Was der rechte Rand mit Erdbeereis zu tun hat

Angeblich werden Flüchtlinge in Deutschland total luxuriös untergebracht, so richtig in chicen Neubauten und so … Angeblich bekommen sie auch tolle Smartphones geschenkt … Eigentlich – so könnte man denken – hat man als Flüchtling einen guten Schnitt gemacht. Da lohnt es sich gar nicht mehr, sich abzurackern für nichts und wieder nichts … Dass das alles absoluter Schwachsinn ist, weiß eigentlich jeder. Zumindest sollte man das annehmen. Es ging so oft durch die Medien, dass Flüchtlinge in Zeltstädten, hastig hochgezogenen Wohncontainern oder irgendwelchen leerstehenden Gebäuden untergebracht werden. In Berlin gab es sogar Bilder, die katastrophale Zustände zeigten, wie sie  z. T. offenbar in Flüchtlingsaufnahmestellen und Behörden herrschen: Menschen, die draußen mehr lagern als warten, Kinder, die auf Koffern schlafen, über allem die brütende Sommerhitze. Das habe ich heute morgen (oder war es gestern?) zufällig im Vorbeigehen am Zeitungskiosk gesehen. Man muss also noch nicht einmal fleißig die Zeitung lesen oder Tagesschau gucken.

Und dann die Smartphones, die begehrliche und – so wie es aussieht v. a. missgünstige – Blicke geerntet haben. Der Journalist und Blogger Carsten Dobschat zitiert auf seinem Blog eine Kolumne von Oliver Hoffmann, in der sehr anschaulich beschrieben wird, worum es bei einer Flucht geht: Flüchtlinge kommen im Allgemeinen nicht aus dem Nichts. Das meiste, was sie besessen haben, konnten sie nicht mitnehmen, aber ein Handy, das kann man mitnehmen. Ist ja wirklich gut zu gebrauchen, auf so einer Flucht. Also, ich denke, wer kommunizieren kann, ist immer besser dran, als jemand, der sich auf’s Hörensagen verlassen muss. So oder so ähnlich ist die Sache mit den Smartphones ja auch in den Medien durchgekaut worden. In manchen Ländern sind Handys und anderes Technikspielzeug außerdem sehr viel billiger zu haben als bei uns, aber selbst wenn sie teuer sind – nicht alle Flüchtlinge sind arm. Die Iraner, die in den 1980er Jahren vor dem Regime Ayatollah Khomeinis flohen, gehörten oft sogar der Oberschicht an. Trotzdem hatten sie gute Gründe, zu flüchten. Ich meine, ein Krieg ist immer ein guter Grund, zu flüchten, auch wenn man finanziell ganz gut gestellt ist. Das eine hat ja mit dem anderen nichts zu tun. Soviel zum Thema „Asylbetrüger“. Es gibt eben nicht nur „Armutsflüchtlinge“. Aber ganz abgesehen davon: Was ist schon dabei, wenn ein Flüchtling mal von irgendeiner mildtätigen Seele ein Handy geschenkt bekommt?! Es ist ganz sicher nicht so, dass das jeden Tag passiert und es macht auch keinen Asylbewerber zu einem reichen Mann (oder einer reichen Frau). Dieses Missgünstige ist wirklich abstoßend! Man selbst freut sich doch auch, wenn man mal in irgendeiner Weise großzügig bedacht wird und ich denke, niemand will ernsthaft mit einem Flüchtling tauschen!

Dennoch – egal wie wenig wahr das ist, was rechte Hetzer verbreiten – es scheint immer wieder Leute zu geben, die geneigt sind, es zu glauben. Irgendwie scheinen solche Geschichten auf offene Ohren zu stoßen. Carsten Dobschat, der auf seinem Blog mehrere Posts zum Thema veröffentlicht hat, ist der Meinung, dass es nichts bringt, mit diesen Leuten zu diskutieren und er ist nicht der einzige, der das sagt. Er hat wohl recht, dass es vergebene Liebesmüh ist, die Leute, die diese Lügengeschichten in Umlauf gebracht haben, davon überzeugen zu wollen, dass Ausländerfeindlichkeit etwas Schlechtes ist. Allerdings – und so sehe ich es – sind da auch noch die Adressaten, also die Menschen, die aufgehetzt werden sollen. Sie fühlen sich übergangen, haben Angst und ereifern sich über Dinge, die gar nicht stimmen. Vielleicht könnte man ihnen mal sagen, dass das, was sie da so von sich geben, so ist, als würde man Erdbeereis verbieten wollen, weil die Leute sich davon angeblich eine blaue Nase holen …

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