„Beißhemmungen“ & Borderline-Wahrnehmungen: Die queere Szene & die Querfront

Links à la roumaine: Terror, Hunger & goldene Wasserhähne

Sprech- und Denkverbote, das großzügige Verteilen von Maulkörben, ist so alt wie die dogmatische Linke selbst. Dass das in Mord und Totschlag enden kann, hat der Stalinismus gezeigt. Dass es – jenseits aller Kalten-Kriegs-Rhetorik vom „roten Faschismus“ – auch tatsächlich faschistoide Züge tragen kann, führte der rumänische „Realsozialismus“ eindrucksvoll vor Augen. Getrieben von einem immer absurder werdenden Personenkult, ließ sich der zweite und letzte sozialistische Diktator Rumäniens Nicolae Ceausescu u. a. „Conducator“ nennen – „Führer“, wie Ion Antonescu, der in Rumänien in den 1940er Jahren mit Hilfe der faschistische „Eisernen Garde“ eine Militärdiktatur errichtet hatte. Ceausescu glänzte seinerseits mit einer Familienpolitik, bei der unter dem Verbot von Abtreibung und Verhütungsmitteln jede Familie mindestens 5 Kinder haben sollte. Ziel war die bevölkerungspolitische Errichtung „Großrumäniens“ („Romania Mare“. Interessanterweise wurde nach dem Sturz Ceausescus eine gleichnamige Partei gegründet, die im Westen als rechtsextrem eingestuft wurde, u. a. weil sie nationalistische und minderheitenfeindliche, insbesondere antisemitische Einstellungen vertrat, in Rumänien selbst aber als linksextrem galt, wie man auf Wikipedia nachlesen kann.). Wenn man bedenkt, dass Ceausescu in seinem Palast goldene Wasserhähne hatte, während die Mehrheit der Rumänen in einer selbst im Vergleich zu vielen anderen Warschauer Pakt Staaten extremen Armut lebte, lässt sich die ungeheure Wut nachvollziehen, die dazu führte, dass die Rumänische Revolution von 1989 sehr viel gewaltsamer verlief als anderswo und etwa 1000 Menschen den Tod fanden, wie auf Wikipedia nachzulesen ist. Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena wurden 1989 schließlich standrechtlich erschossen. Ein pikantes Detail ist vielleicht, dass ausgerechnet Ceausescu, der vielleicht blutigste „realsozialistisch“ Diktator, im Westen in den 1970er Jahren noch als Reformer galt …

Patsy L’Amours „Beißhemmungen“ – Sprechverbote in der queeren Szene

Fast 30 Jahre später sind Sprechverbote, um mit einem thematisch radikalen Wechsel auf das eingangs erwähnte Stichwort zurückzukommen, offenbar auch in der Berliner queeren Szene ein Thema. Dreh- und Angelpunkt ist offenbar der Begriff „Queer“.

„Queer transportiert eine Geschichte emanzipatorischen Kämpfens, es ist ein reizvoller Begriff, der zum Hinterfragen der  heterosexuellen Normalität ebenso aufruft wie zur selbstbewussten Entgegnung der Perversen und Anderen.“ (Patsy L’Amour LaLove, Art.: „Sprechverbote in der Queer-Szene“, in: Tagesspiegel vom 01. April 2017)

schreibt die Berliner Queer-Aktivistin Patsy L’Amour LaLove, die mit „Beißhemmungen“ einen Sammelband zum Thema herausgegeben hat, im Berliner „Tagesspiegel“. Und:

„Queer gilt hier als identitätskritischer Begriff. Das geht so weit, dass Menschen, die sich als Schwule und Lesben sehen, als reaktionär abgelehnt werden: Ihre Identitäten seien zu einengend, und sie seien zu etabliert, heißt es dann.“ (Patsy L’Amour LaLove, Art.: „Sprechverbote in der Queer-Szene“, in: Tagesspiegel vom 01. April 2017)

Ist das Private politisch?

Weiter geht es um Antirassismus, „Critical Whiteness“ und „Political Correctness“ – alles Topoi, die derzeit auch in der Linken verhandelt werden. Spätestens hier sollte man aufmerken, wenn einem nicht schon aufgestoßen ist, dass „Schwule und Lesben“ plötzlich als „reaktionär“ gelten, obwohl es doch angeblich um Homosexualität bzw. um den Kampf gegen Homophobie geht. Was genau ist also mit „Queer“ gemeint? Eine politische Haltung oder eine sexuelle Orientierung? Der Schlachtruf des Second-Wave-Feminismus der 1970er Jahre, dass Private sei Politisch greift hier nicht. Damals war gemeint, dass Frauen gemeinsam gegen alltägliche Diskriminierungen ankämpfen sollten. Der gönnerhafte Klaps auf den Po, kein eigenes Konto eröffnen zu können, den Beruf spätestens dann aufgeben zu müssen, wenn Kinder da sind, und auch dann in einer Ehe verharren zu müssen, wenn der eigene Ehemann gewalttätig war oder sich längst mit einer Jüngeren vergnügte, weil die Ehe als Versorgungseinrichtung die eigene Existenz sicherte – all das waren Erfahrungen, die viele Frauen teilten.

Identifikation als Identitätsstifter

Bei „Queer“ ist es genau umgekehrt: Die Diskriminierungserfahrungen anderer Menschen (Schwarzer oder der sog. „People of Color“, der auch im rechten Milieu derzeit hart umkämpften sog. „kleinen Leute“, Erfahrungen von Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, Erfahrungen Behinderter, Muslimer, Juden, z. T. auch Homosexueller, weil die sexuelle Orientierung und Identität als frei wählbar gelten. Einige Aktivistinnen wollten die freie Wählbarkeit sogar auf die Hautfarbe ausdehnen, wie man u. a. auf Twitter unter dem hashtag #wrongskin nachlesen kann) – all das wird gebündelt und zum Stifter der eigenen Identität überhöht. „Queer“ soll, mit anderen Worten, als Quintessenz des „Anderen“, Randständigen gelesen werden. Es ist kein Zufall, dass die zunehmende Relevanz der Frauen- und Genderforschung, der Queer und Black Studies in den Geisteswissenschaften zusammenfällt mit dem Aufstieg des Queerfeminismus. Damit einhergehend haben die meisten Menschen, die sich für „Queer“ engagieren, einen akademischen, meist kultur- oder sprachwissenschaftlichen Hintergrund.

Der Geist von 1968

Das kann man, gerade auch aus einer linken Perspektive, kritisieren. Die undogmatische westdeutsche Linke der Nachkriegszeit verfolgte ja ursprünglich einen emanzipatorischen Ansatz, der Menschen befähigen sollte, für ihre eigenen Interessen einzutreten – „Hilfe zur Selbsthilfe“ sozusagen. In der Realität wurde dieser Ansatz auch in der mittlerweile historisch gewordenen Linken von 1968 nicht konsequent durchgehalten. Tatsächlich waren es auch damals schon v. a. junge AkademikerInnen, die sich für andere einsetzten. Und es ist ja auch im Grunde nicht verwerflich, wenn sich Weiße mit Rassismus befassen, Männer über Sexismus in der Gesellschaft reflektieren und Menschen aus dem gehobenen Bildungsbürgertum sich ihre eigenen Privilegien bewusst machen – ganz im Gegenteil.

Konkurrenzkampf unter Geisteswissenschaftlern – ein unterschätzter Motor?

Allerdings unterscheidet sich das heutige Engagement in zweierlei Hinsicht fundamental von dem der Alt-68er:

  1. Damals konnten nur Privilegierte studieren. Das bedeutet auch, dass diese Leute kaum Konkurrenz hatten. Auch mit einem zeitlich extrem weit ausgedehnten, wirklich mit Muße betriebenen Studium, dafür ohne den heute üblichen Parcours an Auslandsaufenthalten, Praktika und „Netzwerken“ konnten die 68er problemlos in Führungspositionen rutschen, während junge Akademiker, insbesondere Geisteswissenschaftler heute damit rechnen müssen, sich mit unbezahlten Langzeitpraktika und „Kontakte knüpfen“, also der Anbiederung an einflussreiche Leute, auf einem vielleicht nützlich sein könnten, nach dem Studium erst einen Platz in dieser Gesellschaft erkämpfen zu müssen, zumindest, sofern sie sich nicht schon im Studium die Gunst der Professoren errungen haben und entsprechend „nach oben empfohlen“ worden sind.
  2. Da liegt es – tut mir leid, das so offen sagen zu müssen – nahe, sich auf die Minderheitenpolitik zu stürzen. Ursprünglich dazu gedacht, all jene ein bisschen zu pushen, die aufgrund von Vorurteilen sehr viel schneller, oft noch in der Schule, an eine „gläserne Decke“ stoßen, als andere, ersetzte die Förderung von Minderheiten im Laufe der 00er Jahre zunehmend die herkömmliche Sozialpolitik. Die Finanzkrise, die von 2007 bis etwa 2011 zusammen mit EU-Osterweiterung den Zugang junger Geisteswissenschaftler zum Arbeitsmarkt erschwerte und den Konkurrenzdruck erhöhte, war sicherlich ein weiterer Katalysator. Selbst in der Position der diskriminierten Minderheit zu sein, den Unterdrückten stellvertretend eine Stimme zu geben, konnte daher gerade in prekären Berufszweigen, wie z. B. in der Kultur- und Medienbranche ein wertvoller Rettungsanker sein. Daher entbehrt es auch nicht einer gewissen Konsequenz, dass der Minderheitenstatus, insbesondere, was die sexuelle Orientierung und Identität betrifft, einerseits frei wählbar sein soll (Jede und jeder darf sich damit identifizieren. Begründet wurde dies, zu recht, mit dem Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung), andererseits aber vehement nach außen verteidigt wird (Es wird erbittert darum gekämpft, wer die „queere Identität“ nun hat und wer nicht, was von außen betrachtet oft lächerlich wirkt, da nur wenige Queer-Aktivisten wirklich homosexuell sind, kaum jemand wirklich „trans“ ist, und z. B. Bisexualität (die eigentlich auch sehr selten ist), nicht zwangsläufig sichtbar und damit als genuin „andersartig“ festzumachen ist.). Es geht also nicht so sehr um die selbst gemacht Erfahrung, anders und randständig zu sein, sondern in um die Identifikation damit, die sich am eigenen Körper manifestieren soll. Der weiderum wird dadurch zum Träger des Minderheitenstatus umfunktioniert: Übergewicht, Essstörungen, Die Zurichtung des weiblichen Körpers auf die Schönheitsideale der Modeindustrie, der sich im Übrigen überraschend viele Queerfeministinnen selbst unterwerfen – sind in der queeren Szene zentrale Themen, obwohl sie gar nichts mit Homosexualität im eigentlichen Sinne zu tun haben.

Borderline-Wahrnehmungen: Schwarz-Weiß-Denken als Politikum*

Auch Borderline, bzw. „sich ritzen“, ist ein Thema im Queerfeminismus. Das hat u. a. die taz- und Spiegel-Online-Kolumnistin Margarete Stokowski immer wieder zum Thema ihrer Kolumnen gemacht. Aber geht es wirklich nur um Feminismus? Oder ist es nicht vielmehr die Borderline-Wahrnehmung die wichtig ist?

Die Psychologin Dunja Voos schreibt auf ihrer Homepage in einem durchaus wohlwollenden Artikel über Borderline:

„Typisch ist auch das Schwarz-Weiß-Denken, das so genannte Spalten. Die Betroffenen sehen andere oder sich selbst einmal als nur „böse“, ein anderes Mal als nur gut. Sie nehmen sich immer wieder anders wahr und haben ein sich schnell änderndes Selbstbild, was Psychologen als Identitätsdiffusion bezeichnen.“ (Dunja Voos, „Die Borderline-Störung – besser als ihr Ruf“, auf: „Medizin im Kontext“, 7. Juli 2016, aufgerufen am 15. Mai 2017.)

Ohne eine ganzen Subkultur unter den Generalverdacht einer psychischen Krankheit stellen zu wollen – Es wäre ganz sicher falsch, behaupten zu wollen, dass jedeR, der/die sich mit „Queer“ identifiziert, an Borderline leidet – Die Identitätsproblemtik und das Beharren auf „fluiden“ Identitätskonzepten, ebenso wie die oft plakative Einteilung der Welt in „gut“ und „böse“ legen es aber schon nahe, dass hier ein „Borderline-Lebensgefühl“ Pate steht. Erinnern wir uns an die Schwierigkeiten, die die queerfeministische, wie auch die linke Szene etwa mit der lesbisch lebenden AfD-Politikerin Alice Weidel hatte. Kann jemand mit einem so „progressiven Lebensstil“, wie es in den sozialen Netzwerken hieß, wirklich rechts sein? „Queer“ also = Minderheit = jedwede Art von Andersartigkeit = Symbol des „unterdrückt Werdens“ = links = gut? Eine Rechnung, die nicht nur nicht aufgeht, sondern so hahnebüchend naiv und simplizistisch ist, dass man sich fragt, wie ausgerechnet Frauen (und Männer), die „was mit Uni“ machen, auf einen solchen Schwachsinn kommen.

Queer- und Querfronten: Unheilvolle Allianzen

In politischer Hinsicht sollte man „Queer“ oder Queerfeminismus durchaus ernst nehmen. Einerseits sind Queerfeministinnen heutzutage von der Linkspartei über die Grünen bis hin zur SPD im gesamten linken und linksliberalen Spektrum vertreten. Das – berechtigte – Engagement für die Gleichstellung Homosexueller mischt sich mit „Queer“ als politisch aufgeladenem Lebensgefühl, Queerfeministinnen werden intensiv von den Grünen und der Linkspartei nahe stehenden Stiftungen wie dem Gunda-Werner-Institut (Heinrich-Böll-Stiftung) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Letztere setzt sich ausdrücklich auch für „Transfeminismus“ ein, also für Frauen, die sich aus feministischen Gründen als Transmänner oder Transgender definieren. Das kann man u. a. auf „Linksnet“ nachlesen, allerdings ist der Site nicht grundsätzlich frei zugänglich.

