Eine homophobe „Homo“-Partei? Das „Berliner Manifest“ und die Wahlen in MeckPom

Am Sonntag sind Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern. Befürchtungen stehen im Raum, die AfD könnte nicht nur satte Gewinne einfahren, sondern sogar als stärkste Kraft daraus hervorgehen. Nicht nur deshalb erklärt ein „Berliner Manifest“ jetzt, Minderheiten, insbesondere LGBT-Menschen, wollten nicht von den Rechtspopulisten vereinnahmt werden. LGBT-Menschen sind nicht rechts, heißt es. Nein, sie würden sich damit ja auch ins eigene Fleisch schneiden. Minderheiten erkennen einander untereinander gleich. Da gibt es den Minority-Radar, ähnlich des Gaydars, der sofort anspringt. Klare Sache, dass Flüchtlinge, Muslime, Juden, Schwarze und eben Homo- und Transsexuelle einander die besten Freunde sind und sich nichts von der Mehrheitsgesellschaft gefallen lassen. So weit so gut.

Als lustigen Scherz musste man es deshalb wohl auffassen, als Ex-taz-Chefin Ines Pohl, die selbst lesbisch lebt, neben einer AfD-Anzeige posierte, die damals in der linken Berliner Tageszeitung für Aufruhr gesorgt hatte, wie u. a. Meedia berichtete. Weniger lustig fand ich aus diesem Milieu Sprüche, wie „unwertes Leben“, „Krüppel“, als „Affe“ bezeichnet zu werden, usw., mal ganz zu schweigen von einigen tätlichen Angriffen und mehr oder weniger permanenten sexuellen Übergriffen. Als eine dicke blonde Frau an der Einkaufskasse in einem Berliner Supermarkt unvermittelt mit Email-Töpfen auf mich einschlug, habe ich nicht mehr groß überlegt, ob ich „nett“ zu der Frau sein muss, sondern ihr postwendend einen Kung-Fu-Schlag verpasst, was sie dann auch zur Besinnung gebracht hat. Reden hätte nichts genützt. Und ich war froh, dass der Supermarkt Video-überwacht war. Ansonsten wäre, wie immer, ich als Aggressorin dargestellt worden. Dicke Frauen sind ja per se „queer“, also „gut“ und unschuldig, (sogar dann, wenn sie homophob sind), so das Mantra, das ich in den letzten Jahren in Berlin immer wieder um die Ohren gehauen gekriegt habe, – und natürlich geht es Essstörungen und sich ritzen, darum, andere Frauen um jeden Preis zu dominieren und in jeder Lebenslage das „Männchen“ zu sein. Klar, du mich auch! Zufall, dass ich von ein paar Frauen aus der queeren Szene wusste, dass sie in einem früheren Leben noch keine Lesben waren. Das erklärt vielleicht, zusammen mit den oben aufgelisteten „Kriterien“ für „wahre Querness“, warum so viele Lesben homophob sind. Es geht ja um’s Image, um das personifizierte Gute. Dass die Mehrheit der queeren Frauen und Queerfeministinnen, die ihrerseits ja gern in jedem und jeder eine(n) RassistIn entdecken, auch noch blond ist, urdeutsch also, ist fast schon zynisch.

Ja, die AfD ist homophob. Wie sonst sollte man die kruden Sprüche von Leuten wie Beatrix von Storch wohl verstehen? Andererseits – wenn Statements, wie „unwertes Leben“ nicht Nationalsozialismus pur sind, was ist es denn dann? Mir jedenfalls muss niemand damit kommen, wer sich das angeblich erlauben kann und wer nicht. Immerhin hat die AfD mit Alice Weidel und Jana Schneider, über die die taz berichtete, selbst zwei prominente Lesben in ihren Reihen. Ist Weidel die knallharte Geschäftsfrau, der die Buchstaben „BWL“ geradezu auf die perfekt frisierte Stirn geschrieben sind, so entspricht Schneider zu annähernd 100% dem Klischee der linksalternativen, „gutmenschlichen“ Lesbe „ehrenhalber“, womit ich aber nicht andeuten will, dass sie nicht wirklich lesbisch ist. Ich kenne die Frau nicht und mit weiblicher Homo- und Bisexualität verhält es sich, wie mit Heterosexualität – sie ist so leicht nicht auf einen Nenner zu bringen.

Allerdings – auch wenn die AfD mit homosexuellen Mitgliedern aufwarten kann, weniger homophob wird ihre Politik davon trotzdem nicht. Dennoch haben es auch diese ganzen Queer-AktivistInnen verbockt. Zu lange wollte man jeder Frau, die irgendwie mit sich und ihrem Körper haderte, eilig eine „queere Identität“ verpassen und andere drängte man dafür um so agressiver an den Rand. Es wirkte ein bisschen wie „Empowerment“ für höhere Töchter, für Deutsche, Minderheitenrechte für die Mehrheitsgesellschaft (unter der sie ja angeblich so leiden, obwohl gerade diese Frauen am meisten von ihr profitieren). Dass dazu in der Fixierung auf bestimmte Körpertypen, auf sozialen Hierarchien und Lifestyle einer faschistoiden Auslegung Vorschub geleistet wurde und jede Diskriminierung und Diskreditierung vermeintlich mit dem Minderheitenstatus entschuldigt werden konnte, macht es nicht besser.

Wer ernsthaft etwas gegen Homophobie und Frauenhass tun will, darf nicht vor allem „feindliche“ Körper bekämpfen, Menschen, die – letztendlich läuft es ja darauf hinaus – nicht dem tradierten deutschen Frauenideal entsprechen, Frauen, die sich nicht unterjochen und beiseite drängen lassen. Das ist eine Verkehrung ins Gegenteil und wer sich dafür stark macht, muss sich dann auch nicht wundern, wenn einige Homosexuelle keinen Widerspruch mehr darin sehen, eine homophobe, rechte Partei zu wählen.

… sagt Laila Phunk, wie immer viel zu „aggressiv“, um eine gute (queere) Frau zu sein. Dann eben doch eher die „hässliche Lesbe“. Behaupten jedenfalls die „hässlichen Lesben“ . Und die können ihr nun wirklich den Buckel runterutschen ….

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