Ohne mich! Oder: Alle Farben des Regenbogens

RoteKarteI

Sexuelle Übergriffe, wie in #koelnhbf sind echt daneben! Hm, ja klar, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, das so zu sehen – wenn man nicht ganz hinterm Mond lebt. Für mich ist es immer noch schwer durchschaubar, wer sich jetzt alles auf die „Frauenseite“ geschlagen hat. Falls man bei den Ereignissen an Silvester in Köln, wo ein wahrer Flashmob an jungen Männern aus Nordafrika und arabischen Ländern Frauen sexuell belästigte und ihnen Handys und Portemonnaie klaute, von einer „Frauenseite“ und einer „Flüchtlingsseite“ sprechen kann. Ich bin mittlerweile so daran gewöhnt, dass die Welt in den Augen mancher Menschen klar in „gut“ und „böse“ aufgeteilt ist und Klischees angeblich immer stimmen, dass es mich richtig wundert, wenn mal jemand sagt, dass sexuelle Übergriffe nicht okay sind, genauso wenig wie Diebstahl, Schlägereien oder auch Ausländerfeindlichkeit. Ist doch eigentlich klar, dass es keine soziale Gruppe gibt, deren Angehörige alle Engel sind. Deshalb muss man ja auch nichts als Ganzes verteufeln, oder? Schüttet doch nicht immer das Kind mit dem Bade aus!

Vielleicht ist unsere Gesellschaft im Moment einfach zu aufgehetzt. Die Verteilungskämpfe werden ja auch immer härter. Dabei wäre mit ein bisschen Augenmaß vieles einfacher. Das sehe ich im Übrigen auch so, wenn es um Feminismus geht.

Da war diese linke Veranstaltung über „Rassismus in der Sprache“: Das war kurz nach dem #Aufschrei, als der FDP-Politiker Rainer Brüderle eine anzügliche Bemerkung über das Dekolleté der Journalistin Laura Himmelreich gemacht hatte. Auf der Veranstaltung hatte ich die Aufmerksamkeit der Podiumsleiterin auf mich gezogen, weil ich ein bisschen zu spät gekommen war. Ein unverzeihlicher Fehler. Offenbar hegte die Frau regelrechte Antipathien gegen mich. Na ja. Gegen Ende bemerkte eine ältliche Frau aus dem Publikum, dass ich aber ja „einen hübschen Busen“ hätte. Blöder kann man Frauen wohl nicht vorführen. Vielleicht sollte es ein schlechter Scherz sein. Als ob ein weiblicher „Brüderle“ besser wäre. Sicher, es war nur eine dumme Bemerkung, aber ich habe mich schon gefragt, wie weit es mit dem Feminismus dieser Frauen her ist. Oder muss frau sich erst einmal deren Zuneigung erkämpfen, um als „emanzipiert“ gelten zu dürfen? Eine Frage, auf die es höchstwahrscheinlich keine Antwort gibt.

Dann die „Befreiung“ all dieser Frauen, ob feminin, maskulin, queer, dick, dünn, alt, jung, hübsch, hässlich, essgestört, sich-ritzend oder was auch immer. Klar versteht man/frau sich nicht immer gut miteinander. Aber das Normale ist doch eigentlich, dass man/frau keine andere hänselt oder demütigt oder als das „Übel an sich“ bekämpft. Keine(r) wird hübscher oder sexuell attraktiver davon, dass eine andere das „hässliche Entlein“ sein soll. Ganz gleich, welche(r) von beiden dem allgemeinen Schönheitsideal mehr oder weniger entspricht oder ob sie es alle beide nicht tun. Keine(r) wird intelligenter oder kompetenter davon, dass eine andere das „Dummchen“ sein soll, über dessen Busen man/frau in der Öffentlichkeit schon einmal eine Bemerkung machen kann. Ganz gleich, welche(r) von beiden der/die Intelligentere ist, ob sie alle beide begabt oder in diesem oder jenen Bereich eher nicht ganz so gut sind. Und schließlich – wer behauptet, er oder sie könne andere „einfach nicht ernst nehmen“, darf sich auch nicht wundern, wenn es anderen mit einem genauso geht.

