Die Grenzen der Toleranz

 „Humani nihil a se alienum putat“

dt.: „Der Mensch glaubt, nichts Menschliches sei ihm fremd“

Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.),

in: „De officiis“, dt.: „Vom pflichtgemäßen Handeln“, I, 30,

zit. nach Wikiquote.

Die meisten LGBTI*-„Identitäten“ galten vor einigen Jahrzehnten noch als „psychische Krankheiten“ oder zumindest „psychische Fehlentwicklungen“ und sie offen auszuleben war z. T. strafbar. Daher ist es manchmal schwer, delinquentes Verhalten und psychische Probleme von einer abweichenden sexuellen Identität abzugrenzen, vor allem, weil Menschen, die auch heute als „pervers“ bzw. in ihrem Verhalten stark abweichend angesehen werden, dies manchmal nicht auf sich sitzen lassen wollen und Solidarität fordern.

*LGBTI: Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Intersexual

Meiner Meinung nach können Verhaltensweisen und Bedürfnisse, die das Recht auf freie Selbstbestimmung und Entfaltung der Persönlichkeit anderer Menschen einschränken nicht als Ausdruck einer „anderen“ Sexualität toleriert oder sogar geschützt werden.

Es kann z. B. keine Akzeptanz geben für den sexuellen Missbrauch von Kindern, für sexuelle Übergriffe und für sadistische Verhaltensweisen, die darauf abzielen, den Willen anderer Menschen zu „brechen“, ihnen ihre Würde zu nehmen und sie körperlich und/oder psychisch zu misshandeln.

Allerdings ziehen der Ruch des „Kranken“ und „Abartigen“ und der Kampf für die Akzeptanz von „Andersartigkeit“ auch Menschen an, die zwar keine „abweichende“ Sexualität haben, sich aber sehr wohl mit dem Image der LGBTI-Identitäten identifizieren können.

Dadurch, dass sich jemand lediglich „anders“ fühlt und exzentrisch auftritt, schadet er oder sie eigentlich niemandem anderen. Und es wäre unfair, die Leute einzuteilen und gegeneinander abzugrenzen, auch, weil man mit bloßem Auge, aus der Ferne, gar nicht beurteilen kann, wer bei einer Mode mitmacht und sich nur ein bisschen in dem Glamour des „Andersartigen“ und Randständigen sonnen möchte, wer von seiner psychischen Grundstruktur her schon immer „auffällig“ war, daran nichts ändern kann und auf Akzeptanz hofft und wer wirklich LGBTI ist. Ganz abgesehen davon, dass eine LGBTI-Identität eben auch kein Garant dafür ist, keine psychischen Probleme zu haben.

Schwierig wird es dann, wenn für die instabile Identität und/oder das mangelnde Selbstbewusstsein bestimmter Menschen andere als „Puffer“ oder „Fussabtreter“ herhalten sollen und dafür dann auch noch Toleranz und Minderheitenschutz verlangt werden.

Probleme sollte man klären, „anders“ darf man dagegen meiner Meinung nach immer sein – so lange man das für andere auch gelten lässt und ihre Grenzen respektiert.

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