Kästners „doppeltes Lottchen“ reloaded (antisozial II)

Namen sind eigentlich Schall und Rauch. Manche Leute haben ja auch Künstlernamen. Aber was ist, wenn Leute buchstäblich ein gänzlich falsches Bild von sich abgeben? Googlen Sie mal unsere kleine, etwas gedrungene Mitarbeiterin der Stiftung für politische Bildung, vielleicht ist sie auch Chefsekretärin oder freiberufliche Journalistin (Es handelt sich ja in unserer Geschichte nicht um eine konkrete, real existierende Person). Und plötzlich zeigt das Foto, Nein, nicht nur ein Profilbild, schon etwas mehr, eine hochgewachsene sportlich-schlanke Blondine. Gut, ich meine, vielleicht können Menschen schrumpfen. Dass Frauen im Laufe eines Lebens zunehmen ist ja nicht ungewöhnlich. Problematisch wird es höchstens, wenn Sie unsere Referentin für politische Bildung seit etwa 20 Jahren flüchtig vom Sehen her kennen und genau wissen, dass sie nicht geschrumpft ist und auch nicht zugenommen hat.

Komisch ist es auch, wenn, na sagen wir mal ein Kunststernchen oder irgendeine Szenegröße, die „was mit Musik macht“, im Internet als zierliche, zarte dunkelhaarige Person auftaucht, obwohl sie die Frau, die sie dumm angemacht und ziemlich hochnäsig verarscht hat, als hellhäutig, blauäugig und auffallend grobschlächtig, eher nicht ganz so hübsch, in Erinnerung haben (obwohl man Ihnen bereits eingehämmert hat, dass die Frau unter Lesben als äußerst attraktiv gilt und von vielen Frauen bewundert und begehrt wird. Daran zweifeln Sie nicht – die Geschmäcker sind ja nun einmal verschieden – , nur dass sie eben nicht Ihr Fall ist …). Manchmal berufen sich solche Leute darauf, dass sie sich und ihr Privatleben vor ihren „Fans“ schützen und daher bewusst Verwirrung stiften müssten. Tja, der liebe Neid. Nur dass das nicht ganz so überzeugend klingt, wenn es um irgendwelche Beta-Sternchen geht, nach denen eigentlich kein Hahn kräht. Vielleicht geht es dann eher darum, sich die dummen Anmachen und das Verarschen erlauben zu können, ohne dass einen jemand dafür zur Rechenschaft zieht. Im Zweifelsfall kann man bzw. hier frau dann immer noch behaupten, man/frau (also die andere Person) sei einem Irrtum aufgesessen …

Ein bisschen klingt das aber schon, als wäre es aus Erich Kästners Roman „Das doppelte Lottchen“ abgekupfert. Nur eben mit umgekehrten Vorzeichen. Aber andererseits – redet einem nicht gerade die Medienwelt ein, man (oder frau) könne alles sein und sich jederzeit wieder neu entwerfen? Man muss nur halt  ein bisschen aufpassen, dass sich nicht auch Kriminelle darauf berufen …

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