Digitale Aufklärung

Die Video-Clip-Reihe „Frag ein Klischee“* der Leuphana Universität Lüneburg ist ein Projekt zur digitalen Aufklärung. Die Frage, die dahinter steht, ist: Wie kann man die Generation Smartphone dazu bringen, sich Gedanken über Toleranz und Vielfalt zu machen? Wahrscheinlich sind langatmige Ausführungen mit unzähligen Querverweisen zur Kulturgeschichte des Abendlandes nicht der richtige Weg. Was aber, wenn man ganz unverblümt fragen könnte, was man wissen will? Wenn man im Schutze der Anonymität des Internets einfach mal offen aussprechen könnte, was einem durch den Kopf geht, wenn z. B. von „Minderheiten“ und „Außenseitern“ die Rede ist? Und jemand, der sich auskennt, weil er/sie selbst betroffen ist, antwortet einem?

In jedem „Frag ein Klischee“-Video-Spot wird auf die Frage eines Social Web Users/einer Userin geantwortet. Manchmal ist das nicht ganz so spontan und aus dem prallen Leben gegriffen, wie es den Eindruck erwecken soll. Dafür kommt aber in einigen Clips ganz schön viel an Inhalt ‚rüber. Die Spots um den Pädophilen Ingo („Frag einen Pädophilen“) wurden z. B. gemeinsam mit dem Projekt „Kein Täter werden“* entwickelt.

Der 27jährige „Ingo“ (Name und Alter sind anonymisiert) steht auf Kinder, hat aber noch nie eines missbraucht. Die Versuchung ist zwar immer da, aber Ingo weiß genau, was er anrichten würde, wenn er seinen Trieb auslebt. In dem Spot 2/7 antwortet er auf die Frage „Fühlst Du Dich diskriminiert (wie Schwule in Russland)?“, dass er hofft, dass die Gesellschaft Pädophilie eines Tages einfach als Krankheit ansehen wird, mit der die Betroffenen irgendwie leben müssen und dass Pädophile Unterstützung dabei erhalten, alles dafür zu tun, dass sie ihre „sexuelle Orientierung“ nicht ausleben.

Man kann jetzt zwar lamentieren, dass Pädophilen in Projekten wie „Frag ein Klischee“ und „Kein Täter werden“ unangemessen viel Aufmerksamkeit und Nachsicht entgegengebracht werde, obwohl doch alle wissen, dass sexueller Missbrauch an Kindern ein Verbrechen ist, aber eigentlich stellt das – zumindest heute* – auch niemand in Frage, also niemand zweifelt daran, dass Sex zwischen Erwachsenen und Kindern bestraft werden muss. Da sind sich wohl alle einig, bis auf vielleicht ein paar merkwürdige Spinner, die aber vermutlich vor allem provozieren wollen. Und es geht auch nicht darum, sich mehr mit den Tätern als mit den Opfern zu beschäftigen. Das, was zählt, ist doch, wie man Kinder bestmöglich vor sexuellem Missbrauch schützen kann und dazu ist es – so sehe ich es jedenfalls – wichtig, dass Pädophile dabei unterstützt werden, auf Sex mit Kindern und den Konsum  von Kinderpornos zu verzichten. Nichts anderes möchte „Ingo“.

*Tatsächlich traten einige Mitglieder der Grünen und der FDP-Jugend sowie einige links-alternative Kommunarden in den frühen 1980er Jahren für die Legalisierung von Sex zwischen Kindern und Erwachsenen ein. Vgl. dazu auch den nachfolgenden Blogbeitrag „Ist Grün Gift für Kinder?“. Alles in allem muss aber betont werden, dass die meisten Leute, die sich damals für die Akzeptanz von sexuellen Minderheiten und für eine allgemein freizügigere Sexualmoral eingesetzt haben, sexuellen Missbrauch an Kindern abgelehnt haben.

Das Projekt „Frag ein Klischee“ der Leuphana Universität Lüneburg hat unzählige Video-Spots rund um das Thema Toleranz und Vorurteile entwickelt. Da die Spots relativ offen auch mit grenzwertigen Fragen umgehen und Einiges vielleicht nicht ganz jugendfrei ist, hier nur ein Link zur Projektbeschreibung.

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet in verschiedenen deutschen Großstädten kostenlos und anonym therapeutische Hilfe für Pädophile an.

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