Sollten Homosexuelle Kinder haben?

Die Ehe für Alle ist durch. Jetzt können Homosexuelle auch Kinder adoptieren. Sollten sie? Eher nein, hat wohl, so kann man einer Kolumne von Jakob Augstein entnehmen, ein „Experte“ in der FAZ dargelegt. Der „Psychologe und Philosoph“, an dessen Authentizität offenbar, so Augstein, Zweifel bestehen, soll auf das ausschweifende Sexualleben schwuler Männer verwiesen haben, dass nicht mit der Kindererziehung vereinbar sei.

Wenn Papi und Vati es im Darkroom krachen lassen und sich mit Poppers und Crystal Meth vollstopfen, während der kleine Sohn verzweifelt in seinem Bettchen weint, dann ist das wirklich nicht so glücklich. Ja, solche Schwule gibt es. Stimmt schon. Allerdings gibt es auch Hetero-Männer, die Monatsgehälter im Puff verprassen und synthetischen Genüssen aller Art nicht abhold sind. Oder Männer, die saufen und prügeln. Männer, die Kinder misshandeln gibt es – homosexuelle und heterosexuelle.

Frauen übrigens auch. Vor vielen Jahren war ich in Berlin mal zu einem Workshop zum Thema Körperbilder im „antisexistischen Infoladen“. Das war, glaube ich, mein Verhängnis, obwohl mensch dort bereits infomiert zu sein schien, wie mit mir umzugehen sei. Jedenfalls verfolgten und belauerten mich mehrere Frauen, die an dem Tag dort herumhingen. Beste Beziehungen zur „Jungen Welt“, zum Bildungswerk der Heinrich-Böll-Stiftung und zum feministischen, den Grünen nahe stehenden Gunda-Werner-Institut. Eine Frau deutete an, Carolin Emcke privat zu kennen. Eine, die im Rahmen einer Veranstaltung zum Frauentag am 8. März eine Rede in den Räumlichkeiten der „Jungen Welt“ gehalten hatte, kam mir, als ich ein einziges Mal zum Slutmarch ging, hochschwanger entgegen und fauchte mich an: „Ja, auch ich habe schon mal mit einem Mann geschlafen!“ Das hatte ich nicht bezweifelt bzw. ich hatte mir eigentlich überhaupt nicht den Kopf darüber zerbrochen, mit wem die Frau wann, wie oft Sex gehabt hatte. Später stierte mir eine andere Frau, älter, wohl auch aus dieser Frauenszene, in der Umkleide im Schwimmbad penetrant ziwschen die Beine (leider war ich gerade nackt.) und keifte: „Ja, auch ich habe eine Sexualität!“ Fast die gleiche Satzstruktur. Oder die Dicke, die mir in Kreuzberg in der Adalbertstraße entgegenkam und kreischte: „Fickmaus!“; dann der Kinderporno, zu dem sie meinen Blog verlinkt hatten …

Später, als ich beschloss, diese Leute nicht mehr zu ignorieren, inder Hoffnung, dass es schon irgendwann vorbei ginge – denn das war nicht der Fall -, las ich, dass besagter antisexistischer Infoladen u. a. auch einen Treff für psychisch kranke Frauen hat. Sich Ritzen, Borderline, Essstörungen – man hört, wenn von „Queer“ die Rede ist – fast mehr davon, als über die Ehe für alle.

Nein, ich glaube nicht, dass solche Menschen Kinder adoptieren können sollten. Die Gefahr, dass sie sie misshandeln, wäre zu groß. Zwar hatten die Frauen beteuert, dass sie zu anderen ja nett seien, sich sogar rührend kümmerten. Aber was ist, wenn so eine Frau und ihre Partnerin eines Tages auf die Idee kommen, dass sie zu ihrer Adoptivtochter auch nicht mehr nett sein können? Wenn die Kleine anfängt, sich für Männer (oder Frauen) zu interessieren und die „Mütter“ ihr zeigen wollen, dass auch sie „eine Sexualität“ haben, wenn die Kleine die „Fickmaus“ sein soll, lächerlich gemacht, verhöhnt, das Rückgrat gebrochen, bevor es sich überhaupt entwickeln könnte? Was ist, wenn kein Jugendamt einschreitet, weil man nicht „homophob“ sein will?

Es ist ein Eigentor, dass Begriffe, wie „Homosexualität“ und „LGBT“ so weit ausgegelegt werden, dass sich möglichst viele, alle, die sich irgendwie als „Außenseiter“ fühlen oder Probleme mit ihrem Körper haben, sich damit identifizieren können. Dabei sieht ein Teil der „queeren“ Menschen mittlerweile offenbar sogar schon Homosexuelle als „Feinde“ und – so bizarr es auch klingen mag – nicht jedeR aus der queeren Szene ist für die Ehe für alle.

Wenn also gemeint ist, das psychisch kranke Menschen, die zu Übergriffen neigen und schon mehrfach durch Misshandlungen und Mobbing gegenüber Schwächeren aufgefallen sind, Kinder adoptieren können sollten, dann bin ich ganz klar dagegen.

Wenn die Frage aber ist, ob Homosexuelle, also Menschen, die sich seit frühester Jugend sexuell zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, Kinder adoptieren können sollten, dann bleibt nur, mit einer Gegenfrage zu antworten: „Ja, warum denn nicht?“ Psychologische Bedenken, etwa hinsichtlich eines abweichenden Verständnisses der Geschlechtsrollen, die Kinder dadurch entwickelten, kann ich nicht nachvollziehen. Die Gefahr hätte eher in den 1980er Jahren bestanden, und zwar auch in heterosexuellen Familien, da damals Mädchen problemlos mit praktischem Kurzhaarschnitt herumlaufen konnten und es nicht so sehr als „abnorm“ auffiel, wenn die Kleine etwas wilder und burschikoser war. Heutzutage, wo jede Spielzeugabteilung größerer Warenhäuser fein säuberlich in Pink und Hellblau unterteilt ist, braucht sich wohl niemand darum zu sorgen, dass Mädchen und Jungs nicht wüssten, welche Rolle sie einzunehmen hätten.

