Betrugskunst „made in Germany“?

Ausgerechnet VW ruiniert das Image der deutschen Wirtschaft, die Marke, die man jahrelang mit der Behäbigkeit und Unscheinbarkeit des Volkswagens „Käfer“ verband: Solide deutsche Wertarbeit – ja! Aber wer angeben wollte, fuhr S-Klasse – Mercedes – und wer Coolness zur Schau tragen wollte, hatte „deux chevaux“, eine „Ente“ – Citroen. Wer sparen wollte, kaufte einen Japaner und wer wirklich knapp dran war, beließ es bei dem minimalistischen Komfort eines Fiat Panda.

Schade, ich fand die „Think new“-Kampagne von Volkswagen, die vor Kurzem angelaufen ist, wirklich genial: Eine Farbenexplosion aus dem schwarzen Nichts heraus: Innovation und Technik, Kreativität, aber auch Weltoffenheit, Buntheit. Die Farbpartikel wirkten irgendwie erdig, ganz der Style eines Zeitalters, das die Abgehobenheit von Algorithmen und komplizierten Codes mit einer neuen Rückbesinnung auf Natur und Erdverbundenheit kombiniert.

Doof, dass nicht alles so gemeint war. Die Natur ist dem deutschen Automobilhersteller egal, hauptsache es sieht umweltbewusst aus. „Deutsche Ingenieurskunst“ dann schon eher: Ein Programm – wie in den Medien, u. a. im Spiegel berichtet wurde – das den Stickoxid-Ausstoß der Volkswagen-Diesel-Fahrzeuge im Test bei voller Leistung gut aussehen ließ, auf der Straße schossen die Werte dann aber offenbar bei gleicher Leistung in die Höhe. Also hat man kein umweltschonendes, leistungsfähiges Auto verkauft, sondern das Gefühl, man kaufe ein umweltschonendes, leistungsfähiges Auto. Die Leute wollten aber kein Gefühl, sondern was für die Umwelt tun.

Zur Sprache gebracht hat das Ganze offenbar eine us-amerikanische Umweltbehörde. Auch davon habe ich gelesen und auch das hat mich offen gestanden überrascht. Die Amis – so umweltbewusst?

Im Zusammenhang mit Volkwagen ist dieser Tage viel von „Vertrauen“ und „Image“ die Rede: Das Vertrauen des Verbrauchers bzw. Käufers, das der Automobilkonzern sich mit seiner Profitgier verprellt hat und das Image der deutschen Wirtschaft als solider, zuverlässiger Saubermann, das angeblich in Gefahr ist.

Ehrlich gesagt: Deutsche wissen, dass Deutsche nicht die besseren Menschen sind. Auch in der deutschen Wirtschaft geht es v. a. um Gewinnmaximierung. Das weiß sogar ich, obwohl ich beileibe keine Wirtschaftsexpertin bin, aber es ist ja auch eine Milchmädchenrechnung.

Eigentlich kann dem nur die Politik entgegenwirken. So gesehen könnte man auch das geplante Freihandelsabkommen TTIP in einem neuen Licht sehen. Sicher, niemand will Chlor-Hühnchen in der EU, aber schon vor geraumer Zeit erläuterte Harald Schumann, Redakteur beim Berliner Tagesspiegel im Interview mit Youtube-Journalist Tilo Jung seine Vision von einer deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit: Was wäre, wenn strenge us-amerikanische Standarts auf strenge deutsche bzw. europäische Standarts treffen würden? Nur das Beste für den Verbraucher!

Man glaubt es kaum, aber man will dem, was man kauft, eben auch wieder über den Weg trauen können …

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