Frauen oder Flüchtlinge – Ist das hier die Frage?

Ich hätte mich mal wieder aufregen können! Da verabreden sich an Silvester jede Menge Männer aus Nordafrika, um in Köln am Hauptbahnhof und in Hamburg auf der Reeperbahn Frauen dumm anzumachen und ihnen das Handy zu klauen, wie in in den Medien berichtet wurde, und das erste, was einige gleich wieder mutmaßen, ist, dass es sich um eine rassistische Berichterstattung handelt.

MIT ZWEIERLEI MAß MESSEN

Klar: Fremder Mann gegen weiße Frau, klingt fast wie aus der Mottenkiste der Vorurteile gegriffen. Da wundert es einen kaum, dass der Rassismusvorwurf aus der Ecke kommt, aus der er meistens kommt: von einem Teil der radikalen Jung- und nicht-mehr-ganz-so-jung-AktivistInnen, die – egal ob Feminismus, Gender, Queer oder Multikulti – so ziemlich alles Emanzipatorische für sich gepachtet haben und es mit anderen ganz genau nehmen. In jeder Hinsicht. Nein, natürlich sind nicht alle so, die sich in dem Bereich engagieren – in gewisser Weise tue ich das ja auch – und man muss auch ganz schön ein Rad abhaben, um sich selbst als Instanz in Sachen Feminismus aufzuspielen und dann mit Rassismus zu kommen, wenn es um sexuelle Übergriffe geht, aber angeblich ist das was anderes, wenn es „refugees“ oder „men of color“ sind. Nicht, dass es Rassismus nicht wirklich gäbe, aber trotzdem …

DIE NEUEN „FRAUENFREUNDE“

Die andere Seite ist allerdings kaum besser. Komisch, wer sich da plötzlich alles so sehr um das Wohl von Frauen sorgt. Warum gibt es jetzt keinen #aufschrei, fragte der CDU-Politiker Jens Spahn auf Twitter – Das kann man u. a. in der Zeit nachlesen. Andere zogen nach. Ob das nur schlimm sei, wenn man als deutscher Politiker mal daneben liegt und eine schwülstige Dirndl-Fantasie zum Besten gibt, wie der Brüderle damals? Hm ja, ich finde, das ist wie mit diesen aktivistischen Genderfrauen: In der Sache ist es natürlich richtig, dass man sexuelle Übergriffe grundsätzlich kritisieren sollte, egal von wem sie ausgehen. Aber da ist so ein Unterton, der nervt. Sicher, ich will niemandem etwas unterstellen, aber bei einigen klingt es so, als ob es v. a. darum geht, endlich mal was in der Hand zu haben, womit man gegen die Flüchtlinge oder auch ganz allgemein gegen Einwanderung wettern kann, ohne dabei dumm dazustehen.

 ENTWEDER … ODER ODER WAS?

Frauenrechte als Vorwand, um Stimmung gegen Migranten zu machen, ist natürlich echt schäbig – ich meine jetzt für die Fälle, wo das eine Rolle gespielt hat. In meinem Namen sprecht ihr jedenfalls nicht! Aber die Leute, die den Flüchtlingen am liebsten einen Heiligenschein aufsetzen wollen und immer schnell dabei sind, alles herunterzuspielen, wenn es irgendwo mal wirklich Probleme gibt, helfen auch niemandem. Ganz im Gegenteil, das bringt die Leute nur noch mehr auf, auch die, die genug Männer aus Ländern kennen, in denen der Islam als Religion überwiegt, um zu wissen, dass sexuelle Übergriffe und Diebstahl auch dort nicht zum guten Ton gehören, schon gar nicht in dem Ausmaß. Sicherlich gibt es kulturell bedingte Unterschiede in der Auffassung der Geschlechterrollen, aber selbst ein hartgesottener Macho kann höflich bleiben und seine Hände für sich behalten. Es ist immerhin etwas anderes, ob jemand nicht so recht an die Gleichheit von Mann und Frau glauben will – eine Einstellung, die man nicht gerade fördern muss, die aber unter Migranten mit muslimischem Hintergrund vermutlich keine Seltenheit ist – oder ob man Frauen regelrecht anfällt und sie außerdem noch beklaut. In solchen Dingen muss man nun wirklich niemandem „entgegenkommen“. Das wäre eine Form von „Toleranz“, die fehl am Platze ist, u. a. auch, weil sie Migranten eher beschämt, als dass sie sie in Schutz nehmen würde.

WENN ZWEI SICH STREITEN …

Bei so viel erhitzter Debatte fragt man sich am Ende natürlich schon, wohin das Ganze noch führen soll. Heißt es nicht immer: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“? Nicht, dass ich hier Verschwörungstheorien spinnen wollte, aber was wäre – nur mal so als Gedankenspiel – wenn es da jemanden im Hintergrund gäbe, dem das ganz gut in den Kram passen würde, wenn die Leute sich hier ständig gegenseitig an die Gurgel gehen? Irgendwie hat das doch fast schon System und auch wenn es nicht so ist – überlassen wir den Spaltern und Hetzern doch nicht das Feld! Egal von welcher Seite sie kommen. #refugeeswelcome! Sexuelle Übergriffe nicht!

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