Die eierlegende Wollmilchsau rechnet ab

Die eierlegende Wollmilchsau zieht Bilanz: Wer in den Jahren zwischen dem Platzen der Dotcom-Blase* (2000) und der Weltwirtschaftskrise* (2008) mit dem Studium fertig wurde, hatte es schwer, einen Einstieg auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

*Mehr Informationen zur Dotcom-Blase und zur Weltwirtschaftskrise von 2007/2008 finden sich   auf Wikipedia.

Manche schafften den Quereinstieg in’s Lehramt, denn dort herrschte zu dieser Zeit Bewerbermangel. Andere kamen nach vielen unbezahlten Langzeitpraktika, die allerdings auch irgendwie finanziert werden mussten, irgendwo unter. Für wieder andere ging diese Rechnung nicht auf. Wer etwas mehr Startkapital und eine zündende Idee hatte, machte sich selbstständig. Aus manchen jungen Akademikern wurden auf diese Weise erfolgreiche Kleinunternehmer. Andere gingen gnadenlos baden und blieben auf einem Haufen Schulden sitzen. Für viele junge Frauen, die ganz selbstverständlich mit feministischen Ideen aufgewachsen waren, wurde eine Existenz als Hausfrau und Mutter wieder eine Option.

Irgendwie hat sich die Generation der eierlegenden Wollmilchsäue so durchgewurschtelt, allerdings nicht ohne die eigenen Ansprüche drastisch herunterzuschrauben, Ausbeutung hinzunehmen und sich auch selbst kräftig auszubeuten.

Andererseits hatten die eierlegenden Wollmilchsäue als junge Studentinnen und Studenten Möglichkeiten gehabt, von denen vorangegangene Generationen nur hatten träumen können. Studieren und auch noch das, was einem Spaß macht, in’s Ausland gehen, fremde Sprachen und Kulturen kennen lernen….

Dafür war eben der Weg in’s Berufsleben umso dorniger und endete für manche vorschnell in einer Sackgasse. Auf dem üblichen Weg, über Bewerbungen, die zunehmend zu einer Wissenschaft für sich wurden, so ausgeklügelt sollten sie sein, kam fast niemand an einen Job. Da musste man schon Vitamin B haben, Beziehungen.

„Netzwerken“ war die Devise. Man könnte auch ganz schnöde von schleimen und sich wichtigen Leute andienen sprechen. Das nervt die eierlegende Wollmilchsau. Sie fühlt sich solchen Leuten gegenüber unbeholfen und wollte eigentlich auch nicht wildfremden Menschen vorheucheln, sie hätte persönliches Interesse an ihnen, so ganz ohne Hintergedanken. Es ging ja bei diesem „Beziehungen-knüpfen“ eigentlich nur um die Hintergedanken, darum, jemanden zu umschmeicheln, so dass er oder sie einen vielleicht bei der nächsten vakanten Stelle berücksichtigen würde….

 

Advertisements