Blase oder Bürgerbewegung? Wie gefährlich ist der Rechtspopulismus? Laila erklärt die Welt ;-)

Hass. Hass. Hass. Eine braune Schlammwelle überrrollt Europa von rechts und reißt alles mit sich, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Na ja, ganz so schlimm ist es wohl nicht, aber immerhin käme – wäre heute Bundestagswahl – die rechtspopulistische AfD auf 15 % der Stimmen, 2 Prozentpunkte mehr als die Grünen, 5 weniger als die SPD und fast doppelt so viel, wie die Linkspartei. U. a. kann man den Trend auf Focus Online nachvollziehen. Darauf beziehe ich mich jedenfalls hier.

Aber ist die „braune Gefahr“ wirklich so groß, wie angenommen? Hm. Ich glaube, die AfD ist eine Blase, genau wie Pegida. Klar, Typen wie die, die Anfang der 1990er Jahre Asylbewerberheime angezündet und Jagd auf Schwarze und Obdachlose gemacht haben, gibt’s immer noch. Ein kleiner Bodensatz an Widerlingen, die man irgendwie in Schach halten und daran hindern muss, anderen Schaden zuzufügen. Das sind Nazis, Leute, die das unglückselige Kapitel des Nationalsozialismus gern weiterschreiben würden, so als hätte es den 8. Mai 1945 nie gegeben.

Natürlich ist die AfD keine neue NSDAP. Für die ganz Extremen gibt es immer noch die NPD. Aber rassistische Auswüchse, wie die von Björn Höcke, dürften die Partei sicherlich auch für den ganz rechten Rand als „bürgerliche“ Alternative attraktiv erscheinen lassen.

Dann sind da die politisch heimatlos gewordenen Konservativen, die sich in einer grün angehauchten CDU à la Merkel nicht wiederfinden. Das Phänomen ist mehrfach in den Medien angesprochen worden. Ich habe dazu auch nichts Neues zu sagen, außer dass man sich fragen kann, wie rechts Leute sind, die jemanden wie etwa den bayrischen CSU-Politiker Franz-Josef Strauss (1915 – 1988) als „großen Mann“ betrachten würden. Der stiernackige Metzgerssohn aus München hatte u. a. 1977 die Colonia Dignidad besucht, eine Siedlung evangelikaler deutscher Christen in Chile, die faschistische Elemente aufgriff und den chilenischen Diktator Augusto Pinochet unterstützte, u. a. mit der Folter politischer Oppositioneller. Dass Strauss in Chile war und sich zeitlebens auch nie kritisch zur Colonia Dignidad geäußert hat, ist allgemein bekannt. Wer will, kann es aber auch u. a. auf Wikipedia nachlesen. Nur war Strauss eben auch ein anerkannter „bürgerlicher“ Politiker. Niemand, der als „Faschist“ gegolten hätte, zumindest nicht offiziell.

Die AfD steht – zumindest bislang – weniger einheitlich als „Marke“ für eine bestimmte Politik als Franz-Josef Strauss es tat. Sie vereint als „Sammelbecken“ auch Unzufriedene und Leute, die sich von den etablierten Parteien im Stich gelassen fühlen, aber nicht unbedingt rechtskonservativ denken. Vielleicht ist linke Politik mittlerweile zu sehr an jungen und junggebliebenen Wohlstandsmenschen orientiert, die sich eher um ihre Work-Life-Balance sorgen als um ihren Arbeitsplatz oder ihre Rente. Vielleicht verkehrt nicht jeder in den Kreisen einer internationalen Jeunesse Dorée, die sich selbstverständlich „wetloffen“ gibt, als linke Volksvertreter aber nicht wirklich „Street Credibility“ hat.

Wenn Alexander Gauland darauf beharrt, die ehemalige „Professorenpartei“ AfD wolle auch die „Partei des kleinen Mannes“ sein, wie u. a. der Deutschlandfunk berichtete, dann erweist sich der ehemalige Vordenker der Konservativen einmal mehr als geschickter Stratege. Nichtsdesto weniger wirkt die AfD ziellos: Markige Worte, man wolle auch auf Frauen und Kinder schießen (vgl. u. a. Spiegel Online) oder der Islam gehöre nicht zu Deutschland (vgl. u. a. n-tv), wechseln sich ab mit Beschwichtigungsversuchen, man habe das nicht so gemeint, sei missverstanden worden oder – ganz besonders frech: „auf der Maustaste ausgerutscht“ (das kann man u. a. im Berliner Tagesspiegel nachlesen).

Ob aus einer „Blase“ oder einem „Sammelbecken“ für Unzufriedene letztendlich eine feste „Bewegung“ wird, die – gerade weil sie auch in der Lage ist, wirklich Rechte zu integrieren – ernsthaft zur Gefahr werden könnte oder ob sich alles wieder in Wohlgefallen auflöst, liegt nicht zuletzt auch an den etablierten Parteien: Politik muss nicht rechts sein, um „für das Volk“ zu sein. Sie darf sich eben nur nicht allein an den Bedürfnissen der Eliten orientieren.

 

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