UberPop und überhaupt

UberPopFist

… Am Taxistand vor dem Flughafen Paris-Charles de Gaulle jault ein Motor auf. In einer dramatisch aufwirbelnden Staubwolke verschwindet eine der Taxen. Irgendjemand muss den FBI-Agenten, der sich diskret in die American Airlines-Maschine geschlichen hatte, verpfiffen haben. Er hechtet in eine der wartenden Taxen. Wortlos fährt der schlecht rasierte, übellauning wirkende Fahrer, dem eine Gauloises aus dem Mundwinkel hängt, los. Eine nervenaufreibende Treibjagd durch Paris beginnt, vorbei am Eiffelturm und über die Champs Elysées, doch das Taxi, in dem der Gangster sitzt, scheint immer eine Nasenlänge voraus zu sein. Schließlich kommt es in einer heruntergekommenen Sackgasse zum Showdown …

SMARTER TAXI FAHREN

Was ein Hollywood-Blockbuster oder Film Noir hätte sein können, wäre mit UberPop so nicht passiert bzw. es wäre auch gar nicht möglich gewesen. Dazu ist UberPop viel zu zeitgemäß, zu smart und zu sehr der New Economy verpflichtet. Über eine App können potentielle Fahrgäste mit dem Smartphone UberPop-Fahrzeuge in ihrer Nähe lokalisieren und eine Nachricht schicken, dass sie gerne mitgenommen werden möchten. Alles Weitere läuft dann sehr informell ab: Die UberPop-Fahrer sind keine ausgebildeten Taxifahrer, sondern ganz normale Leute, die eben gelegentlich mal jemanden mitnehmen, wenn sie gerade irgendwo in der Gegend sind. Da es Fremde sind, denen sie ihre Fahrdienste anbieten, nehmen sie Geld dafür – deutlich weniger als die Profis.

STREIK DER TAXIFAHRER IN FRANKREICH

Genau das ist auch der Stein des Anstoßes, der gestern in Frankreich zum Streik der Taxifahrer und zu z. T. gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hat*. Schon seit längerer Zeit versuchen französische Fahrdienstgesellschaften UberPop zurückzudrängen*. Sie werfen dem Anbieter mit Stammsitz in den USA unlauteren Wettbewerb vor. Davon abgesehen stehen die Arbeitsplätze der professionellen Taxifahrer auf dem Spiel. Ein Verbot, das am 1. Januar diesen Jahres in Kraft getreten ist, hat nichts gefruchtet. UberPop hängt sich an Lappalien auf und lässt seine Fahrer unbeeindruckt weiter fahren*.

*Quellen:

Art.: „Le tribunal de commerce de Paris refuse d’interdire UberPop“ (ohne Angabe eines Autors), www.20minutes.fr, v. 12. Dezember 2014.

Art.: „UberPop se faufile entre la loi et la police“ v. Philippe Brochen, in: Libération v. 25. Januar 2015.

Zum Streik selbst vgl. z. B. Art.: „Hollande fordert Auflösung von UberPop“ (ohne Angabe eines Autors), Zeit-Online v. 26. Juni.

DO-IT-YOURSELF ALS GESCHÄFTSPRINZIP

Unternehmen wie UberPop wirken irgendwie wie versilberte Erinnerungen an Studententage. Unter Backpackern, jungen Rucksackreisenden, war es z. B. von je her üblich, sich gegenseitig Tipps zu geben, wo man gut untergekommen könnte, manchmal auch bei Privatleuten, die ein oder zwei Schlafplätze übrig hatten, vielleicht eine Unkostenbeteiligung dafür erwarteten oder auch nur einen spannenden Abend mit einem Fremden. Irgendwann gab es das dann auch in organisiert und mittlerweile ist es Teil der so genannten „Sharing Economy“.

UberPop hat das „per Anhalter Fahren“ zu Geld gemacht. Mit UberPop ist das weniger gefährlich, aber dafür zahlt man eben einen geringen Beitrag. Eigentlich ist das ja eine ganz gute Alternative. Viele Menschen können sich nun einmal kein teures Taxi leisten und im Zeitalter der Mini- und Midijobs, Langzeitpraktika, Projekte und Freelance-Tätigkeiten werden es immer mehr. Do-it-Yourself-Netzwerke sind längst nicht mehr nur für Studenten interessant.

NEBENJOB ODER JOBKILLER?

UberPop und andere haben das erkannt und auch auf den Wandel auf dem Arbeitsmarkt reagiert. Immerhin geht es bei ihnen um’s Dazuverdienen. Wer für UberPop fährt, kann ganz unkompliziert noch nebenher ein bisschen Geld machen. Das ist ideal, wenn man wenig verdient, magere Renten oder Arbeitslosenhilfe aufstocken will, auf den nächsten Urlaub spart oder den eigenen Kindern den einen oder anderen Wunschtraum erfüllen möchte.

Allerdings ist es auch eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. In Deutschland soll jeder dritte Taxifahrer so wenig verdienen, dass er oder sie noch zusätzlich mit Hartz IV aufstocken muss*. Was UberPop betrifft, ist die Lage offenbar ebenso nebulös wie in Frankreich*. Irgendwie ist UberPop verboten – heißt es – in Städten wie München oder Frankfurt sollen aber trotzdem UberPop-Fahrzeuge unterwegs sein*.

*Quelle:

Art.: „Taxi-Dienst UberPop in ganz Deutschland verboten“ v. Achim Sawall, www.golem.de v. 18. März 2015.

Na ja, sollte ich je wieder in Paris sein, sollte ich es mir leisten können, werde ich die U-Bahn nehmen – wie zu Studentenzeiten.

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