#Orly. Oder: Unheilige Allianzen

Teil I: #Orly. Oder: Mach die Hunde scharf!

Am Pariser Flughafen Orly ging gestern erst einmal gar nichts mehr. Ein Mann ist erschossen worden, der möglicherweise Unheil anrichten wollte, ein „Gefährder“: Araber, Islamist, eine Vergangenheit als Kleinkrimineller, vielleicht psychisch labil – kurz: Das übliche Profil des modernen Attentäters. „Einsame Wölfe“, Menschen, die viel Ablehnung und Ungerechtigkeit erfahren haben und deren Möglichkeiten in den prosperierenden Gesellschaften des Westens von vornherein begrenzt waren lassen sich offenbar sehr gut für die menschenverachtenden Ziele von Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat einspannen.

Doch wie wird aus einem aggressiven Kleinkriminellen ein potentieller Massenmörder? Was macht aus jemandem, der Halt und Identität suchte, jemanden, der bereit ist, wahllos Menschen umzubringen? Wie kann jemand, der sich über eine demonstrative Religiosität ein positives Selbstbild aufbauen wollte, gegen eine Gesellschaft, die ihn als „Beur“ oder „Kanaken“ verachtete, zu dem Schluss kommen, dass im Namen dieser Religion Hass und Gewalt gesäht werden müsse?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich glaube, dass sich extremistische Gruppierungen gezielt labile Menschen mit geringem Selbstwertgefühl herauspicken, weil sie davon ausgehen, dass sie sich leicht manipulieren und aufhetzen lassen: Menschen, die man scharf machen kann wie eine Handgranate oder einen Pitbullterrier und die man vor den eigenen Karren spannen kann, ohne sich selbst die Hände schmutzig machen zu müssen.

Das geht auch am anderen Rand der Gesellschaft. Rechtsextremismus, so könnte man denken, verträgt sich nicht mit dem Einsatz für schwache, marginalisierte Menschen. Weiß man nicht aus dem Nationalsozialismus, dass die selbsternannten „Herrenmenschen“ nichts als Verachtung z. B. für psychisch Kranke übrig hatten? Und ist nicht allgemein bekannt, dass rechtspopulistische Parteien wie die AfD einen rüden, wirtschaftsliberalen Kurs verfolgen, der kaum vorsieht, z. B. Langzeitarbeitslose auf Rosen zu betten? Gerade sozial schwache Menschen müssten eigentlich ein vitales Interesse daran haben, dass das Recht des Stärkeren nicht gilt.

Dennoch bietet sich auf AfD-Veranstaltungen, soweit man es von außen sehen kann, ein bizarres Bild von Herrschaften in luxuriöser Abendgarderobe und vereinzelten Menschen in abgerissen wirkender Alltagskleidung, die eher nach Jobcenter und miefiger Dauerarmut aussehen als nach gediegen-konservativer Elite und deutschnationalen Altherren-Netzwerken mit Schmiss.

Und unter den Rechstextremen finden sich paradoxerweise sogar überraschend viele psychisch Kranke, man denke nur an die sog. „Reichsbürger“ oder die „Druiden“, rechtsextreme Mittelalterfans, von denen einige auch nicht erst seit gestern mit einem elitären, esoterischen Denken à la Evola sympathisieren.

Teil II: 7 Gesichter des Hasses – Unheilige Allianzen

Aber kommt es wirklich nur von rechts? Selbst habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir insbesondere Menschen zürnen und mit Aggressionen begegnen, die eigentlich doch ähnlich denken müssten wie ich. Nur dass sie meine Feinde lieber mögen. Ja, genau genommen ist es sogar so, dass sogar jeder Nazi sind ihnen immer noch lieber sind als ich. Vermutlich stimmt das.

Nach allem, was ich bislang weiß, haben meine Feinde allerdings ein paar Gemeinsamkeiten:

  1. Adipositas

Fast überall, wo ich Ärger hatte und angefeindet wurde, spielte bislang jemand (nicht nur Frauen, auch Männer) mit Adipositas bzw. sehr starkem Übergewicht eine Rolle. Ist mir nur so aufgefallen …

