Welcome to Normalo-Land. Oder: Mal den Ball abgeben …

Ähem. „Normalo“-Land? Und das bei einem Blog, der behauptet, das „Leben neben der Spur“ zu betexten? Öh, vielleicht weil „normal“ und „unnormal“ relative Kategorien sind (siehe den gestrigen Post)? Oder weil, wer schon einmal aus der Spur geraten ist, hofft, so schnell wie möglich wieder reinzukommen? (Oder wie wäre das mit einem S-Bahnzug, der vollkommen entgleist? Hm?)

Also für eine vollkommen verdrehte Welt, so à la „Die Letzten werden die Ersten sein“, bin ich eigentlich nicht. Allerdings auch nicht für das Credo: „nur die Number One zählt!“ Hier in Berlin hängt beides miteinander zusammen. Das fiel mir das erste Mal vor ein paar Jahren auf, als ich beim Uni-Sport war. Es war nur Fitnesstraining, aber einmal spielten wir auch Handball bzw. eine Freestyle-Version davon. Als Kind hatte ich Handball im Verein gespielt. Ziemlich schlecht. Abgesehen von einigen wenigen Glanz- und Sternstunden war ich auch beim Schulsport meistens ein beliebtes Opfer der Jungs, die zwar wirklich relativ sportlich sind, aber halt auch auf einem permanenten Ego-Trip, der Typ: „Nie den Ball abgeben.“ und sogar: „Verhindern, dass die lahme Ente den Ball kriegt. Man selbst könnte doch jetzt mal wieder ein Törchen plazieren und sich als Spielemacher aufspielen.“

Beim Uni-Sport in Berlin waren die Karten neu gemischt. Das Schöne am Sport-Treiben als Erwachsene ist, dass die Leute alle Ü20 sind: Einige sind schon etwas aus der Übung und man ist sich im Grund einig: Es soll Spaß machen und die eingerosteten Glieder wieder ein bisschen in Schwung bringen. Den Typ „Spielemacher, der nie den Ball abgibt.“ gab’s aber auch hier. Ein junger Mann, der zwar sicher viele Talente hatte, aber Sport gehörte ganz eindeutig nicht dazu. Es schien trotzdem (oder gerade deshalb) ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass jeder ihm den Ball zuspielen sollte. Ich habe mich nicht immer dran gehalten, u. a. auch, weil ich fand, dass das Spiel ein bisschen Dynamik gebrauchen konnte und mir der Typ einfach zu ego war. Es lag nicht daran, dass er jeden Versuch, ein Tor zu machen, in den Sand setzte. Es lag daran, dass „Tor“ ganz allein seine Spezialität war.

Klar, wie gesagt, Leute, die andere, die vielleicht nicht ganz so gut sind, nicht mitspielen lassen, sind wirklich daneben. Sport ist gesund und tut jedem und jeder gut. Und bei Ü20-Leuten kann man Möchtegern-Leistungssportlern im Zweifelsfall gut und gerne vorhalten, dass sie es leider auch nicht mehr in die Bundesliga schaffen und deshalb den Ball ruhig auch mal an jemanden abgeben können, der nicht so fit und durchtrainiert ist wie sie selbst.

Aber ist es wirklich richtig, jemandem, der absolut unsportlich ist, das Gefühl zu geben, er (oder sie) sei der absolute Crack? Ich meine, normalerweise ist einem so etwas doch sogar unangenehm, weil man meistens weiß, wenn man nicht ganz so gut ist … Sicher, jeder freut sich über ein aufmunterndes Lob, aber so total bejubelt werden, für etwas, das eher eine Schwäche von einem ist als eine Stärke? … Es gibt aber eben auch Leute, denen es nicht unangenehm ist: Zum Beispiel (Stichwort „Queer“): Frauen, die nicht ganz so hübsch sind, sich aber aufführen, als seien sie Super-Models und gar nicht auf die Idee kommen, dass es irgendwie bizarr sein könnte, wenn sie andere dann auch noch verächtlich als „hässliche Entlein“ runtermachen. Oder „Künstlertypen“, die irgendein x-beliebiges Foto durch einen Photoshop-Filter jagen und es sieht vielleicht ganz nett aus, aber es ist keine „große Kunst“ (und auch keine „geniale Idee“). Und man darf es irgendwie nicht sagen. Man weiß, dass ein dickes Lob erwartet wird. Man sucht nach ein paar freundlichen Worten. Aber dann ärgert man sich, weil man nicht gewusst hat, dass es nicht um Höflichkeit geht, sondern darum, dass man jemanden größer machen soll, als er oder sie ist, und die Person dann auch noch arrogant wird. Vielleicht wird einem selbst sogar rücksichtslos die Meinung ins Gesicht gesagt (Man kann doch sicher ein „ehrliches Wort“ vertragen, oder? Mir wurde einmal auf einer taz-Veranstaltung entgegengeschleudert, ich könne absolut nicht schreiben. Dabei hatte das gar nicht zur Debatte gestanden. Und allen, die es hören wollten, hatte ich als Selbsteinschätzung zum Thema sowieso immer gesagt: „Na ja, vielleicht ganz passabel, so gerade eben, wenn ich mir Mühe gebe, aber sicher nicht wirklich gut.“). Unter Umständen wird man sogar gehänselt, nur, damit jemand den Eindruck haben kann, „Spielemacher“, „Super-Model“ oder „Genie“ oder was auch immer zu sein.

Und das ist dann leider zu viel, v. a. weil die, zu denen alle „nett“ sein möchten, leider zu allem Überfluss auch noch ganz schöne Mimosen sind, tickende Zeitbomben, die einem alles als „diskriminierend“ auslegen, was nicht euphorisch genug für sie oder auch nur einen Moment mal nicht (euphorisch) über sie spricht. Einige der „queeren“ Adipositas- und Transgenderfrauen (bzw. in diesem Fall *Männer*) glaubten sogar, es gäbe irgendwie ein Gesetz, dass man sich „positiv“ über sie äußern müsse (!). Also, sie müssen nicht nett zu einem sein, aber umgekehrt sei man eben verpflichtet …

Man fühlt sich bei solchen Sachen wieder wie als unsportliches Kind im Sportunterricht: klein und unzulänglich. Nur dass im Sportunterricht immer auch ein paar andere Kinder waren, die auch nicht ganz so super-talentiert waren. Und natürlich ein paar nette, sozial eingestellte Sportskanonen. Und wenn alle Stricke gerissen sind, war es ja immerhin der Job des Lehrers oder der Lehrerin, zu sagen: „Lasst sie (oder ihn) gefälligst auch mitmachen!“. Weil es sich so gehört. Weil alle Menschen irgendwo Schwächen und Talente haben und niemand zurückstehen muss. Nicht der Letzte, aber auch nicht der Erste oder irgendjemand aus dem Mittelfeld, damit der Loser sich einreden kann, der Star zu sein und die Rolle des „traurigen Schlusslichtes“ auf jemand anderen abgewälzt wird.

… findet Laila Phunk, die immer noch gern Sport treibt, wenn auch im Moment eher in Parks und Seen. Sie findet außerdem, dass in Berlin ganz eindeutig Möglichkeiten fehlen, preiswert und nur zum Spaß Sport zu treiben. Für alle. Also, wenn ich einen Wunsch beim Senat frei hätte …

Advertisements