Lesbe ohnegleichen? Woran Du erkennst, dass eine Frau nicht ganz so lesbisch ist, wie sie tut

Auch schon aufgefallen? In der hippen Großstadt ist mittlerweile fast jede Frau oder, na, sagen wir mal, fast jede zweite Frau, „queer“, d. h. sie definiert sich als „lesbisch“, „bisexuell“ oder „transgender“. Übertreibe ich? Oder ist das eine Frage des Umgangs? Im linksalternativen Milieu sind viele der Meinung, dass man bzw. frau sich die sexuelle Orientierung einfach aussuchen könne. Wenn das so wäre, würde allerdings niemand mehr wegen Homosexualität verfolgt, weil die Leute sich in Gegenden, wo Homophobie gang und gäbe ist, eben einfach „aussuchen“ würden, heterosexuell zu sein. Leider wird man lesbisch, bi- oder transsexuell geboren, d. h. man kann es sich nicht aussuchen, man kann niemanden homo- (bi-,trans-)sexuell „machen“ und es auch niemandem „austreiben“. Paradoxerweise sind die Leute aber gerade da, wo es darum geht, „anders“ zu sein, bedacht darauf, sich abzugrenzen. Anders ausgedrückt: Da, wo man sich die sexuelle Orientierung/Identität „aussuchen“ können will, wird auch sehr genau darauf geachtet, dass sich nicht die „Falschen“ als LGBT outen. Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass da, wo Feminismus großgeschrieben wird, auch nicht jede Frau wirklich eine Frau ist bzw. manche sind eben mehr „Frau“ als andere. Manchmal entbrennt darum ein richtiger Kampf. Welche ist nun die „authentischere“ Frau oder Lesbe? Wer verkörpert das am besten? Und welche Frau kann man am ehesten als „Mogelpackung“ entlarven? Laila Phunk, die Homophobie für ein ernstes Thema hält, aber findet, dass dieser ganze Identitätskram Schwachsinn ist, ist der Sache auf den Grund gegangen. Lass Dich nicht beschubsen oder schikanieren! Hieran erkennst Du, ob’s eine nötig hat:

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1. Männer, Männer, Männer
In ihrem Denken dreht sich alles um Männer? Sie mögen sie, sie finden sie sexy, sie kann sie alle um den kleinen Finger wickeln! Tja, da bist Du vielleicht neidisch – unattraktiv wie Du nun einmal bist … sie dagegen könnte an jedem Finger 10 haben, sie will bloß nicht.

Was dran ist: Ziemlich offensichtlich oder? Ich habe jedenfalls noch nie ’ne Lesbe getroffen, die lesbisch war, weil sie einfach zu attraktiv für Männer war (und andere Frauen da nicht mithalten konnten). Kleine Nebenbemerkung: Lesben sind tatsächlich lesbisch, weil sie auf Frauen stehen.

2. Männer sind Schweine
Hier geht es um’s Prinzip! Deshalb – auch wenn Du ’ne Frau bist (und durch einen Check beim Onkel Doc sogar nachweisen könntest, dass Du tatsächlich XX-Chromosomenträgerin bist), verkörperst Du irgendwie trotzdem „die Männerwelt“. Deshalb musst Du umso energischer bekämpft werden, quasi als Training für den Ernstfall. Komischerweise beobachtest Du gelegentlich, dass sie bei Männern durchaus mal alle Fünfe gerade sein lassen kann. Und es ist auch kein Widerspruch, wenn sie dann plötzlich auf Deiner Seite ist. Klar, sie hat Mitleid mit Dir, weil Männer Dich einfach nicht ernst nehmen können. Sagt sie. Sie findet Dich ja auch irgendwie „putzig“.

Was dran ist: Es geht tatsächlich um’s Prinzip, aber um das der Projektion. Ernstzunehmende Feministinnen äußern sich kritisch über gesellschaftliche Strukturen, die Frauen benachteiligen. Es geht ihnen nicht vor allem darum, andere Frauen zu diskreditieren. Allerdings ist „feministisch“ nicht das Gleiche wie „lesbisch“, auch wenn einige lesbische Frauen sich feministisch engagieren. Die Sache ist die: Ob Männer sie sexy finden oder nicht, ist Lesben eigentlich egal, von sexistischen Strukturen sind sie aber genauso betroffen wie heterosexuelle Frauen auch.

