Edition F: Frauen zwischen Business-Etage & Latte macchiato

… MUSS JA NICHT UNBEDINGT ETWAS SCHLECHTES SEIN

She-Boss: Frauen und Business, ein heikles Thema, denn die moderne Frau von heute will nicht Heimchen am Herd sein und trotzdem ist „Karrierefeminismus“ à la Sheryl Sandberg out. Das zu betonen ist v. a. den zur Zeit so angesagten Queerfeministinnen wichtig und die geben immerhin was Frauenthemen betrifft, die Marschrichtung vor. In diesem Dilemma ein Online-Magazin für Frauen zu gründen, das seine Zielgruppe erreicht und den Schwerpunkt „Business“ dabei nicht aus den Augen verliert, ist zweifelsohne ein gewagtes Unterfangen. Dennoch, der Erfolg scheint Edition F recht zu geben, wie Nora Burgert-Arp das Magazin Ende 2014, nur kurz nach der Gründung, auf Meedia bereits euphorisch gelobt hat. Und es stimmt, selbst wenn frau sich kaum für Feminismus interessiert und keinerlei Anbindung an die hippe, großstädtische Frauenszene hat – Edition F kennt man irgendwie.

Allerdings ist das Stichwort Vernetzung gleich wieder ein Dämpfer: Vielleicht muss man nur ein bisschen hinter die Kulissen schauen und dann wirkt es eher so, als ob hier junge, hippe Frauen, wie – vielleicht – Nora Burgard-Arp, junge, hippe Magazine wie Edition F pushen, weil dahinter ebenfalls junge, hippe Frauen stehen und frau die Connection vielleicht noch einmal brauchen kann. Das klingt hart und missgünstig, aber es ist das, was der Kommentar von UserIn „Foska“ nahelegt, die Burgard-Arps Artikel als „unnötig einseitig“ kritisiert und darauf verweist, dass es „zahllose andere, ähnliche Initiativen“ gebe, die nur weitaus weniger mediale Aufmerksamkeit als Edition F erhielten. Das stimmt. Aber Nora-Burgard-Arp hat auch recht, wenn sie Edition F ein „Alleinstellungsmerkmal“ attestiert: Tatsächlich haben andere Business-Magazine von Frauen für Frauen andere Schwerpunkte: Jedes für sich genommen lohnt, gelesen zu werden – vorausgesetzt eben, einen interessiert die jeweilige Schwerpunktsetzung.

Auch bei Edition F macht’s die Mischung: Zu den Artikeln gibt’s eine regelmäßig aktualisierte Jobbörse mit handverlesenen Jobangeboten, alle aus dem Bereich Medien und Kreatives, und Webinare, also Online-Seminare, als berufliches Weiterbildungsangebot. Der Anspruch, nicht nur ein Magazin für Frauen mit beruflichen Ambitionen sein zu wollen, sondern auch eine Community, eventuell sogar ein Karrierenetzwerk für Frauen, ist gut umgesetzt: Die entsprechende Zielgruppe wird konsequent und zielstrebig angesprochen: Hauptsächlich, so der erste Eindruck, geht es um junge Akademikerinnen, zumeist Geisteswissenschaftlerinnen, die „was mit Schreiben“ machen wollen und irgendwie eine kreative Ader haben. Die ideale Leserin von Edition F ist vermutlich die typische „Prenzlauer-Berg“- oder auch „Latte-macchiato-Mutti“, die Germanistik, Pädagogik oder Kunstgeschichte studiert hat und, da es ihr in den hart umkämpften Wunschberufen Journalismus, PR, Öffentlichkeitsarbeit und Digitales zunächst nicht gelungen ist, beruflich Fuß zu fassen, jetzt für’s erste zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert.

