, böswilligen Unterstellungen – echter Diskriminierung! – etwas entgegenzusetzen – etwa der Annahme, Schwarze seien weniger intelligent (auch wenn sie offensichtlich intellektuelle Begabung erkennen lassen), dafür häufiger kriminell und gewalttätig, …. Da das im Umkehrschluss bedeutete, vorauszusetzen, dass Weiße intelligenter sind (und gesetzestreuer, friedfertiger, sozial kompetenter, auch wenn es keine konkreten Anhaltspunkte dafür gibt), hielt man es für gerecht, den Spieß einfach umzudrehen. Vor diesem Hintergrund kann man sich vorstellen, warum viele Leute so erpicht auf die Minderheitenrechte sind …) – bloß diskriminiert man die nicht, wenn man sie „nur“ wie alle anderen behandelt. Immerhin sind es zumeist junge, hellhäutige Menschen aus den höheren Gesellschaftsschichten, die sozial ohnehin immer im Vorteil waren – sich häufig auch erst zu ihrer „Queerness“ bekannt haben, als es plötzlich hip war – und „Affermative Action“ ist so gesehen nichts anderes als das gute alte Privileg, grundsätzlich vorgezogen zu werden und zuerst dran zu kommen, das einem möglichst kein anderer streitig machen soll.

Gewalt und Hass sind immer schlimm, egal, wen sie treffen und von wem sie ausgehen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, das so zu sehen. Dennoch ist dies in den letzten Jahren immer wieder in Frage gestellt worden. Nicht nur, dass Aggressionen offiziell nie von Menschen ausgingen, die sich mit Queer identifizieren – Homophobie wurde, sofern sie jemandem entgegenschlug, den diese Leute nicht als „queer“ akzeptierten oder auch nur einfach nicht mochten, auch nicht als diskriminierend gewertet. In einigen Fällen kann man es tatsächlich so sehen, dass diese Menschen homophobe Reaktionen anderen gegenüber sogar bewusst provoziert haben, um sich dann ins Fäustchen lachen zu können – da macht es doch nichts!

All das hat dazu beigetragen, Homo- und Transphobie zu schüren oder zumidnest die Hemmschwelle zu senken. Eben weil vielen Leuten bewusst war, dass die Dinge in einigen Fällen bei Tageslicht betrachtet ganz anders liegen, als die „Opfer“ Glauben machen wollten. Will die queere Community ernst genommen werden, muss sie auch kritikfähig werden. Nur anprangern reicht nicht. Das hat der Bericht des RBB (siehe oben) ja recht eindrucksvoll gezeigt.

#Schorndorf. Oder: Laila platzt der Kragen!

Gibt man #Schorndorf bei Twitter ein, ploppt zuerst ein südwestdeutsches Kleinstadtidyll mit Fachwerkhäusern vor strahlendblauem Himmel entgegen. @cduschorndorf heißt der Account. Aha. Linke „Krawallmacher“ sind hier offenbar nicht zu Hause. Dafür wurde wieder einmal gegrapscht. Bis zu 1000 Jugendliche sollen sich im Rahmen der „Schorndorfer Woche“ – offenbar eine Art Volksfest – in einem Park versammelt, randaliert und Sexualdelikte begangen haben. Mal ist von „Abiturienten“ die Rede, mal waren es eben nur „Jugendliche“ – so ganz ohne festgelegten Bildungsgrad. Migranten, genauer Flüchtlinge, sollen aber in jedem Fall dabei gewesen sein.

Auf Twitter platzt einer gewissen Anabel Schunke wortwörtlich der Kragen. Ein mit viel sch*** und a*** dekorierter Text wird einem dargeboten, in dem sich die Autorin kopfschütteln fragt (so stellt man sich das jedenfalls vor, also dass sie sich kopfschüttelnd fragt), was in diesem sch***-Land eigentlich los sei. Flüchtlinge bekämen hier ja sogar Flirtkurse. Und jetzt ist wieder so etwas wie #koelnhbf passiert. Wieviel „kultursensiblen Zucker“ man den Leuten denn noch „in den Ar*** blasen“ wolle. Die Twitter-Gemeinde klatscht eifrig Beifall.

Moment mal, Anabel wer? Ein paar Klicks ergeben, dass die Frau für das konservativ-liberale Internetmagazin „Tichy’s Einblick“ schreibt. Schunke – eine echte Posterschönheit: lange, blonde Haare, Traumfigur – modelt – klar! – und studiert Politikwissenschaften und Geschichte, wie einen ein Kurzprofil auf „Huffington Post“ informiert. Kein blondes Blödchen also. Eher eine, vor der sich andere wahrscheinlich klein fühlen. Fast fragt man sich, ob Anabel nicht im Real Life Karlheinz heißt und einen „Bier formte diesen Astralleib“-Schmerbauch vor sich herträgt, aber aus solchen Zeilen spricht vermutlich der pure Neid. Als ich lese, dass Schunke mehrfach Versuche unternommen hat, die AfD aus konservativer Sicht zu kritisieren, schäme ich mich auch gleich ein bisschen. Bin ich jetzt so ungnädig, nur weil es nicht meine Meinung ist? (Oder weil ich nicht ganz so hübsch bin? Ich kenne immerhin eine Menge Leute, denen das als Erstes dazu einfallen würde. Deshalb schreibe ich es jetzt auch.)