Diese Dinge werden nicht nur im Elternhaus, sondern auch im Kindergarten, in der Schule und eben im Kaufhaus vermittelt. Wichtig ist dagegen, dass Kinder ein liebevolles, nach Möglichkeit stabiles Elternhaus haben. Mit anderen Worten: zwei liebende Papas oder Mamas sind besser als ein Heim, ein heillos überforderter Alleinerziehendenhaushalt oder auch ein kaltes, liebloses, großbürgerliches Elternhaus, das rein äußerlich „wie aus dem Bilderbuch“ zu sein scheint.

Die LGBT-Community tut sich also selbst nichts Gutes, wenn sie verhaltensauffällige Menschen, die zum Teil auch Ablehnung für aggressive und grenzverletzende Verhaltensweisen anderen gegenüber erfahren und nicht so sehr, weil sie etwa als „Homosexuelle“ „gelesen“ würden, zu sehr in den Mittelpunkt stellt. Nicht zuletzt ist dies der Grund, weshalb ich mich von ihnen distanziert habe. Dennoch muss man darauf achten, dass dieser Bumerang, der sich hervoragend für die neue (alte) Rechte nutzen lässt, nicht diejenigen erschlägt, die einfach eine ganz normale Familie sein wollen.

Wenn also Papi dem Kleinen abends im Bett vorliest, nachdem Vati das aufgeschlagene Knie versorgt hat, Mummy der Tochter erklärt, wie man sich gegen Hänseleien in der Schule wehren kann, nachdem Mutti mit den Hausaufgaben geholfen hat und am Ende alle vor einem großen Topf dampfender Spaghettis sitzen und es sich gut gehen lassen – dann ist es doch das beste, was passieren kann, oder etwa nicht?

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Brust raus gegen Rechts!

Um ein Haar hätte ich es retweetet. Auf Twitter landete vor ein paar Tagen ein Tweet in meiner Timeline, der sich über’s Brüstezeigen lustig machte. Genauer gesagt: über eine neue Form der Bigotterie: unter dem Hashtag #nippelstatthetze kursierte – wohl schon vor längerer Zeit, aber offenbar wieder hochgekocht – ein Foto im Netz, das einen angeranzten Tennissockenträger und eine nackte Schönheit mit XXL-Brüsten zeigt. Der Tennissockenträger, die Sorte Typ, die man bzw. frau normalerweise mit Begriffen wie „Mantafahrer“ und „Unterschichtenfernsehen“ assoziiert, hält ein Stück Pappkarton hoch, auf dem in ungelenker Schrift steht: „Kauft nicht bei Kanaken“. Rechts oben ist das Kleingedruckte zu lesen, in diesem Fall die Essenz der Botschaft: „Eine dieser Personen verstößt gegen die Regeln von Facebook“. #nippelstatthetze also, Hipsterhumor, alles ironisch gemeint. Warum darf man keine Brüste zeigen, dafür aber fremdenfeindliche Hetze posten? Ganz abgesehen davon, dass Brüste, zumal richtig schön große, ja auch ein echter Hingucker sind und in diesem Fall nur der Sache dienen: dem Engegament gegen Rechts.

Der Tweet, den ich fast retweetet hätte, spottete – sinngemäß und soweit ich mich erinnere – dass die gleichen Leute, die sexistische Werbung im öffentlichen Raum verbieten wollen, jetzt offenbar begeistert sind, einen Frauenkörper, der einem Pornostar alle Ehre gemacht hätte, bis auf einen knappen schwarzen Slip unzensiert und für alle öffentlich zugänglich im Netz zirkulieren zu sehen. Ich hatte den Tweet als Retweet in meiner Timeline. Und – wie gesagt – meine spontane Reaktion war eigentlich: retweet, klack, Herzchen, Zustimmung, finish. Selten war ich mir so sicher. Genauso intuitiv habe ich es dann allerdings doch nicht getan. Und das hatte seine Gründe.

Ein paar Tage später stolperte ich per Zufall über einen Tweet der Netzfeministin Anne Wizorek, die über den anderen Tweet förmlich herfiel: „kann’s sein, dass hier jemand den unterschied subjekt vs. objekt nicht kennt?“ ätzte Wizorek am 11. April. Ich sah, dass der Ursprungstweet bereits gelöscht war. Wäre ich eine Comicfigur, hätte über meinem Kopf wohl eine Gedankenblase mit drei dicken Fragezeigen geschwebt. So schlimm war das doch wohl nicht?! Oder doch?!

Unter der Headline „Eine nackte Frau zum Rasenmäher“ macht sich Heide Oestreich am 12. April in der taz Sorgen um Esstörungen. Das Verbot von sexistischer Werbung sei eher eine Art „Jugendschutz“ und keinesfalls „Zensur“, schreibt Oestreich. Junge Mädchen müssten begreifen, dass es nicht nur darum ginge, „Männern“ zu „gefallen“. Die weibliche Jugend kotzt sich also die Seele aus dem Leib, um mit dem sexy Busenwunder aus der Werbung mithalten zu können? Ist es wirklich so einfach? Sind junge Frauen so dumm und so sehr darauf fixiert, Nabelschau mit dem eigenen Körper zu betreiben, dass man (bzw. frau) sie gewissermaßen vor sich selbst schützen muss?

