Rechts bringt’s nicht! Rechte Politmythen im Faktencheck bei Laila Phunk

Pegida, Hogesa, Kö – was? Das Spektrum rechter und rechtspopulistischer Gruppierungen wird immer unübersichtlicher, aber sie sind fast täglich in den Medien und scheinen mächtig Zulauf zu haben. Klar, dass so viele Flüchtlinge kommen, macht vielen Angst. Trotzdem – muss man deshalb gleich rechten Rattenfängern hinterherlaufen? Und – haben die politisch überhaupt etwas Sinnvolles zu bieten? Laila Phunk macht den Faktencheck und wirft dabei auch mal einen Blick zurück in die Geschichte. Wenn Opa sagt, dass früher alles besser war, hat er nämlich so einiges unterschlagen!

1. „Gewalt – denn manchmal muss man schon etwas deutlicher werden!“

Asylbewerberheime anzünden oder das Attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker – manche scheuen sich nicht, auch Gewalt anzuwenden, um ihrer politischen Meinung Nachdruck zu verleihen. Allein schon der Name „Hogesa“ – „Hooligans gegen Salafisten“ sollte einen aufhorchen lassen. Klar, das rechte Spektrum ist breit und Rechtspopulisten kann man sicherlich nicht immer mit Nazischlägern in eins setzen. Dennoch – hier und da gibt es Querverbindungen und wer mit dem rechten Milieu liebäugelt, sollte vorsichtig sein. Schließlich erinnert sich doch wohl jeder daran, wie es war, als man selbst 6 Jahre alt war und die großen Jungs auf dem Schulhof einen immer schikaniert haben. Da war man doch froh, als die Lehrerin eingegriffen und ein Machtwort gesprochen hat. Auch wenn man erwachsen ist, gibt’s immer mal Momente, in denen man unterlegen ist. Das sollte man sich vor Augen halten, dass das Recht des Stärkeren – wenn man schon darauf pocht – eben auch dann gilt, wenn es sich gegen einen selbst richtet. Ganz abgesehen davon, dass, wer aus „politischen Gründen“ zuschlagen muss, offenbar keine Argumente hat – und will man solchen Leuten wirklich die Geschicke unseres Landes anvertrauen? Ganz klar NEIN!

2. „Islamistischen Terror bekämpfen!“

Wer damals nicht noch im Kindergarten war, erinnert sich wahrscheinlich an den Horror von Nine-Eleven. Natürlich ist islamistischer Terrorismus eine Gefahr und klar, je mehr Muslime im eigenen Land leben, desto mehr erhöht sich rein rechnerisch die Gefahr, dass auch Terroristen unter ihnen sind. Allerdings nur rein rechnerisch, denn wer Böses vorhat, kann das auch von außen tun: Die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sind das beste Beispiel dafür. Leider sind Terroristen meistens so hinterhältig, dass sie gerade dann zuschlagen, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet.

3. „Der Islam passt nicht zu uns!“

Ja, der Islam ist eine fremde Religion, aber dass er nicht zu Europa gehört, ist nicht ganz korrekt. In Bosnien-Herzegowina und Albanien leben seit vielen Jahrhunderten Muslime. Da diese Länder auch lange Zeit sozialistisch waren, sind viele ältere Menschen nicht so besonders gläubig. Andere, denen Religion wichtig ist, leben das wie viele gläubige Katholiken in Deutschland: Sie bemühen sich, während des Ramazans Verzicht zu üben, meiden Schweinefleisch, beten Freitags in der Moschee und pflegen vielleicht auch ein etwas konservativeres Weltbild. „Bedrohlich“ ist das ganz sicher nicht, außer man stört sich auch an einem eher provinziellen, altbackenen Katholizismus. Zum Glück haben solche Leute aber heute nicht mehr über alles zu bestimmen und in Deutschland wird niemand mehr ausgegrenzt, nur weil er oder sie nicht dem Geschmack einiger verbohrter Traditionalisten entspricht. Zumindest sollte das so sein.

