Ist „nicht nett“ das gleiche wie „total scheiße“? Die heutige Arbeitswelt unter der (feministischen) Lupe

„She-Boss“? „Bossy Woman“, also ein fieses Alpha-Weib, das die Klaviatur männlichen Machtgebarens ebenso lässig beherrscht wie jeder Wall-Street-Broker? Muss frau ein „Psychopath(…) in Nadelstreifen“ sein, um Erfolg zu haben, wie ein Buchtitel (von Carmen Kühn, wen es interessiert) es auf den Punkt bringt? Schlimmer noch, sollte frau am besten eine Art weiblicher Donald Trump sein, um Erfolg zu haben?

Die promovierte Wirtschaftsinformatikerin Laura Dornheim zieht auf „Edition F“ Fazit: „Warum nett sein uns nicht weiterbringt„. „Frauen, bitte verhaltet euch wie Männer!“ fordert sie. Klar, „typisch weiblich“ gleich: mütterlich, fürsorglich, auch: sexy, frivol, mit einem guten Auge für Deko – nur leider reichlich doof. So peinlich altbacken der Stereotyp auch klingt. Dornheim hat leider recht.

Als ich studierte, stellte ich gleich in den ersten Semestern fest: Auch anderen Frauen geht das intellektuelle Macho-Gehabe mancher Männer gehörig auf die Nerven. Leider waren es oft auch linke, offiziell also „frauenfreundliche“ Männer. Was also tun, wenn „er“ in feministischer Theorie eigentlich viel belesener ist (und dir das im Zweifelsfall noch mal erklärt, wie das mit dem Feminismus gemeint ist), na ja, weil DU im einführenden Pro-Seminar Semiotik machst und dich nebenher noch in diverse politische Theorien eingearbeitet hast (nicht, weil das in dem anderen Proseminar – „Einführung in das politische System der Bundesrepublik Deutschland“ – verlangt worden wäre. Vielmehr ging es darum, sich in der interdisziplinären – äh – „Lerngruppe“, Montags in der linken Studie-Kneipe, bei Diskussionen keine Blöße geben zu müssen. Ein „Sehr gut“ hast du als angenehmen Nebeneffekt für die Proseminararbeit dann doch gekriegt, was „er“ etwas schmallippig und ziemlich überheblich als „Anfängerglück“ abgetan hat. Aber für die feministische Theorie blieb dir eben keine Zeit.).

1. Frauen sind viel besser als sie denken!

Wohl niemand ist heute noch so blöd und glaubt, es gäbe „Männergehirne“ und „Frauengehirne“. Na ja, in manchen differenzfeministischen Köpfen geistert der Gedanke noch herum. Vielleicht, weil der ein oder andere blonde Jungmann findet: „Voll lesbisch, wenn Frauen einen auf intellektuell machen!“. Klar, man bzw. frau kann es positiv wenden und sagen: „Na ja, Lesben sind halt gut in Mathe und haben mehr Ahnung von Politik.“ Dumm nur, wenn ein guter Teil der lesbischen Szene-Frauen dann Literaturwissenschaft studiert hat und irgendwie was mit Kultur machen will.

Es ist ein Vorurteil! Macht euch das klar!

2. Denkfehler (I): Gut ist nie gut genug

Zurück zu der Eingangsstory: Du hast eine klasse Seminararbeit hingelegt und eine entsprechend gute Note bekommen. „Er“ bemerkt spitz, dass du einen der wichtigsten, derzeit zum Thema am meisten rezepiertesten Theoretiker überhaupt nicht beachtet hast. So profunde sind deine Kenntnisse also wohl doch nicht. Tatsächlich hatte er zufällig gerade was dazu in der „Zeit“ gelesen. Du liest die „Zeit“ nur gelegentlich. Tja, Pech! Ob aus dir noch eine gute Politikwissenschaftlerin (setze ein entsprechendes Fach für dich ein!) wird?