3. Germanys next Topmodel
Es ist frauenverachtend, aber es ist auch Kult – findet sie jedenfalls. „Germanys next Topmodel“ ist für sie wie eine Droge, von der sie einfach nicht loskommt. Trotzdem ärgert sie sich, weil die Frauen alle so klapperdürr sind. Die Wut darauf muss sie an Dir auslassen.

Was dran ist: Vermutlich hat „Germanys Topmodel“ so hohe Einschaltquoten, weil es so viele Frauen gibt, die gern mal Heidi sein möchten: Am laufenden Band hübsche junge Frauen ‚runterputzen – genau, das wär’s! Ich kann Dir dazu nichts Näheres sagen, weil ich es nicht gucke. Interessiert mich einfach nicht so. Klar ist das problematisch, wenn es so ‚rüberkommt, als ob nur Frauen, die überschlank sind, als sexuell attraktiv (für Männer) gelten könnten. Allerdings wird keine Frau lesbisch davon, dass sie dick ist oder sonstwie nicht dem allgemeinen Schönheitsideal entspricht. Natürlich gibt es lesbische Frauen, die Übergewicht haben, aber – damit Du mir keinen Biologismus vorwirfst – stell es Dir mal so vor, dass es eine Regenbogen-Fee gibt, die Ungeborene mit einem Puder bestäubt, das ihre sexuelle Orientierung und Identität festlegt: Also rosa Puder für homosexuell, lila für bisexuell, türkis für transsexuell und so weiter. Als die Fee den rosa Puder ausgeteilt hat, hat sie nicht darauf geachtet, ob das Ungeborene einmal schlank, dick, klein, groß, androgyn, feminin, hübsch, hässlich oder wie auch immer werden würde. Mit den anderen Farben ist es übrigens genauso. Was „Germanys next Topmodel“ betrifft: Auf der Fernbedienung gibt es einen Knopf zum Ausschalten.

FaustPinkFlamingo

 

4. Prinzessin auf der Erbse
Du musst sie wie ein rohes Ei behandeln, denn seit sie lesbisch ist, ist sie wirklich wehleidig. Sie fühlt sich permanent angegriffen und Du kannst ihr gar nichts recht machen. Sie fühlt sich einfach nicht wohl mit Dir, denn alles, aber auch wirklich alles an Dir ist – total homophob! Behauptet sie.

Was dran ist: Offenbar steckt sie voller Hass und Aggression. Um das ungehemmt an jemandem ‚rauslassen zu können, braucht sie eine gute Ausrede. Manchmal geht es auch um projizierte Homophobie. Wenn andere immer nur homophob sind, kann es sein, dass das auf die Leute, die das behaupten, selbst zutrifft, aber sie brauchen halt jemanden, der ihre Gefühle stellvertretend übernimmt, um nicht dumm da zu stehen. Wenn der/die andere angeblich so super-„homophob“ ist, muss man/frau sich „wehren“ und darf sich dann diskrimierend verhalten und in einigen Fällen – so verdreht es auch klingt! – eben sogar selbst homophob sein. Solchen Leuten zeigst Du am besten einfach einen Vogel! Diskriminierung und andere Schikanen sind kein Menschenrecht, egal von wem sie ausgehen und gegen wen sie sich richten. Die meisten Lesben sind übrigens gar nicht so chronisch schlecht gelaunt, dass sie ständig jemandem das Leben zur Hölle machen müssten – schließlich gilt: „Make Love not War!“

5. Sie kann sich das leisten
Rumzicken, die Leute dumm anmachen, sexistische Sprüche ablassen oder zur Abwechslung auch mal ein bisschen Nazi-Sprech – Sie kann sich das leisten, denn sie ist ja lesbisch. Sowieso ist die Welt für sie klar und übersichtlich in gut und schlecht eingeteilt. Es sind Leute wie Du, die das Böse in die Welt getragen haben – ob Hiroshima, Fukushima, Tschernobyl, Kuba-Krise oder Kosovo-Konflikt – ganz zu schweigen von den Ereignissen in Syrien. Als Lesbe hat sie damit nichts zu tun. Sie steht für das Gute im Menschen und ist somit über jede Kritik erhaben. Da könntest Du Dir ruhig mal ein Beispiel dran nehmen. Meint sie.