Zumindest für Berlin lässt sich leicht nachweisen, dass der Queerfeminismus neben seinem Einfluss auf das linke bürgerliche Parteienspektrum auch mit der Querfront eng verbandelt ist. Es gibt z. B. personelle Überschneidungen zwischen der queeren Szene und dem Umfeld der Zeitschrift „Junge Welt“, das wiederum einen Draht zu Russia Today Deutsch und zu den umstrittenen Friedensmahnwachen hat. Über die Mahnwachen gibt es auf Wikipedia einen ausführlichen Artikel. Sie wurden aus queerfeministischer Sicht u. a. auch auf einschlägigen Blogs wie den „Störenfridas“ diskutiert. Was die queere Szene selbst betrifft, bestehen außerdem in mehrfacher Hinsicht Kontakte zu Kreisen, in denen sowohl Thilo Sarrazin als auch Ken Jebsen geschätzt werden.

Jebsen, der auf Youtube den Vlog KenFM betreibt, vertritt relativ erfolgreich politische Nischenansichten oder – je nach Perspektive – auch „alternative Meinungen“, die z. T. eigentlich sowohl in der radikalen Linken als auch in feministischen Kreisen auf Widerspruch stoßen müssten. U. a. soll er behauptet haben, der jüdische ungarisch-amerikanische Börsenspekulant und Philantrop George Soros stecke hinter dem „Womens March“, einer feministischen Protestbewegung gegen Donald Trump. Soros wolle Frauen zum Abtreiben animieren und mit dem Embryonenmaterial Geld verdienen. Das zumindest berichtete der Berliner „Tagesspiegel“.

Es klingt wie direkt abgekupfert von christlich-evangelikalen Abtreibungsgegner in den USA. Der Ruf des Linksalternativen haftet denen bekanntlich kaum an. Allerdings sind sie nicht ganz einflusslos und traten zuletzt mit dem Mord an dem us-amerikanischen Abtreibungsarzt George Tiller „the Baby Killer“ und der Diffamierungskampagne um „Planned Parenthood“ politisch in Erscheinung. Darüber hat u. a. Tom Gogola auf „Salon.com“ geschrieben.

Personenkult & Antisemitismus – präpsychotische Wahrnehmungen?

Den Zusammenhang zu George Soros scheint Jebsen selbst hergestellt zu haben. Die fast wahnhafte Fixierung auf Soros und die jüdische Bankiersfamilie Rothschild scheint für das Querfrontmilieu, das sich übrigens selbst der Linken oder auch der radikalen Linken zuordnet, zentrale Bedeutung zu haben. Sicherlich wird niemand in Abrede stellen, dass Soros und die Rothschilds durchaus auch kritikwürdig sind. Allerdings geht es bei Jebsen und anderen Akteuren der Querfront darum, sich auf Sündenböcke einzuschießen. Eine generelle Kritik am Kapitalismus oder zumindest an dessen aggressivsten Auswüchsen würde nämlich auch andere Menschen und Institutionen – auch Nicht-Juden und nicht-jüdische Institutionen! – einbeziehen. AusbeuterInnen und gewissenlose Raubtiere gibt es schließlich überall auf der Welt und mit so ziemlich jedem religiösen Hintergrund.

Gerade weil die Verschwörungstheorien, die Jebsen und andere spinnen, oft einen klar antisemitischen Einschlag haben, wundert man sich ein bisschen um den Personenkult, den linke Blogs, wie die „NachDenkSeiten“, „scharf links“, der „Neuen Rheinischen Zeitung“ oder der „Roten Fahne“ („rotefahne.eu“. Dieses Webportal soll, wie Robin Avram in dem Artikel „Wie die Neu-Rechte die Friedensbewegung unterwandert“ auf den Seiten des RBB erläutert, trotz des „marxistisch“ klingenden Namens sogar einen ziemlichen Rechtsdrall haben.) um Ken Jebsen treiben. Einiges, was sonst v. a. auf den beiden letzteren Portalen zu lesen ist, spricht auch dafür, dass es sich bei den Antisemitismusvorwürfen, die dem Milieu gemacht werden, keineswegs um „Missverständnisse“ handelt. Zum Teil dreht sich einem ehrlich gesagt einfach der Magen um!

Alles macht sich am Körper fest. Auch die Widersprüche

Der grelle Philosemitismus, wie ihn einige Leute aus der queerfeministischen und der Transgenderszene vertreten, steht bizarrerweise in einem scharfen Kontrast dazu. Allerdings muss man dieses Milieu auch politisch als „fluid“ betrachten. Wie in jeder „Szene“ oder Subkultur setzen die Leute natürlich in ihren politischen Einstellungen unterschiedliche Akzente. Typisch sowohl für das queere Milieu als auch für die Querfront ist jedoch eine ideologische Inkonsequenz, die fast einem Yin-und-Yang-Prinzip gleicht. Man kann durchaus verbalradikal linksextrem und entschieden Kapitalismus kritisch auftreten und jedeN als VerräterIn geißeln, der oder die auch nur minimal vom eigenen Kurs abweicht, sich zugleich aber auch für den als knallharten Geschäftsmann bekannten amtierenden US-Präsidenten Donald Trump stark machen, wie es etwa Rainer Rupp getan hat. Mehr über den ehemaligen Stasi-Top-Spion erfährt man auf Wikipedia (Zugriff am 15. Mai 2017).

Vielleicht entspricht das dem Querfrontprinzip. Da zumindest einige der Queerfeministinnen aber ursprünglich aus einem gutbürgerlichen, apolitischen oder sogar eher konservativen Milieu stammen, könnte die politische Beliebigkeit, die sich offenbar hinter dem Label „linksalternativ“ versteckt, aber auch ein Reflex auf die seit den 00er Jahren zunehmend globalisierten, von harten Konkurrenzkämpfen geprägten Arbeitswelt sein. Dort sind Flexibilität und Angepasstheit immerhin Trumpf, was sich möglichst auch in einem stromlinienförmigen, auf Erfolg getrimmten Lebenslauf ausdrücken sollte.

Zudem macht sich bei „Queer“ fast alles am Körper fest, der einerseits als von der Norm „abweichender“ Körper aufgefasst wird – der dicke oder magere, bedenklich ausgemergelte Körper mit der berühmt-berüchtigten „Lücke zwischen den Schenkeln“, durch Hungerkuren, Fressanfälle und Kotzen malträtiert, ungewöhnlich groß oder klein oder gar behindert – andererseits aber der die Norm übererfüllende Körper sein soll, also der jugendliche, gesunde und belastbare, schöne, sexuell und auch sonst beneidenswert attraktive Körper. Marxistisch könnte man diese Widersprüchlichkeit auch damit auf den Punkt bringen, dass „queere“ Menschen die These und die Antithese zugleich sind – also die Synthese.

Ein interessantes Detail ist übrigens, dass auch Thilo Sarrazin sich in seinem 2010 erschienen Buch „Deutschland schafft sich ab“ an der Biologie festbiss: Dort sollten es die Gene sein, die die gesellschaftliche Stellung eines Menschen festlegen.

Diese Parallele zeigt freilich eher einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel in unserer Gesellschaft auf, alsdass beide Geisteshaltungen nachweislich inhaltlich miteinander verzahnt wären: Was ein Individuum ausmacht, ist nicht mehr sein Denken und Handeln, gemachte Erfahrungen, Wünsche, Träume, Hoffnungen, Talente und Interessen, der soziale Kontext oder – neoliberal gesprochen – auch die eigene Leistungsbereitschaft, sondern alles ist schon im Körper eines Menschen angelegt. Will sich der Mensch verändern, muss sich zu allererst der Körper verändern. Leider steckt darin nicht nur eine Verweigerung gegenüber dem monstruösen Leistungsdruck, den der entfesselte Neoliberalismus globaler Märkte aufgebaut hat, sondern auch eine Absage an die soziale Durchlässigkeit der sog. „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“, die einst als Idealbild der sozialen Marktwirtschaft gefeiert wurde.

Sputnik, die AfD & die „Reichsbürger“

Nicht ganz zufällig trifft man auf den oben erwähnten linken Blogs, die die Debatten im Querfrontmilieu widerspiegeln, einige alte „Bekannte“ wieder – die Alt-68er. Manchmal kann man sogar Artikel lesen, die aus der Feder renommierter taz-Journalisten wie Mathias Bröckers und Helmut Höge stammen.

Da auch der Name Uli Gellermann im Umfeld der queeren Szene einmal fiel, ging ich dem nach und stieß auf das deutschsprachige russische Nachrichtenportal „Sputnik“. „Sputnik“ ist, genau wie „Russia Today“, bekannt dafür, Gerüchte zu streuen und mit gezielten Desinformationskampagnen politisch, auch auf höherer Ebene, einzugreifen. Zuletzt traf es den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, wie u. a. die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtete.

Klickt man ein bisschen auf „Sputnik“ herum, fällt außerdem auf, wie viele Kommentatoren der rechtspopulistischen AfD nahe zu stehen scheinen. Irgendwann kommt man auch auf den Blog von dem „Franziskaner“, der sich mit Begriffen wie „BRD GmbH“ selbst in die Nähe der „Reichsbürger“ rückt. Zwar weist Sputnik darauf hin, dass in den Blogs nicht unbedingt die Meinung der Redaktion vertreten werde, aber es wird eben doch einem sehr breiten Meinungsbild Raum gegeben, dass auch „Alternativmeinungen“, Verschwörungstheorien und (potentiell) rechtsextremes Gedankengut umfasst.

Da auch dieses Milieu ideologisch so schwer fassbar ist und von schrägen, aber nicht unbedingt politisch extremen oder gefährlichen Meinungen bis hin zu extremistischen, auch offen faschistischen Einstellungen reicht, sollte sich jedeR selbst eine Meinung bilden. Mehr zu den „Reichsbürgern“ erfährt man auf Wikipedia.

Lockere Netzwerke statt politischer Fronten

Als eine Art Zwischenbilanz könnte man vielleicht festhalten, dass es weniger um politische Fronten geht, die aufeinanderprallen – links gegen rechts, weltoffen und liberal gegen faschistisch – und vermutlich auch keine umfassende Weltverschwörung einer neuen Rechten am Werk ist, die etwa versuchen würde, sich über „Queer“ und die Querfront ein linkes Antlitz zu geben, auch wenn es tatsächlich Versuche gibt, das Milieu von rechts zu infiltrieren. Vielmehr hat man es mit losen Netzwerken zu tun, die sich gleich einer Kette mit vielen Gliedern von links-alternativ bis rechtsextrem erstrecken und oberflächlich über bestimmte Fixpunkte, wie etwa das „Lebensgefühl“, der diffuse populistische Protest gegen die Auswüchse der Globalisierung und die Betonung des Körperhaften, zusammen gehalten werden. Dass das keineswegs konfliktfrei verläuft, machen die oben zitierten Äußerungen Patsy L’Amour LaLove deutlich. Einmal mehr in krassem Widerspruch zueinander stehen allerdings die erbitterten Grabenkämpfe um – von Außen besehen – Lappalien einerseits und die großzügige Toleranz gegenüber Rechten und Vertretern einer durchaus nicht zimperlichen Geschäftswelt, wie etwa Donald Trump, andererseits.

Pervers, psychotisch oder protofaschistisch?

Man mag mehr Selbstbewusstsein für die „Perversen und Anderen“ fordern, wie es Patsy L’Amour LaLove (siehe oben) getan hat. Allerdings drängt sich gerade auch im Hinblick auf den politisch sehr fragwürdigen Hintergrund schon die Frage auf – wie weit darf, muss dieses „Selbstbewusstsein“ gehen?

Selbst habe ich in den letzten Jahren sehr viele unangenehme Erfahrungen mit „queeren“ Menschen gemacht. „Gar nicht erst hochkommen“ lassen wollte man mich und ich sollte „sehen, dass mein schöner Körper und meine guten Noten“ mir „nichts nützen“. Den Lebenslauf wollte man mir „kaputt machen“, mal offenbar auch mich als ganzen Menschen. Ich wurde in den letzten Jahren fast permanent von adipösen und anderen „queeren“ Frauen (gelegentlich auch Männern) belauert und sexuell belästigt, gern auch auf öffentlichen Veranstaltungen oder auf der Straße verhöhnt, gehänselt und vorgeführt. Fast jede psychische Störung und menschliche Schwäche, die man bzw. frau so haben kann, wurde mir angelastet. Zum Teil wurde ich wohl auch deshalb ausgegrenzt. Mal sollte ich „mich richten“ für das, was ich angeblich „getan“ habe, mal sollte ich „meinen 40. Geburtstag nicht erleben“. Eine der Frauen wollte „meine Seele morden“, wie sie es formulierte. Ein paar mal bin ich auch physisch angegriffen und um ein Haar vergewaltigt worden – ein Mann, der endlich mal „der Macho“ sein wollte, es sich letztendlich aber glücklicherweise noch einmal anders überlegt hat. Die Frauen, obwohl angeblich so radikal feministisch, hatten dazu nur zu sagen: „Tja, wir sind halt voll pervers!“.

Auf einer sehr viel abstrakteren Ebene war man durchaus geneigt, sich mit mir gemein zu machen. Mal sollte ich den Linken und den Frauen der queerfeministische Szene, insbesondere offenbar auch den „Transmännern“ als „Inspirationsquelle“ herhalten, mal einfach „Identifikationsfigur“ für andere Frauen und „benachteiligte Menschen“ sein. Nur selbst sollte ich, wie es hieß, nichts davon haben. Natürlich fiel es mir da auf, wie häufig Äußerungen, die ich irgendwo gemacht, Thesen, die ich aufgestellt hatte, und die man mir als „neoliberal“ oder gleich „rechts“ ausgelegt hatte, plötzlich irgendwo anders wieder auftauchten – hochgelobt, natürlich als „links“ oder doch zumindest „progressiv“. Sogar der taz-Journalist, Hanf- und Querfront-Aktivist Mathias Bröckers ließ sich beispielsweise im Interview mit Ken Jebsen über die „Cosher Nostra“ und den jüdischen Mafiosi Meyer Lansky aus – Ich hatte einmal eine Ausstellung dazu im Jüdischen Museum Wien gesehen und im Hanf-Museum davon erzählt, während ich dort einen 1-Euro-50-Job machte.

