Kinder statt Kulturarbeit?

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Die eierlegende Wollmilchsau zieht es in die Großstadt, genauer gesagt in die aufstrebende Kunst- und Lifestyle-Metropole Berlin. Hier steppt der Bär. Alles ist so schön bunt und die eierlegende Wollmilchsau kann sich gar nicht entscheiden*. Es scheint so viele Möglichkeiten zu geben. Mit einem Job klappt es trotzdem nicht, obwohl die eierlegende Wollmilchsau jetzt erste Berufserfahrungen hat. Es heißt doch immer, Akademiker hätten das geringste Arbeitslosigkeitsrisiko. Wo sind sie eigentlich alle hin, die ganzen Geisteswissenschaftler?

*Frei nach dem Song „TV-Glotzer (White Punks on Dope)“ von Nina Hagen, Release 1978.

Hm, ja, das Naheliegende: Heiraten, Kinderkriegen – die berühmten Latte-Macchiato-Mütter vom Prenzlauer Berg*. Die eierlegende Wollmilchsau ist ja jetzt auch schon um die 30. Da bietet es sich natürlich an, wenn „er“ einen Job hat, dass „sie“ dann zu Hause bleibt und für die Kinder da ist, also, wenn „sie“ sowieso nur so ‚was Brotloses wie Germanistik oder Archäologie studiert hat….

Natürlich nerven Edel-Muttis, die hochnäsig ihre Bugaboo-Kinderwagen über die Kastanienallee schieben, Cafés kurzerhand zu Indoor-Spielplätzen umfunktionieren und sich hysterisch über das in 30 Jahren zu erwartende, steigende Lungenkrebsrisiko ihrer Sprösslinge auslassen, wenn jemand an der Kreuzung Schönhauser Allee neben ihnen eine Zigarette auf dem Boden austritt. Aber die eierlegende Wollmilchsau hat im neureichen Prenzlauer Berg auch Frauen angetroffen, die eigentlich ganz sympathisch zu sein schienen. Und jede Menge Kinderwagen. Natürlich. Der Prenzlauer Berg hat vermutlich mehr Einwohner unter 15 Jahren als ein beliebiges so genanntes „Entwicklungsland“.

Ja, den Prenzlauer-Berg-Muttis geht es wirtschaftlich gut. Zumindest, so lange die Ehe hält. Aber sie hatten sich das so eigentlich auch nicht ausgesucht. Eigentlich war es ja schon so geplant, einen coolen Job als Lektorin in irgendeinem kleinen Verlag oder vielleicht in der Erwachsenenbildung an Land zu ziehen und dann trotzdem Kinder zu kriegen. Immerhin hatte die Generation der Prenzlauer-Berg-Muttis und der eierlegenden Wollmilchsäue von ihren Müttern seinerzeit gepredigt gekriegt, dass Beruf und Familie selbstverständlich für eine Frau vereinbar seien. Die Mütter der eierlegenden Wollmilchsäue hatten noch irgendeine Berufsausbildung gemacht, dann ein paar Jahre, bis zur Heirat, als Arzthelferin oder Sekretärin gearbeitet, eine lange Babypause eingelegt und wieder angefangen, Teilzeit oder auf Stundenbasis zu arbeiten, als die eierlegenden Wollmilchsäue und ihre Geschwister aus dem Gröbsten heraus waren.

Beruf und Familie wäre also für die Generation der eierlegenden Wollmilchsäue vereinbar gewesen – wenn es mit dem Beruf geklappt hätte….

*Mehr lesen?: Online sind mehrere gute Artikel verfügbar, z. B.:

Art. „Schlank, hübsch, verhasst“ v. Stephan Speicher, in: Süddeutsche Zeitung v. 24. Juni 2011. Leider hat die SZ seit kurzem eine Paywall, obwohl zur Zeit noch eine gewisse Anzahl an Artikeln pro Woche kostenlos online abrufbar sein soll.

Art. „Die verlassenen Macchiato-Mütter“ v. Julia Niemann, in: Tageszeitung v. 16. Juli 2010.

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