Helfen!

Du möchtest helfen? So richtig den Armen, Ausgebeuteten und Entrechteten beistehen? „Im derzeit laufenden „Wonder Woman“-Film sagt die Mutter von Diana (Wonder Woman) zu ihr: „There is so much you don’t understand.“ Und sie antwortet: „I understand enough to fight for those who can’t fight for themselves.“ Bitte zum Vorbild nehmen, danke.“ schreibt Margarete Stokowski in ihrer aktuellen Online-Kolumne. Das Problem ist, was ist, wenn Menschen erwachsen sind und sich selbst helfen können? Was ist, wenn jedeR für sich selbst sprechen kann und keine Fürsprecher braucht?

Dazu waren die Demokratie und die Menschenrechte da. Die Leistungsgesellschaft versprach: „Wer hart arbeitet, soll es auch zu etwas bringen.“ Die allgemeine Schulpflicht sollte jede und jeden dazu befähigen, einen komplexen Alltag zu bewältigen: Behördengänge, Kassiererinnen, die einen an der Kasse bescheißen wollen, Gurus, die einem einreden wollen, die Erde sei eine Scheibe, wohlmeinende Menschen, die behaupten: „Kind, das ist doch nichts für dich! Das kannst Du doch im Leben nicht! Überlass das mal lieber anderen!“.

Man könnte Abhilfe schaffen. Sarrazin forderte in „Deutschland schafft sich ab“ 2010 eine Art Hauswirtschaftsschule, in der Menschen wie ich lernen sollten, Menschen wie Margarete Stokowski zu bedienen und ihnen das Leben angenehmer zu machen. Peter Sloterdijk, der im „Spiegel“ kürzlich als „links-konservativ“ gefeiert wurde, machte sich zeitgleich für „Leistungsträger“ stark und forderte eine Armenfürsorge, die auf Barmherzigkeit beruhe, den milden Gaben, die diejenigen, denen es finanziell besser geht, gerne geben wollten.

Man könnte dann, wenn man es radikal zu Ende denkt, Menschen, die man nicht mag, einfach verhungern lassen. Die, die nur „Hauswirtschaftsschule“ machen dürfen, wären eh zu dumm, um den Mund aufzumachen, was man ihnen dann mit paternalistischer Güte auch klarmachen könnte.

Ein zweiter Weg wäre, sanft aber bestimmt darauf hinzuweisen, dass es doch noch viel ärmere gibt. Die Hungerkinder in Afrika zum Beispiel. Ja schämen sich die Menschen hierzulande nicht, faul in der „sozialen Hängematte“ herumzuhängen und sich mit Hartz IV einen faulen Lenz zu machen? Denen muss man mal Beine machen! Die sollen den Gürtel mal enger schnallen! Dann wären auch Mittel frei, um sich um die Hungerkinder in Afrika zu kümmern.

Die Globalisierung hat tatsächlich weltweit zu mehr Gerechtigkeit geführt. In Asien und Osteuropa sind breite Mittelschichten entstanden, die sich Smartphones, Reisen und eine akademische Ausbildung für ihre Kinder leisten können. Dafür sind in Westeuropa die Gesellschaften ungerechter geworden. Nirgends klafft die soziale Schere so weit auseinander wie in Deutschland. Armut gibt es in Afrika nach wie vor. Zu uns kommt die globale Elite und daheim ist, wer ohnehin immer schon auf Rosen gebettet war eben noch ein bisschen reicher geworden.

Ein dritter Weg wäre, den Spieß einfach umzudrehen. Talente sind nicht nur angeboren, es sind auch die sozialen Umstände, die Türen öffnen oder schließen. Wer nicht gefördert wird, dessen talente liegen brach. Hat also jemand aus gutem Hause 22 Semester gebraucht, um einen Studienabschluss in christlicher Archäologie hinzukriegen, kann man behaupten, er oder sie sei halt nicht genug gefördert worden. Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen, und behaupten, dass soziale Aufsteiger Streber seien, aber nicht nur das, die wahren Ausbeuter eigentlich. Hüte sich also, wem das Studium Spaß macht, wer gute Noten hat, gern mal ein Buch zusätzlich ließt, Freude daran hat, fremde Sprachen zu lernen oder eigene Projekte zu stemmen – Es wird einem so ausgelegt werden, dass man halt ein „Bonzenkind“ sei und – Zitat – „Jetzt mal die anderen dran sind!“. Die muss man jetzt fördern. Die haben ihre Chance noch nicht gehabt.

Dass Babyyoga und Chinesisch ab dem 3. Lebensjahr vielleicht sogar eine Überförderung darstellen, sagt man lieber nicht laut. Die Leute werden darauf kommen, dass sie die Ideen brauchen, die einem selber so durch den Kopf gehen. ja, hat man selbst nicht eine schöne Kindheit zwischen Kuhweiden und Kleinstadtattraktionen verbracht, während die anderen schuften mussten? Hat man nicht jede Möglichkeit gehabt, seine Phantasie und Kreativität zu entwickeln, Eigenständigkeit zu erlernen? Indem man 20 Kilometer mit dem Fahrrad über die Landstraße gedüst ist, zum Beispiel. Oder die Erfahrung gemacht hat, dass Elektrozäune einem Stromschläge verpassen.

Später im leben hat man auch die Erfahrung gemacht, dass man zwar die richtigen Qualifikationen, aber nicht den richtigen Stallgeruch hat. Außerdem gibt es ja so viele, die zuerst dran sind. Die Kinder der griechischen Reeder und der spanischen Investmentbanker zum Beispiel. Jaha, die sind links, hätte man ja nicht gedacht. mans agt also lieber nichts. Dann dicke Frauen, weil die sind queer. Feminine Frauen, weil die leiden darunter, dass man sie nicht ernst nimmt. Angeblich.

Die nehmen einen nicht ernst. Dann kriegt man einen Kinderporno hochgeladen. Oder die Frauen wollen zuerst einmal alle flirten. Weil sie ja queer sind.

Sorry, verschont mich mit eurer Hilfe!

Advertisements