Terror! (Teil 27)

Schon Teil 27 der Internetstory- alles was hier also kommt, ist Fiktion! – Wer den Anfang verpasst hat oder irgendwo quer einsteigen will – alle Folgen finden sich unter #TerrorTheStory.

Sergeant Airman Melvin C. Rose, US Air Base Spangdahlem bei Bitburg, Rheinland-Pfalz, 13. Januar 1986

„Yeah, lass uns den Sowjets mal so richtig in den Arsch treten!“ Rick lachte und knuffte Mel in die Seite. „Komm schlag ein!“. Sie klatschten einander ab. „Erkundungsflug am Eisernen Vorhang“ hatte es geheißen. „Ihr gebt den Frankfurtern Rückendeckung am Fulda Gap***, damit die weiter nach Norden können. Rogers: Herleshausen, Stark: Bebra, Rose: Meiningen. Und dass mir keiner einen Ausflug nach drüben macht. Wir wollen die nur ein wenig aufscheuchen und sehen, was sich an der Grenze so tut …“

Die Anweisungen waren klar. „Gott segne euch, Jungs!“ Reverend Baxter war mit aufs Rollfeld gekommen. Mel stieg in seine Viper*. Er kam aus Jefferson, Arkansas, einem gottverdammten Kaff inmitten von Irgendwo und ein paar Monate noch in Germany, dann hätte er sich bewährt und könnte die nächste Stufe in seiner Laufbahn bei der Army erklimmen, so hoffte er jedenfalls.

Er machte die Viper startklar. „Tower an Fighting Falcon Delta C 441, on runway C?“ (Delta C 441 auf Startbahn C?) knisterte der Funk. Melvin rollte langsam auf dem Rollfeld an dem weißen Turm vorbei, in dem sich der Tower befand. Draußen war es kalt, aber trocken. Kein einziges Wölkchen war am blassblauen Winterhimmel zu sehen und es war absolut windstill. Glasklare Sicht. Ideal. Mel freute sich auf die Mission. „Yeah, Delta C 441 taxiing on runway C.“ (Ja, Delta C 441 rollt auf Startbahn C) meldete er zurück. „Delta C 441 ready to take-off?“ (Delta C 441, bereit zum Abheben?) wollte der Tower wissen. „Yeah, Delta C 441 ready to take-off.“ bestätigte Mel. „OK, Delta C 441, go!“ „Roger, message received.“ (Botschaft erhalten). Mel beschleunigte. Die liebliche, hügelige Landschaft zog an ihm vorbei, wurde zu groben, schemenhaften Flecken und verwischte schließlich zu einem einzigen grünlichen Streifen. Mel konzentrierte sich auf die Startbahn. Die Viper hatte jetzt maximale Geschwindigkeit. Ein leises Fauchen, dann hob sie ab.

Dieter, Suhl, Thüringen, Deutsche Demokratische Republik, 13. Januar 1986, ca. 18 Uhr 50:

Dieter saß auf dem Sofa vor dem Fernseher. „Täterätätä! Zeit für’s Sandmännchen, Felix!“ Jana schob ihren kleinen Bruder Felix ins Zimmer. „Haben sie sogar im Westen nachgemacht!“ Die 14jährige Jana klang mächtig stolz, aber Dieter wusste, dass sie nur nachplapperte, was man ihr bei den Thälmann-Pionieren** eingeimpft hatte. „… Damit die Kinder in der BRD auch gut schlafen können.“ fuhr Jana in einem siegessicheren Ton fort. „Wer sagt das?“ wollte Felix wissen. Er glaubte längst nicht mehr alles, was seine große Schwester sagte. Schließlich zog sie ihn gern mal auf. „Kathleen.“ Jana wurde jetzt ein wenig ungeduldig, denn eigentlich hatte sie den siebenjährigen Felix nur kurz ins Wohnzimmer vor den Fernseher verfrachten wollen. Wichtigere Dinge warteten auf sie. „Die mit der du neulich hinter dem Schu…“ „Psst!“ Jana hatte Felix abgewürgt, aber Dieter konnte sich auch so denken, was Sache war. Er hatte schon öfters den Eindruck gehabt, dass Janas Klamotten nach Rauch rochen. Jemand musste ein Machtwort sprechen. Er hoffte, dass seine Frau Ulla es tun würde.