  1. Linkspartei, Querfront, bürgerlich-rechtes & rechtsextremes Spektrum

Viele meiner Feinde haben einen Bezug zur Linkspartei (ich übrigens selbst nicht), einige auch zu alten Stasi-Seilschaften, andere wiederum sind zu den Grünen gewechselt oder friedenspolitisch aktiv. Es muss auch ein Bezug zum rechtsliberalen und konservativen Milieu geben (AfD, ALFA, rechter Rand der FDP und der CDU, mit ausgeprägter Islamfeindlichkeit und einem Draht nach Frankreich, bei den Linken eher eine Tendenz zum Antisemitismus) sowie zu den rechtsextremen „Identitären“ und zu den „Autonomen Nazionalisten“. Interessanterweise kenne ich übrigens dieses Triezen mit z. B. „Die eigentliche Rassistin/Antisemitin bist aber doch du!“, „Die Homosexuellen/Ausländer/Juden mögen dich aber nicht! (sondern nur mich!)“ eigentlich auch eher von Rechnten und Konservativen. Einige der Menschen, die mir über den Weg gelaufen sind, kann man ideologisch mit an Sicherheit grenzender Wahrhscheinlichkeit dem sog. „Querfrontmilieu“ zuschlagen (Ken Jebsen, Kopp-Verlag). Das trifft sowohl auf Leute aus meiner Vergangenheit zu (auch wenn ich nicht weiß, auf wen genau, nur dass sich in der Stadt, wo ich studiert habe, im linken Milieu ebenfalls ein Rechtsruck vollzogen hat. Ich hoffe, es ist niemand dabei, auf den oder die ich mal große Stücke gehalten habe!) als auch auf Leute, die ich in Berlin kennen gelernt habe.

  1. Frauen- und Genderforschung, Queerfeminismus

Viele meiner Feinde haben oder hatten mit Frauen- und Genderforschung zu tun und engagieren sich für den Queerfeminismus. Die meisten betrachten sich auch selbst als „Queer“. Hier kann ich ziemlich sicher sagen, dass es um Frauen von meiner Uni geht, zumal die auch schon damals versucht hatten, mir dicke Frauen „aus Berlin“, wie es hieß, aufzuhalsen und es zu der Zeit (nach meinem Uni-Abschluss) auch mit den sexuellen Belästigungen durch andere Frauen („Iiih, die Lesbe!“) und der Idee, mir alles Unangenehme aufzuhalsen, anfing. Trotzdem – dass jede Frau, die für Gleichberechtigung eintritt, eine gestörte Existenz ist, die es nur darauf anlegt, andere Frauen zu demütigen, ist nun auch mehr als unwahrscheinlich. Vielleicht geht es eher um eine oder mehrere Frauen aus meiner Vergangenheit, die sich offiziell zwar auch für Feminismus stark gemacht haben (oder es zu einem späteren Zeitpunkt getan haben), evtl. sogar Geld damit verdient haben (oder jetzt Geld damit verdienen), denen aber Äußerlichkeiten, heterosexuelle Weiblichkeit und (überlegene!) Attraktivität für Männer ausgesprochen wichtig war – Stichwort: „Germany’s next Topmodel“ …

  1. „Opfer“, die es besser getroffen haben als ihre „Unterdrücker“

Fast allen meiner Feinde geht es besser als mir (obwohl ich umgekehrt als der „Unterdrücker“ und „Klassenfeind“ erscheinen soll): Fast alle haben irgendwie die Rolle des „kleinen Lieblings“ inne. Man kennt das ja, das Lieblingskind, oft das kleine Nesthäkchen, der Augapfel seiner Eltern, der (oder die) sich alles erlauben kann und es weidlich ausnutzt.

Meine Feinde sind, falls sie studiert haben, an der Uni speziell gefördert worden und haben generell einen guten Draht zur Macht (zu Professoren oder aber z. B. zu Politikern, zu Mitarbeitern im Jobcenter, usw.), aber nicht unbedingt zu ihrer Peer-Group.

  1. Mobbing – nicht zum ersten Mal

Fast alle meiner Feinde sind schon öfters mit Mobbing aufgefallen. Es sind im Großen und Ganzen eher unbeliebte Menschen, die aggressiv und arrogant auftreten und andere, zumindest da, wo Höflichkeit vermeintlich nicht nötig ist, mit Herablassung oder sogar Verachtung behandeln.

  1. Menschen, die Beschützerinstinkte wecken

Zu vielen dieser Leute muss man aber trotzdem nett sein, weil sie in irgendeiner Weise Beschützerinstinkte wecken (z. B. weil sie Adipositas haben, sonstwie psychisch krank sind, sich besonders feminin geben (das „hilflose Weibchen“, dem man dann wieder den Rücken stärken muss), sich als „Transgender“ geoutet haben).

Die meisten sind auch trotz ihrer guten Beziehungen „nach oben“ und ihrer ausgeprägten Ellenbogen nicht besonders erfolgreich (nach oben buckeln und nach unten treten funktioniert also wohl nicht immer), obwohl die wenigsten wirklich arm oder marginalisiert sind oder sich in solchen Fällen auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen verlassen können.

