Nomen est Omen. Oder? (antisozial I)

Warum ändern Menschen ihren Namen? Na ja, weil sie vielleicht „Fick“, „Klohausen“ oder „Hitler“ heißen und ihnen das unangenehm ist? Oder weil sie ihr Geschlecht ändern möchten und „Hans-Georg“ nicht besonders weiblich klingt?

Aber wenn das alles nicht der Fall ist? Wenn man bzw. frau z. B. Heike heißt und sich in Shanté oder Akiko umbenennt und es nicht einmal um eine Sekte geht? Kann sein, dass Heike* ein bisschen trampelig-deutsch klingt. Was ist, wenn die Eltern den Namen schlicht und klangvoll fanden, frau selbst aber exotisch und außergewöhnlich für sich viel passender findet?

Gern wird sich lustig gemacht über junge, biodeutsche Frauen aus sozialen Brennpunkten, die auf Namen wie Chantal, Beyoncé oder Mandy-Michelle hören. Wenn eine Intellektuelle sich plötzlich einen etwas gezwungen auf exotisch getrimmten Namen gibt und als Person dazu noch dazu der Inbegriff von biodeutsch ist – blond, korpulent, eher schweigsam und oft etwas barsch im Auftreten – weiß man nicht so recht, was man davon halten soll. Schlimm ist es ja eigentlich nicht. Ich meine, warum sollte z. B. die wissenschaftliche Referentin einer politischen Stiftung nicht Shanté Becker* heißen. Vermutlich würde man eine Afrodeutsche erwarten und wäre etwas irritiert, eine schon auf den ersten Blick zweifelsfrei Biodeutsche anzutreffen, aber warum nicht? Tut ja niemandem weh.

Ein bisschen komisch ist es, wenn solche Leute aus einem linken Milieu kommen oder sich mit besonderer Vehemenz für Empowerment und die Förderung von Minderheiten einsetzen. Dazu geistert einem dann eher immer etwas wie „Sag mal, hast du noch nie in den Spiegel geguckt? Siehst du nicht, dass niemand dich für ’ne Person of Color hält?“ im Kopf herum.

Aber ansonsten: ganz egal. Einen Neuanfang, auch namentlich, kann schließlich jeder machen.

*Klar, dass „Heike-Shanté Becker“ eine von mir erfundene Person ist.

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