Die „Hyäne von Auschwitz“ – eine queere Frau? Ad: Carolin Emcke & Hass

Ein Glotzer auf den Hintern, ein Grapscher an den Busen, dumme Anmachen, Bemerkungen à la „Dose auf Dose klappert gut!“ und „Die ist doch viel zu hässlich um heterosexuell zu sein!“ oder: „Ich will aber nicht mit ihr reden, ich will sie nur f…!“, usw.. Nicht alles, was ich hier aufgezählt habe, kam von Frauen. Und nicht alle Frauen, die sich so gebärden, definieren sich als homo- oder bisexuell, queer, transgender, genderqueer, usw.. Dennoch machen die, die es tun, den Löwenanteil aus.

Warum wird eindeutig sexistisches und homophobes Verhalten von Frauen ausgeübt, gedeckt, großzügig toleriert oder zumindest geflissentlich „übersehen“ (bzw. „überhört“)? Zumal von Frauen, die sich fast alle als „Feministinnen“ bezeichnen und ansonsten eigentlich eher damit auffallen, dass sie – so lange es um sie selbst und die eigene Peer-Group geht – Bemerkungen und Verhaltensweisen sehr schnell als sexistisch und/oder homophob („heterosexistisch“) deuten, auch wenn es vielleicht nicht wirklich Anhaltspunkte dafür gibt.

Kaum jemand kann sich Frauen als Täterinnen vorstellen. Noch bis in die 1970er Jahre hinein beharrten namhafte Psychoanalytikerinnen wie Margarete Mitscherlich darauf, dass Frauen von ihrer psychischen Grundstruktur her nicht in der Lage seien, Verbrechen wie den Holocaust, Gewalt von unvorstellbarer Grausamkeit, auszuüben. Dass Frauen im Nationalsozialismus allerdings allenfalls „Mitläuferinnen“ gewesen sein sollen, ist mittlerweile widerlegt.

Frauen können durchaus auch Gewalt. Das beste und zugleich absonderlichste Beispiel dafür ist „die Hyäne von Auschwitz“: Irma Grese (1923 – 1945), deren kurze, aber turbulente Biographie man auf Wikipedia überblicksartig nachlesen kann. 1945 von der britischen Besatzungsmacht als Kriegsverbrecherin erhängt, hatte die zum Zeitpunkt ihres Todes erst 23 Jahre alte Frau ein Register an Gräueltaten auf dem Buckel, bei dem es einem eiskalt den Rücken hinunterläuft. Unter anderem ist auch von „Sexsklavinnen“ und sadistischen Quälereien von KZ-Insassinnen die Rede, die u. a. dem sexuellen Lustgewinn gedient haben sollen, wie Ulrike Janz in einem Aufsatz in dem Sammelband „Homosexuelle im Nationalsozialismus“* schreibt. Grese soll lesbisch oder bisexuell gewesen sein, war aber wohl auch nicht die einzige, die sich zu sexuellen Misshandlungen an inhaftierten Frauen hinreißen ließ.

Bestätigt das das Bild der bösartigen, psychisch gestörten Lesbe? Eine Frau, die brutaler noch als misogyne Männer einen krankhaften Frauenhass hemmungslos auslebt? Wohl kaum. Es bestätigt nur nicht das Bild der warmherzigen, gefühlvollen und fürsorglichen Frau, genauso wenig, wie es die einseitige Darstellung queerer Frauen als Opfer des Hasses der „Mehrheitsgesellschaft“ und diskriminierender „heteronormativer Strukturen“ bekräftigt, wie es die Publizistin Carolin Emcke und andere heutzutage gern sehen möchten.

Janz schreibt nämlich auch, dass es schwer festzustellen sei, welche der SS-Frauen, die KZ-Insassinnen körperlich und sexuell misshandelten, tatsächlich homosexuelle Neigungen hatten und wo es um eine – zum Teil auch nachträgliche – Sexualisierung sadistischer Verhaltensweisen ging (Janz zitiert hier Insa Eschenbach, die von einer „retrospektive(n) Sexualisierung“ spricht, die sie bei einigen Täterinnen vermutet).

Was hat das alles aber mit dem hier und jetzt zu tun? Der Nationalsozialismus ist als Folie für eine Kritik an der heutigen Queer-Bewegung oder am zeitgenössischen Feminismus zweifelsohne zu stark und natürlich wäre ein inhaltlicher Vergleich absurd. Dennoch fällt, was mögliche sadistische Neigungen betrifft, auf, wie vehement Essstörungen, Borderline („sich ritzen“) und eine aggressive sexuelle Selbstdarstellung („Polyamory“) in beiden Milieus – also sowohl in der Queer-Bewegung als auch im Feminismus – hochgehalten werden.

Verschiedentlich wurde ein Zusammenhang zwischen Pornographie und einer Hypersexualisierung im Alltag auf der einen Seite und einer abnehmenden sexuellen Aktivität, sogar sexueller Unlust auf der anderen Seite festgestellt. Stark vergröbert könnte man sagen: je attraktiver und sexuell aktiver Frauen sein sollen, desto eher sind sie vermutlich sexuell unzufrieden. Das Gleiche trifft auch auf Männer zu. Je wichtiger aber das „sexy Bitch“-Image ist, desto leichter lassen sich Frauen auch als „dumme Schlampen“, „hässliche Lesben“ und/oder „frigide Hexen“ abwerten. Das erklärt vielleicht, warum heterosexuelle Frauen in einigen Fällen bereit sind, misogyne und homophobe Denkmuster von sexistischen Männern zu übernehmen und sie gegen andere Frauen zu verwenden.