Deshalb kann ich mich mit dem zeitgenössischen Feminismus in einigen Bereichen auch nicht so anfreunden. Weil es manchmal mehr Kampf als Emanzipation ist. Ein gesundes Selbstbewusstsein steht jeder zu – klar! – genau wie auch jede ihr Leben genießen darf, aber sich auf Kosten anderer zu „befreien“ – das ist schon widerlich! Wer hat schon Lust, zum Affen gemacht zu werden, damit andere sich stark fühlen können? Da gibt es nun wirklich kein Recht drauf! „Bonoboäffchen“ – Buchstäblich! Das Wort hallt mir noch in den Ohren nach. Eine Frau aus dem Dunstkreis des linken Medienmilieus. Als ob ich ein Spielzeug wäre.

Rainbow

Eine Weile wollte sich jede bei mir ihren Flirt abholen. Ich kam mir vor, wie ein Kaffeeautomat, bei dem man/frau nur das richtige Knöpfchen drücken muss, damit das gewünschte Ergebnis kommt. Und wenn es nicht kommt, dann tritt man/frau eben mit voller Wucht dagegen, um wenigstens den Frust ablassen zu können. Ein Grapscher war okay, denn unter Frauen ist das ja angeblich was anderes und dumme Sprüche gab es noch und nöcher. Eine Frau stellte sich mir mal bei Ikea in den Weg. Erst hatte ich gefälligst den obligatorischen „Flirt“ abzuleisten. Es ging – und das sprach auch mal jemand so aus – darum, dass die Frauen „mal was zu lachen“ hatten.

Aber muss einem das dann leid tun, wenn man es mit denen auch so macht (Ich meine jetzt nur die Frauen, mit denen ich selbst Ärger hatte, nicht Frauen grundsätzlich!)? Oder geht es wirklich nur noch darum, alle Register zu ziehen, um sich über andere zu erheben? Ein erbitterter Konkurrenzkampf nicht nur um Jobs, sondern auch um Image, Aufmerksamkeit und Anerkennung. Als ob solche Dinge derart knapp bemessene Ressourcen wären, dass man/frau sich auch darum noch prügeln müsste. Aber das Motto schien „von allem ein bisschen mehr und möglichst gar nichts für andere“ zu sein. „Polyamory“ ist ein gutes Beispiel dafür. Ein fiktives „Sextagebuch“ (hey, nicht mein Tagebuch!), das der Berliner Tagesspiegel 2007 veröffentlichte, macht unter dem Eintrag „Die Polygame“ deutlich, wie einige der Frauen gern gesehen werden wollten. Ist ja alles schön und gut, nur so sexy wirkt das halt nicht, wenn frau das Gefühl hat, alle anderen unterbuttern zu müssen, um alles und alle für sich zu haben. Selbst eine wie Cara Delevingne würde als dumme Zicke dastehen. Das ist keine Frage des Äußeren.

Ich glaube, es ist an der Zeit, wieder zurück auf den Teppich zu kommen. Statt Schubladendenken und „gut“ und „böse“, müsste mehr auf Zwischentöne geachtet werden. Statt „alles meins und andere können ruhig in die Röhre gucken“, könnte man auch sagen: „Ich lasse mir die Butter nicht vom Brot nehmen – aber ich wünsche auch allen anderen einen guten Appetit!“ Das beste Symbol für Vielfalt und Lebensfreude ist für mich der Regenbogen. Keine Farbe ist schöner als die andere. Und sie ergeben auch nur zusammen ein Ganzes. Wenn man es so sieht, stellt sich die Frage nach der „richtigen Seite“ erst gar nicht..

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