  1. überdimensionierte Egos & wenig Selbstwertgefühl

Fast allen meiner Feinde ist es wichtig, sich überlegen zu fühlen (zumindest mir gegenüber), viele fühlen sich schon angegriffen, wenn ich überhaupt irgendwo auftauche, auch wenn ich den Mund gar nicht erst aufmache und mich auch sonst defensiv verhalte, so nach dem Motto: „Entschuldigung, dass ich geboren worden bin!“. Das zumindest scheint genau das zu sein, was man (bzw. frau) auch glaubt, von mir erwarten zu können. Zwar geht es sehr wohl um die Konkurrenz um Jobs (fast alle meine Feinde suchen auch oder immer mal wieder, möchten sich „verbessern“ oder sich noch einmal neu in einem ganz anderen Bereich, nämlich in meinem, ausprobieren), aber auch um Image oder schlicht ums Unterdrücken. Es scheint, dass diese Leute den Löwenanteil ihres Selbstbewusstseins daraus beziehen, dass andere nichts haben und nichts sein dürfen.

Vielleicht geht es genau darum, dass jemand, der oder die wenig Selbstwertgefühl hat, sich besser fühlen soll, weil es ja immer noch jemanden gibt, der oder die noch weniger wert ist als man selbst. Dadurch schafft man dann wieder Menschen die chronisch gekränkt sind und auf jede Kleinigkeit aggressiv reagieren – ein Teufelskreis! … und leider auch exakt das Angebot, dass der Nationalsozialismus seinerzeit der deutschen Bevölkerung gemacht hat. Sollte man/frau sich also besser noch mal überlegen ….

Ich vermute, dass in meinem Fall jemand alles losgetreten hat, der oder die unter einer Essstörung leidet – Adipositas oder etwas, das man der Person äußerlich vielleicht auf den ersten Blick gar nicht anmerkt – und mit mir zusammen studiert hat oder zu der Zeit promoviert oder zum Lehrkörper der Uni gehört hat (ohne in einer höheren Position gewesen zu sein). Möglicherweise ist es auch jemand, der „es“ für eine adipöse / essgestörte Freundin / Ehefrau oder einen adipösen / essgestörten Freund / Ehemann „getan“ hat. Theoretisch könnte es sogar (für) eine Frau gewesen sein, die nicht zierlich genug war, um in einem ihr gebührenden Job, etwa als Tänzerin oder Modell erfolgreich zu sein. Solche Frauen kannte ich genug. Sie ergreifen oft meinen Studiengang als „zweite Option“. Dort allerdings werden unattraktive Frauen stillschweigend verachtet, weil es eben wirklich sehr stark auf die „äußeren Werte“ ankommt. Queer ist einfach zu sehr auf meine Kommilitoninnen zugeschnitten, passt aber auch auf die eine oder andere Studienfreundin oder Bekannte von mir. In solchen Fällen fände ich es irgendwie schade, wenn Frauen, die eigentlich mehr zu bieten hatten, als einen „perfekten“ Körper (den hatten sie tatsächlich alle nicht, ebenso wenig wie ich), sich selbst genau darauf reduzieren … Aber – vergessen wir nicht – letztendlich läuft Queer unter einem linken Label (Das wurde in meinem Studienfach eher belächelt, obwophl Frauen- und Genderforschung später eine große Rolle spielte).

Meine gesuchte Person X ist vermutlich sehr eitel, tritt vielleicht auch intellektuell hochtrabend auf, obwohl sie genau das wahrscheinlich von mir behaupten wird. Sie kann sich zu Studienzeiten genau wie ich für linke Inhalte begeistert haben (und tut es vielleicht heute noch), sie kann mit mir oder jemandem aus dem hochschulpolitisch linken Spektrum befreundet gewesen sein und war vielleicht selbst unpolitisch, „mittig“ (SPD, Jusos, …) oder sogar konservativ bis rechts, repräsentiert aber den Menschentypen, den Linke heutzutage gern fördern wollen oder hat sich immer „links-leger“ gegeben, ohne aber seine /ihre wahren Ansichten preiszugeben. Schon irgendwie bizarr, dass es sich ständig alles um Körperbilder und Essstörungen drehte, obwohl ich selbst eigentlich damit gar nichts zu tun habe und mich auch nie negativ über Dicke oder Menschen mit Esstörungen geäußert habe. Außerdem war ich als sehr junge Frau bekannt dafür, mich eher weniger um mein Äußeres zu kümmern (obwohl ich manchmal auch ein bisschen eitel bin) und sehe ziemlich durchschnittlich aus, eine Normalo-Woman, keine, auf die man (bzw. frau) neidisch sein müsste, aber auch kein „hässliches Entlein“. Ich glaube aber, dass es neben physischer Attraktivität auch um „überlegene“ Intelligenz geht – kurz: um Menschen, die sich mir gegenüber tatsächlich für etwas Besseres gehalten haben. Daher vielleicht auch der Link zum rechten Rand, selbst wenn es eine „linke“ Idee gewesen sein sollte.