Wenige Minuten später erklangen die Schlussakkorde des Sandmännchens. Dieter wollte noch Aktuelle Kamera** gucken. Er hatte einen harten Tag hinter sich und wollte seine Ruhe. „Mutti soll mir vorlesen!“ maulte Felix. Er wollte Kosmonaut werden wie Sigmund Jähn** und hatte zum Geburtstag ein Kinderbuch über Raumfahrt bekommen, aus dem er nun ständig vorgelesen haben wollte. „Kann ich doch machen!“ bot Jana an, wahrscheinlich in der Hoffnung, ihn und Ulla wegen der Raucherei milde zu stimmen und einer Predigt zu entgehen. Die würde aber so oder so kommen. „Och, das wäre toll, Jana!“ ließ sich Ulla aus der Küche vernehmen. Sie klapperte mit dem Geschirr. Spülwasser gluckerte. „Ich komme nachher noch gute Nacht sagen, Felix!“ setzte Ulla schnell hinzu.

Dieter rutschte ein wenig tiefer ins Sofa. Er wusste, dass er nicht so herumlümmeln sollte, denn es war nicht gut für die Wirbelsäule, aber er wollte sich entspannen und das konnte er so am besten. Fast wäre er eingepennt. Die leiernde Stimme des Nachrichtensprechers führte dazu, dass er halb abschaltete und ganz und gar in seinen Feierabendmodus glitt. Dann aber zeigten sie plötzlich Bilder im Fernsehen, die ihn aufmerken ließen. Das war ganz in der Nähe – Meiningen, an der Grenze zur BRD. „ … us-amerikanischer Kampfflieger dringt in das Hoheitsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik ein. … wieder eine Provokation Reagans***, der mit seiner kriegstreiberischen Hetze versucht, Reaktionen aus der sozialistischen Staatengemeinschaft zu erzwingen … soll in erster Linie den Bürgern der BRD Angst einjagen und sie gegen die UdSSR, die DDR und die sozialistische Staatengemeinschaft aufwiegeln. … nicht gewillt, uns provozieren zu lassen. Dennoch NVA**-Aufgebot zur Grenzsicherung vorrübergehend verstärkt … Hier Bilder von einer Demonstration für den Frieden aus Bonn … längst die menschenverachtende Politik des US-Imperialismus*** durchschaut … Nur eine Frage der Zeit …“

Dieter schaltete wieder ab. Ulla hatte sich zu ihm aufs Sofa gesetzt. Er wusste nicht, ob er das Thema Jana und Zigaretten jetzt ansprechen sollte, denn sie hatten in letzter Zeit öfters Meinungsverschiedenheiten gehabt, was Jana betraf. Ulla wollte, dass sie zum Konfirmandenunterricht ging. Dieter bestand darauf, dass sie die Jugendweihe machen und der FDJ beitreten würde. Natürlich wäre auch ihm die Konfirmation lieber gewesen, aber er wollte nicht, dass seine Kinder sich zu Außenseitern machten und überall auf Misstrauen oder gar handfestere Probleme stießen. Außerdem fand er genau genommen nicht alles schlecht, was man bei den Pionieren und in der FDJ vermittelte. Warum sollten junge Menschen nicht Sozialverhalten lernen, sich anzupassen und zurückzunehmen, andere zu unterstützen und das Wohl der Gruppe im Auge zu behalten, weil man in der Gemeinschaft, im Kollektiv eben doch viel stärker war als als Einzelkämpfer?

Dieter hatte einen Cousin im Westen. Er schickte an Weihnachten Päckchen mit Süßigkeiten und allerlei Kleinigkeiten, von denen er offensichtlich annahm, dass sie sie in der DDR gebrauchen konnten. Allerdings sah man den Päckchen an, dass der Zoll sie in Augenschein genommen hatte. Manchmal waren Kekspackungen sogar einfach aufgerissen worden und jemand hatte sich frech bedient. Jedenfalls wussten Dieter und Ulla nie, was Bernd in Gießen wirklich alles reingetan hatte. Sie bedankten sich aber jedesmal herzlich, wie es sich gehörte, mit einem längeren Brief, der auch die Einladung beinhaltete, Bernd solle sie doch bald einmal wieder in Thüringen besuchen.