So schlecht war das, was ich gesagt hatte, also wohl doch nicht. Nur sollten andere Körper offenbar die Träger dieser Gedanken und Erlebnisse sein, nur dann wwar man bereits, sie zu tolerieren, und es sollten andere Kontexte, die ich selbst im Übrigen nie im Leben unterstützt hätte, als ideeller Rahmen herhalten.

Vor ein paar Wochen wurde schließlich gehöhnt, nun solle ich „Identifikationsfigur für die Obdachlosen“ sein. Dass ich am besten „in der U-bahn betteln gehen“ solle, war mir schon zuvor von queeren Frauen an den Kopf geworfen worden. Für die Hipster aus dem Umfeld der taz und der Heinrich-Böll-Stiftung war ich die „Prolltussi“ und das „unwertes Leben“, für die queeren Frauen die „Fickmaus“, der „Samenklau“ und die „frustrierte Emanze“.

Mag sein, dass es immer Leute gibt, die sich darin gefallen, andere, schwächere mit den primitivsten Hänseleien in Grund und Boden zu stampfen. Aber so viele? So hemmungslos? So offenkundig frauenfeindlich, wohlstandschauvinistisch – rechts, zum Teil sogar faschistisch? Obwohl es doch als „links“ wahrgenommen werden soll?
Man fragt sich schon, was dahinter steckt. Geht es um die „Zupsitzung der Verhältnisse“, wie sie die Querfront (u. a. klang es bei Mathias Bröckers in einem Interview mit Ken Jebsen zu Donald Trump an) fordert? Übrigens hofft auch die neue Rechte darauf – Tabula Rasa, eine Stunde Null, um wie Phoenix aus der Asche aus den Annalen der Geschichte wieder aufzuerstehen. Vielleicht zeichnen die Entwicklungen im „Queer“- und Querfrontmilieu aber auch eher Orwells „Animal Farm“ nach – Das Umkippen eines an sich guten, gerechten Gedankens in sein Gegenteil.

„Mikroaggressionen“ & offener Psychoterror – der Ceausescu-Effekt:

Das wäre dann sozusagen der Ceausescu-Effekt: Etwas, das eigentlich mit dem Anspruch angetreten war, die bessere Gesellschaft formen und das Edelste im Menschen hervorbringen zu wollen, ein Reformer, der dialogbereit erschien und versprach, totalitären Auswüchsen entgegenzuwirken, schließlich eine der brutalsten Formen des sog. „Realsozialismus“ überhaupt, ein Beinahe-Faschismus.

Wenn Patsy L’Amour im Berliner „Tagesspiegel“ über Sprechverbote und „Mikroaggression“ berichtet:

„Kürzlich wollte Till Amelung, der in „Beißreflexe“ über den queeren Gewaltbegriff schreibt, das Buch im InterTrans-Referat an der Universität Marburg vorstellen. Ein queerer Aktivist intervenierte mit der Begründung, Till, das Buch und das Referat seien verletzend. Da sollen ziemlich aggressive Mittel angewendet und emotionaler Druck ausgeübt worden sein.“ (Patsy L’Amour LaLove, Art.: „Sprechverbote in der Queer-Szene“, in: Tagesspiegel vom 01. April 2017)

… dann bringt das das Autoritäre, fast Totalitäre und die bizarre Hierarchisierung von „Opfer“ (oben) und „Aggressor“ (unten), denen die Szene offenbar anheim gefallen ist, treffend zum Ausdruck.

Mit zweierlei Maß messen – eine Frage der Fairness?

Nüchtern betrachtet finde ich nicht, dass Menschen, die Nachsicht für ihr Gemobbe und ihre Gehässigkeiten anderen gegenüber verlangen, das Recht haben, zu fordern, man solle auch nur ja vorsichtig sein, dass man ihnen nicht etwa irgendeine „Mikroaggression“ entgegenbringe. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit? Ist es schon eine unverzeihliche, unter gar keinen Umständen hinnehmbare „Verletzung“, wenn man die Leute nicht hoch genug auf ein Podest stellt? Wenn man sie nicht frenetisch genug beklatscht und in jedweder Lebensregung vorbehaltlos bestätigt? Darf man oder frau dann nicht mehr auf einer Welt mit ihnen leben, weil sie sich ansonsten eventuell „traumatisiert“ fühlen könnten?
Ist der Vorwurf der „Mikroaggressionen“, mit denen solche Leute angeblich malträtiert werden, in solchen Fällen nicht eher eine Drohgebärde, ein Mittel, das letztlich der Einschüchterung anderer Menschen dienen soll?

Ob man nun in „Queer“ ein Biotop für kreative Künstlertypen sieht, ein Labor für den Lebensstil der Zukunft oder ein paar schräge Vögel, von denen einige vermutlich ernsthafte Probleme haben – eigentlich ist es nur eine Subkultur, deren Angehörige zumeist sogar aus den höheren Gesellschaftschichten stammen. Das natürliche Lebensumfeld von „Queer“ ist jedenfalls die Uni oder der hippe Club im angentrifizierten Szene-Viertel. Am Hungertuch nagt in der queeren Szene kaum jemand.

Wenn ausgerechnet solche Leute „parteiisch“ bevorzugt werden sollen, dann ist das letztendlich nicht viel mehr als „Empowerment“ für das gehobene Bildungsbürgertum, inhaltlich, vom Anspruch her nicht mehr weit von den Forderungen Thilo Sarrazins entfernt. Und grundsätzlich ist die Frage ja auch, ob man Menschen unbedingt zu kleinen Diktatoren stilisieren muss, die anderen ihren Willen aufzwingen. Ist der Schritt in eine richtige Diktatur dann nicht irgendwann auch naheliegend? Zumindest dürfte es dazu führen, dass die Akzeptanz für autoritäre Verhaltensweisen, für Willkür und soziale Ungerechtigkeit wächst. Die Frage ist, ob es das wert ist.

Ein Lackmustest für die demokratische Gesellschaft

Der Lackmustest, mit dem man problemlos jedwede Forderung daraufhin abtesten kann, ob sie legitim ist, ist ja immer, die Verhältnisse einfach umzukehren. Oder, im Klartext, „Was ist, wenn ich es mit dir auch mal so mache?“ Was wäre, wenn man jetzt „queere“ Menschen in der U-Bahn betteln gehen oder schlicht verhungern lassen würde, weil es ja „bei denen ja nichts macht“? Wenn man sie pausenlos anmachen, verhöhnen und vorführen würde? Wenn sie, anstatt dass sie besonders zuvorkommend behandelt würden, überall verscheucht würden, weil man sich „mit ihnen nicht wohlfühlt“? Was wäre, wenn man „queere“ Menschen zu Sündenböcken für jede Laus, die jemand anderem über die Leber läuft, machen würde? Wenn man sie, anstatt dass man sie extra fördert, ausbeuten und gezielt in die Verelendung treiben würde? „Tja, andere haben sich das ja auch nicht so ausgesucht!“. Genau das sagt man ihnen dann eben auch.

Eine Demokratie lebt davon, dass es verbindliche Regeln gibt, an die sich jedeR gleichermaßen halten muss. Dafür sollen im Idealfall auch alle Menschen gleiche Chancen haben. Nicht umgekehrt. Sicherlich lässt sich für eine begrenzte Zeit das Maximum für sich selbst herausholen – ohne Rücksicht auf Verluste. Aber ich glaube nicht, dass nur mit Hass, Terror und Unterdrückung auf Dauer irgendein Staat zu machen ist. Die Lektion hat noch jeder Diktator irgendwann lernen müssen. Für Nicolae Ceausescu kam sie übrigens zu spät.

 

My Story: Die konservative Revolution (Part IV)

Iiieh! Die Lesbe!

Als Dunja* und ich nach dem Sport unter der Dusche standen, glaubte ich zunächst, mich verhört zu haben. „Iiieh! Die Lesbe!“. Dann das Kleinmädchengekicher, von dem ich wusste, dass es von erwachsenen, wenn auch jungen Frauen kam. Es war nicht das erste Mal. Seit geraumer Zeit wurde ich von jungen Frauen belästigt. Manchmal bissen sich geradezu Blicke an meinem Hintern fest. Waren es immer diesselben zwei, drei Tussen? Ein blondes Fashion Victim, ein paar Jahre jünger als ich. Ein paar Tage nach dem Vorfall traf es mich im Bus. Das Blondchen stieg mit einer Freundin ein und tänzelte mit dem Gang. Sie lächelte, ich lächelte unsicher zurück. Da brach die Blonde in ein hysterisches Gackern aus: „Iiieh! Die Lesbe steht auf mich!“

Irgendwie konnte ich mit niemandem so richtig darüber reden. Dunja kannte ich kaum. Sie war so ganz nett, aber wir wurden nicht wirklich warm miteinander. Einmal traf ich Ronja*, mit der ich einmal gut befreundet gewesen war. Vielleicht hätte Ronja das Problem verstanden. Da sie groß und sportlich war, hatte sie öfters mal was zu hören gekriegt. Das hatte sie mal erzählt. Ronja sah nicht gut aus. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sie keinen Kontakt zu mir wollte. Wir sahen uns viele Jahre nicht mehr. Allerdings habe ich auch sie in Berlin wieder getroffen.

Ich machte eine Therapie. „Vermutlich sind Sie bisexuell.“ Als Diagnose meiner sexuellen Orientierung traf mich das wie ein Schlag. „Nein. Ich bin nicht lesbisch.“ sagte ich entschlossen. Ich hatte damals zwei Affairchen nebeneinander laufen. Hochzeitsglocken wie bei meinen Freunden läuteten bei mir nicht, nicht einmal irgendwo an einem fernen Horizont. Ich fühlte mich unfähig als Frau. Eine, die niemand haben will. Aber lesbisch – Das nicht! „Nein, lesbisch sind Sie sehr wahrscheinlich nicht. Demnach, was Sie sagen, spricht nichts dafür. Aber bisexuell. Sehen Sie es positiv!“ hieß es in der Therapie.

Ein knallhartes Karriereweib! Welche denn?

Ehrlich gesagt, ich wollte es nicht positiv sehen. Mir klingelte noch die Situation in der Cafeteria in den Ohren. Michaela Schwartzkopf*, eine Kunstgeschichtsdozentin hatte dort mit einer Historikerin, die am Lehrstuhl einer feministischen Geschichtsprofessorin arbeitete, gesessen und mir einen langen Blick zugeworfen. „Die Phunk.“ hatte sie der anderen zugeworfen. „Das ist so eine knallharte Karrierefrau.“ Es hatte ziemlich abwertend geklungen.

„Karriereweib“, „Lesbe“, „Igitt!“ drehte es sich in meinem Kopf. Leider konnte ich damals nicht in die Zukunft schauen. Und ich wusste auch nicht, wie angesagt Queer in Berlin wahrscheinlich schon zu der Zeit war. Zwar hatte ich Kunstgeschichte und damit ein sehr konservatives Fach studiert, noch dazu in einer kleinen Stadt, die von einem prüden, spießbürgerlichen Katholizismus geprägt war. es hatte immer schon Bemerkungen zu meiner sexuellen Orientierung gegeben. Allerdings war ich nie so aggressiv angegriffen worden.

Das Spiel mit der Identität

In Berlin ist das gleiche Spiel – Belästigen, Schimpfwörter hinterherrufen – ja auch mit mir gespielt worden, nur dass dann angeblich ich immer die Homophobe oder ganz allgemein „die Diskriminiererin“ war. Was wenn es damals schon das gleiche Spiel war? Hier hetzte einmal eine ältere Frau, sie wollten mir „das austreiben“. Was, wenn es mir schon damals „ausgetrieben“ werden sollte? Zumindest habe ich mich über die dicken Frauen aus Berlin gewundert, die plötzlich in der kleinen Stadt zu Besuch bei den Kunsthistorikerinnen waren, die am Lehrstuhl für Frauen- und Genderforschung promovierten (siehe: My Story (Part III)). Was ist, wenn jemand schon damals in Berlin fleißig erzählt hat, ich sei eine ganz Homophobe, eine richtig fiese Frau? Vielleicht sogar jemand, der hippe Frauen wie Silvia Fehrmann und Carolin Emcke kennt, die im Kulturbiz viel zu sagen haben? Vielleicht sind mir schon damals alle möglichen negativen Eigenschaften und Missetaten anderer Frauen in die Schuhe geschoben worden? Immerhin weiß ich JETZT, wie hart umkämpft dieser Queer-Sektor ist, v. a. im Kulturbereich, und mit wie unfairen Bandagen gekämpft wird. Ob es aber wirklich so war und wenn, wer genau mir das Leben hier zur Hölle gemacht hat oder zumindest den Anstoß dazu gegeben hat, weiß ich nicht. Nur dass sehr oft Leute von früher in meiner Umgebung aufgetaucht sind, auch KunsthistorikerInnen. Sogar dass ich für die taz geschrieben hatte, wusste man. Aus Nürnberg erreichte mich eine E-Mail von Julia Dörr*, die auch bei Frau Prof. Dr. Schulze-Lehmann am Lehrstuhl für Frauen- und Genderforschung promoviert hatte. Julia, die zufällig den gleichen Namen* wie eine meiner Schulfreundinnen hat, war eigentlich ganz nett. In ihrer E-Mail fragte sie auch nur freundlich an, ob ich, da ich ja für die taz schreiben würde, vielleicht auch ihre Projekte wohlwollend beschreiben könnte. Ich musste Julia Dörr wahrheitsgemäß antworten, dass ich bei der taz niemanden kannte und ihr deshalb wohl nicht helfen könnte. Tatsächlich hatte ich dort nur Artikel hingeschickt und mein Ausflug in den Journalismus war auch nur von kurzer Dauer. Dass Julia davon wusste, jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken.

Ertappt!