4. „Man muss sich gegen zuviel Überfremdung wehren!“

… auch dann, wenn sich das eigene Leben gar nicht ändert? Eigentlich ist es nicht so geplant, dass Deutsche kein Eisbein mit Sauerkraut mehr essen dürfen, der Advent nur noch heimlich gefeiert werden darf und Bier fortan auch Tabu ist. Also keine Panik! Sicher gibt es Leute, die schon mal unangenehme Erfahrungen mit Ausländern, vielleicht auch mit Muslimen, gemacht haben: Die Freundin wurde dumm angemacht, weil der Rock in den Augen einiger muslimischer Jungmannen zu kurz war, die türkische Gang von nebenan hat einen auf dem Kieker und in der Schule geben sie sowieso den Ton an, als Schwuler hast Du vielleicht schon mal richtig was drauf gekriegt, usw. – all das will ich hier nicht kleinreden! Natürlich gibt es Regeln, an die sich jeder halten muss, aber mach Dir klar: Idiot ist Idiot und zwar überall!!! Es liegt nicht an der Nationalität oder gar an der Ethnie, ob jemand rücksichtslos, gemein, gewalttätig und/oder kriminell ist. Und last but not least: Wenn Du gar nichts Fremdes magst und Dir alles, was anders ist, irgendwie suspekt ist: Smartphones, Internet, Games, Hip-Hop-Style, Comics, Graffiti – die Liste mit – je nach Geschmack – netten Sachen, die alle irgendwo anders her stammen, ist lang. Es ist sicher auch etwas für Dich dabei!

5. „Die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg!“

Ja, jetzt kommen wirklich sehr viele Flüchtlinge und alle auf einmal. Klar hoffen die meisten, hier einen guten Job zu finden und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass es dadurch eng auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt werden wird. Nur muss man dafür Lösungen finden: Man kann Häuser bauen, Flüchtlinge und deutsche Schulabbrecher könnten gemeinsam eine Ausbildung machen und sich gegenseitig mit der Sprache bzw. fachlicher Kompetenz unterstützen, man könnte auch Kleinunternehmer stärken, so dass Flüchtlinge und Deutsche sich selbst eine Existenz aufbauen könnten – vielleicht gibt es noch mehr Ideen – man muss sie nur denken! Ansonsten ist es jetzt Zeit für einen Ausflug in die Geschichte, denn ich möchte mal anmerken, dass ich noch von keiner rechten Bewegung ein Sozialprogramm gehört habe, dass diesen Namen auch halbwegs verdient hätte. Die Nationalsozialisten gaben sich seinerzeit tatsächlich „sozial“. So sagt es ja auch der Name und der sagt auch, dass das alles nur für Deutsche gelten sollte. Jetzt kannst Du natürlich sagen: Kein Problem, Du bist ja Deutscher, aber um genau zu sein, hatten die Nazis nur bestimmte Deutsche im Auge: Jung, gesund und stark sollten sie sein. Jetzt kannst Du wieder sagen: Kein Problem, Du bist ja jung, gesund und stark, aber sei ehrlich: Auch Du wirst mal alt und kannst Du sicher sein, dass Du nie krank wirst? Schwäche zeigst? Außerdem haben die Nazis die Leute einfach ausgetrickst: Es gab zwar viel Arbeit für jeden (der so war, wie sie sich Deutsche vorstellten), aber nur kurzfristig: z. B. im Autobahnbau, denn die Autobahnen brauchte man für den Krieg. Ohne Krieg also keine Jobs und das ist doch von der Logik her einfach nur daneben! Die Flüchtlinge aus Syrien hätten da sicher eine ganze Menge zu zu sagen. Wenn Krieg Jobs ohne Ende bedeuten würde, würden sie nicht nach Deutschland fliehen …

6. Fazit:

Wenn Du Kritik hast an der Flüchtlingspolitik oder auch nur an der Gang bei Dir im Viertel – äußere sie! Aber distanziere Dich klar von rechts! Es bringt einfach nichts! Lass Dir auch nicht von Leuten über den Mund fahren, die meinen, jede Kritik sei irgendwie „faschistisch“ und dass Du damit angeblich schon die Nazis unterstützt! Das ist Schwachsinn! Das Gegenteil ist der Fall: Wer sagt, was ihm oder ihr nicht passt, bringt zum Ausdruck, dass er oder sie ernsthaft an einer Lösung interessiert ist. So schaffen wir das!

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