83 war er das letzte Mal da gewesen. Allein. Seine Frau Barbara war ihm weggelaufen, durchgebrannt mit einem anderen. Ausgerechnet Barbara. Drei Jahre zuvor, 1980, war sie zusammen mit Bernd gekommen. Dieter hatte die aparte, freundliche Frau in guter Erinnerung. Sie hatte sich die Haare ein wenig aufgehellt, war immer perfekt frisiert und geschminkt und trug Perlenohrringe. Allerdings trat Barbara überraschend unprätenziös auf und bewies manchmal mehr Feingefühl als sein Cousin Bernd. Ulla und sie hatten sich auf Anhieb gut verstanden. Da beide gern kochten, hatten sie auch sofort ein gemeinsames Thema gehabt. Barbara hatte ursprünglich Kinderärztin werden wollen, aber sie hatte ihr Studium nach der Heirat mit Bernd abgebrochen. Die Wahrheit war, dass sie es einfach nicht geschafft hatte. In der DDR hätte niemand sie deshalb schief angeguckt. Ullas Arbeit bei Konsum war genauso viel Wert wie seine als Bibliothekar. Schließlich leisteten sie beide als Werktätige gleichermaßen ihren Beitrag. Im Westen aber zählte nur Status, mit welchen persönlichen Erfolgen man sich vor anderen groß tun konnte, und diesem Prinzip zufolge hatte Barbara eben versagt.

Außerdem wünschte sie sich sehnlichst Kinder. Bernd wollte keine. Er war jedoch, soweit Dieter wusste, bereit, nachzugeben. Trotzdem reagierte sein Cousin gereizt auf das Thema und wollte nicht weiter darüber reden. „Vielleicht liegt es an ihm, dass es nicht klappt und er will es nicht zugeben.“ hatte Ulla abends im Schlafzimmer hinter vorgehaltener Hand gelästert. Sie freute sich, dass Barbara sich für Felix begeisterte, der damals noch unsicher in der Gegend umhertapste und gönnte der anderen von ganzem Herzen baldige Mutterfreuden. „Sieh mal, wie süß!“ hatte Barbara immer wieder entzückt ausgerufen und Bernd spielerisch in die Seite gestupst. Mit Jana, die Barbara damals ziemlich in Beschlag genommen hatte, um ihr stolz ihr Pioniertuch, Zeichnungen und Bastelarbeiten aus der Schule und ihre neuen Schlittschuhe vorzuführen, war Bernds Frau geduldig und freundlich umgegangen. So in etwa stellte sich Dieter eine gute Kinderärztin vor oder vielleicht eine Kindergärtnerin. Nie schien sie genervt zu sein, ganz gleich, wie überdreht und anstrengend seine Tochter sich aufgeführt hatte. Es schien ihr, ganz im Gegenteil, Vergnügen zu bereiten, sich mit dem Mädchen zu beschäftigen.

Über Politik hatten sie nicht viel gesprochen. Dieter fürchtete, dass Ulla Barbara ein wenig um ihre modischen Kleider beneidete. Bernds Frau trug jeden Tag ein neues Outfit und alles schien brandneu und ziemlich teuer zu sein. Eines Tages hatte sie kurzerhand Röcke und Blusen aus ihrem Koffer gezogen und sie Ulla hingehalten. „Hier, probier an! Wenn’s passt, kannst Du’s behalten.“ hatte sie leichthin gesagt. „Zu Hause in Gießen kann ich mir jederzeit etwas Neues kaufen“ – das hatte sie zwar nicht laut ausgesprochen, aber es hatte irgendwie dazu gehört. Zumindest hatten Dieter und Ulla es so verstanden. Da Ulla aber etwas größer und stämmiger war als die zierliche Barbara, konnte sie ihre Garderobe nicht um ein paar Teile bunter Westmode anreichern und Bernds Frau musste alles wieder in ihren Koffer stopfen.