Anne Wizorek, die wohl mehr oder weniger eine Generation jünger ist als Heide Oestreich, hebt eher darauf ab, ob Frauen SELBST entscheiden, sich nackt zu zeigen oder nicht. Das erinnert an einen Feminismus à la Femen, wo junge Frauen vor ein paar Jahren damit Furore machten, öffentlich, zu wichtigen politischen Anlässen ihren Busen entblößten und damit eine Menge mediale Aufmerksamkeit einkassierten. Inhaltlich – politisch – genutzt hat es wohl eher wenig. Irgendwo habe ich damals außerdem mal gelesen, dass es seinen Sinn gehabt hätte, dass die Femen-Frauen alle jung und überaus attraktiv waren. Mit hässlichen Frauen wäre man weitaus brutaler umgesprungen …

Wenn man bedenkt, dass Femen in der Ukraine gegründet wurde (wie auch auf Wikipedia nachzulesen ist) ist es noch irgendwie nachvollziehbar, dass dieser Feminismus so sehr auf die Zurschaustellung nackter junger Frauenkörper abzielte. Man könnte darin eine Provokation sehen, gegen das Wiedererstarken der Kirchen und einer konservativen Sexualmoral, die das Heimchen am Herd, die Familie als Keimzelle der Gesellschaft und Gegenentwurf zu einem Sozialismus propagiert, der sich seinerseits durch falsche Heilsversprechungen und Doppelmoral diskreditiert hatte. Man könnte auch an eine Persiflage auf das Bild, das man in den Nullerjahren von osteuropäischen Frauen hatte, denken. All das ist aber im Sande verlaufen. Die Kirche ist in vielen osteuropäischen Ländern heute stärker denn je, ein kaum erträglicher Nationalismus, der teilweise bereits in faschistische Allüren übergegangen ist, hat sich fast überall breit gemacht und die Ukraine ist mehr denn je ein von Korruption, Krieg und Gewalt zerrüttetes Land ….

So viel bringt das Busen zeigen politisch also wohl nicht. Ist es letzten Endes doch nur ein modern gewordener weiblicher Narzissmus, ein krankhaft übersteigerter Drang danach, dass der eigene Körper gesehen – und möglichst auch bewundert – werden soll? Dazu darf er keine Makel haben, denn, wie auch bei Femen gilt: Es ist nicht so süß, wenn sich eine, die nicht mehr Anfang 20 ist, nicht gertenschlank und wohlgeformt, als Nacktstar in der Öffentlichkeit produziert. Dann wirkt es eher arm, als hätte es eine nötig, verzweifelt um die Aufmerksamkeit von Männern zu buhlen. So eine will keine sein. Dann doch lieber hungern und kotzen.

Es passt, dass die jungen Möchtegern-Barbies schnell dabei sind, wenn es darum geht, andere Frauen zu verhöhnen und runterzuputzen – Germany’s next Topmodel lässt grüßen! Und es passt, dass Frauen, die dem allgemeinen Schönheitsideal nicht so sehr entsprechen, noch viel aggressiver sind – Es ist wie die Reise nach Jerusalem, das alte Spiel, bei dem keiner derjenige sein will, der, wenn die Musik aufhört, keinen Stuhl zum Sitzen hat. Keine will die frustrierte, spaßfeindliche Zicke sein, die kein Mann will. Alle wollen begehrliche – gern auch neidische – Blicke auf sich spüren. Es passt, dass viele auch glauben, auch etwas mit Frauen anfangen zu können – eine neue Bühne, auf der der eigene Körper beklatscht werden kann. Obwohl das jetzt gemein ist, das so zu schreiben. Es sind ja auch nicht alle Frauen gemeint, die sich für Feminismus engagieren und es trifft auch nicht auf alle mit gleicher Härte zu. Klar. Trotzdem: wer meint, sich selbst enblößen zu müssen – und sei es nur unter dem Vorwand des „guten Zweckes“ – darf nicht jammern, wenn es andere auch tun – und wenn auch nur gegen Geld. That’s the Game. Ob Euro oder Aufmerksamkeit macht sich letztendlich nicht viel. Und gegen Esstörungen hilft letztendlich nur die Erkenntnis, auch dann gut, liebens- und begehrenswert zu sein, wenn die andere den schöneren Busen hat. Davon hat man bzw. frau dann auch noch etwas, wenn die ersten Fältchen kommen. Vielleicht hätte ich doch schneller auf das Retweet-Icon drücken sollen ….

Pädophilie-Debatte – Nachschlag

Vor einigen Tagen gab es gewissermaßen einen „Nachschlag“ zur Pädophilie-Debatte von 2013*. Es kam heraus, dass es in den frühen 1980er Jahren bei den Grünen nicht nur Strömungen innerhalb der Partei gegeben hat, die dafür eintraten, sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern zu entkriminalisieren, sondern dass auch Mitglieder der Grünen aktiv in sexuellen Missbrauch an Kindern involviert waren*.

*Einen Überblick zur Pädophilie-Debatte von 2013 bietet Wikipedia.

Über die Enthüllungen der letzten Tage (Mai 2015) haben mehrere Medien berichtet. Vgl. u. a. Art. „Pädophilie-Debatte bei den Grünen: „Wir schämen uns für dieses Versagen“ v. Peter Maxwill, in: Spiegel Online v. 20. Mai 2015.