Irgendwie „homo“ zu sein, erfüllte mich damals im Südwesten auch nicht gerade mit Freude. Es stimmte, dass ich anno 1997 mal in die Fänge einer Lesbe geraten war, nicht in der Stadt, in der ich studiert hatte, die Kunsthistoriker konnten es nicht wissen, genau genommen konnte es niemand aus meiner Vergangenheit wissen. Ganz unschuldig war ich auch nicht. Vermutlich trifft es „williges Opfer“ besser. Carmen* hieß sie, sinnierte ich, wie die dicke Carmen von den Kunsthistorikern (siehe: My Story (Part I)) Nur dass die andere groß und schlank gewesen war. So eine Carmen hatten Freunde von mir auch mal angeschleppt. Ich glaube, das war 2003. Ob diese Frau lesbisch war, weiß ich nicht. Ich glaube, es war eine Wissenschaftlerin, auch Feministin, wie ich mich erinnere. Ich fand sie erst sehr nett. Ein paar Tage später traf ich sie zufällig wieder an der Uni. „Hallo Carmen!“ rief ich fröhlich. „Ja. Tag.“ antwortete die Frau kurz angebunden. Ich guckte irritiert. Dann sah ich Heike*, die mit diesen Freunden von mir, die Carmen eingeführt hatten, und die ich aus meiner Arbeit für eine multikulturelle Initiative kannte, befreundet war. Heike war irgendwo wissenschaftliche Mitarbeiterin, Germanistik, glaube ich. Die stämmige kleine Frau grinste triumphierend und zog mit Carmen ab. Später arbeitete Heike übrigens mit den Kunsthistorikerinnen, die am Lehrstuhl für Frauen- und Genderforschung waren, zusammen. Die Uni war eben sehr klein. Noch viel später sollte ich ihr in Berlin wieder begegnen. Wie meine Freundin Ronja* lebt auch Heike* mittlerweile lesbisch. Carmen habe ich nie wieder gesehen. Keine der drei. Der Name ist wohl kein gutes Omen für mich!

Auf Wiedersehen in Berlin?

Außerdem war da Anja* gewesen, eine Bekannte von meinem Kumpel Tom*. Stimmt, die fand ich sehr hübsch. Eines Tages guckte mich Anja angeekelt an. In ihrem Blick lag Verachtung. Stimmt, schon damals schoß es mir für ein paar Momente durch den Kopf: „So eine blöde Birkenstockkuh bin ich ja wohl nicht!“. Dabei war ich mit einer lesbischen Frau befreundet gewesen. Dass sie lesbisch war, kam nur heraus, weil ein Freund von mir sich in sie verliebt hatte. Irgendwann zog sie in eine andere Stadt. Nach der Sache mit Anja beruhigte ich mich mit Michael*, einem Kunsthistoriker.

Eine Frau, die glatt ein Double von Anja sein könnte und interessanterweise auch aus der gleichen Stadt kommt, der Stadt, in der ich studiert habe, nämlich, ist heute übrigens in der queeren Szene in Berlin eine große Nummer. Was für ein Zufall!

*Alle Namen geändert.

Alice Weidel und die Linken: Eine Frage nach Identifikation oder Prinzipientreue?

Die deutsche Linke arbeitet sich immer noch an Alice Weidel ab. Eva-Maria Tepest fordert auf Missy-Magazine.de Solidarität mit Queers of Color, Transpersonen und wirtschaftlich Abgehängten. Tanja Witte schreibt in ihrer Kolumne auf Zeit.de: „Dr. Alice Weidel: vorzeigeblond, vorzeigedeutsch, vorzeigeerfolgreich, vorzeigelesbisch? Ups. Immerhin zieht sie mit ihrer Lebensgefährtin zwei Kinder groß. Auch angesichts dessen ist Weidels Kampf für eine Partei, aus der heraus Homosexuelle in der Vergangenheit als „degenerierte Spezies“ diffamiert wurden, schwer zu verstehen.“ Dabei sind sowohl Tepest als auch Witte Akademikerinnen, „vorzeigedeutsch“ passt auf sie beide genauso gut wie auf Alice Weidel. Das muss man wissen, z. B. wenn man genauer verstehen will, was „wirtschaftlich abgehängt“ meint. Das drückt sich nicht unbedingt in Zahlen, in dem, was einem an Geld im Monat zur Verfügung steht, aus. Arm ist nicht gleich arm. In der Linken gibt es immer verschwurbeltere Konzepte, wer genau sich als „prekär“ und „abgehängt“ verstehen darf: KünstlerInnen, Bohème-Stars, Vorzeige-Hipster des Berliner „arm-aber-sexy“-Glamour: ja, andere AkademikerInnen: eher nicht – haben sie nicht immer noch ihre Bildung? Immerhin gab es durchaus Forderungen im Queerfeminismus, Frauen müssten zum Wohle anderer Frauen ausgebeutet werden. Ich erinnere mich noch genau an „Sie hat vielleicht die guten Ideen – aber doch nicht die Mittel, um sie umzusetzen.“, dass ich in der U-Bahn betteln gehen sollte – „Ja, andere Menschen müssen das doch auch!“, die ganzen Demütigungen, Homophobie, Frauenhass, der als vermeintliches „lesbisches Selbstbewusstsein“ verkauft wurde – sogar dann, wenn er von Männern kam, das gestohlene Tagebuch, wie mensch mir immer wieder nachweisen wollte, „queer“ sei doch nicht für mich, ganz im Gegenteil: homophob sei ich doch, das Gerede von der „gemeinsamen Wurzel“: Homophobie, Antisemitismus, Rassismus.

Klar, ich selbst kotze, wenn ich das Wort „Queerfeminismus“ auch nur höre. Sorry, tut mir leid, gebranntes Kind. Ich denke aber, das – etwas aufgesetzt wirkende – Gebot der Solidarisierung und das schmallippige Aufrechnen, wer genau denn nun Solidarität verdient hat, sind nur zwei Kehrseiten einer Medaille. Und es erklärt, warum die deutsche Linke sich so schwer mit Alice Weidel tut. Einerseits ist „Queer“ so falsch wie der Smalltalk auf einer Champagnerparty in einem der todschick renovierten Kreuzberger Hinterhöfe: Mal kann mensch sich das aussuchen, auffällig oft „spätberufen“, auffällig oft erst geoutet, als es Karriereoptionen eröffnete: Willkür, das in der Debatte um Alice Weidel vielbeschworene „Lebensgefühl“. Da überrascht es auch nicht groß, als nach dem Medienhype um die falsche Schwarze Rachel Dolezal vereinzelt sogar gefordert wurde, man solle sich auch die Hautfarbe aussuchen können. Das wirkt so kleinkrämerisch und auf den eigenen Vorteil bedacht, wie der ganze Minderheitendiskurs. Immerhin muss man bedenken, dass es WEIßE waren, die sich aussuchen können wollten, auch SCHWARZ sein zu dürfen: ein ziemlich perverser Reflex auf die Minderheitenförderung: Das sollte nicht nur denen zustehen, die wegen ihrer Hautfarbe benachteiligt werden. Wenn es spezielle Chancen für Schwarze gibt, sollten sie auch Weißen zustehen. Ungerecht, wenn mensch sich das nicht „selbstbestimmt“ für sich aussuchen kann. Ungerecht dann vielleicht auch, wenn sich nicht jedeR ebenso „selbstbestimmt“ als „arm“ „definieren“ darf.

Andererseits muss dann eben abgewägt werden, wenn kann man sich gedanklich nicht doch reich rechnen (zumindest in einer kulturellen Pespektive)? Wer ist vielleicht eine Frau, hat aber so wirklich Schutz vor Sexismus nicht verdient? Wen darf man ruhig mal homophob anpöbeln? Wer könnte einem selbst die Butter vom Brot nehmen oder aber ist so lächerlich schwach, schutzlos und vereinzelt, dass Mitgefühl nicht unbedingt nötig ist? Das möchte mensch eher Kollektiven („Queers of Color“, …) entgegenbringen, eher auf der abstrakten Ebene, mit großer Geste.

Dabei werden gerade solche Leute mit ihrem flexibel gehaltenen Schwarz-Weiß-Denken („arm dran“ – „Mitgefühl“, „Solidarität“, „doch nicht so arm dran“ – „kein Mitgefühl“, „keine Solidarität“) schnell an ihre Grenzen stoßen: Es gibt ja sogar Muslime die Front National wählen, zum Teil, weil sie gegen die Ehe für alle sind (homophob, leider!) und konservative Werte vertreten sehen wollen, zum Teil auch aus dem gegenteiligen Grund: weil sie gegen die Burka sind, mehr Laizismus, weniger religiösen Eifer wollen. In Deutschland ist es u. a. der Popsänger Xavier Naidoo, der unverhohlen mit dem rechten Rand kokettiert – obwohl er sichtbar „Man of Color“ ist.

Dass Minderheiten, ebenso wie Hartz-IV-Empfänger, Geringverdiener und Frauen nicht zwangsläufig mit linkem Gedankengut sympathisieren, ändert nichts an der Tatsache, dass Diskriminierung real existiert. Homophobie, Rassismus, Ausländer- und Frauenfeindlichkeit treffen Homosexuelle, People of Color, MigrantInnen (oder auch solche, die dafür gehalten werden) und Frauen – unabhängig von ihrem ideologischen und kulturellen Background. Einzusehen, dass die Antidiskriminierungsdebatte vom linken „Lebensgefühl“ losgelöst werden muss, wäre ein Lerneffekt, den man aus der Affaire um Alice Weidel ziehen könnte. Es geht eben gerade nicht darum, mit was sich, die, die derzeit die Minderheitendiskurse dominieren, gern identifizieren möchten, weil es zum eigenen Lifestyle und zur eigenen Identität, zum eigenen Selbstverständnis passt, sondern schlicht darum, etwas gegen Diskriminierung zu tun. Wer das bespöttelt, obwohl er oder sie vielleicht selbst betroffen ist, dem (oder der) ist eben nicht zu helfen. Gerade das aber, die formale Gleichbehandlung aller Menschen, Anti-Diskriminierungsarbeit als Prinzip, das gesamtgesellschaftlich verankert werden soll, wäre eigentlich ein linkes Heimspiel.

Ausgekotzt! Eine Abrechnung mit dem Feminismus

Wenn Deutschland, nein, die Welt – „Let’s think big!“ – dem Feminismus ein Gesicht geben würde – welches sollte es sein? Alice Schwarzer? Nein, zu alt, zu sehr lila Latzhose, als dass sich junge Frauen damit identifizieren könnten. Alice Weidel? Hm. „Progressiver Lebensstil“, wie im Internet mehr als einmal angemerkt würde – Weidel lebt ja mit einer Frau zusammen -, ist aber eben doch zu unverhohlen rechts. Laurie Penny? Nö, die sieht nicht ganz so gut aus. Da könnten die Hipster lästern. Carolin Emcke? Alice Weidel in links, die Synthese von „progressivem Lebensstil“, Geld, Macht und der richtigen Einstellung – also schon besser. Tucké Royal? Jayrome C. Robinet? Glamstars der Berliner Theaterszene, „Transfeminismus“ at it’s best, das Umfeld von Linkspartei und „Junger Welt“ dürfte jubilieren: Männlichkeit, die aber eigentlich weiblich ist oder umgekehrt, das Verwirrspiel der Geschlechter halt. Oder doch lieber jemand wie Ivanka Trump? Gutaussehend, erfolgreich, intelligent, selbstbewusst. Da ist nur das Problem Papa Trump. Der ist zwar noch mächtiger als Carolin Emcke, als Inbegriff des Turbo-Kapitalismus und amtierender worst-case-US-Präsident allerdings nicht jedermans/-fraus Geschmack. Obwohl mensch das drehen könnte. Immerhin hat sich sogar Ex-Stasi-Topspion Rainer Rupp für Donald Trump stark gemacht, wie man auf Wikipedia nachlesen kann – (Zugriff am 02. Mai 2017) und der – Rupp, nicht Trump – schreibt für die „Junge Welt“ und tritt auch schon mal bei RT Deutsch und KenFM auf. So schließt sich der Kreis. Und so gesehen liegt etwa die Spiegel-Online-Kolumnistin und Queerfeministin Margarete Stokowski vollkommen falsch: Ivanka Trump wäre geradezu die ideale Verkörperung des zeitgenössischen Feminismus! Fast jedenfalls. Und ich gebe zu: das habe ich jetzt auch ein bisschen gedreht.

Feminismus auf die Spitze getrieben

Die ideale Feministin – wenn ich sie am Reißbrett entwerfen könnte – sieht, klar, verdammt gut aus. Sie ist total intelligent, künstlerisch begabt, d. h. sie schreibt, malt, schauspielert, tanzt und performt mit großem Erfolg. Im Grunde ist sie sogar selbst ein einziges großes Gesamtkunstwerk. Sie hat ziemlich viel Kohle, nur dass sie trotzdem „arm-aber-sexy“ lebt. Natürlich ist sie links, aber irgendwie auch rechts. Nur dass man ihr letzteres nicht nachsagen darf. Lieber so Dinge, wie, dass sie Humor und Esprit hat, das gewisse Etwas – Je-ne-sais-quoi – eine lebendige, sinnliche Art, die Männern den Kopf verdreht. Pech! Denn sie steht natürlich auf Frauen, die sie ihrerseits aber eben ganz selbstverständlich – als sei es das Natürlichste der Welt – als „den männlichen Part“ wahrnehmen. Deshalb überlassen sie ihr auch instinktiv die Rolle der Anführerin, machen die Care-Arbeit – gern, ja selbstbestimmt! Dabei ist die ideale Feministin selbst alles andere als perfekt. Sie leidet an einer Essstörung. Vielleicht ritzt sie sich auch.

… nicht nur für privilegierte Frauen

Stimmt schon. Die ideale Feministin ist bloß eine Karikatur des Queerfeminismus, eine scharfe, polemische Überzeichnung. Dabei finde ich eigentlich nicht falsch, was Margarete Stokowski schreibt:

„Für mich bedeutet Feminismus, sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten haben sollen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität und ihrem Körper, und damit es so weit kommt, müssen wir einiges umstürzen. Für andere bedeutet Feminismus etwas anderes, und wenn Ivanka Trump Feministin ist, dann muss man in Zukunft eben noch genauer sagen, ob man einen anarchistischen, evangelischen, veganen oder sonst irgendeinen Feminismus vertritt, oder die maximale Bullshit-Variante, bei der es nur darum geht, privilegierten Frauen das Leben noch einen Tick geiler zu machen.“ (Margarete Stokowski, Art. „Der Bullshit-Feminismus“, Spiegel Online, 02. Mai 2017.)