Am Abend bevor sie abgereist waren, war es Barbara dann so rausgerutscht: „Warum kommt ihr nicht einfach zu uns nach Gießen? Da könntet ihr doch viel mehr aus euch machen!“

Dieter seufzte. Seither hatte Ulla ihn immer wieder bedrängt, einen Ausreiseantrag zu stellen. Auch ihm klang der Satz noch lange in den Ohren nach. Es waren nicht die chicen Klamotten. Es ging ihnen nicht um Geld oder darum, sich selbst ausprobieren zu können, einen Individualismus zu leben, der ihnen bislang versagt geblieben war. Dieter und Ulla litten unter der Repression und der Rigidität in der DDR. Alles war vorherbestimmt, alles entschieden andere für einen und man musste früh lernen, was man zu wem sagen durfte und was nicht. Das Leben verlief in geordneten Bahnen und es kam darauf an, dass man davon nicht abwich. Darauf musste man penibel, ja fast zwanghaft achten. Wer trotzdem aus der Reihe tanzte – und wenn es auch nur ein winzig kleines Stück Freiheit war, das man sich ertrotzt hatte -, der konnte sehr schnell zum Paria werden in der glücklichen Gesellschaft der Werktätigen, ausgestoßen und mit dem Rücken an die Wand gedrängt, ohne irgendwohin ausweichen zu können. Wie eine Maus in der Falle. Das war es, dachte Dieter. Sie waren Mäuse, Ulla und er, kleine, geduckte, fadgraue Nager, die tagaus tagein verzagt an den paar Krumen Käse knabberten, die die Parteiführung ihnen vor die Füße geschmissen hatte.

83 war Bernd dann allein gekommen und abends, wenn die Kinder im Bett waren, hatten sie Schnaps miteinander getrunken. Sein Cousin war düsterer Stimmung gewesen. Er hatte vom sauren Regen geredet, der ihnen in der BRD die Wälder kahlfraß. Bernd, der in seiner Freizeit gern in der Natur war, hatte sich schon immer für Umweltthemen interessiert und war einer Öko-Initiative beigetetreten. Die aggressive Kriegshetze Reagans machte auch ihm Angst. Im Westen, hatte Bernd erzählt, hatten sie Angst vor einem Atomkrieg.

Dieter stand auf und ging in die Küche. „Magst du auch ein Bier?“ fragte er Ulla. Sie überlegten noch kurz, Westfernsehen zu gucken, ließen es dann aber doch sein. ….

Neugierig, wie’s weitergeht? Hier geht’s zu Teil 28.

*Fighting Falcon, auch „Viper“ genannt: Mehrzweckkampflugzeug der US Air Force. Detailliertere Informationen auf Wikipedia.

**Thälmann-Pioniere: Schülerorganisation in der DDR, die der Freizeitgestaltung und der politischen Bildung diente. Grundschüler waren meist bei den Jungen Pionieren. Ab 14 gab es die Möglichkeit, die Jugendweihe mitzumachen, eine Art Ersatz für die protestantische Konfirmation als säkularer Abschied von der Kindheit und Aufnahmeritus in die Erwachsenenwelt. Mit 14 konnte man auch in die DDR-Jugendorganisation FDJ (Freie Deutsche Jugend) eintreten. Offiziell war die Teilnahme freiwillig. Tatsächlich waren damit aber erhebliche Vorteile verbunden bzw. es wurde nicht gern gesehen, wenn Kinder und Jugendliche kein Interesse an Pionieren und FDJ zeigten – mit den entsprechenden Konsequenzen.

Aktuelle Kamera: Nachrichtensendung der DDR, die täglich von 19 Uhr 30 bis 20 Uhr ausgestrahlt wurde. Näheres dazu auf Wikipedia.

Sigmund Jähn (geb. 1937): Kosmonaut (Astronaut) und 1978 als erster Deutscher im All. In der DDR wurde das natürlich groß gefeiert und Jähn wurde zum Vorbild für unzählige technik- und raumfahrtbegeisterte Kinder.

***Ronald Reagan (1911 – 2004): von 1981 bis 1989 Präsident der USA (Republikaner). Reagan galt als äußerst konservativ und trieb das atomare Wettrüsten der Supermächte entschieden vorran. Allerdings waren schon im Vorfeld zahlreiche konkrete Überlegungen für einen möglichen Dritten Weltkrieg getroffen worden.