Mach dir klar: Der junge Doktorand, der deine Arbeit korrigiert hat, kennt sich sogar noch besser im Thema aus als „er“, der Dämlack, der in Wirklichkeit nur eifersüchtig ist und außerdem Angst hat, du brächtest ihm nicht mehr genügend „Respekt“ (als „Instanz“ auf intellektuellem Gebiet) entgegen. Es gibt aber natürlich renommierte Experten, die es noch besser wissen. Willst du keine renommierte Expertin auf einem bestimmten Fachgebiet werden, musst du auch nicht Jahre deines Lebens darauf verschwenden, wirklich alles zum Thema zu wissen.

Genau genommen ist die eigentliche intellektuelle Leistung sogar, zu wissen, wie viel Wissen man für was braucht (Willst du als Dolmetscherin für die UNO arbeiten, musst du besser Englisch können, als wenn du nur gelegentlich mal ein Tischgespräch auf Englisch führen können willst. Willst du als Programmierin arbeiten, reicht irgendwann mal „ein bisschen“ programmiert zu haben nicht. Willst du dagegen nur wissen, wie eine Webseite aufgebaut ist, ist es genug, ein bisschen in HTML hineingeschnuppert zu haben. Für ernsthafte technische Probleme musst du dich dann halt doch an jemanden wenden, der/die sich damit auskennt. Du weißt, was ich meine …?)

Warum es nicht gut ist, „ihn“ hier zu imitieren? Nun ja, vielleicht interessiert „er“ sich wirklich für das akademische Arbeiten und träumt von einer Karriere an der Uni. Allerdings ist „er“ auch eitel und verschwendet zu viel Zeit darauf, sich Wissen anzueignen, das „ihn“ als „klugen Denker“ und „belesenen Schöngeist“ ausweisen soll. Manche sind so zu Langzeitstudenten geworden und haben nach 26 Semestern ohne Zwischenprüfung (heute: Bachelor) irgendwann aufgegeben. Schade. Aber es ist nicht deine Schuld!

3. Denkfehler (II): Männer bluffen doch auch nur

Allerdings gibt es Frauen, die daraus den Schluss gezogen haben, dass es reicht, ein bisschen auf dicke Hose zu machen. Klar, sie haben „Bernd, den Profi-BWLer“ vor Augen, der sein Studium auch schon vor dem Vordiplom abgebrochen hat (nach nur 4 Semestern), dann aber als „Naturtalent“ Karriere gemacht hat, heute im Vorstand eines international operierenden Konzerns sitzt und als Experte mit mehreren Ehrendoktorwürden ständiger Gast in Talkshows ist und von einer Fachkonferenz zur nächsten jettet.

Im Zweifelsfall, denken gerade feministische Frauen oft, kann frau, wenn irgendwer sie auf dem falschen Fuß erwischt, ja immer noch behaupten: „Das ist Sexismus!“ Schmollmund „Nur, weil ich eine Frau bin!“

Nehmen wir mal Sandra*, die behauptete, mehrere Ausbildungen im kaufmännischen und sozialen Bereich absolviert und auch ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen zu haben und sich auf eine Stelle als Expertin zur Korruptionsbekämpfung für eine internationale NGO nach Nairobi beworben hatte. Vor uns wollte sie trainieren, wie sie ihr Wissen am besten verkaufen könnte. Leider konnte sie nur einen einführenden Überblick geben, der dann auch noch hinter alles zurück fiel, was man zum Thema gemeinhin so in der Tagespresse lesen kann (geschrieben vermutlich auch noch von einem Redakteur, der Vor- und Frühgeschichte studiert hat).

Sprich: manchmal ist es tatsächlich schwer, einzuschätzen, wann „gut“ „gut genug“ ist, aber frau sollte wenigstens das Gefühl haben, ihr Bestes gegeben zu haben und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben.

