Vive la République!

„Guerre civile“, „Bürgerkrieg“ – das Wort war am Freitag plötzlich da, machte die Runde im Internet. Der französische Premierminister Manuel Valls (Parti socialiste) hatte sich in einem Interview mit dem französischen Radiosender France Inter dahingehend geäußert, dass ein Wahlsieg des rechtsradikalen Front National eine Spaltung Frankreichs bedeuten und letztendlich sogar zum Bürgerkrieg führen könne (vgl. das entsprechende Video, abgerufen von dem Site der frz. Zeitung Le Monde). Markige Worte. Vielleicht ist das mit dem Bürgerkrieg ein bisschen zu hoch gegriffen. Ich war in letzter Zeit nicht mehr in Frankreich. Ich weiß nicht, wie es da im Moment aussieht. Trotzdem glaube und hoffe ich, dass es so schnell nicht zum Bürgerkrieg kommen wird.

KRIEG GEGEN MENSCHEN, DIE KEINE FEINDE SIND

Dennoch hat Valls nicht ganz Unrecht. Und die Spaltung der westlichen Gesellschaften ist vielleicht auch genau das, was der IS will. Der Westen befindet sich so oder so in einer Zwickmühle. Am Beispiel Frankreich lässt sich das ganz gut ablesen: Das Land befindet sich nach dem Attentaten vom 13. November immer noch im Schockzustand und die Attentate waren nicht die ersten – Man denke nur an den Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo im Januar diesen Jahres und die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt – Es werden vielleicht auch nicht die letzten sein. Liest man die Nachrufe auf die – zumeist noch jungen – Menschen, die am 13. November gestorben sind, wie sie verschiedene französische Zeitungen veröffentlicht haben, fühlt man v. a. eins: Beklemmung – Menschen, die mitten aus dem Leben gerissen wurden, einfach nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren, weil sie das Leben genießen wollten und anderen das ein Dorn im Auge war. Wahrscheinlich hätten viele von ihnen sich – hätte man sie darauf angesprochen – für Weltoffenheit und Toleranz ausgesprochen. „Feinde“ sehen jedenfalls anders aus.

DER TEUFELSKREIS

Die französische Bevölkerung lebt in Angst und sucht nach Schutz. Der Front National, der bekannt dafür ist, nicht gerade zimperlich mit Einwanderern umzugehen, scheint zu versprechen, diesen Schutz am ehesten gewährleisten zu können. Es ist ein Teufelskreis: Menschen mit Migrationshintergrund werden sozial an den Rand gedrängt, einige reagieren mit Frustration, Aggression, Radikalisierung, werden zur leichten Beute für Islamisten. Attentate richten sich blind gegen „den Westen“, der zum Synonym für alles Böse in der Welt geworden ist. Es fühlen sich schließlich auch die verprellt, die immer Offenheit und kulturelle Vielfalt gepredigt haben. Die Frage kommt auf, ob es auch falsche Toleranz gibt, ob man es damit nicht vielleicht übertrieben hat. Alle sind sich einig, dass Grenzen gesetzt werden müssen. Rechte Kräfte sehen sich bestätigt. Haben sie es nicht schon immer gesagt? Zunehmende Fremdenfeindlichkeit macht es auch den (vielen) Migranten schwer, die sich immer wieder von Islamismus und Terrorismus distanziert haben. Wozu haben sie das eigentlich getan, wenn man sie ohnehin nicht ernst nimmt?! Haben nicht vielleicht doch die recht, die gesagt haben, dass der Westen sie nicht will, dass sie hier nie zu Hause sein werden?! Lohnt es sich, zu kämpfen? Und wenn ja, mit welchen Mitteln?

Versteht man es als Mahnung, dann ist das mit dem „Bürgerkrieg“ vielleicht nicht so übertrieben, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Antwort darauf kann allerdings nur darin bestehen, einen kühlen Kopf zu bewahren, zu versuchen, Freund und Feind voneinander zu trennen, auch wenn die Hinterhältigkeit des Terrorismus‘ des 21. Jahrhunderts einem das nicht gerade einfach macht. Ich drücke euch da drüben westlich des Rheins die Daumen, uns hier übrigens auch! In diesem Sinne: Vive la République! Keine Chance den Feinden von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit!

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