Als besonders sensibel an der innerdeutschen Grenze galt der sog. „Fulda Gap“ („Fulda Lücke“), wo es besonders günstig für die Armeen der Warschauer Pakt Staaten gewesen wäre, in die Bundesrepublik einzumarschieren. Das Rhein-Main Gebiet und die Großstadt Frankfurt wären schnell zu erreichen gewesen und damit auch die Rhein-Main US Air Base. Sehr wahrscheinlich wären dabei auch Atomwaffen zum Einsatz gekommen und die hessische Kleinstadt Fulda wäre mehr oder weniger ausradiert worden. Diese und weitere Informationen auf der Homepage der Point Alpha Stiftung, einer Gedenkstätte zum Fulda Gap und auf Wikipedia.

Auch war von us-amerikanischer Seite die Bombardierung Ost-Berlins mit Nuklearwaffen vorgesehen. Dabei sollte laut Spiegel ausdrücklich die Bevölkerung getroffen werden und eine radioaktive Verseuchung auch West-Berlins wäre offenbar in Kauf genommen worden. Vgl. Art.: syd, „Kalter Krieg: USA wollten im Ernstfall 91 Ziele in Ost-Berlin treffen“, Spiegel-Online, 23. 12. 2015 (abgerufen am 13. 11. 2017).

1983 gilt heute als Höhepunkt des Kalten Krieges. In Deutschland wurden atomare Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II stationiert. Im Herbst 1983 hatte die sowjetische Flugabwehr ein koreanisches Passagierflugzeug abgeschossen und Ronald Reagan ließ Truppen auf die Karibikinsel Grenada einmarschieren. Das Raketenabwehrprogramm SDI, auch „Star Wars“ nach der mehrteiligen, 1977 erstmals in die Kinos gekommenen Serie genannt, hatte Reagan bereits im März 1983 lanciert.

Im September 1983 registrierte die sowjetische Satellitenüberwachung unbekannte Flugobjekte, die als Angriff durch nukleare Interkontinentalraketen eingestuft wurde. Dennoch stufte Oberstleutnant Stanislaw Petrow den Alarm als Fehlalarm ein und verhinderte so eine Gegenreaktion die ansonsten möglicherweise tatsächlich einen Atomkrieg hätte auslösen können. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde das umsichtige Verhalten Petrows jedoch erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Ihm ist auch ein Dokumentarfilm gewidmet „The man who saved the world“ (2014, Regie Peter Anthony).

Im November 1983 fand das Nato-Manöver Able Archer 83 statt, das die Warschauer Pakt Staaten in erhöhte Alarmbereitschaft versetzte.

Eine Übersicht über die Ereignisse von 1983 und weitere Informationen findet man auf dem Wikipedia-Eintrag „Able Archer 83“.

1985 wurde Michail Gorbatschow (geb. 1931) Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Er erkannte, dass die UdSSR wirtschaftlich nicht stark genug war, um im Wettrüsten mit den USA mithalten zu können und schlug politisch einen neuen Kurs ein, der aber nur schrittweise vorankam. Von Glasnost und Perestroika, den tiefgreifenden politischen reformen, für die Gorbatschow später berühmt wurde, kann erst später, ab etwa 1987 wirklich die Rede sein.

Die im Rückblick vielleicht hysterisch erscheinende Angst der Menschen nicht nur aber vor allem in der Bundesrepublik erklärt sich, wenn man sich die oben geschilderten Vorkommnisse ins Gedächtnis ruft. Zwar gelangte vieles offiziell erst später, nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhanges, an die Öffentlichkeit, aber viele Menschen waren sich damals dennoch der Gefährlichkeit des Wettrüstens und damit erbunden eines möglichen Atomkriegs bewusst. Dies betraf durchaus nicht nur Anhänger der Friedensbewegung und DKPler, sondern auch gemäßigtere Kräfte oder politisch ansonsten wenig interessierte Menschen.

Ich sollte allerdings, weil ich mich hier sehr auf die Aktionen der „Westmächte“ bzw. der USA konzentriert habe, heruasstellen, dass auf beiden Seiten der Finger am berühmt-berüchtigten roten Knopf, der einen Atomkrieg hätte auslösen können, zeitweise recht locker saß. Auch darüber waren sich viele Menschen damals im Klaren. Daher auch die Heterogenität der Friedensbewegung, die zum Teil von der DDR-Führung ausspioniert und vereinnahmt wurde, was dem Charakter der damaligen Proteste allerdings nicht gerecht wird, auch wenn deren Zielscheibe Nr. 1 natürlich Ronald Reagan war.