Warum es nicht gut ist, „ihn“ hier zu imitieren? Na ja, vielleicht hat „Bernd, der Profi-BWLer“ verschwiegen, dass sein reicher Daddy ihn nach dem Studienabbruch noch auf ein privates Elite-College in die Schweiz geschickt hat, wo man sich etwas mehr Mühe mit ihm gemacht hat als an der „normalen“ staatlichen Uni. Danach reichte es dann auch für den MBA in den Staaten, den Bernd* ebenfalls „vergessen“ hat, in seiner Vita zu erwähnen. Oder aber man liest irgendwann in der Zeitung, wie Bernd ein paar Milliarden in den Sand gesetzt hat und endgültig als Hochstapler aufgeflogen ist …

Sandra* hat den Job übrigens auch nicht gekriegt. Dafür hat sie aber dafür gesorgt, dass eine Menge anderer Frauen als inkompetent und als „Blenderinnen“ dastehen, denen man doch „nichts glauben“ muss. Hatte man(n) es nicht gewusst?

4. Falle mangelndes Selbstbewusstsein

Bertram* und Meike* hatte ich wirklich lange nicht gesehen. Und sie waren immer noch bzw. wieder ein Paar! Ganz wie in alten Zeiten! Nur verlief das Tischgespräch in der stylischen Kreuzberger Kneipe leider nicht ganz so entspannt, wie erwartet. Bertram hatte seine Karriere geschmissen – war nichts für ihn als unkonventionellen Freigeist – und machte jetzt in Kunst. Er erinnerte sich daran, dass ich doch immer so eine „Politische“ gewesen sei. Wir kamen auf den Realsozialismus zu sprechen. Irgendwie verleitete mich das dazu, das Buch „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann zu erwähnen – vielleicht, weil ich dachte, dass es Bertram interessiert, weil es Literatur ist. Ein Fehler! Bertram schaute mich listig an und stellte arrogant fest: „Franziska Linkerhand“ ist aber von Christa Wolf!“ „Nein, von Brigitte Reimann“ antwortete ich. Auch, wenn ich mich mit Literatur nicht so auskenne – DAS wusste ich ganz genau. „Nein, Christa Wolf!“ grinste Bertram, „Sorry, aber das weißt du nicht? Du verwechselst da etwas! Na ja, aber wo Literatur ja auch nicht so dein Ding ist …“. Wie im Sandkasten ging es umgefähr 10 mal so hin- und her. Bertram kam gar nicht erst auf die Idee, dass eventuell ER falschliegen könnte.

Anstatt mich vorführen zu lassen, hätte ich auch sagen können: „Du, google es doch einfach noch mal! Falls es doch die Wolf war, gebe ich dir ein Bier aus!“

5. Kompetenz sorgt für Respekt!

Tja, viele feministische Frauen denken, es sei gut, andere einfach als „Dummchen“ oder im schlimmesten Falle gar „gestört“ vorzuführen. Machen Männer doch schließlich auch. Wenn sie mit fester Stimme sprechen und nur autoritär genug auftreten, können sie – so die Rechnung, die da offenbar aufgemacht wird – bei Männern punkten, zumindest wenn sie sich an Frauen halten, von denen sie denken, dass sie leicht umzunieten sind.

Blöd, wenn frau dann wirklich falsch liegt, vorher aber alles großmäulig anderen als „Fehler“ und „Hast du falsch verstanden!“ ausgelegt hatte. Persönlich erinnere ich mich an Simone de Beauvoir, die ohne Zweifel und ganz eindeutig Gleichheitsfeministin war. Leider hatte auch SpOn- und Ex-taz-Kolumnistin Margarete Stokowski ihr Herz für die de Beauvoir entdeckt – mit dem Schönheitsfehler, dass die Stokowski Queer- also Differenzfeministin ist. Eilig wurde in der taz versichert: „Alles Übersetzungsfehler!“ Generationen von Männern und Frauen haben die de Beauvoir einfach falsch verstanden. Natürlich ist die de Beauvoir nicht falsch verstanden worden. Ich habe ihre Bücher auf Französisch gelesen und mein „Verständnis“ deckt sich mit den älteren, angeblich falschen Auslegungen.