Hm. Das konnte man sich doch eigentlich denken, oder? Das macht es gewiss nicht besser und die Grünen werden noch Einiges zu tun haben, um ihre pädophile Vergangenheit aufzuarbeiten und die Opfer angemessen zu entschädigen, aber bei aller Abscheu vor sexuellem Missbrauch von Kindern sollte man eines trotzdem nicht tun: Die Errungenschaften der sexuellen Befreiungsbewegung und des Engagements für die Akzeptanz von sexuellen Minderheiten preisgeben.

SEXUALFEINDLICHES KLIMA

Sicher, Kindesmissbrauch ist ein sehr ernstes Thema. Man hilft sexuell missbrauchten Kindern aber nicht, wenn man Missbrauch vor allem in ein links-alternatives, sich für sexuelle Befreiung engagierendes Milieu verortet. Man muss bedenken, dass Menschen, die sich zu Beginn der 1980er Jahre den Grünen politisch nahe fühlten und aus der so genannten „Sponti-“ oder auch „Alt-68er-Bewegung“ stammten, gegen eine muffige sexuelle Verklemmtheit angekämpft haben, wie wir sie uns heute nicht mehr vorstellen können. Vergewaltigung hieß lange Zeit noch beschönigend „Notzucht“, Jugendlichen wurde eingebläut, dass Onanieren blind mache und Sex unter Männern stand bis 1969 grundsätzlich unter Strafe*.

*Detailliertere Informationen über die historische Entwicklung des §175, des so genannten „Schwulenparagraphen“ finden sich auf Wikipedia.

Wer in den frühen 1980er Jahren für sexuelle Befreiung eintrat, wollte sich zumeist einfach nicht mehr für den eigenen Körper und seine sexuellen Bedürfnisse schämen müssen. Kinder sollten befreiter aufwachsen. Ihnen sollten die Neurosen und falschen Schuldgefühle, die durch eine rigide, körperfeindliche Sexualerziehung entstehen, erspart bleiben. Das hat nichts mit sexuellem Missbrauch zu tun. Man muss hier eine klare Grenze ziehen.

UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE SCHWULENBEWEGUNG

Pädophile konnten zu Beginn der 1980er Jahre bei den Grünen und anderswo u. a. auf Unterstützung aus der Schwulenbewegung hoffen. Hier war es die Entkriminalisierung einer sexuellen Orientierung, die im Vordergrund stand. Sowohl homosexuelle Männer als auch Pädophile hatte man lange Zeit als „psychisch fehltentwickelt“ hingestellt und das Ausleben ihrer Sexualität zur Straftat erklärt. Man hatte im Überschwang der sexuellen Befreiung ganz einfach zuviel des „Guten“ getan oder man könnte auch sagen: Das Anliegen, liberaler mit Sexualität umzugehen, hat Menschen, die ihre sexuellen Bedürfnisse auf Kosten anderer ausleben wollen bzw. – im Falle der Pädophilen keinen anderen Weg sehen – Tür und Tor geöffnet. Das war falsch! Seit Mitte der 1980er Jahre hatte sich glücklicherweise auch bei den Grünen und in ihrem Umfeld das Bewusstsein dafür, dass Sex zwischen Erwachsenen und Kindern Kindern schadet und deshalb – anders als homosexueller Sex – nicht toleriert werden kann, überall durchgesetzt.

KLARE GRENZEN ZIEHEN

Bei der gegenwärtigen Debatte über die pädophile Vergangenheit der Grünen und dem Engagement für die Akzeptanz sexueller Minderheiten sollte man nicht den Fehler machen und Wasser auf die Mühlen rechts-konservativer Kräfte gießen.

Das, was die Leute im Kopf haben, wenn sie an Homo-, Bi- und Transsexuelle denken, ist meistens das, was z. B. mit der problematischen Minderheitenpolitik, die u. a. eben die Grünen zu Beginn der 1980er Jahre vertreten haben, assoziiert wird und mit einem oberflächlichen Bild der schwulen Subkultur, genauer: Mit den harten, von Partys, Drogen und schnellem, z. T. auch grenzwertigem Sex geprägten Szenen europäischer Metropolen wie Berlin oder London. Das mag Stoff für reißerische Hypes bieten, ist aber auch genau das, was z. B. Parteien wie die AfD und konservative Christen vor Augen haben und woran sie sich aufhängen, wenn sie Homosexualität als Gefahr für die Jugend verdammen. Nur zu gern werden Homo-, Bi- und Transsexuelle mit Pädophilie („Päderasten!“), Gewalt (z. B. falsch verstandene Auffassungen von BDSM) und Exzess (Drogen, Party, rücksichts- und zügelloser Sexualität, usw.) in Verbindung gebracht. Auch das ist falsch!

Das Subkulturelle, Extreme mag vielleicht für liberaler gesonnene Menschen gerade das Interessante sein, aber es ist nur ein Bild, ein Klischee und nicht repräsentativ für das Leben von LGBTI-Durchschnittsmenschen. Außerdem gerät darüber auch aus dem Blickfeld, dass Exzess und abweichende, auch grenzverletzende, extreme Verhaltensweisen keineswegs „typisch“ für Homo-, Bi- und Transsexuelle sind und sondern ebenso anderswo in der Bevölkerung, auch in konservativen Kreisen, vorkommen.

Wer also eine pragmatische Politik für die Akzeptanz sexueller Minderheiten machen will, die weite Teile der Bevölkerung erreicht und Betroffenen das Leben, auch und gerade im Alltag wirklich erleichtert, darf sich nicht nur auf die Faszination der Andersartigkeit und die damit verbundene Anziehungskraft urbaner Subkulturen verlassen. Es gilt eher, herauszustellen, dass Pädophilie und sexuelle Perversionen, wirklich extreme, die Grenzen anderer Menschen verletzende Verhaltensweisen unter Homo-, Bi- und Transsexuellen nicht verbreiteter sind als unter heterosexuell orientierten. Es ist wichtig, klare Grenzen zu ziehen und deutlich zu machen, dass man keine Varianten menschlicher Sexualität, die anderen schaden, tolerieren kann.