Noch im Herbst 1985 soll im Bayerischen Wald an der tschechischen Grenze ein us-amerikanischer Aufklärungshubschrauber von tschechoslowakischen Militärflugzeug beschossen worden sein. Im orfeld soll es häufiger zu ermeintlichen oder tatsächlichen, beabsichtigten oder unbeabsichtigten Vorstößen auf das Hoheitsgebiet der Warschauer Pakt Staaten gekommen sein. Vgl. Art: „Was geschah im Herbst 1985 über Finsterau. Rätselraten um Angriff auf US-Hubschrauber“ von Helmut Weigerstorfer, auf „da Hog’n. Heimatmagazin aus dem Woid“, 25. 02. 2015 (abgerufen am 13. 11. 2017).

Auf derartige Ereignisse nimmt der hier in der Internetstory beschriebene Aufklärungsflug von Spangdahlem aus Bezug. Die US Air Base Spangdahlem in der Eifel gibt es wirklich. Alles was ich hier geschrieben habe ist jedoch frei erfunden (inklusive der Ortschaft „Jefferson“, von der ich nicht weiß, ob es sie gibt) und entspricht nicht dem realen Ablauf auf einer US Air Base, ebenso sind die Flugzeugbezeichnungen und der Dialog mit dem Tower ausgedacht und daher fiktional. Auch alle auftretenden Personen sind Produkte meiner Fantasie. Ähnlichkeiten mit lebenden oder erstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Wer in der DDR aufgewachsen ist, mag mir den Abschnitt über Dieter in Suhl übelnehmen oder den DDR-Alltag falsch dargestellt finden. Tatsächlich war mir z. B. nur bekannt, dass die Berufstätigkeit von Frauen in der DDR ausdrücklich begrüßt und gefördert wurde. Dass Frauen zusätzlich aber auch die Haushaltsarbeit zu übernehmen hatten, habe ich vielleicht aus anderen Warschauer Pakt Staaten überblendet. Dort war es nämlich so. Die „westlichen“ Frauen in meiner Geschichte mögen der/dem einen oder anderen ebenfalls eher mäßig emanzipiert erscheinen. Na ja, die Geschichte spielt in den 1980er Jahren … (Obwohl ich denke, dass Frauen heute in mancherlei Hinsicht zwar selbstbewusster und „tougher“ sind, sich aber in anderen Punkten wieder sehr viel von dem, was schon einmal erreicht war, vergeben haben. Manchmal könnte man glatt denken, wir strebten auf eine neue Reagan-Ära zu. Dass Leute, die damals zur Friedensbewegung gehörten, sich heute für Donald Trump stark machen, spricht für sich …) Außerdem: Identifikation absolut unerwünscht! Die Leute sind nämlich wirklich Kunstfiguren, also niemandem „nachempfunden“. Es ist auch keine biographische Geschichte (Dazu bin ich zu jung!). Es ist eher so, dass es mich stört, dass mittlerweile so viele „Identifikationsfiguren“ und speziell auch „Wonder Women“ im öffentlichen Raum stehen, wo jede(r) sagt oder sagen soll: „Mensch ja, das bin ja ich!“ oder: „Hey, so wäre ich gern!“ (Obwohl man gar nicht so sein kann. Das ist eben auch alles nur Fiktion). Mir ist das auch in Romanen aufgefallen. Also habe ich gemeckert, dass die Helden/Heldinnen immer so sympathisch sind und im Endeffekt alles richtig machen. Eine Bekannte empfahl mir: „Schreib doch deine eigenen Geschichten, wenn dich das stört!“. Das tue ich hiermit. Obwohl „Terror!“ eher ein Experiment ist und sich nicht mit „richtigen“ Romanen messen will (letztere lese ich halt trotzdem ganz gern …). Dennoch: Ich wollte Leute, von denen man auch mal genervt sein kann oder wo man denken kann: „Oh mein Gott!“, Menschen, die Fehler haben und machen. Hier sind sie ….

 

 

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