Die Stokowski wollte nicht dumm dastehen, gilt sie doch als Vorbild für intelligente junge Frauen mit einer gewissen Bildung. Aber muss sie das denn? Die Frage ist doch, ob sie dumm dagestanden hätte, wenn sie in der taz (oder sonstwo) hätte verlauten lassen: „Ja, Simone de Beauvoir ist Gleichheitsfeministin. Aus folgenden Gründen rezipiere ich sie aber TROTZDEM: …“ Da wird’s spannend und das hätte Schneid gehabt: echte Argumente anstellte des üblichen Sandkastengeplänkels, wessen Burg schöner ist und dass die eigene Burg auf jeden Fall die schönere ist (weil die einzig übrige), wenn man die des/der anderen kaputt tritt.

6. Denkfehler (III): Sachlich, rational, zielstrebig, zupackend und intelligent ist ja sooowas von unsympathisch … bei einer Frau

In den ersten Semestern meines Studiums waren wir uns im Freundinnenkreis einig: Wir diskutieren erst mal ohne Männer (dafür hatten wir die Männer in unserem Umfeld dazu gebracht, uns als „Soli-Männer“ zu unterstützen) und ab jetzt ist Schluss mit braven „Weibchenfloskeln“ à la „Auch wenn ich es natürlich nicht GENAU weiß …“ (auch dann, WENN ich es genau weiß, z. B. das das Buch“Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann ist und nicht von Christa Wolf), „ich kann mich da IRREN, aber …“, „Vielleicht klingt es WIRR, aber …“ (auch wenn ich mir sicher sein kann, einen Sachverhalt kurz und bündig und sehr stringend dargelegt zu haben) usw. …

Später habe ich mir genau das als einleitende „Pflichtfloskeln“ WIEDER ANGEWÖHNT, weil es am feministischen Lehrstuhl als „selbstsüchtig“ und „unsympathisch“ galt, sie einfach wegzulassen. Wer sich jetzt die Augen reibt: In einem Frauenzentrum in Berlin wurde mir genau das später noch einmal bestätigt: Die Frauen fühlten sich „unterdrückt“ und machten mir klar, dass SIE genau dieses „weibliche“ Verhalten eben sehr schätzten. Dann wollten sie aber selbst die „Männchen“ sein – aaargh!!!

Wer wundert sich da eigentlich noch, wenn man/frau genau DAS Verhalten NICHT ernst nehmen kann?!

Übrigens: Als ich mir das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump angehört hatte, wurde mir an einer Stelle richtig warm ums Herz: Es ging um Jobs, darum, wie die Kandidaten der Präsidentschaftswahl gedachten, das Problem Arbeitslosigkeit in den USA anzugehen.

Trump hatte die Mauer zu Mexico. Clinton, die sich immer wieder für illegale Einwanderer stark gemacht hatte, sagte NICHT: Unsere Jobs sind nur für Latinos da und wer das doof findet, ist ein böser Rassist! Sie sagte vielmehr – ruhig und sachlich – dass sie in die Infrastruktur investieren wolle und außerdem vorhabe, Kleinunternehmer zu stärken. Ideal, angesichts der Tatsache, dass in den USA auch sehr viele College-Abolventen arbeitslos sind bzw. sich mit Aushilfsjobs durchschlagen müssen, wo die Latinos ihnen natürlich eine harte Konkurrenz sind. Clinton hatte aber nur 3, 4 kurze Sätze gebraucht, um deutlich zu machen, dass sie klare Konzepte hat und nicht auf Hetze und Stimmungsmache setzt. Wie beruhigend! Und absolut sympathisch! Fanden Millionen US-WählerInnen offenbar auch (auch wenn es letztendlich dann doch nicht gereicht hat).

7. Denkfehler (IV): Arschlochkarte rules! Männer spielen die doch auch ständig aus!

Ja, stimmt: Psychpathen kommen oft sehr weit – bis es knallt! (siehe oben: 3. Männer bluffen doch auch nur! – „Bernd, der Profi-BWLer“). Nur dass Psychopathen leider psychisch krank sind und das auch der Grund ist, warum sie keine Angst vor dem großen Knall haben – egal, wie wahrscheinlich es ist, dass er kommt. Ihnen fehlt schlicht die Fähigkeit, soweit vorauszuschauen. Deshalb landet Psychopathen auch oft im Knast, wenn auch vielleicht mit einem Umweg über die Wall Street. Will frau „ihn“ hier imitieren, muss sie sich fragen, ob sie ein solches „Happy End“ in kauf nehmen würde.