Ganz abgesehen davon, dass Pädophilie zwar tatsächlich eine sexuelle „Orientierung“ ist, auch wenn sie nicht gelebt werden kann, dass aber Kindesmissbrauch nicht nur von Pädophilen begangen wird. Auch z. B. Menschen, die selbst als Kinder missbraucht worden sind, an schweren Persönlichkeitsstörungen oder psychischen Krankheiten leiden, missbrauchen Kinder. Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch muss deshalb auf mehreren Ebenen ansetzen. Im Zentrum sollte immer die Stärkung der Rechte von Kindern stehen und natürlich Menschenfreundlichkeit. Auch das ist etwas, das linke Politik immer für sich beansprucht hat. Sie sollte Taten folgen lassen.

*Gute Präventionsarbeit, die pädophil veranlagten Männern helfen soll, ihre Sexualität nicht auszuleben, leistet u. a. das Projekt „Kein Täter werden„.

 

Aids: Nicht Dein Problem! Oder vielleicht doch?

Sollten Schwule Blut spenden dürfen? Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes ist es wieder im Gespräch. Eine Antwort fällt nicht leicht, denn es geht um HIV. Aids ist immer noch tödlich und es gibt tatsächlich Menschen, die statistisch gesehen ein höheres Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren, die so genannten „Risikogruppen“: Junkies, Prostituierte, Menschen, die aus Ländern stammen, in denen die HIV-Rate besonders hoch ist – und eben Schwule.

Andererseits, hm, dieses „Du nicht! Dein Blut nicht!“ ist schon diskriminierend, klar, auch daran gibt es nichts zu rütteln. Da steht ja auch ein bisschen dahinter, dass heterosexuelles Blut „sauberes“ Blut ist. Das ist, wie wenn man behaupten würde, dass HIV Heterosexuelle nicht so betrifft, dass man einfach mal davon ausgehen kann, dass die das nicht haben. Ganz schön blauäugig. Solche „positiven“ Vorurteile – die Annahme, dass man sich als „Hete“, als „Weißer“, als „anständiger Bürger“ nicht so viele Gedanken um HIV und Aids machen muss – auch das hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu Neuinfektionen geführt und unzählige Leben gekostet.

 RISKANTER SEX

Es geht aber um Statistiken und da liegen, was die HIV-Rate betrifft, homo- und bisexuelle Männer klar vorn. Schwuler Sex ist besonders risikoreich und schwules Sexualverhalten oft eher zügellos als keusch. Darkrooms, schneller Sex in Toiletten und Parkanlagen, wilde Partys mit Poppers und Kokain –  all das macht es wahrscheinlicher, sich mit einer Geschlechtskrankheit und eben auch HIV zu infizieren.

Aber – und das muss man jetzt auch mal sagen – Analverkehr ist auch dann gefährlich, wenn ein heterosexuelles Paar ihn praktiziert. Die sexuelle Orientierung ist dem Virus egal. Es lauert nur auf mögliche Eintrittspforten in einen menschlichen Körper. Und lockere One-Night-Stands, ungeschützter Sex unter Alkohol- und Drogeneinfluss, leichtsinniges, blödes und rücksichtsloses Verhalten sind ja nicht allein die Spezialität homo- und bisexueller Männer. Mal ganz abgesehen davon, dass nicht alle Homo- und Bisexuellen dem Klischee des sexuell freizügigen, schwulen Partygängers entsprechen.

 DUMME ZUFÄLLE

Außerdem – man kann „es“ auch kriegen, wenn man sich „vorbildlich“ verhält: Ein Kondom kann platzen, ein Ehepartner plötzlich fremdgehen, die Frau ist vielleicht „sauber“, aber ihr vorheriger Freund, also der hatte mal so ’ne Phase, wo er auch gelegentlich mal zu ’ner Prostituierten gegangen ist – das wusste die Frau natürlich nicht – und die Prostituierte hatte unter anderem einen Freier, der war Stammkunde, also auch mal „ohne“, obwohl sie das ja sonst nicht tut und der Freier hat’s auch mal mit ’nem Mann probiert, was die Prostituierte aber nicht wusste – klar, bindet man ja auch nicht jedem auf die Nase – und der Mann hat mal mit ’nem Mann…, der Drogen gespritzt hat, zwar immer mit eigenen Spritzen, aber ein einziges Mal da hat er dann doch mit ’nem Freund zusammen… und der hatte zufällig….

Manchmal ist es tatsächlich nur ein blöder, dummer Zufall, denn das HI-Virus richtet sich nicht danach, wie hoch oder gering das Risiko eines Menschen, sich mit ihm zu infizieren, statistisch gesehen ist.

NICHTS IST SICHER, ABER VIELES HILFT TROTZDEM

Trotzdem sollen hier nicht unnötig Ängste geschürt werden. Man – jeder und jede, egal ob homo- oder heterosexuell – kann Dinge tun, die das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, deutlich verringern und damit ist nicht unbedingt sexuelle Enthaltsamkeit gemeint: Benutzt Kondome! Macht Safer Sex! Wenn es ohne Drogen nicht geht, benutzt keine Spritzen und/oder Röhrchen zum Sniffen gemeinsam! Lasst ab und zu mal einen HIV-Test machen*! Und so weiter….