Ausbeutung 2.0: Jammern auf hohem Niveau?

Es ist aber auch nicht falsch, was Silvia Follmann z. B. über Ausbeutung in der Kreativbranche auf Edition F schreibt:

„Wir reden hier von Arbeitssituationen, in denen jungen Menschen weisgemacht wird, wenn sie einmal im Monat auf eine hippe Party kommen, bei der sie sich drei Gläser Champagner umsonst reinhauen dürfen, dann ist das irgendwie auch Teil der Bezahlung. Super, vielleicht gibt’s ja auch ein paar Gemüse-Sticks, dann knurrt der Magen wenigstens nicht so laut unter den teuren, von den Eltern bezahlten Klamotten.“ (Silvia Follmann, Art. „Ausbeutung im Job. Wenn Selbstverwirklichung zur Selbstverarsche wird“, Edition F, 27. Jan. 2017.)

Es ist nur so: Es hat mit der Lebenswirklichkeit vieler Frauen nicht so sehr viel zu tun. Ebenso wenig wie Ivanka Trump. Und das ist das Falsche daran. Queerfeminismus kommt irgendwie manchmal fast genauso elitär rüber, wie Juristinnenblüßchen in Babyrosa an Perlenkettchen mit Hermès-Täschlein, um hier noch ein weiteres Feindbild zu skizzieren. Obwohl Queerfeminismus ja der Gegenentwurf zu all dem elitärem Denken und der abgehobenen Hochnäsigkeit des Establishments sein soll.

Borderline – eine Gesellschaft an ihren Grenzen

Außerdem geht es zu sehr um Essstörungen, sich Ritzen, Borderline. Und das – gerade das Engagement für psychische Kranke, schwache Menschen – ist paradoxerweise sogar ein Katalysator für das elitäre Denken und das ideologische Larifari, die Beliebigkeit, mit der hin- und hergewechselt werden kann: zwischen links und rechts, zwischen einem konservativen Rollenverständnis (Mann-Frau, „Transmann“ – Frau/“Weibchen“) und dem Anspruch ebendas aufzubrechen, zwischen einem rigorosem, verbalradikalen Neokommunismus oder Anarchismus und dem Selbstverständnis als intellektuelle Führungsschicht, als soziale Avantgarde.

„mit Biss“ oder schlicht antisozial?

Als ich auf Spiegel Online las, dass der FBI-Profiler Joe Navarro Leute, die sich darüber lustig machen, dass andere „sich an die Regeln halten“, als Psychopathen einstuft, stolperte ich darüber erst einmal. Genau das war mir ja als neue, ideale Weiblichkeit vorgeführt worden: freche Frauen, die sich nehmen, was sie wollen – „wie ein Mann“, ohne Rücksicht auf Verluste; Frauen, die „Biss haben“, sich durchsetzen können, obwohl sie eigentlich trotzdem diejenigen sind, die zu kurz kommen und daher von der Gesellschaft den Rücken gestärkt kriegen müssen …

„Prinz“ & „Opfer“ zugleich

Navarro, der allerdings kein Psychologe ist, stuft jedoch nicht nur die dissoziale Persönlichkeit (also „Psychopathen“) als problematisch ein, sondern auch Narzissten, Paranoiker und „emotional-instabile“ Persönlichkeiten (Formenkreis Borderline). Über die „emotional Instabilen“ heißt es in der Checklist, die dem Spiegel-Online-Interview mit Navarro beigefügt ist, dass sie „Prinz“ und „Opfer“ zugleich sein wollen. Und dass man bzw. frau sich in ihrer Gegenwart irgendwie ständig im Unrecht, in der Defensive fühlt. Man bzw. frau verliert selbst drastisch an Selbstsicherheit, das eigene Selbstwertgefühl sinkt in den Keller – und dabei ist es doch das Gegenüber, das so unglücklich ist …

„Nach ein paar Stunden mit ihm fühlen Sie sich, als stünde Ihre Welt Kopf.“ (Checklist von Joe Navarro, „Hinweise auf instabile Persönlichkeiten“, Spon-Interview „Jeder kennt einen Psychopathen“, das Gesa Mayr mit Joe Navarro führte, veröffentlicht am 14. April 2014 auf Spiegel Online.)

emotionale Misshandlung als weibliche Form der Aggression

Navarro stellt klar, dass viele Menschen an sich möglicherweise einzelne Facetten problematischer Persönlichkeitstypen feststellen. Ab 15 Treffern auf der Checklist müsse man (oder frau) sich jedoch ein paar Fragen stellen, ob man (oder frau) nicht vielleicht ein Charakter mit Ecken und Kanten ist, der es anderen nicht immer leicht macht. Allerdings lässt der FBI-Profiler auch durchblicken, dass sehr wahrscheinlich fast jeder schon einmal einem Psychopathen begegnet ist. Frauen neigten eher zu emotionalen Misshandlungen, Männer dagegen würden meist offen aggressiv auftreten und daher auch schnell im Knast landen – ein Indiz, das sie leicht als „antisozial“ oder zumindest im Konflikt mit gesellschaftlichen Regeln erkennbar werden lässt.

Emotionale Misshandlungen scheinen dagegen auf den ersten Blick sozial akzeptabler zu sein: Mobbing, psychische Manipulation, emotionale Erpressung, gezieltes Lügen, das meiner Erfahrung nach gern auch als „Notlüge, weil er oder sie sich doch so klein gefühlt hat und sich einfach ein bisschen interessant machen wollte“ schöngeredet wird. Das zumindest sind einige Kriterien, die Dr. Heinz Golling auf seiner Homepage unter dem Label „emotionaler Missbrauch“ anführt.

Sicher, genau wie nicht jeder, der mal ein bisschen aufschneidet gleich ein grausamer (und potentiell gefährlicher) Narzisst ist, ist nicht jede gehässige Zicke automatisch eine Psychopathin. Dennoch muss man (oder besser gesagt frau) sich fragen: cool oder voll daneben? Muss so etwas wirklich nicht nur toleriert, sondern am besten auch noch explizit gefördert werden?

Linke, die auch rechts sein können

Nicht jedenfalls, dass man den Leuten etwas Schlechtes nachsagt. Queer ist links, Trans ist links, so das Mantra, das einem in den letzten Jahren immer wieder eingehämmert wurde. Soll man denken. Muss man denken. Nur entspricht es nicht dem, was man tagtäglich erlebt. Dafür berichtet der aus Marokko stammende Journalist Mohamed Amjahid in seinem Buch „Unter Weißen“ von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in der queeren Szene. Das wirkt fast wie ein Exklusiv-Report aus dem Untergrund, einer nur Eingeweihten zugänglichen Welt. Amjahid, der – so der Eindruck, der beim Lesen entsteht – eigentlich der queeren Szene selbst eher wohwollend gegenübersteht, hat offenbar auch Druck erfahren. Der LSDV soll ihm sogar „eine Berichterstattung“ (…) „wie in der ‚Jungen Welt‘ oder der ‚Jungen Freiheit'“ vorgeworfen haben.*

Denkverbote als Eigentor

Darf man also nicht denken. Aber warum eigentlich nicht? Alice Weidel, Milo Yiannopoulos, Jack Donovan und viele mehr laufen unter dem Label „Queer“, sind aber stramm rechts. Man kann keine Gütesiegel für Menschen verhängen! Dass man feststellt, dass es in dieser oder jener sozialen Gruppe Personen gibt, die man beim besten Willen NICHT als links wahrnehmen kann, bedeutet ja nicht, dass man ALLEN unterstellt, sie seien rechts. Und es bedeutet auch nicht, dass man bestimmte Leute als „rechts“ an den Pranger stellt, obwohl sie das in Wirklichkeit gar nicht sind. Genau das machen aber im Übrigen einige Leute aus der queeren Szene sehr gern …

Mut zu Zwischentönen!

… denn sie können es sich ja leisten. Das ist ein schwarz-weißes Borderline-Denken, in dem es nur „gut“ oder nur „schlecht“ gibt, dafür aber ein- und dieselbe Person eben „Prinz“ oder „Prinzessin“ und „Opfer“ zugleich sein kann; Linke, die durchaus auch rechts sein dürfen, sofern sie eben irgendwie „queer“ sind, Reiche, die arm sind oder sich zumindest so fühlen und umgekehrt. Und so weiter.

Da dreht sich einem wirklich der Kopf. Irgendwie muss das nicht sein. Auch Queerfeminismus ist nicht alternativlos. Was, wenn es ihn umso interessanter machen würde, wenn er nur noch EINE Alternative VON VIELEN wäre? Oder, mit anderen Worten, die ideale Feministin gibt es nicht. Und das ist auch ganz gut so.

*Mohamed Amjahid: „Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein“, Hanser-Verlag, Berlin 2017, S. 115 ff.

**Ach übrigens: selbst kam ich auf den Navarro-Checklisten auf: 5, 4, 19, 11 Punkte. Die 19 bei Paranoia habe ich aber denen zu verdanken, die in Punkto Narzissmus, dissozialer Persönlichkeit & emotional-instabiler Persönlichkeit auf deutlich mehr Treffer kommen (irgendwie provoziert das ganze Auflauern („irre machen!“), Anlügen, Angst einjagen, Verarschen & Verwirren das. Merkwürdig nicht?!). Ach so, und die 4 dissozialen Punkte haben mir eingebracht dass ich – na ja Ines Pohl vergewaltigt habe (zumindest haben die Hipster das ja behauptet, wahlweise war auch eine andere, unbekannte Frau mein Opfer.) und wegen des Kinderpornos, mit dem mein Blog verlinkt wurde … Nein, nein – so einfach ist das nicht. Die wilde Jugend ist schuld. Wenn die Leute, die sich chronisch als Opfer fühlen, dennoch zu mir etwas mehr auf Abstand gehen würden, wäre mir das allerdings – nun ja – nicht ganz unrecht. Spaßeshalber habe ich nämlich auch mal andere, mit denen ich zu tun hatte, durchgecheckt: Das Maximalergebnis (also die größten A… geigen): Narzissmus: 58, dissoziale Persönlichkeit 52 Treffer. Ist zwar meine Wahrnehmung, aber zT haben die Leute sich ja sogar damit gebrüstet und das als cooles, selbstbewusstes Verhalten verkauft (siehe Text). Also dann: Cheers! 😉

Umgekehrt

Nach Liste oder nach Gefühl?

„Ich hatte recht. Sie haben sich geirrt. Also gehen Sie jetzt bitte weg von dem Computer!“ sagte die ältere Frau freundlich, aber bestimmt. Sie hatte sich zur Verstärkung eine der Bibliothekarinnen geholt, bei denen man in eine Liste eintragen lassen konnte, um kostenlos die bibliothekseigenen Computer und Internet nutzen zu können. Ich hatte mich für die halbe Stunde zwischen 14 Uhr und 14 Uhr 30 eintragen lassen und genau diesen Computerplatz zugewiesen bekommen. Es war bereits Viertel nach zwei. Um zwei hatte die ältere Frau, die den Computer die halbe Stunde vorher gehabt hatte, gepampt, dass sie mit ihrer Arbeit noch nicht fertig sei. Ich hatte sie darauf aufmerksam gemacht, dass jeder die Computer für eine halbe Stunde nutzen dürfe, aber jetzt sei eben ich dran. Da hatte die Frau gezetert, dass ich sie in Ruhe lassen sollte. Ich wiederholte, was ich gesagt hatte. Die Frau herrschte mich an, ich solle weggehen, sie wolle weiterarbeiten. Just in dem Moment, wo ich beschlossen hatte, zur Aufswicht zu gehen, um das Problem zu klären, sprang die Frau auf, schnappte ihre Sachen und stapfte davon.

Die Sache war aber, wie ich begriff, noch nicht ausgestanden. Ich bat die Bibliothekarin, die mit der Frau gekommen war, noch einmal in der Liste nachzusehen. Dort habe mich einer ihrer Kollegen gegen Viertel nach eins eingetragen, so dass ich jetzt nicht verstünde, was los sei. Die ältere Frau schnauzte, ich könne doch auch in ein Internetcafé gehen. Da packte mich die Wut. „Das können Sie ja umgekehrt genauso tun.“ schnauzte ich zurück, und beharrte darauf, dass doch wohl jeder die Bibliothekscomputer benutzen dürfe. Die Bibliothekarin die gekommen war, um mich von dem Computer zu verscheuchen, sah ratlos aus. Ich bat noch einmal darum, sie solle in der Liste nachsehen. Die andere Frau habe nicht weggehen wollen. Aber vielleicht handelte es sich auch um ein Missverständnis? Innerlich kochte ich vor Wut. Doch die Bibliothekarin ging. Die ältere Frau, die nicht von ihrer Seite wich, hatte jetzt einen klagenden Tonfall angenommen: „Sie hat sich da einfach hingesetzt!“. Ich hörte, wie sich die beiden entfernten. „Die ist doch verrückt!“ ereiferte sich die Alte. „Sie hat …“, „Solche Leute … “ – das ging noch ungefähr zehn Minuten so, doch die Bibliothekarin kam nicht zurück. Ich hatte mich nicht geirrt. Allerdings war jetzt auch meine Zeit am Computer um. Mit schweißnassen Händen stand ich auf.