Was dran ist: Gar nichts. Lesben sind für gewöhnlich nicht lesbisch, weil sie irgendwie einen an der Waffel haben (siehe 4.). Es steht auch nirgends geschrieben, dass Homosexuelle unfehlbar sind. Vielleicht hat Deine falsche Lesbe da etwas falsch verstanden?

6. Sie ist eine Minderheit, aber nicht nur das …
„Öch bönn eine Münderheit!“ jappst es hysterisch. Dir muss klar sein: Ob Judentum, Islam, Menschen mit Migrationshintergrund oder People of Color – sie alle stehen fest zusammen gegen die „Mehrheitsgesellschaft“. Sogar die Klingonier sind auf ihrer Seite. Die „Minderheit als solche“ mag sie, weil sie weiß, dass sie auch „Minderheit ist. Du dagegen hast keine Chance. Denn die „Minderheit an sich“ wittert es quasi, dass Du der Feind bist. So sieht sie es zumindest und hält mit ihrer Meinung auch nicht hinterm Berg.

Was dran ist: Bestimmt kennst Du Migranten, Schwarze, Juden (vielleicht auch Klingonier), die Du magst und die Dich auch nett finden. Also solltest Du Dich auf so einen Quatsch gar nicht erst einlassen! Ein paar Homo-, Bi- und/oder Transsexuelle werden deinen Freundes- und Bekanntenkreis mit der Zeit sicher auch bereichern. Hängt ja auch alles ein bisschen vom Zufall ab. Trotzdem sollte man hellhörig werden, wenn jemand mit so etwas ankommt: Alle Lesben (Juden, Türken, Klingonier, …) denken und empfinden völlig gleichgeschaltet?! Im besten Fall werden Minderheiten hier instrumentalisiert, um andere an die Wand zu stellen und/oder emotional zu erpressen („Du willst doch nicht, dass ich allen erzähle, dass Du rechts bist?! Na also! Dann bist Du besser nett zu mir und machst, was ich sage!“). Es kann aber auch sein, dass ein hartnäckiger Rassismus dahinter steckt und Vorurteile als bare Münze verkauft werden (wie gesagt: vielleicht gibt es hier und da kulturelle Unterschiede, aber es gibt ganz bestimmt kein „ethnisches“ Denken und Empfinden!). Nicht einschüchtern lassen – Homo-, Bi- und Transsexuelle sind Individuen, genau wie Juden, Türken, Schwarze, usw.! Fühlt sich jemand diskriminiert, sollte man das in einem Gespräch klären. Siehe ansonsten 4. & 5..

TopQueerPink

7. Sie tut’s ja nur für Dich! (Worauf Du allerdings dankend verzichten kannst!)
Fest steht: Frauen wie sie sollten für Frauen wie Dich ein Vorbild sein. Ja, genau: ein V-O-R-B-I-L-D! Dazu muss sie allerdings wissen, was für Dich wichtig ist. Schließlich bist Du ihre Zielgruppe. Irgendwann fällt es Dir jedenfalls auf, dass sie immer findet, was Du findest, alle Erfahrungen gemacht hat, die Du gemacht hast, alle Gefühle fühlt, die Du fühlst, was für Dich ein Problem ist, ist auch eins für sie und so weiter. In extremen Fällen hast Du am Ende das Gefühl, dass Du nicht mehr ganz „Du selbst“ bist, weil jetzt eigentlich alle so wie Du sind, selbst die niedlichsten Schneckchen sind jetzt die härtesten Butches und sogar die, die eigentlich homophob sind, sind voll homo und so. Nur Du stehst da irgendwie außen vor. Ächz!