Das spiegelt sich – im positiven Sinne! – auch in den Artikeln wieder: immer gut geschrieben und professionell für’s Web aufbereitet, dabei aber zwischen „Leser(in)artikel“ und klassischem Journalismus changierend, wird der Community-Gedanke glaubwürdig und gewissermaßen als „Corporate Identity“ vermittelt. Thematisch kommen z. B. „Mompreneurinnen“ zu Wort, Mütter, die nebenher ein kleines Start up am Laufen haben, z. B. einen Online-Shop, und junge Geisteswissenschaftlerinnen, die Zweifel, Sehnsüchte und Probleme in der Berufswelt offen ansprechen, über die wohl jede Frau aus diesem Bereich schon mal nachgegrübelt hat. Lena Lammers z. B. schreibt „Vieles spricht gegen meinen Berufswunsch – warum ich es trotzdem durchziehe“. Von da aus werden einem viele andere, für prekär lebende „brotlose Künstlerinnen“ mindestens ebenso interessante Artikel empfohlen und wie bei jedem guten Online-Magazin erlaubt es die Kommentarfunktion, miteinander ins Gespräch zu kommen, sofern man bzw. frau das will. Die Strategie von Edition F, von Frau zu Frau zu sprechen, geht jedenfalls auf. Lifestyle-Artikel mit aussagekräftigen Titeln, wie „Maxine: „Fast alle Ballettschülerinnen hatten eine Esstörung und die Lehrer wussten das““ (von Marcia Scharf) oder „Warum wir jetzt alle Yoga zu Hause machen wollen“ (von Edition F) sorgen außerdem dafür, dass es nicht beim trockenen „Business only“ bleibt und halten die ursprünglich vielleicht nur mäßig wirtschaftsaffine Community bei der Stange.

Allerdings – so toll der Community-Gedanke auch ist und so sehr er dem Zeitgeist entsprechen mag, wie Nora Burgard-Arp schon 2014 auf Meedia geschrieben hat – in der engen Zuspitzung der Zielgruppe liegt gleichzeitig auch eine Schwäche von Edition F bzw. es ist der Grund, weshalb es eben doch kein „richtiges“ Business-Magazin für Frauen ist und in dem Bereich wohl die anderen, kleineren, aber inhaltlich focussierteren Angebote, von denen UserIn „Foska“ gesprochen hat, die Nase vorn haben: Edition F ist eben wirklich für die „Prenzlauer-Berg-Mutti“ (auch wenn die in München-Schwabing oder Düsseldorf wohnt), sprich für junge, materiell angesicherte Frauen, denen es weniger ums Geld verdienen geht, als um berufliche Selbstverwirklichung und die Eitelkeit, nicht nur „Mutti“ oder „Ehefrau von …“ zu sein. Das ist nichts Falsches. Ganz im Gegenteil: Es ist ein wichtiger Motor und warum sollten Frauen denn auch nicht ihren Beitrag zum öffentlichen Leben leisten wollen? Nur kommt der Aspekt „Geld“, der ansonsten beim Thema „Business“ das A & O ist, bei Edition F eben trotzdem ein bisschen zu kurz.

Dabei gehen die Macherinnen Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert selbst eigentlich ganz bodenständig damit um: Das Magazin kann jede gratis lesen, für die Webinare muss jedoch gezahlt werden und offenbar ist, wie Eva Fischer auf Meedia schreibt, auch ein kostenpflichtiger Premiumbereich geplant. Die Mischung Gratis-Basisangebot und Premium-Account mit allerlei Extras gegen Geld hat sich im Internet mittlerweile bewährt und ist den UserInnen gegenüber auch verhältnismäßig fair. Immerhin können alle partizipieren und ein bisschen Geld kommt trotzdem in die Kasse.

Dennoch: Edition F hat bereits mehrere Investitionsrunden hinter sich, wie Eva Fischer berichtet, und als jemand, der nicht in der Welt der Start ups zu Hause ist, stolpert man beim Lesen von Fischers Besprechung des Frauenmagazins unweigerlich über den Satz: „Die schwarzen Zahlen sind nicht mehr weit weg.“. Zwar ist das noch mal ein dickes ein Lob für Edition F, denn bekanntlich gelingt es jungen, ambitionierten Start ups gerade im journalistischen Bereich kaum, sich überhaupt nennenswert lange am Markt zu halten, aber nichtsdestoweniger ist damit auch gesagt: ohne mehrfache kräftige Finanzspritzen und ein solides finanzielles Backing der Macherinnen, vermutlich von privater Seite, wäre Edition F nicht möglich. Fazit: Zum Lesen wärmstens empfohlen, in punkto „Business“ jedoch, da hat KommentatorIn „Foska“ (siehe oben) recht, eher eine von vielen. Aber das muss ja nicht unbedingt etwas Schlechtes sein …

Quellen:

  • Art. „6 Gründe, warum alle Edition F lieben“ v. Nora Burgard-Arp, Meedia, 04. 12. 2014.
  • Art.: „Edition F: das Webmagazine für karrierebewusste Frauen macht selbst Karriere“ v. Eva Fischer, Meedia, 29. 09. 2016.
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