Ist Grün Gift für Kinder?

Wenn man „abweichende“ Sexualität aus der Schmuddelecke des Perversen, psychisch Kranken holen will, dann aber auch richtig. So wird es manchmal in links-alternativen Foren und Communities im Internet gefordert und was die Leute damit meinen, ist: Legalisiert Sex zwischen Kindern und Erwachsenen! Entkriminalisiert Pädophilie!

Wenn ich so etwas lese, muss ich erst einmal schlucken. Ist das ein schlechter Scherz? Oder am Ende vielleicht doch ernst gemeint? Man weiß es nicht. Im Internet sind ja viele Trolle unterwegs, denen es Spaß macht, die Leute zu verschaukeln – was in diesem Fall allerdings ganz schön makaber ist! Ich kann jedenfalls nicht drüber lachen.

DIE PÄDOPHILIE-DEBATTE

Ganz so abwegig, wie man meinen könnte, sind solche Forderungen aber offenbar nicht. 2013 war es noch einmal in der Debatte*, dass bei den Grünen um 1980 verschiedentlich die Meinung vertreten wurde, Sex zwischen Kindern und Erwachsenen sollte legalisiert werden. Auch bei der FDP-Jugend soll es damals z. T. ähnliche Positionen gegeben haben*. Beides sind ja liberale Parteien, bei denen die Akzeptanz von Minderheiten fest zum politischen Programm gehört. Allerdings fällt es aus heutiger Sicht schwer, Pädophile als sexuelle Minderheit zu betrachten.

*Zu der Pädophilie-Debatte von 2013 existieren viele Texte im Internet, die das Problem jeweils aus etwas anderen Blickwinkeln beleuchten.

Einen ersten Überblick gibt Wikipedia.

Die Positionen der Grünen und der FDP-Jugend aus den frühen 1980er Jahren fasst der Artikel: „Grüne und FDP-Jugend wollten Pädophilie legalisieren“ (ohne Angabe eines Autors) in: Zeit v. 11. August 2013 zusammen.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sei hier angemerkt, dass weder bei den Grünen noch in der FDP heute noch Ansichten vertreten werden, denen zufolge Sex zwischen Erwachsenen und Kindern entkriminalisiert werden sollte. Dies ist seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr im Gespräch und hat auch nie die Zustimmung aller AnhängerInnen dieser Parteien bzw. ihrer Jugendverbände gefunden.

DER „SCHWULENPARAGRAPH“

Vielleicht hat es damit zu tun, dass auch Homosexualität lange Zeit als psychische „Fehlentwicklung“ angesehen wurde und homosexuelle Handlungen unter Männern bis Anfang der 1970er Jahre als Straftat galten*.

*Der §175, der so genannte „Schwulenparagraph“ wurde tatsächlich erst 1994 abgeschafft. Seit den 1970er Jahren wurde aber nur noch schwuler Sex mit Jungen und Männern unter 18 Jahren bestraft.

Auch wenn die Süddeutsche Zeitung seit kurzem eine „weiche“ Paywall hat, die es nur noch erlaubt, eine bestimmte Anzahl an Artikeln pro Woche kostenfrei zu lesen, finden sich im Rahmen ihres Projektes „Toleranz-Recherche“ von 2014  einige sehr lesenswerte Artikel zum Thema:

Art. „Wenn Recht Unrecht ist“ v. Martin Anetzberger, in: Süddeutsche Zeitung v. 12. November 2014.

Art. „Straftatbestand: Liebe“ v. Tobias Dorfer, in: Süddeutsche Zeitung v. 12. November 2014.

Dass Homosexuelle psychisch gestört seien oder die Moral der Jugend gefährdeten, daran wird heute nicht mehr festgehalten, zumindest wenn man von einigen wenigen rechts-konservativen und ultrareligiösen Strömungen in unserer Gesellschaft absieht. Insofern scheint sich das Engagement derjenigen, die sich seit Jahrzehnten für die Akzeptanz von sexuellen Minderheiten einsetzen, langsam auszuzahlen.

PERVERSE ALLER LÄNDER…

Aber darf man das Kind dann gleich mit dem Bade ausschütten? Ist das so in Ordnung, einfach alles als „sexuelle Orientierung“ zu deklarieren, was mal als „krank“ und „abartig“ galt? Eventuell sogar „Minderheitenschutz“ dafür einzufordern, die Leute dazu aufzufordern, toleranter zu sein und ihre Einstellungen nochmal zu überdenken?

Auch umgekehrt, allein die Vorstellung, dass da jemand kommen könnte und sagen: „Na ja, Du bist doch auch irgendwie … ein bisschen „anders“, da müsstest Du doch verstehen ….“

Nein. Da gibt es nichts zu „verstehen“. Der Unterschied liegt ja auch auf der Hand: Homosexuelle haben – genau wie Heterosexuelle – im Allgemeinen Sex mit Erwachsenen und das in den allermeisten Fällen im gegenseitigen Einvernehmen. Das schadet niemandem. Pädophile aber wollen Sex mit Kindern und auch wenn es stimmt, dass auch Kinder eine Art „Sexualität“ haben – sie hat mit der von Erwachsenen nichts zu tun. Das sind zwei Sphären, die vollkommen voneinander getrennt sind und sein müssen, damit Kinder sich körperlich und psychisch normal entwickeln können. Pädophilie ist also eine sexuelle Orientierung, die nicht ausgelebt werden kann – mal ganz abgesehen davon, dass nicht jeder, der Kinder sexuell missbraucht, ein Pädophiler ist….

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