Was dran ist: LGBT oder besser gesagt: „Queer“ ist in der Tat gerade ein Modethema. So lange nicht der Extremfall eintritt, dass „lesbisch“ das neue „Hetero“ ist und „hetero“ das neue „Lesbisch“ und Du nur noch ein Abklatsch Deiner selbst bist, kann’s Dir eigentlich egal sein – oder? Klar gibt’s eine Menge sehr femininer Frauen, die behaupten, „ur-lesbisch“ zu sein und genauso viele Frauen, die so „authentisch“ lesbisch sind, dass es schon wieder unecht wirkt – aber: who cares? Es ist eine sexuelle Orientierung! Und ich wüsste nicht, dass jemand heterosexuellen Frauen verboten hätte, die Haare kurz zu tragen oder sich burschikos zu geben oder dass man bzw. frau nicht mehr lesbisch sein dürfte, wenn sie einen Rock trägt. Das ganze Hickhack darum, wer die „bessere“, „echtere“ Lesbe ist, ist allerdings nicht ganz echt. Sorry.

8. Früher war alles anders (Da war sie nämlich noch homophob!)
Es gab Zeiten, da stand sie auf Männer. Das mit Frauen, das fand sie eklig. Da sie Dich auch nicht so mochte, hat sie jedem, der es hören wollte (und auch vielen, die es gar nicht interessierte) erzählt, dass Du lesbisch bist. Rette sich, wer kann! Man weiß ja, dass eine wie Du Hintergedanken hat, wenn sie freundlich zu einer anderen ist. Zum Glück sind darauf nur ein paar homophobe Zicken eingegangen. Jetzt, wo es in Mode ist, ist eben sie diejenige, die lesbisch ist (und überraschenderweise auch viele von den homophoben Zicken).

Was dran ist: Ob frau lesbisch ist oder nicht, merkt sie eigentlich in der Pubertät – dass sie nichts mit Männern (Jungs) anfangen kann, dafür aber mit Frauen (Mädchen). Deshalb heißt es ja auch „sexuelle Orientierung“. Etwas anderes steckt da wirklich nicht dahinter. Bisexuelle Frauen merken übrigens auch in der Pubertät (also mit 12 oder 13 Jahren!), dass Frauen sie nicht kaltlassen, stellen aber ebenso fest, dass sie auch ‚was mit Männern anfangen können. Bisexualität ist halt auch eine sexuelle Orientierung und nicht frei wählbar. Eigentlich weiß man das aber von einer Frau, die man nicht kennt, nicht. Na und? Geht’s einen überhaupt etwas an? Nö, oder?! Aber homophob muss man deshalb ja trotzdem nicht gleich werden.

9. Sie will flirten! Und sonst gar nichts!
Flirten ist ja schön und gut, aber Du standest gerade so an der Bushaltestelle herum, da kam sie – ja, sie – Ihr unterhaltet Euch und es dauert keine zwei Minuten, da schaut sie Dir schon tief in die Augen?

Was dran ist: Entweder will sie „The L-Word“ mit Dir spielen, da flirten sie auch ständig miteinander, oder sie will eine weibliche Version von Humphrey Bogart aus „Casablanca“ (na, der Film, mit Ingrid Bergman = Du, „Schau mir in die Augen Kleines“!) zum Besten geben. Oder sie hat das sexy Polyamory-„Ich kann jede haben“-Image irgendwie nötig. Aber ist das typisch lesbisch? Na ja, wenn es typisch Hetera ist, sich jedem Typen, den man an der Bushaltestelle trifft, an den Hals zu werfen, dann wahrscheinlich schon. Sonst nicht. Es soll Lesben geben, mit denen man sich durchaus ganz normal unterhalten kann.

10. Sie ist keusch und hat eine Katze
Liebe, Sex und Zärtlichkeit – irgendwie eklig! Findet sie. Obwohl sie da kein Problem hat. Natürlich nicht. Sie – ähem – legt einfach Wert auf „weibliches Benehmen“. Deshalb muss sie auch darauf achten, dass andere Frauen nicht zu sehr über die Stränge schlagen.

Was dran ist: Also, das mit der Katze passt hier nicht ‚rein. Man kann sogar Hundetyp sein und Katzen trotzdem gern mögen. Es hat nur nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Davon abgesehen – Du glaubst solchen Schwachsinn nicht wirklich – oder? Na also! Ich auch nicht!

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