Wer bin ich? Straight, queer, pink, lila oder egal?

BiDoc2
… Geh zum Arzt und lass dich behandeln! Es mag viele gesellschaftliche Gründe geben, weshalb du Heißhungerattacken hast, hungerst, kotzt oder dich ritzt. Die Frage ist jedoch, was dir wichtiger ist – die Gesellschaft? Oder du selbst? Übrigens ist es keine Schande, eine Therapie zu machen. Fast alle Stars haben eine hinter sich. Mit der sexuellen Orientierung hat das alles aber nichts zu tun.

BiDoc3
… Ja, das hat man immer so gesagt: Frauen, die nicht so hübsch sind, können sich ja untereinander aushelfen. Manche Lesben, die sich in der Frauenbewegung stark machen, bestehen sogar darauf und finden, dass das ein guter Grund ist, um lesbisch zu werden. Andererseits ist es aber auch ein weit verbreitetes homophobes Vorurteil. Und eigentlich ganz schön hochnäsig: Wer legt denn fest, was genau schön ist? Schnapp dir ein Buch über Schönheitsideale in der Geschichte und in fremden Kulturen. Und guck dich ein bisschen um: Man bzw. frau braucht kein bestimmtes Aussehen für Männer (oder Frauen).

BiDoc4
… Na und?! Ist das ein Problem?! So lange du niemandem damit weh tust (oder dir selbst schadest), ist ein bisschen Herumexperimentieren ganz okay. Wer will dir da denn Vorschriften machen?!

BiDoc5
… Yap, kann sein, dass Männer einfach nicht so dein Ding sind. Oder sie sind dir ein bisschen unheimlich, obwohl sie dich aus der Ferne gesehen schon faszinieren. Beides kann sein. Vieles kann sein. Du wirst irgendwann wissen, was ist. Übrigens: Burschikos ist bei einer Frau nicht gleich homosexuell. Feminin aber auch nicht. Und es ist nur manchen queeren Frauen wichtig, nichts oder möglichst wenig mit Männern zu tun zu haben. Andere kommen gut mit ihnen klar. Sie stehen auch auf sie, wenn sie bi sind oder mögen sie nur als „gute Freunde“, wenn sie lesbisch sind.

BiDoc6
… Ja, das sagt man bzw. frau so. Je härter und verletzender sich manche Frauen gebärden, desto wahrscheinlicher ist es aber, dass das vielleicht alles auf sie selbst zutrifft. Und sexuell attraktiv für Männer zu sein, ist ein sensibles Thema – v. a. für Frauen, die eigentlich heterosexuell sind. Man bzw. frau sollte sich in dieser Hinsicht keine negativen Gefühle einimpfen lassen. Manchen lesbisch lebenden Frauen scheint es überaus wichtig zu sein, aller Welt mitzuteilen, dass sie viel und reichhaltigen Sex haben. Auch Heteras schneiden diesbezüglich gern auf und spielen sich manchmal mehr auf als so manch ein pubertärer Jüngling. Man bzw. frau sollte sich aber nicht verunsichern lassen. Wer sich in Punkto Sexualität zu weit aus dem Fenster lehnt, hat es meist nötig. Klar gibt es auch „queere Heten“. So lange die nicht mit anderen Frauen erbittert um den Titel der „Lesbe des Jahres“ kämpfen oder es sonstwie auf Kosten anderer geht, wüsste ich nicht, was daran so dramatisch sein sollte. Wenn es aber darum geht, bestimmte Frauen als „asexuel“ (=“überhaupt nicht an Sexualität interessiert“, bösartig auch: „frigide“) vorzuführen, dann sollte man bzw. frau sich ein paar Fragen stellen. Eigentlich ist das nämlich ein homophobes Klischee und etwas, das (ziemlich bornierte!) Männer gern mit Frauen machen, die ihnen nicht in den Kram passen. Macht es eine Frau, egal, ob sie sich als queer definiert oder nicht, dann legt das schon nahe, dass sie eine andere als „Mauerblümchen“ dastehen lassen will, um damit von sich selbst abzulenken. Sollte man bzw. frau nicht machen. Muss man bzw. frau sich aber auch nicht gefallen lassen.

BiDoc7
… Tja, leider gibt es dass, das Leute ein Frauenbild aus dem 19. Jahrhundert haben und davon überzeugt sind, dass nur das „echt Frau“ ist, was lange Haare hat, sich gern schminkt und auf Barbie-Puppen und Monchichis steht. Diese Leute haben keine Ahnung! Natürlich gibt es alle möglichen Arten von Frauen und auch nicht jede burschikose Frau ist lesbisch (oder gar „psychisch krank“). Oder, Frage: Ist denn jeder Mann, der z. B. gut schreiben kann, schwul? (oder „gestört“?) – Sprache gilt ja als typisch „weibliche“ Fähigkeit. Wirklich transsexuell sind übrigens nur ganz wenige Leute. Klar kannst du das mal ausprobieren, wie das ist, mit Männerklamotten herumzulaufen, aber ob man/frau trans ist, merkt man/frau eigentlich schon als Kind. Nur „burschikos“ ist damit nicht gemeint. Mädchen, die transsexuell sind, fühlen sich eigentlich als Jungs und sind es auch.