*Wenn eine HIV-Infektion frühzeitig erkannt wird, kann sie – soweit ich weiß – heute in Ländern mit guter medizinischer Versorgung in den meisten Fällen ganz gut behandelt werden. Leider ist HIV immer noch nicht heilbar. Dennoch kann man mit einer guten Medikamentierung, wenn man sie durchhält und auch körperlich gut verträgt, als „chronisch Kranke(r)“ mit HIV leben und ist  – wenn man Glück hat – auch kaum noch ansteckend für andere. Das sollte allerdings nicht dazu verführen, HIV und Aids auf die leichte Schulter zu nehmen. Es ist immer noch eine schwere Krankheit, die letztendlich zum Tod führt. Weiterführende und genauere Informationen, auch dazu, wie man sich am besten vor HIV schützt, finden sich auf der Homepage der Aids-Hilfe. Die Aids-Hilfe bietet übrigens auch telefonische Beratung und Online-Beratung an.

Ganz sicher sein kann sich aber niemand und es ist natürlich auch so, dass Menschen manchmal Fehler machen, dumme, unverzeihliche, verhängnisvolle Fehler vielleicht, etwas, wofür man sich im Nachhinein einfach nur in den Hintern treten könnte, wo man sich fragt, wieso man nur so blöd sein konnte, aber es passiert nun einmal – allen, nicht nur „Risikogruppen“.

Theoretisch kann das HI-Virus also auch in einer heterosexuellen Blutspende stecken. Es ist nur nicht ganz so wahrscheinlich. Man kann es aber nicht mit letzter Sicherheit wissen, denn leider lässt sich das HI-Virus einigermaßen verlässlich erst sechs Wochen bis drei Monate nach der Infektion nachweisen*.

 *Auch hierzu mehr Informationen auf der Homepage der Aids-Hilfe (siehe oben).

Man muss es nicht gerade herausfordern. Es ist wirklich nicht so gut, wenn ein sexuell besonders aktiver schwuler Mann, der gelegentlich auch mal den Thrill von Barebacking-Partys* sucht, Blut spendet oder wenn es ein Punk tut, der dringend Geld braucht, weil er sich ab und zu einen Druck macht und der, wenn es ganz knapp wird, auch schon mal anschaffen geht. Damit würde man die Empfänger und Empfängerinnen von Blutspenden – potentiell wir alle – nur unnötigen Risiken aussetzen und das kann niemand wollen. Man kann es den Leuten aber leider nicht immer an der Nasenspitze ansehen, ob sie sich, was HIV betrifft, risikoreich und fahrlässig verhalten oder ob sie vielleicht sogar weniger als die Allgemeinbevölkerung bereit sind, Risiken einzugehen, gerade weil ihnen die Gefahr nur allzu bewusst ist und sie auch nicht krank werden möchten. Man kann nicht alle ausschließen, die irgendwie „verdächtig“ sein könnten*.

*Barebacking = Analsex ohne Kondom

*Wahrscheinlich muss man einfach darauf vertrauen, dass Menschen, die sich nicht sicher sein können, ob sie sich in den Wochen und Monaten kurz vor der Blutspende nicht vielleicht mit HIV infiziert haben, darauf verzichten, Blut zu spenden. Ähnlich legt es der Kommentar zum EuGH  „Aufs Sexualverhalten kommt’s an!“ von Christian Rath in der Tageszeitung vom 29. April 2015 nahe.

 AIDS – EINE „SCHWULENKRANKHEIT“?

Wenn man – Statistiken und Risikoabwägungen hin oder her – Aids als Gefahr auf Randgruppen abwälzt, tut man damit niemandem einen Gefallen. Ganz im Gegenteil: Man verführt letztendlich die „Normalen“ (die Heterosexuellen, die Europäer, die „anständigen Bürger“) dazu, sich umso leichtsinniger zu verhalten. Vielleicht lassen sie das Kondom dann schon mal eher weg. Ist ja auch viel schöner ohne. Und vielleicht machen sie auch gar nicht erst einen HIV-Test, denn – was geht sie das eigentlich an. Ist Aids nicht eine „Schwulenkrankheit“?

Übrigens – wo wir schon mal dabei sind – mir fällt da noch etwas aus den 1990er Jahren ein, damals, als man HIV und Aids noch nicht so richtig behandeln konnte und die Diagnose „HIV positiv“ in vielen Fällen bedeutete, dass man nur noch wenige Monate zu leben hatte. Ich erinnere mich, dass ich ein Buch über „Frauen und Aids“ gelesen habe, eben weil es immer hieß, das sei etwas, das vor allem Schwule betrifft und jeder wusste, dass das nicht stimmt. In dem Buch war eine Zeichnung von zwei jungen, gut aussehenden Frauen, die gerade dazu ansetzten, sich zu küssen. In der Sprechblase, die zu der einen gehörte, stand: „I’ve never known a Dyke with HIV“. Die Antwort in der Gedankenwolke der anderen war: „Now you do!“.

Ist Grün Gift für Kinder?

Wenn man „abweichende“ Sexualität aus der Schmuddelecke des Perversen, psychisch Kranken holen will, dann aber auch richtig. So wird es manchmal in links-alternativen Foren und Communities im Internet gefordert und was die Leute damit meinen, ist: Legalisiert Sex zwischen Kindern und Erwachsenen! Entkriminalisiert Pädophilie!

Wenn ich so etwas lese, muss ich erst einmal schlucken. Ist das ein schlechter Scherz? Oder am Ende vielleicht doch ernst gemeint? Man weiß es nicht. Im Internet sind ja viele Trolle unterwegs, denen es Spaß macht, die Leute zu verschaukeln – was in diesem Fall allerdings ganz schön makaber ist! Ich kann jedenfalls nicht drüber lachen.