Verletzt

Ein paar Wochen später, ich saß wieder am Bibliothekscomputer, die Hand an der Maus, als ein Arm über meinen griff und der Deckel eines dicken Leitz-Ordners an den Bildschirmrahmen knallte. Erschrocken fuhr ich zurück und bat die Frau, die gerade dabei war, sich ihren Arbeitsplatz einzurichten, den Ordner mehr zu ihr zu rücken, denn mit dem an meinen Computer gestützten, aufgeschlagenen Ordner konnte ich nicht gut weiter tippen. „Das geht nicht.“ erwiderte die Frau knapp. „Doch!“ Ich sah, das genug Platz war. „Hier, sehen Sie.“ Ich schob den Ordner zu ihr herüber, bis er vollständig aufgeschlagen auf dem Tisch lag. „Also wirklich!“ empörte sich die Frau und stellte den Ordner wieder auf, sodass der Deckel sich, wie vorher an meinen Bildschirm stützte. In mir brodelte es, aber ein kleiner Mann in meinem Kopf sagte mir, dass es besser wäre, nicht zu insistieren. „Sich wegen einer solchen Kleinigkeit aufzuregen! Vielleicht kannst du auch so weiter arbeiten. versuche es doch wenigstens mal!“

Fünf Minuten später quetschte sich die Deckelkante des Ordners in meine Finger. Schnell zog ich meine schmerzende Hand weg. Die Frau hatte sich offenbar überlegt, dass der Ordner doch anders positioniert werden sollte. Ich hatte genug. Ich nahm den Ordnerdeckel, klappte ihn leicht hoch und schob den Ordner zu ihr. „Es reicht!“ brüllte ich. „Sie nehmen jetzt den Ordner zu sich und zwar sofort!“. „Hören Sie auf, mich zu verletzen!“ quiekte die andere. Ich hätte ihr am liebsten eine geklebt, denn ich sah, dass das nicht der Fall war – ihr Arm lag glatt auf der anderen Seite des Ordners und wurde mit ihm weiter geschoben. Ich selbst brauchte meine Finger leider auch noch. Ich sah allerdings auch die narben auf ihrem Unterarm, die von Schnitten herrühren mussten. „SIE. HABEN. MICH. VERLETZT.“ Es fiel mir schwer, die Fassung zu bewahren „Hier! Meine Finger! Und jetzt nehmen Sie Ihren blöden Ordner! Da ist Platz genug!“. „Hören Sie auf, mich zu verletzen!“ jammerte die andere Frau. Sie wandte sich an ihre Nachbarin auf der anderen Seite: „Sie verletzt mich! Sie verletzt mich!“. „Ich würde mich da gerne raushalten.“ erwiderte die andere knapp.

Die Frau beruhigte sich, zog den Ordner zu sich und erledigte, was sie vorgehabt hatte, zu erledigen. Innerlich zitterte ich vor Wut und beruhigte mich nur langsam. Es war nicht so sehr die Aktion an sich. Die Frau hatte mir sicherlich nicht absichtlich die Finger quetschen wollen. Es war ja alles noch dran. „Sie ist verrückt!“ raunte eine Stimme in meinem Kopf, die nicht zu den netten, liebenswürdigen Anteilen meiner Persönlichkeit gehörte: „Vollkommen gaga! Die hat das nicht gerafft, dass das mit dem Ordner platzmäßig nicht hingehaut, so wie sie sich das vorgestellt hat. Die hat gedacht, du willst ihr was!“

Das Monster

„Sie hat Borderline“ fügte die Stimme hinzu. „Frauen wie sie und die Alte neulich haben dafür gesorgt, dass einige Leute hier denken, du wärst eine augekochte Bestie. Die Frauen haben einfach alles umgedreht. Denen fehlt etwas im Kopf, das ihnen begreiflich machen würde, dass es okay ist und keine bösartige Attacke gegen sie, dass du den Computer benutzen willst, wenn du dich dafür in die Liste hast eintragen lassen. Die schnallen auch nicht, dass du wütend wirst, wenn sie dir weh tun. Und weil die Computerplätze in der Bibliothek oft von psychisch Kranken benutzt werden und du auch noch vor einer Menge Leuten freimütig zugegeben hast, dass du auch mal ’ne Therapie gemacht hast, bist du halt jetzt auch die Verrückte und nicht sie. Die fetten Frauen in Kreuzberg haben das gleiche Spiel mit dir getrieben, weil die nämlich, wie du ja gut erkannt hast, kein Stück lesbisch oder transgender sind, sondern einfach einen an der Waffel haben.“

„Aber du weißt ja auch“ fuhr die diabolische Stimme fort „Dass diese Frauen eine Menge Leute in ihrem Rücken haben. Feministinnen wie Margarete Stokwski z. B. sehen es tatsächlich so, dass sie nicht verrückt sind, sondern einfach an der Frauenfeindlichkeit unserer Gesellschaft leiden. Als ob du keine Frau wärst. Carolin Emcke unterstützt diese Frauenszene und selbst die „Zeit“ hat versucht, ein psychopathisches Teenie-Mädchen, das seine beste Freundin totgeschlagen hat, als leidenschaftlich liebende junge Lesbe und „Leitwölfin“ zu verkaufen.“

„Das ist es doch gerade, was mich so verzweifeln lässt!“ antwortete ich meiner inneren Stimme. „Es ist doch z. B. einfach logisch, dass man in der Computerliste nachschaut, wer dran ist, wenn es Streitigkeiten um Computerplätze gibt.“ Ich schluchzte innerlich „Ich bin doch kein Monster, nur weil ich die gleichen Rechte für mich in Anspruch nehmen will wie andere auch! Und außerdem: Von mir zu verlangen, in ein Internetcafé zu gehen! Und die andere, die sich nicht einmal entschuldigt hat, dafür dass sie mir die Finger gequetscht hat, sondern sich gleich reflexhaft daran gemacht hat, mich anzuschwärzen…“ Ein aggressiver Unterton mischte sich in meinen inneren Monolog. „Die Bibliothekarin hat doch nachgeschaut.“ gab die Stimme zu bedenken. „Ja aber …“ setzte ich an …

Die Bankkarte, die sich nicht fügen wollte

Ich erinnerte mich an die Sache mit meiner Bankkarte. Das ist jetzt schon viele Jahre her. Ich war bei der einer Freundin, die ich hier Katharina* nennen werde, auch wenn sie eigentlich anders heißt. Katharinas Eltern waren zufällig auch gerade da. Ich selbst war erst seit kurzem in Berlin und brauchte Kontoauszüge. Damals hatte ich mein Konto noch bei einer Bank in Süddeutschland, dort, wo ich vorher gewohnt hatte. Leider hatte sich der Automat der Berliner Filiale geweigert, mir Kontoauszüge auszuspucken. „Das müsste aber eigentlich gehen. Bei Katharina geht es auch und die hat ihr Konto auch noch in Hannover* Stimmt’s Katharina?“ Meine Freundin nickte. „Ja, ist gar kein Problem.“ „Aber ich habe es doch ausprobiert. Es hat wirklich nicht geklappt!“ entgegnete ich. „Na, du wirst dich halt etwas dumm angestellt haben …“ ließ sich Katharinas Vater vernehmen. Es lag auf der Hand, dass der Berliner Automat Katharinas hannoveranische Karte akzeptiert hatte, weil Hannover nicht ganz so weit von Berlin entfernt ist. Dass die süddeutsche Stadt, in der ich zuvor gelebt hatte, aber wohl zu weit weg war. Ich hatte Aldi Süd und Aldi Nord im Kopf. In Berlin gab es Aldi Nord. da, wo ich vorher gelebt hatte Aldi Süd. Ich äußerte meine Vermutung und ließ das mit Aldi weg. „Jetzt hör mal. Wir haben dir doch gesagt, dass es bei Katharina problemlos geht! Du wirst halt einen Fehler gemacht haben. Geh einfach nochmal zur Bank.“ polterte Katharinas Vater. „Ganz wie deine Mutter!“ setzte er noch hinzu.

Also ging ich noch mal zur Bank, die um die Ecke lag, und versuchte es erneut. Wieder verweigerte sich der Automat. Schließlich rief ich bei der Bank an. Ich erläuterte das Problem und fügte verzweifelt hinzu: „Aber bei einer Freundin von mir hat es doch auch geklappt! Und die ist bei einer ihrer Filialen in Hannover!“ „Ja, das liegt daran,“ erklärte die Mitarbeiterin meiner Bank freundlich „dass Hannover im Verbund Norddeutschland ist. Genau wie Berlin. Wir hier sind aber im Verbund Süddeutschland. In München oder Stuttgart könnten Sie sich mit Ihrer Karte Kontoauszüge ausdrucken lassen, aber in Berlin geht das leider nicht.“

Triumphierend lief ich zurück und erzählte von dem Telefonat. „Hör zu, bei Katharina geht es ohne Probleme. Glaubst du, sie lügt?“ war die Reaktion. „Ach, dir ist auch nicht zu helfen.“ Damit war die Sache erledigt.

Alle doof oder was?

Eigentlich waren Katharina und ihre Familie ganz nett, wohlhabend, aber immer hilfsbereit, Intellektuelle, die alle in verschiedenen Ländern dieser Erde gelebt hatten, also weltgewandt und lebenserfahren waren. Katharina war ein Jahr älter als ich und immer vernünftiger, erwachsener und reifer gewesen. Von ihr konnte man lernen. Als Kind hatte ich sie um ihre flachsblonden Zöpfe beneidet. Als sie einmal Urlaub in der Heimat meiner Vorfahren gemacht hatten, hatten die Leute dort Katharina an den Haaren gezogen, wie sie Jahre später einmal lachend erzählte. Ich selbst war unter den braunen und schwarzen Haarschöpfen nicht aufgefallen. Niemand hatte sich für meine Haare oder sonst etwas interessiert.

Warum war es, als wir dann erwachsen waren, trotzdem plötzlich so schwer, die logische Erklärung für das Problem mit meiner Bankkarte zu akzeptieren? Zumal ich ja entgegengekommen war, mich hatte belehren lassen und das Ganze auch mehrfach ausprobiert und überprüft hatte …

Ein bisschen sind solche Leute wie die Frauen in der Bibliothek, nur dass sie nicht verrückt sind. Ist vielleicht das der Grund, warum Margarete Stokowski, Carolin Emcke und die „Zeit“ diese Menschen unterstützen?

Avantgarde?

„Nein, sie schicken sie vor!“ meldet sich die boshafte Stimme in meinem Kopf wieder zu Wort. „Katharina und ihre Eltern? Nein, warum sollten sie?“ erwidere ich. „Nein, aber z. B. die Frauen, für die Margarete Stokowski schreibt. Die sind nicht gaga – ganz im Gegenteil, es sind junge Frauen, die an der Spitze unserer Gesellschaft stehen. Aber sie haben Probleme und suchen jemanden wie dich zum Treten, damit sie das Gefühl haben, da ist eine, gegen die sie vielleicht wirklich, also auch innerlich, gefühlt, die „Stars“ sein können, zu denen ihre Eltern sie machen wollten. „Germany’s next Topmodel“, Selbstoptimierung und so …“

„Na ja, ich weiß nicht“ beendete ich den inneren Monolog. Ich weiß es nämlich wirklich nicht.

*Name, Ort geändert.

 

 

„Critical Whiteness“ – heute: Das Judentum

Da baumelt er, ein kleiner goldener Davidstern. In Italien ist es vollkommen normal, einen zu tragen. Es bringt noch nicht einmal eine besondere Religiosität zum Ausdruck, genauso wenig, wie das berühmt-berüchtigte Halskettchen mit Kreuz an behaarter Brust oder anderswo. Das bedeutet übrigens nicht, dass es in Italien keinen Antisemitismus gibt. Nur, dass es in Italien Juden gibt. Aber gut, dieser Davidstern, den ich hier meine, der baumelt nicht an einem jüdischen Hals, sondern an dem eines deutschen Transmannes. Ist ja fast das Gleiche, könnte, ja sollte man vielleicht denken. Aber dafür waren schon zu viele Deutsche die „neuen Juden“. Man denke nur an die Heuschreckendebatte 2005, die eine unglückliche Äußerung des SPD-Politikers Franz Müntefering ausgelöst hatte. Da waren es die Manager und Superreichen, die sich plötzlich antisemitisch an die Wand gestellt gefühlt hatten. Hatte man nicht einst auch den Juden vorgeworfen, reiche Geldsäcke zu sein, die sich auf Kosten anderer ein Vermögen zusammenscheffelten?

Wer oder was ist hier eigentlich antisemitisch?

Ich fand damals, dass der Antisemitismus gerade in der Instrumentalisierung des Judentumes und – mehr noch – des Holocaustes für wohlhabende Deutsche, die sich falsch – rücksichtslos und gierig – verhalten hatten, lag. Da hätte man auch gleich offen sagen können, dass man „Judentum“ mit „Ausbeutung“ und „Turbokapitalismus“ gleichsetzt. Zahlreiche Beispiele aus der Geschichte belegen, dass es nicht so war: Etwa die osteuropäischen Juden, die in Folge der Progrome in Russland, etwa 100 Jahre vor der Heuschreckendebatte, nach Berlin eingewandert waren: armselige Bauern, allenfalls Kleinbürger waren es gewesen, über die das wohlsaturierte liberale und assimilierte jüdische Berliner Großbürgergertum allenfalls verächtlich die Nase rümpfte. Oder eben Italien, wo Juden z. T. als Handwerker tätig waren, solide bodenständige Menschen. Ein Blick nach Israel, wo keineswegs jeder reich ist, dürfte auch die letzten Zweifel ausräumen. Dafür sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass der Stereotyp des „gerissenen, geldgierigen Juden“, dem die Schuld sowohl für kapitalistische Auswüchse in die Schuhe geschoben werden sollte, als auch für die „kommunistische Gefahr“, ein nationalsozialistischer Stereotyp ist.

Keine Frage, es gab solche Juden, aber es gab und gibt eben auch Christen, die sich so verhalten. Siehe Heuschreckendebatte. Der Holocaust als „Schutzschild“ stand den deutschen Managern jedenfalls nicht zu.

„Critical Whiteness“ – oder: darf man sich als Deutsche(r) für Israel interessieren?

In der Debatte um „Critical Whiteness“, Minderheitenrechte und speziell der Kritik an der „Aneignung“ fremden Kulturgutes durch Weiße Europäer, Angehörige der „Mehrheitsgesellschaft“, erlangt auch die Heuschreckendebatte neue Brisanz. Dass Deutsche eine gewisse historische Schuld empfinden und sich schon deshalb hierzulande über mehrere Generationen viele Menschen intensiv mit dem Judentum befasst haben, ist eigentlich eine eher normale Reaktion. Man möchte „die Anderen“, denen so viel Unrecht und Leid widerfahren ist durch die Hände der eigenen Eltern, Groß- oder Urgroßeltern, kennen lernen, ihre Kultur verstehen, hofft auf eine gegenseitige Annäherung. Und es hat ja auch wirklich dazu beigetragen, dass Verhältnis von (nicht-jüdischen) Deutschen und Juden (generell) zu entspannen.