Der eine oder andere wird sich vielleicht fragen, ob das nicht doch etwas schräg ist, was ich hier auf meinem Blog präsentiere, ein bedauerliches Einzelschicksal vielleicht. Aber in Berlin werden ja öfters Hexenjagden veranstaltet. Genau. Die Frage ist nämlich, ob es nicht irgendwie auch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist.

Teil III: Fazit – Neue deutsche Realitäten

Allerdings – der Queerfeminismus dreht sich tatsächlich schwerpunktmäßig um Essstörungen, Körperbilder und sexuelle Attraktivität.

Und auch die sog. Querfront gibt es wirklich. Dass der ehemalige Stasi-Spion Rainer Rupp, der auch für „Russia Today“ schreibt und mit Ken Jebsens Vlog KenFM zusammenarbeitet, sich mittlerweile für den Geschäftsmann und überzeugten Kapitalisten Donald Trump stark macht, wie ihm sein Wikipedia-Eintrag bescheinigt (Zugriff am 20. 03. 2017), sollte einen aufmerken lassen. Auch, dass der Ex-Stahlhelm Jürgen Todenhöfer jetzt Herausgeber des linken „Freitag“ ist und es nicht einmal eine Erklärung wert war, dass Todenhöfer einst als Teil des rechten Randes der CDU dem linken, demokratisch gewählten chilenischen Präsidenten Salvador Allende Entwicklungshilfegelder verweigert hatte, die er dem rechten Diktator Augusto Pinochet, der Allende gestürzt hatte, dann gern bewilligte. Auch das kann man auf Wikipedia nachlesen (Zugriff am 20. 03. 2017)

Glaubt jemand wirklich, dass eine bessere, gerechtere Gesellschaft sich nur durch Mobbing, Hass und Konkurrenzkampf erreichen lässt? Oder sind es nicht vielleicht ganz andere Menschen, die im Hintergrund sitzen und die Strippen ziehen? Menschen, denen daran gelegen ist, die Leute gegeneinander aufzuhetzen und diese Gesellschaft zu zerstören – ob es nun Linke sind, die sich etwas davon versprechen, die Gegensätze zu verschärfen – weil es vielleicht dann doch irgendwann eine richtige Revolution gibt, wie Marx es vorausgesagt hatte – oder Konservative, die darauf bauen, sich Wählerstimmen – und zwar auch die Stimmen linker und linksliberal gesonnener Wähler – damit erpressen zu können, dass die Leute genauso viel Angst vor dem erstarkenden Rechtspopulismus haben wie vor dem islamistischen Terror, ob es die rechten und rechtsextremen Kräfte selbst sind, die von einer Diktatur à la Pinochet auf deutschem Boden oder aber noch unverhohlener von einem „Vierten Reich“ – diesmal aber wirklich „tausendjährig“ – träumen und davon ausgehen, dass die Linken (und sicher auch einige von den Queerfeministinnen) schon willfährig die Drecksarbeit für sie erledigen werden indem sie schön brav sticheln und hetzen und „Diskriminierung“ wittern, wo keine ist, dafür aber großzügig darüber hinwegsehen, wenn sich tatsächlich mal jemand rassistisch, antisemitisch, homophob und/oder frauenfeindlich äußert, indem sie immer neue „Opfergruppen“ (Essgestörte, verhinderte Supermodels, Oberschichstgören, denen das gewisse Etwa zur ganz großen Karriere fehlt, usw..) aufmachen, deren Selbstbewusstsein angeblich mit der Abwertung und Ausgrenzung anderer erkauft werden muss, kurz: indem sie das ursprünglich rechte Projekt, die Menschen gegeneinander aufzuwiegeln und ein Gefühl der Unzufriedenheit zu erzeugen, fortführen. So lange man ihnen nur Jobs, Anerkennung und eine gewisse Macht, wenigstens im Kleinen gibt und ab und zu mal eine Adipositasfrau in KiK-Klamotten an sein in edle Luxusgewänder gehülltes Herz drückt, wird es schon klappen. Oder ob es eben die Islamisten sind, die Europa gern zum Vassallenstaat eines zukünftigen glorreichen „Kalifats“ machen wollen – Das weiß ich nicht. Vielleicht hatten sie einfach alle den gleichen Gedankengang.

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