Doch ein paar Klicks weiter prangt ein Foto, dass die attraktive Blondierte mit einer etwas größeren Frau in einem weißen Polohemd zeigt. Beide scheinen in Partylaune zu sein. Die Große trägt ihr Haar streng zurückgebunden und ihr Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor: Alice Weidel, AfD. „Mit der duftesten Frau der AfD“ steht unter dem Bild. Also wohl doch nicht so viel Abgrenzung.

Mittlerweile ist der Facebook-Account von Anabel Schunke offenbar gesperrt worden. Alice Weidel beschwert sich darüber entrüstet auf Facebook: „Zensur in Deutschland!“ und verlinkt sogleich zu einem Schunke-Text: „Ich muss keine fremde Kultur bedingungslos akzeptieren.“.

Nein, muss sie nicht. Sie muss sich auch nicht angrapschen lassen. Falls ihr das bereits passiert ist. Das täte mir leid. Für den Fall, dass es dunkelhäutige Täter waren, Menschen „südländischen Aussehens“, Muslime. Denn offenbar ist ja das das Problem.

Man muss relativieren. Natürlich begehen auch hellhäutige Menschen, Christen Sexualstraftaten. Ansonsten könnten sich die Frauen in Nordeuropa ja freuen. Es stimmt aber, dass das Frauenbild in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten ein anderes ist. Ein Grapscher an Po, Busen oder zwischen die Schenkel gilt oft eher als „Kavaliersdelikt“. Zumal wenn die Frau eine „Schlampe“ ist, also nicht keusch genug angezogen. Dann hat sie auch irgendwie selbst schuld.

Das stimmt also, da sind gewisse Vorbehalte nicht so ganz aus der Luft gegriffen – sieht man mal, wie gesagt, davon ab, dass ich solche Sätze auch schon aus biodeutschen Mündern gehört habe. In muslimischen Ländern ist es aber eben schlimmer. Dennoch stellen sexuelle Übergriffe auch in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten eine Aggression dar. Es ist ein bewusster Angriff auf die Würde, gewiss kein „normaler“ Umgang mit Frauen. Zumindest an den Stränden Tunesiens und Marokkos haben die Leute auch sehr wohl schon einmal leicht bekleidete Frauen gesehen – und sie haben sie NICHT begrapscht. Ältere erinnern sich sogar noch an die Zeiten, als die Burka im Maghreb noch mehr oder weniger unbekannt war und ein eher westlicher Lebensstil gepflegt wurde. Nicht einmal jeder muslimische Gelehrte ist Burka-Fan. So gut wie keine Frau in Nordafrika, im Nahen und Mittleren Osten lässt sich „gern“ von wildfremden Typen angrabbeln.

Vielleicht sollte man diesbezüglich also besser auf dem Teppich bleiben. Ein anderes Frauenbild: ja, „von jeglicher Zivilisation unberührte, animalische Wilde, die nicht anders können“: nein. Wahrscheinlich würde es reichen, ein für alle mal klarzustellen, dass Grapschen und Vergewaltigen in Deutschland Straftaten sind und es auch wirklich strafrechtlich verfolgt wird. Und zwar ganz gleich, wer es macht.

Denn die Frage ist ja, ob Schunke und ihre Fans bei einem hellhäutigen Deutschen darüber hinwegsehen könnten, wenn der sie unsittlich berührt. Könnten sie es, dürfen sie sich auch nicht beschweren.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass es durchaus in der Zeitung stehen darf, wenn ein Täter dunkle Haare hatte oder eine Migrationshintergrund – Man kann ja ebenso schreiben, dass es eine Blondine war oder jemand, der Sommersprossen hatte oder ein Oberlippenbärtchen trug – Mir platzt jetzt auch so langsam mal der Kragen: Ja, unter den Flüchtlingen sind echte Schweine. Ja, es sind IS-Leute darunter. Ja, es sind Marokkaner unter ihnen, die glauben machen wollen, sie stammten aus Syrien. Ja, das ist Betrug. Ja, da geht es um Jobs. Ja, einige der „Schweine“ sind schwer traumatisiert, weil sie eben tatsächlich im Krieg waren und das macht es trotzdem nicht besser, wenn da dann jemand gewalttätig wird, Ja, überall ein Körnchen Wahrheit dran, so dass man im rechtskonservativen Lager auch laut auflachen kann, wenn jemand, der oder die nichts gegen Flüchtlinge hat, mal an so jemanden gerät. Gibt’s wirklich alles. UNTER ANDEREM AUCH. – ABER: Bei allem und jedem, wo irgendwie irgendeine Person involviert ist, auf die die Beschreibung: „Migrant“, „Flüchtling“, „dunkelhäutig“, „Muslim“ vage passt, wird laut aufgeschrien. Niemand auf Twitter hat sich über die biodeutschen Abiturienten in Schorndorf beschwert, die launig mitgegrapscht haben oder sogar die Idee dazu hatten. Wer die „Idee“ hatte, weiß man ja nicht. Aber es kam nicht mit einem Wort zur Sprache, dass da eine ganze Menge Nicht-Refugees waren, die sich ebenso sch*** benommen haben.

Stattdessen wird über „Flirtkurse für Flüchtlinge“ schadroniert. Na ja.

Unsere Verfassung will es so, dass vor dem Gesetz alle gleich sind – vielleicht die beste Idee seit langem … Muss man sich nur noch mal ins Gedächtnis rufen.