Die „Jüdin“ Merkel: Antisemitismus gegen Nicht-Juden

Aber dürfen Deutsche sich mit dem Judentum identifizieren, dergestalt, dass vielleicht dann sogar andere Deutsche als Antisemiten dastehen, wenn sie einen kritisieren? Die Frage ist viel schwerer zu beantworten, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Immerhin wird in den sozialen Netzwerken nur zu gern verbal auf die „Jüdin“ Merkel eingedroschen. Angela Merkel ist keine Jüdin. Der Zusammenhang zwischen ihrer Flüchtlingspolitik (wo es vorwiegend um Menschen aus muslimischen Ländern geht) und dem Judentum, wie ihn die zumeist rechtsextremen Accounts herstellen, ist nicht nur frei assoziiert, sondern einfach nur absurd. Kann man jetzt aber hämisch grinsen, wie es solche Menschen gern tun, und behaupten, dass es doch dann auch kein Antisemitismus ist, da die Merkel ja tatsächlich keine Jüdin ist, und ihnen das ja vollkommen klar war? Har, har. Nein, so einfach geht es leider nicht. Ansonsten könnte man jemandem ja auch „Du Arschloch!“ ins Gesicht knallen und es wäre keine Beleidigung, weil man das später immer noch aufklären und sagen kann: „Aber ich fand doch gar nicht, dass XY ein Arschloch ist!“ Mal ganz abgesehen davon, dass „Jude“ eigentlich ein neutraler Begriff ist, der aber hier negativ, als Beleidigung, gewendet wird. Das relativiert auch die Political Correctness ein wenig, denn „Du scheiß Roma! Das hast du doch bestimmt geklaut!“ wäre eine diskriminierende Äußerung, und zwar antizigan, auch wenn das Wort „Zigeuner“ gar nicht gefallen ist. Es kommt aufs Abwerten an, die Wortwahl ist nicht immer das Entscheidende. Allerdings, um ehrlich zu sein, „Du Roma!“ habe ich noch nie gehört.

Der jüdische „Halsabschneider“ – und wenn’s wirklich einer ist?

Was die Manager betrifft, wären sie als „geldgierige Raffkes“ beschimpft worden, hätte man ihnen zugleich noch „Bolschevismus“ unterstellt und eine „kalte, berechnende Intelligenz“, die man gegen „vielleicht nicht ganz so schlaue Menschen, aber eben GEMÜTSmenschen“ abgegrenzt hätte, oder hätten sich diese Leute zumindest selbst auch kritisch über einen allzu rüden Turbokapitalismus geäußert, dann hätte man es vielleicht schon so sehen können, dass ihnen da ein antisemitischer Stereotyp aufgedrängt werden soll und das wäre natürlich tatsächlich diskriminierend gewesen. Aber nicht jeder, der andere ausbeutet, darf sich deshalb als „Jude ehrenhalber“ fühlen. Übrigens darf man sogar jüdische Halsabschneider auch so nennen, wenn es eben Halsabschneider sind. Man darf es aber eben nicht verallgemeinern und jedem Juden anhängen und dann auch noch geflissentlich darüber hinwegsehen oder Ausreden erfinden, wenn sich andere so verhalten. DAS ist das Diskriminierende daran, nicht die Kritik an einem ausufernden Manchester-Kapitalismus.

Ich fühle mich aber auch ausgegrenzt!

Allerdings ist es fast schon bizarr, dass neben der verstörenden neuen rechten Unbefangenheit gegenüber antisemitischen (und anderen) Diskriminierungen ein demonstrativer Philosemitismus steht, der manchmal recht enervierend ist, weil man den Eindruck hat, dass einem das etwas sagen soll. Irgendwie fragt man sich, ob es da wirklich um ein besonderes Interesse an der jüdischen Religion und Kultur, vielleicht auch an Israel geht, oder eher darum, anderen Schuldgefühle einzujagen. Ist das ein schmaler Grad? Dürfen Menschen sich genau so verfehmt und sozial an den Rand gedrängt fühlen, wie einst die Juden im Nationalsozialismus? Und wenn ja, unter welchen Umständen? Oder ist die Schulddebatte um den Holocaust – aus welchen Gründen auch immer – wieder so sehr hochgekocht, dass es Deutsche gibt, die gern jüdischer als die Juden wären? Hat das mit dem Erstarken des Rechtspopulismus und Schlimmerem (soziale Netzwerke, siehe oben) zu tun? Oder ist es eine ganz andere Form von Abgrenzung?

Der Holocaust als Identitätsstifter?

Im Prinzip ist gerade das eine Form von kultureller Aneignung und zwar – folgt man der „Critical Whiteness“-Debatte – eine Aneignung einer Opferkultur durch ein Tätervolk, oder zumindest durch einige Personen, die zum Tätervolk gehören. Eine prominente Deutsche, die sich sehr mit dem Judentum identifiziert, ist z. B. die Publizistin Carolin Emcke. Sicher, ich setze jetzt voraus, dass Emcke KEINE Jüdin ist. Zum einen wäre es ansonsten nicht in der Schwebe gehalten worden, man hätte es sich ganz im Gegenteil nicht nehmen lassen, ausführlich über die „jüdische Identität“ der Publizistin und Friedenspreisträgerin zu berichten. Zum anderen war Emckes Patenonkel, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Alfred Herrhausen einst Schüler einer Napola, einer NS-Eliteschule, u. a. der Deutschlandfunk hat sich damit befasst. Anders als andere Deutsche hatten solche Menschen zweifelsfrei nachzuweisen, nicht einmal einen Hauch jüdische Vorfahren, auch nicht weitläufiger, zu haben. Dadurch wird Herrhausen nicht gleich posthum zum bösen Buben schlechthin auf den Deutschland mit dem Finger zeigen kann – er mag sich später davon distanziert haben, das weiß ich nicht. Außerdem war der Rest der Republik, zumal diejenigen, die (wieder) in Fürhungspositionen saßen, auch nicht besser -, aber die Emcke wird dadurch ein Stück weit weißgewaschen.

Auch Hengameh Yaghoobifarah, die die aktuelle Debatte um „Critical Whiteness“ angestoßen hat, hat sich, wie sie schreibt, bewusst einen Tarnnamen gesucht, der auch jüdisch gedeutet werden könnte, um die Besucher eines aus ihrer Sicht allzu weißen Musikfestivals ein bisschen einzuschüchtern. Carolin Emcke ist lesbisch, Hengameh Yaghoobifarah hat iranische Wurzeln (und betrachtet sich offenbar auch als „queer“/lesbisch/trans, keine Ahnung). Ganz gleich, wie lächerlich und an den Haaren herbeigezogen man die Kritik an der vermeintlichen „kulturellen Aneignung“ z. B. außereuopräischer Speisen auch finden mag: Die Diskriminierung von Randgruppen existiert ja wirklich. Darauf haben Anna Böcker und Lalon Sander in der taz aufmerksam gemacht. Dürfen Emcke und Yaghoobifarah also etwas, das andere Deutsche nicht dürfen, so, wie der kleine goldene Davidstern an einem dürren deutschen Transmannhals seine Berechtigung hat, woanders aber deplaziert wirken würde?

„Deutsche“ und „Minderheiten“ – keine glückliche Allianz

Hm. Geht so. Vielleicht kann ich da nicht mitreden. Ich bin nicht dunkler als die Emcke oder die Yaghoobifarah. Ich bin bisexuell und allerhöchstens ein bisschen burschikos, aber nicht trans. Gegen Menschen, die mit Vollkaracho „anders“ sind, bin ich wohl eher „normal“. Nur eben sehr viel ärmer als die meisten. Allerdings – das was mir zu „mit Vollkaracho ‚anders'“ gleich als erstes in den Kopf kommt, ist eine Bekannte: groß, stämmig, flachsblonde lange Haare, die als ich mich zum  ersten Mal outete, sofort darauf kam, dass sie auch „bi“ ist. Später fiel ihr dann noch ein, auch „trans“ zu sein. Sie habe sich mir gegenüber schon immer ziemlich „männlich“ gefühlt. Würde so jemand sich von mir auch noch „verfolgt wie eine Jüdin im Nationalsozialismus“ fühlen, müsste ich kotzen. Das kann man meiner Bekannten aber nicht vorwerfen. Dafür gab es da genug andere. Ich kotzte. Einmal musste ich mich vor so einer Frau tatsächlich übergeben, nur dass ich zum Glück nicht viel gegessen hatte.

Irgendwie packt einen dann die Wut, wenn Carolin Emcke dann auch noch zum Besten gibt: „(…) eine mögliche Antwort darauf ist, dass ich eben zunächst einfach erst mal (…) ja, mich auch so verliebt habe, wie das eben üblich war. Und vielleicht hatte ich einfach nur gar nicht die Fantasie, dass ich auch (…) also, ich habe mich erst mal in Jungs und in Männer verliebt. (…)“ (zitiert nach: Interview mit Frank Meyer, auf Deutschlandradio Kultur, v. 28. 03. 2012). Really? Also auch nicht wirklich lesbisch.

Emanzipation oder Stalinismus?

Man fühlt sich irgendwie veräppelt, weil es unehrlich wirkt, obwohl niemand so richtig gelogen hat. Wie die Schweine in George Orwells „Animal Farm“, die energisch gegen alles Menschliche wettern und am Ende selbst doch menschliche Betten für sich selbst brauchen. Oder der rumأ¤nische Diktator Nicolae Ceausescu, der als Vorkämpfer für die Sache des Volkes und in der Tradition einer Reihe entschiedener Kämpfer gegen jede Form von Faschismus auftrat, sich aber „Conducator“ („Führer“) wie sein faschistischer Vorgänger Antonescu nennen und goldene Wasserhähne in seinen Palast einbauen ließ. Obwohl es unfair und sachlich falsch wäre, Emcke oder Yaghoobirfarah mit Ceausescu oder den Schweinen in „Animal Farm“ zu vergleichen. Es geht eher darum, dass Menschen vorgeben, an vorderster Front für eine – eigentlich gute und gerechte – Sache einzutreten, sich selbst als fleischgewordenes Symbol dieser Sache feiern lassen, andere zurückdrängen und als „Verräter“ an der Sache und „Feinde im Inneren“ denunzieren, Entbehrungen und Zugeständnisse verlangen (etwa: „Jobs und Förderung erst einmal für die Minderheiten!“, eventuell sogar: andere müssen „ausgebeutet“ werden, weil es doch sonst immer umgekehrt war, als „Rache“ gewissermaßen, oder – Affirmative Action: Man stärkt erst einmal der Minderheit den Rücken und straft andere ab, auch wenn die eigentlich im Recht sind, das, was die Minderheit sagt, ist in jedem Fall zu loben, während andere eher kein positives Feedback kriegen sollten, um sie „von ihrem hohen Ross zu holen“ …), und dann irgendwann herauskommt, dass sie selbst die ganze Zeit über die verbotenen Früchte reichlich genossen und sich kaum auch nur an ein einziges ihrer angeblich „ehernen Prinzipien“ gehalten haben.

Der harte Kampf um den Minderheitenstatus

Dazu passt es, dass man mir oft genug eingebläut hatte, dass man bzw. frau sich das aber „aussuchen“ könne. Also, die sexuelle Orientierung und auch ob, man/frau sich „cis-„, „trans-“ oder irgendwie „inbetween“ fühle. Dafür hatte aber ich keine Wahl mehr. Alle traten beinhart homosexuell auf, auch Frauen, von denen ich genau wusste, dass es nicht stimmte. Und ein bisschen „trans“, jedenfalls aber sehr „männlich“ (siehe oben) waren sie auch alle. Immer wieder hatte ich „Transmenschen“ (weiblicher Körper, „männliches“ Auftreten) am Hals, die mich belästigten und es sogar als Affront betrachteten, wenn ich auch nur etwas zu breitbeinig in der U-Bahn saß. Man/frau ließ mich wissen, dass man mir „klarmachen“ wolle, dass ich „keine Dyke“ sei. Soviel Aufwand und Aggression, nur um den Status der „Andersartigkeit“ eifersüchtig zu bewachen und möglichst exklusiv für sich selbst zu beanspruchen? Und dafür „verfolgt wie die die Juden im Nationalsozialismus“??? Es hatte eher den Anschein, als ob es darum ginge, eine Trophäe, die man anderen abgejagt hatte, zu verteidigen, wie ein Hund, der irgendwo einen Rinderknochen gestohlen hat und jeden böse anknurrt, der ihn ihm wieder entreißen will, mit dem Unterschied vielleicht, dass ich diesen Frauen nicht einmal zu Nahe getreten war und ihnen auch nichts hatte „entreißen“ wollen …

Die Willkür dieses Minderheitendiskurses hat Doris Akrap in einem Beitrag zur „Critical Whiteness“-Debatte in der taz auf den Punkt gebracht: „Wer weiß ist, bestimme ich“.  Thema war hier einmal wieder „kulturell enteignetes“ Essen, diesmal in den USA. Und – es ist fast schon ironisch! -, aber es war auch in diesem Fall eine Weiße Lena Dunham, eine der Pop-Ikonen des Queerfeminismus, die die Kritik losgetreten hat. Immerhin, und für deutsche Ohren sicherlich von Bedeutung: Dunham ist wirklich Jüdin.

Aber lassen wir derartige Spitzfindigkeiten einmal beiseite. Als Deutsche(r) den Davidstern und – mehr noch – den Holocaust zu missbrauchen, um sich selbst eine Aura des „Andersartigen“ zu verschaffen und andere damit zu erpressen, ja, vielleicht im schlimmsten Falle sogar noch Diskriminierung anderen gegenüber zu rechtfertigen, wäre reichlich widerlich. Es würde die Heuschreckendebatte von 2005 noch um einiges toppen.