DIE PÄDOPHILIE-DEBATTE

Ganz so abwegig, wie man meinen könnte, sind solche Forderungen aber offenbar nicht. 2013 war es noch einmal in der Debatte*, dass bei den Grünen um 1980 verschiedentlich die Meinung vertreten wurde, Sex zwischen Kindern und Erwachsenen sollte legalisiert werden. Auch bei der FDP-Jugend soll es damals z. T. ähnliche Positionen gegeben haben*. Beides sind ja liberale Parteien, bei denen die Akzeptanz von Minderheiten fest zum politischen Programm gehört. Allerdings fällt es aus heutiger Sicht schwer, Pädophile als sexuelle Minderheit zu betrachten.

*Zu der Pädophilie-Debatte von 2013 existieren viele Texte im Internet, die das Problem jeweils aus etwas anderen Blickwinkeln beleuchten.

Einen ersten Überblick gibt Wikipedia.

Die Positionen der Grünen und der FDP-Jugend aus den frühen 1980er Jahren fasst der Artikel: „Grüne und FDP-Jugend wollten Pädophilie legalisieren“ (ohne Angabe eines Autors) in: Zeit v. 11. August 2013 zusammen.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sei hier angemerkt, dass weder bei den Grünen noch in der FDP heute noch Ansichten vertreten werden, denen zufolge Sex zwischen Erwachsenen und Kindern entkriminalisiert werden sollte. Dies ist seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr im Gespräch und hat auch nie die Zustimmung aller AnhängerInnen dieser Parteien bzw. ihrer Jugendverbände gefunden.

DER „SCHWULENPARAGRAPH“

Vielleicht hat es damit zu tun, dass auch Homosexualität lange Zeit als psychische „Fehlentwicklung“ angesehen wurde und homosexuelle Handlungen unter Männern bis Anfang der 1970er Jahre als Straftat galten*.

*Der §175, der so genannte „Schwulenparagraph“ wurde tatsächlich erst 1994 abgeschafft. Seit den 1970er Jahren wurde aber nur noch schwuler Sex mit Jungen und Männern unter 18 Jahren bestraft.

Auch wenn die Süddeutsche Zeitung seit kurzem eine „weiche“ Paywall hat, die es nur noch erlaubt, eine bestimmte Anzahl an Artikeln pro Woche kostenfrei zu lesen, finden sich im Rahmen ihres Projektes „Toleranz-Recherche“ von 2014  einige sehr lesenswerte Artikel zum Thema:

Art. „Wenn Recht Unrecht ist“ v. Martin Anetzberger, in: Süddeutsche Zeitung v. 12. November 2014.

Art. „Straftatbestand: Liebe“ v. Tobias Dorfer, in: Süddeutsche Zeitung v. 12. November 2014.

Dass Homosexuelle psychisch gestört seien oder die Moral der Jugend gefährdeten, daran wird heute nicht mehr festgehalten, zumindest wenn man von einigen wenigen rechts-konservativen und ultrareligiösen Strömungen in unserer Gesellschaft absieht. Insofern scheint sich das Engagement derjenigen, die sich seit Jahrzehnten für die Akzeptanz von sexuellen Minderheiten einsetzen, langsam auszuzahlen.

PERVERSE ALLER LÄNDER…

Aber darf man das Kind dann gleich mit dem Bade ausschütten? Ist das so in Ordnung, einfach alles als „sexuelle Orientierung“ zu deklarieren, was mal als „krank“ und „abartig“ galt? Eventuell sogar „Minderheitenschutz“ dafür einzufordern, die Leute dazu aufzufordern, toleranter zu sein und ihre Einstellungen nochmal zu überdenken?

Auch umgekehrt, allein die Vorstellung, dass da jemand kommen könnte und sagen: „Na ja, Du bist doch auch irgendwie … ein bisschen „anders“, da müsstest Du doch verstehen ….“

Nein. Da gibt es nichts zu „verstehen“. Der Unterschied liegt ja auch auf der Hand: Homosexuelle haben – genau wie Heterosexuelle – im Allgemeinen Sex mit Erwachsenen und das in den allermeisten Fällen im gegenseitigen Einvernehmen. Das schadet niemandem. Pädophile aber wollen Sex mit Kindern und auch wenn es stimmt, dass auch Kinder eine Art „Sexualität“ haben – sie hat mit der von Erwachsenen nichts zu tun. Das sind zwei Sphären, die vollkommen voneinander getrennt sind und sein müssen, damit Kinder sich körperlich und psychisch normal entwickeln können. Pädophilie ist also eine sexuelle Orientierung, die nicht ausgelebt werden kann – mal ganz abgesehen davon, dass nicht jeder, der Kinder sexuell missbraucht, ein Pädophiler ist….

#Indiana: Oder wessen Freiheit ist mehr wert?

QueerSweets

Seit ein paar Tagen ist es Thema: Im US-Bundesstaat Indiana wurde ein Gesetz verabschiedet, das es erlaubt, Menschen zu diskriminieren – und sich dabei auf die Freiheit des Individuums beruft.

Der „Religious Freedom Restoration Act“ will – wie schon der Name sagt – eine „Freiheit“ wieder herstellen und zwar die, anderen Menschen „aus religiösen Gründen“ Dienstleistungen zu verweigern, falls sie z. B. einen Blumenstrauß kaufen oder in einem Restaurant essen möchten.

