Die „große Stütze“ (antisozial III)

Vermutlich kommt es bei gefälschten Bildern (oder sagen wir: sehr vorteilhaft bearbeitet. Mit Photoshop geht vieles) ein bisschen darauf an, was Frauen (sicher machen es auch Männer) damit verdecken wollen. Aber wie wäre es denn mit einem gefälschten Lebenslauf? Sie haben zwei Jahre in Spanien in einer tollen Tourismusanlage gejobbt und den Fehler gemacht, ihrer Bekannten Linda* davon zu erzählen. Dass auch Linda in der Tourismusbranche Fuß fassen möchte, wussten Sie nicht, da Linda für ein Kulturinstitut arbeitet, zwar nur befristet, aber immerhin. Genau da hatten Sie sich nämlich beworben und auch das interkulturelle Projekt mit den Amazonas-Indianern erwähnt, dass Sie zu Studienzeiten unter Anleitung des alterwürdigen Professors Prof. Dr. Dr. Kemper* durchgeführt hatten. Sie wissen nicht, ob Ihre Bewerbung in der Personalabteilung des Kulturinstitutes angekommen ist, denn Sie haben keinerlei Reaktion darauf erhalten. Dafür lesen Sie kurz darauf in der Zeitung, dass das Kultusinstitut wieder Leute sucht, vorzugsweise Studenten, für ein Projekt, das ihrem Studienprojekt überraschend ähnlich ist. Ein paar Wochen später erfahren Sie über Bekannte, dass Linda in die Tourismusagentur ihrer Stadt gewechselt ist, eine Stelle mit Führungsfunktion und diesmal unbefristet. Bis dato hatte niemand gewusst, dass sie auch in solchen Dingen Erfahrungen hat, aber sie hat da wohl mal ein paar Jahre in einer Tourismusanlage in Spanien gearbeitet, wie gerüchteweise durchgesicktert ist …

Jetzt werden Sie vielleicht sagen, dass Sie Linda irgendwie verstehen. Sie wollte halt nicht immer befristet arbeiten. Gut, es ist ein bisschen rücksichtslos der anderen gegenüber, deren Lebenslauf ausgebeutet wurde, aber immerhin hat zumindest das Kulturinstitut ja nur Prof. Dr. Dr. Kemper kopiert und der kann vielleicht damit leben. Und wenn Sie es einmal recht bedenken: Vielleicht hat man Ihre Bewerbung gar nicht erst zur Kenntnis genommen, sondern hatte zufällig den gleichen Gedankengang, wie seinerzeit Prof. Dr. Dr. Kemper. Ehrlich gesagt: auch das kommt vor.

(Mein Tipp an Leute, die mit Menschen wie Linda zu tun haben: Referenzen und Arbeitsproben bei Bewerbungen persönlich nur zur Ansicht vorlegen, nicht mitschicken, keine ausführlichen Projektbeschreibungen schicken oder davon detailliert im Vorstellungsgespräch berichten, mehrteilige Referenzen nur in Teilen schicken und fremdsprachige Referenzen nicht übersetzen. So kann man die Lindas dieser Welt wenn es hart auf hart kommt, ins Schleudern bringen.)

*Die „Bekannte Linda“ ist natürlich ein literarisches Konstrukt. Das trifft auch auf „Prof. Dr. Dr. Kemper“ zu.

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