#DieHomoFrau … überlegt, Fussball zu spielen

Gestern hat sich #DieHomoFrau die Respect Games angeschaut, die im Berliner Jahn-Sportpark stattfanden. #DieHomoFrau schlurfte an diversen Fussballfeldern vorbei und schielte – halb neidisch, halb bewundernd – zu den Spielerinnen herüber. Angesichts so vieler sportlicher Frauen, die sich auch von der brüllenden Hitze nicht abhalten ließen, auf dem Platz zu bolzen und sichtlich Spaß dabei hatten, bekam auch #DieHomoFrau Lust, sich sportlich zu betätigen, vielleicht irgendwo, wo es nicht um Wettkampf ging, sondern eher um lockeres vor sich Hindaddeln am Rande. Das Wetter, das mangelnde sportliche Talent, dass #DieHomoFrau eigentlich gar nicht so der Fussballfan ist – Ausreden fanden sich genug. Hätte #DieHomoFrau ein Beachvolleyballteam gefunden, dass sportlich eher auf ihrem Level – also dem niedrigsten Level – gewesen wäre, hätte #DieHomoFrau sich vielleicht hinreißen lassen und die Leute schräg von der Seite angelabert, so nach dem Motto: „Mitmachen? Darf ich?“. Aber das hat sie sich dann doch nicht getraut. #DieHomoFrau sah, wie zwei Männer einander einen Basketball zupritschten und hatte sofort einen gebrochenen Mittelfinger vor Augen. Nein Danke!

#DieHomoFrau wollte lieber ein Bier, trank aber, weil es so heiß war, „nur“ ein Radler. Es gab ein paar gehässige Bemerkungen und #DieHomoFrau hatte Angst, dass sich jemand „angemacht“ oder „unsittlich angestarrt“ fühlen könnte. #DieHomoFrau hatte auch Angst, unsittlich angestarrt und dumm angemacht zu werden. #DieHomoFrau ist ja eigentlich eine Bi-Frau und somit für einige eine „dumme Schlampe“, mit der man es machen kann. Viel mehr Angst hat sie allerdings vor den sex-positiven Frauen, die „sich begehrt fühlen“ wollen – auf Kosten der #HomoFrau. Wenn #DieHomoFrau nicht „begehren“ will, dann ist sie eben die „frigide Zicke“ oder „die Asexuelle“. Das will #DieHomoFrau auch nicht. #DieHomoFrau wäre liebend gern mit ein paar Frauen in’s Gespräch gekommen. Nur so, just for Fun, ohne Baggern, ohne „sich begehrt Fühlen“. Einige Leute wirkten auch durchaus ganz nett und so, aber #DieHomoFrau zögerte trotzdem – Die Respect Games waren einfach ein sehr kleines Fest. Alles hatte eher den Charme eines Sommerfestes irgendeiner Grassroots-Initiative, als das man es als offizielles Hauptstadt-Sportevent hätte ansehen können. Das machte irgendwie klar, dass LGBTI wirklich eine Minderheitenangelegenheit ist, etwas das nur ganz wenige Leute betrifft – obwohl sich doch im Zuge der Debatte um die #Ehefueralle im Moment alle so furchtbar damit aufpumpen. Aber – hm – naja, auch die #Ehefueralle, also die Tatsache, dass das in Deutschland nicht so glatt über die Bühne geht, obwohl doch selbst das katholische Irland dafür gestimmt hatte, macht ja deutlich, dass LGBTI für viele Menschen irgendwie nicht so cool ist – jedenfalls nicht jenseits der hippen Partyszene.

Auf dem Rückweg, in der U-Bahn, passierte es dann. Eine junge Frau, die ein bisschen in Richtung der #HomoFrau gestarrt hatte, gluckste ihrer Freundin zu: „Die Lesbe, die steht auf mich!“. „Nein“, dachte #DieHomoFrau: „Die ‚Lesbe‘ hat Dich angestarrt, weil Du sie angestarrt hast.“ #DieHomoFrau dachte sich außerdem, dass man die junge Frau eigentlich mal beiseite nehmen und sie fragen müsste: „Sag mal, was wäre, wenn ein süßer Typ zu Dir ‚rüberschaut und grinsend zu seinem Freund sagt: ‚Die in dem grünen Rock*, die steht auf mich!‘ Wie würdest Du das finden?“

#DieHomoFrau hat wirklich die Nase voll von Sex-Positiv und diesem dämlichen Feminismus, wo sich Frauen von Frauen wie der #HomoFrau „begehrt fühlen“ sollen, damit das ihr Selbstbewusstsein stärkt und sie sich mal so richtig sexy fühlen können, so wie sonst nur die Mädchen, die es in „Germany’s next Topmodel“ in die Endrunde schaffen. Dieses ganze „sich begehrt Fühlen“ ist eigentlich total unsexy, nicht nur, weil Frauen Flirts aufgedrängt werden, die gerade keine Lust auf Flirts haben – zumindest nicht mit der oder dem – weil jeder Blick als „Anmache“ aufgefasst wird und jedes freundliche Lächeln als „Einladung“ gilt, sondern auch, weil jeder wirkliche zwischenmenschliche Kontakt ja schon im Vorfeld abgeblockt wird. #DieHomoFrau ist jedenfalls nicht mehr so pubertär, sich auf den ersten Blick „unsterblich“ zu verlieben und auch nicht so notgeil, dass jeder weibliche Körper, der ihr auf der Straße in’s Blickfeld gerät, sie zu feuchten Träumen verführen würde. Irgendwie fragt sich #DieHomoFrau, was die junge Frau aus der U-Bahn machen würde, nur mal angenommen, der süße Typ, also irgendeiner, der ihr – so vom Aussehen her – gefallen würde, wenn sie mit ihm in’s Gespräch käme und feststellen würde, dass er total panne ist, voll daneben halt oder er ist echt nett und sieht auch gut aus, aber es will einfach kein Funke überspringen? Na ja, vielleicht würde die junge Frau sich dann fragen, ob sie lesbisch ist, wenn sie doch mit Männern „einfach nichts anfangen“ kann – denkt sich #DieHomoFrau – und grinst breit.

*In der Rubrik #DieHomoFrau (wie auch im ganzen Blog) sind alle Personenbeschreibungen geändert. Ereignisse und Erfahrungen, Orte und Zusammenhänge sind teilweise verändert, da es im Wesentlichen darum geht, Homo- und Biphobie greifbar zu machen und auch zu überlegen, wie einzelne Frauen damit konkret umgehen können. Nicht so wichtig ist es dagegen, Ereignisse und Erfahrungen „maßstabsgetreu“ wiederzugeben, da der Blog „Laila Phunk“ kein Online-Tagebuch ist, sondern ein – eher experimentelles – Sammelsurium von Texten und Bildern ‚rund um Themen, die Laila Phunk interessieren.

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