BiDoc8
… und wäre sie dazu nicht zu höflich, würde sie dir sicher klarmachen, dass sie NICHT auf dich steht. Es klingt nicht nur hochnäsig und selbstgefällig, um nicht zu sagen ganz schön arrogant – es ist auch homophob. Nur weil du eine Frau bist, soll sie auf dich abfahren? Und ihre Gefühle sind so wenig wert, dass du gern mal ein bisschen damit spielst? Nur um zu sehen, wie dein erotischer „Marktwert“ so ist? Leider gibt es viel zu viele Frauen, die sich gern anhimmeln und umwerben lassen wollen. In dem Buch „ Es fühlt sich endlich richtig an!“ von Helga Boschitz sprechen einige ältere, spät berufene lesbische Frauen sogar ganz unbefangen von so genannten „Türöffnern“, also jüngeren Frauen, die ihnen durch ihr hartnäckiges Werben die Tür zu einer anderen Welt geöffnet hätten. Und einigen lesbisch lebenden oder sich als bisexuell definierenden Frauen ist tatsächlich sehr daran gelegen, möglichst viel (und eher oberflächlich) zu flirten, was nervtötend bis geradezu unerträglich sein kann. Ich persönlich finde das eher peinlich, wenn Leute nicht zwischen freundschaftlichen Gefühlen und „Begehren“ trennen können. Jede Hetera, jede Bi-Frau und jede Lesbe darf „Nein!“ sagen. Jeder Mann übrigens auch 😉

BiDoc9
… Ja, mag sein, eine die nicht mit Barbies spielt und sich regelmäßig die Nägel lackiert, ist schon irgendwie ein Monster ;-). Manchmal fällt auf, dass Heteras, lesbische und bisexuelle Frauen und auch einige Transgender alle die gleichen Interessen zu haben scheinen: Germany’s next Topmodel, queere Fashion, Lästereien über die „doofen“ Mädchen und sämtliche Nerds dieser Welt, usw.. Das klingt, als wäre es direkt einer amerikanischen High-School-Serie entsprungen und das soll es wahrscheinlich auch nachahmen. Mach die Augen auf: Es gibt Frauen, die als Gärtnerin arbeiten, am Computer die Nase vorn haben und/oder die halbe Welt bereisen, weil Abenteuer eher ihr Ding ist, als die „High-School-Queen“ zu geben. Mit der sexuellen Orientierung hat das übrigens nichts zu tun.

BiDoc10
… Das heißt: Sie entspricht zu 100% dem Klischee? Oder sie ist einfach nicht hübsch. Findet der vertrottelte Idi am Tisch neben dir jedenfalls? Und ihr ist sein Urteil auch viel wichtiger, als das, was du dazu zu sagen hättest? Ja, dann ist es halt so: Sie sieht „lesbisch“ aus. Macht ja nichts. Nicht jede, die so aussieht, ist auch wirklich lesbisch und nicht jede, von der man das absolut nicht gedacht hätte, ist es nicht. Manchmal trifft das Klischee auch voll zu. Oder zumindest ein bisschen. Vielleicht ist das vor allem dann ein Problem, wenn man bzw. frau sehr viel auf Vorurteile gibt. Ach, und überhaupt, was man/frau als „gut aussehend“ empfindet ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

BiDoc11

… Du merkst es halt früher oder später. Ich könnte jetzt ein paar Details nennen, aber das würde dir nicht weiterhelfen. Wichtig: Nichts auf Klischees geben. Sich darauf einstellen, dass nicht alle einen wirklich verstehen, nicht einmal alle, die sich selbst als queer/LGBT definieren, obwohl es gerade Mode ist. Bei Zwangsouting (auch, wenn du als Bisexuelle als lesbisch vorgeführt wirst): Die Flucht nach vorn antreten. Schließlich ist es nichts, für das man/frau sich schämen müsste und das sagen im Moment doch auch alle! Na also, nehmen wir sie beim Wort! Ansonsten: Es muss nicht gleich jeder wissen. Ist ja auch Privatsache. Eine Person deines Vertrauens hilft dir übrigens eher weiter, als jeder Blog. Aber auch im Internet gibt es nützliche Infos, z. B. auf den Seiten des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) oder – speziell für Bisexualität – auf dem britischen Bisexual Index (Englisch). Achtung! Da das Thema Bisexualität viele, auch sexistische und pornographische Assoziationen weckt, sollte frau im Internet, auch auf Dating-Portalen, vorsichtig sein.

Advertisements