Herzlich willkommen! Alle gleichermaßen!

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Wandert mit den Flüchtlingen auch mehr Toleranz für Antisemitismus, Homophobie und Frauenhass ein? Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden, hat in den vergangenen Tagen Bedenken geäußert, wie u. a. im Berliner Tagesspiegel zu lesen war. Er erntete dafür viel Kritik, war aber nicht der einzige, auch aus Niedersachsen kamen kritische Töne zur Flüchtlingsfrage, berichtete der NDR. Am Dienstagabend war es dann CDU-Politiker Jens Spahn, der in der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ die Katze aus dem Sack ließ: Werte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau und von Homosexuellen könnten nicht preisgegeben werden, auch dürfe es keine Toleranz für Antisemitismus geben. Den Verlegersohn Jakob Augstein, der ebenfalls in der Talkrunde saß, packte die Wut. „Dramatisch, rassistisch, kulturchauvinistisch“ fand er Spahn, den er ideologisch in die Nähe der AfD rückte. Man muss in diesen Tagen ein bisschen aufpassen, dass man nicht in den Verdacht gerät, die Flüchtlinge verunglimpfen zu wollen.

VORURTEILE ODER ÄNGSTE?

Mal abgesehen davon, dass ich wenig davon halte, den Leuten über den Mund zu fahren, wenn sie Bedenken äußern und außerdem der Meinung bin, dass jemand wie Jakob Augstein (weiß, deutsch, männlich, heterosexuell, aus bestem Hause stammend) es sich nicht leisten kann, sich allzuweit aus dem Fenster zu lehnen, wenn es um die Ängste von Minderheiten und/oder sozial marginalisierten Menschen geht – Sind die geäußerten Bedenken denn tatsächlich so infam, dass man denken könnte, hier solle nur eine soziale Gruppe, nämlich die Flüchtlinge, diskreditiert werden?

Was Antisemitismus betrifft, ist diese Frage eigentlich schnell beantwortet: Wer glaubt, dass es im Nahen Osten keinen Antisemitismus gibt, der hat wahrscheinlich noch nie etwas vom Nahostkonflikt gehört. Dass dieser Antisemitismus auch nach Europa exportiert wird, davon legen u. a. die Terroranschläge in Frankreich, die sich z. T. auch gezielt gegen jüdische Institutionen richteten, ein beredtes Zeugnis ab. In Deutschland kam es zumindest zu verbalen Ausfällen gegenüber Juden, die Medien, u. a. Deutschlandradio, haben mehrfach darüber berichtet.

MUSS MAN VERSTÄNDNIS HABEN?

Es liegt mir fern, zu pauschalisieren und Hass und Intoleranz als Problem, das durch Migration entsteht, darzustellen. Das wäre auch schlichtweg falsch. Natürlich gibt es auch antisemitische (und homophobe, frauenfeindliche) Deutsche (und Franzosen). Man darf aber die Augen nicht davor verschließen, dass so etwas auch unter Einwanderern vorkommt und dass sie sich, was die Diskriminierung anderer sozialer Gruppen betrifft, z. T. weniger im Unrecht sehen, nicht zuletzt auch deshalb, weil es immer wieder Deutsche gibt, die ihnen zur Seite springen und fordern, man solle ein Auge zudrücken, es seien doch Migranten, die fremde Kultur, usw. bla bla.

Was ist eigentlich so schlimm daran, verbindliche Regeln für alle zu fordern? Im Grunde basiert die Idee der Demokratie darauf, dass man alle gleich behandeln soll, dass aber auch alle gleiche Rechte für sich in Anspruch nehmen können. Es wundert mich immer wieder, dass gerade das für viele der Leute, die sich auf die Fahnen schreiben, das linke Element in dieser Gesellschaft zu vertreten, so schwer zu schlucken zu sein scheint.

WENN POSITIVE DISCRIMINATION WIRKLICH DISKRIMINIEREND IST

Die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckhardt brachte „bei Maischberger“ auf den Punkt, was wahrscheinlich Leitlinie der derzeitigen Flüchtlingspolitik ist – sinngemäß – Die Leute sollen sehen, dass wir ihre Freunde sind. Wir sollten ihnen einen herzlichen Empfang bereiten. Nichts spricht dagegen! Echte Freunde wenden sich nicht gleich von einem ab, wenn man mal etwas falsch gemacht hat – aber sie sagen einem, dass es falsch war. Ansonsten würde man nämlich auch gerade denen in den Rücken fallen, die die „politisch Verfolgten“ im engeren Sinne sind: Menschen, die aus dem Nahen oder Mittleren Osten stammen, aber den fanatischen, politischen Islam ablehnen, ebenso Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Ich finde, sie dürfen darauf bauen, hier auf Gleichgesinnte zu treffen!

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