Der Italiener Niccholò Machiavelli (1469 – 1527), der als früher „Politikberater“ gelten kann, riet dazu, jedes Mittel recht sein zu lassen, sofern es dem eigenen Machtgewinn und -erhalt diene. Außerdem solle man – grob gesagt – ruhig schleimen, was das Zeug hält. Genau das tat auch Machiavelli. Als der Stern seiner Gönner verblasste, war auch Machiavellis Karriere beendet.

Trotzdem – behaupten kann man alles und hat man erst einmal seine GegnerInnen aus dem Weg geschafft, steht dem eigenen Aufstieg ja nichts mehr entgegen. Das denken heute, angesichts immer härter werdender Konkurrenzkämpfe auf dem Arbeitsmarkt viele. Auch viele Frauen.

Donald Trump scheint sie zu bestätigen. Er hat ja alles, was das Herz von Machtmenschen begehrt: Zuerst einmal: Macht, aber auch Geld, schöne Frauen, ein Luxusleben, Erfolg. Na ja – „Erfolg“: von verschiedenen Seiten hört man immer wieder, dass es damit nicht so weit her ist. Trump hatte es in die Wiege gelegt gekriegt: Mit dem finanziellen Polster und den Beziehungen des Vaters hätten eigentlich nicht viel schiefgehen können. Es ging aber dann doch schief. Trump war jedoch, wie es hieß, offensichtlich „too big to fail“. Vielleicht war das auch der Grund, warum man ihm verzieh, dass er Zulieferer und Kunden gnadenlos über den Tisch gezogen und mitunter auch in den Ruin getrieben haben soll. Ohne mit der Wimper zu zucken. So wird man Präsident. Stimmt schon. Aber warten wir’s ab, wie sich die Dinge entwickeln (siehe oben).

Die neue Gnadenlosigkeit und dass jeder hier das „Herrchen“ sein will, habe ich auch zu spüren gekriegt, meist allerdings mit dem Vorzeichen, dass irgendwer „mein Opfer“ sein wollte, um sich genau damit dann ganz groß machen zu können. U. a. hieß es, ich hätte „Ines Pohl (Anmerkung: damals Chefredakteurin der taz) vergewaltigt.“. Ich hoffe (und glaube eigentlich auch), dass Ines Pohl selbst das nicht behauptet hat. (Natürlich stimmt es nicht. Muss man das bei so einer lächerlichen Behauptung extra dazuschreiben?) Vermutlich waren es irgendwelche taz-Hipster, die Welt ist da kleiner, als man denkt. Vielleicht kam die „Anregung“ aber auch von anderer Seite, denn der Vorwurf der Vergewaltigung ging auch in der Version „Laila Phunk hat eine andere Frau vergewaltigt!“ um.

Meinten sie Meike? Meike* (Bertrams* Freundin, siehe oben: 4. Falle mangelndes Selbstbewusstsein) hatte, nachdem ich mich ihr gegenüber geoutet hatte, für sich entdeckt, selbst auch bisexuell zu sein, außerdem – so eröffnete sie mir, habe sie sich mir gegenüber immer „wie ein Mann“ gefühlt, sei also vielleicht auch „ein bisschen transsexuell“. Mir fiel es schwer, das der großen, leicht stämmigen Frau, die ich immer nur mit langen blonden Haaren und als betont femininen Typ gekannt hatte, abzunehmen. Aber mehr Körperkraft als ich hatte sie wirklich. Das demonstrierte sie mir einmal, als eine „freundschaftliche“ Begrüßungsumarmung erst dann endete, als Meike es wollte, auch wenn es sich für mich schon längst nicht mehr so freundschaftlich angefühlt hatte.