DAS ENDE DER CHRISTLICHEN NÄCHSTENLIEBE

Mit „Religion“ ist vermutlich vor allem das erzkonservative evangelikale Christentum gemeint und es ist die Homo-Ehe, an der sich die Gemüter erhitzen. Kein „gläubiger“ Christ soll dazu gezwungen werden, eine gleichgeschlechtliche Hochzeit gewissermaßen zu „unterstützen“, indem er oder sie sie durch die Bereitstellung entsprechender Dienstleistungen möglich macht. Die Homo-Ehe passt nicht in’s konservativ-christliche Weltbild. Für evangelikale und fundamentalistische Christen ist Homosexualität eine Krankheit und Verirrung, ein Abweichen vom „rechten Weg“, das es zu „heilen“ gilt, notfalls auch mit reichlich Druck und Zwang.

Eine solche Denkweise ruft bei Menschen, die sich für aufgeklärt halten und für Toleranz und Vielfalt eintreten, unweigerlich Widerwillen hervor.

TOLERANZ AUCH FÜR DIE INTOLERANTEN?

Aber es gibt auch immer welche, die sich freuen, den angeblich doch so „gutmenschlichen“ Linken und Liberalen ein’s ‚reinwürgen zu können.

Auf Twitter wurde unter dem Hashtag #BoycottIndiana u. a. das blutrote Bild einer hysterisch schreienden Frau gepostet. Untertitelt ist es mit „Democrats – The Party of Tolerance. Unless you disagree with them, then it’s: „Shut the …. up you lying, Racist, Hater!“*

*Bitte das Bild selbst auf Twitter unter #BoycottIndiana suchen.

Gestern stolperte ich  – als noch relativ unerfahrener Twitter-Neuling – beim Suchen unter #Indiana mehr oder weniger zufällig in eine Diskussion. Ich wurde gefragt, was ich denn tun würde, wenn eine Gruppe Nazis Einlass in eine Disko fordern würde oder ich einem Nazi eine Nazi-Torte backen müsste.

Der Hintergedanke bei solchen Argumenten ist klar: Wer immer Toleranz fordert, wenn es um die eigenen Belange geht, muss das Gleiche auch anderen zugestehen, auch wenn deren Ansichten und Lebensgewohnheiten dann nicht mit einem linken Weltbild zu vereinbaren sind.

DIE FREIHEIT DES EINEN HÖRT DA AUF, WO DIE DES ANDEREN ANFÄNGT

Allerdings ist es – wie ich finde – nur eine Scheinargumentation. In Deutschland hat man mit einem allzu liberalen Laissez-faire immerhin schlechte Erfahrungen gemacht. Der Nationalsozialismus hat eigentlich eindrucksvoll genug gezeigt, dass die Gegner der Freiheit die Freiheit zerstören – und zwar für alle! – wenn man ihnen die Freiheit dazu lässt.

So ähnlich steht es ja auch im Grundgesetz. Die Freiheit des/der einen hört halt immer da auf, wo die des/der anderen anfängt.

Aber was soll man machen, wenn man es mit jemandem oder etwas zu tun hat, bei dem sich einem einfach der Magen umdreht? Ich würde einem Nazi keine Nazi-Torte backen. Auch niemandem anderen. Ich würde mich darauf berufen, dass ich nicht dazu beitragen kann – auch wenn es nur indirekt ist – eine Gesinnung zu verbreiten, bei der anderen ihre Grundrechte abgesprochen werden – und das z. T. sehr brutal.

Außerdem würde ich davon ausgehen, dass eine Gruppe Nazis, die in die Disko will, u. U. ein erhebliches Gefahrenpotential für die anderen Disko-Besucher darstellt – eben weil Nazis häufig gewaltbereit auftreten.

Man kann sich ja auch diskomäßig zurechtmachen, wenn man in die Disko will. Die Disko ist ja kein politischer Raum. Und ebenso hat natürlich auch jeder das Recht, beim Bäcker eine Torte zu kaufen, selbst dann, wenn vielleicht allgemein bekannt ist, dass er/sie politisch rechts-außen steht. Aber es darf eben keine Nazi-Torte sein, die er oder sie verlangt.

MENSCHSEIN ODER MEINUNGSSACHE?

Bei der Homo-Ehe liegen die Dinge allerdings ein bisschen anders. Man kann das gut oder schlecht oder – wenn es denn gar nicht anders geht – auch „krank“ und „abstoßend“ finden, aber davon, dass zwei Menschen gleichen Geschlechtes heiraten, hat niemand einen Nachteil. Es ist nicht ansteckend und es steckt auch kein missionarischer Gedanke dahinter.

Was dagegen bedrohlich ist – so sehe ich es zumindest und es ist dabei eigentlich egal für oder gegen wen es sich richtet – ist die Vorstellung, dass man im Restaurant nicht bedient oder in der Schlange beim Bäcker geflissentlich „übersehen“ wird, weil die Leute sich nicht mit einem gemein machen wollen.

Und außerdem, wo ist da die Grenze? Im Moment ist in Indiana und anderen u.s.-amerikanischen Bundesstaaten die Homo-Ehe im Gespräch. Es betrifft also eine Minderheit. In ein paar Jahren weigert sich ein Bäcker aber vielleicht, eine Hochzeitstorte zu backen, weil die Braut ihm zu „nuttig“ durch die Gegend läuft und er als „aufrechter“ Christ einen solchen Menschen nicht „unterstützen“ möchte.

Wer weiß, eines Tages bist „dieser Mensch“ vielleicht auch Du?

*Quellen:

Art. „How Indiana’s religious freedom law sparked a battle over LGBT rights“ v. German Lopez, in: Vox.com v. 31. März 2015.

Art. „„Pro-discrimination „religious freedom“ laws are dangerous“ v. Tim Cook, in: The Washington Post v. 29. März 2015.

Art. „Indiana schießt ein Eigentor“ v. Dorothea Hahn, in: Tageszeitung v. 31. März 2015.