Weitere „Gründe“ für sexuell übergriffiges und homo- bzw. lesbophobes Verhalten, die mir persönlich zu Ohren gekommen sind, waren u. a.:

  1. „sexuelle Macht“ (Zitat) über andere Frauen zu haben (zu glauben, sie gegen ihren Willen durch Blicke und anzügliche Bemerkungen „erregen“ zu können (sie „nass machen“, Hipster, Berlin-Kreuzberg).
  2. überhaupt Macht über andere Frauen haben zu können (Eine „schwache“ Frau soll „immer unter dem Pantoffel einer anderen Frau stehen“ (Zitat)), „ihr Schicksal“ zu „sein“ bzw. zu „besiegeln“ (Zitat), sie vorzuführen, immer zuvorzukommen, usw..
  3. andere Frauen aufhetzen und als „homo-“ oder „transphob“ vorzuführen (vermutlich in einer Konkurrenzsituation oder um sich als „Opfer“ aufzuspielen)
  4. andere Frauen in der Öffentlichkeit lächerlich machen (als „Dummchen“ vorführen)
  5. andere Frauen „frigide machen“ (Zitat, ältere Frau, Berlin-Charlottenburg) bzw. „trocken legen“ (Zitat, Hipster, Berlin-Kreuzberg) bzw. eine zügellose Sexualität, ein für Frauen als „zu stark“ empfundenes sexuelles Interesse auf ein als „normaler“ empfundenes Maß zurückzustutzen (jüngere Frau, Berlin Kreuzberg)
  6. andere Frauen „nachträglich“ sexuell zu traumatisieren (vermutlich als „Rache“ für selbst in der Kindheit erlebten sexuellen Missbrauch), sie zu einem gestörten Essverhalten oder zu sonstigen selbstzerstörerischen Verhaltensweisen zu verleiten (sie „dick machen“ (Zitat), „Diese Frauen hat doch auch niemand vor sich selbst geschützt!“ (Zitat))

Der brachiale, teilweise extrem pubertäre Sexismus und der starke Bezug zu Esstörungen, sexuellem Missbrauch und Borderline (selbstzerstörerische Verhaltensweisen) dürfte sofort ins Auge fallen. Außerdem scheint es eine große Rolle zu spielen, Macht über andere Frauen auszuüben und sie autoritär nach der eigenen Pfeife tanzen zu lassen, sich zumindest zu wünschen, die Kräfteverhältnisse wären derart asymmetrisch.

Hier schließt sich der Kreis zu Frauen wie Irma Grese. Grese, die Bauerntochter aus dem ländlichen Mecklenburg-Vorpommern, war schon als Teenager Halbwaise. Die Mutter hatte Selbstmord begangen, wie Wikipedia einen informiert. Dysfunktionale Familienverhältnisse also. Später bemühte sich die junge Grese vergeblich um eine Ausbildung zur Krankenschwester. Mit nicht einmal 19 Jahren war sie dann bereits Aufseherin im KZ Ravensbrück und kletterte von da an unaufhaltbar die nationalsozialistische „Karriereleiter“ hoch. Auch das steht in ihrem Wikipedia-Eintrag.

Sicherlich sollte man nicht den Fehler machen und vorschnelle Schlüsse ziehen. Nicht jeder und jede, der/die aus zerrütteten Verhältnissen stammt, mutiert im späteren Leben zur grausamen Bestie. Und umgekehrt kommt soziopathisches Verhalten auch in den besten Kreisen vor.

Seit je her ist eigentlich bekannt, dass z. B. Frauen, die als Kinder sexuellen Missbrauch erlebt haben, in lesbischen Beziehungen emotionale Geborgenheit suchen und z. T. auch finden. Schwierig wird es erst, wenn es nicht gelingt, Traumatisierungen und psychische Störungen dergestalt in den Griff zu kriegen, dass sie nicht für andere zum Problem werden.

Wenn also Borderline nicht mit Transsexualität verwechselt wird oder nebenher besteht, sondern – allen Bemühungen um Entpathologisierung zum Trotz – die Ursache einer Unsicherheit über die Geschlechtsidentität ist, wenn Frauen sich in der Rolle des „Transmannes“ oder der lesbischen „Butch“ sehen und damit vor allem die Unterdrückung und Erniedrigung anderer Frauen meinen und wenn ein eigenes sexuelles Trauma „weitergegeben“ werden soll, dann geht es nicht mehr um einen legitimen „Minderheitendiskurs“ und auch nicht um „Frauenrechte“.

Stattdessen müsste man/frau sich eher für eine bessere psychosoziale Versorgung stark machen. Und für eine Frauenpolitik, die von Fairness und wechselseitiger Unterstützung geprägt ist, statt von Machtkämpfen und Aggressionen. Schließlich könnte man bzw. frau auch einen liebevollen Blick auf das eigene Geschlecht haben. Ganz frei von Sexualisierungen. Immerhin gibt’s im Leben noch mehr als f….

*Ulrike Janz: Das Zeichen lesbisch in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, in: Michael Schwartz (Hg.): Homosexuelle im Nationalsozialismus, München 2014.

Advertisements