Aber das war nicht der Grund, weshalb ich ablehnte, als Meike mich eines Abends in ihr Bett einlud. Ich fand sie erotisch absolut nicht interessant und glaubte, das durch mein Verhalten auch klar zum Ausdruck gebracht zu haben. Aber was ist schon schlimm daran? Jemand spricht eine Einladung aus. Man bzw. frau lehnt ab. Am nächsten Morgen ist das Ganze dann einfach vergessen. Von beiden Seiten. Meike hat mich nämlich auch nicht vergewaltigt. Ich glaube, sie hatte das mit der Queer-Trans-Sache einfach irgendwie in den falschen Hals gekriegt. Offensichtlich hatte sie einfach ein Problem rund um den Komplex Macht-Überlegenheit-Körper, wie so viele andere Frauen in Berlin (und anderswo) auch. Dafür haben mir etliche Männer und Frauen bzw. „Transpersonen“ Vergewaltigung angedroht – meist im „Scherz“ (falls man/frau so etwas lustig findet …) und einer (den ich sogar mal für einen „netten Bekannten“ gehalten hatte) hat’s dann auch tatsächlich versucht, aber auf halber Strecke einen Rückzieher gemacht. Es war im Endeffekt also genau genommen „nur“ ein sexueller Übergriff bzw. konkret bisschen Grapschen und Tatschen, Alkohol und – soweit ich mich erinnere – ein paar Tröpfchen, die „er“ sich aber auch selbst ins Getränk geschüttet haben kann (ich erinnere mich nur, schon zu betrunken gewesen zu sein, um das genau erkannt haben zu können). Wer weiß? Da mir sonst weiter nichts passiert ist (und ich glaube, dass „man“ „ihm“ im Vorfeld auch „Mut gemacht“ hatte, da er ansonsten nicht zu Gewalt und Machotum neigte. Mir war irgendwann aufgefallen, dass er anfing, sich eingehender mit „Führungsqualitäten“ zu beschäftigen und einer Ausstrahlung als „Alpha-Tier“, die er sich antrainieren wollte. Aber auch Meike hatte früher nie Begrüßungsumarmungen zu Zangengriffen umfunktioniert, in der Einbildung, das demonstriere „Männlichkeit“)….

Trotzdem hatte ich noch eine Weile Flashbacks. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich nicht fassen konnte, wie leichtfertig Menschen glauben, sexuelle Gewalt, die Androhung sexueller Gewalt, Anspielungen und Verächtlichmachen, aber auf der anderen Seite auch recht fantasievolle Falschbezichtigungen einsetzen zu können, um an Jobs oder Beziehungen zu kommen oder auch nur, damit niemand anders daran gelangt, um „Schicksal spielen“ zu können und sich selbst groß und stark zu fühlen.

Als ich einen Kinderporno untergejubelt kriegen sollte, bin ich zur Polizei gegangen und habe da auch Hilfe erhalten. Der Link war zwar gelöscht, aber egal wie größenwahnsinnig einige offensichtlich sind: Kinderpornographie ist trotz allem eine Straftat. Genau wie Vergewaltigung. Oder auch Verleumdung. Irgendwann spitzt sich alles soweit zu, dass die Gegenseite handfeste Beweise hat (z. B. Screenshots, im Falle des Pornos) und dann … siehe oben!

8. Fazit:

Laura Dornheim hat in sofern recht, dass man es Frauen oft negativ auslegt, wenn sie mit handfesten Argumenten kommen, sachlich bleiben, statt in Krokodilstränchen ausbrechen, Strategien entwickeln, lebendig und mit Spaß bei der Sache sind, kompetent wirken und mit konkreten Erfolgen aufwarten können (ergänze die Liste mit Qualitäten aus deinem eigenen Erfahrungsbereich). Das ist das so genannte „mit zweierlei Maß Messen“ und das muss sich eigentlich keine gefallen lassen, denn es ist einfach nur frauenfeindlich und diskriminierend. Aber angesichts des ganzen Macho-und Überlegenheitskultes muss man bzw. frau muss auch klar sagen: „Schwein sein“ ist nicht das gleiche, wie „gut sein“. Und nur „gut sein“ sollte uns „gut genug“ sein … findet jedenfalls Laila Phunk.

*Namen, Umstände natürlich geändert.

 

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