 

Arroganz der Eliten? Eine Bestandaufnahme der Linken heute

Sind die Linken Schuld am Sieg von Donald Trump? Nils Markwardt weist allein die Frage in einem Beitrag in der Zeit entschieden zurück. Ich würde eher mit Radio Jerewan antworten: „Im Prinzip Nein, aber …“.

Aber … wo soll ich anfangen? Am besten hier, in Deutschland, meiner eigenen Erfahrungswelt. Da drängt sich die Frage auf, sind die Linken eigentlich so links, wie sie behaupten? Und ist ihnen Trumps Wahlsieg wirklich so unangenehm?

1. Positive Diskriminierung … oder einfach nur Diskriminierung

Das fing schon an der Uni an, in den letzten Semestern. Meine feministische Professorin fand das ja ganz toll, dass ich mich für antirassistische Arbeit interessiere und auch privat in einer multkulturellen Initiative engagierte, sogar in einer feministischen Hochschulgruppe war. Gefördert hat sie aber die konservativen Frauen. Es machte nichts, dass einige darunter waren, die in den ersten Semestern noch über die Wissenschaftlerin gelästert hatten. Die Professorin lobte sie auch dann, wenn offensichtlich war, dass ihnen nichts einfiel, was sie sagen sollten. Wir inhaltlich interessierteren Frauen zogen uns zurück, weil überdeutlich war, dass wir den anderen keine Redezeit streitig machen sollten. Dennoch war ich erstaunt, als eine andere Studentin, die immer intelligent und engagiert gewirkt hatte, aber brav und angepasst genug schien, um im Haifisch-Pool zu überleben, ebenfalls das Handtuch schmiss und der Uni erklärungslos den Rücken zu kehrte. Für die anderen waren üppige Stipendien reserviert, für sie wurden Jobs extra geschaffen, keine akademischen Handlangerdienste, Interessantes zu Feminismus, Rassismus, Queer. Zwei scheiterten trotz aller Extra-Förderung an ihren Doktorarbeiten, andere aber machten Karriere.

Heute weiß ich, dass die Professorin es nicht persönlich gemeint hatte. Sie hatte ein klares Weltbild, in dem die Frauen hilflos und entrechtet waren und sie sie gegen Leute wie mich verteidigen musste. Ihre Mädels und sie waren eine eingeschworene Truppe. Es wurde viel und oft von „Shoa“ gesprochen und frau identifizierte sich mit den Opfern des Holocaustes, obwohl es offensichtlich war, dass einige von ihnen schon allein von ihrer gesellschaftlichen Stellung her aus Nazi-Familien stammen mussten, die Eltern und Großeltern vermutlich schwere Schuld auf sich geladen hatten. Aber der Holocaust war „Männergewalt“. Genau wie sich keine von ihnen beim Thema „Critical Whiteness“ angesprochen fühlen musste, denn sie redeten sich ein, in gewisser Weise auch „Schwarze“ zu sein, wenn auch eher im übertragenen Sinne.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb einige Leute aus diesem Milieu es in der Zeit nach Sarrazin mit der Angst zu tun kriegten, ich könnte das „Judengen“ haben (Na und? Ich bin ja keine Jüdin und habe das sogar mehrfach öffentlich klargestellt) und sie nicht. Immerhin hatte man den anderen „Affirmative Action“ oder auch „positive Diskriminierung“ zuteil werden lassen, d. h. alles war gut und sollte positiv bewertet werden, was diese Frauen sagten, taten, dachten, während ich kritisch begutachtet und entmutigt werden sollte, eben um den anderen den Rücken zu stärken, dass sie sich nicht von „Eierköpfen“ wie mir einschüchtern lassen müssten. Irgendwann galt das auch für junge deutsche Männer aus besserem Hause. Es sollte links sein. Es war aber einfach nur diskriminierend.

2. Na, eifersüchtig? Manche sind halt einfach besser!

Auch Michaela, wie ich sie hier einmal nennen werde, hatte die volle Unterstützung meiner feministischen Professorin, obwohl sie Mitarbeiterin des konservativen, „männlichen“ Lehrstuhls war. Vielleicht ist Michaela so etwas wie die große Schwester von zeitgenössischen Feministinnen wie Margarete Stokowski, denn eigentlich sagt man über Frauen wie sie, dass sie „den Feminismus gar nicht nötig“ haben. Michaela selbst sagte, dass sie den Feminismus „schon lange hinter sich gelassen“ hätte. Aus einer angesehenen Familie im beschaulichen Basel* stammend, hatte sie, wie man heute sagen würde, einen Migrationshintergrund. Der einzige Wehrmutstropfen der bildhübschen, blitzgescheiten jungen Frau, über die man bewundernd sagte, dass sie jedesmal, wenn sie den Mund aufmachte, „wie gedruckt“ formuliere, war, dass ausgerechnet sie als Schweizerin sich ein bisschen schwer mit Fremdsprachen tat. Ich glaube, wenn man (oder frau) Michaela näher gekannt hätte, wäre einem noch mehr aufgefallen: ein bisschen kurzbeinig, eine Fernbeziehung, ohne dass je Hochzeitsglocken geläutet hätten, dass das Dessert immer vollkommen ausreichend war – süß wie die Sünde, klein, aber fein wie die Frauen. Nur dass mir der Magen bis zu den Kniekehlen hing, wenn auf Uni-Exkursionen oder Tagesseminaren alle Frauen nach einem ultrateuren Schoko-Croissant „schon voll“ waren und es mich nervte, nie allein auf Klo gehen zu können, weil immer ein Schatten hintendran war, ohne Pinkelgeräusche oder das Rauschen einer Spülung, nur ein Tapsen und angespanntes Horchen. Ich musste erst eine taz-Kolumne von Margarete Stokowski lesen, um zu begreifen, dass die Frauen auf Würgegeräusche und den bitteren Gestank von Kotze gehofft hatten.

3. Toleranz den Intoleranten?

Damals war alles vielleicht noch ein bisschen ehrlicher. Man bzw. frau sollte sich vor Frauen wie Michaela klein fühlen. Daraus wurde kein Hehl gemacht. Dann befand man, dass es unfair und diskriminierend sei, dass Frauen wie ich sich nicht auch vor Frauen wie Sally und Heike klein fühlten. Auch Sally und Heike heißen in Wirklichkeit anders und ihre Lebensumstände sind etwas anders als ich sie hier wiedergebe. Beide Frauen weckten keine Neidgefühle, obwohl sie tatsächlich intelligent und belesen waren und obwohl man auch sie überall hoch- und hineinhob. Sie wirkten einfach ein bisschen tantig und gehemmt. Heike war sogar ziemlich hochnäsig und auch Sally hielt sich eigentlich für etwas Besseres, zumindest mir gegenüber. Warum soll man Menschen Sympathien entgegenbringen, die versuchen, einem das Gefühl zu geben, man sei minderwertig? Warum soll man Verständnis für die Komplexe solcher Frauen aufbringen, wenn sie umgekehrt nur darauf lauern, es einem mal geben zu können?

Offenbar ist das Tagebuch, das man mir einmal aus dem Rucksack geklaut hatte, solchen Frauen in die Hände gefallen und es muss sie schockiert haben, dass ich etwas mit Männern anfangen konnte und das auch getan habe, auch wenn ich Frauen nie verstanden habe, die jeden Kontakt mit einem XY-Chromosomen-Träger auf einen potentiellen Flirt hin abgeklopft haben, auch wenn die Albträume dieser konservativen Wachteln und Weibchen sich bestätigt haben und das mit der „hässlichen Lesbe“, die ich damals für sie sein sollte, sich zum Teil bestätigt hat.

Doch Queer war für Frauen wie Sally und Heike da. Sogar für Michaela. Nicht für mich. Da lag es vermutlich nahe, dass sie mich für das „Image“, das ihnen so wichtig war, „ausbeuten“ wollten, wie sich einige Frauen aus der Frauenszene brüsteten.

4. Der große Bluff

Schon nach wenigen Monaten in Berlin fiel mir auf, wie viele Gemeinsamkeiten ich mit der Vorzeigefeministin der taz hatte. Da war ein Buch über Frauen in der Arbeitswelt, das ich aus der Bücherei ausgeliehen hatte. Ein paar Tage, nachdem ich es zurückgegeben hatte, las ich in der taz, dass das Buch „gerade im Freundeskreis“ der Feministin „herumginge“. Es war nur gar keine Neuerscheinung, sondern schon ein paar Jahre alt. Vielleicht war es Zufall. Möglich. Egal.

Irgendwem aus dieser Frauenszene gegenüber hatte ich auch mal erwähnt, dass ich Simone de Beauvoirs „Le Deuxième Sexe“ schon als Teenager, mit 18, geradezu verschlungen hatte. Ich hatte mich sogar durch das französische Original gequält, was mir später für ein Romanistik-Seminar an der Uni zu Gute kam. Überrascht stellte ich fest, dass es Margarete Stokowski ja genauso ging. Sie war nur noch sehr viel jünger gewesen, als sie angefangen hatte, sich mit de Beauvoir zu beschäftigen. Außerdem hatte ich in dieser Frauenszene mal beiläufig davon erzählt, dass mir in der Mittelstufe in der Schule Mathe ziemlich leicht gefallen ist und ich sogar viele Jungs in den Schatten gestellt hatte. Stokowski war offensichtlich sowohl in Mathe als auch in Physik ein Ass in der Schule. Kann ja sein. Ist ja gut. Ich habe auch nie behauptet, dass Margarete Stokowski dumm ist. Ist sie ganz sicher nicht, selbst wenn man ihr nicht so wohlgesonnen ist, wird man ihr damit nicht kommen können. Das hervorstechenste Talent, dass man öffentlich an ihr wahrnimmt ist allerdings eher literarisch. Damit hatte ich mich selbst nie gebrüstet. Warum auch? Das kann ich wirklich nicht besonders gut.

5. Hopp oder top und dazwischen gar nichts?

Ich hatte nur etwas dagegen, ständig mit allem Möglichen zusammengestaucht zu werden, auch dann, WENN ich etwas gut konnte oder exakt eingeschätzt hatte oder sonstwie vollkommen richtig lag. Ich wehrte mich dagegen, dass die Frauen aus der Stokowski-Entourage öffentlich Bemerkungen über meine Brüste machten (Veranstaltung der taz in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung zu Rassismus und Sprache). Ich wollte nicht, dass man mich „unwertes Leben“ nennen durfte (Hipsterpärchen in Kreuzberg, Kottbusser Tor, die Frau war auch bei der taz und auf der Veranstaltung zu „Rassismus und Sprache“). Oder „Krüppel“ (Türkin aus dem Umfeld Heinrich-Böll-Stiftung/taz). Oder „Fickmaus“ (dicke Frau in Kreuzberg, Adalbertstraße). Dass man mich ruhig antatschen könnte (blonde Frau, Berlinale), weil – so ein Hipster im taz-Café – ich „das ja schon so gewohnt“ sei.

Es scheint darum zu gehen, dass einige Menschen sich zu Herrenmenschen stilisieren und andere völlig entwertet werden. Das ist falsch. Vermutlich hat es eine lange Vorgeschichte (siehe oben), aber es ist zynisch, so etwas als „Feminismus“ oder als „links“ verkaufen zu wollen. Vielleicht geht es auf das Konto von Frauen wie Heike, die einen guten Draht zu Linken hat. Oder es war Sally oder Michaela oder eine andere. Sie alle hat es zeitweise oder ganz nach Berlin verschlagen. Und es gibt hier unendlich viele Frauen, die ganz genauso sind.

Die de Beauvoir war übrigens Gleichheitsfeministin, d. h. sie trat für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein, wohingegen die Queerfeministinnen wie Margarete Stokowski Differenzfeministinnen sind, d. h. sie gehen davon aus, dass es zwischen Mänern und Frauen erhebliche Unterschiede gibt, dass Weiblichkeit in unserer Gesellschaft aber oft zu negativ bewertet wird. Dass ich mir das nicht aus reiner Bösartigkeit herbeifantasiere, kann man u. a. im österreichischen Standart nachlesen. In der taz stand kurze Zeit, nachdem ich das erwähnt hatte, (was wohl keine Rolle gespielt hat, ich glaube, das Thema beschäftigte die Frauen ohnehin, eben weil sie alle so sehr nach der de Beauvoir krallen), das seien Übersetzungsfehler (kann ich nicht beurteilen). Sehr wohl habe sich die de Beauvoir viele Gedanken über den weiblichen Körper gemacht. Kann ja sein, dass sie sich damit AUCH befasst hat. Allein dieses Verdrehen nervt. Dass es immer darauf hinauslaufen soll, dass andere sich irren und angeblich alles ganz falsch wahrnehmen, nur damit diese Frauen sich einreden können, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben.

Aber eigentlich geht es hier gar nicht um Feminismus. Diese Geschichte könnte man in unzähligen Varianten schreiben. Sie hätte sich so auch in Frankreich und in den USA abspielen können. Vermutlich müssen die Linken begreifen, dass es nicht nur darauf ankommt, wie sie etwas oder sich selbst DARSTELLEN. Es geht darum, Empathie neu zu lernen, selbst ein bisschen weniger zu werden, dafür aber an Profil und Menschlichkeit zu gewinnen und anderen auch einen Platz in dieser Gesellschaft zu lassen.

So lange aber die Linke nur eine Spielart der Konservativen ist, wird sie nichts bewirken. Und daran wird nicht einmal Donald Trump als Präsident etwas ändern, auch wenn die US-Wahl jetzt alle aufgescheucht hat.

*Namen, Umstände der im Text namentlich genannten Personen geändert. Alles, was Margarete Stokowski betrifft, habe ich aus der Zeitung. Die taz-Veranstaltungen, auch die über „Rassismus und Sprache“ 2013 in der Heinrich-Böll-Stiftung, habe ich selbst erlebt und meine Erfahrungen aus Kreuzberg sind leider auch keine „literarische Freiheit“, sondern haben sich so zugetragen, wie ich es dargestellt habe. Sollte sich jemand darin allzu konkret beschrieben sehen, würde ich die Gelegenheit nutzen und Anzeige wegen Beleidung erstatten.